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Kernwaffen â auch Atomwaffen oder Nuklearwaffen genannt â sind Waffen, deren Wirkung auf kernphysikalischen Prozessen beruht, insbesondere der Kernspaltung und Kernfusion. Konventionelle Waffen beziehen dagegen ihre Explosionsenergie aus chemischen Reaktionen, bei denen die Atomkerne unverĂ€ndert bleiben. Zusammen mit biologischen und chemischen Waffen gehören Kernwaffen zu den so genannten NBCR-Waffen.
Die Nutzung der Kernspaltung als Waffe stellte einen Wendepunkt in der KriegsfĂŒhrung dar. Bereits die ersten Kernwaffen erreichten Explosionsenergien, die mehr als zehntausend Tonnen konventionellen Sprengstoffs entsprachen. Damit setzten sie genug Energie frei, um im August 1945 die japanischen StĂ€dte Hiroshima und Nagasaki fast vollstĂ€ndig zu zerstören und Hunderttausende von Menschen zu töten. WĂ€hrend des Kalten Krieges entwickelten vor allem die USA und die UdSSR Kernwaffen mit teilweise mehr als 10.000 Kilotonnen (10 Megatonnen) TNT-Ăquivalent. Die stĂ€rkste jemals gezĂŒndete Bombe war die sowjetische Zar-Bombe. Sie wurde am 30. Oktober 1961 bei einem atmosphĂ€rischen Kernwaffentest gezĂŒndet und setzte eine Energie von etwa 57.000 Kilotonnen (57 Megatonnen) TNT-Ăquivalent frei. Zum Vergleich: Die Hiroshima-Bombe hatte eine Sprengkraft von 13 Kilotonnen TNT. Eine Bombe mit derartiger Kraft hĂ€tte im Kriegseinsatz ganze Ballungsgebiete verwĂŒstet. Die Temperatur, die bei einer nuklearen Explosion erzeugt wird, betrĂ€gt im Zentrum zwischen 10 und 15 Millionen Grad Celsius.
Durch ihre groĂe Zerstörungskraft, aber mehr noch durch die bei der Explosion freigesetzten RadioaktivitĂ€t und RĂŒckstĂ€nde, stellen Kernwaffen eine ernste existenzielle Bedrohung nicht nur fĂŒr die Menschheit, sondern fĂŒr das gesamte Leben auf der Erde dar. Auf der anderen Seite hat nach Ansicht mancher Politiker und Politikwissenschaftler die gegenseitige Abschreckung ĂŒber 40 Jahre lang einen direkten militĂ€rischen Konflikt zwischen den GroĂmĂ€chten USA und UdSSR verhindert (siehe dazu Gleichgewicht des Schreckens). Eine gewisse Zahl von Staaten strebt nach atomarer AufrĂŒstung, andere sind AtommĂ€chte.[1] Bei einigen Staaten wie z.B. dem Iran gab es Anzeichen und Hinweise fĂŒr geheime Waffenforschung, wie aus einem Bericht der Internationale Atomenergie-Organisation im November 2011 hervorging.[2][3][4] Der Umgang mit dieser Gefahr gilt vielen Politikwissenschaftlern als eine der gröĂten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.
Weitere spezifische Details finden sich in folgenden Artikeln:
Kurz nach der Entdeckung der RadioaktivitĂ€t gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde klar, dass bei radioaktiven Substanzen, bezogen auf die beteiligten Stoffmengen, ungeheuer groĂe Energiemengen umgesetzt werden, die die ReaktionswĂ€rme, die bei chemischen Reaktionen auftritt, um mehrere GröĂenordnungen ĂŒbersteigt, wobei sich die radioaktive Substanz selbst kaum verbraucht. Schon bald entstanden daher literarische Spekulationen ĂŒber die technische und militĂ€rische Nutzung dieser neuartigen Energie. Der Begriff âAtombombeâ (atomic bomb) wurde wahrscheinlich von H. G. Wells in seinem 1914 erschienenen Roman âThe World Set Freeâ geprĂ€gt und entstand damit zwei Jahrzehnte vor der Entdeckung der Kernspaltung, mit der entsprechende Vorstellungen realisiert werden konnten. FĂŒr die in den 1940er Jahren entwickelten Nuklearwaffen wurde also ein bereits literarisch eingefĂŒhrter Begriff verwendet.
Der grundsĂ€tzliche Aufbau der Atome aus einem schweren Kern und einer leichten AtomhĂŒlle aus Elektronen wurde erst danach Allgemeinwissen. Zur Unterscheidung der sogenannten âatomphysikalischenâ VorgĂ€nge, zu denen auch die chemischen Reaktionen sowie optische PhĂ€nomene gehören und an denen im Wesentlichen nur die ElektronenhĂŒlle beteiligt ist, wurden in der Folgezeit die wesentlich energiereicheren VorgĂ€nge im Atomkern, zu denen die RadioaktivitĂ€t und die Kernspaltung gehören, mit den PrĂ€fixen âKern-â und âNuklear-â bezeichnet. Daher werden die umgangssprachlichen Bezeichnungen âAtombombeâ beziehungsweise âAtomkraftwerkâ, die auf fiktionale literarische Quellen zurĂŒckgehen, in der Fachsprache treffender als âKernwaffeâ bzw. âNuklearwaffeâ und âKernkraftwerkâ bezeichnet.
Diese fachlichen Bezeichnungen empfinden jedoch viele Menschen - speziell Atomkraftgegner und Atomwaffengegner - als irrefĂŒhrend und verharmlosend. So schreibt der deutsche Journalist und Sprachkritiker Wolf Schneider unter der Ăberschrift "Weg mit den Tarnwörtern!":
Auch die Behördensprache hat die Fachbegriffe nicht immer nachvollzogen. So werden in Deutschland die fĂŒr die Kernenergie fachlich zustĂ€ndigen Genehmigungsbehörden teilweise als âAtomaufsichtâ bezeichnet, es gibt ein âAtomgesetzâ, und ein VorgĂ€nger des Bundesministeriums fĂŒr Bildung und Forschung hatte den Titel âAtomministeriumâ. Die ZustĂ€ndigkeit bezĂŒglich kerntechnischer Anlagen liegt gegenwĂ€rtig beim Bundesministerium fĂŒr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Auch im Sprachgebrauch der meisten anderen Nationen sind die herkömmlichen Bezeichnungen verbreitet, wie die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) zeigt.
Mit dem Begriff âAtombombeâ im engeren Sinne wurden allgemein die auf der Kernspaltung (Fission) beruhenden Kernwaffen bezeichnet. Im Gegensatz dazu wurden die Fusionswaffen mit dem Begriff âWasserstoffbombeâ belegt. Daneben gibt es Spezialentwicklungen wie die âKobaltbombeâ und die âNeutronenbombeâ. Heute werden alle Arten von Waffen, die Kernumwandlungen benutzen, unter der Bezeichnung nukleare Waffe beziehungsweise Kernwaffe zusammengefasst.
