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Odin

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Odin (BegriffsklĂ€rung) aufgefĂŒhrt.
Abbildung von Odin auf Sleipnir aus der islĂ€ndischen Eddahandschrift NKS 1867 4to von Ólafur BrynjĂșlfsson aus dem Jahre 1760

Odin oder sĂŒdgermanisch Wodan, altislĂ€ndisch Óðinn, altenglisch Wƍden, altsĂ€chsisch Uuoden[1], althochdeutsch Wuotan, gemeingermanisch *WÎðanaz, ist der Hauptgott in der nordischen Mythologie und Religion, wie sie in den eddischen Dichtungen vorgestellt wird.[2]

Inhaltsverzeichnis

Darstellung

Bisher sind Odin zugeschriebene Darstellung meist als Reiter erfolgt. 2009 wurde bei Ausgrabungen in Gammel Lejre in DĂ€nemark, eine etwa 20×20 cm große vergoldete Figur aus Silber gefunden. Das Museum Roskilde datiert den einzigartigen Fund auf 900–1000 n. Chr. Es handelt sich um eine Darstellung von Odin und seinem magischen Thron Hlidskialf mit den Raben Hugin und Munin. Der Thron befĂ€higte Odin ĂŒber alle neun Welten zu sehen. Die Ringe am Hals und auf der Brust der Figur werden als „Draupnir“ (TrĂ€ufler) interpretiert. Das fehlende Auge, das er opferte um weise zu werden, verweist ebenfalls auf Odin. Kleine Throne wurden auch bei anderen archĂ€ologischen Ausgrabungen gefunden, darunter auch in Haithabu. Jedoch fehlt auf diesen eine Person. Der Fund in Gammel Lejre ist die erste Darstellung von Odin und seinem magischen Thron Hlidskialf.

Etymologie und Herkunft

Odin, als Wanderer, aus einer schwedischen Ausgabe der Edda von 1886

Etymologie

Je nach Kontext sind im Deutschen sowohl die nordgermanische Namensform Odin als auch die sĂŒdgermanische Form Wodan oder Wotan ĂŒblich. Der Ă€lteste schriftliche Nachweis des Namens ist eine Runeninschrift auf einer BĂŒgelfibel von Nordendorf aus dem 6. Jahrhundert n. Chr., die unter anderem wodan nennt. Die zweite Silbe wird schon im Nordseegermanischen zu -en oder -in umgebildet (angelsĂ€chsisch Wƍden). In den nordgermanischen Sprachen ist dazu noch das anlautende w- vor o und u ausgefallen. Der frĂŒheste Beleg fĂŒr den Götternamen Odin aus der Zeit um 725 n. Chr. fand sich in der Form uĂŸin auf einem mit Runen beritzten SchĂ€delfragment.[3] Beide Namensvarianten entstammen nach Ansicht mancher sprachwissenschaftlich geprĂ€gter Richtungen einem Wortgeschlecht, das eine westliche Dehnform zum indogermanischen *wat ‚anblasen, anfachen‘, im ĂŒbertragenen Sinn „inspirieren“, darstellt, verwandt mit altindisch vĂĄtati. Die protogermanische Urform des Götternamens lautete demnach Wƍdanaz. Das mittelhochdeutsche und althochdeutsche wuot, neuhochdeutsch Wut, entstammt ebenfalls diesem indogermanischen Wortgeschlecht, entsprechend altnordisch Ăłdr, mit der Bedeutung von „Stimme, Gesang, Leidenschaft, Dichtung“, verwandt mit gemeingermanisch *wƍda ‚besessen, erregt‘. Diese Bedeutungen sind charakteristische Darstellungen der Wesenhaftigkeit und der Handlungsmaximen Odins/Wodans.[4] Die inspirierte, seelische Erregung kann sich auf die poetische Dichtung ebenso beziehen wie auf die Magie und deren Möglichkeiten im Krieg, indem die Gegner magisch verblendet wurden, oder auf die jĂ€hzornartige Berserkerwut. Dementsprechend schreibt Adam von Bremen bezĂŒglich seiner Beschreibung des Tempels von Uppsala in seiner aus dem 11. Jahrhundert stammenden Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificum: „Wuodan id est furor“ („Wodan bezeichnet das WĂŒten“).

