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Kernwaffe

Kernwaffen – auch Atomwaffen oder Nuklearwaffen genannt – sind Waffen, deren Wirkung auf kernphysikalischen Prozessen beruht, insbesondere der Kernspaltung und Kernfusion. Konventionelle Waffen beziehen dagegen ihre Explosionsenergie aus chemischen Reaktionen, bei denen die Atomkerne unverĂ€ndert bleiben. Zusammen mit biologischen und chemischen Waffen gehören Kernwaffen zu den so genannten NBCR-Waffen.

Atompilz von „Fat Man“ ĂŒber Nagasaki

Die Nutzung der Kernspaltung als Waffe stellte einen Wendepunkt in der KriegsfĂŒhrung dar. Bereits die ersten Kernwaffen erreichten Explosionsenergien, die mehr als zehntausend Tonnen konventionellen Sprengstoffs entsprachen. Damit setzten sie genug Energie frei, um im August 1945 die japanischen StĂ€dte Hiroshima und Nagasaki fast vollstĂ€ndig zu zerstören und Hunderttausende von Menschen zu töten. WĂ€hrend des Kalten Krieges entwickelten vor allem die USA und die UdSSR Kernwaffen mit teilweise mehr als 10.000 Kilotonnen (10 Megatonnen) TNT-Äquivalent. Die stĂ€rkste jemals gezĂŒndete Bombe war die sowjetische Zar-Bombe. Sie wurde am 30. Oktober 1961 bei einem atmosphĂ€rischen Kernwaffentest gezĂŒndet und setzte eine Energie von etwa 57.000 Kilotonnen (57 Megatonnen) TNT-Äquivalent frei. Zum Vergleich: Die Hiroshima-Bombe hatte eine Sprengkraft von 13 Kilotonnen TNT. Eine Bombe mit derartiger Kraft hĂ€tte im Kriegseinsatz ganze Ballungsgebiete verwĂŒstet. Die Temperatur, die bei einer nuklearen Explosion erzeugt wird, betrĂ€gt im Zentrum zwischen 10 und 15 Millionen Grad Celsius.

Durch ihre große Zerstörungskraft, aber mehr noch durch die bei der Explosion freigesetzten RadioaktivitĂ€t und RĂŒckstĂ€nde, stellen Kernwaffen eine ernste existenzielle Bedrohung nicht nur fĂŒr die Menschheit, sondern fĂŒr das gesamte Leben auf der Erde dar. Auf der anderen Seite hat nach Ansicht mancher Politiker und Politikwissenschaftler die gegenseitige Abschreckung ĂŒber 40 Jahre lang einen direkten militĂ€rischen Konflikt zwischen den GroßmĂ€chten USA und UdSSR verhindert (siehe dazu Gleichgewicht des Schreckens). Eine gewisse Zahl von Staaten strebt nach atomarer AufrĂŒstung, andere sind AtommĂ€chte.[1] Bei einigen Staaten wie z.B. dem Iran gab es Anzeichen und Hinweise fĂŒr geheime Waffenforschung, wie aus einem Bericht der Internationale Atomenergie-Organisation im November 2011 hervorging.[2][3][4] Der Umgang mit dieser Gefahr gilt vielen Politikwissenschaftlern als eine der grĂ¶ĂŸten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.

Weitere spezifische Details finden sich in folgenden Artikeln:

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Begriff

Kurz nach der Entdeckung der RadioaktivitĂ€t gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde klar, dass bei radioaktiven Substanzen, bezogen auf die beteiligten Stoffmengen, ungeheuer große Energiemengen umgesetzt werden, die die ReaktionswĂ€rme, die bei chemischen Reaktionen auftritt, um mehrere GrĂ¶ĂŸenordnungen ĂŒbersteigt, wobei sich die radioaktive Substanz selbst kaum verbraucht. Schon bald entstanden daher literarische Spekulationen ĂŒber die technische und militĂ€rische Nutzung dieser neuartigen Energie. Der Begriff „Atombombe“ (atomic bomb) wurde wahrscheinlich von H. G. Wells in seinem 1914 erschienenen Roman „The World Set Free“ geprĂ€gt und entstand damit zwei Jahrzehnte vor der Entdeckung der Kernspaltung, mit der entsprechende Vorstellungen realisiert werden konnten. FĂŒr die in den 1940er Jahren entwickelten Nuklearwaffen wurde also ein bereits literarisch eingefĂŒhrter Begriff verwendet.

Der grundsĂ€tzliche Aufbau der Atome aus einem schweren Kern und einer leichten AtomhĂŒlle aus Elektronen wurde erst danach Allgemeinwissen. Zur Unterscheidung der sogenannten „atomphysikalischen“ VorgĂ€nge, zu denen auch die chemischen Reaktionen sowie optische PhĂ€nomene gehören und an denen im Wesentlichen nur die ElektronenhĂŒlle beteiligt ist, wurden in der Folgezeit die wesentlich energiereicheren VorgĂ€nge im Atomkern, zu denen die RadioaktivitĂ€t und die Kernspaltung gehören, mit den PrĂ€fixen „Kern-“ und „Nuklear-“ bezeichnet. Daher werden die umgangssprachlichen Bezeichnungen „Atombombe“ beziehungsweise „Atomkraftwerk“, die auf fiktionale literarische Quellen zurĂŒckgehen, in der Fachsprache treffender als „Kernwaffe“ bzw. „Nuklearwaffe“ und „Kernkraftwerk“ bezeichnet.

Diese fachlichen Bezeichnungen empfinden jedoch viele Menschen - speziell Atomkraftgegner und Atomwaffengegner - als irrefĂŒhrend und verharmlosend. So schreibt der deutsche Journalist und Sprachkritiker Wolf Schneider unter der Überschrift "Weg mit den Tarnwörtern!":

„Atomwaffen waren einigen Experten zu ungenau, da es die Atomkerne seien, auf die es ankomme. Also sagten sie Kernwaffen [...]. Da dieser Kern auf Lateinisch und englisch nucleus heißt, wurden daraus die nuklearen Waffen, die zugleich der Adjektivitis und der Lust an der vielsilbigen BlĂ€hung entgegenkamen, ebenso wie die atomaren Waffen, die das bisschen Genauigkeit wieder aufheben, doch dieselbe Lust befriedigen. Atomwaffen, Atombomben, Atomraketen und Atomkraftwerke: das ist die deutsche Sprache und nichts sonst.
Die Kernkraftwerke legen den Verdacht nahe, dass die Vorsilbe Kern-, mag sie zunĂ€chst auch um der scheinbaren Genauigkeit willen eingefĂŒhrt worden sein, inzwischen nicht ungern zur Tarnung und Beschwichtigung verwendet werden. Wer sollte etwas gegen Kerne haben? Ein Grund mehr, von "Atomkraftwerken" zu sprechen und nur von ihnen.“[5]

Auch die Behördensprache hat die Fachbegriffe nicht immer nachvollzogen. So werden in Deutschland die fĂŒr die Kernenergie fachlich zustĂ€ndigen Genehmigungsbehörden teilweise als „Atomaufsicht“ bezeichnet, es gibt ein „Atomgesetz“, und ein VorgĂ€nger des Bundesministeriums fĂŒr Bildung und Forschung hatte den Titel „Atomministerium“. Die ZustĂ€ndigkeit bezĂŒglich kerntechnischer Anlagen liegt gegenwĂ€rtig beim Bundesministerium fĂŒr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Auch im Sprachgebrauch der meisten anderen Nationen sind die herkömmlichen Bezeichnungen verbreitet, wie die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) zeigt.

Mit dem Begriff „Atombombe“ im engeren Sinne wurden allgemein die auf der Kernspaltung (Fission) beruhenden Kernwaffen bezeichnet. Im Gegensatz dazu wurden die Fusionswaffen mit dem Begriff „Wasserstoffbombe“ belegt. Daneben gibt es Spezialentwicklungen wie die „Kobaltbombe“ und die „Neutronenbombe“. Heute werden alle Arten von Waffen, die Kernumwandlungen benutzen, unter der Bezeichnung nukleare Waffe beziehungsweise Kernwaffe zusammengefasst.

