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Odin oder sĂŒdgermanisch Wodan, altislĂ€ndisch Ăðinn, altenglisch WĆden, altsĂ€chsisch Uuoden[1], althochdeutsch Wuotan, gemeingermanisch *WÎðanaz, ist der Hauptgott in der nordischen Mythologie und Religion, wie sie in den eddischen Dichtungen vorgestellt wird.[2]
Inhaltsverzeichnis |
Bisher sind Odin zugeschriebene Darstellung meist als Reiter erfolgt. 2009 wurde bei Ausgrabungen in Gammel Lejre in DĂ€nemark, eine etwa 20Ă20 cm groĂe vergoldete Figur aus Silber gefunden. Das Museum Roskilde datiert den einzigartigen Fund auf 900â1000 n. Chr. Es handelt sich um eine Darstellung von Odin und seinem magischen Thron Hlidskialf mit den Raben Hugin und Munin. Der Thron befĂ€higte Odin ĂŒber alle neun Welten zu sehen. Die Ringe am Hals und auf der Brust der Figur werden als âDraupnirâ (TrĂ€ufler) interpretiert. Das fehlende Auge, das er opferte um weise zu werden, verweist ebenfalls auf Odin. Kleine Throne wurden auch bei anderen archĂ€ologischen Ausgrabungen gefunden, darunter auch in Haithabu. Jedoch fehlt auf diesen eine Person. Der Fund in Gammel Lejre ist die erste Darstellung von Odin und seinem magischen Thron Hlidskialf.
Je nach Kontext sind im Deutschen sowohl die nordgermanische Namensform Odin als auch die sĂŒdgermanische Form Wodan oder Wotan ĂŒblich. Der Ă€lteste schriftliche Nachweis des Namens ist eine Runeninschrift auf einer BĂŒgelfibel von Nordendorf aus dem 6. Jahrhundert n. Chr., die unter anderem wodan nennt. Die zweite Silbe wird schon im Nordseegermanischen zu -en oder -in umgebildet (angelsĂ€chsisch WĆden). In den nordgermanischen Sprachen ist dazu noch das anlautende w- vor o und u ausgefallen. Der frĂŒheste Beleg fĂŒr den Götternamen Odin aus der Zeit um 725 n. Chr. fand sich in der Form uĂŸin auf einem mit Runen beritzten SchĂ€delfragment.[3] Beide Namensvarianten entstammen nach Ansicht mancher sprachwissenschaftlich geprĂ€gter Richtungen einem Wortgeschlecht, das eine westliche Dehnform zum indogermanischen *wat âanblasen, anfachenâ, im ĂŒbertragenen Sinn âinspirierenâ, darstellt, verwandt mit altindisch vĂĄtati. Die protogermanische Urform des Götternamens lautete demnach WĆdanaz. Das mittelhochdeutsche und althochdeutsche wuot, neuhochdeutsch Wut, entstammt ebenfalls diesem indogermanischen Wortgeschlecht, entsprechend altnordisch Ăłdr, mit der Bedeutung von âStimme, Gesang, Leidenschaft, Dichtungâ, verwandt mit gemeingermanisch *wĆda âbesessen, erregtâ. Diese Bedeutungen sind charakteristische Darstellungen der Wesenhaftigkeit und der Handlungsmaximen Odins/Wodans.[4] Die inspirierte, seelische Erregung kann sich auf die poetische Dichtung ebenso beziehen wie auf die Magie und deren Möglichkeiten im Krieg, indem die Gegner magisch verblendet wurden, oder auf die jĂ€hzornartige Berserkerwut. Dementsprechend schreibt Adam von Bremen bezĂŒglich seiner Beschreibung des Tempels von Uppsala in seiner aus dem 11. Jahrhundert stammenden Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum: âWuodan id est furorâ (âWodan bezeichnet das WĂŒtenâ).
