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Die Oxidationszahl (auch Oxidationsstufe, Oxidationswert, elektrochemische Wertigkeit ) gibt an, wie viele Elementarladungen ein Atom innerhalb einer Verbindung formal aufgenommen bzw. abgegeben hätte, wenn alle Nachbaratome mit ihren gemeinsamen Elektronenpaaren entfernt würden. Sie entspricht somit der hypothetischen Ionenladung eines Atoms in einem Molekül bzw. der tatsächlichen Ladung einatomiger Ionen.[1]
Eine andere Definition lautet: Die Oxidationszahl eines Atoms in einer chemischen Verbindung ist formal ein Maß zur Angabe der Verhältnisse der Elektronendichte um dieses Atom. Eine positive Oxidationszahl zeigt an, dass die Elektronendichte gegenüber seinem Normalzustand verringert ist, eine negative zeigt an, dass die Elektronendichte um das Atom erhöht ist.
Die Oxidationszahl ist ein für chemische Überlegungen wie z. B. Redoxreaktionen nützlicher Formalismus, der oftmals nur wenig mit der realen Ladung eines Atoms zu tun hat. Es kann durchaus vorkommen, dass Atomen in einer Verbindung eine negative formale Oxidationszahl zugeordnet wird, obwohl sie gleichzeitig eine positive Formalladung tragen. Die Oxidationszahl unterscheidet sich in kovalenten Verbindungen oft vom Begriff der Bindigkeit („Bindungswertigkeit“).
In der angelsächsischen Literatur findet man die Bezeichnungen "oxidation state"[2] und "oxidation number",[3] die beide durch die IUPAC definiert sind. Die Bezeichnung "oxidation state" entspricht der "Oxidationszahl", wohingegen "oxidation number" bei unter anderem bei Komplexverbindungen verwendet wird und einer Oxidationszahl entspricht, die durch Entfernung aller Liganden inklusive der mit dem Zentralatom geteilten Elektronenpaare entstünde; meist sind beide Werte gleich groß.
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Die Oxidationszahlen dienen bei Redoxreaktionen dazu, die Vorgänge besser zu erkennen. Die Übertragung der Elektronen von einem Atom auf ein anderes zeigt sich daran, dass sich die Oxidationszahl des einen, welches Elektronen abgibt, erhöht, die des anderen, das Elektronen aufnimmt, verringert.
Oft wird erst durch die Bestimmung der Oxidationszahlen einzelner Atome klar, welche chemische Reaktion abläuft. Eine Verringerung der Oxidationszahl eines Elements durch eine Redoxreaktion bedeutet, dass dieses Element reduziert wurde, analog bedeutet eine Erhöhung der Oxidationszahl eines Elements, dass dieses oxidiert wurde.
Die Oxidationszahlen werden als arabische Ziffern angegeben und sind in der Regel ganzzahlig.[2] Die möglichen Oxidationszahlen (Oxidationsstufen, Oxidationszustände) der Chemischen Elemente werden meist in arabischen Ziffern angegeben. Gelegentlich werden jedoch auch römische Zahlen verwendet.
Zur Darstellung von Redoxreaktionen werden die Oxidationszahlen in arabischen Ziffern angegeben und stehen oberhalb eines Elementsymbols. Im Unterschied zur Ionenwertigkeit (Ionenladung) werden die Zeichen Plus und Minus vor den Zahlen angegeben.
| <math>\mathrm{ {\overset{+1}{K}} {\overset{+7}{Mn}} {\overset{-2}{O_4}} }</math> | <math>\mathrm{ {\overset{+4}{Mn}} {\overset{-2}{O_2}} }</math> | <math>\mathrm{ {\overset{+6}{S}} {\overset{-2}{O_4^{2-}}} }</math> | <math>\mathrm{ {\overset{+4}{S}} {\overset{-2}{O_3^{2-}}} }</math> | <math>\mathrm{ {\overset{-3}{N}} {\overset{+1}{H_3}} }</math> | <math>\mathrm{ {\overset{+1}{H_2}} {\overset{-2}{S}} }</math> | <math>\mathrm{ {\overset{0}{O}}\mathord=\mathord{\overset{0}{O}} }</math> |
| Kaliumper- manganat |
Mangan- dioxid |
Sulfat-Ion | Sulfit-Ion | Ammoniak | Schwefel- wasserstoff |
Sauerstoff |
Zur Formulierung von Redoxreaktionen werden häufig nur die Oxidationszahlen der an der Reaktion entscheidenden Elemente angegeben:
Die Oxidationszahlen haben rein formalen Charakter und können gegebenenfalls auch gebrochene Werte annehmen. Im Eisen(II,III)-oxid (Fe3O4) hat Eisen beispielsweise eine durchschnittliche Oxidationszahl von +2,67, die formal durch das Vorliegen von einem Fe2+ und zwei Fe3+-Ionen und der arithmetischen Mittelwertbildung der Oxidationszahlen zustande kommt.[4]
Die Oxidationszahl lässt sich mit Hilfe folgender Regeln herleiten:
In der Praxis hat es sich als hilfreich erwiesen, für die Bestimmung der Oxidationszahlen einige Regeln zu formulieren:
Die Oxidationszahlen lassen sich, wenn eine Lewis-Formel des Moleküls vorliegt, leicht anhand der Elektronegativität der jeweiligen Elemente bestimmen. Man spaltet dazu gedanklich jede Bindung und berechnet, welches Atom die Bindungselektronen dann bekommen würde. Dies ist abhängig von der Elektronegativität; das Atom mit der größeren Elektronegativität erhält die Bindungselektronen. Dadurch ändert sich die Ladung des Atoms, die Ladung entspricht dann der Oxidationszahl. Das Spalten der Bindungen ist dabei nur ein Gedankenspiel, die Bindungen werden nicht tatsächlich gespalten.
Die Grafik rechts zeigt beispielhaft das Vorgehen beim Ermitteln der Oxidationszahlen der Atome des 5-Hydroxycytosin-Moleküls. Als Beispiel soll hier nun die Vorgehensweise am Kohlenstoff-Atom mit der Oxidationszahl ±0 erläutert werden: Dieses Kohlenstoffatom bildet drei Bindungen zu Nachbaratomen aus, zu Stickstoff, Wasserstoff und eine Doppelbindung zu einem anderen Kohlenstoffatom. Nun werden die Elektronegativitäten dieser Elemente verglichen; Kohlenstoff hat eine Elektronegativität von 2,55.
Addiert bekommt das Kohlenstoffatom also vier Bindungselektronen. Elementares Kohlenstoff besitzt ebenfalls vier Bindungselektronen, seine Ladung hat sich also durch die imaginäre Spaltung nicht geändert. Seine Oxidationszahl ist 0.
Im Vergleich dazu bekommt das unterste Stickstoffatom sechs Bindungselektronen im Falle einer imaginären Spaltung (je zwei von den beiden Kohlenstoffatomen und zwei von dem Wasserstoffatom). Elementarer Stickstoff besitzt nur drei Bindungselektronen. Da Elektronen negativ geladen sind, besäße das Stickstoffatom daher nach der imaginären Spaltung die Ladung −3. Dies ist daher auch seine Oxidationszahl.
Zur Überprüfung können alle ermittelten Oxidationszahlen addiert werden. Ihre Summe muss insgesamt null ergeben, wenn das Gesamtmolekül ungeladen ist.