|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
Ein Oberleitungsbus â auch Oberleitungsomnibus, Obus, O-Bus, Trolleybus, Trolley oder veraltet gleislose Bahn genannt â ist ein elektrisches Verkehrsmittel im öffentlichen Personennahverkehr. Er ist wie ein klassischer Stadtlinienbus aufgebaut, wird im Gegensatz zu diesem aber nicht von einem Verbrennungsmotor, sondern von einem oder mehreren Elektromotoren angetrieben. Seinen Fahrstrom bezieht er â Ă€hnlich einer StraĂenbahn â mittels Stromabnehmern aus einer ĂŒber der Fahrbahn gespannten Oberleitung. O-Busse sind somit spurgebunden, aber nicht spurgefĂŒhrt. Die Bezeichnung Oberleitungsbus wird dabei sowohl fĂŒr das Fahrzeug selbst als auch fĂŒr die dazugehörige Infrastruktur verwendet.
Die ersten Anlagen wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts eröffnet, weltweit existieren derzeit 311 Oberleitungsbus-Betriebe in 46 Staaten. Ăberwiegend sind sie in Mittelosteuropa, den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, der Volksrepublik China, Nordkorea, Italien und der Schweiz anzutreffen. Um die 550 Netze wurden wieder stillgelegt, vor allem in der westlichen Welt, wo der Oberleitungsbus in den 1950er- und 1960er-Jahren seine BlĂŒtezeit erlebte. In 30 LĂ€ndern verkehren heute gar keine Oberleitungsbusse mehr. Eine ausfĂŒhrliche Darstellung dieser Entwicklung findet sich im Hauptartikel Geschichte des Oberleitungsbusses.
GrundsĂ€tzlich ist der Oberleitungsbus den Kraftfahrzeugen zuzurechnen. Dennoch stellt er eine Mischform zwischen einer spurgebundenen Bahn, das heiĂt einer Eisenbahn oder StraĂenbahn, und einem Omnibus dar. Dies macht sich auch juristisch bemerkbar â in den nationalen Rechtsgebungen wird er zumeist als Eisenbahn behandelt.[1] Dies gilt insbesondere dann, wenn juristisch nicht zwischen Eisenbahnen und StraĂenbahnen unterschieden wird, wie dies in den meisten LĂ€ndern ĂŒblich ist. Andernfalls gilt der Oberleitungsbus rechtlich als StraĂenbahn.
In Deutschland gilt fĂŒr den Betrieb von Oberleitungsbussen in erster Linie die Verordnung ĂŒber den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr (BOKraft). Ferner das Personenbeförderungsgesetz (PBefG) sowie die Verordnung ĂŒber die Allgemeinen Beförderungsbedingungen fĂŒr den StraĂenbahn- und Obusverkehr sowie den Linienverkehr mit Kraftfahrzeugen.[2] In allen drei Schriften wird der Obus als eigenstĂ€ndiges Verkehrsmittel gesondert erwĂ€hnt. Er wird in Deutschland wie folgt definiert:
|
FĂŒr den Verkehr mit Obussen wird von den Behörden eine entsprechende Genehmigungsurkunde gemÀà PBefG ausgestellt. BezĂŒglich der Infrastruktur gilt fĂŒr Obusanlagen zusĂ€tzlich die Verordnung ĂŒber den Bau und Betrieb der StraĂenbahnen (BOStrab). Als Technische Aufsichtsbehörde (TAB) fungiert eine von der jeweiligen Landesregierung bestimmte Behörde.[3] Im Falle des Solinger Betriebs in Nordrhein-Westfalen ist dies beispielsweise die DĂŒsseldorfer Bezirksregierung.[4]
In Ăsterreich ist der Oberleitungsbus, wie StraĂenbahnen, dem Eisenbahngesetz 1957 (EisbG) unterstellt. Dort heiĂt es unter § 5:[5]
|
In der Schweiz gilt fĂŒr den Trolleybus ein eigenes Gesetz, das Bundesgesetz ĂŒber die Trolleybusunternehmen, kurz Trolleybus-Gesetz, abgekĂŒrzt TrG. Es definiert das Verkehrsmittel wie folgt:[6]
|
AuĂerdem verkehren Trolleybusse in der Schweiz auf der Basis einer Bundes-Konzession des Unternehmens â die vom Eidgenössischen Departement fĂŒr Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation erteilt wird â und nicht wie Autobusse mit kantonalen Bewilligungen je Fahrzeug. Daraus ergeben sich auch Abweichungen bei der Haftpflichtversicherung.[7] DarĂŒber hinaus benötigen sie keinen Fahrzeugausweis. Hinsichtlich der Fahrleitungsanlagen ist das Plangenehmigungsverfahren nach dem Schweizer Eisenbahngesetz anzuwenden, welches auch fĂŒr StraĂenbahnen gilt. Ferner waren die FahrplĂ€ne der Schweizer Ăberlandtrolleybuslinien bis zum Winterfahrplan 1981/82 im Amtlichen Kursbuch der Schweiz â anders als die Ăberlandautobusse â unter den Bahnen aufgefĂŒhrt.
Weiter findet sich die rechtliche Einordnung als Eisenbahn zum Teil auch im Arbeitsrecht und im Arbeitnehmerschutz wieder. So sind beispielsweise die Mitarbeiter eines österreichischen Obus-Betriebs automatisch Mitglied im Eisenbahner-Kollektivvertrag.[1] In der Schweiz unterliegen die Lenk- und Ruhezeiten des Personals sowie die Unfallmeldung dem Eisenbahnrecht.[6]
Ebenso erfolgt die technische Abnahme neuer Oberleitungsbusse hĂ€ufig durch die entsprechende Eisenbahnaufsichtsbehörde, dem sogenannten Bahnamt. So etwa in Tschechien durch den DrĂĄĆŸnĂ ĂșĆad[8] oder in Italien durch das Ufficio speciale trasporti a impianti fissi (USTIF). Generell ist die Zulassung eines O-Busses aufwĂ€ndiger und dauert deutlich lĂ€nger als bei einem Omnibus.
FĂŒr Osteuropa typisch waren frĂŒher auĂerdem gesonderte Tarife im Oberleitungsbusverkehr.
Die Klassifizierung als Bahn macht sich mitunter auch Ă€uĂerlich bemerkbar. So ist fĂŒr Trolleybusse in 27 von 46 Staaten kein Kraftfahrzeugkennzeichen vorgeschrieben. Dies ist unter anderem in der Schweiz und den meisten ehemals sozialistisch regierten LĂ€ndern der Fall, nicht jedoch in Deutschland und Ăsterreich. Ersatzweise muss die jeweilige Betriebsnummer deutlich erkennbar auĂen am Fahrzeug angeschrieben sein. Dies ist bei den meisten Verkehrsgesellschaften ohnehin Standard, unabhĂ€ngig von der gesetzlichen Regelung bezĂŒglich der Nummernschilder. Die Verwendung von Kennzeichen ist ein Indiz dafĂŒr, ob Oberleitungsbusse im jeweiligen Land eher den Omnibussen oder eher den Bahnen zuzurechnen sind:
| ohne Kennzeichen in Europa | BG | BY | CH1 | CZ | EST | GR | H | LV | MD | P 2 | RO3 | RUS 2 | SK | SRB | UA |
| ohne Kennzeichen auĂerhalb Europas | ARM | GE | IR | J | KP | KS | KZ | MEX | MGL | RA | TJ | UZ |
1 = ausgenommen Duo-Busse, im Gegensatz dazu benötigen Trolleybusse mit Hilfsantrieb ebenfalls kein Kontrollschild
2 = ausgenommen Fahrzeuge mit Hilfsantrieb
3 = teilweise kommunale Kennzeichen, hierbei handelt es sich um Inventarnummern der jeweiligen Stadt, darĂŒber hinaus benötigen in RumĂ€nien auch Duo-Busse keine Kennzeichen
| mit Kennzeichen in Europa | A | BIH | D | E | F 4 | I 4 5 | LT 6 | N | NL | PL | S |
| mit Kennzeichen auĂerhalb Europas | BR | CDN | EC | NZ | RC 4 | RCH | USA | YV |
4 = ausgenommen spurgefĂŒhrte Oberleitungsbusse nach dem System Translohr
5 = bis in die 1950er-Jahre regulĂ€re Kennzeichen, anschlieĂend keine Kennzeichen, seit 1984 Kennzeichen der jeweiligen Provinz. Ausgenommen Cagliari, dort bis heute keine Kennzeichen.
6 = Kennzeichen seit 2006
Esslinger Obus mit Behördenkennzeichen
FĂŒr das FĂŒhren eines Oberleitungsbusses muss zusĂ€tzlich zum regulĂ€ren Omnibus-FĂŒhrerschein und dem Personenbeförderungsschein eine innerbetriebliche Zusatzausbildung absolviert werden. Darin werden die betreffenden Berufskraftfahrer ĂŒber die technische Beschaffenheit der Fahrzeuge und der elektrischen Anlagen sowie ĂŒber die technischen Besonderheiten des Betriebes unterrichtet.[9] Auch Sicherheitsbestimmungen, Signalkunde, Störungsbehebung und zusĂ€tzliche Fahrstunden sind Bestandteil der Fortbildung.[10] Beim Betrieb im schwedischen Landskrona wird fĂŒr die Extraschulung ein Zeitaufwand von mindestens acht Stunden veranschlagt, beim Trolleybus Schaffhausen sind es circa zwanzig Stunden und in Esslingen am Neckar rund zwei Wochen.[11][12][10] GröĂere Betriebe unterhalten eigens zu diesem Zweck spezielle Fahrschulwagen. In Deutschland mĂŒssen Obusfahrer auĂerdem, wie StraĂenbahnfahrer, nach erfolgter Schulung eine besondere EignungsprĂŒfung gemÀà BOStrab ablegen.[10]
Die Zusatzqualifikation wird beispielsweise in der Schweiz auch im FĂŒhrerausweis eingetragen. Dort bescheinigt der Code 110 dem Inhaber zum FĂŒhren von Trolleybussen berechtigt zu sein.[13] Zuvor war sie als eigene Kategorie im FĂŒhrerausweis eingetragen. In manchen Staaten gibt es diese eigene Kategorie bis heute. In RumĂ€nien heiĂt sie Tb, in Lettland TROL und in Estland D-troll fĂŒr Solowagen beziehungsweise D-trollE fĂŒr Gelenkwagen.
Der Erwerb des FĂŒhrerscheins war dabei oft vereinfacht, um die Umschulung von WagenfĂŒhrern des Schienenverkehrs zu erleichtern. In manchen Staaten ist bis heute kein Omnibus-FĂŒhrerschein erforderlich, um einen Obus fahren zu dĂŒrfen. Als Basis fĂŒr die innerbetriebliche Zusatzausbildung genĂŒgt ein PKW-FĂŒhrerschein. In der Deutschen Demokratischen Republik reichte sogar eine Fahrberechtigung fĂŒr Elektrokarren aus.
Eng mit dem Oberleitungsbus verwandt ist der Oberleitungslastkraftwagen, der ausschlieĂlich dem GĂŒterverkehr dient. Dieser wird deshalb hĂ€ufig auch GĂŒter-Obus genannt. Diese Bezeichnung ist sachlich falsch, weil O-Busse Personenverkehrsmittel sind. Die Bezeichnung Obus basiert in diesem Fall lediglich auf der Gleichartigkeit des Antriebssystems. UnabhĂ€ngig davon gab es in den Anfangsjahren des Systems auch einige wenige Obus-Anlagen, auf denen mit jeweils eigenen Fahrzeugen sowohl GĂŒter- als auch Personenverkehr stattfand. Eine weitere diesbezĂŒgliche Besonderheit war der Oberleitungsbus Sankt Lambrecht in Ăsterreich. Dort dienten â Ă€hnlich einem Kombinationsbus â spezielle Fahrzeuge sowohl dem GĂŒtertransport als auch der Personenbeförderung. Die veraltete Bezeichnung gleislose Bahn wurde dabei synonym sowohl fĂŒr Oberleitungsbusse als auch fĂŒr Oberleitungslastkraftwagen verwendet. In Russland und der Ukraine nutzen einige Betriebe Oberleitungslastkraftwagen als Arbeitswagen fĂŒr Reparatur- und Wartungsarbeiten stĂ€dtischer Obusnetze. Manche O-Busse beförderten auch Postsendungen, meist wenn sie zuvor Postkutschen-Verbindungen ablösten.
Ein Arbeitswagen des Typs KTG-1 im ukrainischen Donezk
Ein frĂŒher österreichischer Obus mit K.u.k.-Postabteil
Typisch fĂŒr Obus-Linien ist die besondere Kennzeichnung der Haltestellen. In Deutschland und Ăsterreich waren Haltestellenfahnen mit der Aufschrift âObusâ ĂŒblich. Mitunter werden beziehungsweise wurden Obuslinien auch durch ein der Liniennummer vorangestelltes âOâ (Graz, Hamburg, Hannover, Linz, MĂŒnchen und Ost-Berlin) oder ein vorangestelltes âTâ (Burgas, MediaÈ, Satu Mare und Sibiu) differenziert. Anderswo werden die gleichen Liniennummern sowohl fĂŒr Obus- als auch fĂŒr Omnibuslinien vergeben, so etwa bei der Moskauer Verkehrsgesellschaft Mosgortrans. Alternativ werden den Obuslinien in vielen StĂ€dten niedrigere Liniennummern zugeteilt als den Omnibuslinien, aber höhere Liniennummern als den StraĂenbahnlinien â das heiĂt es besteht ein hierarchisches System. Weiterhin ist es ĂŒblich, Trolleybuslinien auf LiniennetzplĂ€nen eine eigenstĂ€ndige Kennfarbe zuzuweisen. In der Sowjetunion und vielen ihrer Bruderstaaten setzte sich dabei die Farbe grĂŒn durch, wĂ€hrend StraĂenbahnen rot und Omnibusse blau gekennzeichnet waren beziehungsweise bis heute sind. Diese Farbordnung war oft auch Grundlage fĂŒr die Gestaltung der jeweiligen Fahrkarten.
Ukrainische Obus-Haltestelle in Sewastopol
Kennzeichnung einer Bedarfshaltestelle beim Londoner Trolleybus
In aller Regel werden Oberleitungsbusse von kommunalen oder privaten Verkehrsunternehmen betrieben. Diese sind meist auch fĂŒr den örtlichen Omnibus- und â soweit vorhanden â StraĂenbahnverkehr zustĂ€ndig. Jedoch erfolgt in bestimmten StĂ€dten eine organisatorische Trennung zwischen Obus- und Omnibusverkehr. In der EuropĂ€ischen Union ist dies beispielsweise in Kaunas, Tallinn, Tychy, Vilnius und seit 2005 auch in Salzburg der Fall. Ebenso in Bern bis 1947 und in Schaffhausen bis 1984. AuĂerhalb Europas sind in Guadalajara, Guangzhou, Quito, MĂ©rida, Mexiko-Stadt, ValparaĂso und Wuhan Obus und Omnibus administrativ getrennt. DarĂŒber hinaus kommt dieses Modell auch in vielen StĂ€dten der ehemaligen Sowjetunion zur Anwendung. Zudem werden dort, wie auch in China oder Nordkorea, einige Oberleitungsbusse von Industriebetrieben gefĂŒhrt.
Zahlreiche Verkehrsunternehmen Ă€nderten im Zuge der EinfĂŒhrung von Oberleitungsbussen ihren Namen um den Begriff StraĂenbahn zu eliminieren. So nannte sich beispielsweise die Trambahn der Stadt St. Gallen ab 1950 Verkehrsbetriebe der Stadt St. Gallen.
Oberleitungsbus ist eine Kurzform des Begriffs Oberleitungsomnibus, das sich aus Oberleitung und Omnibus zusammensetzt.
Oberleitungsomnibus tauchte in der ersten HĂ€lfte der 1930er-Jahre auf und wurde zum Beispiel 1934 vom Ulmer Tagblatt verwendet.[14] Die Kurzform Oberleitungsbus wurde im September 1937 durch den Bahnausschuss des Verbands deutscher Verkehrsverwaltungen (VDV) offiziell eingefĂŒhrt. Das Wort selbst ist jedoch Ă€lter, es taucht beispielsweise schon 1930 in der Zeitschrift Der Waggon- und Lokomotivbau auf.[15]
Die AbkĂŒrzung fĂŒr Oberleitungsomnibus respektive Oberleitungsbus lautete zunĂ€chst Obbus und wurde spĂ€ter zu den heute gĂ€ngigen Schreibweisen O-Bus beziehungsweise Obus vereinfacht.
Der auĂerhalb von Deutschland und Ăsterreich verwendete Begriff Trolleybus ist ein Internationalismus. WĂ€hrend im britischen Englisch beziehungsweise im ĂŒbrigen Europa manchmal auch dessen Kurzform Trolley verwendet wird, ist Trolley im amerikanischen Englisch die Kurzform fĂŒr trolley car und steht dort somit fĂŒr eine StraĂenbahn.
Die Bezeichnung stammt wiederum von crane trolley ab, so wird im Englischen eine Laufkatze am Ausleger eines Krans bezeichnet. Diese hat eine groĂe technische Ăhnlichkeit zu den KontaktwĂ€gelchen, welche sowohl bei den ersten elektrischen StraĂenbahnen als auch bei den ersten Trolleybussen auf der Oberleitung fuhren und mit dem Verbindungskabel hinterher gezogen wurden. Der Begriff Trolleybus kam jedoch erst in den 1920er-Jahren auf, also zu einer Zeit, als die anfĂ€nglichen Systeme mit KontaktwĂ€gelchen technisch lĂ€ngst ĂŒberholt und gröĂtenteils wieder stillgelegt worden waren.
In Deutschland und Ăsterreich wird die Bezeichnung Oberleitungsbus benutzt, in der Schweiz und den ĂŒbrigen LĂ€ndern wird meist Trolleybus beziehungsweise die entsprechenden Transkriptionen verwendet. Im gesamten deutschen Sprachraum wird im Alltag ein Oberleitungsbus oft nur kurz Bus genannt. Hierbei handelt es sich um die AbkĂŒrzung von Omnibus beziehungsweise Autobus. Diese Bezeichnung berĂŒcksichtigt jedoch nicht die technischen Eigenheiten und den rechtlichen Sonderstatus des Oberleitungsbusses gegenĂŒber dem Omnibus. Immer wieder tauchen im Zusammenhang mit Oberleitungsbussen auĂerdem die Bezeichnungen Elektrobus, E-Bus, elektrischer Bus oder Strombus auf, diese sind fachlich jedoch nicht prĂ€zise. Sie umfassen auch andere elektrisch betriebene Omnibusse, die ihre Energie nicht ĂŒber Oberleitungen zugefĂŒhrt bekommen â siehe Unterkapitel Verwandte Systeme â Abgrenzung und Gemeinsamkeiten.
In Deutschland und Ăsterreich werden heute meist die Bezeichnungen Oberleitungsbus oder Oberleitungsomnibus und die daraus abgeleiteten Kurzformen O-Bus und Obus verwendet.
In seiner FrĂŒhzeit wurde der Oberleitungsbus hingegen noch anders benannt. Das 1882 von Werner Siemens vorgestellte Versuchsfahrzeug hieĂ Elektromote, abgeleitet aus dem englischen Begriff electric motion fĂŒr elektrische Bewegung. Als Oberbegriff fĂŒr derartige Fahrzeuge waren elektrische Kutsche, elektrische Droschke oder elektrischer Motorwagen gĂ€ngig. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Obus als gleislose Bahn oder gleislose StraĂenbahn bezeichnet. Meyers GroĂes Konversations-Lexikon beschreibt diese 1905 wie folgt:[16]
âStraĂenbahnen, gleislose; elektrische Omnibusse mit oberirdischer StromzufĂŒhrung, die ohne Schienen laufen.â
Weniger verbreitete Bezeichnungen waren Gleislose elektrische Bahn, Gleislose elektrische StraĂenbahn, Gleislose Trambahn, Gleislose elektrische Stadtbahn, Gleislose Motorbahn mit elektrischer Oberleitung, Gleislose elektrische Personenbahn, Gleisloser Spurwagen, Gleislose Oberleitungsbahn, Oberleitungsbahn, Elektrische Oberleitungsbahn, Elektrische gleislose Bahn, Elektrische gleislose Motorbahn, Gleislose elektrische Motorbahn, Elektrischer Kraftwagenbetrieb mit Oberleitung, Oberleitungs-Kraftwagen, Oberleitungs-Kraftfahrzeug, Elektrisches Oberleitungs-Automobil oder nur Oberleitungs-Automobil. Der von 1912 bis 1914 bestehende Obus-Betrieb in Steglitz bei Berlin wurde im Volksmund als Gleislobus bezeichnet, abgeleitet von Gleisloser Omnibus.[17]
AnlĂ€sslich der 1930 erfolgten Eröffnung der Linie zwischen Mettmann und Gruiten, des ersten neuzeitlichen Betriebs in Deutschland, entstand die Bezeichnung Fahrdrahtbus. In Berlin wurde abweichend davon der Begriff Drahtbus verwendet.[18] In beiden FĂ€llen sollte klargestellt werden, dass es sich um StraĂenfahrzeuge und nicht um klassische Bahnen handelt. AuĂerdem wurde damit gewĂ€hrleistet, dass das PreuĂische Kleinbahngesetz fĂŒr Oberleitungsbusse nicht gilt. Der Hersteller Siemens-Schuckert bezeichnete die Fahrzeuge in den 1930er-Jahren hingegen als Elbus, abgeleitet von Elektrischer Omnibus.[19] Weitere Alternativbezeichnungen aus dieser Zeit sind Fahrleitungsbus beziehungsweise in Ăsterreich auch Oberleitungs-Autobus.
Als umgangssprachlich-mundartliche Bezeichnungen fĂŒr den Obus sind in Eberswalde die Begriffe Strippenbus und Strippenexpress verbreitet.[20] In Solingen ist er als Stangentaxi bekannt, analog dazu in Salzburg als Stanglbus.[21][22] Der dazugehörige Fahrer heiĂt in Salzburg Stanglkutscher.[23] Der Oberleitungsbus MĂŒnchen wurde seinerzeit als Stangerlbus bezeichnet â abgeleitet von Stangerlwagen fĂŒr eine StraĂenbahn mit Stangenstromabnehmer. In Berlin hieĂ er Stangenbus. In Berlin und Leipzig wurde auĂerdem der Ausdruck Drahtesel verwendet.[24][25] Analog dazu hieĂ der Oberleitungsbus Idar-Oberstein im Volksmund de Droht,[26] eine Kurzform des pfĂ€lzischen Worts Drohtesel, hochdeutsch Drahtesel. In die gleiche Kategorie fallen GummistraĂenbahn, Gummibahn beziehungsweise Gummitram, wobei letztere Bezeichnung meist SpurgefĂŒhrte Oberleitungsbusse meint.
In Hamburg-Harburg waren von 1953 bis 1957 doppelstöckige O-Busse im Einsatz, die damals Dobus (fĂŒr doppelstöckiger Obus) genannt wurden.[27] Die fĂŒr Berlin projektierten und 1941 bestellten Doppelstock-Obusse wurden in der Planungsphase als Odobus (fĂŒr Oberleitungs-Doppeldeck-Omnibus) bezeichnet.[28] Diese Fahrzeuge wurden aufgrund der Kriegsbedingungen nie ausgeliefert.
Mitunter wird beziehungsweise wurde der Begriff Trolleybus auch in Deutschland verwendet. Belege hierfĂŒr sind etwa die Typenbezeichnung Trolleybus Solingen oder das Volkslied Trolleybus von Mettmann bis nach Gruiten.[29] Auch Daimler-Benz bezeichnete seine O-Busse mit einem zusĂ€tzlichen âTâ in der Typenbezeichnung, ebenso MAN beim Typ SG 200 TH. In der DDR lief 1964 der Kinofilm Der erste Trolleybus,[30] ferner fand der Begriff auch bei den Erfurter Verkehrsbetrieben Verwendung.[31] Ebenso war auch der Idar-Obersteiner Betrieb unter der Bezeichnung Trolleybus bekannt.[26] Eine Oldenburger SpezialitĂ€t waren die eingedeutschten Bezeichnungen Trollibus beziehungsweise Trolli.[32] Ferner wurden auch die Modellspielzeuge der Unternehmen Eheim beziehungsweise Brawa unter dem Namen Trolleybus vermarktet.[33]
In der Schweiz wird heute meist die Bezeichnung Trolleybus verwendet, schweizerdeutsch Troly.[34] Die elektronische Fahrplanauskunft der Schweizerischen Bundesbahnen kĂŒrzt Trolleybus mit Tro ab. Bezogen auf die Deutschschweiz kann der Begriff Trolleybus auch als Helvetismus angesehen werden. Aus der Romandie kommend, wo 1932 in Lausanne der erste neuzeitliche Betrieb eröffnet wurde, etablierte er sich mit Beginn der 1940er-Jahre auch in der Deutschschweiz. Anders in der Italienischen Schweiz, wo man beim Trolleybus Lugano â analog zu Italien â vom filobus sprach. Bis in die 1930er-Jahre waren in der Deutschschweiz auch die Bezeichnungen g(e)leislose Bahn beziehungsweise g(e)leislose Trambahn gelĂ€ufig.[35][36] ZĂŒrichdeutsche AusdrĂŒcke sind Böss, Draht-Bus, Chole-Velo und Gummitram.[37]
In den meisten Sprachen wird wie in der Schweiz Trolleybus oder die Kurzform Trolley verwendet, teilweise entsprechend transkripiert. So beispielsweise in Ost- und SĂŒdosteuropa, in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion sowie generell im englischen (auĂer in den Vereinigten Staaten und in Kanada), französischen, spanischen und portugiesischen Sprachraum.
Trolleybus setzte sich im englischen Sprachraum erst in den 1920er-Jahren durch, zuvor wurde railless car, railless trolley, railless tram, trackless trolley, trackless tram oder electric trolley vehicle without rails verwendet. In den Vereinigten Staaten und in Kanada wird der Oberleitungsbus hingegen nicht als Trolleybus, sondern ĂŒberwiegend als electric trolleybus (ETB), electric bus oder seltener als trolley coach bezeichnet.
Veraltete französische Bezeichnungen lauten trolley électromobile sans rails,[38] autobus à moteur électrique alimenté par un trolley aérien, automobile électrique à trolley aérien, omnibus électrique und tramway routier électrique.
Obwohl der Oberleitungsbus eine deutsche Erfindung ist, konnte sich das Wort Trolleybus in den 1920er-Jahren vor allem deshalb weltweit verbreiten, weil die Weiterentwicklung des Systems in Deutschland mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs weitgehend aufgegeben wurde. Im Gegensatz dazu wurde es insbesondere in GroĂbritannien auch wĂ€hrenddessen und danach stetig weiterentwickelt.
Eine Besonderheit ist die ausschlieĂlich in der rumĂ€nischen Stadt TimiÈoara gebrĂ€uchliche Bezeichnung firobuz, fir steht in der rumĂ€nischen Sprache fĂŒr Faden beziehungsweise Draht. Hierbei handelt es sich um eine Ableitung vom italienischen Begriff filobus, die ersten O-Busse fĂŒr TimiÈoara wurden in Italien produziert. Im Gegensatz dazu werden Oberleitungsbusse in allen anderen rumĂ€nischen StĂ€dten als troleibuz bezeichnet.[39]
In der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar werden Obusse wegen ihrer Kraft auch Ziegenwagen genannt.[40]
Weitere Bezeichnungen existieren beispielsweise in folgenden Sprachen:
| estnisch | Troll | Kurzform fĂŒr Trollibuss |
| finnisch | johdinauto trollikka |
Drahtbus, alternative Bezeichnung zu trolleybussi alternative Bezeichnung zu trolleybussi beziehungsweise johdinauto |
| italienisch | filobus filovia |
Drahtbus, fĂŒr das Fahrzeug Drahtweg, fĂŒr die Strecke |
| malaiisch und indonesisch | bus listrik | elektrischer Bus |
| europÀisches Portugiesisch | troleicarro | alternative Bezeichnung zu trólebus |
| brasilianisches Portugiesisch | Înibus elétrico elétrobus |
alternative Bezeichnungen zu trĂłlebus |
| schwedisch | trÄdbuss | Schnurbus, Drahtbus |
Schematische Darstellung anhand des tschechoslowakischen Typs Ć koda 14Tr aus den 1980er-Jahren, fĂŒr den Oberleitungsbus relevante Teile sind fett markiert:
Markantestes Unterscheidungsmerkmal eines Oberleitungsbusses sind die beiden drehbaren Stangenstromabnehmer, manchmal auch Kontaktstangen, Stromabnehmerstangen oder â vor allem in der Schweiz â Stromabnehmerruten genannt. Von gewöhnlichen Omnibussen unterscheidet er sich Ă€uĂerlich auĂerdem durch die Aufbauten auf dem Dach. Sie beinhalten Teile der elektrischen AusrĂŒstung, die unter dem Wagenboden oder im Fahrgastraum keinen Platz mehr finden. Dort sind sie ferner besser vor Ă€uĂeren EinflĂŒssen wie â unter UmstĂ€nden salzhaltigem â Spritzwasser oder Schneematsch sowie Steinschlag geschĂŒtzt und zudem leichter zu warten. AuĂerdem kann auf diese Weise die AbwĂ€rme der WiderstĂ€nde â aufgrund ihrer Anordnung hĂ€ufig auch DachwiderstĂ€nde genannt â und der anderen elektrischen Bauteile leichter entweichen. Sie mĂŒssen somit nicht fremdbelĂŒftet werden. Bei modernen Niederflurfahrzeugen ist die Unterbringung der Elektrik auf dem Dach aus PlatzgrĂŒnden unverzichtbar. HĂ€ufig werden dabei sogenannte Dachcontainer verwendet, manchmal sind diese durch Dachblenden eingehaust.
