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Otto Hahn

Dieser Artikel behandelt den Chemiker und NobelpreistrÀger Otto Hahn; zu anderen Personen und dem Schiff dieses Namens siehe Otto Hahn (BegriffsklÀrung).
Otto Hahn (1954)
Otto Hahn mit Lise Meitner im Labor, KWI fĂŒr Chemie, 1913

Otto Hahn (* 8. MĂ€rz 1879 in Frankfurt am Main; † 28. Juli 1968 in Göttingen) war ein deutscher Chemiker, Pionier der Radiochemie, Entdecker der Kernisomerie (Uran Z) und der Kernspaltung des Urans (Nobelpreis 1944). Er gilt als „Vater der Kernchemie“ (Glenn T. Seaborg, NobelpreistrĂ€ger fĂŒr Chemie 1951).

Inhaltsverzeichnis

Kindheit

Otto Hahn wurde am 8. MĂ€rz 1879 als jĂŒngster Sohn des Glasermeisters und Unternehmers Heinrich Hahn (1845–1922, „Glasbau Hahn“) und seiner Frau Charlotte Hahn, geb. Giese, (1845–1905) in Frankfurt am Main geboren. Er verlebte zusammen mit seinen BrĂŒdern Karl, Heiner und Julius eine behĂŒtete Kindheit. Mit etwa 15 Jahren begann er sich in besonderer Weise fĂŒr Chemie zu interessieren und unternahm in der WaschkĂŒche einfache chemische Experimente. Der Vater, durch innovative Ideen, Fleiß und Sparsamkeit zu Wohlstand gekommen, hĂ€tte Otto Hahn gern als Architekten gesehen, da er mehrere Wohn- und GeschĂ€ftshĂ€user gebaut oder erworben hatte. Aber er ließ sich ĂŒberzeugen, dass sein Sohn Otto beabsichtigte, die Laufbahn eines Industriechemikers einzuschlagen.

Ausbildung

Nach dem Abitur an der Klinger-Oberrealschule in Frankfurt am Main begann Hahn 1897 an der UniversitĂ€t Marburg sein Studium der Chemie und Mineralogie, als NebenfĂ€cher belegte er Physik und Philosophie. Hier wurde Hahn Mitglied im Naturwissenschaftlich-Medizinischen Verein Studierender zu Marburg, einer naturwissenschaftlichen Studentenverbindung und VorlĂ€uferin der heutigen Landsmannschaft Nibelungia. Das dritte und vierte Semester verbrachte er bei Adolf von Baeyer an der UniversitĂ€t MĂŒnchen. 1901 promovierte Hahn in Marburg mit einer Dissertation ĂŒber „Bromderivate des Isoeugenols“, ein Thema aus der klassischen organischen Chemie. Nach Ende seines einjĂ€hrigen MilitĂ€rdienstes blieb der junge Chemiker noch zwei Jahre als Assistent seines Doktorvaters, Geheimrat Theodor Zincke, an der UniversitĂ€t Marburg.

FrĂŒhe Entdeckungen

Hahn strebte eine TĂ€tigkeit in der Industrie an. Aus diesem Grund und zur Verbesserung seiner Sprachkenntnisse wechselte er 1904 an das University College London und wurde Mitarbeiter von Sir William Ramsay, des berĂŒhmten Entdeckers der Edelgase. Hier beschĂ€ftigte sich Hahn mit dem seinerzeit noch jungen Gebiet der Radiochemie. Bei der Arbeit mit Salzen des Elements Radium entdeckte Hahn 1905 das Radiothorium, nach damaligen Vorstellungen ein neues radioaktives chemisches Element. TatsĂ€chlich war es aber ein damals noch unbekanntes Isotop des schon bekannten Elements Thorium, 228Th. Die Begriffe Isotopie und „Isotop“ wurden aber erst 1913 von Frederick Soddy geprĂ€gt. Im Herbst 1905 wechselte Hahn an die McGill-UniversitĂ€t in Montreal, Kanada, um bei Sir Ernest Rutherford seine Kenntnisse zu vertiefen. Hier entdeckte Hahn (nach damaliger Terminologie) die radioaktiven chemischen Elemente Thorium C (heute: das Bismutisotop 212Bi), Radium D (das Bleiisotop 210Pb) und Radioactinium (das Thoriumisotop 227Th).

Forschung in Berlin

Im Sommer 1906 kehrte er nach Deutschland zurĂŒck und wurde Mitarbeiter bei Emil Fischer an der Berliner UniversitĂ€t, der Hahn eine „Holzwerkstatt“ im Chemischen Institut als eigenes Labor zur VerfĂŒgung stellte. Dort entdeckte Hahn in wenigen Monaten – mit Ă€ußerst primitiven Apparaturen – das Mesothorium I, das Mesothorium II und – unabhĂ€ngig von Boltwood – die Muttersubstanz des Radiums, das Ionium. Das Mesothorium I (das Radiumisotop 228Ra) erlangte in den folgenden Jahren eine große Bedeutung, da es sich – Ă€hnlich dem Curieschen Radiumisotop 226Ra – hervorragend fĂŒr die medizinische Strahlentherapie eignete, mit dem großen Vorteil, dass es in der Herstellung nur die HĂ€lfte kostete (fĂŒr die Entdeckung des Mesothoriums I wurde Otto Hahn 1914 erstmals von Adolf von Baeyer fĂŒr den Chemie-Nobelpreis vorgeschlagen). Im Juni 1907 habilitierte sich Hahn an der UniversitĂ€t Berlin. Am 28. September 1907 lernte er die Physikerin Lise Meitner kennen, die von Wien nach Berlin gewechselt war. Hier begann die 30 Jahre dauernde Zusammenarbeit und lebenslange innige Freundschaft der beiden Wissenschaftler. Nachdem die Physikerin Harriet Brooks 1904 zum ersten Mal den radioaktiven RĂŒckstoß beobachtet, aber falsch gedeutet hatte, gelang es Otto Hahn 1909, den RĂŒckstoß bei der Alpha-Umwandlung nachzuweisen und richtig zu interpretieren. „...eine grundsĂ€tzlich bedeutungsvolle physikalische Entdeckung mit weittragenden Konsequenzen“, wie es der Physiker Walther Gerlach einmal formulierte. In der Folgezeit wurden von Hahn und Meitner mit der von ihnen neuentwickelten „RĂŒckstoßmethode“ mehrere neue radioaktive Substanzen entdeckt. 1910 wurde Hahn zum Professor ernannt, 1912 ĂŒbernahm er die radiochemische Abteilung im Kaiser-Wilhelm-Institut fĂŒr Chemie in Berlin-Dahlem (heute Hahn-Meitner-Bau der Freien UniversitĂ€t Berlin, Thielallee 63). Als Nachfolger von Alfred Stock war er von 1928 bis 1946 Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts fĂŒr Chemie. Bereits 1924 wurde Hahn zum Ordentlichen Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin ernannt (auf Vorschlag von Einstein, Haber, Planck, Schlenk und von Laue).

