Suche im Lexikon
Lexikon auf Ihrer Homepage Lexikon als Lesezeichen hinzufügen

Oper

Zuschauerraum des Teatro La Fenice in Venedig
BĂŒhnenbildentwurf zur Zauberflöte von Karl Friedrich Schinkel

Als Oper (von ital. opera in musica ‚musikalisches Werk‘) bezeichnet man seit 1607 eine musikalische Gattung des Theaters, in der eine szenisch-dramatische Handlung durch Musik dargestellt wird. Weiterhin wird auch das Opernhaus (die AuffĂŒhrungsstĂ€tte) oder die auffĂŒhrende Kompagnie als Oper bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Bestandteile

Zur Gesamtwirkung der Oper vereinigen sich:

Hierbei wird vor allem die Musik zum TrĂ€ger der Handlung, der Stimmung und der GefĂŒhle. Die Vielfalt der zusammenwirkenden KĂŒnste schafft viele Möglichkeiten fĂŒr eine Oper Gestalt anzunehmen, lĂ€sst aber auch WidersprĂŒche entstehen. Die Musikgeschichte kennt daher viele unterschiedliche AusprĂ€gungen der Oper.

Form

Opern sind von einer Formenvielfalt geprĂ€gt, die durch konventionelle Kompositionsstile ebenso wie durch individuelle Lösungen der Komponisten bestimmt wird. Deshalb gibt es keine allgemeingĂŒltige Formel fĂŒr ihre Struktur. Grob gesehen kann man jedoch eine Entwicklung von der Nummernoper ĂŒber viele verschiedene Mischformen bis zur durchkomponierten Oper gegen 1900 feststellen.

Nummernoper

Von der Barockzeit bis in die Romantik hinein ist die Oper eine Aneinanderreihung verschiedener, aber in sich geschlossener MusikstĂŒcke (Nummernoper), die durch Rezitative oder (im Singspiel) gesprochene Dialoge miteinander verbunden werden und eine durchgĂ€ngige Handlung darstellen. Wie auch im Schauspiel kann eine Oper in Akte, in Bilder, in Szenen bzw. Auftritte gegliedert sein. Die musikalischen Bestandteile der Oper sind vielfĂ€ltig zusammengesetzt, haben aber nicht alle die gleiche Gewichtung. In jeder Oper werden sie, der Handlung oder den Absichten des Komponisten entsprechend, in unterschiedlichem Ausmaß eingesetzt.

  • Ein anfangs eigenstĂ€ndiges MusikstĂŒck ist die OuvertĂŒre, ital. oft Sinfonia, die eine Oper oder einen Akt eröffnet. Oft wird thematisches Material aus der jeweiligen Oper zitiert (z. B. in Humperdincks „HĂ€nsel und Gretel“), oder die OuvertĂŒre schildert die wesentlichen ZĂŒge der Handlung im Voraus (ProgrammouvertĂŒre, z. B. „Der FreischĂŒtz“, Carl Maria von Weber). Klassische und romantische OuvertĂŒren werden auch separat von der Oper als KonzertstĂŒcke fĂŒr Orchester eingesetzt. Deshalb liegen fĂŒr eine OuvertĂŒre manchmal zwei SchlĂŒsse vor: einer, der direkt in die Oper ĂŒberleitet und ein sogenannter Konzertschluss.
  • Das Vorspiel ist meist kĂŒrzer als eine OuvertĂŒre und geht oft direkt in die Musik der Szene ĂŒber (z. B. „Der Rosenkavalier“, Richard Strauss).
  • Ein Zwischenspiel, französisch Entr’acte, verbindet unterschiedliche Akte, Bilder oder Szenen. Sie werden hĂ€ufig fĂŒr rasche Umbauten des BĂŒhnenbildes genutzt. Innerhalb der Opernakte finden sich manchmal Ballettmusik bzw. TĂ€nze (z. B. in Wagners „TannhĂ€user“), MĂ€rsche, seltener Pantomimen, Auftrittsmusiken etc. In seltenen FĂ€llen werden auch Zwischenspiele getrennt von der Oper als KonzertstĂŒcke aufgefĂŒhrt („Four Sea Interludes“ aus Benjamin Brittens Oper „Peter Grimes“).
  • Gesangsnummern als geschlossene Form:
  • Die Arie ist der Oberbegriff fĂŒr alle SologesĂ€nge in der Oper. Andere Bezeichnungen fĂŒr SolostĂŒcke können sein: Lied, Cavatine, Couplet, Ariette, Cabaletta, Romanze, Ballade etc. Arien sind oft die publikumswirksamsten und bekanntesten Teile einer Oper und werden einzeln, manchmal mit Rezitativ, außerhalb des Opernrahmens in Konzerten gegeben. Die Arie beschreibt meistens einen GefĂŒhlszustand, Erinnerungen oder Gedanken der singenden Figur und lĂ€sst so die dramatische Handlung stillstehen.
  • Ensembles fĂŒr mehrere Stimmen: Duett, Terzett, Quartett etc. Ensembles stellen meist das Finale einer Oper nach dem ersten oder letzten Akt dar und fĂŒhren auch oft die Handlung weiter (Bsp. „Don Giovanni“, W. A. Mozart).
  • Der Chor bietet Abwechslung zu den SolostĂŒcken und stellt in den meisten FĂ€llen das Volk dar. Einige Opern bieten Chören einen Hauptschwerpunkt, der die solistischen StĂŒcke in den Hintergrund treten lĂ€sst. (z. B. „Boris Godunow“ von Modest Mussorgski). Auch diese StĂŒcke können außerhalb der eigentlichen Oper im Konzert gesungen werden.
  • Eine Sonderform nimmt hier das französische Vaudeville ein, ein von mehreren Solisten gesungenes bekanntes Strophenlied, oft mit gemeinsamem Refrain (Bsp. Finale von Mozarts „Die EntfĂŒhrung aus dem Serail“).
  • Introduktion, Zwischenspiel und Finale sind lĂ€ngere ein- bzw. ĂŒberleitende oder einen Akt beschließende Formen mit wechselnden Formen und Besetzungen.
  • Gesangsnummern mit Handlung schildernder Funktion:
  • Das Rezitativ ist ein vertonter Text, der dem Sprachverlauf der Worte folgt. Es dient hauptsĂ€chlich dazu, die Szenen der Oper darzustellen, die die Handlung tragen, namentlich Dialogszenen. In der Musik des Barock und der Klassik unterscheidet man zwischen Recitativo secco, (ital. secco, trocken) und Recitativo accompagnato (ital accompagnato, begleitet). Beim Secco-Rezitativ sind nur Gesangs- und Bassstimme notiert, spĂ€ter auch die dazugehörigen Akkorde als Generalbass oder in ausgeschriebener Form. Der SĂ€nger wird von einem oder wenigen Instrumenten begleitet, meistens ein Bass- und ein Harmonieinstrument (Zupf- oder Tasteninstrument). Im 18. Jahrhundert fiel diese Aufgabe zunehmend nur noch dem Cembalo, spĂ€ter auch dem Hammerklavier zu. Beim Accompagnato-Rezitativ ist die Begleitung fĂŒr das Orchester auskomponiert, es steht oft im Zusammenhang mit einer darauf folgenden Arie, deren Situation es vorbereitet. Die Orchesterbegleitung ermöglicht hierbei die kontrastreichere Ausgestaltung des jeweiligen Inhalts.
  • Die Szene, ital. Scena, entstand im 19. Jahrhundert aus dem Rezitativ und wird mit Orchester begleitet. Meist schließt sich daran eine Arie an.
  • Das Melodram bezeichnet musikbegleitetes Sprechen. (Beispielsweise in Ludwig van Beethovens Oper „Fidelio“ wird das Melodram innerhalb einer Oper eingesetzt, um zu zeigen, dass das Grauen der Hauptheldin Leonore, als sie ihrem eigenen Mann das Grab schaufeln soll, sich nicht mehr mit Musik ummĂ€nteln lĂ€sst. Diese Szene bleibt jedoch die Ausnahme in der Gattung.) Das Melodram bildet eine eigenstĂ€ndige Form, die ganze Werke umfasste (z. B. der „Enoch Arden“ von Richard Strauss), ist aber heute von den Theatern verschwunden. Auf die Wirkung eines Melodrams greift die heutige Filmmusik in hohem Maße zurĂŒck.

Durchkomponierte Großform

WĂ€hrend des 19. Jahrhunderts begannen die Komponisten, allmĂ€hlich die Abfolge von Dialog oder Rezitativ und geschlossenen Nummern weniger strikt zu verfolgen. Ab 1825 verschwand allmĂ€hlich das Secco-Rezitativ, an seine Stelle trat zunĂ€chst in der italienischen Literatur das Prinzip von Scena ed Aria, das bereits bei Giuseppe Verdi die Akte zu einem grĂ¶ĂŸeren musikalischen Ganzen formte. Richard Wagner schuf ab der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Form, die die musikalische Nummernstruktur wieder vollends aufgab und in der sich Musik und Dichtung zu einem durchkomponierten, sinfonischen Ganzen verbinden. FĂŒr Wagners Opern hat sich der Begriff Musikdrama geprĂ€gt, das Stichwort „Unendliche Melodie“ steht fĂŒr das kontinuierliche Fortschreiten der musikalischen und emotionalen Entwicklung im Werk. Seine Oper „Tristan und Isolde“ bezeichnete Wagner dementsprechend als Handlung in Musik, was an die ursprĂŒnglichen Opernbegriffe „favola in musica“, oder „dramma per musica“ erinnert. Die durchkomponierte Form wurde im spĂ€ten 19. Jahrhundert die allgemein bevorzugte (beispielsweise bei Giacomo Puccini oder Jules Massenet) und war auch das gĂŒltige Strukturmodell der frĂŒhen Moderne.

Die durchkomponierte Oper war im Prinzip fĂŒr die gesamte Opernproduktion nach Wagner maßgeblich. Erst im 20. Jahrhundert griffen viele Komponisten wieder auf das Nummernprinzip zurĂŒck (z. B. ZoltĂĄn KodĂĄly, Igor Strawinski oder Kurt Weill). Die Nummernoper lebt außerdem in Operette und Musical weiter. – Auch aus durchkomponierten Opern lassen sich natĂŒrlich einzelne in sich abgeschlossene Teile wiederum als „Nummer“ aus dem Ganzen herauslösen und z. B. in Konzerten als Arie auffĂŒhren.

Opera seria und Opera buffa

In der Geschichte der Oper gab es zumeist einen „hohen“ und einen „niederen“ Stil, frei nach der antiken Unterscheidung zwischen Tragödie und Komödie. Nicht immer bedeutet dies jedoch eine Grenze zwischen ernst und lustig. Der „hohe“ Stil kann sich ĂŒber den „niederen“ auch einfach durch antike Stoffe erheben oder durch adlige Figuren oder durch eine „literarisch“ ernst zu nehmende Vorlage oder durch „schwierige“ (bzw. bloß durchkomponierte) Musik. All diese Anhaltspunkte fĂŒr das Wertvollere wurden im Lauf der Geschichte angegriffen. Dabei gab es Gattungen, die den Gegensatz abzuschwĂ€chen versuchten wie die Opera semiseria.

Solange die Oper noch im Stadium des Experiments war, wie bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts, war eine Trennung noch nicht nötig. Sie ergab sich erst, als OpernauffĂŒhrungen zur Gewohnheit wurden, und zwar aus sozialen GrĂŒnden: Die ernste Oper enthielt aristokratisches Personal und „hohe“ politische Symbolik, die komische hatte bĂŒrgerliche Figuren und „unwesentliche“ alltĂ€gliche Handlungen zum Thema. AllmĂ€hlich trennten sich Opera seria und TragĂ©die lyrique von ihren komischen Intermezzi, aus denen Opera buffa und OpĂ©ra comique hervorgingen. Diese Trennung wurde erst am Ende des 18. Jahrhunderts aufgebrochen: Weil die BĂŒrger in der fĂŒr sie bestimmten „niederen“ Operngattung nicht mehr komisch (also lĂ€cherlich) dargestellt werden wollten, wurde das Komische oft ins Sentimentale abgebogen und aufgewertet. Daher sind „komische Opern“ oft nicht lustig. Nach der Französischen Revolution löst sich die StĂ€ndeklausel auf, und auch bĂŒrgerliche Opern durften „ernst“ sein. Somit ergaben sich im 19. Jahrhundert andere Abgrenzungen zwischen Tragödie und Komödie als im 18. Jahrhundert.