Im Vergleich zu konventionellen Dieselbussen ist die Dachkonstruktion inklusive der FahrzeugsĂ€ulen bei Oberleitungsbussen konstruktiv verstĂ€rkt, um das zusĂ€tzliche Gewicht der elektrischen Bauteile und der Stromabnehmer tragen zu können. In diesem Zusammenhang sind auĂerdem bestimmte Fensterholme bei manchen O-Bussen breiter ausgefĂŒhrt als bei vergleichbaren Dieselbussen. Sie dienen auĂerdem als Kabelkanal zwischen den elektrischen Komponenten auf dem Fahrzeugdach und den unterflurig angeordneten Teilen der E-AusrĂŒstung. Generell ist die Verkabelung aufwĂ€ndig, bei einem Gelenkwagen des Typs Swisstrolley 3 sind beispielsweise in jedem Fahrzeug ĂŒber zwölf Kilometer Kabel verlegt.[41]
Ein besonderes Augenmerk gilt dem Korrosionsschutz der Karosserie, aufgrund der lĂ€ngeren Lebensdauer eines O-Busses muss diese besser gegen Durchrostung geschĂŒtzt werden als bei einem Dieselbus. Vereinzelt wurden daher auch Oberleitungsbusse mit einem Aufbau aus Aluminium oder rostfreiem Stahl gebaut.
Im Allgemeinen benötigen die elektrischen Antriebsaggregate eines Oberleitungsbusses weniger Platz als ein Dieselmotor mit DieselruĂpartikelfilter oder ein Gasmotor mit Katalysator. Zudem entfĂ€llt der voluminöse Kraftstofftank. Dies ermöglicht einen tiefen Wagenboden ĂŒber die gesamten FahrzeuglĂ€nge und eine niedrige Einstiegshöhe auch bei der hintersten TĂŒr.[42] Aus demselben Grund waren auĂerdem Frontlenker beim Obus deutlich frĂŒher anzutreffen als beim Omnibus. Ebenso kann auf die bei Niederflurbussen teilweise verwendeten MotortĂŒrme im Heckbereich weitgehend verzichtet werden. Genauso sind Low-Entry-Konstruktionen im Obus-Bereich weitgehend unbekannt, eine der wenigen Ausnahmen stellt der tschechische Typ SOR TN 12 dar. Dennoch ist ein Oberleitungsbus, bezogen auf einen Gelenkwagen, fast zwei Tonnen schwerer als ein Dieselbus.[43] Insbesondere in frĂŒheren Jahren setzte man beim Obus deshalb hĂ€ufig auf doppelte Hinterachsen â auch Tandemachsen genannt â beziehungsweise Doppelbereifungen.
Weiterhin typisch fĂŒr viele Oberleitungsbusse sind am Heck angebrachte Leitern, sie ermöglichen es dem Wartungspersonal, zu den Stromabnehmern und den Dachaufbauten hinaufzusteigen. Alternativ dazu werden ausklappbare Leitersprossen verwendet, die meist auf der TĂŒrseite neben einem Einstieg zu finden sind. Auf dem Dach selbst sind ergĂ€nzend zu den Aufstiegshilfen manchmal Laufstege montiert. Ebenso besitzen fast alle Obus-Typen im hinteren Dachbereich Halterungen zum Arretieren der Stromabnehmer. ErgĂ€nzt werden diese hĂ€ufig durch einen QuerbĂŒgel, er verhindert, dass die Stangen beim Abzug unkontrolliert auf das Dach fallen. Ein weiteres typisches Unterscheidungsmerkmal sind die fehlenden KĂŒhlergrills. An ihrer Stelle befindet sich hĂ€ufig eine je nach Typ ein- oder zweiteilige Wartungsklappe, manchmal auch als Bugklappe bezeichnet. Des Weiteren fehlt bei manchen Obus-Karosserien die Aussparung fĂŒr das Kraftfahrzeugkennzeichen mitsamt der dazugehörigen Beleuchtung.
Ăhnlich wie elektrisch angetriebene Schienenfahrzeuge entstehen O-Busse in den meisten FĂ€llen als Gemeinschaftsprojekt, die elektrische AusrĂŒstung wird dabei von einem anderen Hersteller produziert als das Fahrwerk, die Karosserie und die Innenausstattung. Mitunter teilen sich die Zulieferer auch AuftrĂ€ge. Bei den 211 Wagen des Typs ĂHIIIs von Uerdingen/Henschel kamen beispielsweise gleich vier â eigentlich miteinander konkurrierende â elektrische AusrĂŒster zum Zug. FrĂŒher lieĂen sich dabei die Karosseriehersteller grundsĂ€tzlich die elektrische AusrĂŒstung zuliefern. Mittlerweile geht der Trend dahin, dass die Hersteller elektrischer AusrĂŒstungen Rohkarosserien von verschiedenen Fahrzeugbauern beziehen und dann selbst als Obus-Anbieter auftreten. UnabhĂ€ngig davon gab es auch Kompletthersteller, klassische Beispiele hierfĂŒr waren viele Jahre lang Ć koda und Breda.
Teilweise sind Oberleitungsbusse Adaptionen herkömmlicher Omnibustypen, insbesondere gilt dies fĂŒr Kleinserien. Aktuelle Beispiele fĂŒr solche Anpassungen sind die Typen Ć koda 24Tr und 25Tr die auf dem Citelis von Irisbus basieren sowie die Modellreihe Solaris Trollino die auf der Dieselbusvariante Solaris Urbino aufbaut. Wichtige Beispiele aus der Vergangenheit sind die vom in Deutschland entwickelten Standard-Bus abgeleiteten O-Busse oder die 363 Exemplare des Mercedes-Benz-Typs O 6600 T, die eine Variante des Omnibusmodells O 6600 H sind. Wegweisend in dieser Hinsicht war auch die in den 1950er-Jahren nach dem Baukastenprinzip konzipierte Reihe HS 160 von Henschel & Sohn. FĂŒr die Verkehrsunternehmen ergeben sich hierbei Synergieeffekte bei der Ersatzteilversorgung, fĂŒr den Hersteller geringere Entwicklungskosten. ĂuĂerst selten sind hingegen Omnibustypen, die aus einem Obustyp abgeleitet wurden, ein Beispiel hierfĂŒr ist die Hybrid-Version der Hess-Vossloh Kiepe lighTram. Ein weiteres der sowjetische Omnibustyp SiU-6 der auf dem Obustyp SiU-5 basiert.
Im Gegensatz zu den oben erwĂ€hnten Adaptionen sind die meisten Obus-Karosserien Sonderkonstruktionen, die nicht fĂŒr konventionelle Dieselbusse verwendet werden. Dies betrifft insbesondere GroĂserien, so etwa den SiU-9 â den meistgebauten Obus-Typ der Welt. In frĂŒheren Jahren typisch waren auĂerdem O-Busse, deren Konstruktion sich an Schienenfahrzeuge anlehnte â Vorbilder waren beispielsweise der PCC-StraĂenbahnwagen und der Uerdinger Schienenbus. Bereits recht frĂŒh konnte sich dabei im Obus-Bereich die selbsttragende Bauweise ohne Fahrgestell durchsetzen. UrsĂ€chlich hierfĂŒr: weil der Elektroantrieb nur geringe Vibrationen verursacht, sind die Auswirkungen auf die Gerippestruktur der Fahrgastzelle vergleichsweise gering.
Vielerorts typisch ist auĂerdem ein eigenstĂ€ndiges Lackierungsschema fĂŒr Oberleitungsbusse. So sind beispielsweise bei der Budapester Verkehrsgesellschaft BKV die Trolleybusse rot-grau lackiert, die Stadtautobusse hingegen blau-grau. Teilweise werden auch gleiche Betriebsnummern vergeben, so dass es beim selben Verkehrsunternehmen unter UmstĂ€nden einen Oberleitungsbus Nummer 1 und einen Omnibus Nummer 1 geben kann. In Idar-Oberstein verwendete man frĂŒher zu diesem Zweck zusĂ€tzliche KĂŒrzel, so existierte gleichzeitig ein Oberleitungsbus O1 und ein Kraftomnibus K1. Analog dazu existierte im rumĂ€nischen TimiÈoara der vorangestellte Kennbuchstabe "T" fĂŒr troleibuz.
Markante Dachaufbauten beim Typ MAN SG 200 HO, der ansonsten auf dem Standard-Bus I basiert
Der Solinger Typ MAN SL 172 HO basiert auf dem Standard-Bus II
Solaris Trollino 12 mit und ohne Dachblenden
Typisches Beispiel einer Adaption: Omnibus Karosa Ć M 11...
...und Obus Ć koda T 11
Der PCC-StraĂenbahnwagen aus den USA diente als Vorbild...
...zahlreicher US-Trolleybusse wie zum Beispiel diesem Marmon-Herrington
Wie bei Omnibussen erfolgt auch bei Oberleitungsbussen der Antrieb ĂŒber ein Differentialgetriebe auf die Hinterachse. Meist handelt es sich dabei um einen Unterflurmotor, seltener um einen Heckmotor. Bei Gelenkwagen wirkt der Motor entweder auf die zweite oder auf die dritte Achse, teilweise werden sowohl die zweite als auch die dritte Achse angetrieben. Ist die dritte Achse motorisiert, so spricht man von einem Schubgelenkwagen.
UrsprĂŒnglich verwendete man beim Obus Gleichstrom-Reihenschlussmotoren, darunter (kompensierte) Einkollektormotoren, Tandemmotoren und Doppelkollektormotoren. SpĂ€ter kamen Verbundmotoren mit Nebenschlusswicklung auf, wĂ€hrend heute Drehstrom-Asynchronmotoren mit kollektorlosem KurzschlusslĂ€ufer ĂŒblich sind.[15] Da Obus-Motoren unter Last anlaufen können â und dabei zugleich ihr höchstes Drehmoment entwickeln â ist keine trennende Kupplung erforderlich. Auch ein Wechselgetriebe mit mehreren GĂ€ngen wird nicht benötigt, da Elektromotoren alle erforderlichen Drehzahlen mit einer festen ZahnradĂŒbersetzung bewĂ€ltigen können. Im Gegensatz zum Verbrennungsmotor können sie nicht unterhalb einer bestimmten Drehzahl abgewĂŒrgt werden. Der Umstand, dass die vorteilhaften kurzzeitigen Ăberlastungen des Motors zu sehr hohen Drehmomenten fĂŒhren, erfordert fĂŒr Oberleitungsbusse einen weitaus robusteren Achsantrieb als fĂŒr Dieselbusse gleicher Leistung.[44]
Die elektrische AusrĂŒstung von Oberleitungsbussen â auch Traktionselektrik genannt â entspricht weitgehend derjenigen von StraĂen- und Stadtbahnen, unterliegt allerdings zusĂ€tzlichen Anforderungen. So muss sie beispielsweise aufgrund der fehlenden Schutzerdung ĂŒber die Schienen â die Bereifung ist im Gegensatz dazu nichtleitend â besser elektrisch isoliert werden. Insbesondere betrifft dies die Karosserie in den TĂŒrbereichen, um beim Ein- oder Ausstieg die Gefahr einer Schrittspannung beziehungsweise BerĂŒhrungsspannung zu vermeiden. Dies geschieht zum Beispiel durch die Verwendung von Trittstufen aus Gummi und HandlĂ€ufen aus glasfaserverstĂ€rktem Kunststoff. DarĂŒber hinaus wird die korrekte Trennung durch die isolierte Aufstellung der SchaltschrĂ€nke, regelmĂ€Ăige Isolationskontrollen und einen IsolationswĂ€chter gewĂ€hrleistet. FĂŒr dessen Funktion ist ferner erforderlich, dass ein oder mehrere â am Fahrzeug isoliert angebrachte â leitfĂ€hige (Gummi-)Schleifseile an den IsolationswĂ€chter angeschlossen sind.[45] Teilweise wird aber auch eine am Boden schleifende Kette als zusĂ€tzliche Erdungs- und KurzschlieĂeinrichtung benutzt, etwa in Budapest.[46] Zwar stehen diese Ableiter nicht stĂ€ndig in ideal leitender Verbindung zur Erde. Es reicht aber aus, wenn sie gelegentlich kurzzeitig Erdpotential fĂŒhren. Dies geschieht beispielsweise bei der Passage von Schachtdeckeln beziehungsweise Gullys, Schienen oder Dehnungsfugen bei BrĂŒcken.
Ebenso muss die Elektrotechnik eines O-Busses sorgfĂ€ltiger gegen witterungsbedingte Ăberspannungen in der Oberleitung geschĂŒtzt werden als bei Schienenfahrzeugen. Dies erfolgt mit einem Ăberspannungsableiter. Eine Ă€hnliche Funktion hat der nachrangig angeordnete Ăberstromschnellschalter, er schĂŒtzt das Fahrzeug vor Ăberlastungen und dient gleichzeitig als Hauptschalter.[15] Bedingt durch die in Folge von StraĂenschĂ€den oft unebene FahrbahnoberflĂ€che sind die elektrischen Baugruppen und ihre Befestigungen auĂerdem stĂ€rker durch Schwingungen beziehungsweise Vibrationen belastet als bei schienengebundenen Verkehrsmitteln.[47] Ein weiteres spezifisches Obus-Bauteil ist die sogenannte Isolierkupplung. Hierbei handelt es sich um ein elastisches Gummi- oder Kunststoffelement, das zwischen Motor und Antriebswelle angeordnet ist. Es dient dazu, die Antriebsachse â gemÀà den gesetzlichen Vorschriften â doppelt vom Stromkreis zu isolieren.[44]
Gesteuert wurden der oder die Motoren eines Oberleitungsbusses frĂŒher ĂŒber einen Kontroller. UrsprĂŒnglich waren dies Hand-Fahrschalter mit wenigen Stufen, spĂ€ter Schaltwerke, die mit Pedalen bedient wurden. Noch spĂ€ter setzten sich SchĂŒtzensteuerungen durch. In den 1970er-Jahren kamen schlieĂlich elektronische Gleichstromsteller auf. Heutzutage sind Drehstrom-Steuerungen mit Leistungstransistoren ĂŒblich.[47] Laut Kenning entwickelten sich die Steuerungen beim Obus im Detail wie folgt:
| Klassische Steuerungen | ||||
|---|---|---|---|---|
| Fahrschalter | Schaltwerke | SchĂŒtzensteuerungen | ||
| direkt betÀtigt | direkt oder indirekt betÀtigt | stromunabhÀngig direkt betÀtigt | stromabhÀngig indirekt betÀtigt | |
| - Schleifringfahrschalter - Nockenfahrschalter |
- Drehmagnetschalter - Elektromotorisches Schaltwerk - Feinstufenschalter - Schwingregler - Druckluftschaltwerk |
- elektromagnetisch | - elektromagnetisch - elektropneumatisch | |
| Elektronische Steuerungen | ||||
| Thyristorschalter | Analoge Choppersteuerung | GTO-Thyristorsteuerung | IGBT-Transistorsteuerung | |
AuĂerdem besitzen O-Busse Kompressoren, die als zusĂ€tzliche Hilfsaggregate dienen. Diese erzeugen die nötige Druckluft zum Betrieb bestimmter Komponenten, darunter Bremsen, Kneeling, Servolenkung und TĂŒren. Weitere Nebenaggregate sind die Klimaanlage, rotierende Umformer und Ventilatoren zur KĂŒhlung der elektrischen Anlagenteile. Hilfsaggregate arbeiten teilweise auch, wenn das Fahrzeug steht, und sind dann als einzige BetriebsgerĂ€usche wahrnehmbar.
Oberleitungsbusse verzögern ihre Fahrt in der Regel mittels elektromagnetischer Bremsen. Erst kurz vor dem Stillstand ĂŒbernimmt eine Druckluftbremse diese Aufgabe. Die Anordnung von Fahr- und Bremspedal ist dabei meist identisch wie bei Dieselbussen. Das heiĂt, der Fahrschalter befindet sich rechts der Bremse, beide werden mit dem rechten FuĂ betĂ€tigt.[23] Noch in den 1960er-Jahren war dies umgekehrt, frĂŒher hatten O-Busse das Fahrpedal links und das Bremspedal rechts,[10] ersteres wurde mit dem linken FuĂ bedient. In Eberswalde war diese abweichende Anordnung noch bis in die 1990er-Jahre anzutreffen, dies fĂŒhrte mitunter zu Irritationen beim Fahrpersonal.[48]
Blick auf die Frontaggregate einer lighTram
Die beiden Stromabnehmerstangen sind jeweils circa sechs Meter lang und in einem Abstand von in der Regel 60 Zentimetern zueinander montiert. Im angehobenen Zustand stehen sie in einem Winkel von circa 30° â abhĂ€ngig von der jeweiligen Höhe der Oberleitung â vom Fahrzeugdach ab. Vereinzelt sind sie am oberen Ende zur Oberleitung hin gekröpft. Die zwei Stangen sind mechanisch unabhĂ€ngig voneinander, das heiĂt, sie können einzeln abgezogen oder angelegt werden. Die Stromabnehmer stehen hinten etwas ĂŒber das Heck des Fahrzeugs hinaus, im gesenkten Zustand bis zu 1,20 Meter. Oft sind sie deshalb in einer auffĂ€lligen Farbe â wie zum Beispiel gelb â lackiert oder mit einer weiĂ-rot schraffierten Warnmarkierung versehen. Anders als bei Solowagen sind die Stromabnehmer bei Gelenkwagen grundsĂ€tzlich auf dem NachlĂ€ufer montiert, bei Doppelgelenkwagen entsprechend auf dem letzten der drei Fahrzeugglieder.
Die Stangen bestehen aus Stahl, Aluminium, glasfaserverstĂ€rktem Kunststoff oder glasfaserverstĂ€rktem Kunststoff mit Aluminium-Innenrohr. Sie sind elastisch ausgefĂŒhrt, um Fahrbahnunebenheiten kompensieren zu können. Die StromĂŒbertragung erfolgt mit oder ohne innengefĂŒhrtem Kabel, bei letzterer Variante stehen die Stangen selbst unter Spannung. Die Stromabnehmer werden durch starke Zug-Schraubenfedern an die Oberleitungen gepresst, diese Federn sind wie die Stangen selbst direkt auf dem sogenannten Stromabnehmerbock befestigt. Am oberen Ende der Stromabnehmerstangen betrĂ€gt der Anpressdruck bei fĂŒnf Metern Fahrleitungshöhe zwischen 0,8 und 1,5 kN.[15]
Wichtigster Bestandteil eines Obus-Stromabnehmers ist der circa zehn Zentimeter lange Stromabnehmerkopf, seltener auch als SchleifschuhtrĂ€ger bezeichnet. Die beiden Köpfe beziehungsweise TrĂ€ger beinhalten wiederum die sogenannten Schleifschuhe, auch Schleifkohle(n)einsĂ€tze, Kohle(n)einsĂ€tze, GleiteinsĂ€tze, GleitstĂŒcke oder Kohle(n)schleifstĂŒcke genannt. Sie bestehen aus graphithaltiger Schleifkohle unterschiedlicher HĂ€rtegrade, stellen den Gleitkontakt her und mĂŒssen aufgrund des starken Abriebs nach ein paar Tagen ausgewechselt werden. Der VerschleiĂ der Schleifschuhe ist dabei witterungsabhĂ€ngig. Bei trockenem Wetter erfolgt der Austausch nach 700 bis 1000 Kilometern, bei regnerischem Wetter schon nach 300 bis 400 Kilometern â das heiĂt im Extremfall sogar tĂ€glich.[49] Alternativ verwendeten etwa die Dresdner Verkehrsbetriebe in den 1950er-Jahren EinsĂ€tze aus Gusseisen.[15]
Die Stromabnehmerköpfe sind ebenfalls drehbar ausgefĂŒhrt, dadurch ist es den Fahrzeugen möglich, nach links oder rechts mehrere Meter von der durch die Oberleitung bedingten Ideallinie abzuweichen. Die maximal mögliche Abweichung hĂ€ngt dabei von der LĂ€nge der Stromabnehmer ab. Mit 6200 Millimeter langen Stangen kann bis zu 4500 Millimeter abgewichen werden, mit 5500 Millimeter langen Stangen immer noch 4000 Millimeter.[50] Diese Werte gelten fĂŒr gerade Strecken, in Kurven ist die mögliche Abweichung entsprechend geringer. Zudem gilt: je weiter ein Obus von der Ideallinie abweicht, desto langsamer muss er fahren, damit die Stangen an der Leitung bleiben. AuĂerdem sind die Köpfe auch horizontal beweglich ausgefĂŒhrt, das heiĂt sie sind kippbar.
Durch die seitliche Abweichung können einerseits Haltestellenbuchten angefahren werden, andererseits Hindernisse wie Taxis, MĂŒllwagen, Radfahrer, Unfallstellen, kleinere Baustellen oder Falschparker problemlos passiert werden. Gleiches gilt fĂŒr andere Oberleitungsbusse, die auf Grund von Defekten oder UnfĂ€llen liegen geblieben sind, vorausgesetzt, diese haben ihre Stromabnehmer abgezogen. Ebenso können O-Busse entgegenkommenden Fahrzeugen ausweichen. Weiter ist es möglich, mit nur einer Oberleitung zwei oder in AusnahmefĂ€llen auch drei parallel verlaufende Fahrstreifen abzudecken. Ferner können auf diese Weise O-Busse in den Depots platzsparend abgestellt werden, also leicht versetzt nebeneinander statt hintereinander.
Ein weiterer Vorteil der seitlichen Abweichung: die Oberleitung muss nicht zwangslĂ€ufig mittig ĂŒber dem Fahrstreifen verlaufen. Ragen Balkone, Erker oder Baumkronen ins Lichtraumprofil, kann sie zur Fahrbahnmitte hin verschoben werden. Auch S-Kurven mĂŒssen nicht exakt wiedergegeben werden, dadurch sind weniger FahrdrahtaufhĂ€ngungen erforderlich. Im Bereich von Haltestellenbuchten wird die Oberleitung auf Höhe des Fahrbahnrands montiert, das heiĂt an der Grenze zwischen allgemeiner VerkehrsflĂ€che und dem Sonderbereich fĂŒr den Oberleitungsbus. Damit ist in jedem Fall ein dynamischer Lauf der Stromabnehmer gewĂ€hrleistet â unabhĂ€ngig davon ob die betreffende Station bedient wird, oder ob mangels Bedarf durchgefahren wird.
Stromabnehmer mit gelber Warnmarkierung
Wenn die Stromabnehmer aus den Leitungen springen, wird dies umgangssprachlich als Stangen-Entgleisung bezeichnet. Der fachlich korrekte Begriff dafĂŒr lautet Entdrahtung. Mit der zunehmenden Verbesserung der StraĂenverhĂ€ltnisse, der Stromabnehmerköpfe mitsamt den SchleifstĂŒcken und der Oberleitungstechnik sind diese VorfĂ€lle selten geworden. In frĂŒheren Jahren geschah dies im Fahrbetrieb noch regelmĂ€Ăig. Potentiell anfĂ€llig fĂŒr Entdrahtungen sind hingegen auch heute noch Fahrleitungskreuzungen und Luftweichen. UrsĂ€chlich fĂŒr letzteres Problem ist entweder menschliches Versagen (Fahrer biegt falsch ab) oder technisches Versagen (Weiche war falsch gestellt). In Solingen ist beispielsweise durchschnittlich eine Stangenentdrahtung tĂ€glich zu verzeichnen, dort sind 50 Fahrzeuge im Einsatz.[51]
Der Spannungsabfall in Folge einer solchen Entdrahtung wird dem Fahrer unverzĂŒglich mittels eines akustischen oder optischen Signals im FĂŒhrerstand mitgeteilt. Der Fahrer oder â falls vorhanden â der Schaffner muss dann aussteigen und, bekleidet mit Arbeitshandschuhen und einer Warnweste, die Stromabnehmer mit den am Heck des O-Busses angebrachten Fangseilen wieder in die Fahrleitung einfĂ€deln. Diese bestehen aus Flachsfasern und werden manchmal auch LeinenfĂ€nger, Fangleinen, FĂ€ngerleinen oder Abzugsleinen genannt. Sind keine Fangseile vorhanden, so wird in der Regel eine mitgefĂŒhrte Teleskopstange oder eine zusammensteckbare Stange verwendet. Diese Hilfsstangen verfĂŒgen ĂŒber einen isolierten Haken an der Spitze.
Die Fangseile verhindern auĂerdem, dass die Stangen bei einer Entdrahtung nach oben ausbrechen und die Oberleitung, sonstige Leitungen oder Fensterscheiben beschĂ€digen. Sie sind meistens in auĂen am Wagenkasten montierten StahlbehĂ€ltern aufgerollt. Diese funktionieren Ă€hnlich einer Kabeltrommel und werden Trolley-Retriever, Trolley-Catcher oder Trolley-FĂ€nger genannt. Bei modernen Typen sind die Retriever in den Wagenkasten integriert und von auĂen nicht sichtbar. Einige Betriebe verzichten auf ihre Verwendung. Werden Retriever verwendet, sind die Fangseile vorgespannt, werden keine verwendet, so hĂ€ngen sie lose herunter.
Bei neueren Obussen werden die Stromabnehmer pneumatisch in eine definierte Position gedrĂŒckt. Die Erkennung erfolgt meist ĂŒber einen induktiven NĂ€herungssensor, der die Stangen ab einer eingestellten Höhe in die gewĂŒnschte Position zurĂŒckholt. Dies wird als pneumatische Schnellabsenkung bezeichnet. Eine weitere Erkennungsmöglichkeit besteht ĂŒber Beschleunigungssensoren. Sie erkennen eine anomale Beschleunigung und fĂŒhren die Stromabnehmer ebenfalls in die gewĂŒnschte Position zurĂŒck.
ZusÀtzlich sind auf dem Wagendach oder direkt an den Stromabnehmerstangen manchmal Scheinwerfer installiert. Sie beleuchten die Stromabnehmerköpfe und erleichtern dem Personal das Eindrahten bei Dunkelheit. Ferner muss der Fahrer nach einer Stangenentdrahtung die Oberleitung per Sichtkontrolle auf BeschÀdigungen untersuchen und den Vorfall an die Betriebsleitung melden.[10]
Seitlich herabhÀngende, lose Fangseile ohne Retriever in Kostroma
Nicht mehr verwendete Retriever in Wladikawkas
Traditionell erfolgt das Abziehen und Anlegen der Stromabnehmer manuell, das Personal benutzt dazu wie bei einer Stangenentdrahtung die Fangseile beziehungsweise die mitgefĂŒhrte Hilfsstange. Die Stromabnehmerstangen werden im gesenkten Zustand in die Halterungen im hinteren Dachbereich arretiert. Man unterscheidet dabei zwischen Haken-förmigen Halterungen, in welche die Stangen von unten eingeklemmt werden (die Haken zeigen dabei meistens nach auĂen, seltener nach innen), und Y-förmigen Halterungen in welche die Stangen von oben einrasten.
Bei moderneren Typen können die Stromabnehmer auch vom Fahrerplatz her automatisch abgesenkt werden. Es existieren Systeme mit beiden Varianten der oben beschriebenen Halterungen. Bei den hakenförmigen Halterungen ist der Absenkvorgang dabei komplizierter, die Halterungen mĂŒssen dabei wĂ€hrend des Absenkvorganges seitlich weggedreht werden. Sind die Stromabnehmer abgebĂŒgelt, werden sie wieder zurĂŒckgedreht.
Bei einigen Betrieben gibt es an bestimmten Stellen im Netz auĂerdem so genannte EinfĂ€del(ungs)trichter aus Metall oder Acrylglas, auch Eindraht(ungs)trichter genannt. In diesem Fall können die Stromabnehmer auch automatisch, das heiĂt vom Fahrerplatz aus, angelegt werden. Der Fahrer richtet dabei die Stromabnehmer meist mit einer Art Joystick aus. Spezielle Bodenmarkierungen zeigen ihm, wo er halten muss, um die Trichter nutzen zu können. Diese automatischen Eindrahtsysteme kommen nur in Verbindung mit alternativen Fortbewegungsmethoden zur Anwendung, siehe Unterkapitel ergĂ€nzende Antriebskonzepte. Damit der flieĂende Verkehr wĂ€hrend des Andrahtvorgangs nicht behindert wird, sind die Trichter in der Regel im Bereich von Haltestellenbuchten montiert. Das automatische Anlegen der Stromabnehmer dauert ĂŒblicherweise zwischen zehn und fĂŒnfzehn Sekunden.[52]
Erfolgt das Abziehen automatisch, das Anlegen manuell, wird dies als halbautomatisches Stromabnehmersystem bezeichnet. Erfolgt beides automatisch, so handelt es sich um ein vollautomatisches System. PlanmĂ€Ăig abgedrahtet werden Oberleitungsbusse beispielsweise in vielen Depots, dadurch mĂŒssen nicht alle AbstellplĂ€tze mit einer Oberleitung ĂŒberspannt werden. Ebenso drahten pausierende Kurse hĂ€ufig ab, um andere Wagen passieren zu lassen, typischerweise an Endhaltestellen ohne Ăberholmöglichkeit. Ebenfalls notwendig war das Abdrahten, falls es auf den frĂŒher ĂŒblichen einspurigen Strecken zu Begegnungen kam.
In der Regel erreichen heutige Oberleitungsbusse eine bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit von circa 60 bis 70 km/h. UrsĂ€chlich fĂŒr diese Limitierung ist die Stromabnahme mittels Kontaktstangen, höhere Geschwindigkeiten wĂŒrden â insbesondere bei unebener oder welliger Fahrbahn â zu stĂ€ndigen Stangenentdrahtungen fĂŒhren. Um dies zu verhindern, mĂŒssten die Stromabnehmerstangen mit einem höheren Anpressdruck gegen die Fahrleitung gedrĂŒckt werden, was zu einem hohen MaterialverschleiĂ fĂŒhren wĂŒrde. AuĂerdem mĂŒsste die Fahrleitungskonstruktion stabiler sein, um der Belastung dauerhaft stand zu halten. Kommen leistungsstĂ€rkere Motoren zum Einsatz, werden diese in der Regel bei den oben genannten Maximalwerten elektronisch abgeregelt. Zumindest ist dies bei Fahrzeugen neuerer Bauart der Fall.