Der Wochentag Mittwoch nimmt in anderen germanischen Sprachen nach der Interpretation respektive Anlehnung des römischen Vorbilds auf Wodan Bezug. Der „Wodanstag“ oder auch „Wodenstag“, Woensdag im NiederlĂ€ndischen, wurde im Neuenglischen zum Wednesday, im Friesischen Wernsdey, im DĂ€nischen und Schwedischen vergleichbar onsdag, dem Odinstag. Die Entlehnung hĂ€ngt mit der Übernahme der römischen 7-Tage-Woche durch die kontinentalen Germanen des 2.–3. Jahrhunderts zusammen. Der „Mittwoch“ stammt aus einer LehnĂŒbersetzung des lateinischen dies Mercurii ‚Tag des Mercurius‘, der als Äquivalent Wodans betrachtet wurde (siehe dazu Interpretatio Romana).

Herkunft

Als frĂŒheste Nachweise der Gottheit wurden Felsbilder in Skandinavien gedeutet, die ĂŒbermannsgroße Figuren in phallischer Pose und mit einem Speer bewaffnet zeigen.[5] Diese Deutungen sind aber umstritten und beruhen auf den spĂ€theidnisch-skandinavischen schriftlichen sowie bildhaften Darstellungen Odins als einer mit einem Speer attributierten Gottheit neben Thor mit seinem Hammer und Tyr als Schwertgott.

Tacitus benennt innerhalb seiner ethnographischen Abhandlung, der landlĂ€ufig verkĂŒrzt betitelten Germania, im Kapitel 9 den ihm ĂŒbermittelten Abriss zu den religiösen VerhĂ€ltnissen der Germanen. In der Eröffnung zitiert er wörtlich Caesar aus dessen Gallischen Krieg. Tacitus fĂŒhrt als höchste verehrte Gottheit in römischer Interpretation den Mercurius an. Aus der weiteren Benennung der zwei weiteren Hauptgottheiten Hercules und Mars fĂŒr Donar/Thor und Tiwas/Tyr wird fĂŒr Mercurius Wodan/Odin geschlossen. Tacitus' EinfĂŒhrung ist jedoch nicht problemlos deckungsgleich mit den vermutlich tatsĂ€chlichen VerhĂ€ltnissen, beziehungsweise zeigt gleichfalls die Identifizierung des Hercules mit Donar/Thor, dass eine differenzierte Wertung zwingend ist.[6]

In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten wurde Wodan in der Germania inferior durch Weihesteine geehrt, die in der Regel von Germanen gestiftet wurden, die in römischen MilitĂ€r- oder Staatsdiensten standen. Die Steine tragen Inschriften, die den Namen des Mercurius mit germanischen Begrifflichkeiten paaren, seien es BezĂŒge zu Örtlichkeiten, zu einzelnen StĂ€mmen oder Namensformen mit anderen BezĂŒgen. Beispielhafte Inschriften sind „Mercurius Cimbrianus“ – Wodan der Kimbern und „Mercurius Leudisius“ – als Wodan von LĂŒttich.[7]

Die Deutungen[8] der Felsbilder fĂŒhrten neben anderen Aspekten[9] in der Forschung zu einer ungeklĂ€rten Streitfrage. Auf der einen Seite steht die in Anlehnung an G. DumĂ©zil und anderen[10] vertretene These, dass Wodan/Odin eine gesamtgermanische Götterfigur seit indogermanischer Zeit sei.[11] Auf der anderen Seite steht die These der allmĂ€hlichen Wanderung Wodans und dessen Kults,[12] die sich vor der Zeitenwende im niederrheinisch-nordwestdeutschen Raum entwickelte und ausbreitete und den alten Hoch- und Himmelsgott Tiwaz aus dessen Stellung verdrĂ€ngte.[13] Dieser Prozess mĂŒsste dann im Kontext der Auseinandersetzungen mit Rom sowie der VerĂ€nderung innergermanischer VerhĂ€ltnisse gesehen werden.[14]