Nachdem Otto Hahn anlĂ€sslich einer Tagung in Stettin im Juni 1911 die Kunststudentin Edith Junghans kennengelernt hatte, heiratete das Paar am 22. MĂ€rz 1913 in Ediths Geburtsstadt Stettin, wo der Vater, Justizrat Paul Junghans, bis zu seinem frĂŒhen Tode 1915 PrĂ€sident des Stadtparlamentes war. Aus der Ehe ging 1922 als einziger Sohn der spĂ€tere Kunsthistoriker und Architekturforscher (an der Hertziana in Rom) Hanno Hahn hervor, der 1960 zusammen mit seiner Frau und Assistentin Ilse Hahn auf einer Studienreise in Frankreich tödlich verunglĂŒckte. Sie hinterließen einen 14-jĂ€hrigen Sohn, Dietrich Hahn. (Zum GedĂ€chtnis an Hanno und Ilse Hahn und zur Förderung junger begabter Kunsthistoriker(innen) wurde im Jahre 1990 der inzwischen international angesehene Hanno-und-Ilse-Hahn-Preis fĂŒr hervorragende Verdienste um die italienische Kunstgeschichte geschaffen, der alle zwei Jahre vom Kuratorium der Bibliotheca Hertziana in Rom verliehen wird).

WĂ€hrend des Ersten Weltkrieges wurde Hahn zum MilitĂ€r eingezogen, und zwar in die von Fritz Haber geleitete Spezialeinheit fĂŒr chemische KriegsfĂŒhrung. Sie entwickelte, testete und produzierte Giftgas fĂŒr Kriegszwecke. Noch wĂ€hrend des Krieges, seit Dezember 1916, nachdem er wieder nach Berlin versetzt worden war, nahm Hahn seine Arbeit am Institut wieder auf. 1917/18 isolierte er mit Lise Meitner eine langlebige AktivitĂ€t. Sie nannten das Element Proto-Actinium. 1913 hatten Fajans und Göring eine kurzlebige AktivitĂ€t aus Uran isoliert (UX2) und das Element Brevium genannt. Die beiden AktivitĂ€ten sind unterschiedliche Isotope des gleichen Elements Nr. 91, das 1949 von der IUPAC Protactinium genannt wurde. Hahn und Meitner wurden endgĂŒltig als Entdecker bestĂ€tigt.

Taschenkalender Otto Hahns
Versuchsaufbau, mit dem Otto Hahn und Fritz Straßmann am 17. Dezember 1938 in Berlin die Kernspaltung entdeckten (Deutsches Museum, MĂŒnchen)

Im Februar 1921 veröffentlichte Otto Hahn die erste Mitteilung ĂŒber seine Entdeckung des Uran Z. Es ist die Entdeckung der Kernisomerie, „eine fĂŒr die Kernphysik spĂ€ter sehr bedeutungsvoll werdende, damals unverstĂ€ndliche Entdeckung“, wie Walther Gerlach bemerkte, denn erst 1936 gelang es Carl Friedrich von WeizsĂ€cker, das PhĂ€nomen der Kernisomerie theoretisch zu erklĂ€ren. Auch fĂŒr diese Entdeckung, deren volle Bedeutung doch einige Wenige erkannten, wurde Hahn 1923, unter anderem von Max Planck, fĂŒr den Chemie-Nobelpreis vorgeschlagen.

In den 1920er Jahren schuf sich Otto Hahn ein neues Arbeitsgebiet: Mit der von ihm neuentwickelten „Emaniermethode“ und dem „Emaniervermögen“ begrĂŒndete er die „Angewandte Radiochemie“ zur Erforschung allgemeiner chemischer und physikalisch-chemischer Fragen. „Applied Radiochemistry“ ist der Titel seines in englischer (und spĂ€ter in russischer) Sprache erschienenen Buches, das die 1933 von Hahn wĂ€hrend seiner Gastprofessur an der Cornell-UniversitĂ€t in Ithaca, New York (USA) gehaltenen Vorlesungen enthĂ€lt. – „Mitte der 30er Jahre, sowie in Verbindung mit unserer Arbeit mit Plutonium einige Jahre spĂ€ter, benutzte ich sein Buch ‚Applied Radiochemistry‘ als meine Bibel“, so Glenn T. Seaborg, PrĂ€sident der United States Atomic Energy Commission, im Jahre 1966.