Allgemein bekannt fĂŒr ihre Arbeit bei der Entwicklung von Kernwaffen sind Robert Oppenheimer und Edward Teller. Jedoch der wohl erste Wissenschaftler, der ernsthaft ĂŒber den tatsĂ€chlichen Bau einer Kernwaffe nachdachte, war der ungarische Physiker LeĂł SzilĂĄrd. Bereits im September 1933 dachte er an die Möglichkeit, mittels Beschuss durch Neutronen Atomkerne zu einer Kettenreaktion anzuregen. Diese Idee war zu jener Zeit noch sehr umstritten und mehr spekulativ, spĂ€ter auf diesem Gebiet sehr erfolgreiche Forscher wie Ernest Rutherford, Enrico Fermi und Otto Hahn glaubten damals noch nicht daran, dass Kerne sich ĂŒberhaupt spalten lassen. 1934 Ă€uĂerte die deutsche Chemikerin Ida Noddack-Tacke die Vermutung âdaĂ bei der BeschieĂung schwerer Kerne mit Neutronen diese Kerne in mehrere gröĂere BruchstĂŒcke zerfallen.â[6]
Nach der Entdeckung der neutroneninduzierten Urankernspaltung 1938 durch Otto Hahn und Fritz StraĂmann[7] und deren korrekter theoretischer Deutung durch Lise Meitner und deren Neffen Otto Frisch[8] war es im FrĂŒhsommer 1939 soweit, dass die notwendigen theoretischen Grundlagen und experimentellen Befunde veröffentlicht waren, um bei ausreichender VerfĂŒgbarkeit von spaltbarem Uran eine Kernwaffe zu bauen. Diese Möglichkeit erkannten zuerst die beiden an der UniversitĂ€t Birmingham arbeitenden deutsch-österreichischen Emigranten Rudolf Peierls und Otto Frisch. In einem geheimen Memorandum aus dem MĂ€rz 1940 beschrieben sie theoretische Berechnungen zum Bau einer Uran-Bombe und warnten eindringlich vor der Möglichkeit des Baus einer Atombombe durch Deutschland. Infolgedessen wurde die ebenfalls geheim gehaltene britische MAUD-Kommission ins Leben gerufen, die Forschungen zum Bau einer Atombombe empfahl.
Schon vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 richteten die drei aus Deutschland in die Vereinigten Staaten emigrierten Physiker Leó Szilård, Albert Einstein und Eugene Wigner im August 1939 einen Brief an den damaligen US-PrÀsidenten Franklin D. Roosevelt, um ihn vor der Möglichkeit der Entwicklung einer Atombombe in Deutschland zu warnen und ihn zu der Entwicklung einer eigenen Atombombe anzuregen.
Doch es sollte noch bis zum Herbst 1940 dauern, bis Enrico Fermi und LeĂł SzilĂĄrd genĂŒgend finanzielle Mittel erhielten, um mit der Entwicklung eines Kernreaktors zu beginnen.
Als die amerikanische Regierung durch die Erfolge an dieser Arbeit davon ĂŒberzeugt wurde, dass die Entwicklung einer Atombombe grundsĂ€tzlich möglich ist und dass auch der Kriegsgegner Deutschland diese Möglichkeit besitzt, wurden die Forschungen intensiviert und fĂŒhrten schlieĂlich zum Manhattan-Projekt.
Im nationalsozialistischen Deutschland sollen wÀhrend des Zweiten Weltkrieges Wissenschaftler wie Werner Heisenberg, Carl Friedrich von WeizsÀcker, Walther Gerlach, Kurt Diebner und Otto Hahn unter anderem im Rahmen des deutschen Uranprojektes an der militÀrischen Nutzbarmachung der Kernspaltung zur Erreichung deutscher Kriegsziele gearbeitet haben.
Die BefĂŒrchtung der USA, Deutschland könnte so einen eigenen nuklearen Sprengsatz entwickeln, war ein wichtiger Anlass, ein eigenes Atombombenprogramm zu initiieren. Es wurde vermutet, dass mehrere, ĂŒber das Gebiet des Deutschen Reiches verteilte und zum Teil unabhĂ€ngig voneinander arbeitende Forschergruppen bis zum Kriegsende an der Entwicklung einer deutschen Kernwaffe arbeiteten. Nach dem Krieg wurde jedoch festgestellt, dass im Uranprojekt keine Kernwaffen entwickelt wurden. Mit dem letzten GroĂversuch, dem Forschungsreaktor Haigerloch, war die Forschergruppe um Heisenberg 1945 noch nicht einmal bis zur Herstellung einer kritischen nuklearen Kettenreaktion gekommen.
Allerdings gibt es auch Recherchen, in denen von geheimen Versuchen der Forschergruppe um Kurt Diebner mit strahlendem Material in Verbindung mit Explosionen gesprochen wird.[9] Dies wird von vielen Physikern angezweifelt und bislang konnten auch keine Beweise fĂŒr die DurchfĂŒhrung solcher Tests erbracht werden.[10]
1942 wurde unter gröĂter Geheimhaltung unter dem Decknamen âProjekt Yâ (als Teil des Manhattan-Projekts) das Forschungslaboratorium Los Alamos im US-Bundesstaat New Mexico konzipiert. Von 1943 an arbeiteten dort unter der wissenschaftlichen Leitung Robert Oppenheimers mehrere tausend Menschen, vielfach Wissenschaftler und Techniker.
Am 16. Juli 1945 wurde die erste Atombombe oberirdisch bei Alamogordo gezĂŒndet (Trinity-Test). Das in der Bombe verwendete nukleare Brennmaterial war Plutonium und besaĂ eine Sprengkraft von 21 Kilotonnen TNT-Ăquivalent.
In einem Brief an den US-PrĂ€sidenten befĂŒrwortete Einstein ein US-amerikanisches Atomprojekt als Gegengewicht zum vermuteten deutschen Atomprojekt. Da Deutschland kapitulierte kam hier keine Atombombe zum Einsatz. Die ersten Luftangriffe mit Atombomben wurden am 6. und 9. August 1945 gegen die japanischen StĂ€dte Hiroshima und Nagasaki geflogen.
Am 6. August 1945, also 21 Tage nach dem ersten erfolgreichen Test bei Alamogordo, warf der Bomber Enola Gay die erste Atombombe (Sprengstoff: Uran-235), Little Boy genannt, ĂŒber der KĂŒstenstadt Hiroshima ab, wo sie um 8.15 Uhr Ortszeit in etwa 600 m Höhe ĂŒber dem Boden detonierte. Rund 90.000 Menschen starben sofort, weitere 50.000 Menschen starben innerhalb von Tagen bis Wochen an der Strahlenkrankheit.
Am 9. August 1945 sollte der Bomber Bockscar die zweite Atombombe (Sprengstoff: Plutonium-239), Fat Man genannt, ĂŒber Kokura abwerfen. Als dort auch nach drei AnflĂŒgen noch schlechte Sicht herrschte und der Treibstoff knapp wurde, wich der Kommandant auf das Alternativziel, die KĂŒstenstadt Nagasaki, aus. Da auch dort die Wolkendecke zu dicht war, wurde das Stadtzentrum um mehrere Kilometer verfehlt. Weil zudem das Stadtgebiet hĂŒgeliger als das Hiroshimas ist, was die Ausbreitung der Druckwelle behinderte, waren dort weniger Opfer zu beklagen â obwohl Fat Mans Sprengkraft rund doppelt so stark war wie die von Little Boy. Dennoch kamen bei diesem Angriff 36.000 Menschen sofort ums Leben, weitere 40.000 Menschen wurden so stark verstrahlt, dass sie innerhalb von Tagen bis Wochen starben.
