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Otto Kumm (* 1. Oktober 1909 in Hamburg; †23. März 2004 in Offenburg)[2] war ein deutscher SS-Brigadeführer der Waffen-SS. Als solcher kommandierte er im Zweiten Weltkrieg SS-Einheiten an verschiedenen Kriegsschauplätzen Ost- und Südosteuropas. 1944-45 war er Kommandeur der an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligten 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“.[3] Kumm war einer der Gründer der Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS e.V. (HIAG) [4]
Inhaltsverzeichnis |
Otto Kumm wurde 1909 in Hamburg als Sohn eines Kaufmanns geboren. Nach Abschluss der Oberrealschule machte er vom 1. April 1925 bis zum 31. März 1929 eine Lehre und arbeitete sodann fünf Jahre als Schriftsetzer.
Otto Kumm trat am 1. Dezember 1931 mit der Mitgliedsnummer 421.230 in die NSDAP ein und wurde noch im selben Monat als SS-Mann in die SS aufgenommen. Am 1. April 1934 trat er im Range eines SS-Sturmführers als Freiwilliger in die im Aufbau befindliche SS-Verfügungstruppe ein und diente bei der I./SS-Standarte „Germania“ in Hamburg. Im August 1934 wurde er Führer der Politischen Bereitschaft Hamburg. Inzwischen SS-Obersturmführer, wurde er im Juli 1935 Chef der 4. (MG-)Kompanie der Standarte. Im September 1936 erfolgte die Ernennung zum SS-Hauptsturmführer. Ab Dezember 1936 diente er als Chef der 2. Kompanie der SS-Standarte „Deutschland“ in München.
Im März 1938 wurde Otto Kumm Kompaniechef in der in Klagenfurt liegenden SS-Standarte „Der Führer“ und nahm mit dieser 1939 am Polenfeldzug teil. Im April 1940 übernahm er eine schwere Kompanie der Standarte, mit der er im Westfeldzug in Holland einmarschierte. Während der Kämpfe wurde er zum Kommandeur des III. Bataillons ernannt. Am 1. Oktober 1940 wurde er zum SS-Sturmbannführer befördert. Im Frühjahr 1941 nahm Kumm mit seinem Bataillon als Teil der SS-Division „Reich“ (mot.) während des Balkanfeldzugs am Angriff auf Jugoslawien teil. Anfang Juni erfolgte die Bereitstellung für den Angriff auf die Sowjetunion im Raum Lublin. Am 12. Juli 1941 übernahm er von Georg Keppler die Führung des SS-Regiments „Der Führer“.
Das SS-Regiment "Der Führer" unter Obersturmbannführer Otto Kumm sollte ab Januar 1942 in der Schlacht von Rschew eine dünne Barriere, die eine Verbindung mit benachbarten Heeresverbänden sicherte, halten. Von den 2.000 Mann, die Kumm unterstellt waren, überlebten 35.[5]
Zum nächsten Kampfeinsatz Kumms mit seinem Regiment kam es, als nach der Schlacht von Stalingrad Anfang 1943 der Zusammenbruch der südlichen Ostfront drohte. Die Division „Das Reich“ wurde als Teil des mittlerweile aufgestellten SS-Panzerkorps an den bedrohten Frontabschnitt verlegt und nahm an der Schlacht um Charkow teil. Noch im gleichen Monat gab er sein Kommando an Sylvester Stadler ab und kehrte nach Deutschland zurück.
Im Juli 1943 wurde Kumm zum Chef des Stabes des in Aufstellung befindlichen V. SS-Gebirgs-Korps unter Artur Phleps ernannt. In dieser Funktion war er ab Oktober 1943 im Krieg gegen die Tito-Partisanen in Bosnien tätig. Am 30. Januar 1944 erfolgte unter gleichzeitiger Beförderung zum SS-Oberführer die Ernennung zum Kommandeur der 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“, die ebenfalls im besetzten Jugoslawien im Einsatz war.
Am 28. März 1944 brachte die SS-Division „Prinz Eugen“ im Raum Knin die Einwohnerschaft mehrerer Dörfer - darunter Otok bei Sinj - um. Der kroatische Außenminister Stijepo Perić protestierte in Berlin, die Bewohner seinen in den Häusern zusammengetrieben und durch die Fenster mit Maschinengewehren erschossen worden.[6] Beim 7. Nürnberger Prozess gegen die Kriegsverbrecher wurde die Zahl der Opfer vom 28. März 1944 mit 2.014 Toten in 22 Dörfern beziffert. Männer, Frauen und Kinder wurden hiernach regelrecht niedergemetzelt, die Dörfer geplündert.[7][8].