Die Entdeckung der Kernspaltung

Gemeinsam mit Lise Meitner und seinem Assistenten Fritz Straßmann setzte Hahn die Forschungsarbeiten fort, die der italienische Physiker Enrico Fermi durch den Beschuss von Uran mit Neutronen 1934 begonnen hatte. Bis 1938 glaubten alle Wissenschaftler, dass die Elemente mit Ordnungszahlen grĂ¶ĂŸer als 92 (die so genannten Transurane) entstehen, wenn man Uranatome mit Neutronen beschießt. (Eine Ausnahme stellte die Chemikerin Ida Noddack dar. Sie nahm den Paradigmenwechsel von 1938/39 vorweg, indem sie in Angewandte Chemie (Nr. 47, Jg. 1934) mutmaßt: „Es wĂ€re denkbar, dass bei der Beschießung schwerer Kerne mit Neutronen diese Kerne in mehrere grĂ¶ĂŸere BruchstĂŒcke zerfallen, die zwar Isotope bekannter Elemente, aber nicht Nachbarn der bestrahlten Elemente sind.“ Aber kein Physiker griff die noddacksche Hypothese auf und ĂŒberprĂŒfte sie, selbst Ida Noddack nicht. Der Zerfall schwerer Atomkerne in leichtere Elemente galt als ausgeschlossen. Am 13. Juli 1938 emigrierte Lise Meitner mit Hahns Hilfe illegal ĂŒber die Niederlande nach Schweden, da sie durch den Anschluss Österreichs an Deutschland im MĂ€rz 1938 ihre österreichische StaatsbĂŒrgerschaft verloren hatte und als JĂŒdin in besonderer Weise gefĂ€hrdet war.

Als Otto Hahn und Fritz Straßmann im Dezember 1938 in einer mit Neutronen bestrahlten Uranprobe nach Transuranen suchten, fanden sie Spuren des Elements Barium. Zum Nachweis diente ein organisches Bariumsalz des jĂŒdischen Chemikers Wilhelm Traube, dessen spĂ€tere Verhaftung und Ermordung Hahn vergeblich zu verhindern suchte. Aufgrund des entscheidenden Experiments am 17. Dezember 1938 (der berĂŒhmten „Radium-Barium-Mesothorium-Fraktionierung“) schloss Otto Hahn auf ein „Zerplatzen“ des Urankerns in mittelschwere Atomkerne. Dies war die Entdeckung der Kernspaltung. Hahns und Straßmanns radiochemische Ergebnisse wurden am 6. Januar 1939 in der Zeitschrift „Die Naturwissenschaften“ veröffentlicht und waren der unwiderlegbare Beweis (der durch Berechnungen der bei der Reaktion beteiligten Energien bestĂ€tigt wurde), dass das Uran in kleinere, aus leichteren Elementen bestehende BruchstĂŒcke gespalten worden war. Nur kurze Zeit spĂ€ter, am 11. Februar 1939 – (Otto Hahn hatte seine Kollegin Lise Meitner ĂŒber seine chemischen Experimente brieflich vorab informiert) – lieferten Lise Meitner und ihr Neffe Otto Robert Frisch – auch er war inzwischen nach Schweden emigriert – eine erste theoretisch-physikalische ErklĂ€rung der Kernspaltung in der englischen Zeitschrift „Nature“. Frisch prĂ€gte dabei den Begriff „nuclear fission“ (Kernspaltung), der in der Folgezeit international anerkannt wurde.

„Die Entdeckung der Kernspaltung durch Otto Hahn und Fritz Straßmann hat ein neues Zeitalter in der Geschichte der Menschheit eröffnet. Die dieser Entdeckung zugrunde liegende wissenschaftliche Leistung scheint mir darum so bewundernswert, weil sie ohne jede theoretische Wegweisung auf rein chemischem Weg erreicht worden ist“, schrieb Lise Meitner in einer spĂ€teren WĂŒrdigung. Und in einem ARD-Interview ergĂ€nzte sie: „Es gelang mit einer ungewöhnlich guten Chemie von Hahn und Straßmann, mit einer phantastisch guten Chemie, die zu dieser Zeit wirklich niemand anderer gekonnt hat. SpĂ€ter haben's die Amerikaner gelernt. Aber damals waren wirklich Hahn und Straßmann die einzigen, die das ĂŒberhaupt machen konnten, weil sie so gute Chemiker waren. Sie haben wirklich mit der Chemie einen physikalischen Prozeß sozusagen nachgewiesen.“ Und Fritz Straßmann erwiderte prĂ€zisierend: „Frau Professor Meitner hat erklĂ€rt, daß der Erfolg auf die Chemie zurĂŒckzufĂŒhren ist. Ich muß sie etwas korrigieren. Denn die Chemie hat lediglich zustande gebracht eine Isolierung der einzelnen Substanzen, aber nicht eine genaue Identifizierung. Um das durchzufĂŒhren, war die Methode von Herrn Professor Hahn notwendig. Das ist also sein Verdienst.“

DarĂŒber hinaus wird durchaus kontrovers diskutiert, welchen Anteil Lise Meitner an der Deutung der Beobachtungen Hahns hat. Zum Beispiel bezeichnete Ernst Peter Fischer, Physiker und Wissenschaftshistoriker der UniversitĂ€t Konstanz, die Tatsache, dass Lise Meitner keinen Nobelpreis erhielt, sogar drastisch als „Dummheit der schwedischen Akademie“[1].

WĂ€hrend des Krieges arbeitete Otto Hahn – zusammen mit den Mitarbeitern Born, FlĂŒgge, Götte, Seelmann-Eggebert und Straßmann – an den Spaltreaktionen des Urans und stellte bis 1945 eine Liste der nachgewiesenen 25 Elemente und etwa 100 Isotope auf. Durch sein entschlossenes Auftreten konnte Otto Hahn, der immer ein Gegner der Nazi-Diktatur war – zusammen mit seiner Frau Edith – zahlreichen gefĂ€hrdeten oder verfolgten Institutsangehörigen beistehen und sie vor dem Fronteinsatz oder gar der Deportation bewahren. Schon Anfang 1934 war er aus Protest gegen die Entlassung jĂŒdischer Kollegen, insbesondere Lise Meitners, aus dem Lehrkörper der Berliner UniversitĂ€t ausgetreten.