Damit sind O-Busse prinzipbedingt langsamer als Omnibusse, fĂŒr die ein gesetzliches Tempolimit von 80 beziehungsweise 100 km/h gilt (das von den meisten Bauarten auch erreicht wird). Ferner können Oberleitungsbusse nicht auf KraftfahrstraĂen und Autobahnen eingesetzt werden. Da sie ĂŒberwiegend innerorts verkehren â wo fĂŒr gewöhnlich ein gesetzliches Tempolimit von 50 km/h gilt â wirkt sich die begrenzte Höchstgeschwindigkeit im praktischen Betrieb nicht nachteilig aus. Zumal Obusse Dieselbussen in der Beschleunigung immer ĂŒberlegen sind, was im Stadtverkehr einen viel gröĂeren Vorteil darstellt.
Anders stellt sich die Situation hingegen auf den seltenen Obus-Ăberlandstrecken dar, wo die Fahrzeuge mitunter ein Verkehrshindernis darstellen. Fallweise wird dort auch schneller gefahren, so erreichten beispielsweise die von Verona ausgehenden Ăberland-Obusse teilweise Geschwindigkeiten von 80 km/h. Sie galten als die weltweit schnellsten Obusse im planmĂ€Ăigen Linieneinsatz, erleichtert wurde dies durch die ungewöhnlich hohe Fahrdrahtspannung von 1200 Volt.[53] Die höchste je bei einem Obus ermittelte Geschwindigkeit liegt bei etwas ĂŒber 90 km/h, diese wurde bei Testfahrten ohne FahrgĂ€ste erreicht.
Die Trolleybus-Oberleitung â auch Fahrleitung, Fahrdraht oder bildhaft Schienen am Himmel genannt â ist zweipolig und fĂŒhrt Gleichstrom. Ein Draht dient der Stromzufuhr, der andere ĂŒbernimmt die Funktion der RĂŒckleitung, also die Aufgabe, die bei StraĂenbahnen oder anderen Gleichstrombahnen die Schienen haben.
Die Oberleitung ist meist in einer Höhe von fĂŒnf bis sechs Metern ĂŒber der Fahrbahn angebracht. Die benötigte Mindesthöhe liegt dabei gemÀà dem Lichtraumprofil der StraĂenverkehrs-Ordnung bei 4,50 Metern. In AusnahmefĂ€llen wie UnterfĂŒhrungen, Hausdurchfahrten oder Tunnelstrecken teilweise auch tiefer. So hingen in Salzburg die DrĂ€hte im Bereich des Viadukts RainerstraĂe bis zum 2009 erfolgten Umbau nur 3,70 Meter hoch, im Bereich der DinghoferstraĂe in Linz ist dies bis heute der Fall. In Luzern betrĂ€gt die maximale Durchfahrtshöhe im Bereich der EisenbahnunterfĂŒhrung Baselstrasse nur 3,80 Meter. Um diese nicht weiter einzuschrĂ€nken, verlaufen die Oberleitungen dort seitlich verschwenkt ĂŒber dem Gehweg.
Die beiden RillenfahrdrĂ€hte sind aus Kupfer und verlaufen bei den meisten Betrieben in einem Abstand von 60 Zentimetern parallel zueinander. Sie haben einen Durchmesser von acht bis zwölf Millimetern, die beiden Rillen (Einkerbungen) dienen der AufhĂ€ngung mittels Fahrdrahthaltern (Halteklemmen). Anders als bei Bahnen â die heute in der Regel Schleifleisten verwenden â sind diese Klemmen schmaler. Sie dĂŒrfen nicht seitlich ĂŒber den Fahrdraht hinausstehen, damit der Lauf des Schleifschuhs nicht behindert wird.
Im Normalfall werden die Leitungen alle 20 bis 25 Meter an Oberleitungsmasten aus Stahl, Beton oder frĂŒher auch Holz abgespannt. Bei den Stahlmasten unterscheidet man ferner zwischen Stahlrohr- und Stahlgittermasten. Die Abspannung erfolgt entweder mit Auslegern vom StraĂenrand aus, oder mit Hilfe von QuerdrĂ€hten. Bei letzteren sind auf beiden StraĂenseiten Masten erforderlich, diese AusfĂŒhrung kommt ĂŒberwiegend auf breiteren StraĂen zur Anwendung. Selten sind Mittelmasten mit Auslegern. Diese können nur verwendet werden, wenn die Richtungsfahrbahnen einer StraĂe baulich voneinander getrennt sind, beispielsweise durch einen schmalen Mittelstreifen. Mittelmasten sind gĂŒnstiger im Bau, weil deutlich weniger Fundamente erforderlich sind. In dichter bebauten StraĂenzĂŒgen wird die Oberleitung aus rĂ€umlichen GrĂŒnden (kein Platz zur Aufstellung von Masten) oder aus optischen GrĂŒnden (Masten werden als unĂ€sthetisch empfunden) meist mit Hilfe von Wandrosetten an den umliegenden GebĂ€uden befestigt. Die QuerdrĂ€hte beziehungsweise Ausleger stehen selbst nicht unter Spannung, dies wird durch die Verwendung von Isolatoren gewĂ€hrleistet. Eine besondere Situation besteht im Wuppertaler Stadtbezirk Vohwinkel, dort ist die Obus-Oberleitung am TraggerĂŒst der Wuppertaler Schwebebahn angebracht. Im polnischen Gdynia verwendet man teilweise Gittermasten aus den BestĂ€nden der polnischen Staatsbahn Polskie Koleje PaĆstwowe.[54] Vereinzelt werden auch Obusfahrleitungen â analog zu modernen Oberleitungen im Schienenverkehr â mittels Tragseilen nachgespannt. Ansonsten entsprechen sie der sogenannten Einfachfahrleitung im Bahnbereich. Generell bedingt die doppelpolige Obusfahrleitung wesentlich stĂ€rkere AufhĂ€ngungen als bei der StraĂenbahn.
Ăhnlich der Oberleitung bei schienengebundenen Bahnen sind auch Obus-Fahrleitungen meistens in einem leichten Zick-Zack verlegt. Anders als bei Bahnen hat dies nichts mit der gleichmĂ€Ăigeren AbnĂŒtzung der SchleifstĂŒcke zu tun. Bei Oberleitungsbussen dient diese Bauweise vielmehr dazu, die WĂ€rmeausdehnung in Folge von Temperaturschwankungen zu kompensieren, denn Obus-Fahrleitungen sind endlos geschweiĂt. Wird hingegen auf die Zick-Zack-AufhĂ€ngung verzichtet, muss die Fahrleitung wie bei schienengebundenen Bahnen mittels Gewichten nachgespannt werden. Dies ist deutlich aufwĂ€ndiger als bei Bahnen, weil beim Endlosdraht nicht einfach ein Fahrdraht durch einen anderen abgelöst werden kann. Um ein Zusammenschlagen der beiden FahrdrĂ€hte zu verhindern, bauen manche Betriebe zwischen den AufhĂ€ngungen zusĂ€tzlich starre Abstandhalter ein.
Durch den Anpressdruck des Schleifkontaktes und durch das seitliche Abschwenken des Trolleybusses wird die Fahrleitung in Schwingungen versetzt, das Fahrzeug schiebt dabei immer eine Welle vor sich her. Weil dabei auch die Unebenheiten der Fahrbahn weitergegeben werden, sind diese Schwingungen deutlich stÀrker ausgeprÀgt als bei Schienenfahrzeugen. Um dies auszugleichen, werden Obus-Fahrleitungen teilweise flexibel montiert. Hierbei handelt es sich um die sogenannte vollelastische SchrÀgpendelaufhÀngung nach dem System der Schweizer Firma Kummler & Matter, diese wurde in den 1930er-Jahren entwickelt.
Der Vorteil der elastischen FahrdrahtaufhĂ€ngung gegenĂŒber der starren besteht im Auf- und Abschwingen der pendelnden StĂŒtzpunkte in AbhĂ€ngigkeit vom Anpressdruck. Es muss deshalb mittels eines Draht-Parallelogramms dafĂŒr gesorgt werden, dass der Fahrdraht in jeder Pendellage senkrecht steht. Ferner ermöglicht die SchrĂ€gpendelaufhĂ€ngung höhere Fahrgeschwindigkeiten in Kurven.[55]
Im Bereich von SchilderbrĂŒcken, metallenen FuĂgĂ€ngerbrĂŒcken oder Auslegern von Ampelanlagen sind die beiden FahrdrĂ€hte meist von oben her mittels U-förmiger Kunststoffprofile eingehaust. Dieser spezielle Schutz verhindert KurzschlĂŒsse, die beiden DrĂ€hte können so auch bei stĂ€rkeren Schwingungen die genannten Objekte nicht berĂŒhren.
Mitunter ist die Oberleitung auĂerdem direkt mit der ĂPNV-Bevorrechtigung verknĂŒpft. Statt der vom Omnibus bekannten Funkbaken-Systeme können die Lichtsignalanlagen beim Trolleybus mittels Oberleitungskontakten direkt auf GrĂŒn geschaltet werden.
Verschiedene Fahrdrahtelemente aus BrĂŒnn
Mittelmasten in Kombination mit der StraĂenbeleuchtung
Nicht immer gehört die Oberleitungsinfrastruktur auch der Gesellschaft, die Inhaberin der entsprechenden Personenbeförderungskonzession ist. Hierbei ergeben sich Parallelen zum Schienenverkehr, wo zwischen Eisenbahninfrastrukturunternehmen und Eisenbahnverkehrsunternehmen differenziert wird. Im Zuge der zunehmenden Liberalisierung auf dem Verkehrsmarkt, mitsamt der damit verbundenen Ausschreibungen, ist diese Aufteilung in den letzten Jahren auch im Obusbereich verstÀrkt zu beobachten:
In LĂ€ndern mit Rechtsverkehr ist in der Regel der in Fahrtrichtung gesehen linke â und von den GebĂ€uden abgewandte â Fahrdraht der positive Pol. Der rechte Fahrdraht ĂŒbernimmt die Funktion des negativen Pols. In manchen StĂ€dten ist die PolaritĂ€t der elektrischen Spannung auch umgekehrt. Falls Teile der elektrischen Infrastruktur â zum Beispiel Gleichstromsteller oder Umrichter â auf die PolaritĂ€t empfindlich sind, erfolgt fahrzeugseitig der Anschluss des Motors in der Regel ĂŒber eine GleichrichterbrĂŒcke, auch Eingangsgleichrichter genannt. Somit kann sich die Verpolung nicht negativ auswirken, SchĂ€den durch falsches Anlegen der Stromabnehmer werden verhindert.[60] Bei Ă€lteren Fahrzeugen mit Widerstandssteuerung und Reihenschlussmotor ist hingegen keine Umschaltung erforderlich. Bei ihnen Ă€ndern Feld- und Ankerstrom die PolaritĂ€t, womit die Drehrichtung gleich bleibt, ein Eingangsgleichrichter wird nicht benötigt.
Somit ist es bei Oberleitungsbussen prinzipiell möglich, anlĂ€sslich von Betriebsstörungen ausnahmsweise die Fahrleitung der Gegenrichtung zu benutzen â etwa wenn die Regelfahrleitung beschĂ€digt ist oder bedingt durch Hindernisse nicht benutzt werden kann.
In Kurven werden sogenannte Kurvenschienen verwendet. Ein lĂ€ngerer Bogen ist dabei in mehrere abrupte FahrtrichtungsĂ€nderungen unterteilt, das heiĂt, einer vergleichsweise kurzen Kurvenschiene folgt stets ein lĂ€ngeres StĂŒck Standardoberleitung. Solche festen Schienen kommen mitunter ebenso in niedrigen UnterfĂŒhrungen, Tunnelstrecken oder Wagenhallen zur Anwendung. Das heiĂt ĂŒberall dort wo nach oben hin kein Raum zur AufhĂ€ngung der Oberleitung zur VerfĂŒgung steht, Ă€hnlich der Deckenstromschiene im Bahnverkehr.
Oberleitungsbusse sind grundsĂ€tzlich Einrichtungsfahrzeuge, an den Linienendpunkten stehen daher meistens Wendeschleifen zur VerfĂŒgung, auch Kehrschleifen, Endschleifen oder Fahrleitungsschleifen genannt. Man unterscheidet dabei zwischen rechtsdrehenden Schleifen im Uhrzeigersinn (mit Fahrleitungskreuzung bei Rechtsverkehr) und linksdrehenden Schleifen entgegen dem Uhrzeigersinn (ohne Fahrleitungskreuzung). Wird eine Schleife von mehreren Linien benutzt, so ist diese hĂ€ufig zweispurig ausgefĂŒhrt oder besitzt zumindest partiell eine zusĂ€tzliche Abstellspur. Dadurch können an den Linienendpunkten pausierende Kurse ĂŒberholt werden. Eine Obus-typische Besonderheit sind Wendeschleifen, die Ă€hnlich einer WĂ€schespinne um einen einzigen Oberleitungsmast herum gefĂŒhrt werden, manchmal auch Wendemast genannt. DarĂŒber hinaus eignen sich auch Kreisverkehre als Wendemöglichkeit fĂŒr O-Busse. FĂŒhrt eine Schleifenfahrt durch mehrere StraĂenzĂŒge, so spricht man von einer HĂ€userblockschleife.
Seltener wurden frĂŒher Wendedreiecke verwendet, auch Y-Kehre, Dreieckskehre oder Fahrleitungsdreieck genannt. Sie waren ĂŒberwiegend in GroĂbritannien, Portugal und in den Vereinigten Staaten gebrĂ€uchlich. Bei diesen Anlagen mussten die O-Busse nach dem Prinzip des Wendens in drei ZĂŒgen zweimal die Fahrtrichtung wechseln und zudem ein kurzes StĂŒck rĂŒckwĂ€rts fahren. Als weitere Besonderheit wurden dabei ausnahmsweise auch Luftweichen im RĂŒckwĂ€rtsgang passiert. Y-Kehren wurden ĂŒberall dort angelegt, wo kein Platz zur Errichtung normaler Kehrschleifen war.
Eine KuriositĂ€t des Solinger Betriebes ist die planmĂ€Ăig von 1959 bis 2009 betriebene Drehscheibe Unterburg. Sie ist die letzte von weltweit vier Obus-Drehscheiben. In Folge der VerlĂ€ngerung der Linie 683 wird die Drehscheibe seit Mitte November 2009 nicht mehr benötigt, soll aber dauerhaft museal erhalten bleiben. Zwei weitere Anlagen dieser Art befanden sich in GroĂbritannien. Hierbei handelte es sich zum einen um die Drehscheibe Christchurch (1936 bis 1969), zum anderen um die Drehscheibe Longwood bei Huddersfield (1939 bis 1940).[61][62]
Die vierte Obus-Drehscheibe existierte von 1982 und 1983 beziehungsweise von 1985 bis 1988 im Obus-Tunnel von Guadalajara, Mexiko. Die beengten PlatzverhĂ€ltnisse im Untergrund lieĂen dort keine andere Lösung zu.[63]
Einfache Wendeschleife in Weimar, Ortsteil Schöndorf
Ostrava: Wendeschleife mit Ăberholmöglichkeit im Schleifeninneren
Wendeschleife nach Art einer WĂ€schespinne beim Oberleitungsbus Arnhem
Reading, GroĂbritannien: Wendeschleife auf einer StraĂenkreuzung (1966)
Hradec Krålové: Wendeschleife im Zuge eines Kreisverkehrs
Die Weichen der Obus-Oberleitung werden als Luftweichen bezeichnet, seltener auch als Oberleitungsweichen, Fahrleitungsweichen oder Fahrdrahtweichen. Es wird dabei zwischen spitz befahrenen Auslaufweichen (bei denen sich die Oberleitung aufteilt) und stumpf befahrenen Einlaufweichen (mit deren Hilfe zwei Oberleitungen zusammengefĂŒhrt werden) unterschieden. Der Weichenmotor einer Auslaufweiche wird heute per Fernsteuerung vom Fahrzeug aus gestellt. Dies geschieht entweder mittels FunksignalĂŒbertragung oder durch eine induktive Weichensteuerung, letztere meist unter Zuhilfenahme von im Boden eingelassenen Induktionsschleifen. In der Regel ist die Weichensteuerung mit dem rechnergestĂŒtzten Betriebsleitsystem (RBL) gekoppelt und erfolgt somit vollautomatisch. Steht kein RBL zur VerfĂŒgung, muss der Fahrer die gewĂŒnschte Fahrtrichtung per Knopfdruck anwĂ€hlen.
FrĂŒher konnte die Weichensteuerung auch ĂŒber einen vom Fahrer ausgelösten verĂ€nderlichen Stromverbrauch erfolgen, Ă€hnlich dem System der Oberleitungskontakte bei der StraĂenbahn. Dieses Prinzip wird auch Stellkontakt genannt. UrsprĂŒnglich wurden Luftweichen manuell gestellt. Hierzu musste der Schaffner aussteigen und ein isoliertes Zugseil bedienen. SpĂ€ter setzten manche Betriebe auf Druckknöpfe, die an SchaltkĂ€sten angebracht waren. Die Einlaufweichen werden hingegen in aller Regel gar nicht gestellt. Sie funktionieren nach dem Prinzip der RĂŒckfallweiche oder besitzen keine beweglichen Teile.
AuĂerdem wird zwischen Weichen mit beweglichem, polarisierbarem HerzstĂŒck (in diesem Fall ist in beiden Fahrtrichtungen ein durchgehender Fahrstrom gewĂ€hrleistet) und solchen ohne bewegliches HerzstĂŒck (hierbei ist der Fahrstrom in beiden Fahrtrichtungen jeweils kurz unterbrochen) differenziert.
Ferner gibt es konventionelle symmetrische Weichen und etwas modernere Schnellfahrweichen. Erstere fĂŒhren in beiden Fahrtrichtungen zu einer Ablenkung der Stromabnehmer. Um Stangenentgleisungen zu vermeiden, werden sie deshalb in der Regel mit geringerer Geschwindigkeit befahren. In Esslingen ist fĂŒr symmetrische Weichen beispielsweise eine Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h vorgeschrieben.[64]
Schnellfahrweichen können konstruktionsbedingt mit bis zu 60 km/h nur in der so genannten Vorzugsrichtung passiert werden, in der der Stromabnehmer nicht abgelenkt wird. Im Gegensatz zu den symmetrischen Weichen werden Schnellfahrweichen zwischen Rechtsfahr- und Linksfahrweichen unterschieden.
Prinzipiell befinden sich Obus-Weichen bereits einige Meter vor einer Kreuzung, das heiĂt in der Regel dort, wo ein Abbiegefahrstreifen beginnt. Hierbei spricht man von einer Vorsortierung, die nach Fahrtrichtung getrennten Oberleitungen werden ein StĂŒck weit parallel gefĂŒhrt.
Mitunter wird bei selten befahrenen Abzweigstellen aus KostengrĂŒnden gĂ€nzlich auf Luftweichen verzichtet. In diesem Fall mĂŒssen die Stromabnehmerstangen vom Personal manuell umgesetzt werden. Ein Beispiel hierfĂŒr war die Zwischenwendeschleife BoldtstraĂe in Eberswalde, sie wurde zuletzt nur zweimal tĂ€glich planmĂ€Ăig befahren und Ende 2011 schlieĂlich ganz demontiert.
Die beiden Zungen einer Auslaufweiche
Vergleichsweise kompliziert aufgebaut sind Obus-Obus-Kreuzungen beziehungsweise Obus-StraĂenbahn-Kreuzungen oder Obus-Eisenbahn-Kreuzungen. Problematisch ist hierbei die elektrische Isolation zwischen Plus- und Minuspol. Ăhnlich wie bei einer Trennstelle zwischen zwei Speisebereichen beziehungsweise beim HerzstĂŒck einer Weiche sind die beiden kreuzenden Oberleitungen jeweils zweimal kurz unterbrochen, das heiĂt, der Kreuzungsbereich muss mit Schwung ĂŒberwunden werden. In RumĂ€nien existierten Kreuzungen mit durchgĂ€ngiger Fahrleitung fĂŒr den Obus, wĂ€hrend die StraĂenbahnen dort ihre Stromabnehmer kurzzeitig einziehen mussten. Ferner sind solche Kreuzungen anfĂ€llig fĂŒr Stangenentdrahtungen, insbesondere wenn die zu querenden Schienenköpfe nicht plan mit der StraĂenoberflĂ€che liegen.
Vereinzelt kommt es vor, dass die Spannung der zu kreuzenden Bahn höher ist als beim Obus. So beispielsweise im slowakischen PreĆĄov, wo an zwei Stellen die mit 3000 Volt Gleichstrom elektrifizierte Eisenbahnstrecke KysakâMuszyna gequert wird. Die ZĂŒge passieren diese mit gesenktem Stromabnehmer. AuĂerdem dreimal in Salzburg und einmal beim Trolleybus ZĂŒrich. Dort betrĂ€gt die Spannung beim Obus jeweils 600 Volt, bei den Strecken SalzburgâLamprechtshausen sowie Salzburg HbfâSalzburg Itzling aber 1000 Volt beziehungsweise bei der Uetlibergbahn 1200 Volt.
Weitgehend unbekannt sind hingegen Kreuzungen zwischen Oberleitungsbussen und mit Einphasenwechselstrom betriebenen Eisenbahnstrecken. Aufgrund der hohen Spannungen ist eine gegenseitige Isolation nur bedingt möglich. Eine der wenigen Kreuzungen dieser Art existierte frĂŒher beim Oberleitungsbus Innsbruck. Dort kreuzten die O-Busse in der BienerstraĂe das Gleis der frĂŒher mit 15.000 Volt elektrifizierten Schlachthof-Schleppbahn. Eine weitere bestand im bulgarischen Plowdiw, dort sogar mit 25.000 Volt Spannung bei der Eisenbahn. In ZĂŒrich wurde hingegen eine geplante Kreuzung der Linie 62 mit der Fahrleitung der Schweizerischen Bundesbahnen aus SicherheitsgrĂŒnden nicht bewilligt.[65] HĂ€ufig fĂŒhrte daher in der Vergangenheit die Elektrifizierung von Bahnstrecken zur Einstellung von Obus-Linien oder ganzen Betrieben. Beispielsweise fiel das Potsdamer Obus-Netz Mitte der 1990er-Jahre dem Ausbau der Berlin-Blankenheimer Eisenbahn zum Opfer.
Eine Mischung aus Weichen und Kreuzungen sind die sogenannten Kreuzungsweichen, bei ihnen werden Weichen und Kreuzungen auf engstem Raum miteinander kombiniert. Man unterscheidet zwischen einfachen Kreuzungsweichen (EKW) mit zwei Weichenzungen und doppelten Kreuzungsweichen (DKW) mit vier Weichenzungen. Eine einfache Kreuzungsweiche besteht aus einer Auslaufweiche, einer Kreuzung und einer Einlaufweiche. Eine doppelte Kreuzungsweiche entsprechend aus zwei Auslaufweichen, einer Kreuzung und zwei Einlaufweichen. Kreuzungsweichen sind zwar teurer als die entsprechende Kombination aus Einzelelementen, bringen aber eine erhöhte Betriebssicherheit, weil sie einen dynamischeren Lauf der Stromabnehmer ermöglichen.[66]
Eine besonders aufwĂ€ndige Kreuzungsanlage existiert beispielsweise seit dem 2. Mai 2006 in Salzburg. Bei der Anlage an der Kreuzung der Linzer BundesstraĂe mit der SterneckstraĂe handelt es sich um eine so genannte Vollkreuzung, im englischen Sprachraum als grand union bekannt. Diese ermöglicht es, aus allen vier Zufahrten in drei Richtungen weiterzufahren. FĂŒr ihren Betrieb sind acht Einlaufweichen sowie sechzehn Kreuzungsweichen notwendig.
Einfache Kreuzungsweiche (EKW) mit zwei HerzstĂŒcken
Als Fahrspannung ist bei Oberleitungsbussen â wie bei den meisten StraĂenbahnsystemen â traditionell eine Gleichspannung von 550 oder 600 Volt ĂŒblich. Erst Ende der 1980er-Jahre ging man dazu ĂŒber, bei einzelnen Neuanlagen die von vielen Stadtbahnnetzen bekannte höhere Fahrspannung von 750 Volt zu verwenden. Dies betrifft Nancy (1982), Essen und Sibiu 1983, BanskĂĄ Bystrica 1989, ÄeskĂ© BudÄjovice 1991, Kopenhagen und KoĆĄice 1993, Ćœilina 1994, Chomutov und Quito 1995, Genua 1997 sowie Landskrona 2003. AuĂerdem wurde der Betrieb in Modena in den 1990er-Jahren nachtrĂ€glich umgestellt. Ebenso Neapel, wo man in den Jahren 2001 bis 2003 sowohl bei der StraĂenbahn als auch beim Oberleitungsbus gleichzeitig von 600 auf 750 Volt erhöhte.
In den Anfangsjahren wurden ebenso geringere Spannungen gewĂ€hlt, so kam die Gleislose Bahn BlankeneseâMarienhöhe beispielsweise mit nur 440 Volt aus. Selten anzutreffen sind hingegen höhere Spannungen. So ist in RumĂ€nien â mit Ausnahme des Ă€lteren Betriebs in TimiÈoara â eine Spannung von 850 Volt ĂŒblich.
Ebenso konnte man solche hohen Spannungen in der Schweiz antreffen. So verwendete der Trolleybus AltstĂ€ttenâBerneck von 1940 bis 1977 eine Spannung von 1000 Volt, dies war der weltweit erste Betrieb mit einer derart hohen Spannung.[67] Die Ăberlandlinie ThunâBeatenbucht verwendete zwischen 1952 und 1982 sogar eine Spannung von 1100 Volt. Aus SicherheitsgrĂŒnden besaĂen die dort eingesetzten Wagen eine Erdungskralle, diese senkte man vor der TĂŒröffnung auf die StraĂe. Wie im Rheintal resultierte die ungewöhnlich hohe Spannung auch in diesem Fall aus der Ăbernahme der elektrischen Anlagen der zuvor dort verkehrenden Bahn. Eine weitere diesbezĂŒgliche Ausnahme stellte von 1954 bis 2001 der Trolleybus Lugano dar. Er verwendete â wie die frĂŒhere StraĂenbahn â ebenfalls 1000 Volt Fahrspannung. UrsĂ€chlich hierfĂŒr waren in beiden FĂ€llen die BerĂŒhrungspunkte mit der Ferrovia LuganoâTesserete und der Ferrovia LuganoâCadroâDino, dadurch vermied man Spannungsprobleme. Zudem konnte auf diese Weise in den drei genannten Schweizer Betrieben die Umstellung von der Bahn zum Trolleybus sukzessive erfolgen, das heiĂt innerhalb einer mehrere Jahre dauernden Umstellungsphase.
AuĂerdem errichteten Schweizer Ingenieure im marokkanischen TĂ©touan ebenfalls eine Hochspannungsanlage. Dort verkehrten zwischen 1950 und 1975 mit 1100 Volt betriebene Trolleybusse mit einer elektrischen AusrĂŒstung von BBC.[68]
Und auch in Norditalien gab es frĂŒher Ăberlandlinien mit einer Spannung von 1100 Volt, diese gingen von Turin (1951 bis 1979) und Verona (1958 bis 1980) aus.[69] Nach einer anderen Quelle wurden die Veroneser Strecken sogar mit 1200 Volt betrieben.[53]
Obus-Netze sind wie elektrische Bahnen in verschiedene Speisebereiche aufgeteilt, auch Speiseabschnitt oder Speisebezirk genannt. Jedem dieser Teilbereiche ist ein Unterwerk, auch Unterstation, Gleichrichterwerk oder Gleichrichterunterwerk (GUW) genannt, als einspeisende Stromversorgungsquelle zugeordnet. Ein Unterwerk kann dabei aus KostengrĂŒnden mehrere Speisebereiche versorgen, im Regelfall steht es deshalb an der Grenze zweier Speisebereiche und versorgt dadurch zwei benachbarte Abschnitte auf einmal. Bei zweispurigen Strecken gehören die beiden Richtungsfahrleitungen dabei grundsĂ€tzlich zum gleichen Speisebereich. Typischerweise stellt auch der Depotbereich einen eigenen Speisebereich dar. Die Stelle an welcher die vom Unterwerk kommenden Kabel an die Oberleitung angeschlossen sind nennt man Speisepunkt. Die Verbindung zwischen Unterwerk und Speisepunkt nennt man Speiseleitung, mitunter muss eine solche Leitung auch gröĂere Entfernungen ĂŒberwinden. Sogenannte Ăberspannungsableiter â Metalloxid-Ableiter oder Varistoren â schĂŒtzen die Unterwerke ferner vor SchĂ€den durch BlitzeinschlĂ€ge.
Um Synergieeffekte nutzen zu können, versorgen Unterwerke idealerweise StraĂenbahn und Oberleitungsbus gemeinsam. Steht das Unterwerk abseits einer Obus-Strecke, so kann die StromrĂŒckleitung dorthin auch ĂŒber die StraĂenbahnschienen erfolgen. Dies ist beispielsweise in ZĂŒrich der Fall.[65]
Die LĂ€nge der Speiseabschnitte variiert dabei von Netz zu Netz, sie ist abhĂ€ngig von der Bauart und der LeistungsfĂ€higkeit der zugeordneten Unterwerke. In Solingen wird das 98,7 Kilometer lange Fahrleitungsnetz von 20 Unterwerken gespeist, in Esslingen sind es fĂŒnf Unterwerke fĂŒr 27,1 Fahrleitungskilometer, in Eberswalde drei Unterwerke fĂŒr 44,6 Kilometer Fahrleitung. Heutige Obus-Unterwerke leisten DauerstromstĂ€rken von 1000 bis 1500 Ampere.
