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Zur Angabe der Tageszeit wird der Begriff Ortszeit in mehreren Bedeutungen verwendet:
Inhaltsverzeichnis |
Wenn die Sonne im Orts-Meridian steht (also exakt im astronomischen Süden und am höchsten auf ihrem Tagesbogen), beträgt die Wahre Ortszeit 12 Uhr (Meridiandurchgang). Vom Nordpol bis zum Südpol herrscht auf gleichem Längengrad die gleiche Wahre Ortszeit.
Die Wahre Ortszeit ist auch die Zeit, die eine gewöhnliche Sonnenuhr anzeigt, wie auf der nebenstehenden Sonnenuhr an einem Kirchturm.
Aufgrund der elliptischen Bahn der Erde um die Sonne sowie der Neigung der Erdachse gegen die Bahnebene vergeht aber die Wahre Sonnenzeit nicht gleichmäßig.
Die gleichmäßig vergehende Zeit war ursprünglich nur für astronomische Beobachtungen von Bedeutung. Ihr Gebrauch wurde aber bald auch für den Alltag selbstverständlich. Dazu trug die mechanische Uhr bei, die zwar anfänglich nicht sehr genau lief, aber prinzipiell den gleichmäßigen Verlauf der Zeit misst. Inzwischen gilt sie geradezu als Synonym für die gleichmäßig vergehende Zeit.
Man nennt diese gleichmäßig vergehende Zeit Mittlere Zeit, was sich auch auf die Mittlere Sonnenzeit bezieht. Diese lässt sich zwar mit Hilfe einer Sonnenuhr nur mit beträchtlichem Aufwand messen, kann aber aus der messbaren Wahren Sonnenzeit durch Korrektur mit den gut bekannten, viele Jahre praktisch konstanten Zeitgleichungs-Werten ermittelt werden.
Die mechanische Uhr wurde am Ende des Mittelalters erfunden und kam zuerst als Turmuhr zur Anwendung. Die Sonnenuhr blieb bis in die Neuzeit hinein parallel in Gebrauch. Lange Zeit war man auf sie angewiesen, um die mechanische Uhr täglich zu richten. Das war aber nicht zwingend für die Verquickung zwischen Mittlerer Zeit und Ort zu Mittlerer Ortszeit MOZ (gleich Mittlere Sonnenzeit). Wichtig war, dass man lange daran fest hielt, den Ablauf der Tageszeit eng mit dem Lauf der Sonne zu verbinden. Die enge Tageszeitbindung an den Wohnort wurde erst hinderlich, als weite Reisen innerhalb eines Tages möglich wurden.
Die Mittlere Sonnenzeit wäre mit der Wahren Sonnenzeit identisch, wenn die Erdbahn um die Sonne exakt kreisförmig wäre und die Erdachse senkrecht zur Bahnebene stünde. Die Zeitgleichung lautet: Zeitgleichung = WOZ - MOZ. Die WOZ kann mehr als 16 Minuten (um den 3. November) gegenüber der MOZ vorgehen oder mehr als 14 Minuten nachgehen (um den 11. Februar). Auf einigen modernen Sonnenuhren wird der Zeitausgleich zum Beispiel mittels Stundenschleifen auf dem Zifferblatt, die die Form eines Analemmas haben, vorgenommen (nebenstehendes Bild).
Als mit dem Aufkommen der Eisenbahn große Strecken in kurzer Zeit zurückgelegt werden konnten, wurde eine für deren Betreiber und Passagiere innerhalb eines größeren Gebietes einheitliche Zeitangabe nötig, die Eisenbahnzeit. Als solche diente zuerst meistens die mittels mechanischer Uhren angegebene Mittlere Ortszeit des Heimatbahnhofs der Eisenbahnlinie. Im Bild oben ist die Abweichung der Mittleren Ortszeit in Lauenförde/Weser von der des Bezugsortes Berlin (Stadtmitte) angegeben, angebracht nach 1848[1]. Dann gab es eine einheitliche Landeszeit, deren Grundlage meist die Mittlere Ortszeit der Landeshauptstadt war (Beispielsweise Berliner Zeit, Münchner Zeit (7 Minuten Differenz), erst Prager Zeit dann Wiener Zeit, Pariser Zeit, Athener Zeit, Lissaboner Zeit, Madrider Zeit, etc.).
Die sich in Nordamerika quer über den ganzen Kontinent erstreckenden Eisenbahnlinien gaben Anlass, vergleichbare Zonenzeiten einzurichten. Die Eisenbahnreisenden benutzen zwischen Atlantik und Pazifik nicht mehr eine einzige Ortszeit, die sich unpraktisch bis mehrere Stunden von der örtlichen Sonnenzeit unterschied. Sie erreichten nach im Mittel 15° Längengradunterschied eine neue Zeitzone, in der sie die Uhr um eine Stunde zu verstellen hatten. Diese amerikanische Praxis wurde Vorbild für die weltweite Einrichtung untereinander vergleichbarer gesetzlicher Zonenzeiten in allen Staaten. Auf Grund der kleineren Ausdehnungen in Europa hat dessen westlicher Teil mit Ausnahme von Großbritannien, Irland und Portugal die gleiche gesetzliche Zeit, nämlich die in der Zeitzone mit Bezugslängengrad 15° Ost (MEZ). Sie ist identisch mit der MOZ in Orten auf diesem Längengrad.
| Stundenschleife (Analemma) eines Mittagsweisers für MOZ 12 Uhr, darüber eine einfache Wandsonnenuhr (mit Stundengeraden für WOZ) |
Die mit einer Sonnenuhr angezeigte Zeit war lange die am genauesten reproduzierbare Zeitskala. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts waren Sonnenuhren gemeint, wenn man von Uhren sprach.[2] Auch nachdem sich im öffentlichen Gebrauch die Mittlere Ortszeit durchgesetzt hatte, war man auf die Sonnenuhr angewiesen. Die Mittlere Ortszeit anzeigenden mechanischen Uhren gingen zu ungenau. Man verwendete einen Mittagsweiser (Bild, links), um sie einmal täglich nach der Mittleren Sonne zu richten. Der Mittagsweiser maß am Mittag die korrigierte Orts-Sonnenzeit und damit 12 Uhr Mittlere Ortszeit.
Nach der Einführung der Telegraphie erübrigte sich der Mittagsweiser. Von zentralen Stellen aus wurden korrigierende Zeitzeichen versendet. Die heute benutzten Funkuhren werden automatisch von solchen zentralen Zeitgebern mit höchstgenauen Atomuhren korrigiert.
Bis 31. März 1893: Ortszeit | 1. April 1893 – 31. Juli 1977: Gesetz betreffend die Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung
1. August 1977 – 11. Juli 2008: Gesetz über die Zeitbestimmung (Zeitgesetz)
Seit 12. Juli 2008: Gesetz über Einheiten im Messwesen und die Zeitbestimmung (Einheiten- und Zeitgesetz)