Ein Sammelbegriff sowohl fĂŒr tragische als auch fĂŒr komische Werke ist das italienische Dramma per musica, wie die Oper in ihrer Anfangszeit betitelt wurde. Ein Beispiel fĂŒr eine frĂŒhe ernste Oper ist Il ritorno d'Ulisse in patria von Claudio Monteverdi. Der seriöse Anspruch resultiert aus dem RĂŒckgriff auf antike Theaterstoffe â€“ insbesondere Tragödien â€“ und epische Heldendichtungen. Sie wurden seit dem spĂ€teren 18. Jahrhundert von jĂŒngeren historischen Sujets verdrĂ€ngt. Im Italien des 19. Jahrhunderts wurde der Begriff Dramma in der Zusammensetzung Melodramma verwendet und nicht mehr auf das antike Drama bezogen. Sowohl Bellinis tragische Oper Norma als auch die komödiantische Oper L’elisir d’amore von Gaetano Donizetti wurden so genannt.

„Hoher“ Stil

Als fester Begriff etablierte sich die Opera seria erst im 18. Jahrhundert. Mischformen oder tragikomische Inhalte waren mit dieser Titelbezeichnung ausgeschlossen. HĂ€ndels Oper Radamisto ist ein typisches Werk. Als Antipode zu Italien verlieh Frankreich seiner eigenen Form der Opera seria den Titel TragĂ©die lyrique, wesentlich geprĂ€gt durch Jean-Baptiste Lully und das Ballett am Hofe Louis’ XIV., spĂ€ter durch Jean-Philippe Rameau. Nach der Französischen Revolution etablierte sich allmĂ€hlich die Grand opĂ©ra als bĂŒrgerliche ernste Oper. Dazu zĂ€hlen Les Huguenots von Meyerbeer, auch weniger erfolgreiche Werke wie Les Troyens von Hector Berlioz.

Das durchkomponierte Musikdrama des reiferen Richard Wagner (Der Ring des Nibelungen) hatte großen internationalen Einfluss. Französische Komponisten jener Zeit wie Massenet setzten dagegen eher auf einen durchsichtigen und gesanglichen Opernstil, fĂŒr den die Bezeichnung Drame lyrique verwendet wurde. Noch Debussy verwendete diesen Begriff fĂŒr seine Oper PellĂ©as et MĂ©lisande.

Schon immer konnten Opernstoffe von Romanen, Novellen oder anderen TheaterstĂŒcken herstammen. Die italienische Oper des 18. Jahrhunderts verstand sich als in Musik gekleidete Literatur. Seitdem die Musik die absolute Vorherrschaft erlangt hat, also seit dem spĂ€ten 19. Jahrhundert, nennt man ausgesprochen literarische Opern Literaturoper. Death in Venice von Benjamin Britten nach der Vorlage von Thomas Mann ist eine recht getreue Umsetzung des literarischen Stoffes in Musik.

„Niederer“ Stil

Die Opera buffa ist die Urform der heiteren Oper. Pergolesis La serva padrona galt um die Mitte des 18. Jahrhunderts als das maßgebliche Beispiel. Ein spĂ€tes Beispiel ist Il Barbiere di Siviglia von Gioacchino Rossini. Die ausnehmend heiteren Opern waren oft geringer angesehen als die sentimentalen. Ihre Stoffe stammen aus dem Volkstheater und von der Posse, stark beeinflusst durch die italienische Commedia dell'arte.

Aus der frĂŒhen Opera buffa geht die französische OpĂ©ra comique hervor, die vor der Revolution zur Oper eines zunehmend selbstbewussten BĂŒrgertums wird. ZunĂ€chst verstand man hierunter eher ein Liederspiel (Vaudeville). Doch der musikalische Anteil wurde immer grĂ¶ĂŸer und begann zu ĂŒberwiegen. Aus der OpĂ©ra comique ist das deutschsprachige Singspiel entstanden. Das Singspiel trĂ€gt oft volkstĂŒmlich-bĂŒrgerlichen Charakter, ist geprĂ€gt von einfachen Lied- bzw. Rondo-Formen und verwendet statt Rezitativen gesprochene Dialoge, gelegentlich auch Melodramen zwischen den musikalischen Nummern.

Der Hof sprach Französisch. Das Problem der deutschen Oper war im 18. und zum Teil noch im 19. Jahrhundert, dass sie als volkssprachliche Oper zur „niederen“ Gattung gehörte und sich behaupten und emanzipieren musste. Die EntfĂŒhrung aus dem Serail von Wolfgang Amadeus Mozart ist eines der bekanntesten Singspiele mit dieser Zielsetzung. Mozart bedient sich fĂŒr die Arien auch komplexerer musikalischer Formen. Das im Auftrag von Kaiser Joseph II. zur Etablierung eines Nationalsingspiels geschaffene, 1782 am Wiener Burgtheater uraufgefĂŒhrte Werk war fĂŒr die Entwicklung der deutschen Oper von entscheidender Bedeutung.

Paris war im 19. Jahrhundert fĂŒhrend fĂŒr die Operngeschichte, und auch die Italiener wie Rossini und Verdi kamen hierher. Die OpĂ©ra comique, die im Haus der OpĂ©ra-Comique aufgefĂŒhrt wurde, blieb auch gegenĂŒber der neu entstandenen, durchkomponierten Grand opĂ©ra, die in der OpĂ©ra zur AuffĂŒhrung kam, zweitrangig – weniger von ihrer musikalischen als von ihrer sozialen Bedeutung her. Aus den erwĂ€hnten GrĂŒnden musste sie nicht unbedingt einen heiteren Inhalt haben. Ein auch im deutschen Sprachgebiet bekanntes Beispiel einer komisch-rĂŒhrseligen OpĂ©ra comique ist Der Postillon von Lonjumeau von Adolphe Adam. Eine Gruppe von formal noch als OpĂ©ra comique zu bezeichnenden Werken nach 1860 verstĂ€rkte den sentimentalen Grundcharakter, etwa Mignon von Ambroise Thomas). Ein sentimentaler Einschlag findet sich auch in einigen komischen Opern von Rossini (La Cenerentola).

Eine Erneuerung der OpĂ©ra comique gelang mit Carmen von Georges Bizet, deren Dramatik in die Richtung der Verismo-Oper weist. Bei ihr war – abgesehen von den proletarischen Figuren – das Reißerische ein Merkmal des „niederen“ Stils.

Große Oper – Kammeroper

Auch die „GrĂ¶ĂŸe“ kann ein Zeichen fĂŒr hohen oder niederen Stil sein. Zuweilen findet sich der Begriff „Große Oper“ als Untertitel eines Werkes. Damit wird zum Beispiel gesagt, dass das Orchester und der Chor in großer Besetzung spielen und singen sollten, oder dass die Oper ein abendfĂŒllendes Werk mit integriertem Ballett ist. Dies sind Opern, die nur in einem grĂ¶ĂŸeren Theater zur AuffĂŒhrung kommen und sich vom Repertoire der fahrenden Truppen unterscheiden konnten. Als Beispiel fĂŒr eine „Große Oper“ ist Manon von Jules Massenet zu nennen.

Der Begriff Kammeroper bezieht sich dagegen auf ein mit geringem Personal realisierbares Werk. Die Anzahl der SĂ€nger ist in der Regel nicht mehr als fĂŒnf, das Orchester wird auf ein Kammerorchester begrenzt. Dies konnte aus der Not materielle Armut hervorgehen und damit auf das „niedere“ Genre verweisen oder im Gegenteil die grĂ¶ĂŸere ExklusivitĂ€t und Konzentration eines „höheren“ Genres bedeuten. Auch die BĂŒhne ist oftmals kleiner, was zu einer intimeren AtmosphĂ€re beitragen kann, die fĂŒr die Wirkung des Werkes von Vorteil ist. Beispiele dafĂŒr wĂ€ren Albert Herring von Benjamin Britten oder „Les Larmes de couteau“ von Bohuslav MartinĆŻ.

Gattung oder bloß Untertitel?

Manche Opernkomponisten wehrten sich auch gegen die Einordnung in Gattungstraditionen oder bezeichneten ihre Werke in bewusster Relation zu diesen mit bestimmten Untertiteln. Wagners Tristan und Isolde trĂ€gt zum Beispiel die Bezeichnung „Handlung in Musik“, Luciano Berio verwendete fĂŒr sein Werk Passaggio etwa den Begriff Messa in scena („Inszenierung“). George Gershwin beschrieb sein Werk Porgy and Bess als „An American Folk Opera“. Um sich von klischeehaften Vorstellungen abzugrenzen, bevorzugen moderne Komponisten oft alternative Bezeichnungen wie etwa „azione musicale“ (musikalische Handlung) (Un re in ascolto von Luciano Berio).

Abgrenzungen

Die Oper wird mit einigen anderen Formen unter dem Begriff Musiktheater zusammengefasst. Die Grenzen zu verwandten Kunstwerken sind teilweise fließend.

Oper versus Schauspiel

Die Oper unterscheidet sich von Formen des Sprechtheaters bzw. Schauspiels darin, dass in Letzteren der Musik eine weniger zentrale Gestaltungsrolle zukommt als in der Oper. Grenzformen bestanden schon im Barock mit den Genres der Masque bzw. Ballad Opera. Zwischen Oper und Schauspiel steht beispielsweise das Singspiel. Die Singspiele Mozarts werden der Oper zugerechnet, diejenigen Nestroys gelten als Schauspiele. Auf der Grenze bewegen sich z. B. auch die Werke Weills, dessen Dreigroschenoper dem Schauspiel nĂ€her steht, wĂ€hrend Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny eine Oper ist. Sich dem Schauspiel völlig unterordnende Musik bezeichnet man als Schauspielmusik.

Eine Oper ist keine durchgehende simultane Untermalung eines SprechstĂŒcks mit Musik wie ein (Melodram), sie kann aber in ihren Musiknummern ein Melodram beinhalten. Das Melodram findet sich zum Beispiel in Mozarts Idomeneo, Ludwig van Beethovens „Fidelio“, in Webers Der FreischĂŒtz (in der Wolfsschluchtszene) und in Humperdincks Königskinder.

Oper versus Tanzoper

Ein Überschneidungsbereich mit dem Tanztheater bzw. Ballett findet sich zum Beispiel in der Ballettoper des französischen Barock, aber auch in neoklassizistischen Werken des 20. Jahrhunderts, beispielsweise bei Igor Strawinski oder Bohuslav MartinĆŻ. Dies sind in der Regel Werke, in denen der Tanz das Ausdrucksgeschehen stĂ€rker dominiert als gesungene Passagen. Besonders in der französischen Oper war mindestens eine Ballettszene bis in die Romantik hinein fester Bestandteil einer Oper.

Oper versus Operette/Musical

Das Genre der Operette und verwandter Formen wie der Zarzuela grenzt sich als Weiterentwicklung aus dem Singspiel durch die gesprochenen Dialoge, aber auch durch dessen vorherrschenden Unterhaltungsanspruch und das vorrangige BemĂŒhen um PopularitĂ€t oder kommerziellen Erfolg von der ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend durchkomponierten Oper ab. Diese Abgrenzung entstand erst im ausgehenden 19. Jahrhundert: Als die „komische Oper“ vom „niederen“ zum „hohen“ Genre geworden war, bildete sich die Operette als neues „niederes“ Genre. Ähnliches gilt fĂŒr das Musical, die Weiterentwicklung des populĂ€ren Musiktheaters in den Vereinigten Staaten. Operette und Musical sind gleichwohl in nicht geringerem Maße Kunstformen als die Oper.

Geschichte

Vorgeschichte

Bereits im antiken griechischen Theater verband man szenische Aktion mit Musik. Der Chor hatte hierbei eine tragende Rolle: Chorgesang wurde einerseits zu den pantomimischen TĂ€nzen herangezogen, welche das TheaterstĂŒck in verschiedene Teile gliederten; andererseits hatte der Chor auch die Aufgabe, die Handlung kommentierend zu begleiten (z. B. „Antigone“, Sophokles). Es ist nicht bekannt, ob die Römer diese Tradition ĂŒbernommen hatten. Mit der Zerstörung der römischen Theater im 6. Jahrhundert sind Aussagen hierĂŒber nicht mehr zu belegen â€“ das gilt auch fĂŒr alle anderen AktivitĂ€ten, die das Theater betreffen.

