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Der Optativ ist ein in einigen Sprachen existierender, eigenständiger Modus des Verbs, in anderen Sprachen wiederum fällt er mit dem Konjunktiv zusammen. Viele Sprachen kennen eine solche Form überhaupt nicht.
Der Optativ bezeichnet vor allem
Der Optativ als eigenständige Form kommt unter anderem im Albanischen, Färöischen, Finnischen, Türkischen, Rumänischen sowie Lettischen vor. Im Altgriechischen, Sanskrit u. A. sowie im Mittelägyptischen existiert ebenfalls die Form des Optativs.
Im Deutschen wird dieser Modus in der Regel mit Modalverben umschrieben, wobei teilweise eine ganz exakte Übersetzung kaum möglich ist, da die Modalverben nicht völlig mit dem Optativ gleichzusetzen sind. Teilweise werden die unterschiedlichen Modi noch mit zusätzlichen Wörtern markiert oder sind über den Kontext zu ermitteln, ansonsten ist die Übersetzung von der subjektiven Interpretation des Optativs abhängig.
Inhaltsverzeichnis |
Der alte indogermanische Optativ wurde in allen germanischen Sprachen zum Konjunktiv (gut ersichtlich im Gotischen), während der alte, „echte“ indogermanische Konjunktiv (als Modus des festen Wunsches und der Absicht) verloren ging. Seine Funktion wurde überwiegend vom erhalten gebliebenen Optativ (Präsens) mitübernommen, der in indogermanischer Zeit zunächst nur Mögliches, Unwirkliches und allgemein Gewünschtes bezeichnet hatte. Diese Entwicklung hat eine Parallele im Lateinischen, dessen (neuer) Konjunktiv auf indogermanischen Optativformen basiert, während dort v.a. in der konsonantischen Konjugation viele alte Konjunktivformen zu Futur-Formen wurden. Dementsprechend wurde im Urgermanischen der Prohibitiv (negativer Wunsch und Verbot) mit der Kombination aus *ne + Verbform im Optativ Präsens gebildet.
Eine germanische Innovation in Form und Funktion war der Optativ des Präteritums, der das Irrealis von Vergangenheit und Gegenwart bezeichnete, wie übereinstimmende Belege im Gotischen, Althochdeutschen, Altenglischen und Altnordischen belegen. Diese Verwendung des (neuen) Optativ Präteritum als Irrealis trat offenbar erst ein, nachdem das (urgermanische) Präteritum als einstiges Perfekt den indogermanischen Aorist verdrängt hatte (vgl. Euler 2009:184).
Normalerweise benutzt man im Altgriechischen den Optativ mit εἴθε (eithe), einer nicht zu übersetzenden Partikel. Diese Form des Optatives bezieht sich auf Wünsche z.B. εἴθε βάλλοις (eithe ballois) zu Deutsch: „hoffentlich wirfst du“. Eine andere Gebrauchsform ist der Potentialis. Er wird im Hauptsatz mit Optativ und ἂν an, einem weiteren unübersetzbaren Partikel, im Nebensatz mit εἰ (ei) „wenn“ und Optativ gebildet. Beispiel: Χαίροιμι ἂν, εἰ πορεύοισθε (Chairoimi an, ei poreuoisthe), zu Deutsch: „Ich dürfte mich freuen, wenn ihr reisen könntet.“ Auch wird der Optativ im Altgriechischen auch in Nebensätzen der indirekten Rede benutzt (Optativus obliqus).
In Latein wird der Optativ durch den Konjunktiv Präsens der 2. Person gebildet: Statim venias! „Komm doch sofort!“
Im Türkischen kann der Optativ viele semantische Nuancen haben. Zum Beispiel kann das türkische Wort kommen (Infinitiv: gelmek), das sich im dort als Dilek-şart kipi bekannten Optativ zu geleyim verändert und zugleich einen einwörtigen Satz bildet, je nach Kontext folgendermaßen ins Deutsche übersetzt werden:
In einigen Sprachen, wie z. B. dem Sumerischen, wird der Optativ der ersten Person anders gebildet als der der übrigen Personen:
| Person | Bezeichnung | Beispiel (Sumerisch) | Übersetzung |
|---|---|---|---|
| 1. | Kohortativ/Hortativ | ga-na-b-dug | ich will es ihm/ihr sagen |
| 2./3. | Prekativ | ḫe-mu-ù-zu | du sollst es erfahren |
Dabei ist für das Sumerische zu beachten, dass das „normale“ Personenzeichen der ersten Person im Kohortativ (wäre ein Suffix -en) meist weggelassen wird, da durch die Verwendung des Kohortativ-Präfix die erste Person bereits ausgedrückt ist. Im Fall des Prekativs ist die Verwendung der Personenzeichen notwendig, um zweite und dritte Person unterscheiden zu können.
J. R. R. Tolkien verleiht seiner Kunstsprache Sindarin einen „Imperativ für alle Personen“, der in der dritten Person eine Optativfunktion ausdrückt. So bedeutet tolo, mellon „komm, Freund!“, wohingegen tolo mellon als „der Freund komme/möge kommen“ zu interpretieren ist.