AnfÀnge

Allgemein bekannt fĂŒr ihre Arbeit bei der Entwicklung von Kernwaffen sind Robert Oppenheimer und Edward Teller. Jedoch der wohl erste Wissenschaftler, der ernsthaft ĂŒber den tatsĂ€chlichen Bau einer Kernwaffe nachdachte, war der ungarische Physiker LeĂł SzilĂĄrd. Bereits im September 1933 dachte er an die Möglichkeit, mittels Beschuss durch Neutronen Atomkerne zu einer Kettenreaktion anzuregen. Diese Idee war zu jener Zeit noch sehr umstritten und mehr spekulativ, spĂ€ter auf diesem Gebiet sehr erfolgreiche Forscher wie Ernest Rutherford, Enrico Fermi und Otto Hahn glaubten damals noch nicht daran, dass Kerne sich ĂŒberhaupt spalten lassen. 1934 Ă€ußerte die deutsche Chemikerin Ida Noddack-Tacke die Vermutung „daß bei der Beschießung schwerer Kerne mit Neutronen diese Kerne in mehrere grĂ¶ĂŸere BruchstĂŒcke zerfallen.“[6]

Nach der Entdeckung der neutroneninduzierten Urankernspaltung 1938 durch Otto Hahn und Fritz Straßmann[7] und deren korrekter theoretischer Deutung durch Lise Meitner und deren Neffen Otto Frisch[8] war es im FrĂŒhsommer 1939 soweit, dass die notwendigen theoretischen Grundlagen und experimentellen Befunde veröffentlicht waren, um bei ausreichender VerfĂŒgbarkeit von spaltbarem Uran eine Kernwaffe zu bauen. Diese Möglichkeit erkannten zuerst die beiden an der UniversitĂ€t Birmingham arbeitenden deutsch-österreichischen Emigranten Rudolf Peierls und Otto Frisch. In einem geheimen Memorandum aus dem MĂ€rz 1940 beschrieben sie theoretische Berechnungen zum Bau einer Uran-Bombe und warnten eindringlich vor der Möglichkeit des Baus einer Atombombe durch Deutschland. Infolgedessen wurde die ebenfalls geheim gehaltene britische MAUD-Kommission ins Leben gerufen, die Forschungen zum Bau einer Atombombe empfahl.

Schon vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 richteten die drei aus Deutschland in die Vereinigten Staaten emigrierten Physiker Leó Szilård, Albert Einstein und Eugene Wigner im August 1939 einen Brief an den damaligen US-PrÀsidenten Franklin D. Roosevelt, um ihn vor der Möglichkeit der Entwicklung einer Atombombe in Deutschland zu warnen und ihn zu der Entwicklung einer eigenen Atombombe anzuregen.

Doch es sollte noch bis zum Herbst 1940 dauern, bis Enrico Fermi und LeĂł SzilĂĄrd genĂŒgend finanzielle Mittel erhielten, um mit der Entwicklung eines Kernreaktors zu beginnen.

Als die amerikanische Regierung durch die Erfolge an dieser Arbeit davon ĂŒberzeugt wurde, dass die Entwicklung einer Atombombe grundsĂ€tzlich möglich ist und dass auch der Kriegsgegner Deutschland diese Möglichkeit besitzt, wurden die Forschungen intensiviert und fĂŒhrten schließlich zum Manhattan-Projekt.

Deutsches Kernwaffenprojekt

→ Hauptartikel: Uranprojekt

Im nationalsozialistischen Deutschland sollen wÀhrend des Zweiten Weltkrieges Wissenschaftler wie Werner Heisenberg, Carl Friedrich von WeizsÀcker, Walther Gerlach, Kurt Diebner und Otto Hahn unter anderem im Rahmen des deutschen Uranprojektes an der militÀrischen Nutzbarmachung der Kernspaltung zur Erreichung deutscher Kriegsziele gearbeitet haben.

Die BefĂŒrchtung der USA, Deutschland könnte so einen eigenen nuklearen Sprengsatz entwickeln, war ein wichtiger Anlass, ein eigenes Atombombenprogramm zu initiieren. Es wurde vermutet, dass mehrere, ĂŒber das Gebiet des Deutschen Reiches verteilte und zum Teil unabhĂ€ngig voneinander arbeitende Forschergruppen bis zum Kriegsende an der Entwicklung einer deutschen Kernwaffe arbeiteten. Nach dem Krieg wurde jedoch festgestellt, dass im Uranprojekt keine Kernwaffen entwickelt wurden. Mit dem letzten Großversuch, dem Forschungsreaktor Haigerloch, war die Forschergruppe um Heisenberg 1945 noch nicht einmal bis zur Herstellung einer kritischen nuklearen Kettenreaktion gekommen.

Allerdings gibt es auch Recherchen, in denen von geheimen Versuchen der Forschergruppe um Kurt Diebner mit strahlendem Material in Verbindung mit Explosionen gesprochen wird.[9] Dies wird von vielen Physikern angezweifelt und bislang konnten auch keine Beweise fĂŒr die DurchfĂŒhrung solcher Tests erbracht werden.[10]

Manhattan-Projekt

→ Hauptartikel: Manhattan-Projekt
Die Trinity-Bombe, die erste gezĂŒndete Atombombe der Welt, einen Tag vor dem Test

1942 wurde unter grĂ¶ĂŸter Geheimhaltung unter dem Decknamen „Projekt Y“ (als Teil des Manhattan-Projekts) das Forschungslaboratorium Los Alamos im US-Bundesstaat New Mexico konzipiert. Von 1943 an arbeiteten dort unter der wissenschaftlichen Leitung Robert Oppenheimers mehrere tausend Menschen, vielfach Wissenschaftler und Techniker.

Am 16. Juli 1945 wurde die erste Atombombe oberirdisch bei Alamogordo gezĂŒndet (Trinity-Test). Das in der Bombe verwendete nukleare Brennmaterial war Plutonium und besaß eine Sprengkraft von 21 Kilotonnen TNT-Äquivalent.

In einem Brief an den US-PrĂ€sidenten befĂŒrwortete Einstein ein US-amerikanisches Atomprojekt als Gegengewicht zum vermuteten deutschen Atomprojekt. Da Deutschland kapitulierte kam hier keine Atombombe zum Einsatz. Die ersten Luftangriffe mit Atombomben wurden am 6. und 9. August 1945 gegen die japanischen StĂ€dte Hiroshima und Nagasaki geflogen.

Einsatz gegen Hiroshima und Nagasaki

Am 6. August 1945, also 21 Tage nach dem ersten erfolgreichen Test bei Alamogordo, warf der Bomber Enola Gay die erste Atombombe (Sprengstoff: Uran-235), Little Boy genannt, ĂŒber der KĂŒstenstadt Hiroshima ab, wo sie um 8.15 Uhr Ortszeit in etwa 600 m Höhe ĂŒber dem Boden detonierte. Rund 90.000 Menschen starben sofort, weitere 50.000 Menschen starben innerhalb von Tagen bis Wochen an der Strahlenkrankheit.

Am 9. August 1945 sollte der Bomber Bockscar die zweite Atombombe (Sprengstoff: Plutonium-239), Fat Man genannt, ĂŒber Kokura abwerfen. Als dort auch nach drei AnflĂŒgen noch schlechte Sicht herrschte und der Treibstoff knapp wurde, wich der Kommandant auf das Alternativziel, die KĂŒstenstadt Nagasaki, aus. Da auch dort die Wolkendecke zu dicht war, wurde das Stadtzentrum um mehrere Kilometer verfehlt. Weil zudem das Stadtgebiet hĂŒgeliger als das Hiroshimas ist, was die Ausbreitung der Druckwelle behinderte, waren dort weniger Opfer zu beklagen – obwohl Fat Mans Sprengkraft rund doppelt so stark war wie die von Little Boy. Dennoch kamen bei diesem Angriff 36.000 Menschen sofort ums Leben, weitere 40.000 Menschen wurden so stark verstrahlt, dass sie innerhalb von Tagen bis Wochen starben.

Lange Zeit wurde angenommen, weitere Zehntausende Menschen seien im Laufe von Jahren und Jahrzehnten an SpÀtfolgen der Strahlenbelastung gestorben. Neueste Studien aus Deutschland, USA und Japan haben diese SchÀtzungen deutlich nach unten korrigiert: demnach können etwas mehr als 700 TodesfÀlle der nuklearen Verstrahlung zugeordnet werden.[11]

Die Bedeutung und die Notwendigkeit der AtombombeneinsĂ€tze sind bis heute umstritten.[12] BefĂŒrworter argumentieren vor allem, dass der Einsatz die Kriegsdauer verringert und somit Millionen Menschen das Leben gerettet habe. Dagegen argumentieren andere Wissenschaftler, dass ein Atombombeneinsatz ethisch nicht zu verantworten gewesen sei, der Krieg auch ohne Atombombeneinsatz in kurzer Zeit geendet hĂ€tte und Alternativen bestanden hĂ€tten, die entweder verworfen, nicht genutzt oder nicht bedacht worden seien.[13]

Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg

Atombombentest auf der Nevada Test Site wÀhrend des Manövers Desert Rock, 1. November 1951

Die Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg war zunĂ€chst von einer langsamen Weiterentwicklung der Atombombe geprĂ€gt. WĂ€hrend die USA unterschiedliche Tests wie eine Unterwasserexplosion durchfĂŒhrten, arbeiteten Großbritannien und die Sowjetunion an eigenen Atombomben. 1948 besaßen die USA rund 50 einsatzbereite Sprengköpfe. Die Sowjetunion wurde schon wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs von Klaus Fuchs ĂŒber das Atombombenprogramm informiert. Das Sowjetische Atombomben-Projekt fĂŒhrte zur erfolgreichen ZĂŒndung der ersten eigenen Atombombe am 29. August 1949, was Großbritannien erst am 2. Oktober 1952 gelang. In dieser Zeit entstand auch das nebenstehende Bild eines amerikanischen Truppenversuchs mit Soldaten in geringer Entfernung zur Atomexplosion, das den teilweise sorglosen, teilweise rĂŒcksichtslosen Umgang mit RadioaktivitĂ€t in der damaligen Zeit dokumentiert. Die Volksrepublik China zĂŒndete am 16. Oktober 1964 eine erste Atombombe im KernwaffentestgelĂ€nde Lop Nor (Provinz Xinjiang). Die mit sowjetischer Technik möglich gewordene Entwicklung kostete umgerechnet ĂŒber 4 Milliarden US-Dollar, die das Land wĂ€hrend des Großen Sprungs nach vorn ausgegeben hatte.