Die einzelnen Speisebereiche mĂŒssen dabei durch kurze Phasentrennstellen in der Oberleitung voneinander abgegrenzt werden. Bei manchen Betrieben wird dabei nur der Plusfahrdraht unterbrochen, bei den ĂŒbrigen hingegen beide DrĂ€hte. Diese stromlosen Schutzstrecken bestehen aus austauschbaren Kunststoff-, Holz-, Keramik- oder Glas-StĂ€ben. Die IsolierstĂ€be sind in der Regel etwa 300 Millimeter lang und helfen KurzschlĂŒsse zwischen zwei Leitungsabschnitten zu vermeiden. Sie werden beim Oberleitungsbus Streckentrenner oder kurz Trenner genannt und sind so angeordnet, dass sie an Stellen liegen, an denen ein Halten der Fahrzeuge unwahrscheinlich ist. Ungeeignet ist beispielsweise der Stauraum vor einer Ampel. Um zu vermeiden dass ein liegengebliebener Obus eine Kreuzung blockiert, sollten sie gleichfalls nicht in Kreuzungsbereichen liegen. Die Trenner mĂŒssen stromlos passiert werden, weil sonst ein Funkenflug entsteht und diese verzundern. Das heiĂt, es bildet sich eine leitfĂ€hige OberflĂ€che, die zu BrĂ€nden fĂŒhren kann. Aus dem gleichen Grund mĂŒssen die IsolierstĂ€be von Zeit zu Zeit ausgewechselt werden.
Da die Oberleitung eine Plus- und eine Minusleitung hat, kommt es auĂerdem vor, dass auf demselben Fahrdraht ein Polwechsel eintritt. HierfĂŒr sind ebenfalls Streckentrenner notwendig.
Eine modernere Variante der Streckentrenner sind die sogenannten Diodentrenner. Bei ihnen ermöglichen ĂŒber Dioden gespeiste KontaktflĂ€chen eine Passage ohne Fahrstromunterbrechung, der Stromabnehmer erhĂ€lt den Strom von einem der beiden Speiseabschnitte. BefĂ€hrt der Stromabnehmerschuh die Mitte des Trenners, sind kurzzeitig beide Speiseabschnitte galvanisch verbunden. Es flieĂt dabei kein Kreisstrom, da die Dioden in den Plus- und Minuspolen der Spannungsquellen gegensinnig in Reihe geschaltet sind. Der Fahrstrom flieĂt wĂ€hrend dieses kurzen Moments vom Unterwerk mit der höheren Speisespannung.[70]
An bestimmten Stellen sind die beiden nach Fahrtrichtung getrennten Oberleitungen auĂerdem durch sogenannte Querkupplungen miteinander verbunden. Sie verbinden jeweils den Pluspol mit dem gegenĂŒberliegenden Pluspol beziehungsweise den Minuspol mit dem gegenĂŒberliegenden Minuspol. Dies dient dem Potentialausgleich der unterschiedlichen elektrischen Belastungen der Fahrleitung zwischen Hin- und Gegenrichtung. Somit kann der Strom einen kĂŒrzeren RĂŒckweg zum Unterwerk nehmen, dadurch werden zu starke SpannungsabfĂ€lle vermieden.[71] Leichtere Spannungsschwankungen lassen sich nicht vermeiden, so können bei einer Nennspannung von 600 Volt in der Praxis Spannungsschwankungen im Bereich zwischen 450 Volt und 750 Volt auftreten.[72]
Mitunter gehören auch VerteilerkÀsten zur Infrastruktur entlang einer Obus-Strecke.[73]
Die verschiedenen Speisebereiche im Netz von Pardubice
Die fĂŒr Oberleitungsbusse relevanten Sondersignale, die sogenannten Fahrleitungssignale, werden in der Regel direkt an den QuerdrĂ€hten der Oberleitung befestigt. Alternativ werden sie mittels einer Fahrdrahtklemme auf einen der beiden DrĂ€hte aufgepflanzt oder als Bodenmarkierung auf die Fahrbahn aufgetragen. In Deutschland und Ăsterreich werden beispielsweise Besonderheiten im Fahrleitungsnetz auf blauen Tafeln mit weiĂer Schrift angezeigt. GeschwindigkeitsbeschrĂ€nkungen, sofern diese unter dem jeweils gĂŒltigen Tempolimit liegen, werden durch gelbe Tafeln mit schwarzer Schrift signalisiert. Die Zeichen in Deutschland sind dabei den StraĂenbahnsignalen gemÀà BOStrab entnommen, sie sind in gleicher Weise auch bei den meisten deutschen StraĂenbahnbetrieben zu finden. Im Gegensatz zu diesen wird bei Obussen beispielsweise auf die VorankĂŒndigung beziehungsweise das Ende einer GeschwindigkeitsbeschrĂ€nkung verzichtet. Auf die Stellrichtung einer Luftweiche wird mit LED-Lichtsignalen hingewiesen, auch Weichenampel genannt.
In der Schweiz hat jeder Betrieb eigene Signalisierungen. Einige StĂ€dte sind dabei nahe am deutschen System, sie verwenden gelbe Signaltafeln mit schwarzer Schrift. Andere StĂ€dte wiederum kennen fĂŒr die stromlos zu befahrenden Stellen der Fahrleitung und die Weichenkontakte nur Bodenmarkierungen. Geschwindigkeitssignale sind bei letzteren Betrieben hingegen nicht bekannt.
FĂŒr die Wartung der Oberleitung werden in der Regel sogenannte Turmwagen verwendet, auch Oberleitungswagen oder Fahrdrahtwagen genannt. Meistens handelt es sich dabei um selbstfahrende Lastkraftwagen mit speziellen Aufbauten, den sogenannten HubarbeitsbĂŒhnen, seltener um AnhĂ€nger. Die isolierte Plattform dieser Sonderfahrzeuge erlaubt es, Arbeiten an der Oberleitung durchzufĂŒhren, ohne diese abschalten zu mĂŒssen. Ein weiteres SpezialgerĂ€t dieser Art ist die AnhĂ€ngeleiter. Manche Betriebe verwenden zudem spezielle Fahrleitungsschmierwagen. Unverzichtbar ist auĂerdem ein Abschleppwagen, diese Aufgabe kann auch ein ausreichend motorisierter Turmwagen ĂŒbernehmen. Die Obus-Wartungsfahrzeuge ĂŒbernehmen teilweise auch andere kommunale Aufgaben, so helfen sie beispielsweise bei der SchneerĂ€umung.
Moderner Renault-Turmwagen in Brno
Obus-Depots unterscheiden sich fĂŒr gewöhnlich kaum von klassischen Omnibus-Depots. Nicht selten werden O-Busse und Omnibusse gemeinsam untergebracht. Obus-Betriebshöfe sind in der Regel so gestaltet, dass die AbstellplĂ€tze ĂŒber eine Schleifenfahrt erreichbar sind. Das heiĂt, die Einfahrt in die Wagenhalle erfolgt meistens auf der einen Seite des GebĂ€udes, die Ausfahrt auf der gegenĂŒberliegenden Seite. Dadurch wird das beim Dieselbus oft ĂŒbliche Wenden in drei ZĂŒgen vermieden, welches beim Obus prinzipbedingt nicht möglich ist.
AuĂerdem existiert in vielen Obus-Depots die Möglichkeit im Kreis zu fahren, ohne das BetriebsgelĂ€nde verlassen zu mĂŒssen. Dies ermöglicht Testfahrten mit reparierten, umgebauten oder neuen Wagen, die unter UmstĂ€nden noch keine Zulassung fĂŒr den öffentlichen StraĂenverkehr besitzen. Die Verkehrsbetriebe ZĂŒrich betreiben hierfĂŒr auf dem GelĂ€nde ihrer ZentralwerkstĂ€tte beispielsweise eine eigene PrĂŒfstrecke, diese ist nicht mit dem restlichen Trolleybusnetz verbunden.
In Obus-Depots hĂ€ufig anzutreffen sind auĂerdem ArbeitsbĂŒhnen zur besseren Erreichbarkeit der Dachaufbauten und der Stromabnehmer. AuĂerdem mĂŒssen die Decken einer Obus-Wagenhalle ausreichend hoch sein und die Einfahrtstore ĂŒber eine Aussparung fĂŒr die beiden FahrdrĂ€hte verfĂŒgen. Die Verwendung von Roll- oder Sektionaltoren scheidet daher aus.
Probleme bereiten die Obus-Oberleitungen mitunter im Winter, wenn durch Vereisung oder Raureif ein hoher Ohmscher Widerstand beziehungsweise Ăbergangswiderstand entsteht. O-Busse mit klassischer Steuerung (ohne SpannungsĂŒberwachung) konnten auch bei Minusgraden mit geringerer Geschwindigkeit weiterfahren, wenngleich der VerschleiĂ durch den Abbrand am Gleitschuh stark zunahm.[15] Besondere Schwierigkeiten verursacht die Vereisung beim Einsatz modernerer O-Busse mit empfindlicher Steuerungselektronik. Diese sind anfĂ€lliger gegenĂŒber Spannungsunterbrechungen und der daraus resultierenden Lichtbogenbildung,[74] dem sogenannten BĂŒgelfeuer. AuĂerdem bringen die Lichtbögen das in den Leitungen enthaltene Kupfer zum Verdampfen und beschleunigen so deren Abnutzung.[75] Ferner kann der Fahrdraht durch starke Eisbildung in Folge extremer Witterung auch reiĂen.
Anders als bei schienengebundenen Bahnen â wo die Fahrleitung einfach durch die SchleifstĂŒcke der Pantografen freigeschabt wird â mĂŒssen Obus-Fahrleitungen daher aufwĂ€ndig enteist werden. Viele Betriebe benutzen dazu Sonderfahrzeuge, in der Regel Pritschenlastkraftwagen mit Spezialstromabnehmern. Mit ihnen wird bei Minusgraden ein Enteisungsgemisch in Form eines Frostschutzmittels auf die Fahrleitung gesprĂŒht. Typischerweise handelt es sich dabei um ein Gemisch, das zu gleichen Teilen aus Wasser, Ethanol und Glycerin besteht. In der Regel erfolgt der Einsatz dieser Arbeitswagen in der nĂ€chtlichen Betriebspause beziehungsweise morgens vor den ersten planmĂ€Ăigen Fahrten.
Alternativ zu den genannten Pritschenwagen rĂŒsten manche Betriebe die Stromabnehmer bestimmter gewöhnlicher Oberleitungsbusse mit speziellen FahrdrahtsprĂŒh-Einrichtungen aus. Oder aber sie verwenden Dieselbusse, die eigens fĂŒr diesen Zweck mit solchen Enteisungsstromabnehmern ausgestattet wurden. BezĂŒglich dieser auch Reifwagen genannten Fahrzeuge können vier verschiedene Varianten beobachtet werden:
Manche StĂ€dte setzen wiederum auf eine mechanische Enteisung. Hierbei werden die KohleschleifstĂŒcke bei der ersten morgendlichen Fahrt durch solche aus Bronze ersetzt, mit ihrer Hilfe wird die Oberleitung freigekratzt. Stehen keine speziellen Enteisungsmöglichkeiten zur VerfĂŒgung, so muss das Netz nachts permanent von regulĂ€ren Wagen abgefahren werden â vergleichbar den sogenannten Spurfahrten bei der StraĂenbahn.
TagsĂŒber mĂŒssen die DrĂ€hte nicht mehr enteist werden, in der Regel fahren die Obusse so hĂ€ufig, dass sich tagsĂŒber kein Eis mehr ansetzt. Anders zum Beispiel in Eberswalde, dort verkehren die O-Busse am Wochenende so selten, dass bei starker Vereisung im Ersatzverkehr mit Dieselbussen gefahren werden muss.
Bereits in frĂŒheren Jahren experimentierte man ferner mit beheizbaren FahrdrĂ€hten, so beispielsweise in NĂŒrnberg, Berlin und Eberswalde in den 1930er- und 1940er-Jahren.[76][77][78] In St. Gallen ist dies bis heute nur im Bereich der Eishalle im Lerchenfeld der Fall. Dort herrscht situationsbedingt eine besonders hohe Luftfeuchtigkeit.[79] Bei der Beheizung der Oberleitung nutzt man den Innenwiderstand des Fahrdrahts als groĂen sich erwĂ€rmenden Widerstand. Da solche sehr aufwĂ€ndigen Schaltungen nicht mit allen Gleichrichtern möglich sind, kann eine solche Beheizung nicht ĂŒberall durchgefĂŒhrt werden.[15] UnabhĂ€ngig davon existieren auch beim Oberleitungsbus Weichenheizungen.
Moderne Obusse haben eine maximale Leistungsaufnahme von ĂŒber 700 Kilowatt und erreichen Beschleunigungen, die teilweise ĂŒber denen von Personenkraftwagen liegen. Dies wirkt sich positiv auf die Umlaufplanung aus, es können kĂŒrzere Fahrzeiten zwischen zwei Haltestellen und somit auch kĂŒrzere Reisezeiten erzielt werden.[80] Auf langen Linien mit vielen Ampel-Aufenthalten beziehungsweise Haltestellen können im Vergleich zum Dieselbusbetrieb mitunter Kurse eingespart werden. Sind die FahrplĂ€ne auf langsamere Dieselbusse ausgelegt, ermöglichen Oberleitungsbusse einen pĂŒnktlicheren und somit stabileren Betrieb. Weiter erlaubt die hohe Anfahrgeschwindigkeit Oberleitungsbussen ein problemloseres und somit sichereres EinfĂ€deln in den flieĂenden Verkehr als dies bei Dieselbussen der Fall ist. Dies ist insbesondere beim Anfahren aus Bushaltebuchten aber auch an Vorfahrtsstellen von Vorteil. Nicht zuletzt entsteht bei Oberleitungsbussen im Stillstand kein Energieverlust, auĂerdem sind sie im Winter im Allgemeinen auch bei Minusgraden startbereit.
Ebenso sind Oberleitungsbusse problemlos in topografisch schwierigen Gegenden einsetzbar und bieten auch dort Vorteile gegenĂŒber Dieselbussen. Gleiches gilt fĂŒr den Einsatz bei winterlichen StraĂenverhĂ€ltnissen, insbesondere zweimotorige Obusse sind hierbei im Vorteil. Zudem ermöglichen Obusse auch auf sehr steilen Streckenabschnitten einen elektrischen Betrieb, wĂ€hrend AdhĂ€sionsbahnen nur selten Steigungen höher als 100 Promille ĂŒberwinden. So befahren die Trolleybusse der Linie 24 in San Francisco beispielsweise eine 228 Promille steile Passage. Nicht zuletzt erreichen sie auf Bergstrecken gröĂere Höchstgeschwindigkeiten als Dieselbusse. AuĂerdem können O-Busse im Vergleich zu StraĂenbahnen engere Kurvenradien befahren. Dies wirkt sich insbesondere bei der Trassierung in engbebauten AltstĂ€dten â wo leise und emmisionsfreie Verkehrsmittel besonders gefragt sind â positiv aus.
Ein weiterer Vorteil gegenĂŒber schienengebundenen Nahverkehrssystemen ist die schnellere Realisierungszeit. WĂ€hrend beim Trolleybus fĂŒr Planung und Bau einer neuen Route zwischen zwei und vier Jahren veranschlagt werden, vergehen beim Bau einer StraĂenbahnstrecke zwischen den ersten Voruntersuchungen und der Fertigstellung in der Regel zehn bis zwanzig Jahre.[81] Der Oberleitungsbus Landskrona wurde beispielsweise in nur sechs Monaten errichtet. Zudem entstehen beim Bau kaum Infrastruktur-Behinderungen, da nur die Oberleitung aufgehĂ€ngt werden muss und keine Schienen auf der StraĂe verlegt werden mĂŒssen. Damit bleibt gerade in EinkaufsstraĂen wĂ€hrend der Bauphase die ZugĂ€nglichkeit zu den GeschĂ€ften gewĂ€hrleistet.[82]
Ferner ergeben sich fĂŒr Oberleitungsbusse Vorteile bei der Besteuerung. So betrĂ€gt etwa in Schweden der jĂ€hrliche Steuersatz fĂŒr einen Dieselbus 20.400 Schwedische Kronen, wĂ€hrend fĂŒr einen Obus nur 930 Schwedische Kronen anfallen.[83] In Deutschland sind O-Busse schon seit dem 1. Mai 1955 gĂ€nzlich von der Kraftfahrzeugsteuer befreit.[27]
Im Gegensatz zu einem Dieselbus sind die Anschaffungskosten bei Oberleitungsbussen deutlich höher. So ist der Neupreis eines O-Busses etwa doppelt so hoch wie der eines vergleichbaren Standardlinienbusses.[47][1] Bei Solowagen ist dieser Faktor tendenziell höher als bei Gelenkwagen, weil die elektrische AusrĂŒstung â bis auf den schwĂ€cheren Motor â weitgehend identisch ist. So wurde in Landskrona im Vorfeld der Obus-EinfĂŒhrung ermittelt, dass ein Solo-Obus 2,4 mal teurer ist als ein Solo-Dieselbus.[83] In Winterthur kam man sogar auf einen Faktor von 3,0.[84] Dies fĂŒhrte unter anderem dazu, dass in Deutschland seit 2009 und in Ăsterreich seit 2003 keine Solo-Obusse mehr verkehren. Ebenso sind sie auch in der Schweiz weitgehend von der BildflĂ€che verschwunden. Erschwerend hinzu kommen bei den Fahrzeugkosten die typischerweise kleineren StĂŒckzahlen bei Obus-Serien, nicht selten handelt es sich dabei um Sonderanfertigungen fĂŒr bestimmte Betriebe.
Die Kaufpreise fĂŒr neue Trolleybusse variieren â je nach gewĂ€hlter Ausstattung, anvisierter Lebensdauer und dem Produktionsland â erheblich. Die Bandbreite fĂŒr einen Gelenkwagen liegt dabei zwischen 400.000 und 750.000 Euro.[81] FĂŒr Salzburg wird der Preis eines Gelenkwagens mit 550.000 Euro angegeben, davon entfallen 50.000 Euro auf den optionalen Hilfsmotor.[85] In St. Gallen wurden die Kosten fĂŒr einen neuen Gelenktrolley 2007 sogar mit 1,2 Millionen Schweizer Franken angegeben, das heiĂt knapp 800.000 Euro.[86]
Ausgleichend zu den erhöhten Investitionskosten liegen die Laufleistung und die Lebensdauer eines O-Busses deutlich ĂŒber denen von Dieselbussen. UrsĂ€chlich hierfĂŒr ist in erster Linie der geringere VerschleiĂ beim Antriebssystem. So wird ein Dieselbus im Regelfall bereits nach zehn bis vierzehn Jahren ausgemustert, wĂ€hrend ein Trolleybus im Normalfall eine Abschreibungsdauer von fĂŒnfzehn bis zwanzig Jahren erreicht.[47][1][11] Oft bleiben sie sogar dreiĂig Jahre und lĂ€nger im Einsatz, dabei sind Laufleistungen von ĂŒber einer Million Kilometer keine Seltenheit. Besonders bemerkenswert ist diesbezĂŒglich der Oberleitungsbus ValparaĂso in Chile, dort stehen bis heute Wagen aus den 1940er-Jahren im tĂ€glichen Planeinsatz. AuĂerdem die Ă€ltesten Trolleybusse in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang, sie weisen TachostĂ€nde von ĂŒber zweieinhalb Millionen Kilometern auf.[87]
Mitunter werden auĂerdem die elektrischen Komponenten eines O-Busses noch in nachfolgende Fahrzeuggenerationen eingebaut. So beispielsweise beim Oberleitungsbus Wellington wo bei der neuesten Wagengeneration fĂŒnfundzwanzig Jahre alte E-AusrĂŒstungen erneut verwendet wurden.[88]
Aufgrund der sehr unterschiedlichen technischen Parameter der einzelnen Netze â darunter Fahrleitungsspannung, PolaritĂ€t, Weichensteuerung und Nutzbremsung â können die Fahrzeuge nicht beliebig zwischen den einzelnen StĂ€dten ausgetauscht werden. Aus diesem Grund besteht beim Oberleitungsbus nur ein beschrĂ€nkter Markt fĂŒr Gebrauchtfahrzeuge.[1] Oft sind ausgemusterte Wagen unverkĂ€uflich, finden sie dennoch einen Abnehmer ist der erlöste Verkaufspreis vergleichsweise gering. So wurden seit 1990 zahlreiche Fahrzeuge nach Osteuropa abgegeben, insbesondere nach Bulgarien und RumĂ€nien.
Die 9,6 Meter langen Midi-Obusse in Lyon sind Sonderanfertigungen
Dieser ehemals Winterthurer Wagen war 37 Jahre lang im Einsatz, danach wurde er noch an die R.A.T.T. in RumÀnien verkauft
Dieser Wagen des Trolleybus Biel/Bienne legte von 1985 bis 2005 mehr als eine Million Kilometer zurĂŒck
| zweispurige Fahrleitung je Kilometer | 210.000 ⏠|
| Kreuzung | 20.700 ⏠|
| Auslaufweiche (elektrisch) | 55.000 ⏠|
| Einlaufweiche (mechanisch) | 20.100 ⏠|
| Streckentrenner | 14.800 ⏠|
| Speisepunkt | 6.400 ⏠|
| Fahrleitungsmast | 3.500 ⏠|
| Gleichrichterstation | 430.000 ⏠|
Die Investitionskosten fĂŒr die Oberleitung sind abhĂ€ngig von den jeweiligen topografischen und stĂ€dtebaulichen Bedingungen. Am gĂŒnstigsten sind dabei Fahrleitungen in geraden HĂ€userschluchten, wo Wandbefestigungen statt Oberleitungsmasten verwendet werden können. Am kostspieligsten sind kurvige und Strecken in coupiertem freiem GelĂ€nde, beispielsweise auf Ăberlandabschnitten. Bei entsprechender Planung können in bebauten Gebieten die Lichtmasten der öffentlichen StraĂenbeleuchtung mitbenutzt werden. Ein weiterer variabler Kostenfaktor ist die LĂ€nge der Speiseleitungen â nicht immer können die Unterwerke dort errichtet werden, wo dies aus elektrischen Gesichtspunkten sinnvoll wĂ€re. Neue Obus-Fahrleitungen amortisieren sich dabei im Durchschnitt erst nach 22 Jahren.[89] Buchhalterisch wird eine Fahrleitung ĂŒber 25 Jahre linear abgeschrieben.[84] Generell sind Obus-Fahrleitungen recht langlebig, sie können eine Lebensdauer von vierzig bis fĂŒnfzig Jahren erreichen.
Ein groĂer Vorteil ergibt sich im Vergleich zur StraĂenbahn. So belaufen sich die Investitionskosten einer Obus-Linie nur auf zehn bis fĂŒnfzehn Prozent der Kosten fĂŒr eine StraĂen- oder Stadtbahnlinie.[90] Die Kosten, die bei der Neuerrichtung eines Trolleybusbetriebs anfallen, sind der Tabelle rechts zu entnehmen. Die Angaben dienen lediglich der Veranschaulichung der GröĂenordnung und sind daher als Richtwerte zu verstehen. Davon entfallen etwa zwei Drittel auf die Arbeitskosten und ein Drittel auf die Materialkosten.[1] Als Faustregel rechnet man beim Trolleybus mit einer Million Euro Baukosten je Kilometer Neubaustrecke.[82]
Bei Oberleitungsbussen sind die Betriebskosten höher als bei Omnibussen, sie liegen etwa zehn bis zwanzig Prozent ĂŒber denen bei reinem Dieselbusbetrieb. LĂ€sst man die Personalkosten unbetrachtet â sie sind bei beiden Systemen identisch, machen aber mit circa drei Vierteln den gröĂten Anteil bei den Betriebskosten aus â so ist der Obus-Betrieb sogar um fĂŒnfzig bis hundert Prozent teurer als der Dieselbus-Betrieb.
UrsĂ€chlich fĂŒr diese höheren Kosten sind in erster Linie die Oberleitungen und Unterwerke, deren Instandhaltung, Erneuerung und regelmĂ€Ăige Inspektion einen zusĂ€tzlichen Ausgabenfaktor darstellt. Darin inbegriffen ist unter anderem auch die Vorhaltung von Turmwagen samt Mannschaft im Bereitschaftsdienst, der permanente Austausch der Schleifkohle-EinsĂ€tze sowie die aufwĂ€ndige Fahrleitungsenteisung im Winter.
DarĂŒber hinaus ist die Wartung der Fahrzeuge teurer als bei herkömmlichen Omnibussen. Zwar ist ein Trolleybusmotor prinzipiell wartungsfreundlicher als derjenige eines Dieselbusses, unter anderem weil der Aufwand fĂŒr die Wartung der Abgasfilter entfĂ€llt und kein Ălwechsel erforderlich ist. Ebenso kommt der Antriebsstrang mit weniger mechanischen Teilen aus. Jedoch ist der Aufwand fĂŒr die Wartung der Elektronik und der Mechanik der Stromabnehmer gröĂer.[84] Zudem ist im Störungsfall die Fehlerdiagnose bei Elektromotoren deutlich aufwĂ€ndiger als bei Dieselmotoren.[11] Aus diesen GrĂŒnden können Wartungs- und Reparaturarbeiten in der Regel nicht an externe WerkstĂ€tten ausgelagert werden, wie dies bei Dieselbussen teilweise ĂŒblich ist. Zudem können Oberleitungsbusse ohne Hilfsmotor auswĂ€rtige WerkstĂ€tten nicht aus eigener Kraft erreichen.
Der reine Energieverbrauch ist beim Oberleitungsbus â trotz des höheren Fahrzeuggewichts â deutlich geringer als beim Dieselbus, da der Wirkungsgrad durch die Elektromotoren besser ist. Der Energieverbrauch ist bezogen auf den Personenkilometer â aufgrund des höheren Rollwiderstandes aber generell etwa ein Drittel höher als bei einer StraĂenbahn. Insbesondere auf Linien mit langen GefĂ€llestrecken oder einer Vielzahl von BremsvorgĂ€ngen können moderne O-Busse auĂerdem ihre Bremsenergie â analog zu elektrisch betriebenen Bahnen â in die Oberleitung zurĂŒckspeisen. Hierbei spricht man von einer Nutzbremse beziehungsweise einer elektromotorischen Bremse, beide basieren auf dem Rekuperationsprinzip. Diese Methode wird bei Oberleitungsbussen seit den 1980er-Jahren angewandt und wurde seither stetig verbessert. Bei heutigen Antrieben liegt der RĂŒckspeisegrad bei bis zu dreiĂig Prozent der aufgenommenen Energie.[47] Durch die StromrĂŒckspeisung können in EinzelfĂ€llen sogar Kostenvorteile gegenĂŒber dem Dieselbusbetrieb erzielt werden.[81]
Ein Forschungsbericht der Fachhochschule Köln kam in der ersten HĂ€lfte der 1990er-Jahre â bezogen auf die vergleichsweise hĂŒgelige Stadt Solingen â zu folgenden Ergebnissen beim Energieverbrauch der damals dort eingesetzten Oberleitungsbusse:[91]
| tatsĂ€chlicher Verbrauch je km | Verbrauch abzĂŒglich Rekuperation je km | Einsparung durch Rekuperation | |
|---|---|---|---|
| Solowagen MAN SL 172 HO | 2,47 kWh | 1,87 kWh | â 24,3 % |
| Gelenkwagen MAN SG 200 HO | 3,21 kWh | 2,43 kWh | â 24,3 % |
Modernere Typen verfĂŒgen zwar ĂŒber energieeffizientere Motoren, die heute aus Kundensicht geforderte Klimatisierung kompensiert diesen Effekt aber wieder.[11] Prinzipiell sind die Verbrauchswerte zwischen einzelnen Typen beziehungsweise Betrieben nur bedingt miteinander vergleichbar. Sie werden durch Faktoren wie der Topografie der jeweiligen Linien, dem Haltestellenabstand, der Verkehrsdichte, Tempolimits, der Art des Motors, dem Masse-Leistungs-VerhĂ€ltnis, dem Besetzungsgrad, dem Gewicht des Hilfsantriebs, der Fahrplankalkulation und nicht zuletzt durch den Fahrstil des Personals beeinflusst. DarĂŒber hinaus ist auĂerdem der Gesamtstromverbrauch im Winter um rund ein Drittel höher als im Sommer, unter anderem weil in der kalten Jahreszeit mehr Personen öffentliche Verkehrsmittel benutzen.[92]
Auch der Rekuperationsgrad ist sehr stark von den topografischen VerhĂ€ltnissen abhĂ€ngig. So speisen die O-Busse auf der durchgehend flachen Strecke in Landskrona nur sechzehn Prozent der aufgenommenen Energie wieder in die Oberleitung zurĂŒck.[83] Weitere EinflussgröĂen sind die AufnahmefĂ€higkeit des Fahrleitungsnetzes, die LĂ€nge der Speisebezirke und die Anzahl der Querkupplungen. Weiterhin sind nicht alle Unterwerke rĂŒckspeisefĂ€hig. Zudem ist die Rekuperation auch fahrplanabhĂ€ngig, denn die Bremsenergie eines talwĂ€rts fahrenden Wagens kann nur genutzt werden, wenn sich im gleichen Speisebezirk zur selben Zeit ein Obus auf Bergfahrt befindet. Dieser Nachteil kann kompensiert werden, indem zwischen den einzelnen Unterwerken Ăberleitungen eingebaut oder an der Strecke Kondensatoren zur Zwischenspeicherung platziert werden.
