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Die Paläolinguistik als Teilgebiet der Sprachwissenschaft bezeichnet "Versuche, linguistische Vorgeschichtsforschung zu betreiben und den Sprachursprung zu entdecken." [1] Sie umfasst die gesamte Entwicklung vom Einsetzen des menschlichen Sprachgebrauchs bis zum Beginn der historischer Überlieferung. Der Begriff taucht bereits 1968 auf. [2]
Inhaltsverzeichnis |
Die Frage danach, wann und wie Sprache erstmals entstanden ist, beschäftigt die Menschen in Europa seit der griechischen Antike. Arens (1969: 18f.) geht auf dieses Thema mehrfach ein, beginnend mit Hinweisen auf Plato, Epikur und Diodor. Aus der Sicht der deutschen Geistesgeschichte kann auch auf Herders Überlegungen hierzu hingewiesen werden (Arens 1969: 123ff.).
Zu den Autoren, die sich mit der Sprachentwicklung vor Einsetzen der historischen Überlieferung befasst haben, gehört August Schleicher, der im Jahr 1853 seine Stammbaumtheorie veröffentlichte. Aufgegeriffen wurde sie von Nikolai Jakowlewitsch Marr in seiner Japhetitentheorie. Ein neuer Vertreter der Paläolinguistik ist Richard Fester. Seit 1995 erscheint die Zeitschrift Mother Tongue, die sich mit der Vorgeschichte der Sprachen befasst.
Die methodischen Probleme der Paläolinguistik liegen auf der Hand: Wenn man über Sprachursprung und -entwicklung in der Zeit, bevor Schriftzeugnisse auftauchen, etwas sagen will, haben solche Versuche einen hypothetischen Charakter. Die historische Linguistik hat jedoch Wege gefunden, aus den bezeugten ältesten Sprachzuständen auf diejenigen zu schließen, die davor gewesen sein können; das Verfahren heißt Rekonstruktion und ist Bestandteil der etymologischen Forschung. Es erlaubt, einigermaßen sichere Rückschlüsse auf die Ursprachen der einzelnen Sprachfamilien zu ziehen. Indogermanisten etwa haben ein Bild davon, wie die nicht bezeugte, aber erschlossene indogermanische Ursprache ausgesehen haben müsste, auch wenn hierbei nicht alles ganz sicher ist.
Umstritten ist, ob die bislang erschlossenen Ursprachen der verschiedenen Sprachfamilien ihrerseits wiederum auf gemeinsame Ursprünge zurückgeführt werden können. Ruhlen (1994) und Renfrew (1995) glauben, diesen Schritt gehen zu können. Sie nehmen an, dass sich alle Sprachen aus einer einzigen Ursprache entwickelt haben (Monoglottogenese oder Monogenese). Zur Unterstützung ihrer Hypothese berufen sie sich zusätzlich auf Erkenntnisse der Humangenetik (Cavalli-Sforza u.a. 1988). [3] Auf eine gemeinsame Ursprache zumindest Europas deuten Untersuchungen zu Gewässer- und Ortsnamen hin (Hamel & Vennemann 2002). Manche Linguisten sehen sich jedoch nicht in der Lage, diesen Argumenten zu folgen, weil sie der Überzeugung sind, dass mit den bekannten Methoden solch weitreichende Schlüsse nicht möglich sind.