Der Wochentag Mittwoch nimmt in anderen germanischen Sprachen nach der Interpretation respektive Anlehnung des römischen Vorbilds auf Wodan Bezug. Der âWodanstagâ oder auch âWodenstagâ, Woensdag im NiederlĂ€ndischen, wurde im Neuenglischen zum Wednesday, im Friesischen Wernsdey, im DĂ€nischen und Schwedischen vergleichbar onsdag, dem Odinstag. Die Entlehnung hĂ€ngt mit der Ăbernahme der römischen 7-Tage-Woche durch die kontinentalen Germanen des 2.â3. Jahrhunderts zusammen. Der âMittwochâ stammt aus einer LehnĂŒbersetzung des lateinischen dies Mercurii âTag des Mercuriusâ, der als Ăquivalent Wodans betrachtet wurde (siehe dazu Interpretatio Romana).
Als frĂŒheste Nachweise der Gottheit wurden Felsbilder in Skandinavien gedeutet, die ĂŒbermannsgroĂe Figuren in phallischer Pose und mit einem Speer bewaffnet zeigen.[5] Diese Deutungen sind aber umstritten und beruhen auf den spĂ€theidnisch-skandinavischen schriftlichen sowie bildhaften Darstellungen Odins als einer mit einem Speer attributierten Gottheit neben Thor mit seinem Hammer und Tyr als Schwertgott.
Tacitus benennt innerhalb seiner ethnographischen Abhandlung, der landlĂ€ufig verkĂŒrzt betitelten Germania, im Kapitel 9 den ihm ĂŒbermittelten Abriss zu den religiösen VerhĂ€ltnissen der Germanen. In der Eröffnung zitiert er wörtlich Caesar aus dessen Gallischen Krieg. Tacitus fĂŒhrt als höchste verehrte Gottheit in römischer Interpretation den Mercurius an. Aus der weiteren Benennung der zwei weiteren Hauptgottheiten Hercules und Mars fĂŒr Donar/Thor und Tiwas/Tyr wird fĂŒr Mercurius Wodan/Odin geschlossen. Tacitus' EinfĂŒhrung ist jedoch nicht problemlos deckungsgleich mit den vermutlich tatsĂ€chlichen VerhĂ€ltnissen, beziehungsweise zeigt gleichfalls die Identifizierung des Hercules mit Donar/Thor, dass eine differenzierte Wertung zwingend ist.[6]
In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten wurde Wodan in der Germania inferior durch Weihesteine geehrt, die in der Regel von Germanen gestiftet wurden, die in römischen MilitĂ€r- oder Staatsdiensten standen. Die Steine tragen Inschriften, die den Namen des Mercurius mit germanischen Begrifflichkeiten paaren, seien es BezĂŒge zu Ărtlichkeiten, zu einzelnen StĂ€mmen oder Namensformen mit anderen BezĂŒgen. Beispielhafte Inschriften sind âMercurius Cimbrianusâ â Wodan der Kimbern und âMercurius Leudisiusâ â als Wodan von LĂŒttich.[7]
Die Deutungen[8] der Felsbilder fĂŒhrten neben anderen Aspekten[9] in der Forschung zu einer ungeklĂ€rten Streitfrage. Auf der einen Seite steht die in Anlehnung an G. DumĂ©zil und anderen[10] vertretene These, dass Wodan/Odin eine gesamtgermanische Götterfigur seit indogermanischer Zeit sei.[11] Auf der anderen Seite steht die These der allmĂ€hlichen Wanderung Wodans und dessen Kults,[12] die sich vor der Zeitenwende im niederrheinisch-nordwestdeutschen Raum entwickelte und ausbreitete und den alten Hoch- und Himmelsgott Tiwaz aus dessen Stellung verdrĂ€ngte.[13] Dieser Prozess mĂŒsste dann im Kontext der Auseinandersetzungen mit Rom sowie der VerĂ€nderung innergermanischer VerhĂ€ltnisse gesehen werden.[14]
