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Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat (Originaltitel: Valkyrie; früherer Arbeitstitel: Rubicon) ist ein von 2007 bis 2008 gedrehter Kinofilm des Regisseurs Bryan Singer und des Co-Produzenten Christopher McQuarrie.
Inhaltsverzeichnis |
Die auf historischen Gegebenheiten basierende Geschichte eines militärischen Widerstands erzählt den gescheiterten Versuch, Adolf Hitler, den Führer des nationalsozialistischen Deutschlands, zu töten und einen Staatsstreich durchzuführen.
Der Film zeigt die Entwicklung des Wehrmachtsoffiziers Claus Schenk Graf von Stauffenberg und anderer Mitverschwörer gegen Adolf Hitler, vom Frontsoldaten in Afrika bis zu seiner Exekution nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944. Dabei werden sowohl die Beweggründe der großenteils aus dem Offizierskorps stammenden Verschwörer aufgezeigt wie auch die Schwierigkeiten der praktischen Umsetzung des geplanten Attentats und der nachfolgenden „Operation Walküre“.
Am Ende des Films sind folgende Zeilen zu lesen: Das Attentat vom 20. Juli war das letzte von 15 bekannt gewordenen Anschlägen mit dem Ziel, Adolf Hitler zu töten. […] Neun Monate später, im umkämpften Berlin, beging Hitler Selbstmord. […] Nina von Stauffenberg und ihre Kinder überlebten den Krieg. Sie starb am 2. April 2006. Dann werden die Zeilen gezeigt, die als Inschrift des Ehrenmals an der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin zu lesen sind: Ihr trugt die Schande nicht, Ihr wehrtet Euch, Ihr gabt das große ewig wache Zeichen der Umkehr, opfernd Euer heißes Leben für Freiheit, Recht und Ehre.
Der Film geht auf eine Idee von Christopher McQuarrie zurück, der bei einem Berlinbesuch den Bendlerblock und die Gedenkstätte Deutscher Widerstand besuchte und sofort von dieser – in den Vereinigten Staaten weitgehend unbekannten – Geschichte fasziniert war. Bryan Singer, mit dem McQuarrie bereits The Usual Suspects gedreht hatte, übernahm die Regie. Das Drehbuch wurde von Christopher McQuarrie zusammen mit Nathan Alexander verfasst. Für die Ausführung der Produktion war die Filmgesellschaft United Artists verantwortlich. Ursprünglich war nur mit einem kleineren finanziellen Aufwand geplant worden, doch durch den Einstieg von Tom Cruise als Hauptdarsteller, gleichzeitig Miteigentümer von United Artists, ergaben sich größere finanzielle Möglichkeiten. Damit waren auch umfangreichere Dreharbeiten möglich, zum Beispiel mehrwöchige Außendrehs und Aufnahmen im Ausland.[1] Der Film wurde fast ausschließlich in Deutschland gedreht, wobei die in Tunesien spielende aufwendige und actionreiche Eingangssequenz erst nach Beendigung der Dreharbeiten in Kalifornien nachgedreht wurde. Die Gesamtkosten belaufen sich auf mehr als 60 Millionen Euro. In den USA wird der Film durch MGM vertrieben, in allen anderen Ländern von 20th Century Fox.
In Deutschland wurde der Film in Brandenburg, im Filmstudio Babelsberg und in Berlin an Originalschauplätzen gedreht. Hitlers Führerbunker, die Wolfsschanze, wurde im Brandenburger Schenkenländchen nachgebaut.[2] Als Landeplatz der Wolfsschanze diente der ehemalige NVA-Flugplatz bei Klein Köris/Löpten, wo im Juli 2007 gedreht wurde.[3][4] In Berlin wurde auf dem Gelände des Tempelhofer Flughafens, der Messehallen am Funkturm, am Hauptzollamt Berlin und an Originalschauplätzen wie dem Bendlerblock, dem Ort der Erschießung Graf von Stauffenbergs und drei seiner Mitverschwörer in den ersten Minuten des 21. Juli 1944, gedreht.[5]
Die Drehgenehmigung für eine Tages- und drei Nachtszenen im Bendlerblock, in dem heute unter anderem die Gedenkstätte Deutscher Widerstand untergebracht ist, war vom zuständigen Finanzministerium im Juni 2007 zunächst verweigert worden, weil das Verteidigungsministerium, das das Gebäude heute nutzt, die Würde des Ortes bedroht sah.[6] Im September 2007 wurden die Dreharbeiten im Bendlerblock jedoch unter Auflagen genehmigt.[7][8] Einige Szenen wurden in Beelitz-Heilstätten gedreht. Graf von Stauffenbergs Enkel, der Schweizer Schauspieler Philipp von Schulthess, spielt in einer kleinen Rolle Fabian von Schlabrendorff, den Adjutanten Henning von Tresckows.