Lange Zeit wurde angenommen, weitere Zehntausende Menschen seien im Laufe von Jahren und Jahrzehnten an SpÀtfolgen der Strahlenbelastung gestorben. Neueste Studien aus Deutschland, USA und Japan haben diese SchÀtzungen deutlich nach unten korrigiert: demnach können etwas mehr als 700 TodesfÀlle der nuklearen Verstrahlung zugeordnet werden.[11]
Die Bedeutung und die Notwendigkeit der AtombombeneinsĂ€tze sind bis heute umstritten.[12] BefĂŒrworter argumentieren vor allem, dass der Einsatz die Kriegsdauer verringert und somit Millionen Menschen das Leben gerettet habe. Dagegen argumentieren andere Wissenschaftler, dass ein Atombombeneinsatz ethisch nicht zu verantworten gewesen sei, der Krieg auch ohne Atombombeneinsatz in kurzer Zeit geendet hĂ€tte und Alternativen bestanden hĂ€tten, die entweder verworfen, nicht genutzt oder nicht bedacht worden seien.[13]
Die Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg war zunĂ€chst von einer langsamen Weiterentwicklung der Atombombe geprĂ€gt. WĂ€hrend die USA unterschiedliche Tests wie eine Unterwasserexplosion durchfĂŒhrten, arbeiteten GroĂbritannien und die Sowjetunion an eigenen Atombomben. 1948 besaĂen die USA rund 50 einsatzbereite Sprengköpfe. Die Sowjetunion wurde schon wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs von Klaus Fuchs ĂŒber das Atombombenprogramm informiert. Das Sowjetische Atombomben-Projekt fĂŒhrte zur erfolgreichen ZĂŒndung der ersten eigenen Atombombe am 29. August 1949, was GroĂbritannien erst am 2. Oktober 1952 gelang. In dieser Zeit entstand auch das nebenstehende Bild eines amerikanischen Truppenversuchs mit Soldaten in geringer Entfernung zur Atomexplosion, das den teilweise sorglosen, teilweise rĂŒcksichtslosen Umgang mit RadioaktivitĂ€t in der damaligen Zeit dokumentiert. Die Volksrepublik China zĂŒndete am 16. Oktober 1964 eine erste Atombombe im KernwaffentestgelĂ€nde Lop Nor (Provinz Xinjiang). Die mit sowjetischer Technik möglich gewordene Entwicklung kostete umgerechnet ĂŒber 4 Milliarden US-Dollar, die das Land wĂ€hrend des GroĂen Sprungs nach vorn ausgegeben hatte.
Die weitere Entwicklung von Kernwaffen fĂŒhrte zur Wasserstoffbombe. Die erste ZĂŒndung einer Wasserstoffbombe mit dem Codenamen Ivy Mike erfolgte am 31. Oktober/1. November 1952 durch die USA auf dem Eniwetok-Atoll und setzte eine Energie von 10,4 Megatonnen TNT-Ăquivalent frei. Diese Sprengkraft entspricht dem 800-fachen der Hiroshimabombe.
Am 12. August 1953 zĂŒndete auch die Sowjetunion ihre erste Wasserstoffbombe. Im Kernwaffentestgebiet von Semipalatinsk brachte die UdSSR die erste transportable H-Bombe am 22. November 1955 zur Explosion.[14] Die USA folgten am 21. Mai 1956 durch eine ĂŒber der Pazifikinsel Namu von einem Flugzeug abgeworfene Bombe. 1961 erprobte die Sowjetunion dann auf der Insel Nowaja Semlja die Zar-Bombe, die mit 57 MT stĂ€rkste jemals gezĂŒndete Kernwaffe.
Die Notwendigkeit, Plutonium und angereichertes Uran zum Kernwaffenbau herzustellen, fĂŒhrte zur Entwicklung und zum Bau von Urananreicherungsanlagen sowie von ersten Kernreaktoren bzw. Forschungsreaktoren. Die dabei gewonnenen Erfahrungen beschleunigten den Aufbau einer zivilen Nutzung der Kernenergie.
Weltweit, teilweise auch in den USA selbst, wird der Einsatz dieser Massenvernichtungswaffen hauptsÀchlich gegen die Zivilbevölkerung als unmoralisch bzw. ethisch nicht verantwortbar verurteilt.
Die Entwicklung der Atombombe wird heute allgemein als das dunkelste Kapitel der Technik- und Wissenschaftsgeschichte angesehen. Die Atombombe ist zum Inbegriff des âFluches der Technikâ geworden.[15]
Die Erfindung der Kernwaffen löste ein beispielloses WettrĂŒsten â insbesondere zwischen den USA und der Sowjetunion â aus und war damit die gröĂte Bedrohung in der Zeit des Kalten Krieges.
Kernwaffen wurde hier wiederum auch eine hemmende Wirkung zugeschrieben, wonach gerade die Bedrohung durch eine totale Auslöschung der Menschheit das âGleichgewicht des Schreckensâ aufrechterhalten und damit eine direkte Konfrontation vermieden habe.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion zu Beginn der 1990er Jahre bezweifeln Experten den militĂ€rischen Sinn von Kernwaffen, da jedes Ziel auch mit konventionellen Waffen der gewĂŒnschten GröĂenordnung zerstört werden kann. Als gröĂte Gefahr der atomaren Bewaffnung wird daher ein Einsatz durch Terroristen angesehen, denn diese könnten bei Verwendung von Atomwaffen mit geringem Aufwand groĂen Schaden anrichten, wĂ€hrend Atomwaffen im Kampf gegen den Terrorismus vollkommen ungeeignet sind.
UnabhÀngig von dieser Entwicklung blieben die USA und Russland als Nachfolgerstaat der Sowjetunion diejenigen Staaten mit den meisten Kernwaffen. Ihr Arsenal wird auch weiterhin gepflegt, entzog sich jedoch nach Ende des Kalten Krieges mehr und mehr der öffentlichen Aufmerksamkeit. WÀhrend zunÀchst die EntwicklungstÀtigkeit in diesem Bereich erlahmte, werden in den USA seit Ende der neunziger Jahre so genannte Bunker Buster entwickelt, welche in seltenen FÀllen mit nuklearen Sprengköpfen versehen werden. Diese Waffen dienen der Vernichtung unterirdischer Anlagen. Sie werden mit hoher Geschwindigkeit in den Boden geschossen, dringen in diesen ein und explodieren dann unterirdisch.
Die Entwicklung solcher kleiner Kernwaffen wird in der Fachwelt als eine Gefahr eingeschĂ€tzt, da ihr Einsatz kaum Aufsehen erregen wĂŒrde. Statt zerstörter StĂ€dte und tausender Toter wĂŒrde die Weltöffentlichkeit lediglich einen kleinen Krater sehen. In der Konsequenz wĂŒrde die Hemmschwelle sinken, Atomwaffen einzusetzen und auf diese Weise vergleichsweise preiswert â ohne Verlust eigener Soldaten und ohne allzu negatives Image â Kriege zu fĂŒhren. Auch der Atomwaffensperrvertrag wĂŒrde damit in Frage gestellt werden, was unabsehbare Konsequenzen zur Folge haben könnte (Vertragsabschaffung).
Die technische Entwicklung der Kernwaffen seit den 1940er Jahren hat eine groĂe Vielfalt unterschiedlicher Varianten hervorgebracht. Unterschieden werden grundsĂ€tzlich Atombomben nach dem Kernspaltungs- oder Fissionsprinzip (âklassischeâ Atombombe) und nach dem Kernfusionsprinzip (Wasserstoff- oder H-Bombe).