Entwicklung der Wasserstoffbombe

Die weitere Entwicklung von Kernwaffen fĂŒhrte zur Wasserstoffbombe. Die erste ZĂŒndung einer Wasserstoffbombe mit dem Codenamen Ivy Mike erfolgte am 31. Oktober/1. November 1952 durch die USA auf dem Eniwetok-Atoll und setzte eine Energie von 10,4 Megatonnen TNT-Äquivalent frei. Diese Sprengkraft entspricht dem 800-fachen der Hiroshimabombe.

Am 12. August 1953 zĂŒndete auch die Sowjetunion ihre erste Wasserstoffbombe. Im Kernwaffentestgebiet von Semipalatinsk brachte die UdSSR die erste transportable H-Bombe am 22. November 1955 zur Explosion.[14] Die USA folgten am 21. Mai 1956 durch eine ĂŒber der Pazifikinsel Namu von einem Flugzeug abgeworfene Bombe. 1961 erprobte die Sowjetunion dann auf der Insel Nowaja Semlja die Zar-Bombe, die mit 57 MT stĂ€rkste jemals gezĂŒndete Kernwaffe.

Die Notwendigkeit, Plutonium und angereichertes Uran zum Kernwaffenbau herzustellen, fĂŒhrte zur Entwicklung und zum Bau von Urananreicherungsanlagen sowie von ersten Kernreaktoren bzw. Forschungsreaktoren. Die dabei gewonnenen Erfahrungen beschleunigten den Aufbau einer zivilen Nutzung der Kernenergie.

Weltweit, teilweise auch in den USA selbst, wird der Einsatz dieser Massenvernichtungswaffen hauptsÀchlich gegen die Zivilbevölkerung als unmoralisch bzw. ethisch nicht verantwortbar verurteilt.

Die Entwicklung der Atombombe wird heute allgemein als das dunkelste Kapitel der Technik- und Wissenschaftsgeschichte angesehen. Die Atombombe ist zum Inbegriff des „Fluches der Technik“ geworden.[15]

Die Erfindung der Kernwaffen löste ein beispielloses WettrĂŒsten – insbesondere zwischen den USA und der Sowjetunion – aus und war damit die grĂ¶ĂŸte Bedrohung in der Zeit des Kalten Krieges.

Kernwaffen wurde hier wiederum auch eine hemmende Wirkung zugeschrieben, wonach gerade die Bedrohung durch eine totale Auslöschung der Menschheit das „Gleichgewicht des Schreckens“ aufrechterhalten und damit eine direkte Konfrontation vermieden habe.

Entwicklung nach dem Kalten Krieg

Nach dem Zerfall der Sowjetunion zu Beginn der 1990er Jahre bezweifeln Experten den militĂ€rischen Sinn von Kernwaffen, da jedes Ziel auch mit konventionellen Waffen der gewĂŒnschten GrĂ¶ĂŸenordnung zerstört werden kann. Als grĂ¶ĂŸte Gefahr der atomaren Bewaffnung wird daher ein Einsatz durch Terroristen angesehen, denn diese könnten bei Verwendung von Atomwaffen mit geringem Aufwand großen Schaden anrichten, wĂ€hrend Atomwaffen im Kampf gegen den Terrorismus vollkommen ungeeignet sind.

UnabhÀngig von dieser Entwicklung blieben die USA und Russland als Nachfolgerstaat der Sowjetunion diejenigen Staaten mit den meisten Kernwaffen. Ihr Arsenal wird auch weiterhin gepflegt, entzog sich jedoch nach Ende des Kalten Krieges mehr und mehr der öffentlichen Aufmerksamkeit. WÀhrend zunÀchst die EntwicklungstÀtigkeit in diesem Bereich erlahmte, werden in den USA seit Ende der neunziger Jahre so genannte Bunker Buster entwickelt, welche in seltenen FÀllen mit nuklearen Sprengköpfen versehen werden. Diese Waffen dienen der Vernichtung unterirdischer Anlagen. Sie werden mit hoher Geschwindigkeit in den Boden geschossen, dringen in diesen ein und explodieren dann unterirdisch.

Die Entwicklung solcher kleiner Kernwaffen wird in der Fachwelt als eine Gefahr eingeschĂ€tzt, da ihr Einsatz kaum Aufsehen erregen wĂŒrde. Statt zerstörter StĂ€dte und tausender Toter wĂŒrde die Weltöffentlichkeit lediglich einen kleinen Krater sehen. In der Konsequenz wĂŒrde die Hemmschwelle sinken, Atomwaffen einzusetzen und auf diese Weise vergleichsweise preiswert – ohne Verlust eigener Soldaten und ohne allzu negatives Image – Kriege zu fĂŒhren. Auch der Atomwaffensperrvertrag wĂŒrde damit in Frage gestellt werden, was unabsehbare Konsequenzen zur Folge haben könnte (Vertragsabschaffung).

Atombombe „Little Boy“ („Kleiner Junge“) auf einem Transportwagen kurz vor dem Abflug nach Hiroshima (13 kT TNT-Äquivalent Sprengkraft)

Konstruktion

→ Hauptartikel: Kernwaffentechnik

Die technische Entwicklung der Kernwaffen seit den 1940er Jahren hat eine große Vielfalt unterschiedlicher Varianten hervorgebracht. Unterschieden werden grundsĂ€tzlich Atombomben nach dem Kernspaltungs- oder Fissionsprinzip („klassische“ Atombombe) und nach dem Kernfusionsprinzip (Wasserstoff- oder H-Bombe).

In einer Kernspaltungsbombe wird zur Auslösung eine ĂŒberkritische Masse von spaltbarem Material zusammengebracht. Wie hoch diese Masse ist, hĂ€ngt von Material, Geometrie und Konstruktion ab. Die kleinste kritische Masse lĂ€sst sich mit einer Kugelform des spaltbaren Materials erreichen, am hĂ€ufigsten werden Uran-235 oder Plutonium-239 verwendet. Die ÜberkritikalitĂ€t fĂŒhrt zu einer Kernspaltungs-Kettenreaktion mit schnell anwachsender Reaktionsrate. Die dadurch freigesetzte Energie bringt das Material zur explosiven Verdampfung.

Bei der Fusionsbombe wird zunĂ€chst eine Kernspaltungsbombe gezĂŒndet. Die dadurch im Inneren der Bombe erzeugten DrĂŒcke und Temperaturen reichen aus, um in dem in ihr enthaltenes Li6-deuterid die Fusionsreaktion zu zĂŒnden.[16]

Explosion von Atombomben

Die zwei Methoden der ZusammenfĂŒgung unterkritischer Massen: Gun-Design und Implosion
Atombombe „Fat Man“ („Dicker Mann“) wird auf Transportwagen verladen, kurz vor dem Flug nach Nagasaki (Sprengkraft 22 kT TNT)
Prinzipskizze einer "Gun-Design"-Atombombe

Um Atombomben zur Explosion zu bringen, also den Kernspaltungsprozess in Gang zu setzen, wurden mehrere verschiedene Systeme entwickelt.

Gun-Design

Das einfachste Prinzip besteht darin, mit einer konventionellen Sprengladung einen fĂŒr sich allein unterkritischen Kernsprengstoffkörper auf einen zweiten, ebenfalls unterkritischen zu schießen, um die beiden Teile zu einer ĂŒberkritischen Masse zusammenzufĂŒgen. Es werden entweder zwei Halbkugeln aus spaltbarem Material mit zwei Sprengstoffkapseln auf einander geschossen oder ein zylinderförmiger Körper aus spaltbarem Material wird auf eine Kugel mit einem entsprechenden Loch geschossen.

Ein solcher Aufbau einer Atombombe wird „Gun-Design“ genannt. Die von den USA am 6. August 1945 auf Hiroshima abgeworfene Atombombe Little Boy war nach diesem System gebaut und hatte eine Sprengkraft von 13 Kilotonnen TNT.

Implosion

Eine weitere Methode ist die Implosion, bei der das spaltbare Material als Hohlkugel vorliegt. Diese ist von einer Schicht Sprengstoff umgeben, der bei der Explosion durch eine Anzahl elektrischer ZĂŒnder so gezĂŒndet wird, dass die entstehende Druckwelle das Spaltmaterial im Zentrum zusammendrĂŒckt. Durch diese Implosion erhöht sich dessen Dichte, ein ĂŒberkritischer Zustand entsteht.

Sowohl bei der Testbombe von Alamogordo als auch bei der am 9. August 1945 auf Nagasaki abgeworfenen Atombombe handelte es sich um Implosionsbomben. Diese hatten eine Sprengkraft von 20 Kilotonnen TNT.