Bei Kriegsende 1945 wurde Otto Hahn von alliierten Spezialeinheiten der Alsos III-Mission in Tailfingen (heute: Albstadt) festgenommen und mit neun deutschen Physikern (darunter Max von Laue, Werner Heisenberg und Carl Friedrich Freiherr von WeizsĂ€cker) in der NĂ€he von Cambridge (Farm Hall), England, interniert. Dort erfuhren die deutschen Wissenschaftler vom Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Otto Hahn war am Rande der Verzweiflung, da er sich als Entdecker der Kernspaltung mitverantwortlich fĂŒhlte fĂŒr den Tod und das Leiden hunderttausender Japaner. Anfang Januar 1946 durfte die Gruppe wieder nach Deutschland zurĂŒckkehren.

Der Nobelpreis fĂŒr Chemie 1944

Gedenktafel zur Erinnerung an Otto Hahn und Fritz Straßmann am Hahn-Meitner-Bau der FU Berlin (Thielallee 63)

Nachdem Hahn 1943 als auswĂ€rtiges Mitglied von der Königlich Schwedischen Akademie aufgenommen wurde[2], zeichnete sie ihn im Jahre 1945 mit dem Nobelpreis fĂŒr Chemie 1944 aus („fĂŒr seine Entdeckung der Spaltung schwerer Atomkerne“ – so die offizielle BegrĂŒndung), der ihm 1946 von König Gustav V. von Schweden ĂŒberreicht wurde. „Hahn hat sicher den Nobelpreis fĂŒr Chemie voll verdient, da ist wirklich kein Zweifel. Aber ich glaube, daß Frisch und ich etwas nicht Unwesentliches zur AufklĂ€rung des Uranspaltungsprozesses beigetragen haben – wie er zustande kommt und daß er mit einer so großen Energieentwicklung verbunden ist, lag Hahn ganz fern.“ schrieb Lise Meitner Ende November 1945 an ihre Freundin Eva von Bahr-Bergius. Und Carl Friedrich von WeizsĂ€cker ergĂ€nzte spĂ€ter: „Er hat in der Tat diesen Nobelpreis verdient, hĂ€tte ihn auch verdient, ohne daß er diese Entdeckung gemacht hĂ€tte. Aber daß fĂŒr die Kernspaltung ein Nobelpreis fĂ€llig war, das war wohl jedermann klar.“

Kampf gegen Kernwaffen und Kernversuche

Von 1948 bis 1960 amtierte Otto Hahn als GrĂŒndungsprĂ€sident der neugeschaffenen Max-Planck-Gesellschaft (MPG) zur Förderung der Wissenschaften, die durch sein Wirken und seine weltweit geachtete Persönlichkeit das frĂŒhere Ansehen der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zurĂŒckgewinnen konnte. Schon unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg trat Hahn unter dem Eindruck der KernbombenabwĂŒrfe auf Hiroshima und Nagasaki entschieden gegen den Einsatz der Kernenergie fĂŒr militĂ€rische Zwecke auf. Er sah diese Art der Nutzung seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse als Missbrauch, ja sogar als Verbrechen an. So war er, unter anderem, der Initiator der Mainauer Kundgebung von 1955, in der zahlreiche NobelpreistrĂ€ger auf die Gefahren von Kernwaffen aufmerksam machten und die Staaten der Welt eindringlich vor der Anwendung von „Gewalt als letztes Mittel der Politik“ warnten. Ferner gehörte er zu den Verfassern der Göttinger ErklĂ€rung, in der er sich 1957 zusammen mit 17 fĂŒhrenden westdeutschen Atomwissenschaftlern gegen die nukleare AufrĂŒstung der deutschen Bundeswehr wandte. Im Januar 1958 unterzeichnete Otto Hahn gemeinsam mit Albert Schweitzer den Pauling-Appell an die Vereinten Nationen zum „sofortigen Abschluß eines internationalen Abkommens zur weltweiten Einstellung der Kernwaffenversuche“, und im Oktober das „Abkommen, eine Versammlung zur Ausarbeitung einer Weltverfassung“ einzuberufen. Bis zu seinem Tode wurde er nicht mĂŒde, eindringlich vor den Gefahren des nuklearen WettrĂŒstens der GroßmĂ€chte und einer radioaktiven Verseuchung der Erde zu warnen. Seit 1957 wurde Otto Hahn von internationalen Organisationen mehrfach fĂŒr den Friedensnobelpreis vorgeschlagen (u. a. von der grĂ¶ĂŸten französischen Gewerkschaft CGT). Linus Pauling, FriedensnobelpreistrĂ€ger 1962, bezeichnete einmal Otto Hahn als „eines meiner Vorbilder“.