In einer Kernspaltungsbombe wird zur Auslösung eine ĂŒberkritische Masse von spaltbarem Material zusammengebracht. Wie hoch diese Masse ist, hĂ€ngt von Material, Geometrie und Konstruktion ab. Die kleinste kritische Masse lĂ€sst sich mit einer Kugelform des spaltbaren Materials erreichen, am hĂ€ufigsten werden Uran-235 oder Plutonium-239 verwendet. Die ĂberkritikalitĂ€t fĂŒhrt zu einer Kernspaltungs-Kettenreaktion mit schnell anwachsender Reaktionsrate. Die dadurch freigesetzte Energie bringt das Material zur explosiven Verdampfung.
Bei der Fusionsbombe wird zunĂ€chst eine Kernspaltungsbombe gezĂŒndet. Die dadurch im Inneren der Bombe erzeugten DrĂŒcke und Temperaturen reichen aus, um in dem in ihr enthaltenes Li6-deuterid die Fusionsreaktion zu zĂŒnden.[16]
Um Atombomben zur Explosion zu bringen, also den Kernspaltungsprozess in Gang zu setzen, wurden mehrere verschiedene Systeme entwickelt.
Das einfachste Prinzip besteht darin, mit einer konventionellen Sprengladung einen fĂŒr sich allein unterkritischen Kernsprengstoffkörper auf einen zweiten, ebenfalls unterkritischen zu schieĂen, um die beiden Teile zu einer ĂŒberkritischen Masse zusammenzufĂŒgen. Es werden entweder zwei Halbkugeln aus spaltbarem Material mit zwei Sprengstoffkapseln auf einander geschossen oder ein zylinderförmiger Körper aus spaltbarem Material wird auf eine Kugel mit einem entsprechenden Loch geschossen.
Ein solcher Aufbau einer Atombombe wird âGun-Designâ genannt. Die von den USA am 6. August 1945 auf Hiroshima abgeworfene Atombombe Little Boy war nach diesem System gebaut und hatte eine Sprengkraft von 13 Kilotonnen TNT.
Eine weitere Methode ist die Implosion, bei der das spaltbare Material als Hohlkugel vorliegt. Diese ist von einer Schicht Sprengstoff umgeben, der bei der Explosion durch eine Anzahl elektrischer ZĂŒnder so gezĂŒndet wird, dass die entstehende Druckwelle das Spaltmaterial im Zentrum zusammendrĂŒckt. Durch diese Implosion erhöht sich dessen Dichte, ein ĂŒberkritischer Zustand entsteht.
Sowohl bei der Testbombe von Alamogordo als auch bei der am 9. August 1945 auf Nagasaki abgeworfenen Atombombe handelte es sich um Implosionsbomben. Diese hatten eine Sprengkraft von 20 Kilotonnen TNT.
Die bei der Explosion einer Nuklearwaffe freigesetzte Energie wird gewöhnlich in Kilotonnen angegeben. Eine Kilotonne, abgekĂŒrzt kT, ist diejenige Energie, die bei der Detonation von 1000 Tonnen (1 Gg) TNT freigesetzt wird (etwa 4·1012 J). Daher wird auch von TNT-Ăquivalent gesprochen. Aus diversen GrĂŒnden ist die Sprengkraft von konventionellen und nuklearen Waffen ĂŒber diese Einheit aber nur ungefĂ€hr gleichzusetzen. Bei sehr starken Explosionen, etwa von Wasserstoffbomben, wird die Sprengkraft in Megatonnen, kurz MT, angegeben. Diese Einheit entspricht der Energie einer Million Tonnen (1 Tg) TNT.
Die reine Sprengkraft allein ist allerdings noch kein MaĂ fĂŒr die Wirksamkeit einer Kernwaffe. Je nach Typus, Einsatzbereich und Explosionshöhe der Waffe sind verschiedene andere Faktoren von Bedeutung. Es sind unter anderem folgende KenngröĂen in Verwendung:
Bei modernen Raketen sind die einzelnen Sprengköpfe so steuerbar, dass mit jedem Sprengkopf ein einzelnes Ziel angegriffen werden kann.
Dieses sind jeweils keine festen Einheiten, sondern nur RichtgröĂen, anhand derer sich der Schaden einer nuklearen Waffe abschĂ€tzen lĂ€sst. Je nach Verwendungszweck können auch andere GröĂen interessant sein, etwa die mechanische, die thermische und die elektromagnetische Leistung, oder der entstehende Fallout und Langzeitwirkungen. Manchmal sind auch einfach nur technische GröĂen wie Abmessungen und Gewicht von Bedeutung. Um sich ein genaues Bild von der Wirkung einer einzelnen Bombe zu machen, ist die detaillierte Kenntnis verschiedenster Daten notwendig.
Die stĂ€rksten als regulĂ€re militĂ€rische Sprengköpfe konstruierten Kernwaffen sind Wasserstoffbomben mit bis zu 25 MT Sprengkraft (Sprengkopf fĂŒr SS-18 ICBM oder Mk-41 Bombe fĂŒr B-52 Bomber). Die stĂ€rkste derzeitig im Einsatz befindliche Kernwaffe ist vermutlich der Sprengkopf der chinesischen DF-5A Interkontinentalrakete mit 3 MT. Typischerweise sind es aber deutlich weniger, so 100 kT bei der hĂ€ufigsten amerikanischen Kernwaffe W-76-0. Ohne Kernfusion, das heiĂt nur mit Spaltung von Uran- oder Plutoniumkernen, werden 500 kT (amerikanischer Ivy King-Test â Mk-18 Bombe) bis 800 kT (stĂ€rkster französischer Test) erreicht. Fat Man, ĂŒber Nagasaki abgeworfen, hatte demgegenĂŒber nur 20 kT Sprengkraft. Einige moderne Kernwaffen lassen auch ein WĂ€hlen der Sprengkraft zu, so kann die amerikanische B83 Bombe mit wenigen kT bis zu 1,2 MT gezĂŒndet werden.
Datei:Ivy King test.ogg Strategische Kernwaffen sind Kernwaffen mit groĂer Sprengkraft, die nicht auf dem Gefechtsfeld eingesetzt werden, sondern Ziele im gegnerischen Hinterland zerstören sollen, wie z. B. ganze StĂ€dte oder Raketensilos von Interkontinentalraketen. Ihre Sprengkraft reicht vom Kilotonnenbereich bis zu theoretisch ĂŒber 100 Megatonnen TNT bei der Wasserstoffbombe.
Die Nukleare Triade besteht aus Interkontinentalraketen, U-Boot-gestĂŒtzten ballistischen Raketen und strategischen Bombern. Die Verteilung der Kernwaffen auf mehreren Plattformtypen soll die Schlagkraft einer Nuklearmacht im Konfliktfall sicherstellen.
Strategische Kernwaffen sind:
Eine Rakete kann je nach Bauart auch mehrere nukleare Sprengköpfe transportieren (sogenannte MIRV-Bauweise, Multiple Independently targetable Re-entry Vehicle) und so Radien von mehreren Hundert Kilometern verwĂŒsten.
Datei:Operation Upshot test.ogg Datei:Operation Wigwam test.ogg Taktische Kernwaffen (auch nukleare Gefechtsfeldwaffen genannt) sollen Àhnlich wie konventionelle Waffen zur BekÀmpfung gegnerischer StreitkrÀfte eingesetzt werden. Ihr Wirkungskreis und in der Regel auch die Sprengkraft sind deutlich geringer als bei strategischen Waffen. Die kleinste taktische Atomwaffe im Truppendienst hat eine Sprengkraft von circa 0,3 kT. Der geringe Wirkradius soll einen Einsatz relativ nahe an den eigenen Positionen erlauben.
