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Pablo Escobar

Pablo Emilio Escobar Gaviria, auch „El Doctor“, „El PatrĂłn“ oder „Don Pablo“ genannt, (* 1. Dezember 1949 in Rionegro bei MedellĂ­n; † 2. Dezember 1993 in MedellĂ­n) war ein kolumbianischer DrogenhĂ€ndler. Durch groß angelegten und erstmals in der Kriminalgeschichte industrialisierten Drogenschmuggel wurde er zu einem der reichsten Menschen der Welt. Allgemein wird er als einer der mĂ€chtigsten, rĂŒcksichtslosesten und brutalsten DrogenhĂ€ndler angesehen, die es je gegeben hat.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Eine AtmosphĂ€re der Gewalt prĂ€gte die Jugend Pablo Escobars und begrĂŒndete seine Skrupellosigkeit zur Durchsetzung seiner Ziele.[1] Ihren Ursprung hatte diese AtmosphĂ€re in den ReichtumsverhĂ€ltnissen des Landes zur Zeit um Escobars Geburt: 3% der Bevölkerung - eine reiche Machtelite, die aus gerade einmal zehn wohlhabenden Familien bestand - besaßen 97% der LĂ€ndereien und Rohstoffe Kolumbiens, darunter Bergminen, Ölquellen sowie Kaffee- und Bananenplantagen. Diese ungleiche Verteilung brachte dem Großteil der kolumbianischen Bevölkerung lĂ€hmende Armut[2].

1948 wurde dann der liberale PrĂ€sidentschaftskandidat und Reformer Jorge EliĂ©cer GaitĂĄn erschossen.[3] Dies fĂŒhrte zu einem El Bogotazo genannten Volksaufstand, der vor allem in lĂ€ndlichen Zonen mit großer Vehemenz fortgesetzt wurde, bedingt zum einen durch religiösen Eifer und zum anderen durch Macht- und LandansprĂŒche. Dies mĂŒndete in die sogenannte „Violencia“, einen grausamen BĂŒrgerkrieg zwischen AnhĂ€ngern der liberalen und der konservativen Partei[4][5]. Mit welcher außerordentlichen BrutalitĂ€t hierbei vorgegangen wurde, zeigt unter anderem die Tötungsart der „Kolumbianischen Krawatte“, die zu dieser Zeit erfunden wurde.[6][1]

Leben

Jugend

Pablo Emilio Escobar Gaviria wurde in El de Tablazo/Antioquia[7] als Ă€ltestes von vier Kindern des ViehzĂŒchters Abel de JesĂșs Escobar und der Lehrerin Hermilda GavĂ­ria geboren.[8] Er entstammte aus dem lĂ€ndlichen Mittelstand, seine Familie besaß MilchkĂŒhe und 12 Hektar Land. Die relativ wohlhabenden Rinderfarmen von Frontino und Rionegro waren stets SchauplĂ€tze gewalttĂ€tiger Auseinandersetzungen zwischen liberalen Heereseinheiten und Guerilleros aus den Bergen.[9]

Die Familie zog nach Envigado, dort grĂŒndete Hermilda eine Volksschule. Pablo Escobar schloss sich in Envigado einer nihilistischen Jugendbewegung, dem „Nadaismo“[10], an und begann bereits mit 13 Jahren, kolumbianisches Marihuana zu rauchen. Seine Schule Liceo Lucrecio Jaramillo brach er 1966 aus Protest vorzeitig ab. Escobar konsumierte große Mengen an Softdrinks, Pizza und Fastfood, was zu seinem Übergewicht fĂŒhrte.[11]

Zusammen mit seinem Cousin Gustavo Gaviria verbrachte er seine Jugend auf den Straßen und in den Bars des Rotlichtbezirks JesĂșs-el-Nazareno-Bezirk von MedellĂ­n. Im „Barrio Antioquia“ von Medellin machte er Bekanntschaft mit lokalen UnterweltgrĂ¶ĂŸen, die fĂŒr seine weitere Laufbahn wichtig waren. Der Besitz von Feuerwaffen brachte ihm schnell den Respekt der anderen Banden ein, die damals meist nur mit Messern und Macheten bewaffnet waren. FrĂŒh schloss er sich einer Marihuana-Schmugglerbande an und beteiligte sich an RaubĂŒberfĂ€llen auf der Straße. Ein weiterer Erwerbszweig war der Handel mit geschmuggelten Marlboro-Zigaretten. Nach Aussagen seiner Mutter war er fĂŒr eine ehrliche TĂ€tigkeit ungeeignet, denn er wollte sich schon frĂŒh große Macht aneignen.

