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Pablo Emilio Escobar Gaviria, auch âEl Doctorâ, âEl PatrĂłnâ oder âDon Pabloâ genannt, (* 1. Dezember 1949 in Rionegro bei MedellĂn; â 2. Dezember 1993 in MedellĂn) war ein kolumbianischer DrogenhĂ€ndler. Durch groĂ angelegten und erstmals in der Kriminalgeschichte industrialisierten Drogenschmuggel wurde er zu einem der reichsten Menschen der Welt. Allgemein wird er als einer der mĂ€chtigsten, rĂŒcksichtslosesten und brutalsten DrogenhĂ€ndler angesehen, die es je gegeben hat.
Inhaltsverzeichnis |
Eine AtmosphĂ€re der Gewalt prĂ€gte die Jugend Pablo Escobars und begrĂŒndete seine Skrupellosigkeit zur Durchsetzung seiner Ziele.[1] Ihren Ursprung hatte diese AtmosphĂ€re in den ReichtumsverhĂ€ltnissen des Landes zur Zeit um Escobars Geburt: 3% der Bevölkerung - eine reiche Machtelite, die aus gerade einmal zehn wohlhabenden Familien bestand - besaĂen 97% der LĂ€ndereien und Rohstoffe Kolumbiens, darunter Bergminen, Ălquellen sowie Kaffee- und Bananenplantagen. Diese ungleiche Verteilung brachte dem GroĂteil der kolumbianischen Bevölkerung lĂ€hmende Armut[2].
1948 wurde dann der liberale PrĂ€sidentschaftskandidat und Reformer Jorge EliĂ©cer GaitĂĄn erschossen.[3] Dies fĂŒhrte zu einem El Bogotazo genannten Volksaufstand, der vor allem in lĂ€ndlichen Zonen mit groĂer Vehemenz fortgesetzt wurde, bedingt zum einen durch religiösen Eifer und zum anderen durch Macht- und LandansprĂŒche. Dies mĂŒndete in die sogenannte âViolenciaâ, einen grausamen BĂŒrgerkrieg zwischen AnhĂ€ngern der liberalen und der konservativen Partei[4][5]. Mit welcher auĂerordentlichen BrutalitĂ€t hierbei vorgegangen wurde, zeigt unter anderem die Tötungsart der âKolumbianischen Krawatteâ, die zu dieser Zeit erfunden wurde.[6][1]
Pablo Emilio Escobar Gaviria wurde in El de Tablazo/Antioquia[7] als Ă€ltestes von vier Kindern des ViehzĂŒchters Abel de JesĂșs Escobar und der Lehrerin Hermilda GavĂria geboren.[8] Er entstammte aus dem lĂ€ndlichen Mittelstand, seine Familie besaĂ MilchkĂŒhe und 12 Hektar Land. Die relativ wohlhabenden Rinderfarmen von Frontino und Rionegro waren stets SchauplĂ€tze gewalttĂ€tiger Auseinandersetzungen zwischen liberalen Heereseinheiten und Guerilleros aus den Bergen.[9]
Die Familie zog nach Envigado, dort grĂŒndete Hermilda eine Volksschule. Pablo Escobar schloss sich in Envigado einer nihilistischen Jugendbewegung, dem âNadaismoâ[10], an und begann bereits mit 13 Jahren, kolumbianisches Marihuana zu rauchen. Seine Schule Liceo Lucrecio Jaramillo brach er 1966 aus Protest vorzeitig ab. Escobar konsumierte groĂe Mengen an Softdrinks, Pizza und Fastfood, was zu seinem Ăbergewicht fĂŒhrte.[11]
Zusammen mit seinem Cousin Gustavo Gaviria verbrachte er seine Jugend auf den StraĂen und in den Bars des Rotlichtbezirks JesĂșs-el-Nazareno-Bezirk von MedellĂn. Im âBarrio Antioquiaâ von Medellin machte er Bekanntschaft mit lokalen UnterweltgröĂen, die fĂŒr seine weitere Laufbahn wichtig waren. Der Besitz von Feuerwaffen brachte ihm schnell den Respekt der anderen Banden ein, die damals meist nur mit Messern und Macheten bewaffnet waren. FrĂŒh schloss er sich einer Marihuana-Schmugglerbande an und beteiligte sich an RaubĂŒberfĂ€llen auf der StraĂe. Ein weiterer Erwerbszweig war der Handel mit geschmuggelten Marlboro-Zigaretten. Nach Aussagen seiner Mutter war er fĂŒr eine ehrliche TĂ€tigkeit ungeeignet, denn er wollte sich schon frĂŒh groĂe Macht aneignen.