Im Mittelalter wurde die Tradition von musikbegleiteter Handlung fortgesetzt. Geistliche Themen wurden herangezogen, um dem einfachen Volk die Aussage der Bibel anschaulicher zu machen. Ganze Teile eines Gottesdienstes wurden mit den Mitteln des Theaters dargestellt. Beliebtes Thema war dabei die Geburt oder Auferstehung Christi. Dabei wurde durch das ganze StĂŒck hindurch gesungen. Bei Bedarf, wenn es das StĂŒck verlangte, wurden auch Instrumente eingesetzt. Daraus entstanden die auch außerhalb der Kirche aufgefĂŒhrten Mysterienspiele. Weltliche StĂŒcke, wie z. B. kurze Komödien, wurden in einigen Szenen nur teilweise mit Musikeinlagen unterstĂŒtzt. Adam de la Halles melodienreiches StĂŒck „Jeu de Robin and Marion“, das um 1280 geschrieben wurde, bildet hier eine Ausnahme.

Auch in Intermedien, Tanzspielen, Masken- und TriumphaufzĂŒgen der italienischen Renaissance findet man die Verbindung von Szene und Musik.

Szenenbild fĂŒr „Orpheus und Amphion“, DĂŒsseldorf 1585

Intermedien unterhielten das Publikum zwischen den Akten eines Schauspiels. Sie hatten thematisch nichts mit der ĂŒbrigen Handlung zu tun, verwendeten oft allegorische Elemente oder Persönlichkeiten, und wurden ebenso musikalisch untermalt bzw. durch Madrigale und TĂ€nze aufgelockert. Ein abendfĂŒllendes Werk konnte mehrere Intermedien haben. BĂŒhnenbild und PersonenfĂŒhrung waren oft streng symmetrisch. Ausstattung und KostĂŒme waren Ă€ußerst prachtvoll und kamen somit dem barocken Schönheitsideal entgegen.

Der Königshof in Frankreich unterhielt seit 1581 ein Ballet de cour und ein ComĂ©die-ballet, das fĂŒr die weitere Entwicklung der Oper in Frankreich von Bedeutung sein sollte.

Der frĂŒheste dokumentierte Versuch in Deutschland, eine dramatische Handlung mit singenden Protagonisten und Musik in einem BĂŒhnenbild aufzufĂŒhren, ist die AuffĂŒhrung von Orpheus und Amphion auf einer SimultanbĂŒhne anlĂ€sslich der JĂŒlichschen Hochzeit von Johann Wilhelm von JĂŒlich-Kleve-Berg mit MarkgrĂ€fin Jakobe von Baden in DĂŒsseldorf 1585. Als möglicher Komponist der nicht ĂŒberlieferten Musik wird Andrea Gabrieli genannt. Die Musik sei so schön gewesen, „daß es denselben / so dazumahl nit zugegen gewesen / und solchen Musicum concentum & Symphoniam gehört haben / onmĂŒglich zu glauben.“ Die Handlung war freilich primĂ€r eine Allegorese im Sinne eines FĂŒrstenspiegels.

Entstehung der Oper

Die Oper im heutigen Sinn entstand Ende des 16. Jahrhunderts in Florenz. Die Florentiner Camerata, die eine große Rolle in der Entstehungsgeschichte der Oper hatte, war ein akademischer GesprĂ€chskreis, in dem sich Dichter (z. B. Ottavio Rinuccini), Musiker, Philosophen, Adelige und ein KunstmĂ€zen – zunĂ€chst ĂŒbernahm Graf Bardi diese Rolle, spĂ€ter Graf Corsi â€“ zusammenfanden. Diese Humanisten versuchten, das antike Drama wiederzubeleben, in dem Gesangssolisten, Chor und Orchester beteiligt waren. Nach den Pastoraldramen des 16. Jahrhunderts wurde das Libretto gestaltet und mit den musikalischen Mitteln der Zeit in Musik gesetzt. Vincenzo Galilei gehörte ebenfalls dieser Gruppe an. Er entdeckte Hymnen des Mesomedes, die heute verloren sind, und schrieb ein Traktat gegen die niederlĂ€ndische Polyfonie â€“ einer der deutlichsten Beweise fĂŒr den gewĂŒnschten musikalischen Stil.

Das verstĂ€ndliche Wort war fĂŒr die Florentiner Camerata in der Vokalmusik das wichtigste. Eine klare, einfache Gesangslinie wurde zum Ideal erklĂ€rt, der sich die sparsame Generalbass-Begleitung mit wenigen und leisen Instrumenten â€“ Laute, Cembalo â€“ unterzuordnen hatte. Großartig ausformulierte melodische Ideen waren allerdings ebenso unerwĂŒnscht, um den Inhalt des Wortes nicht mit zu viel Gesang zu verschleiern. Man sprach sogar von einer „nobile sprezzatura del canto“, einer sogenannten „noblen Verachtung des Gesangs“. Diese Art des Singens nannte man recitar cantando, rezitierenden Gesang. Die außerordentliche Schlichtheit und BeschrĂ€nkung des recitar cantando ist somit als ein Gegensatz zur vorherrschenden Polyfonie zu sehen, die mit ihren komplexen Ton- und Textschichtungen den Inhalt der Werke vollends verschleiern konnte. Mit der Monodie sollte das Wort wieder zu seinem vollen Recht kommen. Neu an dieser Art zu singen war, dass durch die Worte direkte subjektive GefĂŒhle, sog. Affekte, transportiert werden konnten. Zur Monodie der einzelnen Stimme wurden Chöre in Madrigalform oder als Motette gesellt. Das Orchester spielte kleine Ritornelle und TĂ€nze.

Als erstes Werk der Gattung Oper gilt „La Dafne“ von Jacopo Peri (1597) auf einen Text von Rinuccini, von dem bis auf ein paar Fragmente kein Notentext erhalten geblieben ist. Weitere wichtige Werke aus der Anfangszeit der Oper sind „L’Euridice“ von Jacopo Peri (1600) als Ă€lteste erhaltene Oper sowie „Euridice“ (1602) und „Il Rapimento di Cefalo“ von Giulio Caccini. Stoffe der frĂŒhen Opern entnahm man den Pastoralen (SchĂ€ferspielen) und vor allem der griechischen Mythologie. Wunder, Zauber und Überraschungen wurden zu beliebten Bestandteilen einer Oper.

Claudio Monteverdi

Besondere Bedeutung hat Claudio Monteverdis erste Oper „L’Orfeo“ (1607). Sie wurde anlĂ€sslich des Geburtstages von Francesco IV. Gonzaga am 24. Februar 1607 in Mantua uraufgefĂŒhrt und ist die frĂŒheste erhalten gebliebene Opernpartitur. Hier sind im Vergleich zu seinen VorgĂ€ngern erstmals eine reichere Instrumentation (wenngleich diese in der Partitur meist nur angedeutet ist), ausgebautere Harmonik, tonmalerisch-psychologische und bildhafte Ausdeutung von Wort und Figuren sowie eine personencharakterisierende Auswahl der Instrumente zu hören. Posaunen werden zum Beispiel fĂŒr die Unterwelt und Todesszenen eingesetzt, Streicher bei Schlafszenen, fĂŒr die Hauptfigur Orfeo kommt die Holzorgel zum Einsatz.

Monteverdi verbreitert die Einstimmigkeit des recitar cantando zu einem arienhafteren Stil. Auch die Chöre erhalten grĂ¶ĂŸeres Gewicht. Zwar nimmt seine persönliche Entwicklung im „Orfeo“ erst ihren Anfang, seine SpĂ€twerke „Il ritorno d’Ulisse in patria“ (1640) und „L’incoronazione di Poppea“ (1643) stellen aber in Hinblick auf die Musikdramatik Höhepunkte der gesamten Opernentwicklung dar. In letzterer Oper findet man immer noch die Einleitung durch drei allegorische Figuren, in der Fortuna (Das GlĂŒck) VirtĂč (Die Tugend) verspottet, die restliche Handlung bleibt aber in der irdischen Welt um den Kaiser Nero, seine ungeliebte Gattin Ottavia und die Gattin des PrĂ€tors Ottone â€“ Poppea, die zum Schluss der Oper Neros Gattin und Kaiserin wird.

Hier verwendet Monteverdi auch im Gesang stark charakterisierende, plakative Musik. Kaiser Nero, durch einen Kastraten dargestellt, wird mit virtuoser Musik und brutalem Charakter gezeichnet, Ottone weich, Neros Lehrer und Berater Seneca bekommt die wĂŒrdige Bassstimme zugewiesen.

Die Trennung zwischen Adel und Volk vollzog sich auch in den musikalischen Formen der Oper: Belcanto-Gesang und Koloraturreichtum wurde fĂŒr den Adel und Göttergestalten gebraucht, ĂŒbrige Personen hatten sich mit schmuckloseren Ariosi und Liedern zu begnĂŒgen.

Das 17. Jahrhundert

Das erste öffentliche Opernhaus, das Teatro San Cassiano in Venedig, wurde 1637 eröffnet. In schneller Folge entstanden neue SpielstĂ€tten, und Venedig wurde bald zum Opernzentrum Norditaliens. Historische Darstellungen verdrĂ€ngten bald die mythischen Stoffe der ersten Opern, allen voran ging darin Monteverdi mit „L'incoronazione di Poppea“. Die venezianische Oper entwickelte sich rasch und bezog komische Randfiguren in die Handlung mit ein.

Zu den Opern kamen vornehmlich Angehörige der nichtadeligen StĂ€nde, den Spielplan bestimmte der geldgebende Adel anhand des Publikumsgeschmacks. Die ursprĂŒnglich feingeistige Oper wurde mit dieser Entwicklung kommerzialisiert und dementsprechend vereinfacht. Die Da-capo-Arie mit vorangestelltem Rezitativ prĂ€gte fĂŒr lange Zeit den Stil des Sologesangs in der Oper, Chöre und Ensembles wurden dementsprechend gekĂŒrzt. Verwechslungen und Intrigen bildeten das Grundrepertoire fĂŒr die Handlungen, die mit komischen Szenen der beliebten Nebenfiguren angereichert wurden. Francesco Cavalli war neben Claudio Monteverdi und Antonio Cesti einer der bekanntesten italienischen Opernkomponisten der Zeit.

Jean-Baptiste Lully

Die Librettisten erhielten ihr Geld durch den Verkauf von Textheftchen, die komplett mit Wachskerzen zum Mitlesen vor der Vorstellung verteilt wurden. Der Erlös des Verkaufs war marginal und reichte nicht fĂŒr einen Lebensunterhalt, so dass viele Librettisten sich nur nebenberuflich mit diesem Thema beschĂ€ftigten. Der Anwalt Gian Francesco Busenello und Giovanni Faustini galten in der Textdichtung als stilbildend und wurden hĂ€ufig nachgeahmt.

Opern wurden nur zu bestimmten Spielzeiten (ital.: stagione) gegeben: wÀhrend des Karnevals, von Ostern bis zur Sommerpause sowie von Herbst bis zum Advent. In der Passions- und Adventszeit wurden stattdessen Oratorien gespielt.

Im reicheren Rom erhielten nicht nur Maschineneffekte und Chöre ein grĂ¶ĂŸeres Gewicht, sondern auch das Element des Geistlichen. Alessandro Scarlatti wird zum Vorreiter der neapolitanischen Opernschule.

In Paris entwickelte Jean-Baptiste Lully zusammen mit seinem Librettisten Philippe Quinault den französischen Typ der Oper, dessen herausragendstes Merkmal neben den hĂ€ufigen Chören das Ballett ist. Lully schrieb nach dem italienischen Vorbild „L’ercole amante (der verliebte Herkules)“, ursprĂŒnglich eine Oper von Cavalli, eine französische Version des Werkes und fĂŒgte unter anderem Ballette ein, die letztendlich mehr Beifall fanden als die Oper an sich. „Cadmus et Hermione“ bildete schließlich die erste vollstĂ€ndig eigene TragĂ©die lyrique aus und blieb modellhaft fĂŒr alle nachfolgenden Opern Frankreichs der Zeit. Die aus Italien importierte Oper fĂŒhrte gegenĂŒber der TragĂ©die lyrique ein Schattendasein in Frankreich. Dennoch versuchten Lullys Nachfolger Marc-Antoine Charpentier und AndrĂ© Campra, die französische Oper und die italienische miteinander zu versöhnen.

Die erste deutsche Oper war 1627 die (verschollene) Daphne von Heinrich SchĂŒtz, der die Form der Oper bei seinem Studienaufenthalt 1609–1613 in Italien kennengelernt hatte. S. Th. Staden komponierte nach einem Libretto von G. Ph. Harsdörffer die erste erhaltene deutsche Oper, ein LehrstĂŒck in starker NĂ€he zum moralisierenden Schuldrama der Renaissance. Alle wichtigeren FĂŒrsten- und KönigshĂ€user begannen, sich eigene Hoftheater zu leisten, die in der Regel aber auch fĂŒr die (wohlhabende) Öffentlichkeit zugĂ€nglich waren. So erhielt MĂŒnchen sein erstes öffentliches Opernhaus 1657, Dresden 1667.