Mit 20 Jahren begann er, Autos zu stehlen, um sie zerlegt als Hehlerware zu verkaufen. Kurze Zeit spĂ€ter entfĂŒhrte er mit seiner Bande reiche BĂŒrger und tötete sie oft auch trotz Lösegeldzahlung, um seine Macht zu demonstrieren.

1971 entfĂŒhrte er den beim Volk sehr unbeliebten Industriellen Diego EchavarrĂ­a und erdrosselte ihn nach Erhalt des Lösegeldes.[12] Die EntfĂŒhrung machte ihn in Medellin berĂŒhmt und brachte ihm den Beinamen „El Doctor“ ein.[13]

Mitte der 1970er Jahre wurde der „Marimba“-Marihuanahandel durch die Modedroge Kokain abgelöst.[14] Pioniere in diesem neuen Boom-GeschĂ€ft waren Escobar, die Ochoa-BrĂŒder, Carlos Lehder und JosĂ© Rodriguez Gacha.[12]

Escobar nutzte die ungeahnten Verdienstmöglichkeiten fĂŒr seinen gesellschaftlichen Aufstieg. In den 1970er Jahren baute er ein riesiges Drogenimperium auf. WĂ€hrend seiner besten Jahre soll er bis zu 1,5 Millionen US-Dollar am Tag verdient haben.[15] Er war als der Drogenbaron Kolumbiens bekannt.

Drogenhandel

Escobar zeichnete sich durch Grausamkeit und Skrupellosigkeit aus, die ihn schnell an die Spitze des MedellĂ­n-Kartells brachten.

Obwohl Escobar einmal im Besitz von elf Kilogramm Kokain festgenommen wurde, gab es nie einen Prozess wegen Drogenbesitzes oder Drogenhandels gegen ihn, da der ihn belastende Polizist unter ungeklĂ€rten UmstĂ€nden ums Leben kam. Durch Morddrohungen wurden auch die Richter eingeschĂŒchtert, die den Mordprozess daher nicht noch einmal aufrollten.

1975 lernte Escobar einen wohlhabenden Piloten mit dem Decknamen „Rubin“ aus MedellĂ­n kennen, der fließend Englisch sprach,[16] Miami gut kannte und bereits fĂŒr die Ochoa-BrĂŒder (Alsonso, Jorge und Fabio) arbeitete.[17] „Rubin“ kaufte in Miami Sportflugzeuge und warb weitere Piloten an. Der erste Kokainschmuggler aus MedellĂ­n war Fabio Restrepo, mit dem „Rubin“ 1975 ein bis zwei Lieferungen Kokain (40-60 kg) nach Miami ausflog und einen Gewinn von etwa 40.000 USD erwirtschaftete.[18] Escobar erhielt von Jorge Ochoa die Erlaubnis, unverschnittenes Kokain an Restrepo zu verkaufen. Er ließ Restrepo ermorden und „Rubin“ sowie die Ochoa-BrĂŒder wissen, dass sie fortan fĂŒr ihn arbeiten.[19]

1976 heiratete Escobar die 15-jĂ€hrige MarĂ­a Victoria Henao Vellejo.[20] Mit ihr zeugte er die Kinder Juan Pablo und Manuela. Die Ehe wurde nach eigener Aussage als sehr glĂŒcklich eingeschĂ€tzt, obwohl Escobar seine Frau mit unzĂ€hligen jungen MĂ€dchen betrog. Wurde eines der MĂ€dchen schwanger, wurde sie von Escobars Auftragsmördern getötet.

Jhon Jairo VelĂĄsquez VĂĄsquez, genannt „Popeye“, war engster Vertrauter und Chefkiller Escobars, er tötete auf seinen Befehl ĂŒber 150 Menschen.[21][22] Insgesamt ließ Escobar 30 Richter sowie 457 Polizisten töten und war in den 1980er Jahren fĂŒr eine wöchentliche Mordrate von 20 Toten in MedellĂ­n verantwortlich.