Schriftzeugnisse im kontinental-germanischen Bereich sind spĂ€rlich, hauptsĂ€chlicher Nachweis sind hier spĂ€tere, zum Teil nach der Christianisierung verfasste Quellen (Edda)[15], welche die im Brauchtum tief verwurzelten Erinnerungen an die heidnische vorchristliche Zeit und deren religiöse Riten und Mythologien reflektieren.[16] Zudem ist in den islĂ€ndisch-eddischen Schriften des Hochmittelalters der Einfluss der Christianisierung und sowohl christlicher als auch griechisch-römischer Vorstellungen auch und gerade bei der Darstellung Odins zu erkennen.[17] Otto Höfler[18] stellte auf Grundlage der disparaten Quellensituation zu Odin/Wodan fest, dass man diesen nicht zu einem einheitlichen anthropomorphen, menschengestaltigen Charakterbild zusammenfassen kann, jedoch lĂ€sst sich ĂŒber die Epoche des germanischen Paganismus hinweg ein einheitlicher Kulttypus feststellen. Dieser manifestiert sich, wie in der etymologischen Deutung kurz umrissen, folgend:
Wodan ist der bestbezeugte Gott bei den germanischen StĂ€mmen und Völkern der Wanderungszeit. BerĂŒcksichtigt werden muss bei dieser Aussage die generell schlechte primĂ€re Quellenlage:
Odin ist eine der komplexesten Gestalten in der nordischen Mythologie. Kennzeichnend sind in den altnordisch-islĂ€ndischen mythologischen Schriften die zahlreichen Beinamen, die ihn charakterisieren (âsiehe Liste der Beinamen Odinsâ).
Aus den salzbereiften Steinen leckte die Kuh Audhumbla den Riesen Bure; dieser bekam einen Sohn, Bör, der sich mit der Riesentochter Bestla vermĂ€hlte und mit ihr Odin, Vili und VĂ© zeugte. Die letzteren beiden verlieren sich aus der Asengeschichte, werden selten erwĂ€hnt und haben wenig getan; Odin aber waltet mĂ€chtig, schöpferisch, durch alle Zeiten hindurch, bis zum Weltenbrand â dem Götterschicksal Ragnarök. Die erste Tat der drei vereinten BrĂŒder war, dass sie gegen den Joten Ymir auszogen, ihn erschlugen und aus seinem Leichnam die Welt bildeten. Die Welt war von Ymirs Blut ĂŒberschwemmt, und es rettete sich nur ein Paar, der Riese Bergelmir und seine Frau. Nachdem die Erde gebildet war, bestand sie aus zwei Teilen: der eine nur aus Feuer (Muspellsheim) und der andere nur aus Eis (Niflheim); dazwischen befand sich die Schlucht, Ymirs Grab. Odin bevölkerte die Erde, indem er ein Menschenpaar, Ask und Embla, erschuf. Allein das Riesengeschlecht pflanzte sich gleichfalls fort, und so war von Anfang an der Streit zwischen dem Guten und dem Bösen gelegt, in dem auch Odin selbst untergeht, da er nur ein endlicher Gott ist.
Odin ist ĂŒberaus weise. Sein Wissen verdankt er zwei Raben, Hugin und Munin, die auf seinen Schultern sitzen und ihm alles erzĂ€hlen, was auf der Welt geschieht, weshalb er auch der Rabengott heiĂt; ferner bezieht er sein Wissen aus einem Trunk von Mimirs Brunnen, wofĂŒr er ein Auge verlor; daher wird er auch der EinĂ€ugige genannt. Den köstlichen Skaldenmet wusste er sich durch seine List und mĂ€nnliche Schönheit von Gunlöda zu verschaffen, ist daher auch Dichterkönig und fĂŒhrt den Beinamen Liodasmieder (Liedermacher, Verseschmieder).
Odins Gattinnen und Geliebte sind: Jörd (Mutter des Thor), Rinda (Mutter des Wali), Frigga die Asenkönigin (Mutter des Balder, Bragi, Hermode und Tyr), Grydur (Mutter des Vidar), neun reine Riesenjungfrauen von unendlicher Schönheit, die alle neun am Meeresstrand schlafend, zugleich MĂŒtter des Heimdall wurden; Skadi, frĂŒher Njörds Gattin (von O. Mutter des Semming und vieler anderer Söhne), Gritha (Mutter Skiolds); ferner erfreuten ihn mit ihrer Gunst die Riesentochter Gunlöda und Laga, die Göttin der GewĂ€sser.