Schriftzeugnisse im kontinental-germanischen Bereich sind spĂ€rlich, hauptsĂ€chlicher Nachweis sind hier spĂ€tere, zum Teil nach der Christianisierung verfasste Quellen (Edda)[15], welche die im Brauchtum tief verwurzelten Erinnerungen an die heidnische vorchristliche Zeit und deren religiöse Riten und Mythologien reflektieren.[16] Zudem ist in den islĂ€ndisch-eddischen Schriften des Hochmittelalters der Einfluss der Christianisierung und sowohl christlicher als auch griechisch-römischer Vorstellungen auch und gerade bei der Darstellung Odins zu erkennen.[17] Otto Höfler[18] stellte auf Grundlage der disparaten Quellensituation zu Odin/Wodan fest, dass man diesen nicht zu einem einheitlichen anthropomorphen, menschengestaltigen Charakterbild zusammenfassen kann, jedoch lĂ€sst sich ĂŒber die Epoche des germanischen Paganismus hinweg ein einheitlicher Kulttypus feststellen. Dieser manifestiert sich, wie in der etymologischen Deutung kurz umrissen, folgend:

  • die Beziehung zur Ekstase
  • der Bezug zu den Toten beziehungsweise Totenkult
  • die VerwandlungsfĂ€higkeit
  • kriegerische, vegetative und dĂ€monische ZĂŒge.

Wodan in der kontinentalen Überlieferung

Wodan ist der bestbezeugte Gott bei den germanischen StĂ€mmen und Völkern der Wanderungszeit. BerĂŒcksichtigt werden muss bei dieser Aussage die generell schlechte primĂ€re Quellenlage:

Odin in der nordischen Mythologie

Brakteat mit Runeninschrift, ĂŒblicherweise als Odin interpretiert

Odin ist eine der komplexesten Gestalten in der nordischen Mythologie. Kennzeichnend sind in den altnordisch-islĂ€ndischen mythologischen Schriften die zahlreichen Beinamen, die ihn charakterisieren („siehe Liste der Beinamen Odins“).

Zusammenfassung aus der Lieder- und Prosa-Edda

Aus den salzbereiften Steinen leckte die Kuh Audhumbla den Riesen Bure; dieser bekam einen Sohn, Bör, der sich mit der Riesentochter Bestla vermĂ€hlte und mit ihr Odin, Vili und VĂ© zeugte. Die letzteren beiden verlieren sich aus der Asengeschichte, werden selten erwĂ€hnt und haben wenig getan; Odin aber waltet mĂ€chtig, schöpferisch, durch alle Zeiten hindurch, bis zum Weltenbrand – dem Götterschicksal Ragnarök. Die erste Tat der drei vereinten BrĂŒder war, dass sie gegen den Joten Ymir auszogen, ihn erschlugen und aus seinem Leichnam die Welt bildeten. Die Welt war von Ymirs Blut ĂŒberschwemmt, und es rettete sich nur ein Paar, der Riese Bergelmir und seine Frau. Nachdem die Erde gebildet war, bestand sie aus zwei Teilen: der eine nur aus Feuer (Muspellsheim) und der andere nur aus Eis (Niflheim); dazwischen befand sich die Schlucht, Ymirs Grab. Odin bevölkerte die Erde, indem er ein Menschenpaar, Ask und Embla, erschuf. Allein das Riesengeschlecht pflanzte sich gleichfalls fort, und so war von Anfang an der Streit zwischen dem Guten und dem Bösen gelegt, in dem auch Odin selbst untergeht, da er nur ein endlicher Gott ist.