1976 ließ das Departamento Administrativo de Seguridad (DAS) seinen Cousin Gustavo Gaviria verhaften, nachdem er in Miami Kokain abtransportiert hatte. Escobar wurde verhaftet und musste in Itagui eine GefĂ€ngnisstrafe absitzen, wurde aber durch Bestechung kurz danach wieder freigelassen, die DAS-Beamten, die ihn verhaftet hatten, wurden ermordet.[23] Er etablierte damit das kolumbianische „plata o plomo“. Bedeutung: Silber oder Blei, Prinzip: Entweder lĂ€sst du dich bestechen oder es fliegen Bleikugeln (fĂŒr oder gegen ihn).[24]

Weiterhin schuf er folgendes GeschĂ€ftsprinzip: Kokain wurde von unabhĂ€ngigen Pflanzern gewonnen, Escobar kontrollierte den Transport. Erzeuger zahlten dafĂŒr eine Provision von 10 Prozent auf den Großhandelspreis in Miami. Bei Verlust einer Lieferung zahlte Escobar den Lieferanten Ersatz auf den Erzeugerkostenpreis. Die Gewinne lagen bei Weitem ĂŒber den Verlusten der abgefangenen Lieferungen. Escobar erkaufte sich Schutz von den Pflanzern ĂŒber die Verarbeiter bis zu den Distributeuren. Die Transporte wurden hauptsĂ€chlich mit Staffeln von Sportflugzeugen (etwa eine Tonne Fracht) durchgefĂŒhrt, aber auch mit ferngesteuerten Mini-U-Booten, welche bis zwei Tonnen Kokain von der NordkĂŒste Kolumbiens bis nach Puerto Rico transportierten. In der Endphase ließ er 10 Tonnen Kokain in einer umgebauten Boeing 727 in die USA exportieren.

Gacha und Lehder arbeiteten in der Anfangsphase teils fĂŒr Escobar, teils gegen ihn. 1975 wurde eine Kokainlieferung von 600 Kilogramm in einem Flugzeug in Cali abgefangen; diese Maßnahme löste die Ermordung von 40 Personen an einem Wochenende aus, da sich die Organisationen gegenseitig vorwarfen, das GeschĂ€ft gestört zu haben. Der unermessliche Reichtum durch das KokaingeschĂ€ft fĂŒhrte zu einer neuen Gesellschaftsschicht in Kolumbien, die diesen durch Villen, Diskotheken etc. zur Schau trug.

Escobars Schwager Mario Henao, ein linksorientierter Intellektueller, verschaffte Escobar die patriotische Rechtfertigung fĂŒr seinen Drogenhandel,[25] um ein neues, modernes und fortschrittliches Kolumbien aufzubauen.[26] In MedellĂ­n gab Escobar die Zeitung MedellĂ­n CĂ­vico heraus, die sich mit der Glorifizierung seiner Person befasste.[27] Ihm zur Ehre wurde das Viertel Pablo Escobar fĂŒr Wohnungslose erbaut. Escobar stellte sich als großzĂŒgiger Arbeitgeber in MedellĂ­n dar und zahlte dem Personal in den Drogenlabors hohe GehĂ€lter. 1978 wurde Escobar als Abgeordneter in den Stadtrat von MedellĂ­n gewĂ€hlt, die politische ImmunitĂ€t schĂŒtzte ihn vor weiterer Strafverfolgung. Das Diplomatenvisum wurde fĂŒr Reisen seiner Familie nach Miami genutzt.

In Miami erwarb die Familie ebenfalls Luxusvillen und eine 8-Millionen-Dollar Ranch bei Plantation/Florida. Die kolumbianischen Narco-MillionĂ€re und MilliardĂ€re setzten die Tradition der Wohlhabenden fort, die ihre ReichtĂŒmer damals der Sklavenarbeit, des Tabak- und Chinin-Schmuggels, der Landbeschlagnahmung wĂ€hrend der BĂŒrgerkriege, dem Gold- und Smaragdschmuggel verdankten.

1981 stellte Escobar nach der EntfĂŒhrung von Marta Ochoa eine private MAS-Miliz „Muerte a los Secuestradores“ auf.[28] Die GrĂŒndung der MAS-Miliz wurde von 223 DrogenhĂ€ndlern unterzeichnet und durch das Abwerfen von FlugblĂ€ttern ĂŒber einem Fußballstadion bekanntgegeben. Der Zusammenschluss der MAS wird auch als GrĂŒndungsdatum des MedellĂ­n-Kartells gesehen.