KenngrĂ¶ĂŸen

Die bei der Explosion einer Nuklearwaffe freigesetzte Energie wird gewöhnlich in Kilotonnen angegeben. Eine Kilotonne, abgekĂŒrzt kT, ist diejenige Energie, die bei der Detonation von 1000 Tonnen (1 Gg) TNT freigesetzt wird (etwa 4·1012 J). Daher wird auch von TNT-Äquivalent gesprochen. Aus diversen GrĂŒnden ist die Sprengkraft von konventionellen und nuklearen Waffen ĂŒber diese Einheit aber nur ungefĂ€hr gleichzusetzen. Bei sehr starken Explosionen, etwa von Wasserstoffbomben, wird die Sprengkraft in Megatonnen, kurz MT, angegeben. Diese Einheit entspricht der Energie einer Million Tonnen (1 Tg) TNT.

Die reine Sprengkraft allein ist allerdings noch kein Maß fĂŒr die Wirksamkeit einer Kernwaffe. Je nach Typus, Einsatzbereich und Explosionshöhe der Waffe sind verschiedene andere Faktoren von Bedeutung. Es sind unter anderem folgende KenngrĂ¶ĂŸen in Verwendung:

Die amerikanische LGM-118A Peacekeeper (MX) kann bis zu zehn unabhÀngig steuerbare Wiedereintrittskörper mit je einem W87-Sprengkopf transportieren.
  • Totaler Zerstörungsradius: der Radius um das Explosionszentrum, in dem alles tierische und menschliche Leben sowie alle GebĂ€ude, Pflanzen usw. komplett vernichtet werden. Je nach GrĂ¶ĂŸe der Bombe kann dieser bis zu 10 km betragen. Die experimentelle sowjetische Zar-Bombe hatte in ihrer stĂ€rksten Version einen totalen Zerstörungsradius von bis zu 20 km. Danach folgen weitere Radien, in denen die Zerstörungskraft der Bombe abnimmt, z. B. der Radius, bei dem die Überlebenschance ĂŒber 50 % liegt; danach der, bei dem sie ĂŒber 80 % liegt, und so weiter.
  • Millionen Tote: Anzahl der Getöteten bei Explosion in einem Ballungsgebiet. Diese GrĂ¶ĂŸe hĂ€ngt sehr stark vom Ort ab. Insbesondere haben die Bevölkerungsdichte und die Bauweise der Stadt einen sehr großen Einfluss auf die Zahl der Toten. Im Kalten Krieg wurden Modellrechnungen zum Einsatz starker nuklearer Waffen gegen die wichtigsten Ziele durchgefĂŒhrt, unter anderem Moskau, Leningrad, Washington (D.C.) und New York. In heutiger Zeit gibt es entsprechende Simulationen, die von einem terroristischen Anschlag mit einer kleinen Kernwaffe (einige Kilotonnen) ausgehen.[17]
  • Anzahl der Sprengköpfe: Viele Nuklearraketen verfĂŒgen ĂŒber mehrere nukleare Sprengköpfe, die dann in großer Höhe von der TrĂ€gerrakete getrennt werden und sich auf eine große FlĂ€che verteilen. Eine einzige Rakete kann auf diese Weise riesige Gebiete verwĂŒsten, so kann etwa die sowjetische SS-18 Satan – je nach BestĂŒckung – ihre Sprengköpfe ĂŒber ein Areal von bis zu 60.000 kmÂČ verteilen. (Zum Vergleich: Bayern hat eine FlĂ€che von 70.552 kmÂČ.)

Bei modernen Raketen sind die einzelnen Sprengköpfe so steuerbar, dass mit jedem Sprengkopf ein einzelnes Ziel angegriffen werden kann.

Dieses sind jeweils keine festen Einheiten, sondern nur RichtgrĂ¶ĂŸen, anhand derer sich der Schaden einer nuklearen Waffe abschĂ€tzen lĂ€sst. Je nach Verwendungszweck können auch andere GrĂ¶ĂŸen interessant sein, etwa die mechanische, die thermische und die elektromagnetische Leistung, oder der entstehende Fallout und Langzeitwirkungen. Manchmal sind auch einfach nur technische GrĂ¶ĂŸen wie Abmessungen und Gewicht von Bedeutung. Um sich ein genaues Bild von der Wirkung einer einzelnen Bombe zu machen, ist die detaillierte Kenntnis verschiedenster Daten notwendig.

Die stĂ€rksten als regulĂ€re militĂ€rische Sprengköpfe konstruierten Kernwaffen sind Wasserstoffbomben mit bis zu 25 MT Sprengkraft (Sprengkopf fĂŒr SS-18 ICBM oder Mk-41 Bombe fĂŒr B-52 Bomber). Die stĂ€rkste derzeitig im Einsatz befindliche Kernwaffe ist vermutlich der Sprengkopf der chinesischen DF-5A Interkontinentalrakete mit 3 MT. Typischerweise sind es aber deutlich weniger, so 100 kT bei der hĂ€ufigsten amerikanischen Kernwaffe W-76-0. Ohne Kernfusion, das heißt nur mit Spaltung von Uran- oder Plutoniumkernen, werden 500 kT (amerikanischer Ivy King-Test – Mk-18 Bombe) bis 800 kT (stĂ€rkster französischer Test) erreicht. Fat Man, ĂŒber Nagasaki abgeworfen, hatte demgegenĂŒber nur 20 kT Sprengkraft. Einige moderne Kernwaffen lassen auch ein WĂ€hlen der Sprengkraft zu, so kann die amerikanische B83 Bombe mit wenigen kT bis zu 1,2 MT gezĂŒndet werden.

Klassifizierung

Strategische Kernwaffen

Datei:Ivy King test.ogg Strategische Kernwaffen sind Kernwaffen mit großer Sprengkraft, die nicht auf dem Gefechtsfeld eingesetzt werden, sondern Ziele im gegnerischen Hinterland zerstören sollen, wie z. B. ganze StĂ€dte oder Raketensilos von Interkontinentalraketen. Ihre Sprengkraft reicht vom Kilotonnenbereich bis zu theoretisch ĂŒber 100 Megatonnen TNT bei der Wasserstoffbombe.

Die Nukleare Triade besteht aus Interkontinentalraketen, U-Boot-gestĂŒtzten ballistischen Raketen und strategischen Bombern. Die Verteilung der Kernwaffen auf mehreren Plattformtypen soll die Schlagkraft einer Nuklearmacht im Konfliktfall sicherstellen.

Strategische Kernwaffen sind:

  • freifallende Kernbomben, die von Flugzeugen (meist Langstreckenbombern) direkt auf das Ziel abgeworfen werden;
  • landgestĂŒtzte Interkontinentalraketen (ICBM) mit nuklearem Sprengkopf, die in Silos oder mobil auf dem Festland stationiert sind;
  • landgestĂŒtzte Mittelstreckenraketen (MRBM, IRBM) mit nuklearem Sprengkopf, die in Silos oder auf mobilen Abschussrampen montiert sind. Ein besonderes Problem dieser Waffen ist die extrem kurze Flug- und damit Reaktionszeit von nur wenigen Minuten. Sie gelten deshalb als besonders anfĂ€llig fĂŒr das unbeabsichtigte Auslösen eines Atomschlages, da nach radargestĂŒtzter (Fehl-)Erkennung einer solchen Rakete praktisch keinerlei Zeit bleibt, politische Entscheidungsprozesse auszulösen. Beispiele fĂŒr diese Raketen sind die in den 1950er Jahren von den USA in der TĂŒrkei stationierten Jupiter-Raketen und jene Raketen, die die UdSSR auf Kuba stationieren wollte – was damals die Kubakrise auslöste. Derartige Waffen werden heute lediglich noch von solchen Staaten stationiert, denen die Technik von Interkontinentalraketen fehlt, wie Pakistan oder Israel.
  • U-Boot-gestĂŒtzte ballistische Raketen (SLBM) mit nuklearem Sprengkopf;
  • luftgestĂŒtzte ballistische Raketen (ALBM) mit nuklearem Sprengkopf, gestartet von Flugzeugen;
  • Marschflugkörper (Cruise Missiles) mit nuklearem Sprengkopf, die von Flugzeugen (ALCM), Kriegsschiffen oder U-Booten abgefeuert werden können, sind vorwiegend fĂŒr den "taktischen" Einsatz vorgesehen.

Eine Rakete kann je nach Bauart auch mehrere nukleare Sprengköpfe transportieren (sogenannte MIRV-Bauweise, Multiple Independently targetable Re-entry Vehicle) und so Radien von mehreren Hundert Kilometern verwĂŒsten.

Taktische Kernwaffen

Datei:Operation Upshot test.ogg Datei:Operation Wigwam test.ogg Taktische Kernwaffen (auch nukleare Gefechtsfeldwaffen genannt) sollen Ă€hnlich wie konventionelle Waffen zur BekĂ€mpfung gegnerischer StreitkrĂ€fte eingesetzt werden. Ihr Wirkungskreis und in der Regel auch die Sprengkraft sind deutlich geringer als bei strategischen Waffen. Die kleinste taktische Atomwaffe im Truppendienst hat eine Sprengkraft von circa 0,3 kT. Der geringe Wirkradius soll einen Einsatz relativ nahe an den eigenen Positionen erlauben.