Odin wohnt in Asgard, wo er zwei PalĂ€ste hat: Walaskialf und Gladsheim mit Walhall. Von dem ersten vermag er die ganze Welt zu ĂŒberschauen; der zweite ist zu den Versammlungen des Götterrats bestimmt; darin befindet sich die Halle, in der sich um ihn alle Helden der Erde sammeln, um mit ihm gegen die den Weltuntergang herbeifĂŒhrenden MĂ€chte zu kĂ€mpfen. Diese Helden heiĂen Einherjer, werden auf dem Schlachtfeld (Walstatt) von den WalkĂŒren mit einem Kuss zum Festmahl Odins eingeladen und erwarten dort unter fortwĂ€hrendem Festgelage und KĂ€mpfen die GötterdĂ€mmerung (Ragnarök).
Selbst ein Freund des Zechens und der Schlachten, lĂ€sst Odin sich stets von zwei WalkĂŒren, Rista und Mista, mit goldenen Pokalen bedienen und kĂ€mpft mit den Einherjern auf seinem achtfĂŒĂigen Ross mit einem nie das Ziel verfehlenden Speer Gungnir; doch helfen ihm weder seine Helden noch seine Waffen: Der Weltuntergang bringt auch ihm den Tod.[19]
Odin ist beharrlich auf der Suche nach Weisheit. Er gibt ein Auge als Pfand gegen einen Schluck aus Mimirs Brunnen, um seherische KrĂ€fte zu bekommen. Er raubt von der Riesin Gunnlöd den Skaldenmet Odrörir und bringt ihn in Adlergestalt zu den Göttern. Als Opfer fĂŒr die Menschen hĂ€ngt er im Weltenbaum Yggdrasil, verwundet von seinem eigenen Speer. Er hĂ€ngt dort wĂ€hrend neun Tagen und NĂ€chten (âVom Speer verwundet, dem Odin geweiht, mir selber ich selbst, am Ast des Baums, dem man nicht ansehen kann, aus welcher Wurzel er sprossâ; aus Odins Runenlied 138), wobei er die Runen ersinnt (Odins Runenlied in der HĂĄvamĂĄl der Lieder-Edda).
Odin reitet jeden Morgen auf seinem achtbeinigen Ross Sleipnir und mit seinen beiden treuen Raben Hugin und Munin (âGedankeâ und âErinnerungâ) ĂŒber den Morgenhimmel und erkundet die Welt. Seine Wölfe Geri und Freki (âGierigâ und âGefrĂ€Ăigâ) helfen ihm bei der Jagd. Er besitzt den goldenen Zwergen-Ring Draupnir und den Speer Gungnir, mit dem er den ersten Krieg in die Welten (Asgard, Midgard und Utgard, Wanaheim, Schwarzalbenheim, Lichtelfenheim, Helheim, Niflheim, Muspelheim) brachte, als er ihn ins Heer der Wanen warf. Weiterhin hat er den abgetrennten Kopf des Riesen Mimir, der die Zukunft vorhersagen kann. Von seinem Thron Hlidskialf aus (er steht in Valaskjalf; siehe auch: Sökkvabekk oder Gladsheim) kann Odin alles sehen, was sich in der Welt ereignet. Odin trĂ€gt einen Wunschmantel, der ihn an die Orte bringt, an denen er sich aufhalten will und mit dem er sich unsichtbar machen kann.
Ausgehend von der Etymologie Wodans hat sich die Vorstellung im Volksglauben bis in die Neuzeit erhalten und tradiert, dass sich zur Zeit der HerbststĂŒrme Wodan in der wilden Jagd (dĂ€nisch Odins jagt, schwedisch Odensjakt) mit dem Heer der Verstorbenen durch den Himmel bewegt. Die wilde Jagd heiĂt im Nordischen auch Asgardareid. Odin und Frigg nehmen dort gemeinsam teil. Wodan als der Herr der Toten und StĂŒrme (hier besonders die HerbststĂŒrme) kam bei den heidnischen Herbstfesten eine besondere Rolle zu. In den altsĂ€chsischen Siedlungs- und Sprachgebieten hielt sich bei Erntedankfeiern bis ins 16. Jahrhundert der Brauch, âWodenâ zu Ehren Bier als Trankopfer auszugieĂen und TĂ€nze aufzufĂŒhren.