1982 ließ sich Escobar als Abgeordneter in den kolumbianischen Kongress wĂ€hlen. Er war Vertreter der liberalen Partei, befand sich auf dem Gipfel seiner PopularitĂ€t und wurde „paisa Robin Hood“[29] genannt.[30] Da er aber öffentlich beschuldigt wurde, mit Drogen zu handeln, war er gezwungen, sein Mandat niederzulegen. Aufgrund seiner Finanzmacht und seiner Verbindungen konnte er sich weiterhin großen Einfluss auf Politik und (bestochene) Politiker sichern.

1983 bot Manuel Noriega dem MedellĂ­n-Kartell Exil und großzĂŒgige Anlagemöglichkeiten fĂŒr das Drogengeld.[31] Nach der Ermordung Rodrigo Lara Bonillas flohen Escobar, Lehder, Gacha und die Ochoa-BrĂŒder nach Panama.

Aus dieser Zeit stammt sein Zitat: „Lieber ein Grab in Kolumbien als eine GefĂ€ngniszelle in den Vereinigten Staaten.“

1984 war er der erfolgreichste KokainhĂ€ndler der Welt, er hatte große Teile des Kokainmarktes unter Kontrolle (80 Prozent in Kolumbien). Seinen grĂ¶ĂŸten Gewinn erarbeitete er sich mit Kokainschmuggel in die USA, wo Kokain etwa dreimal teurer verkauft werden konnte als in Kolumbien. Ein Kilogramm Kokain, sobald es ĂŒber der Grenze war, hatte statt seines ursprĂŒnglichen Wertes von 9000 Dollar nun einen von 30.000 Dollar. Da sein Reinheitsgrad von ursprĂŒnglich 90 Prozent in den USA auf 30 Prozent gestreckt wurde, stieg der Wert auf ĂŒber 90.000 Dollar.

1984 vernichtete die US-amerikanische DEA Escobars großangelegte Kokainlaboratorien Tranquilandia und Vila Coca und beschlagnahmte 14 Tonnen reines Kokain, das bedeutete eine schwere Einbuße fĂŒr das MedellĂ­n-Kartell. Die US-Luftwaffe versprĂŒhte Herbizide auf Kokainpflanzungen in den RegenwĂ€ldern Kolumbiens.[32]

1985 begannen Gacha und Escobar mit der „SĂ€uberung“ des Mittleren Magdalenatals von der FARC-Guerilla. Den Operationen, die durch britische und israelische Söldner unterstĂŒtzt wurden, fielen tausende von Bauern und Feldarbeitern zum Opfer. ParamilitĂ€rische VerbĂ€nde des MedellĂ­nkartells und Heereseinheiten fĂŒgten der FARC, ELN und M-19 im Magdalenatal schwere Verluste zu. Im gleichen Jahr stĂŒrmte die linksgerichtete Untergrundorganisation M-19 (Movimiento 19 de Abril) den Justizpalast von BogotĂĄ, Escobars Beteiligung blieb unklar.[33]

1986 starb der US-Basketballstar Len Bias nach einer KokainĂŒberdosis, das öffentliche Bewusstsein wendete sich gegen die Partydroge und sie wurde geĂ€chtet.[34] Escobar, zuvor als Inbegriff des Zeitgeistes wahrgenommen, wurde von der Weltöffentlichkeit zum Schwerkriminellen erklĂ€rt.

1988 wurde George Bush US-PrÀsident und investierte einen Milliarden-Etat in den Kampf gegen den kolumbianischen Drogenhandel.[35]

1989 war Escobar laut Forbes Magazine mit einem Privatvermögen von 2,7 Milliarden USD der siebtreichste Mann der Welt und kontrollierte 80 Prozent des internationalen Kokainmarktes.[36]

Escobar war auch sozial engagiert: Er finanzierte KrankenhĂ€user, Sozialwohnungen und Schulen und genoss daher unter dem Ă€rmsten Teil der Bevölkerung seiner Heimatstadt MedellĂ­n zum Teil sogar einen guten Ruf. Das Fußballstadion seines Heimatvereins in Envigado wurde mit seinen Geldern erbaut. Escobar grĂŒndete in MedellĂ­n BĂŒro- und Apartmentkomplexe, Diskotheken und zahlreiche Restaurants, noch heute sind seine Spuren sichtbar.[37]