Nach Beendigung der Hauptdreharbeiten in Deutschland entschloss sich Bryan Singer zur Produktion einer zunächst nicht im Drehbuch vorkommenden Szene, nämlich des Luftangriffs der Alliierten in Tunesien, bei dem Stauffenberg im Jahr 1943 die markanten Verletzungen davongetragen hatte. Diese Szene, die belegen soll, dass Stauffenberg bereits vor seiner Verwundung gegen Hitler war und nicht erst danach aus Verbitterung, wurde Anfang 2008 in dem im südkalifornischen Lucerne Valley gelegenen Cougar Buttes gedreht. Gleichzeitig ist dies die Eröffnungsszene des Films. Eine ähnliche Szene wurde auch schon im deutschen Film Stauffenberg aus dem Jahr 2004 inszeniert.
Im Unterschied zu Singers Vorgängerfilm Superman Returns, der komplett digital (mit Panavisions-Genesis-Kamera) gedreht wurde, arbeitete Kameramann Newton Thomas Sigel bei Walküre mit analogem Filmmaterial. Durch eine Laborpanne im Kopierwerk der Arnold & Richter Cine Technik verlor man einen Großteil der vom 21. bis zum 23. September im Bendlerblock gedrehten Szenen. Am 13. und 14. Oktober wurden die Filmszenen nachgedreht. Dafür musste das Filmset wiederhergestellt werden, was doppelt so lange wie beim ersten Aufbau dauerte.[9] Als Resultat dieses Vorfalls hat das einspringende Versicherungsunternehmen Fireman’s Fund die Firma Arri verklagt, um 300.000 Euro Kosten erstattet zu bekommen.[10]
Bei den Dreharbeiten am Bundesministerium der Finanzen in der Wilhelmstraße / Leipziger Straße fielen Statisten von einem Lastkraftwagen auf die Straße. Die dabei Verletzten beauftragten eine Berliner Kanzlei, ihre Rechte gegenüber der Produktion zu vertreten.[11]
In der kalifornischen Wüste setzte sich ein Panzer unkontrolliert in Bewegung und drohte die Ton- und Kameraausrüstung zu überrollen. Er konnte jedoch rechtzeitig angehalten werden.[12]
Der Film stand bereits zu Beginn der Dreharbeiten an den deutschen Originalschauplätzen im Blickpunkt von Medien und Politik, da Hauptdarsteller Tom Cruise bekennendes und ranghohes Mitglied („Operating Thetan VII“) der umstrittenen Scientology-Sekte ist. Außerdem wurde zunächst eine unangemessene Interpretation des Attentats Claus Schenk Graf von Stauffenbergs auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 befürchtet. United Artists selbst kündigte den Film als Thriller – eine Mischung aus Mission: Impossible und Gesprengte Ketten – an. Der älteste Sohn von Graf Schenk von Stauffenberg, Berthold Graf von Stauffenberg, Generalmajor a. D., sprach sich gegen die Rollenbesetzung seines Vaters durch Cruise aus.[13] Die Abteilung Sekten- und Weltanschauungsfragen der evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg verglich die Propagandawirkung der Rollenbesetzung des deutschen Nationalhelden Graf Schenk von Stauffenberg mit dem Scientologen Cruise mit der weitreichenden Propagandawirkung der Olympischen Spiele in Deutschland 1936 für die positive Selbstdarstellung der Hitlerdiktatur.[14] Die Besetzung der zweiten Hauptrolle des Widerstandskämpfers Mertz von Quirnheim mit dem in Deutschland hochgeachteten deutsch-jüdischen Schauspieler Christian Berkel erzeugte dagegen positive Konnotationen in der Publikumsrezeption.
Unter anderem werden im Film folgende Titel verwendet:
Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Synchronbuch von Alexander Löwe unter Dialogregie von Frank Schaff im Auftrag der Interopa Film GmbH in Berlin.[15]
* Nicht die Standardstimme des Schauspielers
Ein Teil der streng nach historischem Vorbild entstandenen Kulissen und Ausstattungsstücke, darunter der Nachbau der Besprechungsbaracke des Führerhauptquartiers Wolfsschanze, wurde bereits 2007 vom Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden erworben. Sie wurden dort, begleitend zum Kinostart des Films, öffentlich gezeigt – allerdings nur zu einem kleinen Teil, da das Museum umgebaut und erweitert wurde.[16]
Nach mehreren zeitlichen Verschiebungen der Uraufführung fand die Weltpremiere am 15. Dezember 2008 in New York statt. Der Filmstart in den US-amerikanischen Kinos erfolgte am 25. Dezember 2008. Die europäische Kinopremiere war am 20. Januar 2009 in Berlin.