Die aus dem Energieverbrauch resultierenden tatsĂ€chlichen Energiekosten sind sowohl beim Oberleitungsbus als auch beim Dieselbus vom jeweiligen Strom- oder Ălpreis abhĂ€ngig und unterliegen daher stĂ€ndigen Schwankungen. Prinzipiell ist der Obus deutlich weniger von den jeweils geltenden Rohstoffpreisen abhĂ€ngig als der Dieselbus.[93] Zudem ist der Dieselpreis seit 1991 um ein Vielfaches stĂ€rker gestiegen als die Strompreise.[81] In der Schweiz erhöhte er sich beispielsweise zwischen 1996 und 2006 im Schnitt um drei Prozent jĂ€hrlich.[94]
Beispielhaft fĂŒr die Obus-Betriebskosten in ihrer Gesamtheit (ohne Personalkosten) eine Analyse der Innsbrucker Verkehrsbetriebe aus dem GeschĂ€ftsjahr 2003. Sie gingen bei den Betriebskosten ihrer Oberleitungsbusse von folgenden KostensĂ€tzen aus, die Angaben beziehen sich je gefahrenen Betriebskilometer:[95]
| Gelenk-Dieselbus | Gelenk-Obus | Differenz | |
|---|---|---|---|
| Instandhaltung Fahrzeuge | 0,52 ⏠| 0,70 ⏠| + 35 % |
| Instandhaltung Oberleitung und Unterwerke |
- | 0,16 ⏠| kein Vergleich möglich |
| Energiekosten | 0,30 ⏠| 0,19 ⏠| â 37 % |
| Gesamtbetrachtung | 0,82 ⏠| 1,05 ⏠| + 28 % |
Ein weiterer Kostenfaktor: Aufgrund des höheren Fahrzeuggewichts und des stĂ€rkeren Drehmoments ist bei Oberleitungsbussen auch die StraĂenunterhaltung teurer als bei Dieselbussen.[60] Nicht zuletzt muss das Lichtraumprofil der Fahrleitung aus SicherheitsgrĂŒnden immer wieder freigeschnitten werden. Nach DIN VDE 0105 (Deutschland) beziehungsweise DIN EN 50110 (Betrieb von elektrischen Anlagen), ist bei 600 oder 750 Volt Fahrleitungsspannung ein Mindestabstand von einem Meter vorgeschrieben. Die Zusatzkosten bei der Ausbildung des Fahrpersonals können hingegen weitgehend vernachlĂ€ssigt werden. Sie fallen im VerhĂ€ltnis zu den ĂŒbrigen Betriebskosten nicht weiter ins Gewicht.[11]
Positiv auf die Wirtschaftlichkeit wirkt sich der höhere Fahrgastzuspruch im Vergleich zu Dieselbussen aus, die Passagiere schĂ€tzen dabei vor allem die ruck- und vibrationsarme Fahrweise eines Oberleitungsbusses. Infolge der Bindung an die Oberleitung ergibt sich zwangslĂ€ufig ein Fahrstil mit geringeren Querbeschleunigungen in Kurven. Zudem erlaubt die Elektrotraktion feinere Bremsmanöver.[96] AuĂerdem entfĂ€llt der mitunter wahrzunehmende Abgasgeruch im Innenraum.
In diesem Zusammenhang stellte man beispielsweise im französischen Lyon fest, dass â bei freier Auswahl des Fahrzeugs und gleichen Voraussetzungen bezĂŒglich LinienfĂŒhrung und Fahrplan â sechzig Prozent der FahrgĂ€ste den Trolleybus statt dem Omnibus wĂ€hlen.[97] Statistiken verschiedener Verkehrsbetriebe zeigen, dass der Auslastungsgrad auf Trolleybuslinien zwischen zehn und zwanzig Prozent höher ist als auf vergleichbaren reinen Dieselbuslinien.[98] So stiegen etwa im niederlĂ€ndischen Arnheim die Passagierzahlen nach der 1998 erfolgten Umstellung der Linie 7 um rund zehn Prozent.[99] Im schwedischen Landskrona wurde im Vorfeld der Umstellung auf Obus-Betrieb sogar ein Fahrgastzuwachs von fĂŒnfundzwanzig Prozent prognostiziert.[100]
Ferner ist in diesem Zusammenhang auch die sichtbare LinienfĂŒhrung bei Oberleitungsbussen von Vorteil: So ist fĂŒr FahrgĂ€ste stets ersichtlich, wo eine Linie verlĂ€uft und in welcher Richtung sie die nĂ€chste Haltestelle des Ăffentlichen Personennahverkehrs finden. Man spricht hierbei von einer stĂ€ndigen visuellen PrĂ€senz im öffentlichen Raum.[89] SchlieĂlich zeichnen sich Oberleitungsbusse durch ihre klare Linienstruktur aus, wĂ€hrend die Fahrroute bei Omnibuslinien im Tagesverlauf oder von Kurs zu Kurs typischerweise oft wechselt.
Der sogenannte Trolleybus-Bonus gilt â im Gegensatz zum Schienenbonus â als umstritten beziehungsweise ist statistisch oft nicht nachweisbar. So wird er in Salzburg mit nur fĂŒnf Prozent angegeben, bei den Betrieben in Innsbruck, Kapfenberg und Linz konnte hingegen gar kein derartiger Effekt nachgewiesen werden.[95]
DarĂŒber hinaus gilt der Oberleitungsbus vielerorts als SympathietrĂ€ger mit Identifikationswirkung in der Bevölkerung. Viele StĂ€dte versuchen auĂerdem mit dem Betrieb eines Obus-Netzes ihren Charakter als ökologisch und nachhaltig handelnde Gemeinde hervorzuheben. Insbesondere in LĂ€ndern mit wenigen Obus-Betrieben gilt ein solcher deshalb hĂ€ufig als werbewirksames Alleinstellungsmerkmal gegenĂŒber anderen StĂ€dten. In Chile wurde beispielsweise der Oberleitungsbus ValparaĂso â der einzige Betrieb des Landes â vom Staat als besonders erhaltenswertes Kulturgut eingestuft.[101]
Der gerĂ€uscharme Betrieb ist ein wichtiges ökologisches Argument fĂŒr den Trolleybus. In einer 1997 erschienenen Studie des Schweizer Dienstes fĂŒr Gesamtverkehrsfragen (GVF) wird beispielsweise von einer Verringerung der Schallemissionen um 55 Prozent gesprochen. In Arnhem wurden beim Trolleybus 72 Dezibel gemessen, bei einem gleich schnell fahrenden Dieselbus hingegen 78 Dezibel.[102] In Esslingen am Neckar und in Schaffhausen ermittelte man beim Dieselbus sogar einen um neun Dezibel höheren LĂ€rmwert, dies entspricht einer achtfachen LĂ€rmerhöhung.[11][94] Weiter stellte man fest: auf StraĂen mit einem Verkehrsaufkommen von unter 10.000 tĂ€glichen Fahrzeugen, das heiĂt in typischen Wohngebieten, verursacht der Dieselbusbetrieb 30 Prozent der LĂ€rmemissionen.[94] Die Verkehrsbetriebe der Stadt St. Gallen machten in diesem Zusammenhang die Erfahrung, dass aus den Quartieren regelmĂ€Ăig Reklamationen kommen, wenn auf Trolleybuslinien wegen Störungen oder StraĂenbaustellen befristete Umstellungen auf Autobusbetrieb vorgenommen werden mĂŒssen.[103] DarĂŒber hinaus sind auch die InnengerĂ€usche eines Oberleitungsbusses geringer, ursĂ€chlich hierfĂŒr ist vor allem die schwĂ€chere Vibration der Inneneinrichtung.
Trotz des weitgehend gerĂ€uscharmen Betriebs können â abhĂ€ngig vom jeweiligen Obus-Typ â die Nebenaggregate auch im Stand fĂŒr eine permanente GerĂ€uschentwicklung sorgen. Darunter beispielsweise die verwendeten Druckluftkompressoren (Kolben- oder Schraubenkompressoren), die Klimaanlage und insbesondere auch die Ventilatoren zur KĂŒhlung der elektrischen Anlagenteile. Anders als bei Dieselbussen â die ihre Motoren bei lĂ€ngeren Aufenthalten abschalten â kann sich dies insbesondere an Obus-Endhaltestellen in Wohngebieten negativ bemerkbar machen. Der LĂ€rmpegel variiert dabei von Typ zu Typ und sorgt mitunter fĂŒr Beschwerden der betroffenen Anwohner.[104] In Deutschland unterliegen O-Busse als einzige StraĂenfahrzeuge im Zulassungsverfahren nach Kraftfahrt-Bundesamt nicht der StandgerĂ€uschs-Messung und entsprechender Begrenzung. Nach der geltenden Rechtsprechung sind bei Aufenthalten an Endhaltestellen die in der TA LĂ€rm festgelegten Grenzwerte anzuwenden, sie können je nach Hersteller des Fahrzeugs fallweise deutlich ĂŒberschritten werden.
Ebenso gilt der abgasfreie Betrieb als entscheidender Vorteil von Oberleitungsbussen. LĂ€sst man die Schallemission, den Reifenabrieb und den SchleifkohlenverschleiĂ auĂer Acht, so gilt der Oberleitungsbus als emissionsfreies Fahrzeug. In einem Forschungsbericht der Fachhochschule Köln ĂŒber die Energie-, Kosten- und Emissionsbilanz von Oberleitungsbussen wurde zusammenfassend festgestellt, dass moderne Oberleitungsbusse âdie AtmosphĂ€re mit erheblich geringeren Schadstoffen als eine gleichgelagerte Dieselbusflotte belastenâ.[105] Besonders bei lokal und emissionsfrei erzeugtem Strom ist der Neubau von Obus-Strecken eine geeignete MaĂnahme zur Verbesserung der LuftqualitĂ€t.
Im Vergleich zu schienengebundenen Bahnen entfĂ€llt beim Obus der bei GlĂ€tte und starken Bremsungen gestreute Bremssand, der von den RĂ€dern zermahlen wird. Laut einer Studie des Ăsterreichischen Vereines fĂŒr Kraftfahrzeugtechnik wĂŒrden in Wien gesetzt der Annahme, dass der von Schienenfahrzeugen als Gleitschutz verwendete Quarzsand zu einem nicht abschĂ€tzbaren Teil zu Feinstaub zermahlen wĂŒrde ein entsprechender Anteil an der Feinstaubbelastung durch den Schienenverkehr verursacht.[106] Der Fahrleitungs- und SchleifkohlenverschleiĂ bei Oberleitungsbussen könne weitgehend vernachlĂ€ssigt werden, da die daraus resultierenden Partikelemissionen deutlich weniger gesundheitsgefĂ€hrdend als Auspuffpartikel aus Verbrennungsmotoren sind.[11]
Laut der Schweizer Studie UmweltvertrĂ€glichkeit und Energieeffizienz des Trolleybusses â externe Kosten schneidet der Oberleitungsbus im Vergleich mit den konkurrierenden Verkehrsmitteln Dieselbus und StraĂenbahn wie folgt ab:[107]
| Obus um circa x % besser als Dieselbus | Obus um circa x % besser als StraĂenbahn | |
|---|---|---|
| Energieverbrauch | + 40 | â 30 |
| Klimagase (CH-Strommix) | + 75 | +/â 0 |
| Stickoxide (ohne / mit Euro IV) | + 90 / 80 | + 40 |
| Kohlenwasserstoffe (ohne / mit Euro IV) | + 70 / 55 | + 75 |
| Feinpartikel (ohne / mit Filter) | + 70 / 20 | + 40 |
| Grobpartikel | + 25 | + 60 |
| LĂ€rm | + 90 | + 25 |
| Landverbrauch | +/â 0 | â 25 |
| UnfĂ€lle | +/â 0 | â 65 |
Zu vergleichbaren Ergebnissen kommt Dr. Hendlmeier von der UniversitĂ€t MĂŒnchen. Laut seinen Angaben spart der Oberleitungsbus â verglichen mit einem herkömmlichen Dieselbus â auf je 100 Platzkilometern folgende Umweltbelastungen ein:[1]
Bedingt durch ihre Fahrleitung und die Stromabnehmer sind Oberleitungsbusse auch im dichten Stadtverkehr fĂŒr alle Verkehrsteilnehmer gut erkennbar. Dies fĂŒhrt â verglichen mit gewöhnlichen Dieselbussen â zu einer niedrigeren UnfallhĂ€ufigkeit.[97] In der Schweiz wurde statistisch nachgewiesen, dass es bei Trolleybussen je Personenkilometer weniger Verletzte als im Verkehr mit Dieselbussen gibt, zudem fallen die Verletzungen leichter aus.[11] Die Verkehrsgesellschaft Salzburg AG geht sogar von einer im Schnitt fĂŒnfmal niedrigeren UnfallhĂ€ufigkeit von Trolleybussen gegenĂŒber Dieselfahrzeugen aus.[98]
Im Gegensatz dazu gilt der Obus bei FuĂgĂ€ngern oder Radfahrern aufgrund seines gerĂ€uscharmen Betriebs als Gefahr im StraĂenverkehr, weil er von diesen mitunter nicht rechtzeitig wahrgenommen wird. In GroĂbritannien war er deshalb frĂŒher beispielsweise unter dem Spitznamen Silent Death fĂŒr stiller Tod bekannt, analog dazu in Australien unter Whispering death fĂŒr flĂŒsternder Tod. In Oldenburg machten sich die Obusse deshalb frĂŒher an den Haltestellen mit Glocken bemerkbar.[32]
Bereits seit seiner EinfĂŒhrung steht der Oberleitungsbus in direkter Konkurrenz zu konventionellen Omnibussen einerseits sowie zu StraĂenbahnen andererseits. HĂ€ufig wird in diesem Zusammenhang kritisiert, dass der Obus die Nachteile beider Systeme miteinander verbindet.
Mit Omnibussen gemeinsam hat er dabei die geringe BeförderungskapazitĂ€t, so kann selbst ein Gelenkwagen nur etwa 150 Personen befördern. Im Gegensatz dazu kann eine 75 Meter lange StraĂenbahn- oder Stadtbahn-Mehrfachtraktion bis zu 500 Passagiere gleichzeitig transportieren. Beim Oberleitungsbus sind Mehrfachtraktionen hingegen nur sehr eingeschrĂ€nkt möglich, in einigen LĂ€ndern, beispielsweise in Deutschland, sind sie unzulĂ€ssig. Dies erhöht im Vergleich zu Bahnen den Personalbedarf. Ein weiterer gemeinsamer Nachteil ist die AbhĂ€ngigkeit vom motorisierten Individualverkehr. Stehen keine Busfahrstreifen zur VerfĂŒgung, so ist dies stets mit einer gewissen Staugefahr verbunden.
Mit Bahnen teilt sich der Oberleitungsbus die AbhĂ€ngigkeit von einer fest definierten StreckenfĂŒhrung. Dadurch sind Umleitungen und kurzfristige LinienĂ€nderungen nicht möglich. Ebenso ausgeschlossen sind abweichende oder verkĂŒrzte LinienfĂŒhrungen in Nebenverkehrszeiten, so wie dies etwa in den Abendstunden, im Nachtbusverkehr und an Wochenenden weithin ĂŒblich ist. Auch die gesonderte Bedienung von Schulen zu Unterrichtsbeginn und -ende beziehungsweise von Industriebetrieben zum Schichtwechsel scheidet aus, sofern diese abseits der regulĂ€ren Linienwege liegen.
Ein weiterer Nachteil der Spurgebundenheit: O-Busse können einander im laufenden Betrieb nicht ĂŒberholen, wie dies bei gewöhnlichen Omnibussen ĂŒblich ist, damit scheidet auch der Einsatz von Schnellkursen aus. Ebenso können ins Depot einrĂŒckende beziehungsweise aus dem Depot ausrĂŒckende Leerfahrten nicht den schnellsten Weg wĂ€hlen. Das heiĂt, sie können zum Beispiel keine Ortsumgehungen benutzen, sondern mĂŒssen dem regulĂ€ren Linienweg folgen. Um dies zu vermeiden, werden mancherorts Betriebsstrecken â in der Schweiz auch Dienstfahrleitung genannt â eingerichtet. Diese wiederum sind vergleichsweise unrentabel, weil sie nur selten befahren werden. Auch ein lastrichtungsabhĂ€ngiger Verkehr â beispielsweise morgens auf dem Regelweg in die Stadt hinein und auf schnellstem Weg als Leerfahrt wieder zurĂŒck zum Endpunkt, abends entsprechend umgekehrt â ist mit O-Bussen ohne aufwĂ€ndige Infrastruktur nicht möglich. Zudem können O-Busse im Störfall nicht an jeder beliebigen Stelle im Netz drehen. Im Gegensatz dazu kann ein Omnibus auf jeder gröĂeren Kreuzung wenden und eine StraĂenbahn im Ausnahmefall auch rĂŒckwĂ€rts bis zum nĂ€chsten Gleiswechsel fahren.
Hauptkritikpunkt am Obus sind die höheren betriebswirtschaftlichen Kosten gegenĂŒber diesel- oder gasbetriebenen Omnibussen. Vor allem in kleineren StĂ€dten wird auĂerdem der Betrieb zweier elektrischer Verkehrsmittel â in der Regel Obus und StraĂenbahn â hĂ€ufig als unwirtschaftlich kritisiert. So bleibt dem Obus nur eine vergleichsweise ĂŒberschaubare Marktnische auf Linien mit einem Fahrgastaufkommen, auf denen sich der Bau einer StraĂenbahn noch nicht lohnt, ein Omnibusbetrieb aber bereits unwirtschaftlich ist. Zudem kann auch aus technischen GrĂŒnden nicht jede Omnibuslinie elektrifiziert werden: Sind niveaugleiche Kreuzungen mit elektrifizierten Eisenbahnstrecken oder besonders niedrige UnterfĂŒhrungen zu passieren, scheidet ein Obus-Betrieb aus. Gleiches gilt, wenn Teilabschnitte ĂŒber Autobahnen oder KraftfahrstraĂen fĂŒhren, wo eine vorgeschriebene Mindestgeschwindigkeit von 60 km/h oder sogar 80 km/h gefordert wird. Um Stangenentdrahtungen vorzubeugen, mĂŒssen Oberleitungsbusse zudem Knotenpunkte mit Luftweichen und Fahrleitungskreuzungen oft langsamer passieren als die ĂŒbrigen motorisierten Verkehrsteilnehmer. Damit werden sie dort zum Verkehrshindernis fĂŒr den flieĂenden Verkehr. AuĂerdem verlĂ€ngern sich die Reisezeiten gegenĂŒber dem Dieselbusbetrieb. Kommt es dennoch zu einer Stangenentdrahtung, blockieren Obusse mitunter ganze Kreuzungen.
Besonders unrentabel ist es, teure Obusse fĂŒr den SchĂŒlerverkehr vorzuhalten. In diesem Fall werden sie nur ein- oder zweimal am Tag eingesetzt. Dies ist besonders nachteilig, weil Trolleybusse auch nicht als Kombibus verwendet werden können. Das heiĂt sie können auĂerhalb des Liniendienstes keine Klassenfahrten, VereinsausflĂŒge oder Ă€hnliches durchfĂŒhren und bringen dem Betreiber somit keine Zusatzeinnahmen.
Ein weiterer Kostenfaktor ist die Vorhaltung von Dieselbussen als Betriebsreserve, um bei Störungen auf Obus-Linien einen Notbetrieb aufrechterhalten zu können. Analog zum Schienenersatzverkehr bei StraĂenbahnbetrieben spricht man hierbei vom Obus- beziehungsweise Trolleybusersatzverkehr. Typische Beispiele fĂŒr solche Störungen sind Baustellen, Bau- und Revisionsarbeiten an der Oberleitung, VerkehrsunfĂ€lle, StromausfĂ€lle, BlitzeinschlĂ€ge, eine starke Vereisung der Fahrleitung, BeschĂ€digungen der Fahrleitung durch Sturmauswirkungen, unaufmerksame BaggerfĂŒhrer oder Lastwagen mit LademaĂĂŒberschreitung. Steht keine solche Betriebsreserve zur VerfĂŒgung, mĂŒssen gegen entsprechendes Entgelt Omnibusse von anderen Verkehrsunternehmen angemietet werden. Dies wiederum ist oft nicht kurzfristig möglich und kann zu lĂ€ngeren BedienungseinschrĂ€nkungen auf Obus-Linien fĂŒhren.
Setzen Verkehrsbetriebe sowohl O-Busse als auch Omnibusse parallel zueinander ein, so ist die Personaldisposition entsprechend aufwĂ€ndiger. Es mĂŒssen getrennte DienstplĂ€ne fĂŒr Fahrer mit und ohne Obusfahrberechtigung aufgestellt werden. Dies kann unter UmstĂ€nden dazu fĂŒhren, dass ersatzweise Omnibusse zum Einsatz kommen mĂŒssen, weil nur Fahrer ohne Obuslizenz zur VerfĂŒgung stehen.[108] Möchten die Verkehrsunternehmen ihre Mitarbeiter dennoch flexibel einsetzen, so muss trotz der damit verbundenen Zusatzkosten das gesamte Fahrpersonal auf Obusse geschult werden. Dies ist beispielsweise beim StĂ€dtischen Verkehrsbetrieb Esslingen der Fall,[10] obwohl dieser dreimal so viele Omnibusse wie Obusse im Bestand hat.
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Ebenso ist es mit Oberleitungsbussen nicht möglich, mehrere selten verkehrende Linien aus rural geprĂ€gten Vororten â wo sich die teure Fahrleitungsinfrastruktur nicht lohnt â im Stadtzentrum zu einem hĂ€ufig bedienten Korridor zu bĂŒndeln. HĂ€lt man im Kernbereich trotzdem am Oberleitungsbus fest, fĂŒhrt dies fĂŒr die FahrgĂ€ste aus den Vororten zu einem Umsteigezwang am Stadtrand. Eine Veranschaulichung dieser Problematik zeigt die Grafik rechts, die fiktive Obus-Relation ist blau dargestellt. Ăhnliches gilt fĂŒr einzelne Linien, die an der Peripherie seltener fahren als im Zentrum.
HĂ€ufig wird auĂerdem bemĂ€ngelt, Oberleitungsbusse seien nur dann umweltfreundlich, wenn der verwendete Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Wird er hingegen von Kohlekraftwerken, Dampfkraftwerken, Ălkraftwerken, Gasturbinenkraftwerken oder MĂŒllverbrennungsanlagen bezogen, so werden die Emissionen lediglich an andere Stelle verlagert. Bei Strom aus Kernenergie fallen andernorts radioaktive AbfĂ€lle an. MaĂgeblich fĂŒr den Aspekt der Umweltfreundlichkeit ist somit der jeweils gĂŒltige Energiemix. Ein negatives Beispiel ist hierbei der Oberleitungsbus Tallinn, noch 2004 wurden in Estland 63 Prozent des PrimĂ€renergieverbrauchs aus Ălschiefer gewonnen.[109]
UnabhĂ€ngig davon sind zudem Dieselbusse im Laufe der Jahrzehnte umweltfreundlicher geworden. So etwa durch verschĂ€rfte Abgasnormen â wie zum Beispiel der Euro-Norm in der EU â und eine verbesserte LĂ€rmkapselung des Antriebs. Dadurch hat der Oberleitungsbus einen Teil seines ökologischen Vorteils eingebĂŒĂt. Zudem ist der Beitrag des Verkehrssystems zum globalen Klimaschutz verschwindend gering. So kommen weltweit auf circa 600 Millionen[110] Kraftfahrzeuge nur etwa 40.000 Oberleitungsbusse.
Subjektiv wird auĂerdem die Oberleitung manchmal als unĂ€sthetisch empfunden, vor allem in historischen Ortskernen. Dies gilt insbesondere fĂŒr komplizierte Oberleitungsanlagen im Bereich von Verzweigungen oder Kreuzungen und fĂŒr die oft massiven Oberleitungsmasten. Hierbei spricht man manchmal auch von einer visuellen Umweltverschmutzung. Feuerwehren kritisieren mitunter, dass aufgrund der FahrdrĂ€hte in engen HĂ€userschluchten keine Drehleitern verwendet werden können. AuĂerdem mĂŒssen bei StraĂenumbauten die Fahrleitungen stets an die neue Verkehrslage angepasst werden. Selbst wenn nur Fahrstreifen ummarkiert werden, ist dies oft mit hohen Kosten verbunden. Wird ein an der Strecke liegendes GebĂ€ude abgerissen, mĂŒssen die Oberleitungsrosetten auf Kosten der Verkehrsunternehmen durch provisorische Masten ersetzt werden.
Aufgrund der höheren Lebensdauer von Oberleitungsbussen können Innovationen im Fahrzeugbau nicht so schnell umgesetzt werden wie bei Dieselbussen. So verkehren in vielen StÀdten noch Hochflur-Oberleitungsbusse, wÀhrend die Omnibusflotte lÀngst auf Niederflurwagen umgestellt wurde. Ein weiteres Beispiel ist die Weiterentwicklung der Fahrgastinformation, so gelten beispielsweise Rollbandanzeigen mittlerweile als veraltet.
Um den verĂ€nderten Anforderungen von FahrgĂ€sten und Verkehrsbetrieben gerecht zu werden, mĂŒssen O-Busse daher hĂ€ufig fĂŒr ihre letzten Einsatzjahre modernisiert werden, auch Retrofit genannt. Mit zunehmendem Alter immer problematischer wird dabei die Beschaffung von Ersatzteilen fĂŒr die oft schon nach wenigen Jahren veraltete Elektronik. Damit erreichen heutige Obusse nicht mehr die Lebensdauer der technisch einfacheren, aber robusten Fahrzeuge aus dem Zeitalter der klassischen Steuerungen. Damit geht ein weiterer Vorteil gegenĂŒber dem Omnibus verloren. Im Gegensatz dazu sind Omnibusmotoren im Laufe der Jahrzehnte deutlich zuverlĂ€ssiger geworden, zudem beschleunigen sie schneller als die frĂŒher verwendeten Antriebe.
Bedingt durch die hohen Spannungen und Ströme, die fĂŒr den Antrieb des O-Busses notwendig sind, kann es zu BrĂ€nden in der elektrischen Anlage kommen. Eine gewisse GefĂ€hrdung besteht auch durch Ăberspannung infolge von BlitzeinschlĂ€gen in die Oberleitung. Nicht selten kommt es daher bei Gewittern zu erheblichen Betriebsstörungen.[111] DafĂŒr ist die vom Motor ausgehende Brandgefahr deutlich geringer als bei einem Dieselfahrzeug. Mit steigenden Rohstoffpreisen fĂŒr Buntmetalle steigt zudem, insbesondere in wirtschaftlich schwĂ€cheren Staaten, die Gefahr des Fahrleitungsdiebstahls wĂ€hrend der nĂ€chtlichen Betriebsruhe. Dies kann zu lĂ€nger andauernden Streckenunterbrechungen fĂŒhren und verursacht zusĂ€tzliche Reparaturkosten.
Um die infrastrukturell bedingte UnflexibilitĂ€t eines Oberleitungsbusses etwas zu kompensieren, besitzen die meisten Obus-Typen heute zusĂ€tzlich einen Verbrennungsmotor als Hilfsantrieb, auch Notfahrgruppe, Notfahraggregat oder Hilfsaggregat genannt. Er wird meistens mit Dieselkraftstoff betrieben und ermöglicht es, mit verminderter Geschwindigkeit sowie mit begrenzter Reichweite â das heiĂt mit einem vergleichsweise kleinem Kraftstofftank â ohne den Strom aus der Oberleitung weiterzufahren. In aller Regel wirkt dieser Zusatzantrieb dabei als Stromerzeugungsaggregat fĂŒr den regulĂ€ren Elektromotor, er funktioniert also nach dem dieselelektrischen Prinzip.
Selten sind hingegen Hilfsantriebe, die per Getriebe direkt auf eine der Achsen wirken. Bekanntestes Beispiel einer solchen Lösung sind die 100 Gelenkwagen des Typs O 405 GTZ, bei ihnen wirkt der Hilfsmotor auf die zweite, der Elektromotor hingegen auf die dritte Achse. Vorteil dieser Lösung: im Winterbetrieb kann das Notfahraggregat ergĂ€nzend zum Elektromotor hinzugeschaltet werden, so dass auch bei glatten StraĂen eine ausreichende Traktion besteht. Noch weniger verbreitet sind mit Benzin betriebene Ottomotoren als Hilfsantrieb.
Benutzt wird der Hilfsmotor vor allem:
Dauert eine Störung lĂ€nger an, wird oft stationĂ€res Personal abgestellt, um den Fahrern das Abdrahten und Wiederanlegen der Stromabnehmer abzunehmen. Dies hilft gröĂere VerspĂ€tungen zu vermeiden.
Zu den ersten Obussen mit Hilfsmotor gehörten die Wagen des Typs ĂHIIIs die ab 1952 in Rheydt eingesetzt wurden, zum Einsatz kam ein 25 PS starker KĂ€fer-Motor von Volkswagen.[112] Zuvor wurden O-Busse im Rahmen der oben geschilderten FĂ€lle hĂ€ufig mit Pferden, Traktoren, Elektrokarren, Lastkraftwagen, StraĂenbahnen, anderen O-Bussen, Dieselbussen, Tiefladern, per Schleppkabel, mit Muskelkraft, mit Schwung oder unter Ausnutzung eines GefĂ€lles fortbewegt, so wie dies bei Typen ohne Hilfsmotor bis heute der Fall ist. Selbst auf ebenen Strecken erreichen die O-Busse mit dem vergleichsweise leistungsschwachen Hilfsantrieb nur geringe Geschwindigkeiten, weshalb EinsĂ€tze im Fahrgastbetrieb eher selten sind. So leistet der Hilfsmotor beim oben erwĂ€hnten Typ O 405 GTZ nur 72 Kilowatt, gegenĂŒber 205 Kilowatt beim Serienmotor.[113] In Esslingen ist die Hilfsaggregat-Leistung des dort eingesetzten Typs AG 300 T beispielsweise so bemessen, dass Steigungen von acht Prozent, mit mindestens 30 km/h ĂŒber einen Zeitraum von fĂŒnfzehn Minuten befahren werden können.[114] Zudem sind Hilfsmotoren typischerweise sehr laut.
