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Ozonloch

GrĂ¶ĂŸte Ausdehnung des antarktischen Ozonlochs am 24. September 2006


und zweitgrĂ¶ĂŸte Ausdehnung am 6. September 2000 (Quelle: NASA).

Als Ozonloch wird eine außergewöhnlich starke, geographisch abgegrenzte Abnahme der Ozonschicht bezeichnet, die auf chemischen Abbauprozessen beruht. Das Ozonloch wird seit Anfang der 1980er Jahre saisonal jeweils im SpĂ€twinter/FrĂŒhjahr ĂŒber der SĂŒdpolarregion beobachtet. Über der Nordpolarregion kam es in einigen Wintern seit Mitte der 1990er Jahre ebenfalls zu erheblichen Ozonverlusten, die 2011 erstmals schwerwiegend genug waren, um zu einem Ozonloch zu fĂŒhren. NatĂŒrliche geringfĂŒgige Schwankungen in der Ozonschicht, die vermutlich durch die SonnenaktivitĂ€t hervorgerufen werden, sind schon lĂ€nger bekannt.[1]

Der Abbau des Ozons wird durch gasförmige Halogenverbindungen verursacht. Es gibt zwar auch natĂŒrliche Quellen, doch wird das gegenwĂ€rtige Ozonloch nach heutigem Wissensstand durch die vom Menschen zusĂ€tzlich in die AtmosphĂ€re gebrachten Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) verursacht.

Der Abbau der Ozonschicht hat negative Folgen fĂŒr Mensch und Umwelt, da UV-Strahlung nicht mehr im natĂŒrlichen Umfang absorbiert wird.

Der illegale Handel mit Stoffen, die die Ozonschicht abbauen, verstĂ¶ĂŸt gegen das Montrealer Protokoll von 1989 und wird von internationalen Gremien wie G8, EU, Interpol und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen als UmweltkriminalitĂ€t anerkannt.[2]

Inhaltsverzeichnis

Ursachen

Bereits 1974 warnten Mario J. Molina und Frank Sherwood Rowland vor den negativen Auswirkungen von anthropogenen Fluorchlorkohlenwasserstoffen auf die Ozonschicht, was 1985 durch die Entdeckung des Ozonlochs bestĂ€tigt wurde. Paul J. Crutzen klĂ€rte den Einfluss der Polaren StratosphĂ€renwolken bei der Bildung des Ozonlochs.[3] Im Jahr 1995 erhielten die drei Forscher dafĂŒr den Nobelpreis fĂŒr Chemie.[4] Distickstoffmonoxid („Lachgas“) hat mittlerweile die Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) als bedeutendste Quelle ozonschĂ€dlicher Emissionen des 21. Jahrhunderts abgelöst.[5]

In der oberhalb der TroposphĂ€re liegenden StratosphĂ€re (ab ca. 8 km ĂŒber den Polen) sammeln sich ozonschĂ€digende Gase. Wegen getrennter TemperaturverhĂ€ltnisse und StrömungskreislĂ€ufe in beiden Schichten können in die StratosphĂ€re gelangte Stoffe nicht mehr verschwinden. Die Grenzregion zwischen StratosphĂ€re und TroposphĂ€re bildet eine Barriere (Tropopause).

Die in die StratosphĂ€re eingetragenen Stoffe dienen als Katalysator fĂŒr das dort befindlichem Ozon. Das aus drei Sauerstoffatomen bestehende Ozon reagiert dadurch zu gewöhnlichem, aus zwei Atomen bestehendem, Sauerstoff. Durch diesen Prozess nimmt die Menge des Ozons in der StratosphĂ€re ab, und damit kann die Ozonschicht ihre schĂŒtzende Funktion zunehmend weniger erfĂŒllen. Ein einzelnes Chlorradikal kann bis zu 100.000 OzonmolekĂŒle zerstören.[6]

NatĂŒrliche Halogenverbindungen

Meersalz (NaCl) ist wasserlöslich und wird aus der AtmosphÀre ausgewaschen, bevor es die StratosphÀre erreicht.