Bildnis von Odin auf einer Helmplatte des 7. Jahrhunderts

Odin ist ĂŒberaus weise. Sein Wissen verdankt er zwei Raben, Hugin und Munin, die auf seinen Schultern sitzen und ihm alles erzĂ€hlen, was auf der Welt geschieht, weshalb er auch der Rabengott heißt; ferner bezieht er sein Wissen aus einem Trunk von Mimirs Brunnen, wofĂŒr er ein Auge verlor; daher wird er auch der EinĂ€ugige genannt. Den köstlichen Skaldenmet wusste er sich durch seine List und mĂ€nnliche Schönheit von Gunlöda zu verschaffen, ist daher auch Dichterkönig und fĂŒhrt den Beinamen Liodasmieder (Liedermacher, Verseschmieder).

Odins Gattinnen und Geliebte sind: Jörd (Mutter des Thor), Rinda (Mutter des Wali), Frigga die Asenkönigin (Mutter des Balder, Bragi, Hermode und Tyr), Grydur (Mutter des Vidar), neun reine Riesenjungfrauen von unendlicher Schönheit, die alle neun am Meeresstrand schlafend, zugleich MĂŒtter des Heimdall wurden; Skadi, frĂŒher Njörds Gattin (von O. Mutter des Semming und vieler anderer Söhne), Gritha (Mutter Skiolds); ferner erfreuten ihn mit ihrer Gunst die Riesentochter Gunlöda und Laga, die Göttin der GewĂ€sser.

Odin wohnt in Asgard, wo er zwei PalĂ€ste hat: Walaskialf und Gladsheim mit Walhall. Von dem ersten vermag er die ganze Welt zu ĂŒberschauen; der zweite ist zu den Versammlungen des Götterrats bestimmt; darin befindet sich die Halle, in der sich um ihn alle Helden der Erde sammeln, um mit ihm gegen die den Weltuntergang herbeifĂŒhrenden MĂ€chte zu kĂ€mpfen. Diese Helden heißen Einherjer, werden auf dem Schlachtfeld (Walstatt) von den WalkĂŒren mit einem Kuss zum Festmahl Odins eingeladen und erwarten dort unter fortwĂ€hrendem Festgelage und KĂ€mpfen die GötterdĂ€mmerung (Ragnarök).

Selbst ein Freund des Zechens und der Schlachten, lĂ€sst Odin sich stets von zwei WalkĂŒren, Rista und Mista, mit goldenen Pokalen bedienen und kĂ€mpft mit den Einherjern auf seinem achtfĂŒĂŸigen Ross mit einem nie das Ziel verfehlenden Speer Gungnir; doch helfen ihm weder seine Helden noch seine Waffen: Der Weltuntergang bringt auch ihm den Tod.[19]

Odins Selbstopfer

Odin ist beharrlich auf der Suche nach Weisheit. Er gibt ein Auge als Pfand gegen einen Schluck aus Mimirs Brunnen, um seherische KrĂ€fte zu bekommen. Er raubt von der Riesin Gunnlöd den Skaldenmet Odrörir und bringt ihn in Adlergestalt zu den Göttern. Als Opfer fĂŒr die Menschen hĂ€ngt er im Weltenbaum Yggdrasil, verwundet von seinem eigenen Speer. Er hĂ€ngt dort wĂ€hrend neun Tagen und NĂ€chten („Vom Speer verwundet, dem Odin geweiht, mir selber ich selbst, am Ast des Baums, dem man nicht ansehen kann, aus welcher Wurzel er spross“; aus Odins Runenlied 138), wobei er die Runen ersinnt (Odins Runenlied in der HĂĄvamĂĄl der Lieder-Edda).