Taktische Kernwaffen gab und gibt es in verschiedenen Formen:
Die Bezeichnung âtaktischâ ist insofern verharmlosend, als bereits diese Waffen schwerste Zerstörungen anrichten und erhebliche RadioaktivitĂ€t freisetzen können, was im Kriegsfall verheerende Auswirkungen hĂ€tte. Bei der NATO-Nuklearstrategie "Flexible Response" wurde davon ausgegangen, dass der Einsatz taktischer Kernwaffen kontrollierbar sei. Erwiesen sich konventionelle Kampfmittel als zu schwach, wĂŒrde der Gebrauch taktischer Kernwaffen die Abwehr von Angriffen auf NATO-Gebiet ermöglichen, ohne dass die Auseinandersetzung zu einem umfassenden nuklearen Schlagabtausch (sog. "all-out war") eskalieren mĂŒsste. Auf sowjetischer Seite wurde diese Theorie von Anfang an verworfen. Man hielt eine Begrenzung fĂŒr unmöglich, sobald es einmal zum Einsatz von Kernwaffen gekommen wĂ€re. Auch Frankreich stand dem Konzept sehr skeptisch gegenĂŒber.
Neutronenbomben sind taktische Kernwaffen, die im Vergleich zur herkömmlichen Bauweise eine geringere Sprengkraft (etwa 1 kT), aber eine stÀrkere Neutronenstrahlung erzeugen.
Man versprach sich davon vor allem eine erhöhte EffektivitĂ€t gegen gepanzerte StreitkrĂ€fte: FĂŒr die Zerstörung von Panzern muss eine Bombe normalerweise in der unmittelbaren Umgebung explodieren, da die Panzerung einen Schutz gegen Druck und Hitze bietet. Gegen Neutronenstrahlung hingegen schĂŒtzt sie kaum, da Neutronen auch schwere Materialien nahezu ungehindert durchdringen. Die Explosion einer Neutronenbombe könnte daher die Besatzung eines Panzers augenblicklich töten, ohne den Panzer selbst zu vernichten. Allerdings erzeugt die Neutronenstrahlung im Zielgebiet sekundĂ€re RadioaktivitĂ€t, die das GelĂ€nde und dort verbliebenes Material dauerhaft unbrauchbar macht.
Daneben können Neutronenbomben verwendet werden, um gegnerische Kernwaffen (z. B. anfliegende Raketen) durch Zerstören der ZĂŒnd- oder Steuerelektronik unbrauchbar zu machen.
Entwicklung und Stationierung von Neutronenbomben, auch in Deutschland, wurden anfangs so begrĂŒndet, dass ein damit gefĂŒhrter Krieg selbst bei der gröĂeren benötigten Anzahl von Explosionen Land und Infrastruktur weniger verwĂŒste als herkömmliche Kernwaffen. Modellrechnungen zeigten aber bald, dass dieses in der Praxis kaum zutrĂ€fe. Denn in dem wirksam bestrahlten Gebiet wĂ€re bereits die Druck- und Hitzewirkung tödlich, auch GebĂ€ude und Anlagen wĂŒrden zerstört und das Material durch Einfang radioaktiv. Eine âsaubereâ Alternative zu klassischen Atombomben wĂŒrde somit nicht erreicht.
Weiterhin wurde kritisiert, dass der Tod durch eine Neutronenbombe besonders unmenschlich sei. Menschen, die starken Neutronenstrahlen ausgesetzt sind, wĂŒrden einen qualvollen und langsamen Tod sterben. Opfer wĂŒrden mehrere Wochen lang unter Haarausfall, LĂ€hmung, Verlust der Sinneswahrnehmung und ArtikulationsfĂ€higkeit, Spasmen, unkontrolliertem Durchfall und FlĂŒssigkeitsverlust leiden, bis sie schlieĂlich sterben. Diese auftretenden Symptome wurden von der Anti-Atom-Bewegung benutzt, um das Bild der âsauberen Bombeâ öffentlich in Frage zu stellen.
DarĂŒber hinaus wurde argumentiert, durch die Neutronenbombe werde die Einsatzschwelle von Kernwaffen herabgesetzt und damit das Risiko einer Eskalation zum Krieg mit stĂ€rkeren nuklearen Bomben erhöht.
In den USA wurden seit 1974 etwa 800 NeutronensprengsÀtze gebaut. Die letzten Neutronenbomben wurden 1992 offiziell verschrottet.
Sogenannte Mini-Nukes sind Kernwaffen mit einer Sprengkraft unter fĂŒnf Kilotonnen. Die neue Forschung ĂŒber kleine, technisch hoch entwickelte Kernwaffen ist in den USA geplant. Der US-Senat hob im Mai 2003 ein 10 Jahre altes Verbot der Entwicklung von Mini-Nukes auf. Diese Entscheidung wurde im Kongress durch eine Resolution geschwĂ€cht, welche die Forschung erlaubt, jedoch ein Verbot der Entwicklung oder Herstellung neuer Atomwaffen mit geringer Sprengkraft beibehĂ€lt.
Kofferbomben, beispielsweise zum Einsatz durch Geheimdienste oder Terroristen, wurden beschrieben und werden auch auf dem High Energy Weapons Archive vorgestellt; dort wird aber auch betont, dass die physikalische Umsetzbarkeit mehr als zweifelhaft ist (beispielsweise wĂ€ren zu hohe Mengen an konventionellem Sprengstoff zur ZĂŒndung nötig gewesen). Andererseits lag bereits das Gewicht des amerikanischen W-54-Gefechtskopfs zum Davy-Crockett-LeichtgeschĂŒtz bei nur 23 Kilogramm. Die eiförmige Waffe aus den 1950er Jahren hatte einen Durchmesser von nur etwa 27 cm bei 40 cm LĂ€nge und erreichte eine maximale Sprengkraft von etwa 1 kT.
Nukleare bunkerbrechende Waffen sollen tief in die Erde eindringen, um unterirdische und gehĂ€rtete Bunker zu zerstören. Es ist ausgeschlossen, dass die Bomben, aus der Luft abgeworfen, tief genug unter die OberflĂ€che eindringen und die Explosion vollkommen unterirdisch ablĂ€uft. Somit wird ein Bombenkrater erzeugt und hochradioaktives Material wird in die Luft ausgeworfen. Ebenso sind durch die erzeugten ErschĂŒtterungen groĂflĂ€chige Zerstörungen um das eigentliche Ziel herum zu befĂŒrchten. Es gibt im US-Arsenal bereits eine »Bunker Buster«: die B-61-11, die laut des im Januar 2002 veröffentlichten ĂberprĂŒfungsberichts (Nuclear Posture Review, NPR) der US-Atomwaffenpolitik eine SprengkraftgröĂe von mehr als fĂŒnf Kilotonnen hat und damit keine »Mini-Nuke« ist. Diese Waffe dringt aus einer Höhe von gut 13.000 Metern nur bis zu sieben Meter in die Erde und 2â3 Meter in gefrorenen Boden ein. Die USA haben etwa 50 dieser Bomben zur VerfĂŒgung.