Pflanzen liefern dagegen einen messbaren Beitrag an ozonschĂ€digenden Verbindungen. KreuzblĂŒtengewĂ€chse produzieren Methylbromid. Allein der Raps produziert 6600 Tonnen im Jahr, dies ist ein Anteil von 15 % dessen, was immer noch industriell hergestellt wird. ImmergrĂŒne BĂ€ume und Kartoffeln synthetisieren dagegen Methylchlorid.[7]

Auch bei VulkanausbrĂŒchen entweichen Halogenverbindungen: WĂ€hrend Chlorwasserstoff grĂ¶ĂŸtenteils wie Meersalz ausgewaschen wird, können Bromverbindungen die Ozonschicht zumindest lokal beeintrĂ€chtigen. Bei einem Ausbruch eines Supervulkans kommt es zu einer massiven SchĂ€digung der Ozonschicht.[8] Der letzte fand vor 74.000 Jahren statt.

Aufgrund von Forschungsergebnissen der Umweltphysiker der UniversitĂ€t Heidelberg vermuten Wissenschaftler, dass die Ozonschicht eventuell durch natĂŒrliche Chlor-, Brom- und möglicherweise Iodverbindungen geschĂ€digt wird, die vor allem in den KĂŒstenbereichen der Ozeane von Wasserpflanzen und Mikroorganismen gebildet werden. Ein Forschungsprojekt soll die natĂŒrlichen Quellen halogenierter Kohlenwasserstoffe und den atmosphĂ€rischen Transport und Abbau dieser ozonschĂ€dlichen Verbindungen untersuchen. [9] Inzwischen erhĂ€rteten Untersuchungen in KĂŒstengewĂ€ssern und in der AtmosphĂ€re ĂŒber den GewĂ€ssern im Rahmen eines Forschungsprojektes diese Vermutungen.[10]

Der chemische Ablauf des Ozonabbaus

Das Ozon der StratosphĂ€re entsteht in einer durch Ultraviolettstrahlung hervorgerufenen Gleichgewichtsreaktion, die als Ozon-Sauerstoff-Zyklus bezeichnet wird. Radikale greifen in diese Gleichgewichtsreaktion ein, indem sie katalytisch alternative Reaktionspfade zugĂ€nglich machen, welche vorwiegend den Ozonabbau begĂŒnstigen. Der Abbau des Ozons durch Radikal X‱ erfolgt dabei durch den folgenden katalytischen Kreisprozess.

X‱ + O3 → XO‱ + O2
XO‱ + O → X‱ + O2
(O3 + UV-Strahlung → O2 + O (λ<340 nm))

Der Ablauf sei im Folgenden beispielhaft an Chlor dargestellt; allerdings reagieren auch andere Halogene (insbesondere Brom) sowie diverse molekulare Radikale (z. B. Stickstoffmonoxid NO) auf diese oder Ă€hnliche Weise.

ZunĂ€chst werden die FCKW durch die UV-B-Strahlung aufgespalten und es entstehen Halogen-Radikale (R = MolekĂŒlrest).

R-Cl + UV-Licht → R‱ + Cl‱ (λ<220 nm)

Dieses Chlorradikal entzieht dem Ozon eines seiner Sauerstoffatome und reagiert damit zu ClO‱:

Cl‱ + O3 → ClO‱ + O2

ClO‱ ist selbst wieder ein Radikal; trifft dies nun auf ein weiteres OzonmolekĂŒl, wird diesem ebenfalls ein Sauerstoffatom entzogen und es entstehen zwei SauerstoffmolekĂŒle, das Chlorradikal wird wieder frei und steht fĂŒr weitere Reaktionen zur VerfĂŒgung:

ClO‱ + O3 → Cl‱ + 2 O2

Ozon wird auf diese Weise in normalen molekularen Sauerstoff O2 umgewandelt. Bei dieser Reaktion tritt das Chloratom nur als Katalysator auf, ein Chloratom kann deshalb bis zu 100.000 OzonmolekĂŒle zerstören.