Mit 20 Jahren begann er, Autos zu stehlen, um sie zerlegt als Hehlerware zu verkaufen. Kurze Zeit spĂ€ter entfĂŒhrte er mit seiner Bande reiche BĂŒrger und tötete sie oft auch trotz Lösegeldzahlung, um seine Macht zu demonstrieren.
1971 entfĂŒhrte er den beim Volk sehr unbeliebten Industriellen Diego EchavarrĂa und erdrosselte ihn nach Erhalt des Lösegeldes.[12] Die EntfĂŒhrung machte ihn in Medellin berĂŒhmt und brachte ihm den Beinamen âEl Doctorâ ein.[13]
Mitte der 1970er Jahre wurde der âMarimbaâ-Marihuanahandel durch die Modedroge Kokain abgelöst.[14] Pioniere in diesem neuen Boom-GeschĂ€ft waren Escobar, die Ochoa-BrĂŒder, Carlos Lehder und JosĂ© Rodriguez Gacha.[12]
Escobar nutzte die ungeahnten Verdienstmöglichkeiten fĂŒr seinen gesellschaftlichen Aufstieg. In den 1970er Jahren baute er ein riesiges Drogenimperium auf. WĂ€hrend seiner besten Jahre soll er bis zu 1,5 Millionen US-Dollar am Tag verdient haben.[15] Er war als der Drogenbaron Kolumbiens bekannt.
Escobar zeichnete sich durch Grausamkeit und Skrupellosigkeit aus, die ihn schnell an die Spitze des MedellĂn-Kartells brachten.
Obwohl Escobar einmal im Besitz von elf Kilogramm Kokain festgenommen wurde, gab es nie einen Prozess wegen Drogenbesitzes oder Drogenhandels gegen ihn, da der ihn belastende Polizist unter ungeklĂ€rten UmstĂ€nden ums Leben kam. Durch Morddrohungen wurden auch die Richter eingeschĂŒchtert, die den Mordprozess daher nicht noch einmal aufrollten.
1975 lernte Escobar einen wohlhabenden Piloten mit dem Decknamen âRubinâ aus MedellĂn kennen, der flieĂend Englisch sprach,[16] Miami gut kannte und bereits fĂŒr die Ochoa-BrĂŒder (Alsonso, Jorge und Fabio) arbeitete.[17] âRubinâ kaufte in Miami Sportflugzeuge und warb weitere Piloten an. Der erste Kokainschmuggler aus MedellĂn war Fabio Restrepo, mit dem âRubinâ 1975 ein bis zwei Lieferungen Kokain (40-60 kg) nach Miami ausflog und einen Gewinn von etwa 40.000 USD erwirtschaftete.[18] Escobar erhielt von Jorge Ochoa die Erlaubnis, unverschnittenes Kokain an Restrepo zu verkaufen. Er lieĂ Restrepo ermorden und âRubinâ sowie die Ochoa-BrĂŒder wissen, dass sie fortan fĂŒr ihn arbeiten.[19]
1976 heiratete Escobar die 15-jĂ€hrige MarĂa Victoria Henao Vellejo.[20] Mit ihr zeugte er die Kinder Juan Pablo und Manuela. Die Ehe wurde nach eigener Aussage als sehr glĂŒcklich eingeschĂ€tzt, obwohl Escobar seine Frau mit unzĂ€hligen jungen MĂ€dchen betrog. Wurde eines der MĂ€dchen schwanger, wurde sie von Escobars Auftragsmördern getötet.
Jhon Jairo VelĂĄsquez VĂĄsquez, genannt âPopeyeâ, war engster Vertrauter und Chefkiller Escobars, er tötete auf seinen Befehl ĂŒber 150 Menschen.[21][22] Insgesamt lieĂ Escobar 30 Richter sowie 457 Polizisten töten und war in den 1980er Jahren fĂŒr eine wöchentliche Mordrate von 20 Toten in MedellĂn verantwortlich.