Magische Artefakte und Begleiter

Bildnis des Odin, 1888

Odin reitet jeden Morgen auf seinem achtbeinigen Ross Sleipnir und mit seinen beiden treuen Raben Hugin und Munin („Gedanke“ und „Erinnerung“) ĂŒber den Morgenhimmel und erkundet die Welt. Seine Wölfe Geri und Freki („Gierig“ und „GefrĂ€ĂŸig“) helfen ihm bei der Jagd. Er besitzt den goldenen Zwergen-Ring Draupnir und den Speer Gungnir, mit dem er den ersten Krieg in die Welten (Asgard, Midgard und Utgard, Wanaheim, Schwarzalbenheim, Lichtelfenheim, Helheim, Niflheim, Muspelheim) brachte, als er ihn ins Heer der Wanen warf. Weiterhin hat er den abgetrennten Kopf des Riesen Mimir, der die Zukunft vorhersagen kann. Von seinem Thron Hlidskialf aus (er steht in Valaskjalf; siehe auch: Sökkvabekk oder Gladsheim) kann Odin alles sehen, was sich in der Welt ereignet. Odin trĂ€gt einen Wunschmantel, der ihn an die Orte bringt, an denen er sich aufhalten will und mit dem er sich unsichtbar machen kann.

Brauchtum

Ausgehend von der Etymologie Wodans hat sich die Vorstellung im Volksglauben bis in die Neuzeit erhalten und tradiert, dass sich zur Zeit der HerbststĂŒrme Wodan in der wilden Jagd (dĂ€nisch Odins jagt, schwedisch Odensjakt) mit dem Heer der Verstorbenen durch den Himmel bewegt. Die wilde Jagd heißt im Nordischen auch Asgardareid. Odin und Frigg nehmen dort gemeinsam teil. Wodan als der Herr der Toten und StĂŒrme (hier besonders die HerbststĂŒrme) kam bei den heidnischen Herbstfesten eine besondere Rolle zu. In den altsĂ€chsischen Siedlungs- und Sprachgebieten hielt sich bei Erntedankfeiern bis ins 16. Jahrhundert der Brauch, „Woden“ zu Ehren Bier als Trankopfer auszugießen und TĂ€nze aufzufĂŒhren.

Jacob Grimm zeigte, dass besonders ErntesprĂŒche und damit verbundene SegenssprĂŒche auf Wodan Bezug nahmen. Vor allem in den ehemaligen sĂ€chsischen Gebieten, dem heutigen Niedersachsen und Westfalen, aber auch den sĂ€chsischen Siedlungsgebieten in England, wo der Wodanskult tief in den Stammes-Sagen verwurzelt war und auf das tradierte Brauchtum bis in die Gegenwart abstrahlt. Grimm fĂŒhrte z.B. aus den mecklenburgischen und besonders aus dem schaumburg-lippischen Landen folgende ErntesprĂŒche in den jeweiligen niederdeutschen Dialekten an[20]:

Mecklenburg:

„Wode, Wode, hale dinnen Rosse nu voder,
nu Diestel un Dorn,
Ă€chter jar beter Korn!“

„Wode, Wode, hole deinem Rosse nur Futter,
nun Distel und Dorn,
ĂŒber' s Jahr dessen Korn.“

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Schaumburg:

„Wold, Wold, Wold !
HĂ€venshĂŒne wei wat schĂŒt,
jĂŒmm hei dal van HĂ€ven sĂŒt.
Vulle Kruken un Sangen hÀt hei,
upen Holte wÀsst manigerlei:
hei is nig barn un wert nig old.
Wold, Wold, Wold !“

„Wold, Wold, Wold !
HimmelshĂŒne weiß was geschieht,
vom Himmel er herunter sieht,
Volle KrĂŒge und Garben gibt er,
im Walde wÀchst mancherlei:
Er ist nicht geboren und wird nicht alt.
Wold, Wold, Wold !“

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Wotan-Denkmal in Hannover von Wilhelm Engelhard, 1888

Wahrscheinlich wurde Wodan, außer der Trankspende, auf dem abgeernteten Feld Getreide stehen gelassen (regional zum Beispiel in Ostwestfalen noch heute anzutreffen). Geistliche, die sich bis ins 19. Jahrhundert an solchen Riten beteiligten, erhielten als eigene Abgaben auch Getreideopfer zum Schutz der Feldfrucht[21].