Am 9. November 1944 stieg Otto Kumm zum SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS auf. Mit der „Prinz Eugen“ war er schließlich dazu gezwungen, sich in Richtung Ungarn zurückzuziehen.
Vom 6. bis zum 16. März 1945 nahm Otto Kumm als Kommandeur der 1. SS-Panzer-Division Leibstandarte-SS Adolf Hitler (LSSAH), die er nach der Verwundung Wilhelm Mohnkes Anfang Februar übernomen hatte, an der Operation Frühlingserwachen teil, der letzten größeren deutschen Offensive des Zweiten Weltkriegs im Bereich des Plattensees, welche u.a. die dortigen Ölquellen und Treibstoffreserven für die deutsche Kriegswirtschaft sichern sollte. Trotz anfänglicher Geländegewinne blieb die Operation erfolglos. Die 6. SS-Panzerarmee unter Sepp Dietrich und die LSSAH unter Otto Kumm mussten sich in Richtung Wien zurückziehen.
Nach seiner Gefangennahme wurde Kumm laut eigenen Angaben in das Internierungslager Dachau der US-Armee überstellt und daraufhin über ein halbes Jahr hinweg in Nürnberg als Zeuge im Prozess Generäle in Südosteuropa verhört, dann aber nach Dachau zurückgeschickt. Der Auslieferung an Jugoslawien entzog er sich nach eigener Darstellung durch Flucht über die Mauer des Internierungslagers Dachau.[9]
Am 1. Januar 1949 wurde in Hamburg eine ca. 50 Personen starke „Kameradschaftsgruppe der Waffen-SS“ gegründet. Vermutlich ab September 1950 firmierte diese als „Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit (HIAG)“, Kumm wurde ihr erster Vorsitzender.[10] Diese Bezeichnung wurde von anderen SS-Veteranengruppen aufgegriffen.[11] Zu Kumms Strategie gehörte es, die HIAG-Gruppen zunächst auf einem informellen Charakter zu belassen, um eine vollständige Integration in einen zukünftigen Soldatenverband zu ermöglichen.[12] Nach Scheitern dieser Strategie und Austritten aus der HIAG erfolgte die Gründung des Bundesverbandes 1959.[13]
Nach dem Krieg wurde Kumm Produktionsleiter in einer Druckerei.
Kumm verfasste zwei Bücher über die „Prinz Eugen“, die im Munin-Verlag erschienen. Dieser war im Dezember 1958 von Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS aus dem Umfeld der HIAG gegründet worden[14] und wurde im nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzbericht 2008 als rechtsextremistisch eingestuft.[15] In diesen Büchern werden die Kriegsverbrechen und Gräueltaten der Division unterschlagen.[16] Übergriffe auf die Zivilbevölkerung durch die 7. Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ waren Kumm vor 1945 bekannt, wie seine Aktennotiz über ein Gespräch mit Heinrich Himmler am 28. Juni 1943 belegt.[17]
Kumms „Vorwärts, Prinz Eugen!“ wurde 2007 als Lizenzausgabe[18] neu aufgelegt im Winkelried Verlag, der unter anderem vom Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern als rechtsextremistisch eingestuft wird.[19][20][21] Walter Manoschek zählt in einer Publikation des Militärgeschichtlichen Forschungsamts der Bundeswehr Kumms Werke zu „Memoiren ehemaliger Militärs und sonstige[n] apologetische[n] Schriften, welche die Kriegsverbrechen der nationalsozialistischen Besatzer entweder überhaupt ausklammern oder verharmlosen“.[22]
Bevor Adalbert Lallier, ehemals SS-Mann bei „Prinz Eugen“, gegen seinen einstigen Kameraden, den SS-Unterscharführer Julius Viel, 1999[23] wegen Mord an sieben jüdischen KZ-Häftlingen aussagte, fragte er bei Kumm nach, ob das Schweigegebot noch immer gelte und ob „Kameradenverrat“ gerechtfertigt sei. Kumm habe ihm zurückgeschrieben, dass Kameradschaft aufhöre, wo Kriegsverbrechen beginne.[24]
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kumm, Otto |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Offizier, zuletzt BrigadefĂĽhrer der Waffen-SS |
| GEBURTSDATUM | 1. Oktober 1909 |
| GEBURTSORT | Hamburg |
| STERBEDATUM | 23. März 2004 |
| STERBEORT | Offenburg |