Otto Hahn im Juni 1965 anlÀsslich der 16. Hauptversammlung der MPG in Mannheim auf einer Dampferfahrt nach Speyer

Ehrungen und Auszeichnungen

Otto Hahn, seit 1960 EhrenprĂ€sident der Max-Planck-Gesellschaft, erhielt zahlreiche staatliche und akademische Ehrungen und Auszeichnungen auf der ganzen Welt. Er war Mitglied oder Ehrenmitglied von 45 Akademien und Wissenschaftlichen Gesellschaften (darunter die Royal Society in London, die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina[3] sowie die Akademien in Allahabad (Indien), Bangalore (Indien), Boston (USA), Bukarest, Kopenhagen, Helsinki, Lissabon, Madrid, Rom, Stockholm, Wien) und erhielt im Laufe seines Lebens 37 höchste nationale und internationale Orden und Medaillen, darunter die Paracelsus-Medaille (Schweiz), die Faraday-Medaille der British Chemical Society, den Orden Pour le mĂ©rite fĂŒr Wissenschaft und KĂŒnste und von Frankreichs PrĂ€sident Charles de Gaulle den Rang eines Offiziers der Ehrenlegion. Im Jahr 1954 erhielt Otto Hahn das Große Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband und 1959 das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 1961 ĂŒberreichte ihm Papst Johannes XXIII. in Rom die Goldmedaille der PĂ€pstlichen Akademie, und 1966 verlieh ihm US-PrĂ€sident Lyndon B. Johnson und die Atomic Energy Commission in Washington D.C. den Enrico Fermi Preis zusammen mit Lise Meitner und Fritz Strassmann. Bereits 1957 wurde Hahn die EhrenbĂŒrgerschaft der Stadt Magdeburg (damals DDR) angetragen und 1958 die Ehrenmitgliedschaft der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften in Moskau. Beide Ehrungen lehnte Hahn ab.

Otto Hahn starb am 28. Juli 1968 in Göttingen. Einen Tag spĂ€ter veröffentlichte die Max-Planck-Gesellschaft in allen großen Zeitungen eine Todesanzeige: „Unser EhrenprĂ€sident Otto Hahn ist in seinem 90. Lebensjahr am 28. Juli entschlafen. Als BegrĂŒnder des Atomzeitalters wird er in die Geschichte der Menschheit eingehen. Deutschland verliert mit ihm einen Gelehrten, der sich durch aufrechte Haltung und innere Bescheidenheit in gleicher Weise auszeichnete. Die Max-Planck-Gesellschaft trauert um ihren GrĂŒnder, der die Aufgaben und die Tradition der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft nach dem Kriege fortfĂŒhrte, und um einen gĂŒtigen und geliebten Menschen, der allen unvergessen bleibt, die ihm begegnen durften. Sein Werk wird fortbestehen. Wir gedenken seiner in großer Dankbarkeit und Verehrung.“ Sein Grab befindet sich auf dem Stadtfriedhof Göttingen, auf dem außer ihm auch Max Born, Walther Nernst, Max von Laue, Max Planck, Otto Wallach, Adolf Windaus und Richard Zsigmondy als NobelpreistrĂ€ger bestattet sind. Auf der Grabstele aus Muschelkalk ist die Formel der Uranspaltung eingemeißelt.

Nachruhm und VermÀchtnis

Denkmal am Ort des Geburtshauses an der „Kleinmarkthalle“ in Frankfurt

Zwei Jahre nach seinem Tod schlugen amerikanische Forscher vor, das neu synthetisierte Element Nr. 105 ihm zu Ehren Hahnium zu nennen, 1997 wurde es jedoch von der IUPAC nach dem russischen Forschungszentrum in Dubna endgĂŒltig „Dubnium“ genannt. Allerdings ist beabsichtigt, in Zukunft das Element Nr. 108, Hassium, erneut als „Hahnium“ zu bezeichnen. Ferner wurde 1964 das einzige nuklear angetriebene europĂ€ische Schiff, der Atomfrachter „NS Otto Hahn“ nach ihm benannt, ebenso wie 1971 zwei Intercity-ZĂŒge der Deutschen Bundesbahn (Strecke Hamburg Altona-Basel SBB).

5-Mark-MĂŒnze zu Ehren von Otto Hahn, BRD

Ihm zu Ehren und zu seinem GedÀchtnis wurden folgende Auszeichnungen geschaffen: Otto-Hahn-Preis, Otto-Hahn-Medaille und Otto-Hahn-Friedensmedaille.

Otto Hahn war EhrenbĂŒrger der StĂ€dte Frankfurt am Main und Göttingen und des Landes und der Stadt Berlin. Zahlreiche StĂ€dte und Gemeinden im deutschsprachigen Raum benannten Gesamtschulen, Realschulen und Gymnasien nach ihm, und eine unĂŒbersehbare Anzahl von Straßen, PlĂ€tzen, BrĂŒcken und Wege in Europa trĂ€gt seinen Namen. Mehrere Staaten ehrten Otto Hahn mit Medaillen-, MĂŒnzen- und Briefmarken-Editionen (u. a. die Bundesrepublik Deutschland, die DDR, Angola, Kuba, Österreich, The Commonwealth of Dominica, RumĂ€nien, St. Vincent & The Grenadines, der Tschad, Somalia, Ghana, Madagaskar, Guinea und Bissau).