Hacienda NĂĄpoles

1979 kaufte Escobar fĂŒr 63 Millionen USD[24] eine 3.000 Hektar große Ranch bei Puerto Triunfo am RĂ­o Magdalena und machte daraus einen luxuriösen Landsitz.[38]

Der Besitz umfasste einen Flugplatz, einen Hubschrauberlandeplatz, eine Stierkampfarena, sechs Swimmingpools, ein gynĂ€kologisches Untersuchungszimmer, kĂŒnstliche Seen fĂŒr Wasserski und ein komplettes Straßennetz. FĂŒr seinen Zoo auf der Hacienda ließ Escobar Elefanten, BĂŒffel, Löwen, Nashörner, Gazellen, Zebras, Flusspferde, Kamele und Strauße einfliegen. FĂŒr seinen Sohn ließ er Dinosaurierfiguren errichten.

Die Hacienda NĂĄpoles hatte komfortable Schlafgelegenheiten fĂŒr ĂŒber 100 Personen. Der Eingang war mit einem Sportflugzeug geschmĂŒckt, mit dem Escobar seine ersten Kokaintransporte nach MedellĂ­n durchfĂŒhrte.

FĂŒr die Unterhaltung seiner Freunde ließ er kolumbianische Schönheitsköniginnen[39] kommen, welche Striptease vorfĂŒhrten, bei Wettspielen teure Sportwagen gewinnen konnten, sich aber auch DemĂŒtigungen wie einer kompletten Haarrasur, Insekten schlucken oder nackt um die Wette auf BĂ€ume klettern, aussetzen mussten.[40]

Auf der Hacienda fanden auch zahlreiche Hinrichtungen statt. Ein Arbeiter, der Escobar bestahl, wurde an HĂ€nden und FĂŒĂŸen gefesselt und zur Unterhaltung der GĂ€ste in einem der Swimmingpools ertrĂ€nkt.[41][42] Der Architekt, welcher den Baufehler und den Einsturz des ersten Stocks in der Villa zu verantworten hatte, wurde erschossen.

Nachdem 2007 RĂ€uber nach legendĂ€ren ReichtĂŒmern suchten und plĂŒnderten, wurde aus der verfallenen Villa ein Freizeitpark „Parque TemĂĄtico Hacienda NapolĂ©s“.[43] Die von Escobar ausgesetzten Flusspferde fĂŒhlen sich im tropischen Regenwaldklima von Kolumbien wohl und vermehren sich stark.[44]

Virginia Vallejo

Virginia Vallejo, TV-Journalistin und Moderatorin, war Geliebte von Pablo Escobar von 1983 bis 1987. Sie veröffentlichte 2007 „Amando a Pablo, odiando a Escobar“ (deutsch: Pablo lieben, Escobar hassen),[45] worin sie Escobar mit Politikern wie Alberto Santofimio[46][47] und PrĂ€sidenten Alfonso LĂłpez Michelsen,[48] Ernesto Samper und Álvaro Uribe VĂ©lez[49] in Verbindung bringt und einen Politskandal in Kolumbien auslöste.

Verfolgung

Escobars Leiche nach der Schießerei mit der Polizei

In erbittertem Widerstand gegen ein von der kolumbianischen Regierung beabsichtigtes Gesetz zur Auslieferung von DrogenhĂ€ndlern an die USA fĂŒhrte Escobar an der Spitze der „Extraditables“ (die Auslieferbaren) Krieg gegen den Staat. Er ließ Hunderte von Polizisten, Richtern und StaatsanwĂ€lten ermorden und ĂŒberzog die Hauptstadt BogotĂĄ mit Bombenterror. Ein besonders spektakulĂ€res Bombenattentat legte den Sitz der Tageszeitung „El Espectador“ in BogotĂĄ in TrĂŒmmer. Zahlreiche EntfĂŒhrungen von Angehörigen des öffentlichen Lebens in Kolumbien, hĂ€ufig mit tödlichem Ausgang, gingen auf Escobars Konto. FĂŒr seinen eigenen Schutz engagierte er LeibwĂ€chter und unterhielt eine große Zahl von Sicarios (Auftragskillern). Die erbitterte Feindschaft mit der kolumbianischen Polizei erwarb sich Escobar durch ein Kopfgeld von 500-1000 Dollar, das er fĂŒr jeden getöteten Polizisten in MedellĂ­n aussetzte.