Dies ist der hauptsĂ€chliche Abbauzyklus; daneben laufen jedoch noch vielfĂ€ltige weitere Reaktionen ab, die ebenfalls zur SchĂ€digung der Ozonschicht beitragen bzw. dies unterstĂŒtzen, z. B. Reaktion von Halogenoxiden mit Sauerstoffradikalen:

O2 + UV-Licht → 2 O (λ<240 nm)
2 O + O2 → O3 + O
ClO‱ + O → Cl‱ + O2

Ein Chlorradikal kann den katalytischen Zyklus viele Male durchlaufen und dabei bis zu 100.000 OzonmolekĂŒle zerstören. Der Zyklus kann nur abgebrochen werden, wenn zwei Radikale miteinander reagieren und so genannte Reservoirspezies bilden:

ClO‱ + ClO‱ → Cl2 + O2 oder
ClO‱ + NO2‱ → ClONO2

Unter den besonderen Bedingungen der Polarnacht, d. h. Finsternis und sehr tiefe Temperaturen, können sich die Reservoirspezies zu beachtlichen Konzentrationen ansammeln. Durch die KĂ€lte können sich einige Substanzen in der StratosphĂ€re verflĂŒssigen und sogar gefrieren, es entstehen polare StratosphĂ€renwolken (Polar Stratospheric Clouds, PSC), die fĂŒr die Entstehung des Ozonlochs von großer Bedeutung sind. An den Kristallen der PSC laufen Reaktionen ab, bei denen Stickstoffoxide aus der Luft in die Kristalle ĂŒbergehen, so dass nur die weitaus aggressiveren Chlorverbindungen wie Hypochlorige SĂ€ure und SalpetersĂ€ure in der Luft bleiben:

ClONO2(g) + H2O(s) → HOCl(g) + HNO3(s).

(g bedeutet gasförmig, s (von solid) bedeutet fest)

Wenn zum Ende der Polarnacht die Sonne aufgeht, werden diese Chlorverbindungen vom Licht gespalten und plötzlich stehen sehr viele freie Chlorradikale zur VerfĂŒgung, die OzonmolekĂŒle zerstören können. Erst nach und nach verdampfen die PSC und bringen die Stickstoffverbindungen zurĂŒck in die Luft, die mit den Chlorradikalen neue Reservoirspezies bilden können und so den Ozonabbau dĂ€mpfen.

Erscheinungsbild an SĂŒdpol und Nordpol

Ozonschichtdicke 1979 und 2007
Ausdehnung des Ozonlochs ĂŒber dem SĂŒdpol von 1957 bis 2001

Mittlerweile wird die weltweite AusdĂŒnnung der Ozonschicht mittels Umweltsatelliten gemessen, eine Unterart der Erdbeobachtungssatelliten.

Zwischen 1996 und 2002 ist die Zerstörung der Ozonschicht Messungen zufolge (Messzeitraum 1978 bis 2002) nicht weiter vorangeschritten, was sich mit ersten Erfolgen des Montreal-Protokolls erklÀren lÀsst.

Im Jahr 2005 wurde ĂŒber der Antarktis jedoch der drittniedrigste je gemessene Stand an Ozon nach 2000 und 2003 ermittelt. Im Jahr 2006 verschlechterten sich die Werte weiter, mit einer Ausdehnung von 27,45 Millionen Quadratkilometern (das ist ein quadratisches Feld mit einer KantenlĂ€nge von ĂŒber 5000 km) erreichte das Ozonloch ĂŒber dem SĂŒdpol seine bisher grĂ¶ĂŸte Ausdehnung.

Der Grund, warum das Ozonloch am SĂŒdpol so viel ausgeprĂ€gter ist als am Nordpol, liegt in der Form des Antarktischen Kontinents begrĂŒndet. In der Polarnacht, wenn keine Sonnenstrahlung auf die Erde fĂ€llt, bildet sich ein Kaltluftgebiet, der sogenannte Polarwirbel. Da der Antarktische Kontinent im Wesentlichen rund ist, wird der Polarwirbel an seinen RĂ€ndern auch nur wenig gestört, und in seinem Inneren können sehr tiefe Temperaturen erreicht werden (bis unter 188 K, das entspricht −85 Â°C). Am Nordpol sind die VerhĂ€ltnisse insofern anders, als der entstehende Polarwirbel durch die Überströmung der Gebirge der hohen nördlichen Breiten gestört wird. WĂ€rmere Luft wird eingemischt, und die Temperaturen können nie soweit absinken, wie es fĂŒr die Entstehung von polaren StratosphĂ€renwolken (Polar Stratospheric Clouds, PSC) nötig wĂ€re. Ohne PSC können aber die Stickstoffverbindungen nicht aus der Luft entfernt werden, und der Ozonabbau wird bei Sonnenaufgang wesentlich gedĂ€mpft.