Bei einer schmutzigen Bombe (engl. dirty bomb) wird die vernichtende Wirkung der Explosion mit der groĂflĂ€chigen und jahrelangen Kontamination durch radioaktiven Fallout weiter gesteigert. Dieses wird durch den Aufbau der Waffe oder durch eine Kernexplosion auf dem Erdboden erreicht (fĂŒr letzteres siehe Kernwaffenexplosion). Besonders die Kobaltbombe wurde als schmutzige Bombe bezeichnet. In dieser Bauform wird um den eigentlichen Sprengsatz ein Kobaltmantel angebracht. Dieses Metall wird durch die Explosion in 60Co umgewandelt, ein stark strahlendes Isotop mit relativ langer Halbwertszeit, das als Staub herabregnen und das betreffende Gebiet fĂŒr lange Zeit kontaminieren sollte.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde der Begriff Schmutzige Bombe umgeprÀgt. Man bezeichnet damit nun einen Sprengsatz aus konventionellem Sprengstoff, dem radioaktives Material beigemischt wurde, das durch die Explosion möglichst weit verteilt werden soll. Eine nukleare Explosion findet dabei nicht statt. Es wird angenommen, dass Terroristen derartige USBV einsetzen könnten, um Schrecken zu verbreiten.
Auch die Internationale Atomenergieorganisation warnt davor, dass Terroristen radioaktives Material, z. B. aus LĂ€ndern der ehemaligen Sowjetunion, erwerben könnten. Dort, ebenso wie in den USA, kommen immer wieder Substanzen aus Industrie, Forschungseinrichtungen oder KrankenhĂ€usern abhanden. Da das Material fĂŒr eine schmutzige Bombe aus der zivilen Kerntechnik gewinnbar ist, wird auch die gesamte Kerntechnik zu den Dual Use Produkten gezĂ€hlt.
Als Beispiel fĂŒr die Folgen einer schmutzigen Bombe wird teils der GoiĂąnia-Unfall in Brasilien 1987 herangezogen, bei dem Diebe in ein leerstehendes Krankenhaus einbrachen und einen BehĂ€lter mit radioaktivem 137Caesiumchlorid stahlen und nach Hause nahmen. Aus Neugier und Unwissenheit hantierten viele Menschen in ihrer Umgebung mit dem blĂ€ulich fluoreszierenden Material und trugen Teile der Substanz mit sich herum. Mehrere Wohnbezirke waren betroffen, und schlieĂlich starben vier Menschen an der Strahlenkrankheit, zehn weitere brauchten intensive medizinische Behandlung, 85 GebĂ€ude mussten abgerissen oder dekontaminiert werden.
Die in Europa gelagerten Kernwaffen (vgl. Sondermunitionslager) sind nach Ende des Kalten Krieges drastisch reduziert worden. Auf den europĂ€ischen LuftwaffenstĂŒtzpunkten sind von 1990 bis 1996 rund 208 Kernwaffensilos der NATO gebaut worden. UrsprĂŒnglich waren hierfĂŒr 438 NATO-Bunker vorgesehen, die aber nicht mehr benötigt wurden. Die von den US-StreitkrĂ€ften kontrollierten Bunker fĂŒr Bomben, die im Ernstfall den NATO-StreitkrĂ€ften zur VerfĂŒgung standen, waren nicht alle bestĂŒckt worden. Bis 1998 hatte GroĂbritannien sein Arsenal an Fallbomben auf den StĂŒtzpunkten abgebaut. Ab 1996 wurden dann die weiteren Arsenale geleert.
Die USA und GroĂbritannien lagerten wĂ€hrend des Kalten Krieges bis zu 5.000 Kernwaffen in deutschen Bunkern, darunter das fĂŒr den Einsatz innerhalb Deutschlands bestimmte Zebra-Paket. Es wird vermutet, dass heute in Europa im Rahmen der nuklearen Teilhabe schĂ€tzungsweise 480[18] Nuklearwaffen gelagert sind, davon 20[18] auf dem deutschen Fliegerhorst BĂŒchel.[19] Dort trainiert die Luftwaffe im Rahmen der nuklearen Teilhabe den Einsatz von Kernwaffen durch Jagdbomber vom Typ Tornado. Die deutschen LuftwaffenstĂŒtzpunkte in Memmingen und Nörvenich verfĂŒgten schon ab 1995 ĂŒber keinerlei Kernwaffen mehr. Auch wird davon ausgegangen, dass die 130[18] Sprengköpfe aus der Ramstein Air Base abgezogen wurden.
Die beiden westeuropĂ€ischen AtommĂ€chte GroĂbritannien und Frankreich begannen bereits in den 1960ern bzw. 1970ern Teile ihrer Arsenale auf seegestĂŒtzte Systeme umzustellen. Beide Staaten unterhalten heute je vier ballistische Atom-U-Boote, von denen jedes mit jeweils 16 Atomraketen ausgestattet werden kann. Frankreich hĂ€lt lediglich noch 60 Sprengköpfe zum Einsatz durch Bomber bereit, GroĂbritannien verfĂŒgt seit dem Jahr 2000 ausschlieĂlich ĂŒber seegestĂŒtzte Systeme. Infolge dieser VerĂ€nderung wurde auch die Anzahl der LagerstĂ€tten auf LuftwaffenstĂŒtzpunkten reduziert. Die seegestĂŒtzten Sprengköpfe machen heute den gröĂten Teil der in Europa stationierten Atomwaffen aus. Die britischen Sprengköpfe werden komplett in der Marinebasis Clyde gelagert, die französischen in Brest.
(Stand: 2011)[20]
Die fĂŒnf stĂ€ndigen Mitglieder des Weltsicherheitsrats gelten als offizielle AtommĂ€chte. Sie sind im Atomwaffensperrvertrag als Staaten mit Kernwaffen aufgefĂŒhrt.
Zwei Staaten haben bislang die Anzahl ihrer nuklearen Sprengköpfe öffentlich gemacht. Allerdings beziehen sich diese Zahlen lediglich auf die einsetzbaren Sprengköpfe, nicht auf deaktivierte.
Die genaue Anzahl der nuklearen Gefechtsköpfe ist oft unklar und muss geschĂ€tzt werden. Die "Federation of American Scientists"[23] gab fĂŒr 2009 folgende Zahlen bekannt:
Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea sind nicht im Atomwaffensperrvertrag aufgefĂŒhrt, besitzen aber trotzdem Kernwaffen und TrĂ€gersysteme (Zahlen fĂŒr 2008[26]):
Die Stiftung Carnegie Endowment for International Peace gab fĂŒr 2007 folgende Angaben im Proliferation-Report heraus:
sowie
Die Vereinigten Staaten gaben im Mai 2010 die Anzahl ihrer einsatzbereiten nuklearen Sprengköpfe mit Stand vom September 2009 mit 5.113 an. Im Jahr 1967 seien es noch 31.255 Sprengköpfe gewesen.[27]
Das Vereinigte Königreich gab Ende Mai 2010 die vollstĂ€ndige Anzahl seiner Sprengköpfe an. In einer Fragestunde gab der britische AuĂenminister William Hague bekannt, dass das Land ĂŒber 225 Kernwaffen verfĂŒge. Damit Ă€nderte die britische Regierung ihre traditionelle Haltung, ausschlieĂlich die Anzahl der einsatzbereiten Sprengköpfe bekanntzugeben.[28]
Obwohl lange Zeit nicht von offizieller Seite bestĂ€tigt, gilt es als unstrittig, dass auch Israel seit den 1970er Jahren im Besitz von Kernwaffen ist. Weiterhin hat Premierminister Olmert am 12. Dezember 2006 innerhalb eines Interviews Israel als ein Land aufgezĂ€hlt, das Atomwaffen besitzt. Mordechai Vanunu hat die Welt vom israelischen Kernwaffenprojekt unterrichtet, nachdem er am Dimona-Reaktor arbeitete. Am 11. Dezember 2006 gab der israelische MinisterprĂ€sident Olmert gegenĂŒber dem deutschen Sender Sat.1 zu, dass Israel eine Atommacht sei.[29][30] Dieses wurde jedoch spĂ€ter von ihm wieder dementiert. Zuvor gab es Proteste in In- und Ausland als Reaktion auf diese Aussage.[31] Im Januar 2007 meldeten iranische Medien, Israel plane einen atomaren Angriff auf den Iran, was von Tel Aviv dementiert wurde.