Die Verfolgung Escobars durch den Staat Kolumbien wurde intensiviert, als 1989 der PrĂ€sidentschaftskandidat der liberalen Partei, Luis Carlos GalĂĄn, der fĂŒr den Fall seiner Wahl eine verstĂ€rkte Offensive gegen die Drogenmafia angekĂŒndigt hatte, wĂ€hrend einer Wahlveranstaltung in Soacha, einem Vorort von BogotĂĄ, ermordet wurde.

Nach Friedensverhandlungen erklĂ€rte Escobar 1991 schließlich einen Waffenstillstand und stellte sich der Polizei. Mit seiner Leibwache kam er, wie bei den Verhandlungen ausgemacht, in das eigens von ihm errichtete luxuriöse GefĂ€ngnis La Catedral in der NĂ€he seines Heimatortes Envigado. Nach mehreren Skandalen (unter anderem ließ Escobar DrogenhĂ€ndler ins GefĂ€ngnis kommen und dort ermorden) wollte ihn die Regierung in ein anderes GefĂ€ngnis verlegen, woraufhin er die Flucht ergriff.

Escobar starb, als eine US-kolumbianische Elite-Einheit ihn bei einer Razzia in MedellĂ­n erschoss. An seiner Beerdigung nahmen ĂŒber 20.000 Menschen teil.

Drogengelder auf blockierten Bankkonten

In einem Spiegel-Online-Artikel vom 7. November 2009 wird behauptet, Millionen Drogengelder seien auf Bankkonten in Luxemburg, der Schweiz und Panama „verschollen“.[50] Wie der Luxemburger Staatsanwalt Jean-Paul Frising erklĂ€rte, wurden schon 1989 auf Antrag der US-Behörden Konten mit insgesamt 5 Mio. Euro bei fĂŒnf Luxemburger Banken, darunter BNP, CrĂ©dit Lyonnais und die nicht mehr existente BCCI, eingefroren. Damit der Staat die Gelder endgĂŒltig beschlagnahmen könnte, sei jedoch ein Gerichtsbeschluss aus den USA erforderlich, der die Kontoinhaber des Drogenhandels oder der GeldwĂ€sche fĂŒr schuldig erklĂ€re.[51]

Rezeption

Escobar auf einem Plakat unbekannter Herkunft (Medellín, vor den PrÀsidentschaftswahlen 2006)

Politisch

Escobar verĂ€nderte und spaltete den kolumbianischen Staat und schadete nachhaltig dem weltweiten Ansehen des Landes als „Narco-Republik“ Kolumbien.

George Bush erklĂ€rte Escobar damals zum Staatsfeind Nummer Eins.[52] Die Gewaltkultur und die nach Escobars Tod arbeitslosen sicarios[53][54] verschĂ€rften die Sicherheitslage insbesondere in MedellĂ­n, radikalisierten die Elendsviertel der Stadt und hatten noch lange Auswirkungen. Aus vielen meist minderjĂ€hrigen sicarios, die fĂŒr Escobar oder insbesondere fĂŒr Gacha arbeiteten, wurden spĂ€ter paramilitĂ€rische Milizen der AUC.[55][56]

In MedellĂ­n wird Escobar vor allem in seinem Heimatviertel Envigado heute noch als Volksheld verehrt. Der Fußballverein AtlĂ©tico Nacional in MedellĂ­n verdankt seinen Aufstieg der finanziellen Förderung durch Escobar.[57]

Im April 2003 wurden in einigen Stadtteilen Medellin Wahlkampfplakate mit dem Konterfei von Pablo Escobar gesichtet, ĂŒber die nĂ€heren HintergrĂŒnde dieser Aktion ist nichts bekannt.[58]