In den letzten Jahren geht der Trend immer mehr dazu, den Hilfsantrieb abschnittsweise auch im regulĂ€ren Fahrgastbetrieb einzusetzen. Auf diese Weise sind LinienverlĂ€ngerungen möglich, ohne dass neue Fahrleitungsanlagen installiert werden mĂŒssen. Dies wird vorrangig bei selten bedienten Linienabschnitten praktiziert. Eine Vorreiterrolle in diesem Zusammenhang spielte wiederum Rheydt, wegen der Elektrifizierung der Bahnstrecke MönchengladbachâGeneicken mussten die Obusse dort ab 1968 die BahnĂŒbergĂ€nge Kabelwerk und DĂŒsseldorfer StraĂe mit dem Hilfsmotor ĂŒberqueren.[115] Ebenso beim ehemaligen Oberleitungsbus Kapfenberg â dort verkehrte bereits von 1986 bis 2000 die Linie nach Winkl planmĂ€Ăig unter Zuhilfenahme 55 Kilowatt starker Hilfsantriebe.
Insbesondere in Mittelosteuropa erfreut sich diese Betriebsform in jĂŒngster Zeit zunehmender Beliebtheit, wobei tendenziell immer stĂ€rkere Hilfsmotoren verwendet werden. Bei Gelenkwagen leisten diese Zusatzantriebe dabei mittlerweile bis zu 100 Kilowatt. Diesel-Hilfsmotoren im planmĂ€Ăigen Einsatz findet man aktuell in Hradec KrĂĄlovĂ© (Linie 1 seit 2001), Debrecen (Linie 3E seit 2005), PlzeĆ (Linie 13 seit 2005 und Linie 12 seit 2006), Bratislava (Linie 33 seit 2006), Opava (Linie 221 seit 2006), MariĂĄnskĂ© LĂĄznÄ (Linien 6 und 7 seit 2007), ZlĂn (Linie 3 seit 2007 und Linie 11 seit 2009), Riga (Linien 9 und 27 seit 2009), Rimini (Linie 11 seit 2009), Solingen (Linie 683 seit 2009) und beim Trolleybus Freiburg (Linie 2 seit 2010). Beim Oberleitungsbus CastellĂłn de la Plana wenden die Kurse der Linie T1 seit 2008 per Hilfsmotor an der provisorischen Endstelle Parque Ribalta, die Oberleitung endet dort stumpf vor einem Kreisverkehr.
Eine weitere Möglichkeit, O-Busse ohne Hilfsantrieb und ohne Oberleitung fortzubewegen, sind sogenannte GeneratoranhĂ€nger, wenngleich solche derzeit nirgendwo auf der Welt planmĂ€Ăig verwendet werden.
Der ab 1979 eingesetzte Duo-Bus, auch bimodaler Bus genannt, ist eine Weiterentwicklung des Hilfsantriebs. Bei ihm fungiert der Dieselantrieb als vollwertiger Alternativmotor mit eigenem Antriebsstrang. Die Fahrzeuge können somit die jeweiligen Vorteile beider Antriebsarten nutzen. Sie werden teils auf Strecken mit gemischtem Betrieb eingesetzt, teils als flexibel einsetzbare Reservefahrzeuge. Bisher wurden weltweit etwas mehr als 400 Duo-Busse gebaut. Die aufwÀndigere Konstruktion und das erhöhte Gewicht gehen jedoch zu sehr zu Lasten der Wirtschaftlichkeit. Daher schieden die Duo-Busse bei den meisten Betrieben schon nach vergleichsweise kurzer Zeit wieder aus dem Bestand.
Als weltweit erster Obus mit zusĂ€tzlichem Batterieantrieb gilt der 1898 gebaute Elektrische StraĂenbahn-Omnibus von Siemens & Halske, bei diesem frĂŒhen VorlĂ€ufer handelte es sich um ein Zweiwegefahrzeug.
Aus Italien stammte die erstmalige Ausstattung von Obussen mit einer Batterie-Notfahreinrichtung ab den 1930er-Jahren, italienisch marcia di emergenza ad accumulatori genannt. Mit ihr konnten die entsprechend ausgerĂŒsteten Obusse im Notfall beziehungsweise bei Störungen wie Stromausfall oder Schaden an der Oberleitung bei reduzierter Geschwindigkeit noch etwa 500 bis 750 Meter aus eigener Kraft zurĂŒcklegen. Vor allem die groĂen dreiachsigen Obusse der Typen Alfa Romeo 110 AF, Alfa Romeo 140 AF und Fiat 672 waren serienmĂ€Ăig mit einer dieser speziellen aus Akkumulatoren gespeisten Anlagen ausgestattet â ganz gleich, ob die elektrische AusrĂŒstung von der Compagnia Generale di ElettricitĂ (CGE), der Tecnomasio Italiano Brown Boveri (TIBB), von Magneti Marelli oder von Ansaldo stammte.
Bei der Batterienotfahrt handelt es sich um eine in Reihe geschaltete Gruppe von sechs Blei-SĂ€ure-Akkus mit einer Spannung von je zwölf Volt (zusammen 72 Volt) und einer Nennladung â auch ungenau als KapazitĂ€t bezeichnet â von 120 Ah. Fortschrittlich war auch die weitere Ausstattung mit einem Ladeumformer (LOV) fĂŒr eine konstante Ladespannung von 14,2 Volt und eine PrĂŒfeinrichtung fĂŒr den Isolationswiderstand.
Solche oder ganz Àhnliche Notfahreinrichtungen waren zum Teil auch bei kleineren zweiachsigen Obussen aus italienischer Herstellung auf Wunsch lieferbar und waren daher auch zum Teil bei diesen zu finden. Einige Obus-Betriebe in Italien verzichteten in den 1950er-Jahren auf diese Notfahrhilfe, so dass sie in manchen FÀllen wieder entfernt wurde.
Das Konzept der Batterienotfahrt wurde spÀter auch andernorts aufgegriffen. So statteten beispielsweise die Berliner Verkehrs-Betriebe ihre sieben Mitte der 1950er-Jahre beschafften Gaubschat-Obusse mit einer solchen Einrichtung aus.[116] Noch heute werden Oberleitungsbusse mit Batterienotfahreinrichtung hergestellt, etwa durch die russische Firma Trolsa. Deren Batterien ermöglichen es, 800 Meter ohne den Strom aus der Fahrleitung weiterzufahren.[117]
Nachdem der Versuch mit batteriebetriebenen Duo-Bussen in Esslingen (1975 bis 1981) scheiterte, griff man die Idee batteriegespeister Oberleitungsbusse in jĂŒngster Zeit neu auf. UrsĂ€chlich fĂŒr diese Renaissance ist vor allem die Fortentwicklung der Batterietechnik in den vergangenen Jahren.
Die heutigen Batterie-Zusatzantriebe fungieren â anders als bei den erfolglosen Duo-Bussen in Esslingen â lediglich als ergĂ€nzender Hilfsantrieb, so zum Beispiel in Landskrona. Dort erreichen die O-Busse schon seit 2003 ihr abseits der Strecke gelegenes Depot im Batteriemodus, die Reichweite der dort verwendeten Nickel-Metallhydrid-Akkumulatoren betrĂ€gt â bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h und ohne Passagiere â vier Kilometer.[83] Mittlerweile sind batteriegespeiste Hilfsantriebe in vielen StĂ€dten verbreitet.
Teilweise werden sie dabei auch im regulĂ€ren Fahrgastbetrieb verwendet. Vorreiter dieser Entwicklung war Salzburg, dort befuhren die Obusse der Linie 7 bereits von 1983 bis 1986 den BahnĂŒbergang im Stadtteil Aigen mittels Batterie-Hilfsantrieb im Planverkehr.[118] In Rom verkehrt die 2005 eröffnete Expresslinie 90 auf einem TeilstĂŒck im Batteriemodus. Der fahrleitungslose Abschnitt zwischen der Endstation Termini und der Porta Pia ist dabei rund 1,5 Kilometer lang.[119] Grund fĂŒr diese Lösung ist eine anstehende GroĂbaustelle in diesem Bereich, sie hĂ€tte hĂ€ufige Ănderungen der Fahrleitung zur Folge.
In der chinesischen Hauptstadt Peking ĂŒberqueren O-Busse den fahrleitungslosen Platz des himmlischen Friedens im Batteriebetrieb,[120] auch in Guangzhou setzt man auf diese Betriebsform.[121] Ebenso in der kasachischen Stadt Petropawl, dort wird die im MĂ€rz 2009 eröffnete Linie 6t abschnittsweise im Akkubetrieb bedient.[122] AuĂerdem befahren die spurgefĂŒhrten Translohr-Wagen in der Innenstadt von Padua einen Teilabschnitt mit Hilfe ihrer Akkumulatoren.
Eine weitere Variante des Batterieantriebs bei O-Bussen sind sogenannte BatterieanhÀnger, wenngleich solche derzeit nirgendwo auf der Welt verwendet werden.
Ein neuartiges Konzept ist die Nutzung der Schwungradspeicherung als Hilfsantrieb. Anders als beim erfolglosen Gyrobus â wo das Schwungrad als Hauptantrieb diente â wird heutzutage lediglich die Verwendung als Notfahraggregat forciert. Zu den ersten Trolleybussen mit einem solchen System gehörten die Basler Neoplan-Gelenkwagen die heute im bulgarischen Ruse im Einsatz stehen. Ferner wurde 2006 in Eberswalde ein Obus probeweise mit einem solchen Schwungradhilfsantrieb ausgerĂŒstet. Gespeist wird das Schwungrad aus der beim Bremsen freiwerdenden elektromotorischen Energie. Von Vorteil gegenĂŒber konventionellen Diesel-Hilfsmotoren ist insbesondere die Emissionsfreiheit.
Eng mit dem Oberleitungsbus verwandt sind zahlreiche weitere Systeme, bei denen ebenfalls Busse mittels Elektromotoren angetrieben werden. Die gröĂte Verwandtschaft besteht dabei zum oben erwĂ€hnten Gyrobus, er bezieht seinen Strom ebenfalls ĂŒber Stromabnehmer, die Stromabnahme erfolgt nur stationĂ€r bei Aufenthalten an bestimmten Haltestellen. Zwischen den Aufladepunkten erhĂ€lt er seine Energie von einem Schwungrad zugefĂŒhrt. Gyrobusse werden manchmal ebenfalls den Oberleitungsbussen zugerechnet, der Begriff der Fahrleitung ist dabei weiter zu verstehen.[123] In jĂŒngerer Zeit wurde die Idee des Gyrobusses in modifizierter Form beim Konzept AutoTram wieder aufgegriffen.
Alternativ dazu existieren mit Akkumulatoren beziehungsweise Batterien betriebene Busse nach dem Prinzip des Elektroautos, hierbei erfolgt die Stromabnahme ebenfalls stationĂ€r. Zum Teil verwendet man dabei sogenannte Supercaps, hierbei kann die StromzufĂŒhrung ebenfalls unterwegs bei Haltestellenaufenthalten erfolgen â auch diese Fahrzeuge besitzen Stromabnehmer. In Shanghai wurde 2009 die Obus-Linie 11 auf Supercap-Betrieb umgestellt, die Umstellung der Linie 26 befindet sich in Vorbereitung.[124]
Im Versuchsbetrieb werden seit 1979 Hybridantriebe fĂŒr Busse getestet. Ăhnlich den Duo-Bussen mit vollwertigem Dieselantrieb werden auch Hybridbusse dieselelektrisch betrieben. Sie sind komplett unabhĂ€ngig von Oberleitungen, der oder die Elektromotoren werden ausschlieĂlich vom Stromerzeugungsaggregat gespeist. Dieses Prinzip wird serieller Hybrid genannt. Typisch ist bei Hybridbussen vor allem auch die Speicherung der Bremsenergie in Supercaps oder Batterien, dadurch kann der SchadstoffausstoĂ der Fahrzeuge noch weiter gesenkt werden.[125] Weiter können manche Hybridbusse kĂŒrzere Strecken ausschlieĂlich im elektrischen Betrieb zurĂŒckzulegen. Alternativ zum seriellen Hybrid gibt es auch die Variante des parallelen Hybrids, der zum Beispiel im Solaris Urbino 18 Hybrid Verwendung findet. Dabei wirken Elektromotor und Dieselmotor gleichzeitig auf den Antriebsstrang
Theoretisch ist es möglich, den oder die Elektromotoren eines solchen Hybridbusses â alternativ zum Stromerzeugungsaggregat â gleichfalls ĂŒber Oberleitungen zu speisen. Idealerweise könnte dies im Bereich von steigungsreichen Streckenabschnitten erfolgen, die einen hohen Energieverbrauch verursachen. Dieses Konzept hat bisher keine moderne Verwendung gefunden, die damit verbundenen Nachteile bezĂŒglich Fahrzeuggewicht, Energieverbrauch und KomplexitĂ€t gleichen jenen der Duo-Busse.
Die Unterscheidung zwischen einem Oberleitungsbus mit starkem Hilfsmotor, einem Duo-Bus und einem Hybridbus ist nicht immer eindeutig möglich, denn bei allen drei Systemen wird hauptsĂ€chlich auf einen Antrieb nach dieselelektrischem Prinzip gesetzt. Was heute von den Herstellern Hybridbus genannt wird, ist in einigen FĂ€llen eine Weiterentwicklung von Oberleitungsbustechnik. Darunter beispielsweise die Möglichkeit, mit der beim Bremsen entstehenden Energie die Stromspeicher aufzuladen statt sie ins Fahrleitungsnetz zu rekuperieren. Die jĂŒngste Entwicklung im Bereich dieser alternativen Antriebstechnologien fĂŒr Omnibusse sind Brennstoffzellenbusse, deren Brennstoffzellen-Elektroantrieb basiert dabei auf dem Wasserstoffantrieb.
Bei zahlreichen Obus-Betrieben ist ein Mischverkehr mit Dieselbussen ĂŒblich, meist, weil nicht genĂŒgend O-Busse zur VerfĂŒgung stehen, um auch in Spitzenzeiten alle UmlĂ€ufe elektrisch zu bedienen. Zu unterscheiden ist dabei, ob planmĂ€Ăig nicht auf Dieselbusse verzichtet werden kann, oder ob nur bei einem auĂergewöhnlich hohen Obus-Schadbestand auf Dieselbusse zurĂŒckgegriffen werden muss. Ein Beispiel fĂŒr erstere Variante ist Linz, dort sind nur 19 O-Busse vorhanden, obwohl in der nachmittĂ€glichen Hauptverkehrszeit 20 Kurse erforderlich sind.[126] Weitere Beispiele fĂŒr DieselbuseinsĂ€tze auf Obus-Linien:
Möchte ein Verkehrsbetrieb auf einer Obus-Linie regelmĂ€Ăig oder fallweise Omnibusse einsetzen, so ist dies in den meisten Staaten von der jeweiligen Konzessionsbehörde gesondert zu genehmigen. Viele Verkehrsgesellschaften ersetzen ihre Oberleitungsbusse am Wochenende komplett durch Dieselbusse. Dies ist möglich, da letztere dann mangels Bedarf von anderen Linien abgezogen werden können und auch auf den Obus-Linien selbst weniger Kurse benötigt werden. Aktuelle Beispiele hierfĂŒr sind Coimbra und ValparaĂso, wo an Sonn- und Feiertagen keine O-Busse verkehren. Auch beim Oberleitungsbus Kaiserslautern und beim Oberleitungsbus Kapfenberg war dies in den letzten Betriebsjahren der Fall, meist schon ab Samstag Mittag. Ebenso beim Oberleitungsbus Esslingen am Neckar in den 1970er-Jahren und bei vielen französischen und italienischen Netzen. GröĂter Vorteil hierbei: die Verkehrsbetriebe mĂŒssen keine Turmwagen-Mannschaften im Bereitschaftsdienst vorhalten und ersparen sich dadurch die höheren Personalkosten am Wochenende. Im Winter kann durch solch einen planmĂ€Ăigen Wochenend-Ersatzverkehr auĂerdem die Fahrleitungsenteisung entfallen.
Wird ein solcher Mischverkehr regelmĂ€Ăig durchgefĂŒhrt, so mĂŒssen die FahrplĂ€ne auf die etwas langsameren Dieselbusse abgestimmt werden. Erfolgt dies nicht, ist mit VerspĂ€tungen, einem erhöhten Kraftstoffverbrauch und einem gröĂeren VerschleiĂ bei den eingeschobenen Dieselbussen zu rechnen.
Seinem Charakter nach ist der Oberleitungsbus ein klassisches stĂ€dtisches Verkehrsmittel. Er bedient Relationen innerhalb der Stadtgrenzen, verkehrt bis in die jeweiligen Vororte oder verbindet benachbarte StĂ€dte innerhalb von Agglomerationen beziehungsweise Metropolregionen. Abweichend davon existieren â analog zu ĂberlandstraĂenbahnen beziehungsweise Ăberlandbussen â auch stĂ€dteverbindende Obus-Ăberlandstrecken.
Die bekannteste und derzeit lĂ€ngste Oberleitungsbusstrecke der Welt befindet sich in der Ukraine, sie wird von Krymskyj trolejbus betrieben. Die 86,5 Kilometer lange Route verlĂ€uft auf der Halbinsel Krim und verbindet seit 1959 beziehungsweise 1961 die Stadt Simferopol im Norden mit der KĂŒstenstadt Jalta im SĂŒden, unter anderem verlĂ€uft sie ĂŒber den 752 Meter hohen Angarskyi-Pass. Wichtigste Zwischenstation ist Aluschta, auf diese Weise werden drei stĂ€dtische Obus-Netze miteinander verbunden. Besondere Merkmale der dort eingesetzten Fahrzeuge sind der hohe Sitzplatzanteil mit 2+2-Bestuhlung, das verstĂ€rkte Bremssystem, die Nebelscheinwerfer und die Gardinen. Zudem bestand bis zum 1. August 2009 eine Platzreservierungspflicht. Weitere auĂergewöhnlich lange Ăberlandstrecken sind:
| Usbekistan | UrganchâXiva | 36,3 km | seit 1998 |
| Nordkorea | PjöngjangâP'yĆngsĆng | 32 km | seit 1983 |
| Italien | NeapelâAversa | 20 km | seit 1964 |
| Italien | SanremoâVentimiglia | 16 km | seit 1951 |
| Moldawien | TiraspolâBender | 14 km | seit 1993 |
| RumĂ€nien | Piatra NeamÈâSÄvineÈti | 13 km | seit 1995 |
| Schweiz | VeveyâVilleneuve | 12,75 km | seit 1957 |
| Tschechien | ZlĂnâOtrokovice | 11 km | seit 1953 |
Obus-Ăberlandlinien spielen heute nur noch eine untergeordnete Rolle, der GroĂteil der frĂŒher vorhandenen Strecken wurde im Laufe der Jahre aufgegeben. Problematisch ist neben der weiter oben erwĂ€hnten begrenzten Höchstgeschwindigkeit â welche die Obusse auf AuĂerortsstraĂen mitunter zum Verkehrshindernis werden lĂ€sst â die fehlende Wirtschaftlichkeit. UrsĂ€chlich hierfĂŒr: typischerweise werden Ăberlandstrecken seltener befahren als Stadtlinien â der Unterhaltungsaufwand fĂŒr Oberleitungen und Unterwerke steht damit in einem ungĂŒnstigerem VerhĂ€ltnis zum Nutzen als bei urbanen Linien. AuĂerdem können keine Wandrosetten verwendet werden, statt dessen muss auf die teurere FahrleitungsaufhĂ€ngung mittels Masten zurĂŒckgegriffen werden. Dies wiederum birgt eine höhere Unfallgefahr fĂŒr Kraftfahrer, Ă€hnlich der Problematik auf AlleenstraĂen. In Folge ihrer gröĂeren Höchstgeschwindigkeit ermöglichen Omnibusse auf Ăberlandlinien zudem kĂŒrzere Reisezeiten, aufgrund der groĂen HaltestellenabstĂ€nde und der wenigen Ampelaufenthalte kann der Obus seinen Vorteil der schnellen Beschleunigung hier nur bedingt ausspielen.
Abgesehen von den frĂŒher ĂŒblichen einspurigen Strecken sind Obus-Strecken meist zweispurig, das heiĂt es steht jeder Fahrtrichtung eine Oberleitung zur VerfĂŒgung. Eine Ausnahme stellen beziehungsweise stellten die vierspurigen Abschnitte in Lyon, Simferopol und Teheran dar.
In Lyon steht den Linien C1 und C2 in der MontĂ©e des Soldats zwischen der BrĂŒcke ĂŒber die RhĂŽne und dem Place MarĂ©chal Foch in StraĂenmitte ein Busfahrstreifen zur VerfĂŒgung. Dieser ist aus PlatzgrĂŒnden einspurig ausgefĂŒhrt und wird in Lastrichtung genutzt, das heiĂt morgens stadteinwĂ€rts und abends stadtauswĂ€rts. Weil die Spur baulich von der regulĂ€ren Fahrbahn getrennt ist, besitzt sie ein eigenes Fahrleitungspaar.[132]
Im Stadtgebiet von Simferopol haben die Ăberlandlinien des Krymskyj trolejbus abschnittsweise ein zusĂ€tzliches mittiges Fahrleitungspaar. Dadurch können sie die Kurse der Stadtlinien problemlos ĂŒberholen. Nach dem gleichen Schema existierte beim Oberleitungsbus Teheran bis vor einigen Jahren die 6,9 Kilometer lange Expresslinie 2. Sie verkehrte auf der gleichen Strecke wie die Linie 1, bediente aber nicht alle Zwischenhaltestellen und besaĂ deshalb ebenfalls eine eigene Oberleitung.[133]
In bestimmten FĂ€llen können Oberleitungsbusse auch mit Hilfe einer gewöhnlichen StraĂenbahnoberleitung fortbewegt werden, vorausgesetzt, es handelt sich um einen Streckenabschnitt mit in der StraĂenfahrbahn verlegten Rillenschienen. In BrĂŒssel und in Groningen wurde hierfĂŒr frĂŒher der linke Stromabnehmer an den StraĂenbahnfahrdraht angelegt (Pluspol), die Ableitung erfolgte ĂŒber eine spezielle Kontaktvorrichtung, die in der Rille der linken StraĂenbahnschiene hinterhergezogen wurde (Minuspol).[134] In anderen StĂ€dten setzte man hingegen auf die sogenannten BĂŒgelwagen, die den gleichen Zweck erfĂŒllten.
Vereinzelt gibt es auch Fahrleitungskonstruktionen, bei denen sich Oberleitungsbus und StraĂenbahn einen Fahrdraht teilen (den Plusleiter), wĂ€hrend der zweite Fahrdraht (der Minusleiter) nur durch den Oberleitungsbus benutzt wird. So beispielsweise in San Francisco im Zuge der StraĂenbahnlinie F Market & Wharves. Voraussetzung dafĂŒr ist, dass entweder der Minusleiter etwas höher liegt als der Plusleiter, damit er nicht vom SchleifbĂŒgel der StraĂenbahn berĂŒhrt wird oder die StraĂenbahn nur mit Stangenstromabnehmern fĂ€hrt. In Cincinnati fuhren auch die frĂŒheren StraĂenbahnen unter einer zweipoligen Oberleitung, so dass diese von den dortigen O-Bussen problemlos mitbenutzt werden konnte.
Alternativ dazu wurde in Erfurt seinerzeit zwischen die beiden RichtungsfahrdrĂ€hte der StraĂenbahnlinie 4 ein geerdeter Zusatzfahrdraht fĂŒr den Obus gespannt. Durch diese 2,5 Kilometer lange Sonderkonstruktion konnten die Erfurter O-Busse ihren Betriebshof an der heutigen Magdeburger Allee erreichen.[135] Eine gleichartige Anlage, also ebenfalls mit zusĂ€tzlichem Minusdraht, existierte in Berlin-Spandau. Dort konnten aus- und einrĂŒckende O-Busse in der KlosterstraĂe und in der Pichelsdorfer StraĂe die Fahrleitungen der StraĂenbahn mitbenutzen.[136] In Kiel wurde der Minusdraht seitlich zur eingleisigen StraĂenbahnstrecke durch die KaistraĂe und die BahnhofstraĂe montiert. So konnte dieser Abschnitt gemeinsam mit der StraĂenbahnlinie 7 benutzt werden.[137]
BrĂŒnn: Fortbewegung mittels StraĂenbahnoberleitung anlĂ€sslich einer Fahrzeugparade
Analog zu OmnibusanhĂ€ngern werden in der Schweiz beim Trolleybus Lausanne und beim Trolleybus Luzern bis heute AnhĂ€nger hinter Oberleitungsbussen verwendet, auch PersonenanhĂ€nger genannt. Die Verkehrsbetriebe Luzern setzen 16 NiederfluranhĂ€nger ein, der Transports publics de la rĂ©gion lausannoise stehen 53 AnhĂ€nger zur VerfĂŒgung, davon sind 30 niederflurig. Die AnhĂ€nger erlauben einen wirtschaftlicheren Betrieb, weil sie â im Gegensatz zu Gelenkwagen â bedarfsgerecht eingesetzt werden können, das heiĂt nur in den Hauptverkehrszeiten. Ferner ist die GesamtkapazitĂ€t eines solchen Gespanns höher als bei einem Gelenkwagen. AuĂerdem wird auf diese Weise auch im Zusammenspiel mit Ă€lteren Hochflur-Obussen ein barrierefreier Einstieg gewĂ€hrleistet. Rechtlich betrachtet sind die AnhĂ€nger in der Schweiz Teil des Gesamtsystems Trolleybus, so benötigen sie beispielsweise ebenfalls keine Kontrollschilder. AuĂerdem verwendet wurden sie bis 1991 beim Trolleybus St. Gallen und bis Mitte der 1990er-Jahre beim Trolleybus VeveyâVilleneuve.
Solche AnhĂ€ngewagen waren sowohl bei Oberleitungsbussen als auch bei Dieselbussen bis in die 1960er-Jahre auch in vielen anderen Staaten verbreitet, Obus-AnhĂ€nger fand man unter anderem in Westdeutschland, der DDR, der Tschechoslowakei, in Ungarn und in Ăsterreich â dort zuletzt 1974 in Salzburg. In der Sowjetunion verkehrten einst AnhĂ€nger, die aus alten MTB-82-Obussen umgebaut wurden, so in Moskau, Leningrad, Riga und Tiflis. Hierbei handelte es sich um Eigenumbauten der jeweiligen Verkehrsbetriebe. Einzelne Obus-AnhĂ€nger aus St. Gallen gelangten noch 1992 gebraucht nach Warschau, wo sie bis zur Einstellung des Betriebs 1995 im Einsatz waren. Neun weitere kamen in den Jahren 2003 und 2004 von Lausanne ins rumĂ€nische Sibiu, wo aber 2009 ebenfalls der Obusbetrieb eingestellt wurde.
Manche Verkehrsunternehmen verwendeten die gleichen Fahrzeuge flexibel mal hinter O-Bussen und mal hinter Dieselbussen, so etwa die Berliner Verkehrsbetriebe, die Stadtwerke OsnabrĂŒck, die StĂ€dtischen Verkehrsbetriebe Bern, die Verkehrsbetriebe der Stadt St. Gallen, die Verkehrsbetriebe STI oder die Wiener Stadtwerke â Verkehrsbetriebe. SpĂ€ter gab man den AnhĂ€ngerbetrieb fast ĂŒberall zugunsten von Gelenkfahrzeugen auf. Teilweise ist die Personenbeförderung mit AnhĂ€ngern auch gesetzlich verboten worden, so beispielsweise in Westdeutschland gemÀà der StVZO seit dem 1. Juli 1960. In der DDR war dies ab 1978 der Fall, lediglich in Eberswalde verkehrten aufgrund einer Ausnahmegenehmigung noch bis 1985 Obus-AnhĂ€nger.
Die AnhĂ€nger werden analog zur StraĂenbahn manchmal auch als Beiwagen bezeichnet, im Gegensatz dazu nannte man die eigentlichen O-Busse frĂŒher oft Triebwagen oder Motorwagen. Zusammen bildet ein solches Gespann einen sogenannten Obus-Zug, auch Obus-AnhĂ€ngerzug beziehungsweise Obus-HĂ€ngerzug genannt. In der Schweiz spricht man von einer AnhĂ€ngerkomposition. Bei den Rheintalischen Verkehrsbetrieben verkehrten bis 1977 sogar DreiwagenzĂŒge, bestehend aus einem Trolleybus, einem Beiwagen und einem einachsigen GepĂ€ckanhĂ€nger.[138] Auf der Ăberlandlinie ThunâBeatenbucht betrieb die Schweizerische Post von 1952 bis 1982 ferner zwei eigene TrolleybusanhĂ€nger zur Beförderung von Bahnpost.[139] Eine Sonderform stellte der ES6 dar, bei diesem in der DDR entwickelten Prototyp war der AnhĂ€nger als Sattelauflieger ausgefĂŒhrt. In Deutschland, Ăsterreich und der Sowjetunion kennzeichnete man den Motorwagen eines Obus-Zugs ĂŒblicherweise mit einem AnhĂ€ngerdreieck. In Italien und Ăsterreich wurden die NachlĂ€ufer von Gelenkwagen frĂŒher rechtlich ebenfalls als AnhĂ€nger eingestuft.
In gewisser Weise problematisch ist beim Obus-AnhĂ€ngerbetrieb die sogenannte Schleppkurve. UrsĂ€chlich hierfĂŒr ist die Position der Stromabnehmer bei einem solchen Gespann. Sie sind â anders als etwa beim Gelenkwagen â vergleichsweise weit vorne angeordnet. Um eine Stangenentdrahtung zu vermeiden, kann der Fahrer eines Obus-Zugs beim Abbiegevorgang nicht so weit ausholen, wie dies aus fahrdynamischen GrĂŒnden sinnvoll wĂ€re. Deshalb ist ein Einsatz derartiger Kompositionen bei engen Kurvenradien schwierig beziehungsweise erfordert eine entsprechende Anpassung der Fahrleitungsanlage. Kompensiert wird das Problem auĂerdem durch gelenkte Hinterachsen sowie AbschrĂ€gungen im Heckbereich, Ă€hnlich den sogenannten Hechtwagen im Schienenverkehr.
