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Der Oberleitungsbus Erfurt war ein Oberleitungsbusbetrieb in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt, der zwischen dem 26. Februar 1948 und dem 7. November 1975 in Betrieb war. Betreiber waren die Erfurter Verkehrsbetriebe (EVB, heute als EVAG tätig). Er war einer von vier Obusbetrieben in Thüringen, weitere gab es noch in Gera, Greiz und Weimar.
Inhaltsverzeichnis |
Der Erfurter Obusbetrieb bestand aus drei Streckenästen:
Wie in vielen anderen Städten Deutschlands plante man auch in Erfurt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs den Aufbau eines Oberleitungsbusnetzes in Ergänzung zum Netz der Straßenbahn. Als die Bauarbeiten 1948 abgeschlossen waren, konnte eine erste Linie zwischen dem Anger und dem südöstlichen Stadtteil Daberstedt den Betrieb aufnehmen. In diesen Stadtteil führte nie eine Straßenbahn. Das Obusdepot wurde in der Breitscheidstraße/Magdeburger Allee im Norden Erfurts neben dem Depot der Straßenbahn angelegt. Eine Besonderheit war hierbei, dass der Obus zwischen Anger und dem Betriebshof die Oberleitung der Straßenbahn mitnutzte, da es dorthin keine eigene Obus-Trasse gab. 1949 wurde die Obuslinie vom Anger über Daberstedt bis nach Melchendorf im Südosten verlängert, um auch diesen Stadtteil besser an den ÖPNV anzubinden. Am 30. April 1951 erhielt auch der im Südwesten Erfurts gelegene Ort Hochheim eine Obuslinie zum Anger. 1953 wurde eine weitere Linie für den Betrieb eröffnet. Sie verband den Anger mit der Ringelberg-Siedlung im Osten Erfurts (Stadtteil Krämpfervorstadt). Die EVB kauften 1956 fünf dreiachsige Doppelstock-Obusse aus Hamburg an und baute sie zu einstöckigen Obussen um. 1960 wurde die Linienführung der Hochheimer Linie geringfügig verändert, außerdem entstand hier in der Wartburgstraße eine neue Zwischenwendeschleife. Im selben Jahr kauften die EVB vier neue Škoda-Obusse des Typs 8 Tr. Im Jahr 1962 kaufte man erstmals den Nachfolger des 8 Tr, der als 9 Tr bezeichnet wurde. Insgesamt wurden von diesem Typ bis 1968 13 Fahrzeuge beschafft. Eine Netzergänzung erfolgte 1966 als eine direktere Streckenführung der Melchendorfer Linie durch Daberstedt angelegt wurde. Eine weitere kleine Streckenerweiterung vom Ringelberg bis zur Ringelbergtreppe ging im August 1967 in Betrieb. 1973 wurde das Erfurter Verkehrsnetz neu strukturiert. Dabei wurde die Obuslinie Anger–Melchendorf stillgelegt und später (ab 1983) in ihrem Endabschnitt durch eine Straßenbahnlinie ersetzt. Zu dieser Zeit entstanden viele neue Wohngebiete im Südosten Erfurts, für deren Anbindung eine Straßenbahnlinie geeigneter erschien als eine Obuslinie. Außerdem wurde der Schmidtstedter Knoten, eine verkehrsreiche Kreuzung in Bahnhofsnähe, gebaut und dabei schien der Obus (wie die im gleichen Zeitraum wegfallende Straßenbahnlinie 4) im Weg. Weiterhin wurde der von allen Linien befahrene Anger in eine Fußgängerzone umgestaltet. Mit der Verabschiedung des dritten Generalverkehrsplans der Stadt Erfurt im Jahr 1975 wurde auch das Ende der letzten Erfurter Obuslinie vom Ringelberg nach Hochheim besiegelt; die Einstellung des Restbetriebs erfolgte im November 1975. Der Abschnitt Anger – Ringelberg wird seit Frühjahr 2000 von einer Straßenbahnlinie bedient; nach Hochheim und Daberstedt verkehren diesel- und erdgasbetriebene Omnibusse.
Insgesamt gab es beim Erfurter Obus 34 Fahrzeuge und 14 Anhänger in fortlaufender Nummerierung.
| Nr. | Hersteller | Typ | Baujahr | ausgemustert/verkauft |
|---|---|---|---|---|
| 1–5 | Henschel & Sohn, Kassel | Einheitsobus Typ II | 1947 | 1961–1966 |
| 6 | LOWA Werdau | W 600 A | 1950 | 1966 |
| 7/8 | LOWA Werdau | W 601 A | 1952 | 1968/1970 |
| 9/10 | LOWA Werdau | W 602 A | 1954/56 | 1969/1970 |
| 11 | Waggonbau Halle-Ammendorf | W 602 A | 1956 | 1968 |
| 12–16 | Fahrzeugwerke Bremen | 562 DD | 1953¹ | 1961–1965 |
| 17–20 | Škoda Pilsen | 8 Tr | 1960 | 1973 |
| 21/22 24–30 |
Škoda Pilsen | 9 Tr | 1962 1964/65 |
1975 |
| 23 | Lowa Werdau | W 602 A | 1952² | 1970 |
| 31–34 | Škoda Pilsen | 9 Tr 2 | 1967/68 | 1975 |
¹ kamen 1957 nach Erfurt, vorher beim Obus in Hamburg-Harburg im Einsatz
² kam 1964 nach Erfurt, vorher beim Obus in Weimar im Einsatz
| Nr. | Hersteller | Baujahr | ausgemustert/verkauft |
|---|---|---|---|
| 120–127 129/130 |
Schumann/LOWA Werdau | 1949 1948 |
1962–1968 |
| 128 | Waggonbau Bautzen | 1952 | 1966 |
| 131 | LOWA Werdau | 1951 | 1967 |
| 132/133 | Schumann Werdau | 1942¹ | 1962/1965 |
¹ kamen 1959 nach Erfurt, vorher beim Oberleitungsbus Zwickau im Einsatz