Im Vergleich zu Venedig besaßen nur Hamburg (1678) und Leipzig (1693) ein „öffentliches und populĂ€res“ Opernhaus: Die Ă€lteste bĂŒrgerliche deutsche Oper am GĂ€nsemarkt produzierte viele neue Kompositionen deutscher Komponisten wie HĂ€ndel, Keiser, Mattheson und Telemann unter Verwendung deutscher Libretti von Dichtern wie Elmenhorst, Feind, Hunold und Postel. Bei Bearbeitungen französischer und italienischer Opern wurden nur die Rezitative ĂŒbersetzt, in den Arien jedoch die Originalsprache beibehalten. 1738 wurde die Hamburger Oper am GĂ€nsemarkt geschlossen.

Die beiden wichtigsten zeitgenössischen Schriften zur Theorie der Oper sind Elmenhorsts Dramatologia und Feinds Gedancken von der Opera.

In England wurde die Oper erst relativ spĂ€t populĂ€r; lange Zeit war dort das Drama beliebter. Die vorherrschende Form musikalischen Theaters war die Masque, eine Kombination aus Tanz, Pantomime, Sprechtheater und musikalischen Einlagen, bei denen der vertonte Text allerdings meist nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Handlung stand. Ein in jeder Hinsicht singulĂ€res Werk – sowohl fĂŒr die englische Operngeschichte als auch fĂŒr die Entwicklung der Gattung Oper ĂŒberhaupt – ist Henry Purcells knapp einstĂŒndige Oper „Dido and Aeneas“ (UrauffĂŒhrung vermutlich 1689, Libretto: Nahum Tate). Der Komponist greift darin Elemente der französischen und der italienischen Oper auf, entwickelt jedoch eine eigene Tonsprache, die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass sie immer sehr eng am Text bleibt. Chorpassagen und tĂ€nzerische Abschnitte stehen den ariosen Passagen der Hauptfiguren gegenĂŒber, die fast ganz ohne arienartige Gebilde auskommen. Die wechselnden Stimmungen und Situationen werden mit musikalischen Mitteln sehr genau wiedergegeben; die Schlussszene, wenn die karthagische Königin Dido aus unglĂŒcklicher Liebe zu dem trojanischen Helden Aeneas an gebrochenem Herzen stirbt, gehört bis heute zum Bewegendsten der gesamten Opernliteratur.

Das 18. Jahrhundert

HĂ€ndel wurde einer der produktivsten Opernkomponisten (mehr als 45 Opern-Werke), allerdings war er nicht immer erfolgreich. Sein Wirken in London zog die Zuhörer aufgrund mehrerer unglĂŒcklicher UmstĂ€nde nicht wie gewĂŒnscht in seinen Bann, u. a. wegen der starken Konkurrenz des berĂŒhmten Kastraten Farinelli, der in der rivalisierenden Operntruppe sang. Die QualitĂ€t seiner Werke bleibt davon jedoch unberĂŒhrt. Vor allem „Alcina“, „Giulio Cesare“ und „Xerxes“ sind zu beliebten HĂ€ndel-Opern geworden. In den letzten Jahrzehnten sind jedoch auch viele andere HĂ€ndel-Opern wieder vermehrt aufgefĂŒhrt worden (u. a. „Ariodante“, „Rodelinda“, „Giustino“ etc.); nachdem im Zuge der Alte-Musik-Bewegung die historische AuffĂŒhrungspraxis immer besser erforscht worden war, entstanden auch an den großen OpernhĂ€usern stilbildende Produktionen unter Mitwirkung der Barock-Spezialisten in z. T. von der Pop Art inspirierter InszenierungsĂ€sthetik, die einen regelrechten Boom auslösten (z. B. seit 1994 an der Bayerischen Staatsoper).

Die Generalbassbezifferung der frĂŒhen Opern verschwand nach und nach zugunsten einer ausnotierten Orchesterfassung. Einerseits war die TragĂ©die lyrique mit ihrem volleren Instrumentarium dafĂŒr ausschlaggebend, andererseits die italienische Tendenz, aus dem ursprĂŒnglichen dramma per musica ein Arienkonzert zu machen. Die typischen Instrumente des Generalbasses (z. B. Basslauten) wurden durch die Streichergruppe ersetzt â€“ einzig das Cembalo blieb erhalten und nahm meistens eine Hauptrolle bei den noch nicht ausinstrumentierten secco-Rezitativen ein.

Die inzwischen fĂŒnfteiligen Da-capo-Arien mit der Abfolge AA'–B–AA' entwickelten sich zu weiteren spezifischen Untergruppen:

  • Der Aria di bravura (dt. Bravourarie), die mit ĂŒberreichen Koloraturen versehen ist
  • Der Aria cantabile mit schöner LinienfĂŒhrung
  • Der Aria di mezzo carattere mit deutlich ausgeprĂ€gter Orchesterbegleitung
  • Der Aria concertata mit konzertierenden Instrumenten
  • Der Aria parlante, die heftige GefĂŒhlsausbrĂŒche schilderte.

ZusĂ€tzlich konnte der Star des Abends noch eine Aria baule (so genannte „Koffer-Arie“) einschieben, die ihm Gelegenheit gab, sich von seiner besten Seite zu prĂ€sentieren. Mit der eigentlichen Handlung hatte die Arie allerdings nichts zu tun. Durch diese relativ ĂŒbersichtliche Auswahl an Unterformen konnten Arien relativ ungehemmt miteinander vertauscht oder mehrfach verwendet werden. Zunehmend wurde der Belcanto-Gesang zu einer Darstellung virtuoser Gesangstechniken, die extreme Spitzentöne, geschmeidige Triller und weite SprĂŒnge umfassten.

Eine weitverbreitete Methode bestand darin, Arien und Ensembles aus den verschiedensten Werken mit RĂŒcksicht auf die zur VerfĂŒgung stehende Besetzung möglichst wirkungsvoll zusammenzustellen und das so entstandene Gebilde mit neuen Texten und einer neuen Handlung zu unterlegen. Diese Art von Opern nennt man Pasticcio; ein Opernpasticcio konnte sowohl aus der Feder eines einzigen Komponisten stammen, der dabei vorhandene Nummern aus frĂŒheren Werken wiederverwendete, als auch aus Werken verschiedener Komponisten zusammengesetzt sein.

Das allgemeine Handlungschaos der gĂ€ngigen Oper, entstanden aus dem BedĂŒrfnis, vielen GeschmĂ€ckern zugleich gerecht zu werden, schreckte die italienischen Librettisten Apostolo Zeno und Pietro Metastasio ab. Ihr Verdienst ist es, ein von ĂŒberflĂŒssigen Seitenhandlungen, mythischen Allegorien und Nebenfiguren völlig befreites Libretto als Grundlage der neuen Oper geschaffen zu haben. Auf dieser Grundlage konnte die Opera seria sich als schlĂŒssiges, ernsthaftes Werk behaupten. In ausgeklĂŒgelten Versen werden die Hauptfiguren der Oper nach und nach in ein scheinbar unlösbares Dilemma geleitet, das sich zum Schluss durch einen unverhofften Einfall zum Guten wendet (lieto fine). ZusĂ€tzlich wurden die einzelnen StĂŒcke der Oper durchnummeriert (Nummernoper).

Durch diese konsequente Trennung konnten die komischen Partien ihre eigene Oper entwickeln, die heitere Opera buffa, die aus dem reichen Fundus der Commedia dell'arte schöpft. Hier hatten die Verwechslungskomödien ihr eigenes Spielfeld gefunden. Das Personal besteht meist aus einem adligen Liebespaar und zwei Untergebenen, oft Magd und Diener, die hier als echte Hauptpersonen fungieren können, statt wie vorher nur bemerkenswerte Nebenfiguren zu sein. Kastratenpartien wurden in der Opera buffa vermieden, stattdessen wurden realistischere Stimmlagen fĂŒr MĂ€nnerpartien eingefĂŒhrt und bald zur SelbstverstĂ€ndlichkeit.

Frankreichs Pendant zur in Paris umstrittenen Opera buffa wurde die Opéra comique. Die Rezitative wurden durch gesprochene Dialoge ersetzt. Auch dieses Modell fand im Ausland Erfolg. Die neue Einfachheit und LebensnÀhe schlÀgt sich auch in kleineren Arietten und nouveaux airs, die im Unterschied zu den allseits bekannten Vaudevilles neu komponiert wurden, nieder.

1752 erlebte Frankreich eine neue Konfrontation zwischen der französischen und der italienischen Oper, die unter dem Namen Buffonistenstreit in die Geschichte einging. Giovanni Battista Pergolesis Oper „La serva padrona“ (deutsch: „Die Magd als Herrin“) war der Anlass dafĂŒr. Gegen die KĂŒnstlichkeit und Stilisierung der herkömmlichen französischen Adelsoper waren vor allem Jean-Jacques Rousseau und Denis Diderot, die sich gegen die Kunst und Stilisierung Rameaus zur Wehr setzten. Rousseau verfasste neben der bewusst einfach gestalteten Oper „Le devin du village“ (deutsch: „Der Dorfwahrsager“) auch ein preisgekröntes Traktat mit dem Titel Discours sur les sciences et les arts (1750), in dem er ein von Wissenschaft und Kultur unverdorbenes Leben zum Ideal erklĂ€rt. Weitere Musikartikel schrieb er fĂŒr die berĂŒhmte umfassende EncyclopĂ©die der französischen AufklĂ€rung. Der Buffonistenstreit ging schließlich zu Ungunsten der italienischen Operntruppe aus, die aus der Stadt vertrieben wurde. Somit war der Streit zwar vorlĂ€ufig beendet, an Beliebtheit stand die Grand opĂ©ra aber immer noch hinter der OpĂ©ra comique zurĂŒck.

Christoph Willibald Gluck

Christoph Willibald Gluck war es schließlich, der mit seinen Opern „Orfeo ed Euridice“ (1762) und „Alceste“ die ernste Oper aus Italien und Frankreich vermischte und damit auf eine neue Stufe hob (Opernreform). Der konsequent einfach gehaltene, klar und logisch aufgebaute Handlungsablauf, gestaltet von Ranieri de’ Calzabigi, kommt ohne komplexe Intrigen aus. Die Zahl der Protagonisten schrumpft.

Glucks Musik ordnete sich vollstĂ€ndig Dramaturgie und Text unter, charakterisierte Situationen und Personen und stand nicht fĂŒr den Belcanto-Gesang an sich. Durchkomponierte oder strophisch gestaltete Lieder ersetzten die Da-capo-Arie. Dadurch wurde eine neue NatĂŒrlichkeit und Einfachheit erreicht, die hohlem Pathos und SĂ€ngermanierismen entgegenwirkte. Der Chor schaltete sich getreu dem antiken Vorbild aktiv in die Handlung ein. Die OuvertĂŒre bezieht sich auf die Handlung und steht nicht mehr als abgelöstes InstrumentalstĂŒck vor der Oper. Italienisches Arioso, französisches Ballett und Pantomime, englisches und deutsches Lied sowie Vaudeville wurden in die Oper integriert, nicht als nebeneinanderstehende EinzelstĂŒcke, sondern als neuer klassischer Stil.

In Deutschland wurden meist italienische Opern gespielt. Ein nationales GegenstĂŒck ist zuerst nicht vorhanden, spĂ€ter entsteht das Singspiel in Anlehnung an die Opera buffa. Italienische Opern wurden zu feierlichen AnlĂ€ssen am Hofe gespielt, eine kleinere und preiswertere Variante war eine Huldigungskantate, die auch szenisch aufgefĂŒhrt werden konnte. Neben fahrenden italienischen Operntruppen, die fĂŒr FestivitĂ€ten gekauft wurden, verpflichtete man auch Komponisten, SĂ€nger oder â€“ in selteneren FĂ€llen â€“ Musiker. Deutsche Komponisten unterstanden völlig dem Primat der italienischen Oper und schrieben nur in dieser Sprache.