Historischer AnhÀngerzug in Brno
AnhÀngerbetrieb bei der Ludwigsburger Oberleitungs-Bahn
In der Sowjetunion beziehungsweise in ihren Nachfolgestaaten verkehren seit 1960 Doppeltraktionen bestehend aus jeweils zwei angetriebenen Solo-Obussen. Diese permanent miteinander gekuppelten Obus-ZĂŒge sind circa 25 Meter lang und wurden aus drei verschiedenen Typen gebildet, zusammen existierten etwa 750 Einheiten:[140]
| 51 MTB-82D | Minsk ab 1960 (ein Prototypzug) Kiew ab 1966 (51)[141] Moskau ab 1970 (ein Prototypzug) |
| 481 Ć koda 9Tr | Kiew ab 1968 (296) Riga ab 1976 (101) Dnipropetrowsk (22) Sewastopol ab 1976 (zehn) Tallinn ab 1981 (30) Charkiw (zehn) Horliwka (sechs) Simferopol (drei) Mariupol (einer) Sochumi (einer) Jerewan (einer) |
| mindestens 212 SiU-9 | Moskau ab 1972 (zwei PrototypzĂŒge, nicht im Regelbetrieb) Almaty ab 1981 (sechs) Sankt Petersburg ab 1982 (116) Nischni Nowgorod ab 1983 (fĂŒnf) Samara (elf), Tschita (vier) und Omsk (drei) ab 1986 Nowosibirsk (mindestens 25), Donezk (zehn) und Charkiw (zwei) ab 1989 Cherson (zehn), Mykolajiw (Anzahl unbekannt) und Odessa (vier) ab 1990 Togliatti (einer), Kemerowo (vier) und Krasnodar (fĂŒnf) ab 1991 Tscheljabinsk ab 1994 (zwei) Altschewsk ab 1998 (einer) Sumy (einer) |
Die Doppeltraktionen entstanden dabei erst nachtrĂ€glich aus zuvor ab Werk gelieferten serienmĂ€Ăigen Obussen. In fast allen dieser StĂ€dte wurde der Einsatz gekuppelter Obusse in den 1990er Jahren aufgegeben, nur in Krasnodar sind bis heute noch fĂŒnf SiU-9-Gespanne im Einsatz. Ein weiterer Zug blieb in Sankt Petersburg museal erhalten.
Als Besonderheit sind bei diesen Doppeltraktionen aus fahrdynamischen GrĂŒnden nur die Stromabnehmer eines Wagens angelegt. Beim MTB-82D war dies der vordere Wagen, bei den ĂŒbrigen Baureihen hingegen der gefĂŒhrte Wagen. Mit dieser Modifikation umging man die auch vom gewöhnlichen AnhĂ€ngerbetrieb bekannten Probleme mit der Schleppkurve. Das Fahrzeug ohne Kontakt mit der Oberleitung bezieht seinen Fahrstrom aus einem Verbindungskabel zwischen den beiden Wagen, die Sollwertgeber beider Obusse sind parallel geschaltet. Die Lenkung des gefĂŒhrten Fahrzeugs erfolgt im Gegensatz dazu rein mechanisch mittels der Kupplungsstange, vergleichbar einer Deichsel. Die ZĂŒge besitzen keine Druckluft-Verbindung, die Bremsen des hinteren Wagens werden deshalb ĂŒber Magnetventile elektrisch angesteuert. Scherengitter oder Seile zwischen den beiden Wagen verhindern, dass Passanten unbefugt die Kupplung ĂŒbersteigen oder an den Haltestellen zwischen die Fahrzeuge gedrĂ€ngt werden. Die fĂŒr den Einsatz in Doppeltraktionen modifizierten Obusse können nicht einzeln eingesetzt werden, Ă€hnlich den Zwillingstriebwagen bei der StraĂenbahn. Unter anderem wurden bei den gefĂŒhrten Wagen in der Regel die FĂŒhrerstandseinrichtungen und die Frontscheinwerfer entfernt. Ebenso wie bei konventionellen AnhĂ€ngerzĂŒgen war frĂŒher auĂerdem das vordere Fahrzeug einer Doppeltraktion mit einem AnhĂ€ngerdreieck versehen.
Der Vorteil der Doppeltraktionen liegt in der um circa ein Drittel höheren BeförderungskapazitĂ€t gegenĂŒber einem Gelenkfahrzeug sowie dem geringeren Personalbedarf gegenĂŒber zwei einzeln fahrenden Wagen. Zudem wurden in der UdSSR von 1964 bis 1986 keine Gelenkobusse produziert, auch in den Partnerstaaten im Rat fĂŒr gegenseitige Wirtschaftshilfe waren solche erst mit Beginn der 1980er Jahre erhĂ€ltlich.
Nachteile der Gespanne sind ihre die geringere Wendigkeit, der gröĂere Energieverbrauch und der erhöhte Wartungsaufwand. AuĂerdem mĂŒssen sie aus SicherheitsgrĂŒnden mit gedrosselter Geschwindigkeit verkehren, unter anderem, weil bei einer etwaigen Zugtrennung keine Zwangsbremsung erfolgen kann. In Moskau wurde ihr Betrieb 1986 durch die Verkehrspolizei verboten. Als Erfinder der Obus-ZĂŒge gilt Wladimir Weklitsch aus Kiew.[142] Die ukrainische Hauptstadt war auch der Haupteinsatzort der Obus-ZĂŒge, dort wurden im Laufe der Jahre 345 Paare gebildet.
AuĂerhalb der ehemaligen Sowjetunion verkehrten nur in der bulgarischen Hauptstadt Sofia ab 1976 kurzzeitig drei Obus-Doppeltraktionen (9Tr). DiesbezĂŒgliche Testreihen fĂŒhrte man darĂŒber hinaus 1986 in Hradec KrĂĄlovĂ© mit einem fĂŒr die Sowjetunion entwickelten Ć koda 14Tr-Zug durch, spĂ€ter unternahm dieser auch Probefahrten in Riga und Kiew. Ferner experimentierten die Verkehrsbetriebe in Charkiw bereits 1970 mit einer Kiew-4-Doppeltraktion, die Ergebnisse befriedigten nicht.[143]
SpurgefĂŒhrte O-Busse sind mit einer automatischen SpurfĂŒhrung ausgerĂŒstet und können daher auf einer vom allgemeinen StraĂenverkehr abgetrennten Sondertrasse fahren, beispielsweise in engen U-Bahn-Tunnelstrecken. Ferner ermöglichen sie den reibungslosen Einsatz lĂ€ngerer Einheiten, darunter mehrgliedrige Gelenkwagen beziehungsweise Mehrfachtraktionen. AuĂerdem können spurgefĂŒhrte Wagen enge Kurvenradien besser bewĂ€ltigen.
Vorreiter war hier die Firma Daimler-Benz, sie unterhielt bereits Anfang der 1980er-Jahre auf dem Mercedes-Benz-WerksgelĂ€nde in Rastatt unter Ausschluss der Ăffentlichkeit eine elektrifizierte Spurbus-Versuchsanlage. Dort verkehrten auf gleicher Strecke sowohl regulĂ€re Einrichtungs-Oberleitungsbusse mit zwei Stromabnehmerstangen, als auch ein Zweirichtungs-Versuchsfahrzeug mit StraĂenbahn-typischen Einholmstromabnehmern. Bei letzterem Wagen floss RĂŒckstrom ĂŒber die seitliche SpurfĂŒhrung ab. Die zweipolige Hochketten-Oberleitung war höhenversetzt ausgefĂŒhrt, der Einholmstromabnehmer des Zweirichtungsfahrzeugs berĂŒhrte somit den Minusdraht der Einrichtungsfahrzeuge nicht. Ferner war dieses Zweirichtungs-Versuchsfahrzeug der weltweit erste Doppelgelenk-Oberleitungsbus. Der 24 Meter lange Wagen mit frei schwebendem Mittelteil wurde als Typ O 305 GG bezeichnet, er basierte auf dem einfachen Gelenkbus O 305 G.[144]
Auf die Rastatter Versuche aufbauend verkehrten ab Mai 1983 auf einer 1,0 Kilometer langen Pilotstrecke in Essen-Stadtwald zunĂ€chst zwei spurgefĂŒhrte Duo-Busse im planmĂ€Ăigen Fahrgastbetrieb. Ab 1986 erweiterte man diesen Betrieb zu einem GroĂversuch, hierzu beschaffte man 18 weitere Duo-Busse. Das Essener Konzept bewĂ€hrte sich nicht, der elektrische Betrieb wurde im September 1995 aufgegeben. SpurgefĂŒhrte Dieselbusse hingegen werden in Essen bis heute eingesetzt.
Eine weiteres Projekt dieser Art verfolgte ab 1997 die brasilianische Stadt SĂŁo Paulo. Unter den Produktbezeichnungen VeĂculo Leve sobre Pneus (VLP) beziehungsweise fura-fila sollten dort spurgefĂŒhrte Doppelgelenk-Obusse Ă€hnlich einer Hochbahn auf aufgestĂ€nderten Trassen verkehren. Das Konzept kam allerdings ĂŒber den Bau eines Prototyps und einer am 30. September 2000 eröffneten 2,8 Kilometer langen Pilotstrecke nicht hinaus. Schon Anfang 2001 stellte die Stadt das Vorhaben ein, auf der betreffenden Strecke verkehren heute konventionelle Omnibusse.[145]
Einige Jahre spĂ€ter wurde die Idee spurgefĂŒhrter und mehrteiliger Oberleitungsbusse in Frankreich wieder aufgegriffen und modifiziert, jetzt mit mittiger statt seitlicher SpurfĂŒhrung. MaĂgeblich hierfĂŒr waren die Firmen Bombardier mit dem System Transport sur Voie RĂ©servĂ©e (TVR) und in Konkurrenz dazu Lohr Industrie mit dem System Translohr. Derartige Systeme werden aktuell bei der Tramway de Nancy (seit 2001), bei der Tramway de Caen (seit 2002), bei der Tramway de Clermont-Ferrand (seit 2006), in Tianjin (seit 2006), in Padua (seit 2007), in Shanghai (seit 2009) und in Mestre (seit 2010) angewandt. Ein weiteres befindet sich in LâAquila im Aufbau.
Ăhnlich wie das Daimler-Benz-Versuchsfahrzeug O 305 GG auf der Rastatter Versuchsanlage verkehren auch die TVR- und Translohr-Obusse â ausgenommen in Nancy â ausschlieĂlich spurgefĂŒhrt. Es kommen dabei ebenfalls einpolige Oberleitungen und Einholmstromabnehmer zur Anwendung, der RĂŒckstrom flieĂt in die mittige FĂŒhrungsschiene. Die Definition dieser Systeme als Oberleitungsbus ist umstritten, insbesondere gilt dies fĂŒr das System Translohr. Vielfach werden sie deshalb auch als StraĂenbahn auf GummirĂ€dern klassifiziert. Die französische Originalbezeichnung dafĂŒr lautet tramway sur pneumatiques, in der Schweiz spricht man von einem Pneu-Tram:
Ebenfalls spurgefĂŒhrt verkehrt der 2008 eröffnete Oberleitungsbus CastellĂłn de la Plana; dort kommt ein optisches System in Form von auf die Fahrbahn aufgemalten Leitlinien zur Anwendung. Diese werden von einer Kamera ĂŒber der Frontscheibe der Wagen gescannt, das Prinzip wird unter der Bezeichnung CiVis vermarktet.
System Translohr in Clermont-Ferrand, ebenso ausschlieĂlich spurgefĂŒhrt
Translohr-Gleiswechsel, die Reifenspuren sind deutlich zu erkennen
Auf der Basis konventioneller Doppelgelenkbusse entstanden vereinzelt auch dreiteilige Oberleitungsbusse ohne SpurfĂŒhrung, in der Schweiz auch Megatrolley(bus), DGT fĂŒr Doppelgelenktrolley(bus) oder Longo genannt. Wichtigster Vertreter dieser Gattung ist die Schweizer Hess-Vossloh Kiepe lighTram, insgesamt 37 Wagen dieses Typs verkehren aktuell in Genf, Luzern, St. Gallen und ZĂŒrich. Zwei diesbezĂŒgliche Versuchsfahrzeuge auf Basis Ă€lterer Hochflur-Gelenktrolleys existierten zuvor bereits in St. Gallen und Genf. GröĂter Vorteil dieses Konzepts ist die höhere KapazitĂ€t bei gleichbleibendem Personalbedarf, Investitionen in die SpurfĂŒhrung entfallen. Problematisch sind bei Doppelgelenkwagen ohne SpurfĂŒhrung hingegen die Wendigkeit und die LĂ€nge der Fahrzeuge. FĂŒr den planmĂ€Ăigen Einsatz mussten beispielsweise in ZĂŒrich einzelne Haltestellen umgebaut werden.
Zuvor testete bereits die Verkehrsgesellschaft R.A.T.B. in der rumĂ€nischen Hauptstadt BucureÈti einen Doppelgelenk-Obus. Hierbei handelte es sich um den 1988 in den eigenen WerkstĂ€tten entstandenen Prototyp mit der Betriebsnummer 7091.[146] Entsprechende PlĂ€ne der Firma Ć koda â die Arbeitstitel dieser Projektstudien lauteten 19Tr, 20Tr und 23Tr â wurden hingegen bisher nicht verwirklicht.
In manchen StĂ€dten verkehren Oberleitungsbusse im Tunnel, Ă€hnlich einer U-Bahn beziehungsweise UnterpflasterstraĂenbahn. Von Vorteil ist hierbei der abgasfreie Betrieb im Vergleich zu Dieselbussen, insbesondere, wenn unterirdische Haltestellen passiert werden, wo FahrgĂ€ste warten. Ebenso das problemlose Bezwingen von Tunnelrampen.
So beispielsweise bei der Essener Verkehrs-AG, bei der die Duo-Busse auf den beiden CityExpress-Linien 45 und 47 vom 9. November 1991 bis 24. September 1995 spurgefĂŒhrt durch die unterirdische Ost-West-Spange verkehrten und dort auch die vier Zwischenstationen bedienten. Der Gleiskörper war entsprechend mit Holzbohlen ausgestattet. Das System erwies sich als anfĂ€llig fĂŒr Betriebsstörungen, immer wieder ĂŒbertrugen sich die durch die Belastung der Bohlen hervorgerufenen Schwingungen auf die Stromabnehmer. Dies wiederum fĂŒhrte zum AbreiĂen der Fahrdraht-AufhĂ€ngungen, damit war der Tunnel auch fĂŒr die dort verkehrenden Bahnen unpassierbar.[147]
Der Oberleitungsbus Cambridge und der Oberleitungsbus Boston in den Vereinigten Staaten besitzen ebenfalls je einen unterirdischen Streckenabschnitt mit einer beziehungsweise drei unterirdischen Stationen. WĂ€hrend der circa zwei Kilometer lange Tunnel in Boston 2004 eigens fĂŒr Oberleitungsbusse eröffnet wurde, ist der sogenannte Harvard Bus Tunnel ein ehemaliger StraĂenbahntunnel, der heute gemeinsam von O-Bussen und Dieselbussen befahren wird.
Und auch in Seattle existierte von September 1990 bis September 2005 eine 2,1 Kilometer lange Obus-Tunnelstrecke mit drei unterirdischen Zwischenstationen, Downtown Seattle Transit Tunnel genannt. Dieser wird aktuell nur noch von Dieselbussen und Stadtbahnen passiert. Im Gegensatz zum Essener Spurbus-Tunnel setzte man in Seattle auf Rillenschienen, die eine geschlossene Fahrbahndecke fĂŒr die O-Busse ermöglichten.
Ein weiterer Trolleybustunnel mit fĂŒnf unterirdischen Stationen bestand von 1976 bis 1988 im mexikanischen Guadalajara. Hierbei handelte es sich um eine Notlösung â der etwa fĂŒnf Kilometer lange Tunnel war ursprĂŒnglich fĂŒr eine U-Bahn vorgesehen, diese konnte aus KostengrĂŒnden nicht realisiert werden. Seit 1988 wird die Anlage von einer Stadtbahn genutzt.[63]
Ferner verkehren die einzigen beiden japanischen Obus-Linien unterirdisch â der Kanden Tunnel Trolleybus teilweise und der Tateyama Tunnel Trolleybus komplett. Bei letzteren beiden Strecken handelt es sich um bergmĂ€nnisch aufgefahrene Tunnel im Gebirge. ErwĂ€hnenswert ist in diesem Zusammenhang auĂerdem noch der 388 Meter lange Hataitai-Tunnel in Wellington. Er wurde 1907 als StraĂenbahntunnel eröffnet und wird seit 1963 von Trolleybussen und Dieselbussen benutzt â fĂŒr den Individualverkehr ist er gesperrt.[148] Die erwĂ€hnten Tunnel in Japan und Neuseeland gehören ferner zu den weltweit letzten einspurig betriebenen Obus-Strecken.
Kurobe-Talsperre: drei O-Busse in der unterirdischen Endstation
Signalisierte Ausweiche beim Tateyama Tunnel Trolleybus
Einige Obus-Betriebe setzen auf erhöhte Bussteige, diese ermöglichen â analog zu den Hochbahnsteigen im Schienenverkehr â einen barrierefreien Einstieg. Der Einstieg in die Wagen erfolgt somit Ă€hnlich wie bei einer Stadtbahn stufenlos. So beispielsweise beim Oberleitungsbus Quito in Ecuador sowie beim Oberleitungsbus MĂ©rida in Venezuela, beide Systeme verwenden ausschlieĂlich erhöhte Bussteige. Auch beim im Aufbau befindlichen System in Barquisimeto (ebenfalls Venezuela) wird dies der Fall sein.
Da es sich dabei teilweise auch um mittige Bussteige in Insellage handelt, vergleichbar den Mittelbahnsteigen im Schienenverkehr, verkehren die Trolleybusse dort abschnittsweise entgegen der ĂŒblichen Fahrordnung im Linksverkehr. Dies erfolgt auf eigenen Sonderspuren und somit unabhĂ€ngig vom ĂŒbrigen StraĂenverkehr. Ferner verfĂŒgen die Haltestellen bei diesen drei sĂŒdamerikanischen Systemen ĂŒber spezielle Zugangssperren. Der Oberbegriff fĂŒr derartig beschleunigte Verkehrssysteme lautet Busway beziehungsweise bus rapid transit, abgekĂŒrzt BRT.
DarĂŒber hinaus bedienten frĂŒher auch die O-Busse der SPT in SĂŁo Paulo und der EVAG in Essen vereinzelt erhöhte Bussteige in Insellage, beim Oberleitungsbus Cambridge ist dies bis heute der Fall. Hierzu besaĂ beziehungsweise besitzt ein Teil der Wagen in diesen drei StĂ€dten zusĂ€tzliche linksseitige Einstiege ohne Trittstufen.
UnabhÀngige Trasse mit erhöhtem Bussteig in Insellage und Zugangssperre in Mérida
Bereits in der FrĂŒhzeit des Oberleitungsbusses waren Radnabenmotoren, auch Magnetmotoren genannt, bei den Systemen MercĂ©dĂšs-Ălectrique-Stoll (ab 1907) und Lloyd-Köhler (ab 1910) Standard. Die letzten derartigen Wagen verkehrten 1938 in Wien.
In jĂŒngerer Zeit griff der Hersteller Neoplan dieses Konzept in Basel (ab 1992) und in Lausanne (ab 1999) wieder auf. Ebenso Mercedes-Benz mit dem 1996 vorgestellten Prototyp O 405 GNTD sowie die Firma Irisbus mit dem vergleichsweise weit verbreiteten Typ Cristalis.
Der Grund dafĂŒr, dass diese Technik heute wieder eingesetzt wird: Radnabenmotoren ermöglichen durch ihre sehr kompakte Bauweise Fahrzeuge mit hohem Niederfluranteil und wenigen oder gar keinen Podesten. Dabei können bei einem Gelenkwagen bis zu vier Radnabenmotoren gleichzeitig zum Einsatz kommen, welche die zweite und die dritte Achse antreiben. Dadurch lassen sich die Fahrzeuge relativ stark motorisieren. Dies war beispielsweise bei den Basler Trolleybussen der Fall.[149]
Diese Antriebstechnik ist allerdings mit Problemen verbunden und konnte sich daher bislang nicht flĂ€chendeckend durchsetzen. Zu den wesentlichen Nachteilen gehören die hohe Energiedichte, die zu KĂŒhlungsproblemen fĂŒhrt, sowie die hohen Drehzahlen, die eine höhere GerĂ€uschentwicklung zur Folge haben. Ferner sind Radnabenmotoren teurer und wartungsintensiver als gewöhnliche Elektromotoren, auĂerdem verbrauchen sie mehr Energie.
Trotz ihrer konstruktiven Ăhnlichkeiten werden Dieselbusse nur vergleichsweise selten zu O-Bussen umgebaut. Hauptgrund hierfĂŒr ist die fehlende Wirtschaftlichkeit solcher Vorhaben. Die geringe Restlebensdauer einer Dieselbus-Karosserie rechtfertigt nur in den seltensten FĂ€llen die aufwĂ€ndigen Umbauten. Darunter die VerstĂ€rkung der Karosserie und der Dachkonstruktion, den Umbau des MotortrĂ€gers, die Verkabelung sowie die Isolation der Fahrgastzelle â insbesondere der Einstiege. AuĂerdem die Anpassung der Antriebsachse, der Bremsanlage, der Servolenkung, der Heizung, der LĂŒftungsanlage, der Bordnetzversorgung und der Fahrzeugelektronik.
Dennoch bauen die Verkehrsbetriebe in der polnischen Stadt Gdynia und in der ungarischen Stadt Szeged seit 2004 in Eigenregie konventionelle Dieselbusse zu O-Bussen um. BegĂŒnstigt wird dies durch die vergleichsweise geringen Lohnkosten in den beiden LĂ€ndern sowie das gute Know-how der betreffenden WerkstĂ€tten. In beiden FĂ€llen handelt es sich um Fahrzeuge des Herstellers EvoBus, der selbst keine O-Busse mehr anbietet. Darunter bisher 28 O 405 N und ein Citaro O 530 in Polen sowie sechs Citaro O 530 in Ungarn. Ferner baute man in Szeged schon 2004 einen Volvo-Solobus zu einem Obus um. Die Betriebe erhoffen sich davon Einsparungen bei der Ersatzteilbevorratung â diese kann gemeinsam mit den gleichartigen Dieselbussen der Spenderbaureihen erfolgen â sowie geringere Anschaffungskosten gegenĂŒber serienmĂ€Ăig hergestellten O-Bussen. Zudem kann auf diese Weise zeitgemĂ€Ăe Niederflurtechnik mit altbrauchbaren E-AusrĂŒstungen kombiniert werden.
In Polen hat der Umbau von Dieselbussen in Obusse eine gewisse Tradition. Bereits Anfang der 1990er-Jahre entstanden auf diese Weise 13 Gelenk-Obusse, die auf dem Dieselbus des Typs Ikarus 280 basierten. Sie bekamen die Baureihenbezeichnung 280E und verkehrten in Gdynia (neun), Lublin (vier) und SĆupsk (einer).
Aus Ă€hnlichen GrĂŒnden bauten die Stadtwerke Kaiserslautern schon im Jahr 1978 einen 1970 beschafften konventionellen Omnibus des Typs O 305 in einen O-Bus um. Man entschied sich danach gegen einen serienmĂ€Ăigen Umbau weiterer Wagen. Ebenso die Stadtwerke Pforzheim, die 1965 einen BĂŒssing PrĂ€fekt in einen Obus umbauten, sowie die Hamburger Hochbahn, bei der schon 1952 auf Basis eines BĂŒssing 5000 T ein Eigenbau-Obus entstand. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang auch die Bukarester Verkehrsbetriebe. Diese bauten zwischen 1995 und 2000 gleich 22 Genfer Saurer-Omnibusse der Baujahre 1968 bis 1970 zu O-Bussen um.[150] FĂŒr Cluj-Napoca wandelt das Unternehmen Astra aus Arad seit Anfang 2011 15 gebraucht aus Paris ĂŒbernommene Gelenkbusse des Typs Agora L in Oberleitungsbusse um.[151]
Auch Umbauten von O-Bussen in Dieselbusse kommen aufgrund des hohen Aufwands und der damit verbundenen Kosten nur in AusnahmefĂ€llen vor. Im Idealfall kann dabei eine langlebige Obus-Karosserie mit preisgĂŒnstigen und serienmĂ€Ăig hergestellten Dieselbuskomponenten kombiniert werden. Von Nachteil ist hingegen der höhere Kraftstoffverbrauch, bedingt durch die schwerere Karosserie.
So bauten die Stadtwerke OsnabrĂŒck in den Jahren 1967 und 1968 gleich 24 O-Busse der Baujahre 1959 bis 1961 in Dieselbusse um. Hierzu waren folgende Arbeiten notwendig: Ausbau der elektrischen AusrĂŒstung, Einbau von Dieselmotor, Getriebe, Kardanwellen, Tank, Kraftstoffleitungen und Auspuffanlage sowie Umbauten im Fahrgastraum.[152] UrsĂ€chlich hierfĂŒr: angesichts der 1968 erfolgten Stilllegung des Betriebs wollte man nicht auf die noch vergleichsweise neuen Fahrzeuge verzichten. Aus dem gleichen Grund adaptierten auch die Stadtwerke Trier zwischen 1967 und 1972 ihre sechs jĂŒngsten Gelenk-Obusse des Typs HS 160 OSL-G entsprechend.[153] Ebenso die die Kreis Moerser Verkehrsbetriebe 1968 sechs BĂŒssing/Emmelmann/SSW-Gelenkwagen des Baujahrs 1964 und die Stadtwerke Hildesheim 1969 sechs BĂŒssing-Solowagen des Baujahrs 1963.
Weltweit verkehren derzeit etwa 40.000 Oberleitungsbusse, davon allein in Russland rund 15.000. AuĂer in Afrika fahren Trolleybusse auf allen Kontinenten. Der letzte Obus Afrikas verkehrte am 28. November 1986 in Johannesburg in der Republik SĂŒdafrika. Derzeit wird mit russischer Hilfe ein Obus-Netz in der Ă€thiopischen Hauptstadt Addis Abeba aufgebaut.[154]
In Europa verkehren (ohne den europĂ€ischen Teil Russlands) rund 15.000 Obusse, davon in der Ukraine etwa 8000 und in WeiĂrussland 2000. Mit der Aufnahme neuer Staaten in die EuropĂ€ische Union (EU) am 1. Mai 2004 und 1. Januar 2007 hat das System Oberleitungsbus im Unionsgebiet einen Zuwachs um etwa 3500 auf rund 5000 Trolleybusse erfahren. Hierzu trugen die LĂ€nder Tschechien, RumĂ€nien und Bulgarien am meisten bei. Sie belegen bei der Anzahl der Trolleybusse die ersten drei PlĂ€tze auf dem Gebiet der EuropĂ€ischen Union.
Auf dem amerikanischen Kontinent verkehren gegenwÀrtig rund 3000 Trolleybusse, in Ozeanien fahren nur noch in der neuseelÀndischen Hauptstadt Wellington Trolleybusse. In Asien gibt es, ohne den asiatischen Teil Russlands, etwa 5000 Oberleitungsbusse.
Global betrachtet befindet sich das Verkehrsmittel seit der politischen Wende der Jahre 1989/1990 aus unterschiedlichen GrĂŒnden auf dem RĂŒckzug. So wurden allein im vergangenen Jahrzehnt (2000â2009) 59 Betriebe eingestellt, aber nur 13 neue eröffnet. 2010 ging dieser Trend weiter, es wurden neun Netze stillgelegt aber nur ein neuer Betrieb eröffnet. 2011 gab es zwei Stilllegungen, 2012 eine Neueröffnung und bislang keine Stilllegung.
Die meisten Einstellungen waren in den kleineren Nachfolgestaaten der Sowjetunion zu verbuchen, darunter Armenien, Aserbaidschan â wo zwischen 2003 und 2006 sogar alle fĂŒnf Netze aufgelassen werden mussten, Kasachstan und Usbekistan. Ebenso in Georgien, dort wurden zwischen 2003 und 2010 zehn der einst zwölf georgischen Obus-Betriebe eingestellt. Die einzelne Linie in Zchinwali wurde bereits Ende 1990 im BĂŒrgerkrieg um SĂŒdossetien zerstört, so dass nur noch der Betrieb in Sochumi erhalten blieb. Letzterer befindet sich in der in der international nicht anerkannten Republik Abchasien und konnte nur mit russischer Hilfe ĂŒberleben.
UrsĂ€chlich fĂŒr diese Entwicklung waren hauptsĂ€chlich fehlende finanzielle Mittel â oft konnten nicht einmal die Stromrechnungen beglichen werden. Ebenso die verschlissene Technik aus Sowjetzeiten sowie die Konkurrenz durch die parallel verkehrenden Marschrutkis. AuffĂ€llig viele Netzaufgaben waren auĂerdem in der Volksrepublik China und in RumĂ€nien zu beobachten.
Asien: ĂŒberfĂŒllter Trolleybus in Pjöngjang
Die bulgarischen StĂ€dte setzen verstĂ€rkt auf Obusse, insgesamt gibt es in Bulgarien 14 Obus-Betriebe. Im Gegensatz dazu existiert nur ein StraĂenbahnbetrieb in der Hauptstadt Sofia. AuĂer den beiden traditionellen Obus-Betrieben in Sofia (eröffnet 1948) und Plowdiw (eröffnet 1955) entstanden alle anderen 13 Netze zwischen 1985 und 1993, das heiĂt kurz vor und nach der politischen Wende des Jahres 1989. Lediglich zwei Betriebe wurden bislang wieder aufgegeben, hierbei handelte es sich um die Netze Kasanlak (1987 bis 1999) und Weliko Tarnowo (1988 bis 2009). Die 1993 in Widin angefangene Strecke wurde nie fertiggestellt, lediglich einige Oberleitungsmasten existieren.