Otto Hahn ist auf der Frankfurter Treppe verewigt. An der StĂ€tte seines Geburtshauses neben dem Eingang der Kleinmarkthalle Frankfurt befindet sich heute ein Denkmal. Eine Insel in der Antarktis (nahe dem Mt. Discovery) wurde ebenso auf seinen Namen getauft, wie die „Otto-Hahn-Bibliothek“ in Göttingen und das Max-Planck-Institut fĂŒr Chemie in Mainz („Otto-Hahn-Institut“). Im MĂ€rz 1959 wurde in Berlin – in Anwesenheit der Namensgeber – das „Hahn-Meitner-Institut fĂŒr Kernforschung (HMI)“ vom Regierenden BĂŒrgermeister Willy Brandt eingeweiht und 1974 erhielt – in WĂŒrdigung der besonderen Verdienste Otto Hahns um die deutsch-israelischen Beziehungen – ein FlĂŒgel des Weizmann-Institute of Science in Rehovot, Israel, den Namen „Otto-Hahn-Wing“. In mehreren StĂ€dten und Gemeinden wurden ihm zu Ehren BĂŒsten, DenkmĂ€ler und Gedenktafeln enthĂŒllt, unter anderem in Berlin (Ost- und West-), Boston (USA), Frankfurt/Main, Göttingen, Gundersheim (Rheinhessen), Mainz, Marburg, MĂŒnchen (im Ehrensaal des Deutschen Museums), Rehovot (Israel), Punta San Vigilio (Gardasee) und Wien (im Foyer der IAEA). In der Stadt Göttingen und der Gemeinde Ottobrunn (bei MĂŒnchen) wurden „Otto-Hahn-Zentren“ geschaffen. Auch in Frankfurt am Main ist ein „Otto-Hahn-Zentrum“ geplant, das unter anderem eine Dauerausstellung ĂŒber Hahns Leben und Wirken beherbergen soll.
Die Internationale Astronomische Union (IAU) ehrte Hahn durch die Benennung eines Mondkraters (zusammen mit Graf Friedrich II. von Hahn) und Marskraters, ferner – auf Vorschlag des Astronomen Freimut Börngen – des Kleinplaneten (19126) Ottohahn. Eine besondere Ehrung wurde Otto Hahn in den Niederlanden zuteil: Nachdem bereits eine Azalee (Rhododendrum luteum Otto Hahn) seinen Namen trug, wurde von hollĂ€ndischen RosenzĂŒchtern eine neue Rose, die „Otto Hahn“, auf seinen Namen getauft. Sogar ein – vor allem in den 1950er und 1960er Jahren – populĂ€rer Cocktail wurde nach ihm benannt: Der „Otto Hahn“ besteht aus jeweils zwei identischen Mengen Whisky (z. B. Balvenie, Bushmills, Macallan) und Rich Golden-Sherry (z. B. Harveys, Osborne, Sandeman) und wird in vorher angewĂ€rmten Cognac-GlĂ€sern serviert.

Ende 1999 veröffentlichte das Nachrichtenmagazin FOCUS das Ergebnis einer Umfrage unter 500 fĂŒhrenden Naturwissenschaftlern, Ingenieuren und Medizinern nach den wichtigsten Forscherpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, in der Otto Hahn als experimenteller Chemiker – nach den theoretischen Physikern Albert Einstein und Max Planck – mit 81 Punkten auf den dritten Platz und somit zum bedeutendsten empirischen Naturforscher seiner Zeit gewĂ€hlt wurde. (FOCUS, Nr. 52, 1999, S. 103–108).

Der dienstliche Nachlass Otto Hahns befindet sich im Archiv zur Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • 1918: Die Muttersubstanz des Actiniums, ein neues radioaktives Element von langer Lebensdauer (gemeinsam mit Lise Meitner)
  • 1936: Angewandte Radiochemie
  • 1944: KĂŒnstliche Atomumwandlungen und die Spaltung schwerer Kerne. Reihe: Veröffentlichungen des Deutschen Wissenschaftlichen Instituts DWI Stockholm, Reihe 3: Naturwissenschaften, Nr. 1. Almquist & Wiksells, Stockholm 1944 (Heft)[4]
  • 1948: Von der natĂŒrlichen Umwandlung des Urans zu seiner kĂŒnstlichen Zerspaltung
  • 1948: Die Kettenreaktion des Urans und ihre Bedeutung
  • 1948: KĂŒnstliche neue Elemente
  • 1950: Die Nutzbarmachung der Energie der Atomkerne
  • 1962: Vom Radiothor zur Uranspaltung. Eine wissenschaftliche Selbstbiographie
  • 1968: Mein Leben

Literatur

Eine Auswahl (in Buchform)