Auch Wolfgang Amadeus Mozart fand seinen eigenen Weg, mit der Tradition der italienischen Oper umzugehen. Er reĂŒssierte bereits in jugendlichen Jahren mehrfach in Italien (u. a. mit „Lucio Silla“ und „Mitridate, re di Ponto“) und komponierte mit „Idomeneo“ (1781), einer ebenfalls auf italienisch geschriebenen opera seria, fĂŒr MĂŒnchen sein erstes Meisterwerk. Auf diese Form sollte er mit „La Clemenza di Tito“ 1791 kurz vor seinem Tod nochmals zurĂŒckkommen. Nach den Singspielen „Bastien und Bastienne“, „Zaide“ (Fragment) und „Die EntfĂŒhrung aus dem Serail“ (mit dieser 1782 uraufgefĂŒhrten Oper gelang es ihm, sich in Wien als freier Komponist zu etablieren) schaffte er es in seinem „Figaro“ (1786) und mehr noch im „Don Giovanni“ (1787), Opera seria und Opera buffa einander wieder anzunĂ€hern. Neben den zuletzt Genannten entstand 1790 als drittes Werk in kongenialer Zusammenarbeit mit dem Librettisten Lorenzo da Ponte „CosĂŹ fan tutte“. – In „Die Zauberflöte“ (1791) verband Mozart Elemente der Oper mit jenen des Singspiels und des lokal vorherrschenden Alt-Wiener Zaubertheaters, das seine Wirkung besonders aus spektakulĂ€ren BĂŒhneneffekten und einer mĂ€rchenhaften Handlung bezog. Dazu kamen Ideen und Symbole aus der Freimaurerei (Mozart war selbst Logenmitglied). Mozart-Opern (und insbesondere die Zauberflöte) gehören bis heute zum Standardrepertoire eines jeden Opernhauses. Er selbst bezeichnete die Oper als „Große Oper in 2 Akten“.

Das 19. Jahrhundert

Die Französische Revolution und der Aufstieg Napoleons zeigten ihre Auswirkungen auf die Oper am deutlichsten bei Ludwig van Beethovens einziger Oper „Fidelio“ bzw. „Leonore“. Dramaturgie und musikalische Sprache orientierten sich deutlich an Luigi Cherubinis „MĂ©dĂ©e“ (Medea, 1797). Die Handlung beruht auf einer wahren Begebenheit innerhalb der Revolution, und der Freiheitsdrang der ursprĂŒnglichen Volksbewegung zeigt sich deutlich als Ideal der Oper. „Fidelio“ kann zum Typus der „Rettungsoper“ gezĂ€hlt werden, in der die dramatische Errettung eines Menschen aus großer Gefahr der Gegenstand ist. Formal ist das Werk uneinheitlich: der erste Teil ist singspielhaft, der zweite mit dem groß angelegten Chorfinale erreicht symphonische Durchschlagskraft und nĂ€hert sich dem Oratorium. Nach der „Zauberflöte“ und dem „Fidelio“ brauchte die deutsche Kulturlandschaft mehrere AnlĂ€ufe, um schließlich in der Romantik eine eigene Opernsprache zu entwickeln. Eine der wichtigsten Vorstufen hierzu lieferte E.T.A. Hoffmann mit seiner romantischen Oper „Undine“.

Carl Maria von Weber war es schließlich, der aus der Tradition des Singspiels mit viel dramatischem Farbenreichtum im Orchester die deutsche Oper in Gestalt des „FreischĂŒtz“ 1821 gebĂŒhrend aufleben ließ. Sein wegen des schlechten Textbuches kaum gespieltes Werk „Oberon“ maß dem Orchester so viel Bedeutung zu, dass sich spĂ€ter namhafte Komponisten wie Gustav Mahler, Claude Debussy und Igor Strawinsky auf ihn beriefen.

Weitere Komponisten der deutschen Romantik waren der als Opernkomponist kaum bekannte Franz Schubert, dessen Freunde ihm keine kongeniale Textvorlage liefern konnten, Heinrich Marschner, der mit seinen Opern um ĂŒbernatĂŒrliche Ereignisse und Naturschilderungen („Hans Heiling“) großen Einfluss auf Richard Wagner ausĂŒbte, Albert Lortzing mit seinen Spielopern (u. a. „Zar und Zimmermann“ sowie „Der WildschĂŒtz“) und schließlich Otto Nicolai, der mit den „Lustigen Weibern von Windsor“ etwas italianitĂ  in die deutsche Oper trug.

In Frankreich herrschte zunĂ€chst die in der zweiten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts entwickelte Form der OpĂ©ra comique vor. Daniel-François-Esprit Auber gelang mit seiner Oper „La Muette de Portici“, deren Titelheldin von einer stummen Ballerina dargestellt wurde, der Anschluss an die Grand opĂ©ra. Der Librettist EugĂšne Scribe war zu dieser Zeit einer der gefragtesten Dichter. Die Grand OpĂ©ra verzichtete in ihren Haupthandlungen weitgehend auf Liebesgeschichten, historisch-politische Motive blieben im Vordergrund. Etwa ab 1850 vermischten sich OpĂ©ra comique und Grand OpĂ©ra zu einer Opernform ohne Dialoge. Georges Bizet schrieb 1875 sein bekanntestes BĂŒhnenwerk Carmen (Oper) noch als OpĂ©ra comique; die posthum von Ernest Guiraud zugefĂŒgten Rezitative rĂŒcken „Carmen“ allerdings in die NĂ€he der Grand opĂ©ra, zu der jedoch die realistische Handlung und der Ton nicht passen; im Widerspruch zur OpĂ©ra comique steht wiederum das tragische Ende, das bei der UrauffĂŒhrung zunĂ€chst fĂŒr einen Misserfolg sorgte. Weitere Beispiele fĂŒr die Vermischung von OpĂ©ra comique und Grand opĂ©ra sind Charles Gounods „Faust“ von 1859 – hier wird zum ersten Mal der Begriff Drame lyrique verwendet â€“ und Jacques Offenbachs „Les contes d’Hoffmann“ bzw. „Hoffmanns ErzĂ€hlungen“ (1871–80).

Modest P. Mussorgski

Schließlich trat auch Russland mit seinen ersten Nationalopern auf den Plan, genĂ€hrt durch den Import anderer Erfolge aus dem Westen. Michail Glinka komponierte 1836 mit „Iwan Sussanin“ (oder auch: „Ein Leben fĂŒr den Zaren“) das erste Werk mit russischen Sujets, war aber musikalisch noch stark westlichen EinflĂŒssen verhaftet. Modest Mussorgski gelang die Lösung von ihnen erfolgreich mit „Boris Godunow“ nach einem Drama von Alexander Puschkin. Auch Borodins „FĂŒrst Igor“ fĂŒhrte Glinkas Erbe weiter. Pjotr Tschaikowski stand zwischen den russischen Traditionen und denen der westlichen Welt und entwarf mit „Eugen Onegin“ und „Pique Dame“ Liebesdramen mit bĂŒrgerlichem Personal, die beide ebenfalls auf einer Vorlage von Puschkin beruhen.

In Tschechien waren Bedƙich Smetana und AntonĂ­n Dvoƙák die meistgespielten Komponisten der Nationaloper, die mit Smetanas „Libusa“ im neuen Nationaltheater in Prag ihren Anfang nahm. „Die verkaufte Braut“ desselben Komponisten wurde zum Exportschlager. Dvoƙaks Oper „Rusalka“ verknĂŒpfte volkstĂŒmliche Sagen und deutsche MĂ€rchenquellen zu einer lyrischen MĂ€rchenoper. Bohuslav MartinĆŻ und LeoĆĄ Janáček fĂŒhrten ihre Bestrebungen weiter. Letztgenannter Komponist ist in seiner ModernitĂ€t in den letzten Jahrzehnten wiederentdeckt worden und hat vermehrt die SpielplĂ€ne erobert. WĂ€hrend „Das schlaue FĂŒchslein“ noch immer meist in der deutschen Übersetzung von Max Brod gegeben wird, werden andere Werke wie „Jenufa“, „Katja Kabanowa“ oder „Die Sache Makropulos“ immer hĂ€ufiger in der tschechischen Originalversion aufgefĂŒhrt; das ist insofern wichtig, da Janáčeks Tonsprache sich eng an die Phonetik und Prosodie seiner Muttersprache anlehnt.

Italien verfiel ab dem Jahr 1813, wo seine elfte Oper „L'Italiana in Algeri“ aufgefĂŒhrt wurde, dem jungen und ĂŒberaus produktiven Belcanto-Komponisten Gioacchino Rossini. „Il Barbiere di Siviglia“ (1816), „La gazza ladra“ (deutsch: „Die diebische Elster“) und „La Cenerentola“ nach dem Aschenputtel-MĂ€rchen von Charles Perrault sind bis heute im Standardrepertoire der OpernhĂ€user zu finden. Federnder Rhythmus im Orchester und eine nie ĂŒberfordernde Behandlung der Singstimme ließen Rossini zu einem der beliebtesten Komponisten Europas werden. Die bis dato noch ĂŒblichen Verzierungen der SĂ€nger schrieb Rossini dezidiert in seine Partien hinein und unterband damit ausufernde Improvisationen. Eine neue formale Idee verwirklichte er mit seiner scene ed arie, die den starren Wechsel Rezitativ-Arie auflockerte und doch das Prinzip der Nummernoper aufrechterhielt. Rossini hat auch einige Opere serie geschrieben (z. B. seinen „Otello“ oder auch „Semiramide“). Er ging 1824 nach Paris und schrieb wichtige Werke fĂŒr die OpĂ©ra. Seine politische Grand OpĂ©ra verfasste er ĂŒber „Wilhelm Tell“ (franz.: „Gulliaume Tell“; spĂ€ter auch ital.: „Guglielmo Tell“), die in Österreich verboten und an verschiedenen europĂ€ischen Orten in entschĂ€rfter Fassung mit anderen Haupthelden aufgefĂŒhrt wurde.

Giuseppe Verdi

Gaetano Donizetti war ein nicht minder erfolgreicher Opernkomponist. „Lucia di Lammermoor“ mit der berĂŒhmten koloraturreichen Wahnsinnsszene hĂ€lt sich neben den heiteren Opern „Don Pasquale“, „L’elisir d’amore“ und „La fille du rĂ©giment“ konsequent auf den SpielplĂ€nen der OpernhĂ€user. Vincenzo Bellini, ein von Maria Callas wieder der Vergessenheit entrissener Komponist, verfasste im Gegenzug große tragische Belcanto-Opern wie „I Puritani“, „I Capuleti e i Montecchi“ und „Norma“ (1831), deren Arie „Casta diva“ zu den berĂŒhmtesten der Welt gehört.

Die weit gespannten Melodiebögen Bellinis machten starken Eindruck auf den jungen Giuseppe Verdi. Seit seiner dritten Oper „Nabucco“ galt er als Nationalkomponist fĂŒr das immer noch von den Habsburgern beherrschte Italien. Der Chor „Va, pensiero, sull’ ali dorate“ entwickelte sich zur heimlichen Nationalhymne des Landes. Musikalisch zeichnet Verdis Musik eine stark betonte, deutliche Rhythmik aus, ĂŒber der sich einfache, ausdrucksstarke Melodien entwickeln. In seinen Opern, bei denen Verdi mit untrĂŒglichem Theaterinstinkt auch oft selbst am Textbuch mitwirkte, nehmen Chorszenen zunĂ€chst eine wichtige Stellung ein. Verdi verließ zunehmend die traditionelle Nummernoper; stĂ€ndige emotionale Spannung verlangte nach einer abwechslungsreichen Durchmischung der einzelnen Szenen und Arien. Mit „Macbeth“ wandte sich Verdi endgĂŒltig von der Nummernoper ab und ging seinen Weg der intimen Charakterschilderung von Individuen weiter. Mit „La traviata“ (1853, nach dem 1848 erschienenen Roman Die Kameliendame von Alexandre Dumas d.J., der um die authentische Figur der Kurtisane Marie Duplessis kreist) brachte er erstmals einen Gegenwartsstoff auf die OpernbĂŒhne, wurde von der Zensur jedoch gezwungen, die Handlung aus der Jetztzeit zu verlegen. Verdi vertonte hĂ€ufig literarische Vorlagen, etwa von Friedrich Schiller (z. B. „Luisa Miller“ nach Kabale und Liebe oder „I Masnadieri“ nach Die RĂ€uber), Shakespeare oder Victor Hugo („Rigoletto“). Mit seinen fĂŒr Paris geschriebenen BeitrĂ€gen zur Grande OpĂ©ra (z. B. „Don Carlos“) erneuerte er auch diese Form und nahm mit dem spĂ€ten „Otello“ Elemente von Richard Wagners Musikdrama auf, bis er mit der ĂŒberraschenden Komödie „Falstaff“ (1893; Dichtung in beiden FĂ€llen von Arrigo Boito) im Alter von 80 Jahren seine letzte von fast 30 Opern komponierte. Wahrscheinlich seine populĂ€rste Oper ist „Aida“, geschrieben 1871.