In Deutschland gibt es seit der 1995 erfolgten Einstellung der Betriebe in Essen und Potsdam nur noch drei Obusbetriebe: einen mittelgroĂen in Solingen (50 Fahrzeuge, sechs Linien) sowie zwei kleinere in Eberswalde (14 Fahrzeuge, zwei Linien) und in Esslingen am Neckar (neun Fahrzeuge, zwei Linien). Ferner verkehren Solinger Obusse auch ĂŒber die Stadtgrenze hinaus bis Wuppertal-Vohwinkel, Esslinger Obusse verkehren bis Stuttgart-ObertĂŒrkheim.
Der Solinger Betrieb gilt als gesichert, Mitte November 2009 wurden die letzten Solo-Obusse aus den 1980er-Jahren durch moderne GelenkzĂŒge ersetzt. Der Eberswalder Obus-Betrieb stand im Jahr 2007 kurzzeitig zur Disposition, in Folge eines positiven Gutachtens ist mittlerweile auch sein weiterer Fortbestand gesichert, die Altfahrzeuge aus den 1990er-Jahren werden seit Oktober 2010 nach und nach ersetzt. In Esslingen kommen seit Anfang 2008 ebenfalls nur noch moderne Niederflur-Gelenk-Obusse zum Einsatz.
In Frankreich gibt es derzeit sechs StĂ€dte mit Obus-Systemen. Zum einen sind dies die bereits erwĂ€hnten neueren Spurbus-Betriebe in Caen und Clermont-Ferrand. Zum anderen die klassischen Betriebe in Lyon (gegrĂŒndet 1935, sieben Linien, 113 Fahrzeuge), in Saint-Ătienne (gegrĂŒndet 1942, zwei Linien, 22 Fahrzeuge) und in Limoges (gegrĂŒndet 1943, fĂŒnf Linien, 40 Fahrzeuge). Ein Mischform stellt das System in Nancy dar. Dort wurde die 1982 eröffnete klassische Obus-Linie im Jahr 2001 auf Spurbus-Betrieb umgestellt, sie wird von 25 Wagen bedient.
Ferner blieben Teile der Fahrleitung des 1999 eingestellten Netzes in Grenoble einige Jahre lang fĂŒr eine mögliche Reaktivierung erhalten, 2007 wurden diese PlĂ€ne endgĂŒltig ad acta gelegt. In jĂŒngerer Zeit wurde auĂerdem noch das Netz in Marseille aufgegeben, dort verkehrte 2004 der letzte Obus.
In Italien existieren derzeit 16 Obus-Betriebe. Zusammen mit der Schweiz gehört Italien damit zu den einzigen beiden Staaten Westeuropas, die auch in jĂŒngerer Zeit konsequent am Verkehrssystem Obus festhielten. Hierbei handelt es sich um vergleichsweise kleine Netze, auĂer in Neapel verkehren in keiner italienischen Stadt mehr als vier Obus-Linien. In Neapel agieren dabei zwei verschiedene Gesellschaften, die Stadtlinien werden von der Azienda Napoletana MobilitĂ (ANM) betrieben, fĂŒr die Ăberlandlinien ist die Compagnia Trasporti Pubblici di Napoli (CTP) zustĂ€ndig.
Zwar wurden auch in Italien in den vergangenen drei Jahrzehnten einige Betriebe aufgegeben, darunter Turin (bis 1980), Verona (bis 1981), Carrara (bis 1985), Bari (bis 1987), Salerno (bis 1987) sowie Cremona (bis 2002). Im Gegenzug richtete man parallel dazu in Genua 1997 einen neuen Betrieb ein, dort fuhren bereits bis 1973 schon einmal O-Busse. Seit 2005 verkehren â nach ĂŒber dreiĂig Jahren â auch in der Hauptstadt Rom wieder Oberleitungsbusse. Dort stellte man die stark frequentierte Expresslinie 90 auf elektrischen Betrieb um. 2007 richtete auĂerdem die Stadt Padova einen Spur-Obus nach dem System Translohr ein, auch dort fuhren bis 1970 schon einmal konventionelle O-Busse. In Mestre verkehren seit 2010 ebenfalls Translohr-Wagen, ferner ging in der sĂŒditalienischen Stadt Lecce Anfang 2012 ein neues System in konventioneller Bauweise in Betrieb.
Ein italienisches PhĂ€nomen ist die mehrere Jahre andauernde vorĂŒbergehende Einstellung von Betrieben, um Fahrleitungsanlagen und Fahrzeuge zu erneuern. Dies betraf die Obus-Verkehre in Bologna (unterbrochen von 1982 bis 1991), La Spezia (1985 bis 1988), Chieti (1992 bis 2009), Modena (1996 bis 2000) und Genua (2003 bis 2007). In Cremona ist hingegen eine Wiedereröffnung des Betriebs jĂŒngst gescheitert, die seit 2002 nicht mehr verwendete Oberleitung bleibt weiterhin ungenutzt. Anders in Bari, dort soll 2012 der elektrische Betrieb nach ĂŒber 24 Jahren Unterbrechung wieder aufgenommen werden. Bereits 1999 wurden dazu neue Wagen beschafft, diese kamen aber bis heute nicht zum Einsatz.[155]
In Litauen existieren zwei relativ groĂe Obus-Betriebe. Darunter der 21 Linien umfassende Oberleitungsbus Vilnius in der Hauptstadt und ein zweiter mit 16 Linien in Kaunas, der zweitgröĂten Stadt des Landes. Beide stammen aus sowjetischer Zeit, sie wurden 1956 beziehungsweise 1965 eröffnet. Weitere Netze existierten auf dem heutigen litauischen Staatsgebiet nicht.
In Moldawien gibt es vier Obus-Betriebe, darunter der 1949 eröffnete GroĂbetrieb in der Hauptstadt ChiÈinÄu sowie die kleineren Netze in Tiraspol (seit 1967), BÄlÈi (seit 1972) und Bender (seit 1995). Die StĂ€dte Tiraspol und Bender gehören dabei zur international nicht anerkannten Republik Transnistrien. Sie sind schon seit 1993 durch eine 14 Kilometer lange Ăberlandstrecke miteinander verbunden, diese gehört administrativ zum Betrieb in Bender. Zwei Jahre spĂ€ter erhielt Bender auĂerdem seine erste eigenstĂ€ndige Stadtlinie. Einziger stillgelegter Betrieb in Moldawien ist der Oberleitungsbus Solonceni, er existierte nur von 1992 bis 1994.
Derzeit gibt es in Ăsterreich noch zwei Obus-Betriebe in Salzburg und Linz.
In Salzburg wird der 1940 eröffnete Oberleitungsbus Salzburg â er gilt als das gröĂte Obus-Netz Westeuropas â weiterhin stark ausgebaut. In den letzten Jahren gingen zahlreiche Neubaustrecken in Betrieb, parallel dazu wurde der Fuhrpark erweitert. Derzeit verkehren dort 95 Obusse auf zehn Linien.
Beim Oberleitungsbus Linz verkehren derzeit auf vier Linien 19 Gelenkwagen. Der Betrieb war zeitweise zugunsten einer flĂ€chendeckenden EinfĂŒhrung von Erdgasbussen einstellungsgefĂ€hrdet. Am 13. August 2007 erklĂ€rte die Linz AG, den Obus-Betrieb auch in Zukunft aufrechterhalten zu wollen.
Klagenfurt arbeitet seit 2007 an einem Konzept fĂŒr die WiedereinfĂŒhrung des Obusses, hierzu soll bei der Bundesregierung ein Antrag auf Klimaförderung eingereicht werden. Auch in Graz wurde die WiedereinfĂŒhrung eines Obus-Netzes diskutiert. Man hat sich dagegen entschieden, weil Graz bereits zwei Verkehrssysteme hat und ein drittes zusĂ€tzliche Betriebskosten verursachen wĂŒrde.[156]
Gdynia, Lublin und Tychy sind die drei polnischen Obus-StĂ€dte. In Gdynia fahren auf zwölf Linien 85 Trolleybusse, dies ist der Ă€lteste und gröĂte Betrieb Polens. Der Wagenpark besteht hauptsĂ€chlich aus einheimischen Jelcz-Obussen. Lublin schaffte in den letzten Jahren neue Fahrzeuge an und eröffnete weitere Linien. Der derzeit kleinste polnische Oberleitungsbus-Betrieb ist Tychy, dort sind 22 Obusse auf fĂŒnf Linien im Einsatz. In der Hauptstadt Warschau verkehren hingegen seit 1995 keine Obusse mehr, auch die Netze in DÄbica (bis 1990) und SĆupsk (bis 1999) wurden in den 1990er-Jahren aufgegeben.
In RumĂ€nien verkehren derzeit in zehn StĂ€dten Obusse, in fĂŒnf davon als ErgĂ€nzung zur StraĂenbahn. Der mit Abstand gröĂte Betrieb existiert in der Hauptstadt Bukarest (seit 1949), das zweitgröĂte und zugleich Ă€lteste noch betriebene Netz ist der Oberleitungsbus TimiÈoara (seit 1942). Weitere Traditionsbetriebe befinden sich in BraÈov und Cluj-Napoca â beide wurden 1959 eröffnet. Die restlichen sechs Betriebe in den ProvinzstĂ€dten Baia Mare, GalaÈi, MediaÈ, Piatra NeamÈ, PloieÈti und TĂąrgu Jiu entstanden hingegen erst zwischen 1983 und 1997, das heiĂt in den Jahren unmittelbar vor und nach der RumĂ€nischen Revolution von 1989. UrsĂ€chlich fĂŒr ihre EinfĂŒhrung war vor allem die rumĂ€nische Energiekrise der 1980er-Jahre, wenngleich einige Projekte aus dieser Zeit erst deutlich spĂ€ter umgesetzt werden konnten.
Weitere neun Provinzbetriebe â die mit einer Ausnahme ebenfalls alle zwischen 1983 und 1996 â eröffneten, mussten hingegen schon nach vergleichsweise kurzer Betriebszeit wieder aufgelassen werden. Darunter neben dem Netz in der Stadt IaÈi, es wurde 2005 zugunsten der StraĂenbahn aufgegeben, die zwischen 1999 und 2010 geschlossenen Betriebe in BrÄila, ConstanÈa, Satu Mare, Sibiu, Slatina, Suceava, TĂąrgoviÈte und Vaslui. In TĂąrgoviÈte und Satu Mare beschlossen die Stadtverwaltungen jedoch, die Fahrleitungsanlagen und die Fahrzeuge fĂŒr eine mögliche Wiedereröffnung zu konservieren. In BraÈov wurde hingegen der Obus beibehalten und dafĂŒr die StraĂenbahn 2006 aufgegeben. Anders in ConstanÈa, wo man zunĂ€chst 2008 die StraĂenbahn und schlieĂlich 2010 auch den 1959 eröffneten Obus-Betrieb einstellte.
Russland ist weltweit das Land mit den mit Abstand meisten Obus-Betrieben, sie verkehren dort in 85 StĂ€dten. Davon liegen 64 im kleineren europĂ€ischen Teil des Landes, nur 21 im gröĂeren asiatischen. Mit Ausnahme von Weliki Nowgorod (seit 1995), Chimki (seit 1997), Widnoje (seit 2000) und Podolsk (2001) entstanden alle Betriebe noch zu sowjetischer Zeit, das heiĂt bis einschlieĂlich 1991. GröĂter und zugleich Ă€ltester Betrieb ist das Netz in der Hauptstadt Moskau, es besteht seit 1933.
Nur sehr wenige Betriebe wurden in Russland bisher wieder aufgegeben, darunter Katschkanar (bis 1985), Schachty (bis 2007), Archangelsk (bis 2008), Tjumen (bis 2009) und Wladikawkas (bis 2010). Ferner das Netz in Grosny, es fiel Ende 1994 dem Ersten Tschetschenienkrieg zum Opfer. Besonders kurzlebig war der Trolleybus in Sysran, dieser bestand nur von 2002 bis 2009. Die beiden Netze in den NachbarstĂ€dten Saratow und Engels waren von 1972 bis 2004 ĂŒber die Wolga hinweg betrieblich miteinander verbunden, zeitweise wurden sie auch gemeinsam verwaltet. Heute sind sie wieder komplett unabhĂ€ngig voneinander.[157]
In der Schweiz sind die Trolleybusse weiter populĂ€r, insbesondere die Energiegewinnung aus der heimischen Wasserkraft hat dies unterstĂŒtzt. Es gibt sie heute in 13 StĂ€dten, in sechs dieser StĂ€dte sind parallel auĂerdem noch Bahnen mit gleichem Stromnetz vorhanden. Dies sind Bern, Genf, Lausanne, NeuchĂątel, St. Gallen und ZĂŒrich. Die Trolleybusbetriebe mĂŒssen dort somit nicht alleine fĂŒr die Stromversorgungseinrichtungen aufkommen.
Ende November 2007 wurde in St. Gallen per Volksabstimmung mit groĂer Mehrheit entschieden, das dortige Netz beizubehalten und den Wagenpark umfangreich zu erneuern. Auch Winterthur entschied sich im Januar 2008 nach sorgfĂ€ltiger AbwĂ€gung alternativer Energieformen (Diesel, Gas, Wasserstoff) fĂŒr eine Beibehaltung des Trolleybus Winterthur und die Beschaffung neuer Fahrzeuge. Ebenso sprach sich der Stadtrat in Schaffhausen nach grĂŒndlicher Diskussion im September 2008 fĂŒr den Fortbestand des Trolleybus Schaffhausen aus.
In der Slowakei existieren aktuell fĂŒnf Obus-Betriebe. Der gröĂte davon befindet sich in der Hauptstadt Bratislava, dort verkehren auf 14 Linien insgesamt 137 Obusse. Der dortige Betrieb wurde zuletzt 2006 ausgebaut, als die 2,5 Kilometer lange und steigungsreiche Linie 33 elektrifiziert wurde.
In der Stadt BanskĂĄ Bystrica (sieben Linien, 27 Fahrzeuge) wurde der Fahrbetrieb mit Obussen Ende 2005 vorĂŒbergehend eingestellt. Nach erheblichen Protesten, aus wirtschaftlichen GrĂŒnden, einer Ausschreibung und einem damit verbundenen Betreiberwechsel wurde er schlieĂlich Ende 2007 wieder aufgenommen. Die ĂŒbrigen drei slowakischen Obus-StĂ€dte sind KoĆĄice, PreĆĄov und Ćœilina, stillgelegte Betriebe gibt es auf dem Gebiet der heutigen Slowakei keine.
In Tschechien gibt es heute 13 StĂ€dte mit Oberleitungsbussen. Zehn dieser Betriebe wurden zwischen 1941 und 1952 gegrĂŒndet, deutlich jĂŒnger sind im Gegensatz dazu die drei Netze in ĂstĂ nad Labem (seit 1988), ÄeskĂ© BudÄjovice (seit 1991) und Chomutov (seit 1995). Die gröĂten Betriebe sind in BrĂŒnn wo auf dreizehn Linien 146 Obusse fahren, ZlĂn (zwölf Linien mit 62 Obussen), ĂstĂ nad Labem (elf Linien mit 66 Obussen) und Ostrava (zehn Linien mit 65 Obussen). Kleinere Betriebe existieren in Hradec KrĂĄlovĂ©, Jihlava, MariĂĄnskĂ© LĂĄznÄ, Opava, Pardubice, PlzeĆ und Teplice. In der Hauptstadt Prag verkehren hingegen schon seit 1972 keine O-Busse mehr. In PlzeĆ befindet sich mit der Firma Ć koda auĂerdem einer der gröĂten und traditionsreichsten Obus-Hersteller Europas. Ferner unterhielt Ć koda in Nordwest-Tschechien von 1963 bis 2004 eine eigene Werksteststrecke. Sie war 6,1 Kilometer lang, bis zu zwölf Prozent steil und fĂŒhrte von DolnĂ ĆœÄĂĄr nach JĂĄchymov.
In der Ukraine existieren heute 42 Obus-Betriebe, bezĂŒglich der Anzahl der Netze steht das Land damit nach Russland weltweit an zweiter Stelle. Mit Ausnahme des 2004 eröffneten Betriebs in Kertsch stammen alle noch aus sowjetischer Zeit. Auf dem Gebiet der Ukraine wurde bisher nur die drei Betriebe in Dserschynsk (2007), Dobropillja (2010) und Stachanow (2011) stillgelegt. Ferner ist Wuhlehirsk in der östlichen Ukraine mit nur 10.693 Einwohnern eine der weltweit kleinsten Obus-StĂ€dte, dort verkehrt der Oberleitungsbus Wuhlehirsk. HĂ€ufig ist von 45 ukrainischen Obus-Netzen die Rede, in diesem Fall werden Aluschta und Jalta â trotz gemeinsamer Verwaltung mit Simferopol â als eigenstĂ€ndige Betriebe betrachtet.
Die erste Budapester Obuslinie wurde am 16. Dezember 1933 im Bezirk Ăbuda eröffnet und im Zweiten Weltkrieg zerstört, ein Wiederaufbau erfolgte nicht. Der heutige Obusbetrieb der BKV im Stadtteil Pest wurde am 21. Dezember 1949 eröffnet, heute verkehren auf 13 Linien 167 Fahrzeuge.
Der 1979 eröffnete Betrieb in Szeged verfĂŒgt ĂŒber 42 Obusse, die auf vier Linien unterwegs sind. Darunter als Besonderheit im Eigenbau entstandene Niederflur-Obusse und Umbauten aus Dieselbussen. Seit 1985 verkehren auch in Debrecen Obusse, aktuell 27 Wagen auf drei Linien. 2008 wurde auĂerdem eine umfangreiche Erneuerung des Wagenparks abgeschlossen. Abgesehen von der oben erwĂ€hnten ersten Budapester Linie wurde in Ungarn bis heute kein Obus-Betrieb aufgegeben.
In WeiĂrussland existieren sieben Obus-Betriebe, sie wurden alle zwischen 1951 und 1982, also noch zu sowjetischer Zeit eröffnet. AuĂer in der Hauptstadt Minsk â dort besteht das Ă€lteste und mit 60 Linien das mit Abstand gröĂte Netz â findet man sie in den ProvinzstĂ€dten Babrujsk, Brest, Homel, Hrodna, Mahiljou und Wizebsk. Ferner wurde auf dem Gebiet des heutigen WeiĂrussland noch nie ein Obus-Betrieb stillgelegt.
Mit der Firma Belkommunmash besteht in WeiĂrussland zudem ein bedeutender Hersteller von O-Bussen. Das 1973 gegrĂŒndete Unternehmen war zunĂ€chst nur eine Reparaturwerkstatt fĂŒr Fahrzeuge des Typs SiU-9, ehe ab 1993 eigene Modelle entwickelt wurden. Diese werden mittlerweile auch exportiert, so beispielsweise in die benachbarte Ukraine.
In Argentinien findet man heute noch in drei StĂ€dten Obusse: Neben den beiden Traditionsbetrieben in Mendoza (seit 1958) und Rosario (seit 1959) ein etwas jĂŒngerer Betrieb in CĂłrdoba. Er wurde 1989 eröffnet. Im Gegensatz dazu verkehren in der Hauptstadt Buenos Aires schon seit 1966 keine Oberleitungsbusse mehr. Auch die anderen drei argentinischen Obus-Betriebe in La Plata, Mar del Plata und San Miguel de TucumĂĄn wurden bereits in den 1960er-Jahren aufgegeben.
In Brasilien verkehren heute nur noch in zwei StĂ€dten Oberleitungsbusse. Zum einen in der Hafenstadt Santos â wo nur eine kĂŒrzere Linie elektrisch bedient wird â und zum anderen in der nahe gelegenen Metropole SĂŁo Paulo. Bemerkenswerterweise operieren dort zwei verschiedene Obus-Gesellschaften parallel zueinander: Die SĂŁo Paulo Transportes (SPT) betreibt 14 Linien im Stadtbereich, und die Empresa Metropolitana des Transportes Urbanos (EMTU) weitere sechs Linien in die Vororte. Die beiden Netze treffen zwar am Umsteigeknoten Terminal SĂŁo Mateus aufeinander, sind physisch nicht miteinander verbunden. Weitere brasilianische Betriebe wurden in jĂŒngerer Zeit stillgelegt, darunter die Netze in den StĂ€dten RibeirĂŁo Preto (1999), Araraquara (2000) und Recife (2001).
Mit 18 Obus-Betrieben ist die Volksrepublik China nach Russland, der Ukraine und Nordkorea der Staat mit den weltweit meisten Netzen. Neben vier GroĂbetrieben in der Hauptstadt Peking sowie den StĂ€dten Guangzhou, Shanghai und Wuhan, handelt es sich dabei ĂŒberwiegend um kleinere Netze. Vielfach wird jeweils nur eine Linie betrieben. Eine chinesische Besonderheit sind Obuslinien, die als Zubringer fĂŒr Kohlebergwerke dienen. Hierbei handelt es sich um nicht-öffentliche Werkspersonenverkehre, die nur zu den Schichtwechseln bedient werden. In diese Kategorie fallen sieben der 19 Betriebe. Eine weitere Besonderheit ist der 2006 in Tianjin nach dem System Translohr eröffnete Spur-Obus, dort verkehrten bis 1997 bereits herkömmliche Oberleitungsbusse. In Shanghai verkehren seit Juli 2009, ergĂ€nzend zu den konventionellen O-Bussen, ebenfalls Translohr-Fahrzeuge.[158]
Trotz seiner weiten Verbreitung befindet sich der Oberleitungsbus in China seit 1996 stetig auf dem RĂŒckzug. In der zweiten HĂ€lfte der 1990er-Jahre gab man â inklusive Tianjin â sieben Netze auf, in den Jahren 2000 bis 2009 folgten weitere zehn von einstmals 35 gleichzeitig bestehenden Betrieben. Der Anfang 2009 wegen U-Bahn-Bauarbeiten eingestellte Betrieb in Xi'an soll 2012 wieder eröffnet werden.[159] In der Republik China verkehrten hingegen nie Oberleitungsbusse.
In Japan bestehen insgesamt zwei Obus-Linien, beide befinden sich in der PrÀfektur Toyama und sind touristisch geprÀgt. Sie verkehren jeweils nur von April bis November.
Eine davon ist der Tateyama Tunnel Trolleybus. Die 3,7 Kilometer lange Strecke wurde 1971 eröffnet und 1996 auf Obusbetrieb umgestellt. Sie verbindet DaikambĆ mit MurodĆ, Betreibergesellschaft ist die Tateyama Kurobe KankĆ.
Der andere Betrieb ist der Kanden Tunnel Trolleybus, er wurde ursprĂŒnglich fĂŒr den Bau des Wasserkraftwerks bei Kurobe errichtet. Die 6,1 Kilometer lange Linie verbindet seit 1964 Ćgisawa mit der Kurobe-Talsperre. Sie wird von der Stromgesellschaft Kansai Denryoku (Kanden) betrieben.
Im eurasischen Staat Kasachstan betreiben aktuell vier StĂ€dte Oberleitungsbusse. Sie liegen alle im gröĂeren asiatischen Teil des Landes. Neben der ehemaligen Hauptstadt Almaty sind dies die StĂ€dte Aqtöbe, Petropawl und Taras. In jĂŒngerer Zeit aufgegeben wurden hingegen die Netze in Atyrau (bis 1999), Schymkent (bis 2003), Qostanai (bis 2005) und Qaraghandy (bis 2010). Ebenso der Betrieb in der heutigen Hauptstadt Astana; er musste 2008 aufgelassen werden, nachdem die Stromrechnungen nicht mehr beglichen werden konnten.[160]
In Kirgisistan existieren drei Obus-Betriebe. Man findet sie dort auĂer in der Hauptstadt Bischkek in Naryn und in Osch. WĂ€hrend der Betrieb in Naryn dabei erst 1994 eröffnet wurde, stammen die anderen beiden hingegen noch aus sowjetischer Zeit. Im Gegensatz zu seinen zentralasiatischen Nachbarstaaten wurde in Kirgisistan bis heute noch kein Obus-Betrieb eingestellt.
In Mexiko bestehen zwei Obus-Betriebe. Darunter ein groĂer mit 17 Linien in der Hauptstadt Mexiko-Stadt (eröffnet 1952) und ein kleinerer mit drei Linien in Guadalajara (eröffnet 1976). Stillgelegte Netze gibt es in Mexiko bislang keine.
Ăber die nordkoreanischen Obus-Betriebe ist im Ausland nur sehr wenig bekannt. Es existieren insgesamt 22 Betriebe. Ăltestes und mit zehn Linien zugleich gröĂtes Netz ist der 1962 eröffnete Obus in der Hauptstadt Pjöngjang. Seit 1983 verkehrt von dort aus auch eine Ăberlandlinie nach P'yĆngsĆng, der Hauptstadt der Nachbarprovinz P'yĆngan-namdo. ZweitgröĂter Betrieb ist das Netz in Ch'Ćngjin, dort verkehren vier Linien. Die ĂŒbrigen Netze umfassen hingegen nur eine, zwei oder drei Linien, darunter zum Teil auch werksinterne Linien zum Transport von Arbeitern. Das jĂŒngste Obus-System ist die sechs Kilometer lange Ăberlandlinie OnsĆngâWangjaesan, sie wurde 1996 eröffnet. Zwei weitere Ăberlandlinien verbinden Kimkol mit Markyn und Chognyon sowie SinĆiju mit RagwĆn. Mit Ausnahme des Betriebs in KaesĆng wurde bislang offiziell kein nordkoreanisches Obus-Netz eingestellt. Ob sie tatsĂ€chlich alle noch in Betrieb stehen, gilt angesichts der Wirtschaftskrise und der Abschottung des Landes als unklar. In SĂŒdkorea verkehrten hingegen nie Oberleitungsbusse.
In Tadschikistan bestanden zwei Obus-Betriebe. Neben dem noch existierenden Oberleitungsbus Duschanbe in der Hauptstadt bestand noch ein Betrieb in Chudschand, der zweitgröĂten Stadt des Landes. Er wurde nach Stilllegung 2008 im August 2009 mit zwei Linien wiedereröffnet, der Aufbau eines zuverlĂ€ssigen Betriebs gelang jedoch nicht mehr. Im dritten Quartal 2010 erfolgte die erneute Stilllegung.
In den Vereinigten Staaten existieren aktuell nur noch sechs Obus-Betriebe. GröĂter von ihnen ist mit 313 Obussen auf 14 Linien der Oberleitungsbus San Francisco, er ergĂ€nzt die schienengebundenen Systeme Bay Area Rapid Transit und Muni Metro. Das Netz in San Francisco ist nach dem Oberleitungsbus Athen/PirĂ€us der gröĂte Betrieb der westlichen Welt.
Am 14. April 2008 wurde in Philadelphia nach fĂŒnfjĂ€hriger Unterbrechung der Obusbetrieb wiedereröffnet. Die Wiederaufnahme erfolgte unter Druck des US-Bundesverkehrsministeriums. Die Stadt selbst wollte den Betrieb einstellen, hĂ€tte aber so hohe BundeszuschĂŒsse fĂŒr Investitionen in das Streckennetz zurĂŒckzahlen mĂŒssen, dass die Beschaffung neuer Wagen gĂŒnstiger kam.
Die nahe beieinander gelegenen Betriebe Oberleitungsbus Cambridge und Oberleitungsbus Boston werden beide von der Massachusetts Bay Transportation Authority gefĂŒhrt, sind jedoch betrieblich nicht miteinander verbunden. Die anderen beiden Netze sind Dayton und Seattle.
Die Stadt mit den meisten Trolleybussen ist die russische Hauptstadt Moskau. Es sind dort circa 1600 auf rund 100 Linien und einer NetzlĂ€nge von 1300 Kilometern im tĂ€glichen Einsatz (Stand 2007). Auf Platz zwei liegt die weiĂrussische Hauptstadt Minsk â zweitgröĂter Betrieb in Europa â mit 1050 Trolleybussen und 68 Linien (Stand 2007), auf Platz drei die chinesische Hauptstadt Peking â gröĂter Betrieb in Asien â mit 800 Fahrzeugen und 15 Linien (Stand 2008), gefolgt von der russischen Stadt Sankt Petersburg â drittgröĂter Betrieb in Europa â mit 735 Obussen, 41 Linien und einer NetzlĂ€nge von 695 Kilometern (Stand 2006/2007).
Auf Rang zwei in der EU liegt â nach dem Oberleitungsbus Athen/PirĂ€us â der Betrieb in der lettischen Hauptstadt Riga mit 346 Obussen, 20 Linien und einer NetzlĂ€nge von 169 Kilometern (Stand 2010)[161] und auf Platz drei der Betrieb in der litauischen Hauptstadt Vilnius mit 322 Obussen, 20 Linien und einer NetzlĂ€nge von 474 Kilometern (Stand 2010).
Der gröĂte Betrieb auf dem amerikanischen Kontinent liegt in der mexikanischen Hauptstadt Mexiko-Stadt mit 405 Fahrzeugen (Höchststand 1986 mit 1045), 15 Linien und einer NetzlĂ€nge von 454 Kilometern (Stand 2007).
Der nach Peking gröĂte Oberleitungsbus-Betrieb in Asien befindet sich in der russischen Stadt Nowosibirsk mit 338 Obussen, 28 Linien und einer NetzlĂ€nge von 280 Kilometern (Stand 1999), gefolgt vom Betrieb der chinesischen Stadt Shanghai mit 275 Trolleybussen und 15 Linien (Stand 2008).
| |
Dieser Artikel wurde am 29. November 2008 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen. |