  • Hans Hartmann: Otto Hahn – Der Entdecker der Atomspaltung. Murnau, MĂŒnchen-Innsbruck-Basel 1961.
  • Laura Fermi: The Story of Atomic Energy. Random House, New York 1962.
  • Eckart Heimendahl: Wegbereiter unserer Zukunft. Wunderlich, TĂŒbingen 1968.
  • Ernst H. Berninger: Otto Hahn – Eine Bilddokumentation. Moos, MĂŒnchen 1969.
  • Friedrich Herneck: Bahnbrecher des Atomzeitalters. Verlag der Morgen. Berlin, DDR, 1970.
  • Robert Spence: Otto Hahn. Biographical Memoirs of Fellows of the Royal Society. Volume 16. London 1970.
  • Ernst H. Berninger: Otto Hahn 1879–1968. (Englische und Spanische Ausgaben). Inter Nationes, Bonn-Bad Godesberg 1970.
  • Hans D. Graetzer, David L. Anderson: The Discovery of Nuclear Fission. Nostrand-Reinhold, New York 1971.
  • Ernst H. Berninger: Otto Hahn in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1974.
  • Franz Baumer: Otto Hahn. (Köpfe des XX. Jahrhunderts). Colloquium, Berlin 1974.
  • Dietrich Hahn (Hrsg.): Otto Hahn – Erlebnisse und Erkenntnisse. Mit einer EinfĂŒhrung von Karl-Erik Zimen. Econ, DĂŒsseldorf-Wien 1975.
  • Klaus Hoffmann: Otto Hahn – Stationen aus dem Leben eines Atomforschers. Vorwort von Manfred von Ardenne. Neues Leben, Berlin (DDR) 1978.
  • Dietrich Hahn (Hrsg.): Otto Hahn – BegrĂŒnder des Atomzeitalters. Eine Biographie in Bildern und Dokumenten. Mit einem Geleitwort von Reimar LĂŒst, einem Vorwort von Paul Matussek und einer EinfĂŒhrung von Walther Gerlach. List, MĂŒnchen 1979.
  • Horst Wohlfahrt (Hrsg.): 40 Jahre Kernspaltung. Eine EinfĂŒhrung in die Originalliteratur. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1979.
  • Ronald W. Clark: The Greatest Power on Earth. Sidgwick & Jackson, London 1980.
  • Dietrich Hahn (Hrsg.): Otto Hahn in der Kritik. Moos, MĂŒnchen 1981.
  • Cornelius Keller: Die Geschichte der RadioaktivitĂ€t. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1982
  • William R. Shea (Hrsg.): Otto Hahn and the Rise of Nuclear Physics. Reidel, Dordrecht-Boston-Lancaster 1983.
  • Pierre Radvanyi, Monique Bordry: La RadioactivitĂ© artificielle et son histoire. Seuil CNRS, Paris 1984.
  • Walther Gerlach, Dietrich Hahn: Otto Hahn. Ein Forscherleben unserer Zeit. (Große Naturforscher, Band 45). Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1984.
  • Alwyn McKay: The Making of The Atomic Age. Oxford University Press, Oxford-New York 1984.
  • Dietrich Hahn (Hrsg.): Otto Hahn – Mein Leben. Die Erinnerungen des großen Atomforschers und Humanisten. Erweiterte Neuausgabe. Piper, MĂŒnchen 1986.
  • Karl-Erik Zimen: Strahlende Materie. RadioaktivitĂ€t – ein StĂŒck Zeitgeschichte. Bechtle, Esslingen-MĂŒnchen 1987.
  • Dietrich Hahn (Hrsg.): Otto Hahn. Leben und Werk in Texten und Bildern. Mit einem Vorwort von Carl Friedrich von WeizsĂ€cker. Insel-Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988.
  • Richard Rhodes: The Making of the Atomic Bomb. Simon and Schuster, New York 1988.
  • Dietrich Hahn (Hrsg.): Otto Hahn – Vom Radiothor zur Uranspaltung. Erweiterte Neuausgabe. Mit einem Vorwort von Kurt Starke. Vieweg, Braunschweig-Wiesbaden 1989.
  • Jost Lemmerich: Die Geschichte der Entdeckung der Kernspaltung. Ausstellungskatalog. Technische UniversitĂ€t, Berlin 1989.
  • Klaus Hoffmann: Otto Hahn. Schuld und Verantwortung. Springer, Heidelberg-Berlin-New York u. a. 1993.
  • J. A. Revill, Sir Charles Frank (Ed.): Operation Epsilon. The Farm Hall Transcripts. IOP Publishing, Bristol-Philadelphia 1993.
  • Michael Salewski (Hrsg.): Das Zeitalter der Bombe. Die Geschichte der atomaren Bedrohung von Hiroshima bis heute. Beck, MĂŒnchen 1995.
  • Elisabeth Kraus: Von der Uranspaltung zur Göttinger ErklĂ€rung. Otto Hahn, Werner Heisenberg, Carl Friedrich von WeizsĂ€cker und die Verantwortung des Wissenschaftlers. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2001.
  • Klaus Hoffmann: Otto Hahn. Achievement and Responsibility. Springer Inc., New York-London-Paris-Singapore-Tokyo u. a. 2001.
  • Horst Kant: Otto Hahn and the Declarations of Mainau and Göttingen. Berlin 2002.
  • Jim Whiting: Otto Hahn and the Discovery of Nuclear Fission. Mitchell Lane, Hockessin 2004.
  • Klaus Hoffmann: Otto Hahn – Forschung und Verantwortung. Kramer, Frankfurt am Main 2005.
  • Lise Meitner: Erinnerungen an Otto Hahn. Hrsg. Dietrich Hahn. Hirzel, Stuttgart 2005, ISBN 3-7776-1380-0.
  • Volker LĂ€ssing: Den Teufel holt keiner! : Otto Hahn und das Kaiser-Wilhelm-Institut fĂŒr Chemie in Tailfingen. Mit einem Vorwort von Dietrich Hahn. Albstadt 2010, ISBN 978-3-939219-00-2.

Filme

Dokumentarfilme

  • Otto Hahn – (Reihe: TrĂ€ume, die keine blieben) Regie: Ernst von Khuon. SDR/ARD 1983 (30 min).
  • Lise Meitner – (Reihe: TrĂ€ume, die keine blieben) Regie: Ernst von Khuon. SDR/ARD 1984 (30 min).
  • Otto Hahn – Regie: Wilfried Viebahn. WDR/ARD 1988 (45 min).
  • Otto Hahn – Regie: Wilfried Viebahn. WDR 1988 (15 min).
  • Otto Hahn – Regie: Klaus Dexel. SDR 1988. (45 min).
  • Otto Hahn 1879–1968 – Regie: Peter Regenyi. Transtel/Deutsche Welle 1989 (30 min). (In fĂŒnf Synchronfassungen – englisch, spanisch, französisch, portugiesisch und arabisch – weltweit gesendet).
  • Otto Hahn und die Kernspaltung – (Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik)) Regie: Werner Kiefer. Target/ARD 1992 (15 min).
  • Otto Hahn – 25. Todestag – (Das historische Stichwort) Regie: Joachim G. Schmidt. BR 1993. (5 min).
  • Otto Hahn und Lise Meitner – Von der Kernspaltung zur Atombombe – Regie: Rhan Gunderlach. Zebra/Deutsche Welle 1995 (30 min).
  • Lise Meitner und Otto Hahn – Regie: Rosemary Reed. BBC 2005. Deutsche Fassung: ZDF 2006 (45 min).
  • Otto Hahn – Aus dem Leben eines NobelpreistrĂ€gers in Göttingen 1946–1968 – Regie: Matthias Heinzel. Göttinger Tageblatt 2007 (45 min).

Spielfilm

  • Ende der Unschuld. – BR Deutschland 1991. (2 Teile. ARD, 180 min) Regie: Frank Beyer. Buch: Wolfgang Menge. Mit Rolf Hoppe (Otto Hahn) und Hanne Hiob (Lise Meitner) u. a.