Taktische Kernwaffen gab und gibt es in verschiedenen Formen:

Die Bezeichnung „taktisch“ ist insofern verharmlosend, als bereits diese Waffen schwerste Zerstörungen anrichten und erhebliche RadioaktivitĂ€t freisetzen können, was im Kriegsfall verheerende Auswirkungen hĂ€tte. Bei der NATO-Nuklearstrategie "Flexible Response" wurde davon ausgegangen, dass der Einsatz taktischer Kernwaffen kontrollierbar sei. Erwiesen sich konventionelle Kampfmittel als zu schwach, wĂŒrde der Gebrauch taktischer Kernwaffen die Abwehr von Angriffen auf NATO-Gebiet ermöglichen, ohne dass die Auseinandersetzung zu einem umfassenden nuklearen Schlagabtausch (sog. "all-out war") eskalieren mĂŒsste. Auf sowjetischer Seite wurde diese Theorie von Anfang an verworfen. Man hielt eine Begrenzung fĂŒr unmöglich, sobald es einmal zum Einsatz von Kernwaffen gekommen wĂ€re. Auch Frankreich stand dem Konzept sehr skeptisch gegenĂŒber.

Spezielle Kernwaffen

Neutronenbomben

Neutronenbomben sind taktische Kernwaffen, die im Vergleich zur herkömmlichen Bauweise eine geringere Sprengkraft (etwa 1 kT), aber eine stĂ€rkere Neutronenstrahlung erzeugen.

Man versprach sich davon vor allem eine erhöhte EffektivitĂ€t gegen gepanzerte StreitkrĂ€fte: FĂŒr die Zerstörung von Panzern muss eine Bombe normalerweise in der unmittelbaren Umgebung explodieren, da die Panzerung einen Schutz gegen Druck und Hitze bietet. Gegen Neutronenstrahlung hingegen schĂŒtzt sie kaum, da Neutronen auch schwere Materialien nahezu ungehindert durchdringen. Die Explosion einer Neutronenbombe könnte daher die Besatzung eines Panzers augenblicklich töten, ohne den Panzer selbst zu vernichten. Allerdings erzeugt die Neutronenstrahlung im Zielgebiet sekundĂ€re RadioaktivitĂ€t, die das GelĂ€nde und dort verbliebenes Material dauerhaft unbrauchbar macht.

Daneben können Neutronenbomben verwendet werden, um gegnerische Kernwaffen (z. B. anfliegende Raketen) durch Zerstören der ZĂŒnd- oder Steuerelektronik unbrauchbar zu machen.

Entwicklung und Stationierung von Neutronenbomben, auch in Deutschland, wurden anfangs so begrĂŒndet, dass ein damit gefĂŒhrter Krieg selbst bei der grĂ¶ĂŸeren benötigten Anzahl von Explosionen Land und Infrastruktur weniger verwĂŒste als herkömmliche Kernwaffen. Modellrechnungen zeigten aber bald, dass dieses in der Praxis kaum zutrĂ€fe. Denn in dem wirksam bestrahlten Gebiet wĂ€re bereits die Druck- und Hitzewirkung tödlich, auch GebĂ€ude und Anlagen wĂŒrden zerstört und das Material durch Einfang radioaktiv. Eine „saubere“ Alternative zu klassischen Atombomben wĂŒrde somit nicht erreicht.

Weiterhin wurde kritisiert, dass der Tod durch eine Neutronenbombe besonders unmenschlich sei. Menschen, die starken Neutronenstrahlen ausgesetzt sind, wĂŒrden einen qualvollen und langsamen Tod sterben. Opfer wĂŒrden mehrere Wochen lang unter Haarausfall, LĂ€hmung, Verlust der Sinneswahrnehmung und ArtikulationsfĂ€higkeit, Spasmen, unkontrolliertem Durchfall und FlĂŒssigkeitsverlust leiden, bis sie schließlich sterben. Diese auftretenden Symptome wurden von der Anti-Atom-Bewegung benutzt, um das Bild der „sauberen Bombe“ öffentlich in Frage zu stellen.

DarĂŒber hinaus wurde argumentiert, durch die Neutronenbombe werde die Einsatzschwelle von Kernwaffen herabgesetzt und damit das Risiko einer Eskalation zum Krieg mit stĂ€rkeren nuklearen Bomben erhöht.

In den USA wurden seit 1974 etwa 800 NeutronensprengsÀtze gebaut. Die letzten Neutronenbomben wurden 1992 offiziell verschrottet.

Mini-Nukes

Sogenannte Mini-Nukes sind Kernwaffen mit einer Sprengkraft unter fĂŒnf Kilotonnen. Die neue Forschung ĂŒber kleine, technisch hoch entwickelte Kernwaffen ist in den USA geplant. Der US-Senat hob im Mai 2003 ein 10 Jahre altes Verbot der Entwicklung von Mini-Nukes auf. Diese Entscheidung wurde im Kongress durch eine Resolution geschwĂ€cht, welche die Forschung erlaubt, jedoch ein Verbot der Entwicklung oder Herstellung neuer Atomwaffen mit geringer Sprengkraft beibehĂ€lt.

Kofferbomben, beispielsweise zum Einsatz durch Geheimdienste oder Terroristen, wurden beschrieben und werden auch auf dem High Energy Weapons Archive vorgestellt; dort wird aber auch betont, dass die physikalische Umsetzbarkeit mehr als zweifelhaft ist (beispielsweise wĂ€ren zu hohe Mengen an konventionellem Sprengstoff zur ZĂŒndung nötig gewesen). Andererseits lag bereits das Gewicht des amerikanischen W-54-Gefechtskopfs zum Davy-Crockett-LeichtgeschĂŒtz bei nur 23 Kilogramm. Die eiförmige Waffe aus den 1950er Jahren hatte einen Durchmesser von nur etwa 27 cm bei 40 cm LĂ€nge und erreichte eine maximale Sprengkraft von etwa 1 kT.

Bunkerbrecher

Nukleare bunkerbrechende Waffen sollen tief in die Erde eindringen, um unterirdische und gehĂ€rtete Bunker zu zerstören. Es ist ausgeschlossen, dass die Bomben, aus der Luft abgeworfen, tief genug unter die OberflĂ€che eindringen und die Explosion vollkommen unterirdisch ablĂ€uft. Somit wird ein Bombenkrater erzeugt und hochradioaktives Material wird in die Luft ausgeworfen. Ebenso sind durch die erzeugten ErschĂŒtterungen großflĂ€chige Zerstörungen um das eigentliche Ziel herum zu befĂŒrchten. Es gibt im US-Arsenal bereits eine Â»Bunker Buster«: die B-61-11, die laut des im Januar 2002 veröffentlichten ÜberprĂŒfungsberichts (Nuclear Posture Review, NPR) der US-Atomwaffenpolitik eine SprengkraftgrĂ¶ĂŸe von mehr als fĂŒnf Kilotonnen hat und damit keine Â»Mini-Nuke« ist. Diese Waffe dringt aus einer Höhe von gut 13.000 Metern nur bis zu sieben Meter in die Erde und 2–3 Meter in gefrorenen Boden ein. Die USA haben etwa 50 dieser Bomben zur VerfĂŒgung.

Schmutzige Bombe

Bei einer schmutzigen Bombe (engl. dirty bomb) wird die vernichtende Wirkung der Explosion mit der großflĂ€chigen und jahrelangen Kontamination durch radioaktiven Fallout weiter gesteigert. Dieses wird durch den Aufbau der Waffe oder durch eine Kernexplosion auf dem Erdboden erreicht (fĂŒr letzteres siehe Kernwaffenexplosion). Besonders die Kobaltbombe wurde als schmutzige Bombe bezeichnet. In dieser Bauform wird um den eigentlichen Sprengsatz ein Kobaltmantel angebracht. Dieses Metall wird durch die Explosion in 60Co umgewandelt, ein stark strahlendes Isotop mit relativ langer Halbwertszeit, das als Staub herabregnen und das betreffende Gebiet fĂŒr lange Zeit kontaminieren sollte.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde der Begriff Schmutzige Bombe umgeprĂ€gt. Man bezeichnet damit nun einen Sprengsatz aus konventionellem Sprengstoff, dem radioaktives Material beigemischt wurde, das durch die Explosion möglichst weit verteilt werden soll. Eine nukleare Explosion findet dabei nicht statt. Es wird angenommen, dass Terroristen derartige USBV einsetzen könnten, um Schrecken zu verbreiten.

Auch die Internationale Atomenergieorganisation warnt davor, dass Terroristen radioaktives Material, z. B. aus LĂ€ndern der ehemaligen Sowjetunion, erwerben könnten. Dort, ebenso wie in den USA, kommen immer wieder Substanzen aus Industrie, Forschungseinrichtungen oder KrankenhĂ€usern abhanden. Da das Material fĂŒr eine schmutzige Bombe aus der zivilen Kerntechnik gewinnbar ist, wird auch die gesamte Kerntechnik zu den Dual Use Produkten gezĂ€hlt.

Als Beispiel fĂŒr die Folgen einer schmutzigen Bombe wird teils der GoiĂąnia-Unfall in Brasilien 1987 herangezogen, bei dem Diebe in ein leerstehendes Krankenhaus einbrachen und einen BehĂ€lter mit radioaktivem 137Caesiumchlorid stahlen und nach Hause nahmen. Aus Neugier und Unwissenheit hantierten viele Menschen in ihrer Umgebung mit dem blĂ€ulich fluoreszierenden Material und trugen Teile der Substanz mit sich herum. Mehrere Wohnbezirke waren betroffen, und schließlich starben vier Menschen an der Strahlenkrankheit, zehn weitere brauchten intensive medizinische Behandlung, 85 GebĂ€ude mussten abgerissen oder dekontaminiert werden.