Auf einer Synode im Jahr 813 ließ der Frankenkönig Ludwig der Fromme, Sohn Karls, den Michaelstag in die Woche des Festes fĂŒr Wodan legen. Die zahlreichen Michaelskapellen in Norddeutschland weisen auf vermutete vorherige WodansheiligtĂŒmer oder andere KultplĂ€tze hin.[22] Des Weiteren deuten Funde von Weihesteinen auf den Bezug zwischen Wodan und St. Michael hin. So wurden auf dem „Michelsberg“, der ein Vorberg des Heiligenbergs bei Heidelberg ist, Weihesteine gefunden, welche die Inschrift „Mercurius Cimbrianus“ und „Mercurius Cimbrius“ tragen, und somit auf alte WodanskultstĂ€tten hinweisen, die zu christlichen Zwecken umgewandelt wurden. In der Regel wurde auch durch die Errichtung von Kapellen vor Ort die christliche Inanspruchnahme ausgedrĂŒckt.[23] Im selben Zeitraum setzte eine deutliche DĂ€monisierung seitens der christlichen Missionare ein, wie es beispielsweise im Wortlaut des sĂ€chsischen Taufgelöbnisses nachzuvollziehen ist. Dies war im Falle Wodan/Odins insofern naheliegend und erfolgversprechend, als der schamanistisch-widernatĂŒrliche Grundzug des Gottes in der religiösen Praxis der Germanen alltĂ€glich gegenwĂ€rtig war. Diese Verteufelung Wodans, dessen Machtlosigkeit dem HeerfĂŒhrer Christus[24] gegenĂŒber, erfĂŒllte sich besonders auch durch das Bild des heldenhaften Erzengels Michael, der den Drachen/Satan besiegt.

Siehe auch

Literatur

  •  Adolf Bach: Die Geschichte der deutschen Sprache. Quelle & Meyer, Heidelberg 1965, ISBN ASIN B0000BG18Z.</span>
  •  Hanns BĂ€chtold-StĂ€ubli: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Walter De Gruyter, Berlin und Leipzig 1929-1942, ISBN 3-11-016860-X.</span>
  •  Arno Borst: Lebensformen im Mittelalter. Ullstein, Berlin 1999, ISBN 3-548-26513-8.</span>
  •  Arthur Cotterell: Die EnzyklopĂ€die der Mythologie. Edition XXL, ISBN 978-3-89736-300-7.</span>
  •  Jan de Vries: Altgermanische Religionsgeschichte (2 BĂ€nde). Walter De Gruyter, Berlin 1970.</span>
  •  Jan de Vries: Die geistige Welt der Germanen. WBG, Darmstadt 1964.</span>
  •  Jan de Vries: Altnordisches Etymologisches Wörterbuch. Brill, Leiden 1962, ISBN 9004054367.</span>
  •  Wolfgang Golther: Handbuch der Germanischen Mythologie. Marixverlag, Wiesbaden 2004, ISBN 3-937715-38-X.</span>
  •  Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. Vma-Vertriebsgesellschaft, Berlin Nachdruck der 4. Auflage 1875-78, ISBN 3-92238-368-8.</span>
  •  Karl Helm: Altgermanische Religionsgeschichte (2 BĂ€nde). Carl Winter, Heidelberg 1913–1953.</span>
  •  Karl Helm: Wodan – Ausbreitung und Wanderung seines Kultes. W. Schmitz Verlag, Gießen 1946.</span>
  •  Herder Lexikon: Germanische und keltische Mythologie. Herder Verlag, Freiburg 1997, ISBN 3-451-04250-9.</span>
  •  Andreas Hultgard: Wotan–Odin. In: H. Beck, D. Geuenich, H. Steuer (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. 35, de Gruyter, Berlin – New York 1992, ISBN 978-3-11-018784-7, S. 759 – 785.</span>
  •  Friedrich Kluge, Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Walter de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 978-3-11-017473-1.</span>
  •  Joseph Mansion: Althochdeutsches Lesebuch. Carl Winter, Heidelberg 1912.</span>
  •  Wolfgang Meid: Aspekte der germanischen und keltischen Religion im Zeugnis der Sprache. Innsbruck 1991.</span>
  •  Rudolf Much, Herbert Jankuhn, Wolfgang Lange: Die Germania des Tacitus. Carl Winter, Heidelberg 1967.</span>
  •  Ernst Alfred Philippson: Germanisches Heidentum bei den Angelsachsen (Kölner anglistische Arbeiten Bd.4). Verlag Bernh. Tauchnitz, Leipzig 1929.</span>
  • Hellmut Rosenfeldt: Kultur der Germanen; Wodanskult. In: Abriss der Geschichte antiker Randkulturen, Wolf - D. Barloewen (Hrsg.). Oldenbourg, MĂŒnchen 1961.
  •  Hermann Schneider (Hrsg.): Edda, Skalden, Saga. Festschrift Felix Genzmer. Carl Winter, Heidelberg 1952.</span>
  •  Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie. Kröner Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-520-36802-1.</span>
  •  Rudolf Simek: Religion und Mythologie der Germanen. WBG, Darmstadt 2003, ISBN 3-534-16910-7.</span>
  •  Rudolf Simek: Götter und Kulte der Germanen. Beck Verlag, MĂŒnchen 2006, ISBN 3-406-50835-9.</span>
  •  Ake V. Ström, Haralds Biezais: Germanische und Baltische Religion. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1975, ISBN 3-17-001157-X..</span>
  •  Wilhelm Vollmer: Wörterbuch der Mythologie aller Völker. Reprint-Verlag-Leipzig, Holzminden 2002, ISBN 978-3-8262-2200-9.</span>
  •  Ernst Wasserzieher: Ableitendes Wörterbuch der deutschen Sprache. DĂŒmmler Verlag, Berlin 1925.</span>