Richard Wagner

Richard Wagner schließlich formte die Oper so grundlegend nach seinen Ideen um, dass die oben genannten deutschen Komponisten neben ihm schlagartig verblassten. Mit „Rienzi“ erlebte der bis dahin eher glĂŒcklose Wagner seinen ersten Erfolg in Dresden: er wurde spĂ€ter von „Der fliegende HollĂ€nder“ noch ĂŒbertroffen. Wegen seiner Verwicklung in die 48er Revolution in Dresden musste Wagner fĂŒr viele Jahre ins Exil in die Schweiz. Sein spĂ€terer Schwiegervater Franz Liszt trug durch die UrauffĂŒhrung des „Lohengrin“ in Weimar dazu bei, dass Wagner trotzdem weiterhin in Deutschland prĂ€sent war. Mit der UnterstĂŒtzung des jungen bayerischen Königs Ludwig II. konnte Wagner schließlich den lang gehegten Plan des „Ring des Nibelungen“ verwirklichen, fĂŒr den er eigens das Bayreuther Festspielhaus erbauen ließ, in dem bis heute nur seine Werke gespielt werden.

Eine der spezifischen Neuerungen fĂŒr die Gattung Oper durch Wagner bestand darin, dass er eine vollstĂ€ndige Auflösung der Nummernoper vornahm. Tendenzen zur durchkomponierten Oper zeigten sich schon in Webers „FreischĂŒtz“ oder in Robert Schumanns selten gespielter Oper Genoveva; konsequent vollendet wurde diese Entwicklung durch Wagner. Eine weitere kann man darin sehen, dass Singstimme und Orchesterpart grundsĂ€tzlich gleichberechtigt behandelt werden, das Orchester also nicht mehr den SĂ€nger begleitet, sondern als „mystischer Abgrund“ in vielfĂ€ltige Beziehung zum Gesungenen tritt. Die LĂ€nge seiner Opern verlangte SĂ€ngern und Zuhörern viel Konzentration und Ausdauer ab. Spezielle Wagner-Themen seiner fast durchweg ernsten Opern (mit Ausnahme der „Meistersinger“), deren Libretto er sĂ€mtlich selbst verfasste, sind Erlösung durch Liebe, Entsagung oder Tod. In „Tristan und Isolde“ verlegte er das innere Drama der Hauptfiguren in die Musik â€“ die Ă€ußere Handlung der Oper ist erstaunlich ereignisarm. Der Beginn dieser Oper setzt die bis dahin gĂŒltigen harmonischen Regeln außer Kraft. Er wurde so berĂŒhmt, dass er als sogenannter „Tristan-Akkord“ in die Musikgeschichte einging. Musikalisch zeichnen sich Wagners Opern sowohl durch seine geniale Behandlung des Orchestersatzes, die auch auf die symphonische Musik der Zeit bis hin zu Gustav Mahler starken Einfluss ausĂŒbte, aus, als auch durch den Einsatz wiederkehrender Motive (sog. Leitmotive), die sich mit Personen, Situationen, einzelnen Texten oder auch mit bestimmten Ideengehalten verbinden. Mit dem „Ring des Nibelungen“, auch kurz „Ring“ genannt, dem wohl bekanntesten Opernzyklus in vier Teilen (daher auch „Tetralogie“ genannt) mit etwa 16 Stunden AuffĂŒhrungszeit insgesamt, schuf Wagner die ErfĂŒllung seines Lebenswerkes. „Parsifal“ war die letzte seiner Opern, die die Musikwelt in zwei Lager spalteten und sowohl Nachahmer (Engelbert Humperdinck, Richard Strauss vor seiner „Salome“) als auch Skeptiker â€“ insbesondere in Frankreich â€“ hervorriefen.

Jahrhundertwende

Nach dem Abtreten Verdis eroberten die jungen Veristen (ital. vero = wahr) in Italien die Szene. Ungeschönter Naturalismus war eines ihrer höchsten Ă€sthetischen Ideale â€“ dementsprechend wurde von sĂ€uberlich verfassten Versen Abstand genommen. Pietro Mascagni („Cavalleria rusticana“, 1890) und Ruggero Leoncavallo („Pagliacci“, 1892) waren die typischsten Komponisten aus dieser Zeit. Giacomo Puccini wuchs hingegen an Ruhm weit ĂŒber sie hinaus und ist bis heute einer der meistgespielten Opernkomponisten ĂŒberhaupt. „La BohĂšme“ (1896), ein SittengemĂ€lde aus dem Paris der Jahrhundertwende, der „Politkrimi“ „Tosca“ (1900, nach dem gleichnamigen Drama von Victorien Sardou) und die fernöstliche „Madama Butterfly“ (1904), mit der unvollendeten „Turandot“ (UrauffĂŒhrung posthum 1926) noch um ein weiteres an Exotismus gesteigert, sind vor allem wegen ihrer Melodien zu Schlagern geworden. Puccini war ein eminenter Theatraliker und wusste genau fĂŒr die Stimme zu schreiben; die Instrumentierung seiner meist fĂŒr großes Orchester gesetzten Partituren ist sehr differenziert und meisterhaft. Zurzeit wird der damals sehr populĂ€re jĂŒdische Komponist Alberto Franchetti, trotz dreier Welterfolge („Asrael“, „Christoforo Colombo“ und „Germania“) zwischendurch fast vergessen, zaghaft wiederentdeckt.

Das 20. Jahrhundert

Mary Garden als „Melisande“

Claude Debussy gelang es schließlich, sich vom Einfluss des Deutschen zu befreien, und schuf mit „PellĂ©as et MĂ©lisande“ 1902 eines der nuanciertesten Beispiele fĂŒr die von Wagner ĂŒbernommene Leitmotivtechnik. Maurice Maeterlincks Textvorlage bot viel an mehrdeutigen Symbolismen an, die Debussy in die Orchestersprache ĂŒbernahm. Die Gesangspartien wurden fast durchweg rezitativisch gestaltet und boten der „unendlichen Melodie“ Wagners mit dem „unendlichen Rezitativ“ ein Gegenbeispiel. Eine der raren Ausnahmen, die dem Hörer eine gesangliche Linie darbieten, ist das schlichte Lied der MĂ©lisande, das wegen seiner KĂŒrze und Schmucklosigkeit kaum als echte Arie angesehen werden kann.

Nach Richard Strauss, der mit „Salome“ und „Elektra“ zunĂ€chst zum spĂ€tromantischen Expressionisten wurde, sich dann allerdings mit „Der Rosenkavalier“ wieder frĂŒheren Kompositionsstilen zuwendete und mit einer Reihe von Werken bis heute viel gespielt wird (z. B. „Ariadne auf Naxos“, „Arabella“, „Die Frau ohne Schatten“ und „Die schweigsame Frau“), schafften es nur noch wenige Komponisten, einen festen Platz im Repertoire der OpernhĂ€user zu finden. Stattdessen wurden (und werden) eher die Werke der Vergangenheit gepflegt. Die Aufnahme eines zeitgenössischen Werkes in das Standardrepertoire bleibt die Ausnahme.

Alban Berg gelang dies dennoch mit seinen Opern „Wozzeck“, der freitonal angelegt wurde, und „Lulu“, die sich ganz der Zwölftonmusik bedient. Die zuerst Fragment gebliebene „Lulu“ wurde von Friedrich Cerha fĂŒr die Pariser AuffĂŒhrung unter Pierre Boulez und Patrice ChĂ©reau in ihrer dreiaktigen Gestalt vollendet. Von beiden Opern hat insbesondere „Wozzeck“, bei dem Gehalt des StĂŒcks und musikalische Vision zu einer Einheit finden, inzwischen weltweit in unzĂ€hligen Inszenierungen an großen wie kleineren BĂŒhnen Eingang in das vertraute Opernrepertoire gefunden und eine unbestrittene Stellung erobert. Durchaus Ă€hnlich verhĂ€lt es sich mit „Lulu“, die jedoch wegen ihres im Werk angelegten Aufwands oft nur von grĂ¶ĂŸeren BĂŒhnen bewĂ€ltigt werden kann. Sie inspiriert allerdings regelmĂ€ĂŸig wichtige Interpretinnen wie Anja Silja, Evelyn Lear, Teresa Stratas oder Julia Migenes).

Arnold Schönberg, 1948

Von Arnold Schönberg werden regelmĂ€ĂŸig das Musikdrama „Erwartung“ â€“ die erste Oper fĂŒr eine einzige SĂ€ngerin â€“ sowie das vom Komponisten bewusst unvollendet hinterlassene, höchste AnsprĂŒche an den Chor stellende Werk „Moses und Aron“ aufgefĂŒhrt. „Erwartung“, bereits 1909 entstanden, doch erst 1924 in Prag mit Marie Gutheil-Schroder unter der Leitung von Alexander von Zemlinsky uraufgefĂŒhrt, bewies in den dem Zweiten Weltkrieg folgenden Jahren eine spezifische Faszination gleichermaßen fĂŒr SĂ€ngerinnen (besonders Anja Silja und Jessye Norman) wie fĂŒr Regisseure (z. B. Klaus Michael GrĂŒber mit Silja 1974 in Frankfurt; Robert Wilson mit Norman 1995 bei den Salzburger Festspielen). 1930 begann Schönberg die Arbeit an „Moses und Aron“, die er 1937 abbrach; nach der szenischen UrauffĂŒhrung in ZĂŒrich 1957 hat diese Oper international zumal seit den 1970er Jahren in zahlreichen AuffĂŒhrungen seine besondere BĂŒhnentauglichkeit bewiesen. Interessant ist ferner, dass Moses sich ĂŒber die gesamte Oper hinweg eines Sprechgesangs bedient, dessen Tonhöhe vorgezeichnet ist, Aron dagegen singt.

Ansonsten hinterließ die Zweite Wiener Schule keine weiteren Spuren im Standardrepertoire. Musikalisch musste sich allerdings jeder moderne Komponist mit der Zwölftonmusik auseinandersetzen und entscheiden, ob er auf ihrer Grundlage weiter arbeitete oder eher in tonalen Bahnen dachte.

Hans Pfitzner gehörte zu den bedeutendsten Komponisten der ersten JahrhunderthĂ€lfte, die bewusst an den tonalen Traditionen festhielten. Sein Opernschaffen zeigt gleichermaßen EinflĂŒsse Richard Wagners und frĂŒhromantischer Komponisten, wie Weber und Marschner. Pfitzners Musik wird zum großen Teil von linear-polyfonem Denken bestimmt, die Harmonik bewegt sich zwischen schlichter Diatonik und bis an die Grenzen der TonalitĂ€t gehender Chromatik. Von Pfitzners Opern ist die 1917 uraufgefĂŒhrte Musikalische Legende „Palestrina“ am bekanntesten geworden. Er schrieb außerdem: „Der arme Heinrich“, „Die Rose vom Liebesgarten“, „Das Christ-Elflein“ und „Das Herz“.

Franz Schreker schuf 1912 mit „Der ferne Klang“ einen der großen Opernerfolge vor dem Zweiten Weltkrieg, geriet jedoch spĂ€ter in Vergessenheit, als der Nationalsozialismus seine Werke aus den SpielplĂ€nen verdrĂ€ngte. Nach vielen frĂŒheren Versuchen begann erst in den 1980er Jahren die wirklich tief greifende Wiederentdeckung dieses Komponisten, die neben Neuinszenierungen von „Der ferne Klang“ (Teatro La Fenice 1984, Wiener Staatsoper 1991) auch AuffĂŒhrungen von „Die Gezeichneten“, „Der SchatzgrĂ€ber“ oder „Irrelohe“ zeitigte. Eine wesentliche Rolle in Schrekers Musik spielen stark ausdifferenzierte Klangfarben. Die chromatische Harmonik Wagners erfĂ€hrt bei Schreker eine nochmalige Intensivierung, die nicht selten die tonalen Bindungen bis zur Unkenntlichkeit verwischt.

Ähnlich wie Schreker erging es dem Wiener Alexander von Zemlinsky, dessen Werk es nach 1945 ebenfalls schwer hatte. Seit den 1980er Jahren gelang es „Kleider machen Leute“, besonders aber „Eine florentinische Tragödie“, „Der Zwerg“ und „Der König Kandaules“ einen Platz im internationalen Repertoire wieder zu erlangen.