→ Hauptartikel: Radiologische Waffe

Kernwaffen in Europa

Demonstration gegen Atomwaffen in Deutschland, August 2008 am Fliegerhorst BĂŒchel

Die in Europa gelagerten Kernwaffen (vgl. Sondermunitionslager) sind nach Ende des Kalten Krieges drastisch reduziert worden. Auf den europĂ€ischen LuftwaffenstĂŒtzpunkten sind von 1990 bis 1996 rund 208 Kernwaffensilos der NATO gebaut worden. UrsprĂŒnglich waren hierfĂŒr 438 NATO-Bunker vorgesehen, die aber nicht mehr benötigt wurden. Die von den US-StreitkrĂ€ften kontrollierten Bunker fĂŒr Bomben, die im Ernstfall den NATO-StreitkrĂ€ften zur VerfĂŒgung standen, waren nicht alle bestĂŒckt worden. Bis 1998 hatte Großbritannien sein Arsenal an Fallbomben auf den StĂŒtzpunkten abgebaut. Ab 1996 wurden dann die weiteren Arsenale geleert.

Die USA und Großbritannien lagerten wĂ€hrend des Kalten Krieges bis zu 5.000 Kernwaffen in deutschen Bunkern, darunter das fĂŒr den Einsatz innerhalb Deutschlands bestimmte Zebra-Paket. Es wird vermutet, dass heute in Europa im Rahmen der nuklearen Teilhabe schĂ€tzungsweise 480[18] Nuklearwaffen gelagert sind, davon 20[18] auf dem deutschen Fliegerhorst BĂŒchel.[19] Dort trainiert die Luftwaffe im Rahmen der nuklearen Teilhabe den Einsatz von Kernwaffen durch Jagdbomber vom Typ Tornado. Die deutschen LuftwaffenstĂŒtzpunkte in Memmingen und Nörvenich verfĂŒgten schon ab 1995 ĂŒber keinerlei Kernwaffen mehr. Auch wird davon ausgegangen, dass die 130[18] Sprengköpfe aus der Ramstein Air Base abgezogen wurden.

Die beiden westeuropĂ€ischen AtommĂ€chte Großbritannien und Frankreich begannen bereits in den 1960ern bzw. 1970ern Teile ihrer Arsenale auf seegestĂŒtzte Systeme umzustellen. Beide Staaten unterhalten heute je vier ballistische Atom-U-Boote, von denen jedes mit jeweils 16 Atomraketen ausgestattet werden kann. Frankreich hĂ€lt lediglich noch 60 Sprengköpfe zum Einsatz durch Bomber bereit, Großbritannien verfĂŒgt seit dem Jahr 2000 ausschließlich ĂŒber seegestĂŒtzte Systeme. Infolge dieser VerĂ€nderung wurde auch die Anzahl der LagerstĂ€tten auf LuftwaffenstĂŒtzpunkten reduziert. Die seegestĂŒtzten Sprengköpfe machen heute den grĂ¶ĂŸten Teil der in Europa stationierten Atomwaffen aus. Die britischen Sprengköpfe werden komplett in der Marinebasis Clyde gelagert, die französischen in Brest.

NATO-LuftwaffenstĂŒtzpunkte mit Kernwaffen

(Stand: 2011)[20]

  • Großbritannien
    • Lakenheath (33 WS3-Lagersysteme, z.Zt keine Waffen gelagert)
  • Niederlande
    • Volkel (elf WS3-Lagersysteme, 10-20 Bomben B61-3/4)
  • Belgien
    • Kleine Brogel (elf WS3-Lagersysteme, 10-20 Bomben B61-3/4)
  • Deutschland
  • Italien
    • Aviano (18 WS3-Lagersysteme, 50 Bomben B61-3/4)
    • Ghedi-Torre (elf WS3-Lagersysteme, 10-20 Bomben B61-3/4)
  • Griechenland
    • Araxos (elf WS3-Lagersysteme, z.Zt keine Waffen gelagert)
  • TĂŒrkei
    • Balıkesir (elf WS3-Lagersysteme, z.Zt keine Waffen gelagert)
    • Incirlik Air Base (25 WS3-Lagersysteme, 60-70 Bomben B61-3/4)
    • Murted (elf WS3-Lagersysteme, z.Zt keine Waffen gelagert)

Aktueller Stand

→ Hauptartikel: Atommacht
  • AtommĂ€chte im Atomwaffensperrvertrag (China, Frankreich, Russland, UK, USA)</li>
  • AtommĂ€chte außerhalb des Atomwaffensperrvertrags (Indien, Nordkorea, Pakistan)</li>
  • unerklĂ€rte AtommĂ€chte außerhalb des Atomwaffensperrvertrags (Israel)</li>
  • vermutetes Atomwaffenprogramm (Iran, Syrien)</li>
  • Mitgliedsstaaten der Nuklearen Teilhabe</li>
  • Ehemalige AtommĂ€chte</li>
  • Die fĂŒnf stĂ€ndigen Mitglieder des Weltsicherheitsrats gelten als offizielle AtommĂ€chte. Sie sind im Atomwaffensperrvertrag als Staaten mit Kernwaffen aufgefĂŒhrt.

    Zwei Staaten haben bislang die Anzahl ihrer nuklearen Sprengköpfe öffentlich gemacht. Allerdings beziehen sich diese Zahlen lediglich auf die einsetzbaren Sprengköpfe, nicht auf deaktivierte.

    Die genaue Anzahl der nuklearen Gefechtsköpfe ist oft unklar und muss geschĂ€tzt werden. Die "Federation of American Scientists"[23] gab fĂŒr 2009 folgende Zahlen bekannt:

    Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea sind nicht im Atomwaffensperrvertrag aufgefĂŒhrt, besitzen aber trotzdem Kernwaffen und TrĂ€gersysteme (Zahlen fĂŒr 2008[26]):

    Die Stiftung Carnegie Endowment for International Peace gab fĂŒr 2007 folgende Angaben im Proliferation-Report heraus:

    • China: 410
    • Frankreich: 350
    • Großbritannien: 200
    • Russland: ≈ 16.000
    • Vereinigte Staaten: ≈ 10.300

    sowie

    • Indien: ≈ 75 bis 110
    • Israel: ≈ 100 bis 170
    • Pakistan: ≈ 50 bis 110

    Die Vereinigten Staaten gaben im Mai 2010 die Anzahl ihrer einsatzbereiten nuklearen Sprengköpfe mit Stand vom September 2009 mit 5.113 an. Im Jahr 1967 seien es noch 31.255 Sprengköpfe gewesen.[27]

    Das Vereinigte Königreich gab Ende Mai 2010 die vollstĂ€ndige Anzahl seiner Sprengköpfe an. In einer Fragestunde gab der britische Außenminister William Hague bekannt, dass das Land ĂŒber 225 Kernwaffen verfĂŒge. Damit Ă€nderte die britische Regierung ihre traditionelle Haltung, ausschließlich die Anzahl der einsatzbereiten Sprengköpfe bekanntzugeben.[28]

    Obwohl lange Zeit nicht von offizieller Seite bestĂ€tigt, gilt es als unstrittig, dass auch Israel seit den 1970er Jahren im Besitz von Kernwaffen ist. Weiterhin hat Premierminister Olmert am 12. Dezember 2006 innerhalb eines Interviews Israel als ein Land aufgezĂ€hlt, das Atomwaffen besitzt. Mordechai Vanunu hat die Welt vom israelischen Kernwaffenprojekt unterrichtet, nachdem er am Dimona-Reaktor arbeitete. Am 11. Dezember 2006 gab der israelische MinisterprĂ€sident Olmert gegenĂŒber dem deutschen Sender Sat.1 zu, dass Israel eine Atommacht sei.[29][30] Dieses wurde jedoch spĂ€ter von ihm wieder dementiert. Zuvor gab es Proteste in In- und Ausland als Reaktion auf diese Aussage.[31] Im Januar 2007 meldeten iranische Medien, Israel plane einen atomaren Angriff auf den Iran, was von Tel Aviv dementiert wurde.

    Besitz von Kernwaffen (Nordkorea)

    Nordkorea erklĂ€rte im FrĂŒhjahr 2005 ebenfalls, Kernwaffen zur Abschreckung entwickelt zu haben; die Aussage wurde jedoch von verschiedenen Seiten bezweifelt. Unstrittig war jedoch, dass Nordkorea ein ambitioniertes Programm zum Erlangen von Kernwaffen unterhĂ€lt. Am 3. Oktober 2006 wurde von der nordkoreanischen Regierung bekannt gegeben, Atombombentests durchfĂŒhren zu wollen.