1976 lieĂ das Departamento Administrativo de Seguridad (DAS) seinen Cousin Gustavo Gaviria verhaften, nachdem er in Miami Kokain abtransportiert hatte. Escobar wurde verhaftet und musste in Itagui eine GefĂ€ngnisstrafe absitzen, wurde aber durch Bestechung kurz danach wieder freigelassen, die DAS-Beamten, die ihn verhaftet hatten, wurden ermordet.[23] Er etablierte damit das kolumbianische âplata o plomoâ. Bedeutung: Silber oder Blei, Prinzip: Entweder lĂ€sst du dich bestechen oder es fliegen Bleikugeln (fĂŒr oder gegen ihn).[24]
Weiterhin schuf er folgendes GeschĂ€ftsprinzip: Kokain wurde von unabhĂ€ngigen Pflanzern gewonnen, Escobar kontrollierte den Transport. Erzeuger zahlten dafĂŒr eine Provision von 10 Prozent auf den GroĂhandelspreis in Miami. Bei Verlust einer Lieferung zahlte Escobar den Lieferanten Ersatz auf den Erzeugerkostenpreis. Die Gewinne lagen bei Weitem ĂŒber den Verlusten der abgefangenen Lieferungen. Escobar erkaufte sich Schutz von den Pflanzern ĂŒber die Verarbeiter bis zu den Distributeuren. Die Transporte wurden hauptsĂ€chlich mit Staffeln von Sportflugzeugen (etwa eine Tonne Fracht) durchgefĂŒhrt, aber auch mit ferngesteuerten Mini-U-Booten, welche bis zwei Tonnen Kokain von der NordkĂŒste Kolumbiens bis nach Puerto Rico transportierten. In der Endphase lieĂ er 10 Tonnen Kokain in einer umgebauten Boeing 727 in die USA exportieren.
Gacha und Lehder arbeiteten in der Anfangsphase teils fĂŒr Escobar, teils gegen ihn. 1975 wurde eine Kokainlieferung von 600 Kilogramm in einem Flugzeug in Cali abgefangen; diese MaĂnahme löste die Ermordung von 40 Personen an einem Wochenende aus, da sich die Organisationen gegenseitig vorwarfen, das GeschĂ€ft gestört zu haben. Der unermessliche Reichtum durch das KokaingeschĂ€ft fĂŒhrte zu einer neuen Gesellschaftsschicht in Kolumbien, die diesen durch Villen, Diskotheken etc. zur Schau trug.
Escobars Schwager Mario Henao, ein linksorientierter Intellektueller, verschaffte Escobar die patriotische Rechtfertigung fĂŒr seinen Drogenhandel,[25] um ein neues, modernes und fortschrittliches Kolumbien aufzubauen.[26] In MedellĂn gab Escobar die Zeitung MedellĂn CĂvico heraus, die sich mit der Glorifizierung seiner Person befasste.[27] Ihm zur Ehre wurde das Viertel Pablo Escobar fĂŒr Wohnungslose erbaut. Escobar stellte sich als groĂzĂŒgiger Arbeitgeber in MedellĂn dar und zahlte dem Personal in den Drogenlabors hohe GehĂ€lter. 1978 wurde Escobar als Abgeordneter in den Stadtrat von MedellĂn gewĂ€hlt, die politische ImmunitĂ€t schĂŒtzte ihn vor weiterer Strafverfolgung. Das Diplomatenvisum wurde fĂŒr Reisen seiner Familie nach Miami genutzt.
In Miami erwarb die Familie ebenfalls Luxusvillen und eine 8-Millionen-Dollar Ranch bei Plantation/Florida. Die kolumbianischen Narco-MillionĂ€re und MilliardĂ€re setzten die Tradition der Wohlhabenden fort, die ihre ReichtĂŒmer damals der Sklavenarbeit, des Tabak- und Chinin-Schmuggels, der Landbeschlagnahmung wĂ€hrend der BĂŒrgerkriege, dem Gold- und Smaragdschmuggel verdankten.