Auch das Schaffen von Walter Braunfels wurde von den Nationalsozialisten verboten und erfĂ€hrt erst seit Ende des 20. Jahrhunderts wieder verstĂ€rkte Aufmerksamkeit. Mit seiner Oper “Die Vögel” war Braunfels in den 1920er Jahren einer der meist gespielten Komponisten auf deutschen OpernbĂŒhnen. An seinen Werken fĂ€llt ihre stilistische Vielseitigkeit auf: Bietet “Prinzessin Brambilla” einen auf die Commedia dell'Arte zurĂŒckgreifenden Gegenentwurf zum Musikdrama der Wagnernachfolge, zeigen “Die Vögel” den Einfluss Pfitzners. Mit den spĂ€teren Opern “VerkĂŒndigung”, “Der Traum ein Leben” und “Scenen aus dem Leben der heiligen Johanna” nĂ€hert Braunfels sich der Tonsprache des spĂ€teren Hindemith an.

Zu den in den 1920ern erfolgreichsten Komponisten der jungen Generation zĂ€hlte Ernst Krenek, ein SchĂŒler Schrekers, der zunĂ€chst mit in freier AtonalitĂ€t gehaltenen, expressionistischen Werken fĂŒr Aufsehen sorgte. Ein Skandalerfolg wurde 1927 seine Oper „Jonny spielt auf“, die Elemente des Jazz aufgreift. Sie ist ein typisches Beispiel fĂŒr die damals entstandene Gattung der „Zeitoper“, die ihre Handlungen dem stark vom Wechsel unterschiedlicher Moden bestimmten Alltag der damaligen Zeit entnahm. Kreneks Musik wurde von den Nationalsozialisten spĂ€ter als „entartet“ abgelehnt und verboten. Der Komponist emigrierte in die USA und brachte es bis 1973 auf ĂŒber 20 Opern, in denen sich die wechselvolle Entwicklung der Musik des 20. Jahrhunderts exemplarisch widerspiegelt.

Der Zweite Weltkrieg bezeichnete einen großen Einschnitt in der Geschichte Europas und Amerikas, der sich auch auf die musikalische Welt auswirkte. In Deutschland wurden kaum noch Opern mit modernen KlĂ€ngen gespielt und gerieten immer mehr ins Abseits. Ein bezeichnendes Beispiel hierfĂŒr bildet Paul Hindemith, der in den 1920ern mit Werken wie der Oper „Cardillac“ als musikalischer „BĂŒrgerschreck“ galt, nach 1930 aber schließlich zu einem gemĂ€ĂŸigt modernen Stil neoklassizistischer PrĂ€gung gefunden hatte, dem u. a. „Mathis der Maler“ (aus Teilen dieser Oper stellte der Komponist eine viel gespielte Sinfonie zusammen) zuzurechnen ist. Trotz des Stilwandels bekam Hindemith die Ablehnung deutlich zu spĂŒren, da Adolf Hitler persönlichen Anstoß an seiner 1929 vollendeten Oper Neues vom Tage genommen hatte. Schließlich wurden auch Hindemiths Werke mit dem Etikett „entartet“ versehen und ihre AuffĂŒhrung verboten. Hindemith ging, wie andere KĂŒnstler und Komponisten vor und nach ihm, 1938 ins Exil.

Zeit nach 1945

In den Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war der Nachholbedarf an Neuer Musik insbesondere in Deutschland deutlich vorhanden. Donaueschingen und Darmstadt entwickelten sich zu bedeutenden Zentren musikalischer Entwicklung.

International gesehen wurde die Oper immer stĂ€rker von individuellen EinflĂŒssen der Komponisten abhĂ€ngig, als von allgemeinen Strömungen. Die stĂ€ndige PrĂ€senz der „Klassiker“ des Opernrepertoires ließ die AnsprĂŒche an moderne Opern steigen, und jeder Komponist musste seinen eigenen Weg finden, um mit der Vergangenheit umzugehen, sie fortzufĂŒhren, zu verfremden oder mit ihr zu brechen. Im Folgenden entstanden immer wieder Opern, die die Grenzen der Gattung sprengten und zu ĂŒberwinden trachteten. Auf musikalischer wie textlicher Ebene verließen die Komponisten zunehmend bekanntes Terrain und bezogen die BĂŒhne und die szenische Aktion in den â€“ oft genug abstrakten â€“ musikalischen Ablauf mit ein. Kennzeichen fĂŒr die Erweiterung der visuellen Mittel im 20. Jahrhundert sind die zunĂ€chst handlungsbegleitenden, spĂ€ter selbststĂ€ndigeren Videoprojektionen.

In der zunehmenden Individualisierung der Musiksprache lassen sich in der Oper der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts dennoch Strömungen erkennen: zum einen Literaturopern, deren Dramaturgie sich zu großen Teilen an der Tradition ausrichtet. Dazu werden aber mehr und mehr aktuelle Stoffe und Libretti verwendet. Dennoch sind zwei wegweisende Werke dieser Zeit ausgerechnet Opern, die Klassiker der Literatur als Grundlage verwenden, nĂ€mlich Bernd Alois Zimmermanns Oper Die Soldaten nach Jakob Michael Reinhold Lenz und Aribert Reimanns Lear nach William Shakespeare. Weitere Beispiele fĂŒr die Literaturoper wĂ€ren Reimanns Das Schloss (nach Kafka) und Bernarda Albas Haus (nach Lorca). Zunehmend werden auch politische Stoffe vertont, beginnend mit Luigi Nono und Hans Werner Henze; ein jĂŒngeres Beispiel ist Gerhard Rosenfelds Oper Kniefall in Warschau (ĂŒber Willy Brandt, deren UrauffĂŒhrung 1997 in Dortmund) allerdings bei Publikum wie Presse gleichermaßen wenig Wirkung zeigte und keine Folgeproduktionen zeitigte).

Können schon Luigi Nonos Werke aufgrund ihrer experimentellen Musiksprache nicht mehr als Literaturoper kategorisiert werden, so wird auch die Dramaturgie der Opernvorlage auf ihre experimentellen Möglichkeiten hin ausgelotet. Der Begriff Oper erfĂ€hrt daher eine Wandlung in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts, viele Komponisten ersetzen ihn durch Musiktheater oder musikalische Szenen und verwenden den Begriff Oper nur fĂŒr explizit mit der Tradition verbundene Werke. In den Werken experimenteller Komponisten ist nicht nur ein kreativer Umgang mit Text und Dramaturgie zu entdecken, auch die BĂŒhne, die Orchesterbesetzung und nicht zuletzt die Musik selbst ĂŒberwindet konservative Muster, das Genre ist hier nicht mehr klar eingrenzbar. Zudem werden neue Medien wie Video, Elektronik eingesetzt, aber auch das Schauspiel, Tanz und Performance halten Einzug in die Oper.

Eine ganz eigene Stimme im zeitgenössischen Musiktheater verkörpert ein anderer italienischer Komponist: Salvatore Sciarrino. Er schafft mit seinem Interesse an Klangfarben oder auch der Stille in der Musik, z. T. im RĂŒckgriff auf Kompositionstechniken der Renaissance (z. B. in seiner Oper Luci mie traditrici von 1998 ĂŒber das Leben des Madrigal-Komponisten Carlo Gesualdo) unverwechselbare Werke.

Benjamin Britten ließ das moderne England auf den internationalen OpernbĂŒhnen Einzug halten. Von seinen ĂŒberwiegend tonalen Opern sind A Midsummer Night’s Dream, basierend auf dem Schauspiel William Shakespeares, Albert Herring, Billy Budd und Peter Grimes am bekanntesten. Immer wieder zeigte sich Brittens Vorliebe und Talent zur Klangmalerei insbesondere in der Darstellung des Meeres.

Francis Poulenc schrieb die zweite bekannt gewordene Oper fĂŒr eine einzige SĂ€ngerin. In La voix humaine zerbricht die schlicht als „Frau“ bezeichnete Person an der Untreue ihres Geliebten, der ihr per Telefon den Laufpass gibt. Luciano Berio verwendete in Passaggio zu der weiblichen Hauptfigur „Sie“ auch einen kommentierenden Chor.

Der Komponist Philip Glass, der Minimal Music verhaftet, verwendete fĂŒr Einstein on the Beach keine zusammenhĂ€ngenden SĂ€tze mehr, sondern Zahlen, SolfĂšge-Silben, Nonsens-Worte. Entscheidend war die Darstellung der Geschehnisse auf der BĂŒhne. 1976 entstand Einstein on the Beach, der erste Teil einer Trilogie, in der auch Satyagraha und Akhnaten vertreten sind â€“ Hommagen an Persönlichkeiten, die die Weltgeschichte verĂ€nderten: Albert Einstein, Mahatma Gandhi und den Ă€gyptischen Pharao Echnaton. Glass’ Arbeiten haben besonders in Verbindung mit den als kongenial empfundenen Inszenierungen von Robert Wilson oder Achim Freyer große Publikumswirksamkeit bewiesen.

Mauricio Kagels BĂŒhnenwerke sind ebenso oft Werke ĂŒber Musik oder Theater an sich, die am ehesten als „Szenisch-musikalische Aktion“ zu klassifizieren ist â€“ die Musik ist kaum festgelegt, da Kagel sich der freien Improvisation seiner Interpreten ĂŒberlĂ€sst, die auf Nicht-Instrumenten (ReißverschlĂŒssen, Babyflaschen etc.) spielen oder sie ungewöhnlich benutzen, bedeutungslose Silben singen oder Handlung und/oder Musik per Zufall oder durch improvisierte Lesart entstehen lassen. Mit Humor ĂŒbte Kagel dabei hintersinnige Kritik an Staat und Theater, MilitĂ€r, Kunstbetrieb usw. Skandale erregte sein berĂŒhmtestes Werk Staatstheater, in dem die verborgenen Mechanismen desselben an die OberflĂ€che gekehrt werden.

Luigi Nono verwendete seine Musik dagegen, um politische und soziale MissstĂ€nde anzuklagen. Besonders deutlich wird dies in Intolleranza 1960, wo ein Mann auf einer Reise zu seiner Heimat Demonstrationen, Proteste, Folterungen, Konzentrationslager, GefĂ€ngnishaft und Missbrauch bis hin zu einer Überschwemmung erlebt und schließlich feststellt, dass seine Heimat dort ist, wo er gebraucht wird.

Ein sehr produktiver Komponist ist der 2003 mit dem Premium Imperiale der Japan Art Foundation (sog. Nobelpreis der Kunst) ausgezeichnete Hans Werner Henze. Er stand von Anfang an im Konflikt mit den teilweise dogmatisch ausgerichteten herrschenden Strömungen der zeitgenössischen Musik in Deutschland (Stichwort Darmstadt bzw. Donaueschingen, s.o.), griff serielle Techniken auf, wandte jedoch auch ganz andere Kompositionstechniken bis hin zur Aleatorik an. Am Beginn seines Opernschaffens stand seine Zusammenarbeit mit der Dichterin Ingeborg Bachmann (Der junge Lord, 1952, und die Kleist-Adaption Der Prinz von Homburg, 1961). Die Elegie fĂŒr junge Liebende (1961) entstand mit Wystan Hugh Auden und Chester Kallman, den Librettisten von Strawinskis Oper The Rake’s Progress. SpĂ€ter vertonte er Libretti von Edward Bond (The Bassarides, 1966, und The English Cat, 1980). Sein jĂŒngstes Werk L'Upupa und der Triumph der Sohnesliebe wurde 2003 bei den Salzburger Festspielen uraufgefĂŒhrt. Henze, der seit vielen Jahrzehnten in Italien lebt, hat viele jĂŒngere Komponisten nachhaltig gefördert und beeinflusst. Seit 1988 gibt es in MĂŒnchen die von ihm gegrĂŒndete Biennale fĂŒr Neues Musiktheater.

Aufmerksamkeit erregte in Deutschland 1996 die Oper Das MĂ€dchen mit den Schwefelhölzern von Helmut Lachenmann. Sie basiert auf der bekannten Weihnachtsgeschichte von Hans Christian Andersen. Auf eigenwillige Weise und mit teilweise neuartigen Instrumentaltechniken setzt Lachenmann hier das GefĂŒhl der KĂ€lte in Klang um.

Karlheinz Stockhausen vollendet 2005 seine 1978 begonnene Heptalogie LICHT. Mit seinem Lebenswerk hinterlĂ€sst er ein religiöse Themen behandelndes, monumentales Opus, bestehend aus sieben Opern, die jeweils fĂŒr einen Wochentag stehen. Die ersten Opern erlebten in Mailand ihre UrauffĂŒhrung (Donnerstag, Samstag, Montag), in Leipzig wurden Dienstag und Freitag zum ersten Mal gespielt. In seiner Gesamtheit wurde das insgesamt 29 Stunden Musik umfassende komplexe Werk nicht zuletzt wegen der immensen organisatorischen Schwierigkeiten noch nicht aufgefĂŒhrt.