Filmisch, kĂŒnstlerisch und literarisch

  • Motive von Pablo Escobar werden vom kolumbianischen Maler Fernando Botero gemalt.
  • 2001 wurde Escobar von Cliff Curtis im Film „Blow“ als GeschĂ€ftspartner der Hauptfigur George Jung dargestellt.
  • Mark Bowden schildert die Jagd auf Escobar in seiner Dokumentation „Killing Pablo“. Im History Channel erschien „The True Story of Killing Pablo“ Ein weiterer Dokumentarfilm ist fĂŒr 2009 vorgesehen.
  • 2006 Escobar taucht im Dokumentarfilm Cocaine Cowboys auf.
  • Der Film „Pablo of Medellin“ von Jorge Granier-Phelps stellt Escobar teilweise als Heiligen, teilweise als DĂ€mon dar.
  • Pablo Escobar ist ein Kinofilm vom Regisseur Antoine Fuqua und mit Édgar RamĂ­rez als Hauptdarsteller, welcher 2012 erscheinen wird und auf dem Buch "Mi hermano Pablo" von seinem Bruder Roberto Escobar beruht.[59]
  • Tom Clancy benutzt Escobar in seinem Roman „Das Kartell“ („Clear and Present Danger“) und gleichnamigen Kinofilm fĂŒr seine Figur „Ernesto Escobedo“.
  • In der HBO-Serie Entourage spielt der fiktive Darsteller Vincent Chase (Adrian Grenier) die Hauptrolle in „MedellĂ­n“, einem fiktiven Film ĂŒber das Leben Pablo Escobars.
  • In dem Videospiel Grand Theft Auto: Vice City gibt es einen Flughafen mit dem Namen „Escobar Int. Airport“. Die fiktive Stadt Vice City ist in diesem Spiel ein Drehkreuz des amerikanischen Kokainhandels.

Siehe auch

Literatur

  • Luis Cañón: PabloEscobar: Leben und plötzlicher Tod des Kokainkönigs, 1994, Berlin : Aufbau-Verl.. ISBN 3-351-02422-3.
  • Mark Bowden: Killing Pablo, Berlin-Verlag, 2001. ISBN 3-8270-0164-1.
  • Gabriel GarcĂ­a MĂĄrquez: Nachricht von einer EntfĂŒhrung (Noticia de un secuestro) – ĂŒber Details der Erpressung Escobars gegen den kolumbianischen Staat und die Geschichte der Los Extradictables, 1996, Deutscher Taschenbuch Verlag, 2001, ISBN 978-3-423-12897-1.
  • James Mollison: Escobar: der Drogenbaron, 2010, MĂŒnchen: Heyne. ISBN 978-3-453-67576-6.