Nordkorea erklĂ€rte im FrĂŒhjahr 2005 ebenfalls, Kernwaffen zur Abschreckung entwickelt zu haben; die Aussage wurde jedoch von verschiedenen Seiten bezweifelt. Unstrittig war jedoch, dass Nordkorea ein ambitioniertes Programm zum Erlangen von Kernwaffen unterhĂ€lt. Am 3. Oktober 2006 wurde von der nordkoreanischen Regierung bekannt gegeben, Atombombentests durchfĂŒhren zu wollen.
Am 9. Oktober 2006 um 10.36 Uhr Ortszeit wurde in Hwadaeri nahe Kilju ein erfolgreicher unterirdischer Nuklearwaffentest durchgefĂŒhrt und spĂ€ter durch seismische Messungen in Russland und den USA bestĂ€tigt.[32] Die Sprengkraft lag nach sĂŒdkoreanischen SchĂ€tzungen bei ĂŒber 800 Tonnen TNT. Russlands Verteidigungsministerium geht dagegen von 5 bis 15 Kilotonnen TNT aus.[33] (Zum Vergleich: Die Hiroshima-Bombe hatte eine Sprengkraft von umgerechnet 13 Kilotonnen TNT.)[34] Bis heute ist jedoch noch nicht eindeutig geklĂ€rt, ob es sich bei der Detonation vom 9. Oktober 2006 tatsĂ€chlich um eine Kernexplosion gehandelt hat. Es wĂ€re möglich, dass die Sprengung auch mit konventionellen Mitteln durchgefĂŒhrt worden sein könnte, um den politischen Druck auf die internationale Gemeinschaft zu erhöhen. Es gibt durch Spionageflugzeuge der USA Hinweise auf eine sehr schwach erhöhte RadioaktivitĂ€t in der AtmosphĂ€re ĂŒber dem Testgebiet, die jedoch so schwach war, dass sie erst im zweiten Anlauf ĂŒberhaupt entdeckt wurde.
Dem Iran wird das Streben nach Atomwaffen allen voran von Israel und den USA unterstellt. Einen Nachweis dafĂŒr gibt es allerdings nicht. Nach eigenen Angaben arbeitet der Iran an der zivilen Nutzbarmachung der Kernkraft zur Energiegewinnung.
Diplomaten in Wien, dem Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), sagten der F.A.Z., Iran habe vor einigen Wochen bereits 1000 Zentrifugen zur Urananreicherung in seiner Anlage in Natans installiert gehabt. Das ist eine merkliche Erhöhung, da Iran nach Beginn der Anreicherung vor einem Jahr zunÀchst nur zweimal 164 Zentrifugen in Betrieb hatte. Die Regierung in Teheran meldete am 12. April 2007, dass sie 3000 Zentrifugen in Betrieb hÀtte, womit eine Anreicherung auf industriellem Niveau erreicht sei.
Die Zahl der Zentrifugen gilt als wichtig, weil daran der Fortschritt des iranischen Atomprogramms abgelesen werden kann. Westliche Regierungen befĂŒrchten, dass Iran sich unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms die FĂ€higkeit zum Bau von Kernwaffen verschaffen möchte. 3000 Zentrifugen gelten als notwendig, um den Sprengstoff fĂŒr ein bis zwei Atombomben im Jahr herzustellen.[35]
Mit dem Zerfall der Sowjetunion gab es neben Russland drei weitere Nachfolgestaaten der UdSSR mit Kernwaffen: die Ukraine, WeiĂrussland und Kasachstan. Die Ukraine war zeitweise das Land mit dem drittgröĂten Kernwaffenarsenal der Erde. Alle diese Staaten waren Vertragsparteien des START-1-Vertrages, welcher 1991 von der Sowjetunion und den USA unterzeichnet wurde und 1995 in Kraft trat. Die Ukraine, WeiĂrussland und Kasachstan bekannten sich zum NPT-Vertrag und sicherten zu, ihr Kernwaffenarsenal zu vernichten. Kasachstan und WeiĂrussland wurden bis 1996 kernwaffenfrei. Der letzte ukrainische Sprengkopf wurde im Oktober 2001 in Russland vernichtet.[36]
SĂŒdafrika entwickelte unter der Apartheid-Regierung, wahrscheinlich mit israelischer Hilfe, eine Atomwaffe und fĂŒhrte im September 1979 möglicherweise einen Test vor der KĂŒste durch. Kurz vor dem Ende der Apartheid zerstörte SĂŒdafrika seine sechs Atomwaffen, um dem Atomwaffensperrvertrag 1991 beizutreten und sich damit wieder in die internationale Gesellschaft eingliedern zu können. Bis 1994 wurden alle sĂŒdafrikanischen Atomwaffenanlagen komplett abgebaut.[37]
Argentinien, Brasilien, Libyen und die Schweiz[38][39][40] verfĂŒgten in der Vergangenheit ĂŒber Kernwaffenprogramme, haben diese aber aufgegeben und offiziell beendet. Die Regierung von Schweden diskutierte nach 1945, ob es Kernwaffen entwickeln wollte und entschied sich dagegen.
Zwischen 1950 und 1980 wurden 32 UnfĂ€lle allein mit amerikanischen Kernwaffen bekannt. Vor allem in den 1950er und 1960er Jahren mussten viele Waffen bei Notlandungen von Bombern abgeworfen werden. Manche der Waffen wurden nie wieder gefunden, weil sie in den Ozeanen abgeworfen (aber nicht gezĂŒndet) wurden.[41] Nach SchĂ€tzungen von Greenpeace gingen etwa 50 Atombomben verloren. Elf Bomben vermissen die USA offiziell. Radioaktive Verseuchung wurde in mehreren FĂ€llen festgestellt.
AbstĂŒrze von Atombombern und andere UnfĂ€lle sind sehr problematisch, weil durch den Aufprall das spaltbare Material in der Umgebung verstreut werden kann, obwohl die Bombe nicht zur ZĂŒndung kommt. Im Falle von Plutonium ist dies besonders gefĂ€hrlich, da es auch chemische Giftigkeit besitzt.
Siehe auch:
Aber nicht nur bei UnfÀllen, sondern auch im Rahmen des Entsorgungsprozesses innerhalb der normalen Produktion gelangte insbesondere in der Sowjetunion massiv radioaktives Material in die Umwelt (Majak, Karatschai-See).
Wegen der enormen Zerstörungskraft nuklearer Bomben gab es stets Bestrebungen, sĂ€mtliche Kernwaffen abzuschaffen und generell zu verbieten, um zu verhindern, dass damit die Menschheit vernichtet wĂŒrde. Der Kalte Krieg und die Machtinteressen einzelner Nationen verhinderte jedoch eine schnelle Abkehr von Massenvernichtungswaffen. Dennoch wurden einige Abkommen durchgesetzt, die jeweils einen groĂen Schritt in Richtung einer nuklearwaffenfreien Welt signalisierten. Ob die VertrĂ€ge tatsĂ€chlich so wirksam sind wie gewĂŒnscht, wird allerdings angezweifelt.
