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Der Dom Zum Heiligen Kreuz Nordhausen (auch Nordhäuser Dom genannt) befindet sich in Nordhausen im Norden des Bundeslandes Thüringen. Er trägt die traditionelle Bezeichnung Dom, obwohl er zu keinem Zeitpunkt seiner Geschichte eine Kathedrale, also eine Bischofskirche, gewesen ist. Den Namen Zum Heiligen Kreuz erhielt er von der dort aufgestellten Kreuzreliquie, einem Splitter des Kreuzes Jesu. Der sogenannte Dom dient heute als katholische Pfarrkirche der Stadt Nordhausen.
Inhaltsverzeichnis |
Im Jahr 961 wurde durch Königin Mathilde ein Frauenstift gegründet. Von dem damals errichteten Kirchenbau sind bislang keine Reste bekannt geworden. Offenbar wurde der Bau jedoch in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts verändert, wahrscheinlich auch erweitert. Von diesen Umbauten erhalten geblieben sind die Unterbauten der Osttürme und die Krypta. 1220 wurde das Damenstift in ein Chorherrenstift umgewandelt. Um 1250 wurde die Kirche wiederum umgebaut. Sie erhielt vor allem einen neuen, frühgotischen Chor mit einem Zyklus von Stifterfiguren.
Dem Chorherrenstift stand ein Dompropst vor, z.B. Otto von Harras ab 1480.
Mit dem Dreißigjährigen Krieg setzte eine Verarmung des Domstifts ein, sodass man 1675 das Nordhäuser Kreuzreliquiar nach Duderstadt verkaufte. Erst zur Tausendjahrfeier der Stadt Nordhausen 1927 bekam der Dom wieder eine Kreuzreliquie.
1810 wurde im Zuge der Säkularisation das Stift aufgehoben und die zugehörige Kirche zu einer Pfarrkirche.
Bei dem britischen Luftangriff auf Nordhausen am 4. April 1945 erlitt auch der Dom durch Brandzerstörung des Steildaches über der Halle und Vernichtung der Fenster erhebliche Bauschäden. Er erhielt nach Kriegsende ein Notdach. Ab 1965 wurde das Steildach in alter Form wiederhergestellt.[1]
In den 1970er-Jahren wurde der Kircheninnenraum saniert. Die Instandsetzung des Bauwerks an sich erfolgte in den 2000er-Jahren und wurde 2008 abgeschlossen.
Der Nordhäuser Dom enthält Stilelemente der Romanik und der Gotik. Romanisch sind die beiden Türme sowie Teile des Kreuzgangs. Die Krypta aus dem Jahr 1130 ist ebenfalls romanisch. Gotisch geprägt sind das Kirchenschiff und das Kapitelhaus des Domstifts an der Nordseite des Kirchenschiffs.
Die Krypta misst 7,4 x 7,6 Meter und ist kreuzgratgewölbt. Die Bauornamentik weist auf den Umkreis des Reformklosters Klosters Hirsau im Schwarzwald. In der Krypta ist auch der älteste Grabstein Nordhausens aus dem Jahr 1327 aufgestellt. Er gehörte zum Grab Friedrich von Bielas.
Der frühgotische Chorraum des Domes entstand zwischen etwa 1230 und 1267 (Weihedatum) unter Einfluss der sogenannten zisterziensischen Frühgotik. An den Wänden des Chors wurden gegen 1290 Statuen der wichtigsten Stifter des Domes aufgestellt. Dargestellt sind Heinrich I., dessen Frau Mathilde, Otto I. (Sohn von Heinrich und Mathilde), Adelheid (Gemahlin Ottos I.), Otto II. (Sohn von Otto I.) und seine Frau Theophanu. Ebenfalls im Chorraum befindet sich das aus Eichenholz gefertigte hölzerne Chorgestühl aus der Zeit zwischen 1370 und 1400. Der Hochaltar stammt aus dem Jahr 1726. Ursprünglich befand sich hier ein gotischer Flügelaltar, der jedoch im Dreißigjährigen Krieg vernichtet wurde. Im Mittelpunkt des Altars steht ein Bildnis des Letzten Abendmahls, darüber eine Marienstatue. Am Altar sind vier Figuren angebracht, unter anderem Mathilde.
Das spätgotische Langhaus wurde um 1450 errichtet, allerdings nicht vollständig gewölbt.
Am Westende steht eine Klais-Orgel. Sie wurde am 30. November 1996 im Dom geweiht. Ursprünglich wurde die Orgel aus der Zeit der Orgelbewegung 1964 für die Kasseler Stadthalle als Konzertsaalorgel gebaut. Um dem spezifischen Orgelklang für die akustischen Verhältnisse im Dom mehr Fülle und Kraft zu geben, wurde zusätzlich das Register Praestant 16' hinzugefügt. Insgesamt besteht die Disposition aus 56 Registern; das Instrument besitzt insgesamt 4923 Orgelpfeifen.
Aus dem gotischen Chorgestühl wächst das mächtige Orgelgehäuse mit seinem vorspringenden Mittelrisalit vor der Westwand empor. Die Formensprache und die Farben des Prospektes, nach der Idee von Josef Schäfer († 1981), blieben erhalten, lediglich ergänzt durch die neuen großen Pfeifen des Praestant 16' des Hauptwerks, die Jalousien des Schwellwerks verdeckend. Die Höhenbegrenzung der äußeren Pedalfelder liegt auf gleicher Ebene wie die Basis der Gewölbeansätze, das Mittelfeld stößt hier hinein: So ordnet sich die Orgel dem Raum in seiner Gesamtheit unter - mit Bestimmtheit aber auch mit Schlichtheit und Ruhe in der Linienführung.[2]
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In den Türmen des Domes hängen insgesamt vier Glocken. Im Südturm befinden sich die Heiligkreuz- oder Benigna-Glocke von etwa 1480 sowie eine nicht läutende, sondern reine Schlagglocke von 1477. Im Nordturm hängen die Marien- und Nothelferglocke und die Mathildenglocke, beide 1961 in der Glockengießerei in Apolda gegossen.
| Nr. |
Name |
Gussjahr |
Gießer, Gussort |
Durchmesser (mm) |
Masse (kg) |
Nominal (HT-1/16) |
| 1 | Heiligkreuz oder Benigna | um 1480 | Claus Misner | 1460 | etwa 2000 | cis1 -2 |
| 2 | Mathilde | 1961 | Gebrüder Schilling, Apolda | 1260 | etwa 1200 | es1 -8 |
| 3 | Maria und Nothelfer | 1961 | Gebrüder Schilling, Apolda | 990 | etwa 600 | gis1 -2 |
| 4 | Schlagglocke | 1477 | unbekannt | 640 | etwa 120 | ⁓ f1 |
51.504166666710.7902777778Koordinaten: 51° 30′ 15″ N, 10° 47′ 25″ O