Weblinks

 Commons: Odin â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Odin â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Woden; Quelle fĂŒr die Form Uuoden ist das sĂ€chsische Taufgelöbnis in altsĂ€chsischer Sprache. Die Wiedergabe ist aber teilweise in ahd. Schriftform, ostfrĂ€nkischer Mundart mit angelsĂ€chsischem Einfluss in der Transkription, die das „W“ in dieser noch heute im Englischen so benannten Form des „Doppel-U“ wiedergibt.
  2. ↑ De Vries: Altnordisches Etymologisches Wörterbuch. S. 416.
  3. ↑ A. HultgĂ„rd: Wotan-Odin. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde Bd. 35 (Berlin 2007) S. 759 f.
  4. ↑ Kluge, Wasserzieher: → etymologische Abhandlung unter den Stichworten „Wut, wĂŒtend“ und „Wotan“
  5. ↑ De Vries: Altgermanische Religionsgeschichte. S. 373.
  6. ↑ Simek: 2006
  7. ↑ De Vries: Altgermanische Religionsgeschichte. S. 363, 364. Helm: Altgermanische Religionsgeschichte. Bd. 1, S. 209–211.
  8. ↑ Kurt Schier: Skandinavische Feslbilder als Quelle fĂŒr die germanische Religionsgeschichte. In: Germanische Religionsgeschichte. ErgĂ€nzungsband Nr. 5 Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Hrsg. H. Beck, D. Ellmers, K. Schier. Berlin – New York 1992, S. 198 f. BezĂŒglich der Deutungen De Vries u.a.
  9. ↑ Unter anderem sind diese Aspekte das von Tacitus (Kap. 39) beschriebene Opfer der Semnonen an einen regnator omnium deus (den alles beherrschenden Gott) der entweder als Wodan oder Teiwaz/Tiuz gedeutet wird (u. a. R. Much in Die Germania des Tacitus. S. 438–437). Und die fehlenden OrtsnamenbezĂŒge (Theophorismen) auf Odin in Skandinavien, die in Norwegen und Island zur GĂ€nze fehlen. Diese Thematik wird bei den im Artikel angefĂŒhrten wissenschaftlichen Autoren mit jeweiliger PrĂ€ferenz ausgefĂŒhrt.
  10. ↑ So auch Gustav Neckel, Jan de Vries, Ake V. Ström u.a.
  11. ↑ De Vries: Altgermanische Religionsgeschichte. S. 374 f.
  12. ↑ So unter anderen Franz Rolf Schröder, Rudolf Much, Karl Helm besonders in dessen Schrift Wodan ... (siehe Literaturliste).
  13. ↑ Otto Höfler: Das Opfer im Semnonenhain und die Edda. In: Festschrift fĂŒr F. Genzmer. (Hrsg. H. Schneider), Heidelberg 1952, S. 64 f. Herder Lexikon: S. 186 Stichwort → Wodan, unterstĂŒtzt die Wanderungshypothese