1981 stellte Escobar nach der EntfĂŒhrung von Marta Ochoa eine private MAS-Miliz âMuerte a los Secuestradoresâ auf.[28] Die GrĂŒndung der MAS-Miliz wurde von 223 DrogenhĂ€ndlern unterzeichnet und durch das Abwerfen von FlugblĂ€ttern ĂŒber einem FuĂballstadion bekanntgegeben. Der Zusammenschluss der MAS wird auch als GrĂŒndungsdatum des MedellĂn-Kartells gesehen.
1982 lieĂ sich Escobar als Abgeordneter in den kolumbianischen Kongress wĂ€hlen. Er war Vertreter der liberalen Partei, befand sich auf dem Gipfel seiner PopularitĂ€t und wurde âpaisa Robin Hoodâ[29] genannt.[30] Da er aber öffentlich beschuldigt wurde, mit Drogen zu handeln, war er gezwungen, sein Mandat niederzulegen. Aufgrund seiner Finanzmacht und seiner Verbindungen konnte er sich weiterhin groĂen Einfluss auf Politik und (bestochene) Politiker sichern.
1983 bot Manuel Noriega dem MedellĂn-Kartell Exil und groĂzĂŒgige Anlagemöglichkeiten fĂŒr das Drogengeld.[31] Nach der Ermordung Rodrigo Lara Bonillas flohen Escobar, Lehder, Gacha und die Ochoa-BrĂŒder nach Panama.
Aus dieser Zeit stammt sein Zitat: âLieber ein Grab in Kolumbien als eine GefĂ€ngniszelle in den Vereinigten Staaten.â
1984 war er der erfolgreichste KokainhĂ€ndler der Welt, er hatte groĂe Teile des Kokainmarktes unter Kontrolle (80 Prozent in Kolumbien). Seinen gröĂten Gewinn erarbeitete er sich mit Kokainschmuggel in die USA, wo Kokain etwa dreimal teurer verkauft werden konnte als in Kolumbien. Ein Kilogramm Kokain, sobald es ĂŒber der Grenze war, hatte statt seines ursprĂŒnglichen Wertes von 9000 Dollar nun einen von 30.000 Dollar. Da sein Reinheitsgrad von ursprĂŒnglich 90 Prozent in den USA auf 30 Prozent gestreckt wurde, stieg der Wert auf ĂŒber 90.000 Dollar.
1984 vernichtete die US-amerikanische DEA Escobars groĂangelegte Kokainlaboratorien Tranquilandia und Vila Coca und beschlagnahmte 14 Tonnen reines Kokain, das bedeutete eine schwere EinbuĂe fĂŒr das MedellĂn-Kartell. Die US-Luftwaffe versprĂŒhte Herbizide auf Kokainpflanzungen in den RegenwĂ€ldern Kolumbiens.[32]
1985 begannen Gacha und Escobar mit der âSĂ€uberungâ des Mittleren Magdalenatals von der FARC-Guerilla. Den Operationen, die durch britische und israelische Söldner unterstĂŒtzt wurden, fielen tausende von Bauern und Feldarbeitern zum Opfer. ParamilitĂ€rische VerbĂ€nde des MedellĂnkartells und Heereseinheiten fĂŒgten der FARC, ELN und M-19 im Magdalenatal schwere Verluste zu. Im gleichen Jahr stĂŒrmte die linksgerichtete Untergrundorganisation M-19 (Movimiento 19 de Abril) den Justizpalast von BogotĂĄ, Escobars Beteiligung blieb unklar.[33]
1986 starb der US-Basketballstar Len Bias nach einer KokainĂŒberdosis, das öffentliche Bewusstsein wendete sich gegen die Partydroge und sie wurde geĂ€chtet.[34] Escobar, zuvor als Inbegriff des Zeitgeistes wahrgenommen, wurde von der Weltöffentlichkeit zum Schwerkriminellen erklĂ€rt.