Folgen fĂŒr Mensch und Umwelt

Wegen der Zerstörung der Ozonschicht gelangt dort mehr UV-Licht auf die ErdoberflĂ€che, was beim Menschen zu HautschĂ€den bis hin zum Hautkrebs fĂŒhren kann. Bei völlig fehlender Ozonschicht droht sogar die Erblindung innerhalb weniger Stunden.

Schließen des Ozonlochs

AbschĂ€tzungen ĂŒber die Geschwindigkeit, mit der sich das Ozonloch auf natĂŒrliche Weise wieder schließt, variieren um ein bis zwei Jahrzehnte. Die NASA schĂ€tzt, dass ĂŒber der Antarktis 2068 der Zustand vor der menschlich bedingten AusdĂŒnnung wiederhergestellt sein wird.[11] Die Weltorganisation fĂŒr Meteorologie ging 2006 davon aus, dass sich die Ozonschicht ĂŒber der Antarktis in den nĂ€chsten 20 Jahren nur unwesentlich erholen wird und zwischen 2060 und 2075 der Zustand von vor 1980 wiederhergestellt ist – 10 bis 25 Jahre spĂ€ter, als man noch 2002 annahm. Über der Arktis ist in kalten Wintern der nĂ€chsten 15 Jahre mit grĂ¶ĂŸeren Ozonverlusten zu rechnen, der Zustand von vor 1980 wird voraussichtlich bis 2050 wieder erreicht.[12]

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Riesiges Ozonloch ĂŒber der Arktis, orf.at, 2. Oktober 2011
  2. ↑ Banks, D., Davies, C., Gosling, J., Newman, J., Rice, M., Wadley, J., Walravens, F. (2008) Environmental Crime. A threat to our future. Environmental Investigation Agency pdf
  3. ↑ JĂŒrgen Bischoff (2006) RĂ€tsel ĂŒber dem SĂŒdpol GEOKompakt Nr. 9. Die Grundlagen des Wissens
  4. ↑ Spektrum der Wissenschaft: Mechanismen des Ozonschwunds in der StratosphĂ€re Dezember 1995 (Monatsspektrum)
  5. ↑ Ravishankara, A. R. et al.: Nitrous Oxide (N2O): The Dominant Ozone-Depleting Substance Emitted in the 21st Century.. In: Science. Epub ahead of print, 2009. PMID 19713491.
  6. ↑ Bayerisches Landesamt fĂŒr Umwelt: Ozonschicht und Ozon , Augsburg 2009 S. 4
  7. ↑ Spektrum der Wissenschaft: Umweltgifte vom Gabentisch der Natur, Juni 2005
  8. ↑ Spektrum der Wissenschaft: Die Urgewalt der Supervulkane, August 2006
  9. ↑ SchĂ€digen Halogenverbindungen aus natĂŒrlichen Quellen die Ozonschicht? IDW-Online 4. November 2011
  10. ↑ KĂŒstengewĂ€sser produzieren ozonschĂ€dliche Halogenverbindungen IDW-Online 1. Februar 2012
  11. ↑ NASA (2006): online Scientists find Antarctic Ozone Hole to Recover Later Than Expected, NASA Earth Observatory News Archive, 29. Juni 2006
  12. ↑ WMO/UNEP (2006): Scientific Assessment of Ozone Depletion: 2006

Weblinks

Wikinews Wikinews: Portal:KlimaerwĂ€rmung â€“ in den Nachrichten
Wiktionary Wiktionary: Ozonloch â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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