  14. ↑ Derolez: S. 136. Bach: S. 44, durch Wanderungen Aufhebung der alten rĂ€umlichen Gliederung der germ. StĂ€mme, und Entstehung einzelner Dialekte aus der gemeingermanischen Sprache.
  15. ↑ Golther: Kap.9; „.. in der Odin-Dichtung gelangt man zunĂ€chst auf die unmittelbare Quelle, den deutschen Wodans-Glauben, der jedoch nicht unverĂ€ndert, sondern im Gegenteil mit selbstĂ€ndigen ZusĂ€tzen der nordischen Skalden reichlich ausgeschmĂŒckt erscheint.“
  16. ↑ Das primĂ€re mythische Motiv wurde vermengt mit dem sekundĂ€ren Mythenkomplex (Lieder-Edda und Prosa-Edda). Je stĂ€rker entwickelt sich das mythologische Element darstellt, umso schwĂ€cher ist die dahinter stehende religiöse Dichte bzw. die VerlĂ€sslichkeit der RĂŒckschlĂŒsse auf die eigentliche Religion. Helm: Altgermanische Religionsgeschichte. Bd. 1, S. 27, 28 ff. Walter Baetke: Art und Glaube der Germanen. Hamburg 1934, S. 18.
  17. ↑ Golther: „Die Frage dreht sich eigentlich gar nimmer ernstlich darum, ob die nordische Mythologie ĂŒberhaupt fremde Bestandteile aufnahm, sondern nur, wie viele und auf welche Art [aus Sicht der neueren Forschung werden diese Aussagen in ihrer Absolutheit wie von Golther, so nicht mehr getroffen]. Die Baldersage, Odin am Galgen, den Weltbaum, diese Mythenkreise 
 entstanden unter Einwirkung antiker und christlicher Vorstellungen, welche die nordischen Wikinger in England und Irland kennen lernten 
 LĂ€ngst war die Ähnlichkeit antiker und christlicher Sagen und Vorstellungen mit einzelnen ZĂŒgen nordischer Mythologie erkannt 
 worden.“
  18. ↑ Otto Höfler: Rezension zu J. de Vries Altgermanische Religionsgeschichte2. In: Otto Höfler – Kleinere Schriften. Helmut Birkhan (Hrsg.). Helmut Buske Verlag, Hamburg 1992, ISBN 3-87548-015-5, S. 332f.
  19. ↑ Vollmer: Inhaltliche Zusammenfassung zum Stichwort „Odin“.
  20. ↑ Grimm: S. 122, 123 (nach der Ausgabe aus der Literaturliste)
  21. ↑ Borst: S. 388.
  22. ↑ HddA: Band 6, Stichwort → Michael, St. Michael
  23. ↑ Helm: Altgermanische Religionsgeschichte. Bd. 2, Teil 2, S. 124, 150.
  24. ↑ So die Darstellung von Jesus Christus im Heliand in bewusster AnknĂŒpfung an die sĂ€chsisch-germanische Weltsicht unter Einbeziehung des Formats der stabreimenden Heldenepik. (Jan De Vries: Heldenlied und Heldensage. Francke Verlag, Bern/MĂŒnchen 1961, S. 254–256, 341, 342.)
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