Zeugnisse

„Einer der Wenigen, die aufrecht geblieben sind und ihr Bestes taten wĂ€hrend dieser bösen Jahre.“ (Albert Einstein, Princeton (USA), 1949, ĂŒber Hahns Wirken von 1933 bis 1945).

„Otto Hahn verstand es, mit den einfachsten Hilfsmitteln an die schwierigsten Probleme heranzugehen, geleitet von seiner ungewöhnlichen intuitiven Begabung und seinen ebenso ungewöhnlichen, vielseitigen chemischen Kenntnissen. Wie oft habe ich nicht in den langen Jahren unserer Zusammenarbeit gesehen, daß er Probleme, die der Physiker sich durch mathematische Formeln klar macht, rein intuitiv und anschaulich erfaßt hat.“ (Lise Meitner, Stockholm, 1949)

„Einer der nobelsten und feinsten Menschen, denen ich je begegnet bin.“ (Max Born, Bad Pyrmont, 1955)

„Die große ZuverlĂ€ssigkeit seines Charakters, seine natĂŒrliche LiebenswĂŒrdigkeit und Freude am Scherzen haben ihn auch bei etwaigen schwierigen Diskussionen, wissenschaftlicher oder menschlicher Art, nie verlassen.“ (Lise Meitner, Stockholm, 1959)

„Obwohl Otto Hahn einer der wenigen Wissenschaftler war, die Geschichte gemacht und eine ganze Ära der Weltpolitik bestimmt haben, hat er sich doch nie als eine Persönlichkeit der Weltpolitik gefĂŒhlt.“ (Manfred Eigen, Göttingen, 1968)

„Die Zahl derer, die sich neben Otto Hahn stellen könnten, ist klein. FĂŒr ihn war seine eigene Handlungsweise zwar selbstverstĂ€ndlich, aber fĂŒr die kommenden Generationen kann sie Vorbild sein, gleichgĂŒltig, ob man in der Haltung Otto Hahns sein menschliches und wissenschaftliches Verantwortungsbewußtsein oder seinen persönlichen Mut bewundert. Beides zusammen war selten in einer Person vereinigt anzutreffen, und so hat diese seltene Gabe Otto Hahn die Liebe und die Verehrung seiner Freunde und SchĂŒler erworben und gesichert, und sie wird ĂŒber seinen Tod hinaus hoffentlich das erstrebte Ziel vieler junger Menschen werden.“ (Fritz Straßmann, Mainz, 1968)

„Otto Hahn hat sein so schweres menschliches Schicksal mit unvergleichlicher Haltung getragen. Stets blieb er Ă€ußerlich heiter, den Mitmenschen zugewandt in nie versiegender HerzensgĂŒte, ein wunderbares Vorbild an sittlicher Kraft. Alle, die ihm begegnen durften, werden die Erinnerung an seine einzigartige Persönlichkeit als unverlierbaren inneren Besitz empfinden.“ (Berta Karlik, Wien, 1969)

„Jeder, der Otto Hahn kannte, mußte ihn als Forscher in seiner Arbeit sowie als Mensch in seinem Tun und Denken verehren. Er war Vorbild in seiner Gewissenhaftigkeit, zugleich die Herzen gewinnend in seiner GĂŒte und Bescheidenheit.“ (Manfred von Ardenne, Dresden, 1978)

„Ich habe oft gedacht, daß er einen zweiten Nobelpreis verdient hĂ€tte – den Friedensnobelpreis.“ (Prof. Elizabeth Rona, Miami (USA), 1978)

„So wie er nie die Verfolgung der Juden im Dritten Reich vergessen konnte, benutzte er auch die erste Gelegenheit, Beziehungen zum neuen Staate Israel aufzunehmen. Es war seine letzte große Reise, die unvergeßlichen Eindruck auf ihn machte.“ (Wolfgang Gentner, Heidelberg, 1979)

„Ich muß einfach sagen, daß er der bewundernswerteste Mensch ist, der mir unter den Wissenschaftlern bekannt ist. Seine charakterliche GrĂ¶ĂŸe, seine SchĂ€rfe des Verstandes und diese absolute Redlichkeit und ZurĂŒcksetzung seiner Person findet man so rasch nicht wieder.“ (Prof. Otto Haxel, Heidelberg, 1987)

„Die Menschheit kann nicht auf die Dauer zugleich mit der Kenntnis der Kernspaltung und der Institution des Krieges leben. Dieses Wissen beschattete die letzten Lebensjahrzehnte Otto Hahns. Es bewußt getragen zu haben, war sein Beitrag zum unerlĂ€ĂŸlichen Bewußtseinswandel unserer Zeit. Es war sein Geschenk an die Menschheit.“ (Carl Friedrich von WeizsĂ€cker, Starnberg, 1988)

Siehe auch

Weblinks

 Wikiquote: Otto Hahn â€“ Zitate
 Commons: Otto Hahn â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Aliki Nassoufis: ErklĂ€rung aus dem schwedischen Exil in „MĂ€rkische Oderzeitung“ vom 19. Dezember 2008, Blickpunkt S. 3, www.moz.de
  2. ↑  Nachrichtenblatt der Deutschen Wissenschaft und Technik, Organ des Reichsforschungsrates (Hrsg.): Forschungen und Fortschritte. Personalnachrichten. Deutsche Wissenschaft und Ausland. 19, 23/24, 1943, S. 252.</span>
  3. ↑ Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina: Liste der verstorbenen Mitglieder (pdf-Datei).
  4. ↑ Druckvermerk: Dem Deutschen Wissenschaftlichen Institut in Stockholm im Rahmen seiner im Oktober 1943 in Schweden gehaltenen VortrĂ€ge ĂŒber „Geologische Altersbestimmung und Atomzersprengung“ vom Verfasser zur VerfĂŒgung gestellt.
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