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Der Begriff der Nordischen Kriege bezeichnet in der Geschichtswissenschaft mehrere militärische Konflikte, die zwischen verschiedenen Staaten um die Vorherrschaft im Ostseeraum geführt wurden. Aufgrund der unterschiedlichen nationalen Geschichtsschreibung der beteiligten Staaten konnte sich keine einheitliche Nomenklatur etablieren, sodass die Zählung der Konflikte, welche man als Nordischen Krieg bezeichnet, stark variiert.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Allgemein werden heute unter den Nordischen Kriegen die Gesamtheit der militärischen Auseinandersetzungen im baltischen und Ostseeraum in den Jahren von 1554 bis 1721 verstanden. Im Einzelnen sind dies:
In den verschiedenen historiografischen Traditionen der verschiedenen beteiligten Staaten bildete sich eine unterschiedliche Nomenklatur heraus.[2] So kam es, dass drei verschiedene Konflikte als Erster Nordischer Krieg bezeichnet wurde. Deutsche, russische, Skandinavische und angelsächsische Historiker verstehen darunter traditionell den Krieg von 1655 bis 1660. Für andere schwedische Historiker war der Schwedisch-Moskowitische Krieg 1554–1557 der Erste Nordische Krieg[3], während manche russische Historiker den Begriff auf den Polnisch-Moskowitischen Krieg 1654–67 anwenden. In der Tradition der polnischen Geschichtsschreibung wurden vor allem drei Konflikte als Nordische Kriege zusammengefasst. Der erste bezeichnete die Auseinandersetzung Polen-Litauens mit Moskowien von 1562 bis 1570, der zweite den Krieg von 1655 bis 1660 und den Großen Nordischen Krieg von 1700 bis 1721 schließlich als dritten Nordischen Krieg. Besonders unter dem Einfluss des Historikers Klaus Zernack adaptiert die deutsche Geschichtsschreibung zunehmend diese Nomenklatur, allerdings mit der Abweichung, dass der Begriff des Ersten Nordischen Krieges auf die Gesamtzeit von 1558 bis 1583 angewendet wird.[4] Eine Besonderheit stellt der Konflikt zwischen dem Königreich Schweden, dem Königreich Dänemark und dem Kurfürstentum Brandenburg in den Jahren von 1674 bis 1679 dar. Der Konflikt wird in der dänischen und schwedischen Geschichtsschreibung als Schonischer Krieg, in der deutschen hingegen als Brandenburgisch-Schwedischer Krieg völlig unabhängig behandelt. Auch auf diese Auseinandersetzung wurde zusammenfassend der Begriff eines Nordischen Krieges angewandt.[5]
Mit dem Ausscheiden Schwedens aus der Kalmarer Union und der Wahl von Gustav Eriksson zum schwedischen König endete die Vorherrschaft Dänemarks in Skandinavien. Damit begann der Kampf um das „Dominium maris baltici“, um die Vorherrschaft im Ostseeraum.
Die Reformation führte in den skandinavischen Staaten zu tiefgreifenden Veränderungen. Nach der Säkularisierung des Deutschen Ordens auf Anraten Martin Luthers, entstand ein Machtvakuum, welches nun Schweden, Dänemark, Polen und Russland auf den Plan rief, die danach drängten dieses Vakuum zu füllen. Durch die Enteignung von Kirchengütern sowie den wirtschaftlichen Aufschwung wurde die Krongewalt gestärkt. Die Expansionsbestrebungen nahmen zu. Von Westen drängten niederländische Kaufleute in die Ostsee und versuchten den Einfluss der hansischen Städte zurückzudrängen. Und im Osten kämpfte Russland ab 1558 um einen Zugang zur Ostsee.