Jacob Grimm zeigte, dass besonders ErntesprĂŒche und damit verbundene SegenssprĂŒche auf Wodan Bezug nahmen. Vor allem in den ehemaligen sĂ€chsischen Gebieten, dem heutigen Niedersachsen und Westfalen, aber auch den sĂ€chsischen Siedlungsgebieten in England, wo der Wodanskult tief in den Stammes-Sagen verwurzelt war und auf das tradierte Brauchtum bis in die Gegenwart abstrahlt. Grimm fĂŒhrte z.B. aus den mecklenburgischen und besonders aus dem schaumburg-lippischen Landen folgende ErntesprĂŒche in den jeweiligen niederdeutschen Dialekten an[20]:
Mecklenburg:
âWode, Wode, hale dinnen Rosse nu voder,
nu Diestel un Dorn,
Ă€chter jar beter Korn!â
âWode, Wode, hole deinem Rosse nur Futter,
nun Distel und Dorn,
ĂŒber' s Jahr dessen Korn.â
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Schaumburg:
âWold, Wold, Wold !
HĂ€venshĂŒne wei wat schĂŒt,
jĂŒmm hei dal van HĂ€ven sĂŒt.
Vulle Kruken un Sangen hÀt hei,
upen Holte wÀsst manigerlei:
hei is nig barn un wert nig old.
Wold, Wold, Wold !â
âWold, Wold, Wold !
HimmelshĂŒne weiĂ was geschieht,
vom Himmel er herunter sieht,
Volle KrĂŒge und Garben gibt er,
im Walde wÀchst mancherlei:
Er ist nicht geboren und wird nicht alt.
Wold, Wold, Wold !â
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Wahrscheinlich wurde Wodan, auĂer der Trankspende, auf dem abgeernteten Feld Getreide stehen gelassen (regional zum Beispiel in Ostwestfalen noch heute anzutreffen). Geistliche, die sich bis ins 19. Jahrhundert an solchen Riten beteiligten, erhielten als eigene Abgaben auch Getreideopfer zum Schutz der Feldfrucht[21].
Auf einer Synode im Jahr 813 lieĂ der Frankenkönig Ludwig der Fromme, Sohn Karls, den Michaelstag in die Woche des Festes fĂŒr Wodan legen. Die zahlreichen Michaelskapellen in Norddeutschland weisen auf vermutete vorherige WodansheiligtĂŒmer oder andere KultplĂ€tze hin.[22] Des Weiteren deuten Funde von Weihesteinen auf den Bezug zwischen Wodan und St. Michael hin. So wurden auf dem âMichelsbergâ, der ein Vorberg des Heiligenbergs bei Heidelberg ist, Weihesteine gefunden, welche die Inschrift âMercurius Cimbrianusâ und âMercurius Cimbriusâ tragen, und somit auf alte WodanskultstĂ€tten hinweisen, die zu christlichen Zwecken umgewandelt wurden. In der Regel wurde auch durch die Errichtung von Kapellen vor Ort die christliche Inanspruchnahme ausgedrĂŒckt.[23] Im selben Zeitraum setzte eine deutliche DĂ€monisierung seitens der christlichen Missionare ein, wie es beispielsweise im Wortlaut des sĂ€chsischen Taufgelöbnisses nachzuvollziehen ist. Dies war im Falle Wodan/Odins insofern naheliegend und erfolgversprechend, als der schamanistisch-widernatĂŒrliche Grundzug des Gottes in der religiösen Praxis der Germanen alltĂ€glich gegenwĂ€rtig war. Diese Verteufelung Wodans, dessen Machtlosigkeit dem HeerfĂŒhrer Christus[24] gegenĂŒber, erfĂŒllte sich besonders auch durch das Bild des heldenhaften Erzengels Michael, der den Drachen/Satan besiegt.