Als erfolgreichster und einer der produktivsten deutschen Komponisten fĂŒr die OpernbĂŒhne muss Wilfried Hiller gesehen werden, der sowohl mit seinen mit Michael Ende geschriebenen Kinderopern, darunter Tranquilla Trampeltreu oder Norbert Nackendick, als auch mit seinen großformatigen Werken Der RattenfĂ€nger (Libretto von Michael Ende), Der Schimmelreiter (Libretto von Andreas K. W. Meyer), Eduard auf dem Seil (Libretto von Rudolf Herfurtner) oder Wolkenstein (Libretto Felix Mitterer), vor allem aber mit der ‚bairischen MĂ€r‘ Der Goggolori dem zeitgenössischen Musiktheater zu ungeahnter PopularitĂ€t verhalf.

Weitere bedeutende Opernkomponisten des 20. und 21. Jahrhunderts

Die zunehmende Individualisierung und der geringe zeitliche Abstand machen die Trennung zwischen „Klassikern der Moderne“ und experimentierfreudigem, aber nicht unbedingt wegweisendem opus schwierig.

AuffĂŒhrungspraxis der Oper

Repertoire

Die große Menge an Werken macht es Theatern und OpernhĂ€usern nicht einfach, eine Auswahl zu treffen, die einem hohen Anspruch genĂŒgt und auch genĂŒgend Publikum findet. AbhĂ€ngig von der GrĂ¶ĂŸe des Theaters und dem vorhandenen Budget wird von Intendant und Dramaturgie fĂŒr jede Sparte des Theaters (Schauspiel, Musiktheater, Ballett, Kinder- und Jugendtheater, Puppentheater etc.) ein Spielplan erarbeitet, der dem Haus und seinen Mitarbeitern angepasst ist. Der Spielplan geht auf die regionalen Eigenheiten und AuffĂŒhrungstraditionen des Ortes ein - zum Beispiel durch open air-Festspiele, Weihnachts- oder Neujahrskonzerte - weist aber auch auf aktuelle Strömungen des Musiktheaters hin, indem auch zeitgenössische Werke aufgefĂŒhrt werden. Je nach GrĂ¶ĂŸe des Hauses werden verschiedene Opern in einer Spielzeit neu inszeniert. Die erste öffentliche Darbietung einer neuen Oper nennt man UrauffĂŒhrung, die erste öffentliche Darbietung einer Oper in einer neuen Inszenierung Premiere.

Nach und nach hat sich ein praxiserprobter, mehr oder weniger enger Kanon an Opern herausgebildet, die regelmĂ€ĂŸig auf dem Spielplan stehen. Entsprechend hat sich das Interesse vor allem des Feuilletons von den vielfach bereits bekannten Werken hin zu deren Interpretation verlagert, wobei vor allem die Inszenierung in den Vordergrund rĂŒckt. Das Publikum verbindet seine Lieblingsopern oft mit bestimmten Traditionen, die zum Teil auch in Konventionen erstarrt sind, und reagiert auf radikale DeutungsansĂ€tze (Regietheater) kontrovers.

Sprache der AuffĂŒhrungen

Bis zur Mitte der 1960er Jahre wurden Opern zumeist in der jeweiligen Landessprache des AuffĂŒhrungsortes aufgefĂŒhrt. So wurden Verdi-Opern in Deutschland in deutscher Sprache und Wagner-Opern in Italien in italienischer Sprache gesungen, wie auch Radio- und Fernsehaufzeichnungen belegen. Bereits zuvor gab es jedoch Theater, die Opern in der jeweiligen Originalsprache auffĂŒhrten, etwa die Metropolitan Opera in New York. Auch die Salzburger Festspiele zeigten Opern stets ausschließlich in der Originalsprache. Aufgrund eines Vertrages mit der MailĂ€nder Scala, bei dem sich italienische SĂ€nger verpflichteten, auch an der Wiener Staatsoper zu singen, fĂŒhrte Herbert von Karajan 1956 an der Wiener Staatsoper das Prinzip ein, Opern in der Originalsprache aufzufĂŒhren. Mit seiner BegrĂŒndung, die Einheit von Wort und Musik gehe bei Übersetzungen in eine andere Sprache verloren, wurden Opern allmĂ€hlich immer mehr in ihrer ursprĂŒnglichen Form aufgefĂŒhrt. Auch der Schallplatten und SĂ€nger-Markt, der sich zunehmend internationalisierte, trug entscheidend zu dieser Entwicklung bei. In der DDR gab es hingegen weiterhin eine große Tradition von Übersetzungen, jedoch wurde mit neuen Übertragungen (z. B. Walter Felsenstein, Siegfried Schoenbohm) versucht, den Inhalt des Originals genauer, sprachlich gelungener und vor allem musikalisch passender umzusetzen. Heute werden in fast allen großen OpernhĂ€usern Opern in der Originalsprache aufgefĂŒhrt und dazu simultan Übertitel eingeblendet, ein Verfahren, das durchaus umstritten ist: Der Zuschauer muss sich entscheiden, ob er die Inszenierung auf der BĂŒhne verfolgen oder die darĂŒber eingeblendeten Titel lesen möchte, beides zugleich ist nahezu unmöglich. An vielen kleineren Theatern, vor allem im Osten Deutschlands, gibt es noch AuffĂŒhrungen in deutscher Sprache. Auch gibt es in einigen StĂ€dten (z. B. Berlin, MĂŒnchen, Wien) mehrere OpernhĂ€user, von denen eines Opern in Übersetzungen auffĂŒhrt, wie etwa die Komische Oper Berlin oder das Staatstheater am GĂ€rtnerplatz in MĂŒnchen. Hin und wieder gibt es auch eine autorisierte Übersetzung (wie im Falle der Opern LeoĆĄ Janáčeks, deren deutscher Text von Janáčeks Freund Max Brod stammt, so dass auch der deutsche Text als original gelten darf). Schwierig gestaltet sich die AuffĂŒhrung in Originalsprache auch immer dann, wenn Dialoge in dem Werk vorkommen. Hier gibt es auch Mischformen, das heißt, gesprochene Texte werden ĂŒbersetzt, gesungene erklingen jedoch in Originalsprache. Im Bereich Singspiel, Operette, Musical ist daher die ĂŒbersetzte MusiktheaterauffĂŒhrung weit verbreitet. FĂŒr die exakte Übersetzung aus einer Fremdsprache ist am Theater die Dramaturgie zustĂ€ndig. Wenn die Sprachkenntnisse der Korrepetitoren vertieft werden sollen, werden auch spezialisierte Coaches fĂŒr eine Fremdsprache hinzugezogen.

Siehe auch

Literatur

BĂŒcher

  • Barbara Beyer: Warum Oper?, Alexander Verlag Berlin, 2006, ISBN 3-89581-145-9
  • Jens Malte Fischer: Oper – das mögliche Kunstwerk. Anif/Salzburg: MĂŒller-Speiser 1991
  • Jens Malte Fischer: Vom Wunderwerk der Oper. Zsolnay: Wien 2007. ISBN 978-3-552-05396-0
  • Johannes Jansen: Schnellkurs Oper. Dumont Buchverlag, Köln 1998, ISBN 3-7701-4280-2
  • Rudolf Kloiber, Wulf Konold, Robert Maschka: Handbuch der Oper. Neuausgabe. 11., durchgesehene Auflage. BĂ€renreiter/dtv, Kassel u. a./MĂŒnchen 2006, ISBN 3-423-34132-7
  • Arnold Jacobshagen (Hrsg.): Praxis Musiktheater. Ein Handbuch. Laaber-Verlag, Laaber 2002, ISBN 978-3-89007-512-9
  • Carl Dahlhaus, Sieghart Döhring (Hrsg.): Pipers EnzyklopĂ€die des Musiktheaters. Piper, MĂŒnchen/ZĂŒrich 1986–1997, ISBN 3-492-02411-4, ISBN 3-492-03972-3 (6 BĂ€nde und ein Registerband)
  • Isolde Schmid-Reiter (Hrsg.): L'Europe Baroque. Oper im 17. und 18. Jahrhundert. L'opĂ©ra aux XVIIe et XVIIIe siĂšcles, ConBrio 2010, ISBN 978-3940768179
  • Ulrich Schreiber: Die Kunst der Oper. BĂŒchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main 1988–2005, ISBN 3-7632-3101-3, ISBN 3-7632-5643-1 (4 BĂ€nde)
  • Ulrich Schreiber: OpernfĂŒhrer fĂŒr Fortgeschrittene I: Von den AnfĂ€ngen bis zur Französischen Revolution, Verlag BĂ€renreiter 1999, ISBN 3-7618-0899-2
  • Ulrich Schreiber: OpernfĂŒhrer fĂŒr Fortgeschrittene II: Das 19. Jahrhundert, Verlag BĂ€renreiter 2000, ISBN 3-7618-1028-8
  • Ulrich Schreiber: OpernfĂŒhrer fĂŒr Fortgeschrittene III: Das 20. Jahrhundert (3 BĂ€nde), Verlag BĂ€renreiter 2000–2006, III.1: ISBN 3-7618-1436-4, III.2: ISBN 3-7618-1437-2, III.3: ISBN 3-7618-1859-9
  • Silke Leopold, Robert Maschka: Who’s who in der Oper. Deutscher Taschenbuch-Verlag (MĂŒnchen)/BĂ€renreiter (Kassel u. a.) 2004, ISBN 3-423-34126-2 oder ISBN 3-7618-1780-0
  • Stanley Sadie (Hrsg.): The new Grove dictionary of opera. Grove, New York/Oxford 2004, ISBN 0-19-522186-9 (englisch)
  • Siegfried Mauser (Hrsg.): Handbuch der musikalischen Gattungen Bd 11: Silke Leopold: Die Oper im 17. Jahrhundert, Verlag Laaber 2004, ISBN 978-3-89007-134-3
  • Siegfried Mauser (Hrsg.): Handbuch der musikalischen Gattungen Bd.12: Herbert Schneider, Reinhard Wiesend [Hrsg.]: Die Oper im 18. Jahrhundert, Verlag Laaber 2001, ISBN 978-3-89007-135-0
  • Siegfried Mauser (Hrsg.): Handbuch der musikalischen Gattungen Bd.13: Sieghart Döhring, Sabine Henze-Döhring: Oper und Musikdrama im 19. Jahrhundert, Verlag Laaber 1997, ISBN 978-3-89007-136-7
  • Siegfried Mauser (Hrsg.): Handbuch der musikalischen Gattungen Bd.14: Siegfried Mauser (Hrsg.): Musiktheater im 20. Jahrhundert, Verlag Laaber 2002, ISBN 978-3-89007-285-2
  • Dieter Zöchling: Die Oper. Westermanns farbiger FĂŒhrer durch Oper, Operette, Musical. Mit einem Vorwort von Placido Domingo. Braunschweig: Westermann Verlag, 1981, RedaktionsbĂŒro Harenberg, Schwerte. ISBN 3-611-00024-8 (mit 166 KomponistenportrĂ€ts und Vorstellung von 400 Opern, Operetten und Musicals – jeweils mit Handlung und kritischer Wertung sowie Informationen zu Libretto, Entstehungs- und Wirkungsgeschichte, UrauffĂŒhrung, deutscher ErstauffĂŒhrung, einzelnen Rollen und SekundĂ€rliteratur)
  • The New Franzen Opera Encyclopedia I – ein Werkverzeichnis aller je geschriebenen und uraufgefĂŒhrten Opern, Operetten und Singspiele, ZĂŒrich 1998, ISBN 3-905587-05-X
  • The New Franzen Opera Encyclopedia II – ein Verzeichnis aller OpernsĂ€ngerinnen und OpernsĂ€nger, ZĂŒrich 1999, ISBN 3-905587-08-4
  • The New Franzen Opera Encyclopedia III – ein Verzeichnis aller Opernkomponisten mit Diskografie, ZĂŒrich 1999, ISBN 3-905587-10-6
  • Harenberg OpernfĂŒhrer – Der SchlĂŒssel zu 500 Opern, ihrer Handlung und Geschichte (mit CD-Empfehlungen der „Opernwelt“-Redaktion), Dortmund 1995, ISBN 3-611-00496-0
  • Elisabeth Schmierer: Lexikon der Oper in 2 BĂ€nden. Laaber-Verlag, Laaber, 2002. ISBN 978-3-89007-524-2
  • Clemens Wolthens: Oper und Operette. Tosa Verlag, Wien 1970

Fachzeitschriften

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Oper â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Oper â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
vep:Oper
Impressum AGB Datenschutz KundenserviceMediadatenfreenet AGJobsSitemap
gekennzeichnet mit
JUSPROG e.V. - Jugendschutz
freenet ist Mitglied im JUSPROG e.V.