    Am 9. Oktober 2006 um 10.36 Uhr Ortszeit wurde in Hwadaeri nahe Kilju ein erfolgreicher unterirdischer Nuklearwaffentest durchgefĂŒhrt und spĂ€ter durch seismische Messungen in Russland und den USA bestĂ€tigt.[32] Die Sprengkraft lag nach sĂŒdkoreanischen SchĂ€tzungen bei ĂŒber 800 Tonnen TNT. Russlands Verteidigungsministerium geht dagegen von 5 bis 15 Kilotonnen TNT aus.[33] (Zum Vergleich: Die Hiroshima-Bombe hatte eine Sprengkraft von umgerechnet 13 Kilotonnen TNT.)[34] Bis heute ist jedoch noch nicht eindeutig geklĂ€rt, ob es sich bei der Detonation vom 9. Oktober 2006 tatsĂ€chlich um eine Kernexplosion gehandelt hat. Es wĂ€re möglich, dass die Sprengung auch mit konventionellen Mitteln durchgefĂŒhrt worden sein könnte, um den politischen Druck auf die internationale Gemeinschaft zu erhöhen. Es gibt durch Spionageflugzeuge der USA Hinweise auf eine sehr schwach erhöhte RadioaktivitĂ€t in der AtmosphĂ€re ĂŒber dem Testgebiet, die jedoch so schwach war, dass sie erst im zweiten Anlauf ĂŒberhaupt entdeckt wurde.

    Programme

    Dem Iran wird das Streben nach Atomwaffen allen voran von Israel und den USA unterstellt. Einen Nachweis dafĂŒr gibt es allerdings nicht. Nach eigenen Angaben arbeitet der Iran an der zivilen Nutzbarmachung der Kernkraft zur Energiegewinnung.

    Diplomaten in Wien, dem Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), sagten der F.A.Z., Iran habe vor einigen Wochen bereits 1000 Zentrifugen zur Urananreicherung in seiner Anlage in Natans installiert gehabt. Das ist eine merkliche Erhöhung, da Iran nach Beginn der Anreicherung vor einem Jahr zunÀchst nur zweimal 164 Zentrifugen in Betrieb hatte. Die Regierung in Teheran meldete am 12. April 2007, dass sie 3000 Zentrifugen in Betrieb hÀtte, womit eine Anreicherung auf industriellem Niveau erreicht sei.

    Die Zahl der Zentrifugen gilt als wichtig, weil daran der Fortschritt des iranischen Atomprogramms abgelesen werden kann. Westliche Regierungen befĂŒrchten, dass Iran sich unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms die FĂ€higkeit zum Bau von Kernwaffen verschaffen möchte. 3000 Zentrifugen gelten als notwendig, um den Sprengstoff fĂŒr ein bis zwei Atombomben im Jahr herzustellen.[35]

    Programme oder Besitz in der Vergangenheit

    Mit dem Zerfall der Sowjetunion gab es neben Russland drei weitere Nachfolgestaaten der UdSSR mit Kernwaffen: die Ukraine, Weißrussland und Kasachstan. Die Ukraine war zeitweise das Land mit dem drittgrĂ¶ĂŸten Kernwaffenarsenal der Erde. Alle diese Staaten waren Vertragsparteien des START-1-Vertrages, welcher 1991 von der Sowjetunion und den USA unterzeichnet wurde und 1995 in Kraft trat. Die Ukraine, Weißrussland und Kasachstan bekannten sich zum NPT-Vertrag und sicherten zu, ihr Kernwaffenarsenal zu vernichten. Kasachstan und Weißrussland wurden bis 1996 kernwaffenfrei. Der letzte ukrainische Sprengkopf wurde im Oktober 2001 in Russland vernichtet.[36]

    SĂŒdafrika entwickelte unter der Apartheid-Regierung, wahrscheinlich mit israelischer Hilfe, eine Atomwaffe und fĂŒhrte im September 1979 möglicherweise einen Test vor der KĂŒste durch. Kurz vor dem Ende der Apartheid zerstörte SĂŒdafrika seine sechs Atomwaffen, um dem Atomwaffensperrvertrag 1991 beizutreten und sich damit wieder in die internationale Gesellschaft eingliedern zu können. Bis 1994 wurden alle sĂŒdafrikanischen Atomwaffenanlagen komplett abgebaut.[37]

    Argentinien, Brasilien, Libyen und die Schweiz[38][39][40] verfĂŒgten in der Vergangenheit ĂŒber Kernwaffenprogramme, haben diese aber aufgegeben und offiziell beendet. Die Regierung von Schweden diskutierte nach 1945, ob es Kernwaffen entwickeln wollte und entschied sich dagegen.

    UnfÀlle mit Kernwaffen

    Zwischen 1950 und 1980 wurden 32 UnfĂ€lle allein mit amerikanischen Kernwaffen bekannt. Vor allem in den 1950er und 1960er Jahren mussten viele Waffen bei Notlandungen von Bombern abgeworfen werden. Manche der Waffen wurden nie wieder gefunden, weil sie in den Ozeanen abgeworfen (aber nicht gezĂŒndet) wurden.[41] Nach SchĂ€tzungen von Greenpeace gingen etwa 50 Atombomben verloren. Elf Bomben vermissen die USA offiziell. Radioaktive Verseuchung wurde in mehreren FĂ€llen festgestellt.

    AbstĂŒrze von Atombombern und andere UnfĂ€lle sind sehr problematisch, weil durch den Aufprall das spaltbare Material in der Umgebung verstreut werden kann, obwohl die Bombe nicht zur ZĂŒndung kommt. Im Falle von Plutonium ist dies besonders gefĂ€hrlich, da es auch chemische Giftigkeit besitzt.

    Siehe auch:

    Aber nicht nur bei UnfÀllen, sondern auch im Rahmen des Entsorgungsprozesses innerhalb der normalen Produktion gelangte insbesondere in der Sowjetunion massiv radioaktives Material in die Umwelt (Majak, Karatschai-See).

    AbrĂŒstung und RĂŒstungsbegrenzung

    Wegen der enormen Zerstörungskraft nuklearer Bomben gab es stets Bestrebungen, sĂ€mtliche Kernwaffen abzuschaffen und generell zu verbieten, um zu verhindern, dass damit die Menschheit vernichtet wĂŒrde. Der Kalte Krieg und die Machtinteressen einzelner Nationen verhinderte jedoch eine schnelle Abkehr von Massenvernichtungswaffen. Dennoch wurden einige Abkommen durchgesetzt, die jeweils einen großen Schritt in Richtung einer nuklearwaffenfreien Welt signalisierten. Ob die VertrĂ€ge tatsĂ€chlich so wirksam sind wie gewĂŒnscht, wird allerdings angezweifelt.

    Am 10. Oktober 1963 trat das Teststoppabkommen in Kraft, worin sich einige GroßmĂ€chte einigten, keine Nuklearwaffen im Wasser, im All und in der AtmosphĂ€re zu zĂŒnden. Unterirdische Tests sollten eine bestimmte StĂ€rke nicht ĂŒberschreiten. Diesem Abkommen sind bisher 120 Nationen beigetreten.

    Der Atomwaffensperrvertrag wurde am 1. Juli 1968 von den USA, der Sowjetunion und Großbritannien unterzeichnet und trat 1970 in Kraft. Nachdem Nordkorea seine Unterschrift 2003 zurĂŒck gezogen hatte, besitzt das Vertragswerk in 188 Staaten GĂŒltigkeit. Zu den Unterzeichnerstaaten gehört auch die Volksrepublik China und Frankreich (beide 1992). Der Beitritt zum Atomwaffensperrvertrag bedeutet fĂŒr die Unterzeichnerstaaten die Verpflichtung, sich in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden den von der Internationale Atomenergieorganisation durchgefĂŒhrten Kontrollen auf Einhaltung des Vertrags zu unterwerfen. Artikel VI besagt allerdings, dass die Staaten sich verpflichten „in naher Zukunft“ Verhandlungen zu fĂŒhren, welche die „vollstĂ€ndige AbrĂŒstung“ garantieren.[42]

    Seit 1996 liegt der Vertrag zum umfassenden Verbot von Nuklearversuchen (CTBT) zur Unterzeichnung auf. Er tritt erst in Kraft, wenn eine bestimmte Gruppe von LĂ€ndern ihn ratifiziert hat, u. a. die USA. Die Ratifizierungen einiger wichtiger LĂ€nder stehen derzeit noch aus. Vor allem die USA lehnen RĂŒstungskontrollen ab.

    Die Einhaltung der VertrĂ€ge wird durch verschiedene Techniken verifiziert: Erdbebenmessstationen reagieren bereits auf kleinste Vibrationen und ermöglichen eine recht genaue Ortung von unterirdischen Detonationen. Sie können auch die seismographischen Signaturen von Erdbeben und Atomwaffentests deutlich unterscheiden. Hydroakustik kann Unterwasserexplosionen aufspĂŒren und lokalisieren. Spezialmikrophone und Radionuklid-Detektoren können atmosphĂ€rische Kernexplosionen entdecken, identifizieren und lokalisieren. Die Messstationen sind ĂŒber die ganze Welt verteilt. Wenn der Vertrag in Kraft tritt, wird es auch noch die Möglichkeit der Vor-Ort-Inspektion geben. Die Implementation des Vertrages wird von der Organisation des Vertrags ĂŒber das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBTO) vorbereitet.