Die Blu-ray- und DVD-Fassung zum Kinofilm ist seit dem 20. Juli 2009 im Handel erhältlich. Dies war der 65. Jahrestag des Attentats.
Das weltweite Einspielergebnis der Kinoaufführungen beträgt mit Stand vom April 2009 über 200 Millionen US-Dollar (über 139 Millionen Euro). Davon wurden in den Vereinigten Staaten über 83 Millionen US-Dollar (über 57 Millionen Euro), in Deutschland über 11 Millionen US-Dollar (knapp 8 Millionen Euro), in Österreich über 1,3 Millionen US-Dollar (über 930.000 Euro) und in der Schweiz über 1,2 Millionen US-Dollar (über 850.000 Euro) eingespielt.[17]
Der Film ist an vielen Stellen historisch nicht korrekt.[18]
Der Hitlergruß, den unter anderem Generaloberst Friedrich Fromm von Oberst Claus von Stauffenberg in einer Szene fordert, wurde in der Wehrmacht erst nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 eingeführt. Bis dahin wurde mit dem militärischen Gruß gegrüßt.
„Gemessen daran, was dem Film alles unterstellt und vorgeworfen wurde, gemessen auch daran, wie gründlich das alles hätte schiefgehen können, kann man allerdings schon fast von einem Triumph sprechen. Auf jeden Fall ist es der bisher spannendste, wirklichkeitsnächste und komplexeste Spielfilm über den 20. Juli – auch wenn die Latte nach drei deutschen Versuchen von 1955 bis 2004 sicher nicht unerreichbar hoch lag.“
– Tobias Kiebe: sueddeutsche.de[19]
„Er schafft es, dass man zwei Stunden lang atemlos auf der Stuhlkante sitzt, obwohl man weiss, dass der Sache kein Erfolg beschieden war. Operation Walküre ist – man glaubt es kaum – der spannendste Thriller der letzten Zeit. Graue Menschen stehen in grauem Dekor und reden viel – und doch ist das großes Kino.“
– Michael Althen: faz.net[20]
„[…] viele Umstände sind unsäglich falsch, einige Beispiele: Stauffenberg war nicht der Ersatzmann für General Oster, er arbeitete nicht die Walküre-Pläne aus und holte sich nicht die per Unterschrift besiegelte Zustimmung Adolf Hitlers zu den Walküre-Plänen. Er ließ sich auch nicht von Hitler in die Mystifizierung des germanischen Heldenmythos der Walküren einweisen. […] Das Goerdeler-Bild des Films schließlich ist verletzend und verantwortungslos, ebenso wie die Charakterisierung des Generals Olbricht geradezu herabwürdigend ist. […] Bei einem Thriller zu versuchen, etwas richtigzustellen, wäre kleinlich, geradezu oberlehrerhaft, denn natürlich darf ein Spielfilm manches auf fantastische Weise überhöhen. Er darf verschiedene Personen konzentrieren – Historiker sollten dann allerdings […] den Film auch nicht als ‚wahr und akkurat‘ charakterisieren und so eine Authentizität behaupten, die nicht einmal die Filmemacher beanspruchen.“
– Peter Steinbach: Hamburger Abendblatt[21]
„Natürlich erschöpft sich ‚Operation Walküre‘ nicht darin, die Geschichte des 20. Juli als Western in Nazi-Uniformen zu erzählen. Er bietet ein politisches Modell: Macht ist kein Zustand, sondern eine Maschine. Deswegen sind hier die Nazis weder Dämonen noch Karikaturen: Sie sind Maschinisten einer Macht-Maschine, die dringend abgeschaltet werden muss.“
– Georg Seeßlen: taz[22]
„Bryan Singer erzählt zusammen mit seinen vorzüglichen Autoren einen Thriller, der über weite Strecken hinweg spannend und nie so amerikanisiert, so trivialisiert war, dass man den deutschen Alarm auszurufen hätte.“
– Henryk Goldberg: Thüringer Allgemeine[23]
Saturn Award 2008
Public Access (1993) | Die üblichen Verdächtigen (1996) | Der Musterschüler (1998) | X-Men (2000) | X-Men 2 (2003) | Superman Returns (2006) | Operation Walküre – Das Stauffenberg Attentat (2008)