Am 10. Oktober 1963 trat das Teststoppabkommen in Kraft, worin sich einige GroĂmĂ€chte einigten, keine Nuklearwaffen im Wasser, im All und in der AtmosphĂ€re zu zĂŒnden. Unterirdische Tests sollten eine bestimmte StĂ€rke nicht ĂŒberschreiten. Diesem Abkommen sind bisher 120 Nationen beigetreten.
Der Atomwaffensperrvertrag wurde am 1. Juli 1968 von den USA, der Sowjetunion und GroĂbritannien unterzeichnet und trat 1970 in Kraft. Nachdem Nordkorea seine Unterschrift 2003 zurĂŒck gezogen hatte, besitzt das Vertragswerk in 188 Staaten GĂŒltigkeit. Zu den Unterzeichnerstaaten gehört auch die Volksrepublik China und Frankreich (beide 1992). Der Beitritt zum Atomwaffensperrvertrag bedeutet fĂŒr die Unterzeichnerstaaten die Verpflichtung, sich in regelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden den von der Internationale Atomenergieorganisation durchgefĂŒhrten Kontrollen auf Einhaltung des Vertrags zu unterwerfen. Artikel VI besagt allerdings, dass die Staaten sich verpflichten âin naher Zukunftâ Verhandlungen zu fĂŒhren, welche die âvollstĂ€ndige AbrĂŒstungâ garantieren.[42]
Seit 1996 liegt der Vertrag zum umfassenden Verbot von Nuklearversuchen (CTBT) zur Unterzeichnung auf. Er tritt erst in Kraft, wenn eine bestimmte Gruppe von LĂ€ndern ihn ratifiziert hat, u. a. die USA. Die Ratifizierungen einiger wichtiger LĂ€nder stehen derzeit noch aus. Vor allem die USA lehnen RĂŒstungskontrollen ab.
Die Einhaltung der VertrĂ€ge wird durch verschiedene Techniken verifiziert: Erdbebenmessstationen reagieren bereits auf kleinste Vibrationen und ermöglichen eine recht genaue Ortung von unterirdischen Detonationen. Sie können auch die seismographischen Signaturen von Erdbeben und Atomwaffentests deutlich unterscheiden. Hydroakustik kann Unterwasserexplosionen aufspĂŒren und lokalisieren. Spezialmikrophone und Radionuklid-Detektoren können atmosphĂ€rische Kernexplosionen entdecken, identifizieren und lokalisieren. Die Messstationen sind ĂŒber die ganze Welt verteilt. Wenn der Vertrag in Kraft tritt, wird es auch noch die Möglichkeit der Vor-Ort-Inspektion geben. Die Implementation des Vertrages wird von der Organisation des Vertrags ĂŒber das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) vorbereitet.
Bilaterale VertrĂ€ge zwischen den USA und der Sowjetunion beziehungsweise Russland mit dem Ziel der Begrenzung oder AbrĂŒstung von strategischen Atomwaffen sind die SALT I und II-GesprĂ€che (1969 bis 1979) die unter anderem zum ABM-Vertrag (1972) fĂŒhrten, der INF-Vertrag (1987) , START I und II (1991 und 1993) und der SORT-Vertrag (2002).
Atombomben auf Uranbasis enthalten hochangereichertes Uran. Man spricht erst ab einem Anreicherungsgrad von 85 % von âweapon-gradeâ. Natur-Uran hat 0,7 % Uran 235; zur Verwendung in Leichtwasserreaktoren muss das Uran auf 3â4 % 235U-Gehalt angereichert werden (reactor-grade). Hochangereichertes Uran ist also ein wertvoller Rohstoff.
Das Plutonium aus Plutoniumbomben dagegen â wegen seiner langen Halbwertzeit und seiner hohen RadiotoxizitĂ€t ein sehr problematischer Stoff â kann nicht vernichtet werden: âBeseitigt werden kann das Plutonium nur in Form einer Endlagerung nach einer Vermischung mit anderen atomaren AbfĂ€llen oder durch eine Umarbeitung in MOX-Elemente.â[43]
Begleitend zur AbrĂŒstung von Kernwaffen haben sich zahlreiche internationale Kampagnen fĂŒr die Abschaffung aller Atomwaffen âI CANâ gebildet, die zum Thema gegen Atomwaffen Stellung nehmen; darunter sind:
Zahlreiche Appelle zur nuklearen AbrĂŒstung und RĂŒstungskontrolle wurden auch aus der Physikerschaft an die Politik gerichtet â wie z. B. der Franck Report, das Russell-Einstein-Manifest, das zur GrĂŒndung der Pugwash-Bewegung fĂŒhrte, oder die ErklĂ€rung der Göttinger 18. Auch von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) wurde in einer Reihe von Resolutionen auf die mit der Existenz von Kernwaffen verbundenen Gefahren hingewiesen[48] und die Reduktion der vorhandenen Arsenale[49] sowie der Abschluss eines Kernwaffenteststopp-Vertrages[50][51] gefordert. In ihrer jĂŒngsten Resolution vom April 2010 spricht sich die DPG fĂŒr den Verzicht auf den Ersteinsatz und den Abzug aller in Deutschland und Europa verbliebenen Atomwaffen aus und fordert die Aufnahme von Verhandlungen ĂŒber eine Nuklearwaffenkonvention fĂŒr die Ăchtung und Beseitigung aller Atomwaffen bis 2020.[52]
DarĂŒber hinaus sprechen sich prinzipiell alle christlichen Kirchen gegen die Verwendung jeder Art von Kernwaffen, zum Teil auch gegen den Besitz, aus. Erst 2006 hat der Ăkumenische Rat der Kirchen erneut zur Eliminierung aller nuklearer Waffen aufgerufen.[53]
Ausgehend von katholischen Philosophen in GroĂbritannien Anfang der 1960er Jahre wurden gegen die Strategie der nuklearen Abschreckung ethische Bedenken eingebracht. FĂŒr viele Menschen war die Benutzung einer atomaren Waffe unmoralisch, da sie notwendigerweise den Tod von Zivilisten und die Vergiftung der Erde nach sich zieht. Es wurde folgendermaĂen argumentiert: Wenn der Einsatz von Kernwaffen unmoralisch sei, so sei dieses auch die Strategie der nuklearen Abschreckung, da diese die bedingte Intention eine unmoralische Handlung zu setzen anstrebt.
In der katholischen Kirche wird mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1965) bei der Verwendung der sogenannten wissenschaftlichen Waffen auf die GrenzĂŒberschreitung einer gerechten Verteidigung hingewiesen, da die Anwendung derselben âungeheure und unkontrollierbare Zerstörungen auszulösenâ vermag. Die Pastoralkonstitution Gaudium et Spes spricht des Weiteren ein Verbot des totalen Krieges aus, der âauf die Vernichtung ganzer StĂ€dte oder weiter Gebiete und ihrer Bevölkerung unterschiedslos abstelltâ. (GS 80)[54]
Die Verletzung der Prinzipien der Diskrimination und der ProportionalitÀt (siehe Gerechter Krieg) stellen die Hauptkritikpunkte an dem Einsatz von Nuklearwaffen dar.
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