1988 wurde George Bush US-PrÀsident und investierte einen Milliarden-Etat in den Kampf gegen den kolumbianischen Drogenhandel.[35]
1989 war Escobar laut Forbes Magazine mit einem Privatvermögen von 2,7 Milliarden USD der siebtreichste Mann der Welt und kontrollierte 80 Prozent des internationalen Kokainmarktes.[36]
Escobar war auch sozial engagiert: Er finanzierte KrankenhĂ€user, Sozialwohnungen und Schulen und genoss daher unter dem Ă€rmsten Teil der Bevölkerung seiner Heimatstadt MedellĂn zum Teil sogar einen guten Ruf. Das FuĂballstadion seines Heimatvereins in Envigado wurde mit seinen Geldern erbaut. Escobar grĂŒndete in MedellĂn BĂŒro- und Apartmentkomplexe, Diskotheken und zahlreiche Restaurants, noch heute sind seine Spuren sichtbar.[37]
1979 kaufte Escobar fĂŒr 63 Millionen USD[24] eine 3.000 Hektar groĂe Ranch bei Puerto Triunfo am RĂo Magdalena und machte daraus einen luxuriösen Landsitz.[38]
Der Besitz umfasste einen Flugplatz, einen Hubschrauberlandeplatz, eine Stierkampfarena, sechs Swimmingpools, ein gynĂ€kologisches Untersuchungszimmer, kĂŒnstliche Seen fĂŒr Wasserski und ein komplettes StraĂennetz. FĂŒr seinen Zoo auf der Hacienda lieĂ Escobar Elefanten, BĂŒffel, Löwen, Nashörner, Gazellen, Zebras, Flusspferde, Kamele und StrauĂe einfliegen. FĂŒr seinen Sohn lieĂ er Dinosaurierfiguren errichten.
Die Hacienda NĂĄpoles hatte komfortable Schlafgelegenheiten fĂŒr ĂŒber 100 Personen. Der Eingang war mit einem Sportflugzeug geschmĂŒckt, mit dem Escobar seine ersten Kokaintransporte nach MedellĂn durchfĂŒhrte.
FĂŒr die Unterhaltung seiner Freunde lieĂ er kolumbianische Schönheitsköniginnen[39] kommen, welche Striptease vorfĂŒhrten, bei Wettspielen teure Sportwagen gewinnen konnten, sich aber auch DemĂŒtigungen wie einer kompletten Haarrasur, Insekten schlucken oder nackt um die Wette auf BĂ€ume klettern, aussetzen mussten.[40]
Auf der Hacienda fanden auch zahlreiche Hinrichtungen statt. Ein Arbeiter, der Escobar bestahl, wurde an HĂ€nden und FĂŒĂen gefesselt und zur Unterhaltung der GĂ€ste in einem der Swimmingpools ertrĂ€nkt.[41][42] Der Architekt, welcher den Baufehler und den Einsturz des ersten Stocks in der Villa zu verantworten hatte, wurde erschossen.
Nachdem 2007 RĂ€uber nach legendĂ€ren ReichtĂŒmern suchten und plĂŒnderten, wurde aus der verfallenen Villa ein Freizeitpark âParque TemĂĄtico Hacienda NapolĂ©sâ.[43] Die von Escobar ausgesetzten Flusspferde fĂŒhlen sich im tropischen Regenwaldklima von Kolumbien wohl und vermehren sich stark.[44]
Virginia Vallejo, TV-Journalistin und Moderatorin, war Geliebte von Pablo Escobar von 1983 bis 1987. Sie veröffentlichte 2007 âAmando a Pablo, odiando a Escobarâ (deutsch: Pablo lieben, Escobar hassen),[45] worin sie Escobar mit Politikern wie Alberto Santofimio[46][47] und PrĂ€sidenten Alfonso LĂłpez Michelsen,[48] Ernesto Samper und Ălvaro Uribe VĂ©lez[49] in Verbindung bringt und einen Politskandal in Kolumbien auslöste.
In erbittertem Widerstand gegen ein von der kolumbianischen Regierung beabsichtigtes Gesetz zur Auslieferung von DrogenhĂ€ndlern an die USA fĂŒhrte Escobar an der Spitze der âExtraditablesâ (die Auslieferbaren) Krieg gegen den Staat. Er lieĂ Hunderte von Polizisten, Richtern und StaatsanwĂ€lten ermorden und ĂŒberzog die Hauptstadt BogotĂĄ mit Bombenterror. Ein besonders spektakulĂ€res Bombenattentat legte den Sitz der Tageszeitung âEl Espectadorâ in BogotĂĄ in TrĂŒmmer. Zahlreiche EntfĂŒhrungen von Angehörigen des öffentlichen Lebens in Kolumbien, hĂ€ufig mit tödlichem Ausgang, gingen auf Escobars Konto. FĂŒr seinen eigenen Schutz engagierte er LeibwĂ€chter und unterhielt eine groĂe Zahl von Sicarios (Auftragskillern). Die erbitterte Feindschaft mit der kolumbianischen Polizei erwarb sich Escobar durch ein Kopfgeld von 500-1000 Dollar, das er fĂŒr jeden getöteten Polizisten in MedellĂn aussetzte.