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Mark Bowden: Killing Pablo, Berlin-Verlag, 2001, S. 27
  2. ↑ Mark Bowden: Killing Pablo, Berlin-Verlag, 2001, S. 19
  3. ↑ EL BOGOTAZO - 9 DE ABRIL DE 1948 - JORGE ELIECER GAITAN. ColombiaLink.com. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  4. ↑ El Bogotazo. Html.rincondelvago.com. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  5. ↑ 9 de abril de 1948 - El bogotazo. Patriagrande.net. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  6. ↑ Blogger: Inhoudswaarschuwing. Cmcorpkillers.blogspot.com. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  7. ↑ Pablo Escobar naciĂł en 1949, en una pequeña localidad rural llamada El Tablazo, en las proximidades de Antioquia (Colombia)in http://www.pabloescobargaviria.info/index.php?option=com_content&task=view&id=223&Itemid=32
  8. ↑ Luis Cañón Moreno: El PatrĂłn. Vida y muerte de Pablo Escobar. Planeta, SantafĂ© de BogotĂĄ 1994, ISBN 958-614-402-X, S. 304.
  9. ↑ Mark Bowden: Killing Pablo, Berlin-Verlag, 2001, S. 29-30
  10. ↑ Mark Bowden: Killing Pablo, Berlin-Verlag, 2001, S. 30-31
  11. ↑ Mark Bowden: Killing Pablo, Berlin-Verlag, 2001, S. 46-47
  12. ↑ a b Mark Bowden: Killing Pablo, Berlin-Verlag, 2001, S. 36
  13. ↑ The Rise and Fall of Pablo Escobar and the Medellin Cartel. New Criminologist (9. Januar 1998). Abgerufen am 26. Juni 2010.
  14. ↑ LA MAFIA DEL NARCOTRAFICO (PDF). pabloescobargaviria.info. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  15. ↑ The 5 richest criminals of all time - Entertainment. World Financial Blog (18. April 2008). Abgerufen am 26. Juni 2010.
  16. ↑ Mark Bowden: Killing Pablo, Berlin-Verlag, 2001, S. 37
  17. ↑ David P. Thompson: Pablo Escobar, Drug Baron: His surrender, imprisonment, and escape, Studies in Conflict & Terrorism, 1992 in http://www.informaworld.com/smpp/content~content=a789412808&db=all
  18. ↑ Mark Bowden: Killing Pablo, Berlin-Verlag, 2001, S. 38
  19. ↑ Biography - Pablo Escobar on Crime and Investigation Network. Crimeandinvestigation.co.uk (10. September 2009). Abgerufen am 26. Juni 2010.
  20. ↑ Biography of Pablo Escobar. Latinamericanhistory.about.com (2. Dezember 1993). Abgerufen am 26. Juni 2010.
  21. ↑ El narcotraficante Pablo Escobar fue escondido en Nicaragua por sandinistas, dice ex compinche - Radio La PrimerĂ­sima - La Gente - Noticias desde Managua, Nicaragua. Radiolaprimerisima.com. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  22. ↑ Un lugarteniente del narcotraficante Pablo Escobar detalla los lazos del capo de las drogas con Fidel Castro. Libertad Digital (14. August 2005). Abgerufen am 26. Juni 2010.
  23. ↑ Fiestas Y DesĂƂrdenes En CĂĄrcel De ItaguĂ - Archivo - Archivo Digital de Noticias de Colombia y el Mundo desde 1.990. eltiempo.com. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  24. ↑ a b Mark Bowden: Killing Pablo, Berlin-Verlag, 2001, S. 40
  25. ↑ Mark Bowden: Killing Pablo, Berlin-Verlag, 2001, S. 44-45
  26. ↑ Los Jinetes de la CocaĂ­na. Derechos.org. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  27. ↑ Publicado por Ludovikof MartĂ­nez (28. Februar 2004): MartĂ­nez-SolĂ­s, GenealogĂ­a: Pablo Escobar-Gaviria. Genealogia-martinez-solis.blogspot.com. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  28. ↑ frontline: drug wars: thirty years of america's drug war. PBS. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  29. ↑ paisa – Bewohner der kolumbianischen Provinz Antioquia
  30. ↑ Escobar - Pablo Escobar - Archivos periodisticos - UN ROBIN HOOD PAISA. Pabloescobargaviria.info (16. Mai 1983). Abgerufen am 26. Juni 2010.
  31. ↑ Mark Bowden: Killing Pablo, Berlin-Verlag, 2001, S. 67
  32. ↑ Mark Bowden: Killing Pablo, Berlin-Verlag, 2001, S. 65
  33. ↑ Mark Bowden: Killing Pablo, Berlin-Verlag, 2001, S. 77
  34. ↑ Mark Bowden: Killing Pablo, Berlin-Verlag, 2001, S. 63
  35. ↑ Mark Bowden: Killing Pablo, Berlin-Verlag, 2001, S. 62, 91f
  36. ↑ Pablo Escobar (1949–1993). Cocaine.org. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  37. ↑ Pablo Escobar Gaviria - English Biography - Articles and Notes. ColombiaLink.com. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  38. ↑ Escobar - Pablo Escobar - Archivos periodisticos - EL RECUERDO DE LA HACIENDA NÁPOLES. Pabloescobargaviria.info. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  39. ↑ Escobar’s drug demesne up for grabs: ThePost.ie. Archives.tcm.ie (20. August 2006). Abgerufen am 26. Juni 2010.
  40. ↑ Mark Bowden: Killing Pablo, Berlin-Verlag, 2001, S. 43
  41. ↑ Von Philipp Lichterbeck: Die Geschichte: Pablo Escobar: Killer, Staatsfeind, Volksheld - International - Politik - Tagesspiegel. Tagesspiegel.de. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  42. ↑ Mark Bowden: Killing Pablo, Berlin-Verlag, 2001, S. 47
  43. ↑ Kolumbien: Das gruselige Erbe des toten Drogenbarons - Nachrichten Wirtschaft - WELT ONLINE. Welt.de (22. Dezember 2007). Abgerufen am 26. Juni 2010.
  44. ↑ Hippos Invade Colombia. Willmore.net. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  45. ↑ Loving Pablo, Hating Escobar , OFFICIAL WEBSITE. Lovingpablo.com (11. Juli 2008). Abgerufen am 26. Juni 2010.
  46. ↑ Virginia Vallejo OFFICIAL WEBSITE, photos, biography, videos. Virginiavallejo.com. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  47. ↑ Alberto Santofimio convicted in '89 Galan killing (Poorbuthappy in Colombia!). Poorbuthappy.com. Abgerufen am 26. Juni 2010.
  48. ↑ Escobar - Pablo Escobar - Archivos periodisticos - Pasiones clandestinas. Pabloescobargaviria.info. Abgerufen am 26. Juni 2010.
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