    Bilaterale VertrĂ€ge zwischen den USA und der Sowjetunion beziehungsweise Russland mit dem Ziel der Begrenzung oder AbrĂŒstung von strategischen Atomwaffen sind die SALT I und II-GesprĂ€che (1969 bis 1979) die unter anderem zum ABM-Vertrag (1972) fĂŒhrten, der INF-Vertrag (1987) , START I und II (1991 und 1993) und der SORT-Vertrag (2002).

    Demontage: wohin mit dem Plutonium?

    Atombomben auf Uranbasis enthalten hochangereichertes Uran. Man spricht erst ab einem Anreicherungsgrad von 85 % von ‚weapon-grade‘. Natur-Uran hat 0,7 % Uran 235; zur Verwendung in Leichtwasserreaktoren muss das Uran auf 3–4 % 235U-Gehalt angereichert werden (reactor-grade). Hochangereichertes Uran ist also ein wertvoller Rohstoff.

    Das Plutonium aus Plutoniumbomben dagegen – wegen seiner langen Halbwertzeit und seiner hohen RadiotoxizitĂ€t ein sehr problematischer Stoff – kann nicht vernichtet werden: „Beseitigt werden kann das Plutonium nur in Form einer Endlagerung nach einer Vermischung mit anderen atomaren AbfĂ€llen oder durch eine Umarbeitung in MOX-Elemente.“[43]

    Ethik von Kernwaffen und die Strategie der nuklearen Abschreckung

    Begleitend zur AbrĂŒstung von Kernwaffen haben sich zahlreiche internationale Kampagnen fĂŒr die Abschaffung aller Atomwaffen „I CAN“ gebildet, die zum Thema gegen Atomwaffen Stellung nehmen; darunter sind:

    Zahlreiche Appelle zur nuklearen AbrĂŒstung und RĂŒstungskontrolle wurden auch aus der Physikerschaft an die Politik gerichtet – wie z. B. der Franck Report, das Russell-Einstein-Manifest, das zur GrĂŒndung der Pugwash-Bewegung fĂŒhrte, oder die ErklĂ€rung der Göttinger 18. Auch von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) wurde in einer Reihe von Resolutionen auf die mit der Existenz von Kernwaffen verbundenen Gefahren hingewiesen[48] und die Reduktion der vorhandenen Arsenale[49] sowie der Abschluss eines Kernwaffenteststopp-Vertrages[50][51] gefordert. In ihrer jĂŒngsten Resolution vom April 2010 spricht sich die DPG fĂŒr den Verzicht auf den Ersteinsatz und den Abzug aller in Deutschland und Europa verbliebenen Atomwaffen aus und fordert die Aufnahme von Verhandlungen ĂŒber eine Nuklearwaffenkonvention fĂŒr die Ächtung und Beseitigung aller Atomwaffen bis 2020.[52]

    DarĂŒber hinaus sprechen sich prinzipiell alle christlichen Kirchen gegen die Verwendung jeder Art von Kernwaffen, zum Teil auch gegen den Besitz, aus. Erst 2006 hat der Ökumenische Rat der Kirchen erneut zur Eliminierung aller nuklearer Waffen aufgerufen.[53]

    Ausgehend von katholischen Philosophen in Großbritannien Anfang der 1960er Jahre wurden gegen die Strategie der nuklearen Abschreckung ethische Bedenken eingebracht. FĂŒr viele Menschen war die Benutzung einer atomaren Waffe unmoralisch, da sie notwendigerweise den Tod von Zivilisten und die Vergiftung der Erde nach sich zieht. Es wurde folgendermaßen argumentiert: Wenn der Einsatz von Kernwaffen unmoralisch sei, so sei dieses auch die Strategie der nuklearen Abschreckung, da diese die bedingte Intention eine unmoralische Handlung zu setzen anstrebt.

    In der katholischen Kirche wird mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1965) bei der Verwendung der sogenannten wissenschaftlichen Waffen auf die GrenzĂŒberschreitung einer gerechten Verteidigung hingewiesen, da die Anwendung derselben „ungeheure und unkontrollierbare Zerstörungen auszulösen“ vermag. Die Pastoralkonstitution Gaudium et Spes spricht des Weiteren ein Verbot des totalen Krieges aus, der „auf die Vernichtung ganzer StĂ€dte oder weiter Gebiete und ihrer Bevölkerung unterschiedslos abstellt“. (GS 80)[54]

    Die Verletzung der Prinzipien der Diskrimination und der ProportionalitÀt (siehe Gerechter Krieg) stellen die Hauptkritikpunkte an dem Einsatz von Nuklearwaffen dar.

    Siehe auch

    Literatur

    SachbĂŒcher

    • Peter Auer Von Dahlem nach Hiroshima. Die Geschichte der Atombombe Berlin: Aufbau, 1995 ISBN 3-351-02429-0
    • Florian Coulmas Hiroshima: Geschichte und Nachgeschichte, MĂŒnchen: Beck, 2005, ISBN 3-406-52797-3
    • Klaus Fuchs, Ruth Werner, Eberhard Panitz Treffpunkt Banbury oder Wie die Atombombe zu den Russen kam, 2003 ISBN 3-360-00990-8
    • Robert Jungk Heller als tausend Sonnen, 1958 und strahlen aus der asche, Alfred Scherz Verlag 1959
    • Rainer Karlsch, Zbynek Zeman Urangeheimnisse, 2002, ISBN 3-86153-276-X
    • Hubert Mania: Kettenreaktion. Die Geschichte der Atombombe, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2010 ISBN 978-3-498-00664-8
    • Paul Takashi Nagai Die Glocken von Nagasaki: Geschichte der Atombombe MĂŒnchen: Rex, 1955 – Bericht eines ĂŒberlebenden Arztes ISBN 3-89575-056-5
    • Gian L. Nespoli, Giuseppe Zambon Hiroschima, Nagasaki. 1997, ISBN 3-88975-055-9
    • Richard Rhodes The Making of the Atomic Bomb 1995, ISBN 0-684-81378-5, deutsch Nördlingen: Greno, 1988; Volk und Welt, 1990 ISBN 3-353-00717-2 (Standardwerk)
    • Helmut Simon (Vorwort) Atomwaffen vor dem Internationalen Gerichtshof ISBN 3-8258-3243-0
    • Wolfgang Sternstein Atomwaffen abschaffen!, 2001 ISBN 3-933325-05-6
    • Mark Walker Die Uranmaschine. Mythos und Wirklichkeit der deutschen Atombombe Berlin: Siedler, 1990 ISBN 3-88680-359-7
    • Rainer Karlsch Hitlers Bombe Deutsche Verlags-Anstalt, MĂŒnchen 2005 ISBN 3-421-05809-1
    • Egmont R. Koch Atomwaffen fĂŒr Al Qaida. „Dr.No“ und das Netzwerk des Terrors Berlin: Aufbau Verlag, 2005 ISBN 3-351-02588-2

    Bildband

    Romane und TheaterstĂŒcke

    Weblinks

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     Commons: Atomwaffen â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
     Commons: Hiroshima â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
     Commons: Nagasaki â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
    Wiktionary Wiktionary: Atombombe â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

    Einzelnachweise

    1. ↑ Welt der AtommĂ€chte: Wer hat die Bombe? diepresse.com, abgerufen am 9. November 2011
    2. ↑ IAEA-Bericht – Iran arbeitete an Atombombe welt.de
    3. ↑ IAEA: Iran arbeitete an Atomwaffensueddeutsche.de
    4. ↑ Iran's Nuclear Program abgerufen am 9. November 2011
    5. ↑ Schneider, Wolf: Deutsch fĂŒr Profis. Wege zu gutem Stil (16. Auflage, MĂŒnchen 2001, Seite 61 f.)
    6. ↑ Ida Noddack: Über das Element 93. Angewandte Chemie 47(1934), S. 653-655
    7. ↑ Hahn, O., Strassmann, F.: Über den Nachweis und das Verhalten der bei der Bestrahlung des Urans mittels Neutronen entstehenden Erdalkalimetalle. Naturwissenschaften, Band 27, Nummer 1 / Januar 1939. Artikel
    8. ↑ Meitner, L., Frisch, O.R.: Products of the Fission of the Uranium Nucleus. Nature 143, 471-472 (18. MĂ€rz 1939), doi:10.1038/143471a0 pdf
    9. ↑  Rainer Karlsch: Hitlers Bombe. Deutsche Verlags-Anstalt, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-421-05809-1.</span>
    10. ↑ In Bodenproben keine Spur von „Hitlers Bombe“. Physikalisch-Technische Bundesanstalt, 15. Februar 2006, abgerufen am 28. Mai 2009.
    11. ↑ spiegel.de: Is Atomic Radiation as Dangerous as We Thought? S. 2, Artikel vom 22. November 2007
    12. ↑ Bruce Cumings: Parallax Visions, Duke 1999
    13. ↑ Barton J. Bernstein: Understanding the Atomic bomb and the Japanese Surrender: Missed Opportunities, Little-Known Near Disasters, and Modern Memory, in: Diplomatic History, 1995.
    14. ↑ Bernd Stöver: Der Kalte Krieg 1947-1991: Geschichte eines radikalen Zeitalters, Seite 148. ISBN 978-3-406-55633-3, abgefragt am 21. November 2009
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    53. ↑ http://www.oikoumene.org
    54. ↑ http://theol.uibk.ac.at/itl/239.html#80
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