Die Verfolgung Escobars durch den Staat Kolumbien wurde intensiviert, als 1989 der PrĂ€sidentschaftskandidat der liberalen Partei, Luis Carlos GalĂĄn, der fĂŒr den Fall seiner Wahl eine verstĂ€rkte Offensive gegen die Drogenmafia angekĂŒndigt hatte, wĂ€hrend einer Wahlveranstaltung in Soacha, einem Vorort von BogotĂĄ, ermordet wurde.
Nach Friedensverhandlungen erklĂ€rte Escobar 1991 schlieĂlich einen Waffenstillstand und stellte sich der Polizei. Mit seiner Leibwache kam er, wie bei den Verhandlungen ausgemacht, in das eigens von ihm errichtete luxuriöse GefĂ€ngnis La Catedral in der NĂ€he seines Heimatortes Envigado. Nach mehreren Skandalen (unter anderem lieĂ Escobar DrogenhĂ€ndler ins GefĂ€ngnis kommen und dort ermorden) wollte ihn die Regierung in ein anderes GefĂ€ngnis verlegen, woraufhin er die Flucht ergriff.
Escobar starb, als eine US-kolumbianische Elite-Einheit ihn bei einer Razzia in MedellĂn erschoss. An seiner Beerdigung nahmen ĂŒber 20.000 Menschen teil.
In einem Spiegel-Online-Artikel vom 7. November 2009 wird behauptet, Millionen Drogengelder seien auf Bankkonten in Luxemburg, der Schweiz und Panama âverschollenâ.[50] Wie der Luxemburger Staatsanwalt Jean-Paul Frising erklĂ€rte, wurden schon 1989 auf Antrag der US-Behörden Konten mit insgesamt 5 Mio. Euro bei fĂŒnf Luxemburger Banken, darunter BNP, CrĂ©dit Lyonnais und die nicht mehr existente BCCI, eingefroren. Damit der Staat die Gelder endgĂŒltig beschlagnahmen könnte, sei jedoch ein Gerichtsbeschluss aus den USA erforderlich, der die Kontoinhaber des Drogenhandels oder der GeldwĂ€sche fĂŒr schuldig erklĂ€re.[51]
Escobar verĂ€nderte und spaltete den kolumbianischen Staat und schadete nachhaltig dem weltweiten Ansehen des Landes als âNarco-Republikâ Kolumbien.
George Bush erklĂ€rte Escobar damals zum Staatsfeind Nummer Eins.[52] Die Gewaltkultur und die nach Escobars Tod arbeitslosen sicarios[53][54] verschĂ€rften die Sicherheitslage insbesondere in MedellĂn, radikalisierten die Elendsviertel der Stadt und hatten noch lange Auswirkungen. Aus vielen meist minderjĂ€hrigen sicarios, die fĂŒr Escobar oder insbesondere fĂŒr Gacha arbeiteten, wurden spĂ€ter paramilitĂ€rische Milizen der AUC.[55][56]
In MedellĂn wird Escobar vor allem in seinem Heimatviertel Envigado heute noch als Volksheld verehrt. Der FuĂballverein AtlĂ©tico Nacional in MedellĂn verdankt seinen Aufstieg der finanziellen Förderung durch Escobar.[57]
Im April 2003 wurden in einigen Stadtteilen Medellin Wahlkampfplakate mit dem Konterfei von Pablo Escobar gesichtet, ĂŒber die nĂ€heren HintergrĂŒnde dieser Aktion ist nichts bekannt.[58]
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Escobar, Pablo |
| ALTERNATIVNAMEN | Escobar, Pablo Emilio (vollstÀndiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | kolumbianischer Politiker und DrogenhÀndler |
| GEBURTSDATUM | 1. Dezember 1949 |
| GEBURTSORT | Rionegro bei Medellin, Kolumbien |
| STERBEDATUM | 2. Dezember 1993 |
| STERBEORT | MedellĂn, Kolumbien |