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Paradoxon

Paradox ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Paradox (BegriffsklĂ€rung) aufgefĂŒhrt.

Ein Paradox(on) (auch Paradoxie; Plural: Paradoxien oder Paradoxa (von altgriechisch Ï€Î±ÏÎŹÎŽÎżÎŸÎżÎœ, von παρα para ‚gegen‘ und ΎόΟα dĂłxa ‚Meinung, Ansicht‘) ist ein scheinbar[1] oder tatsĂ€chlich unauflösbarer Widerspruch.

Inhaltsverzeichnis

Die Formen des Paradoxons

Es existieren verschiedene logische Formen des Paradoxons:

  1. WidersprĂŒchlichkeit als Folge der Negation von SelbstbezĂŒglichkeit, d. h. wenn eine auf sich selbst anwendbare Aussage negiert wird. Eine solche selbstwidersprĂŒchliche Aussage heißt in der Logik auch Antinomie. Der Nachweis eines solchen Widerspruchs ist eine Retorsion. Ein Beispiel ist das sogenannte LĂŒgner-Paradox des Eubulides:
    • Dieser Satz ist falsch. (Eine solche Aussage ist wahr, wenn sie falsch ist und falsch, wenn sie wahr ist.) Eine besondere Form des selbstbezĂŒglichen Widerspruchs ist der sogenannte performative Widerspruch zwischen propositionalem Gehalt und performativem Gehalt.
  2. In der Rhetorik eine Stilfigur, die in scheinbaren WidersprĂŒchen eine tiefere Wahrheit veranschaulichen will (z. B. Oxymoron). Beispiel: Weniger ist mehr!
  3. PhĂ€nomene und Fragen, die dem menschlichen Verstand bzw. der Intuition widersprechen. Hierzu gehört beispielsweise die alte Frage nach der Endlichkeit bzw. Unendlichkeit von Raum und Zeit. Ein unendliches Universum scheint dem gesunden Menschenverstand ebenso wie ein endliches zu widersprechen („Alles muss doch zu irgendeinem Zeitpunkt begonnen haben“ ≠ „Was war vorher?“). Auch unter den PhĂ€nomenen, welche die moderne Quantenmechanik thematisiert, zeigen viele diese Art von paradoxer Natur.

Davon zu unterscheiden sind scheinbare WidersprĂŒche, die sich bei genauerer Analyse auflösen. Das paradoxe an dieser Art von Paradoxien ist, dass es eigentlich keine sind. Die Analyse scheinbarer Paradoxien, beispielsweise im Rahmen eines Gedankenexperiments, hat schon oft zu wichtigen Erkenntnissen in Wissenschaft, Philosophie und Mathematik gefĂŒhrt. Der Widerspruch besteht dabei oft zwischen der intuitiven und der exakten Lösung. Ein Beispiel hierfĂŒr ist das Ziegenproblem, das logisch und mathematisch exakt lösbar ist, aber der Intuition vieler Menschen, ihrem „gesunden Menschenverstand“ widerspricht.

Einen unauflösbaren Widerspruch nennt man auch Aporie.

Paradoxien in der Logik, Philosophie und Religion

Paradoxien in der Mathematik

Paradoxien in der Spieltheorie, Wirtschaft und Statistik

  • Condorcet-Paradoxon: Die Mehrheit bevorzugt die Option A gegenĂŒber B, und B gegenĂŒber C. Dennoch möchte die Mehrheit lieber C als A.
  • Laffer-Paradoxon: Sinkende SteuersĂ€tze fĂŒhren zu höheren Steuereinnahmen
  • Stage migration: Eine Person, die von einem Ort in einen anderen Ort zieht, erhöht in beiden Orten das Durchschnittseinkommen.
  • Simpson-Paradoxon: Eine Gruppe, die in allen Disziplinen die beste Erfolgsquote hat, ist in der Gesamtbetrachtung nicht am besten.
  • Giffen-Paradoxon: Je teurer das Brot ist, desto mehr wird gekauft.
  • Sankt-Petersburg-Paradoxon: Der zu erwartende Gewinn ist unendlich und doch ist man nur zu einem geringen Einsatz bereit.
  • Bertrand-Paradoxon: Zwei konkurrierende Anbieter können keinen Profit machen.
  • Braess-Paradoxon: Durch KapazitĂ€tserhöhung in einem Netz kann sich die LeistungsfĂ€higkeit verringern.
  • Jevons’ Paradoxon: Die effizientere Nutzung eines Rohstoffes fĂŒhrt letztlich zu einer erhöhten Nutzung dieses Rohstoffes, anstatt sie zu senken.

Paradoxien in politischen Systemen

Bei diesen Paradoxien handelt es sich zum Beispiel um durchaus reale, aber als widersinnig empfundene Folgen eines politischen Systems.

  • Ostrogorski-Paradox: Wahlergebnisse hĂ€ngen entscheidend vom Wahlverfahren ab.
  • Alabama-Paradoxon: Die Erhöhung aller Sitze im Parlament fĂŒhrt bei manchen Parteien zu einer Verringerung.
  • Negatives Stimmgewicht: ZusĂ€tzliche WĂ€hler einer Partei verringern deren Sitze im Parlament.

Paradoxien in der Physik

Der britische Mathematiker und Physiker Roger Penrose unterscheidet in der Physik Paradoxien von Puzzles.[2] Bei Puzzles oder „Z-RĂ€tseln“, wie er sie auch nennt, handele es sich um „verblĂŒffende, aber experimentell unmittelbar belegbare Quantenwahrheiten ĂŒber die Welt, in der wir leben.“ Dazu gehöre unter anderem das sogenannte Einstein-Podolsky-Rosen-Paradoxon: Von einem Ort werden zwei Teilchen in entgegengesetzter Richtung ausgesendet. Beide Teilchen treffen jeweils auf einen Detektor. Trotz des großen Abstandes der Detektoren kann das Messergebnis des einen Detektors unmittelbar und ohne Zeitverzug die Messung des anderen beeinflussen. Penrose sieht in solchen PhĂ€nomenen keine Paradoxien: Letztlich beschreiben diese PhĂ€nomene keinen echten Widerspruch, sondern lediglich eine zwar unanschauliche, aber doch belegbare physikalische Wahrheit. Die Paradoxien oder "X-RĂ€tsel", wie Penrose sie auch nennt, seien zwar quantenphysikalisch ebenso ein „wahrer Bestandteil dieser Welt, erscheinen aber so unplausibel und paradox, dass wir uns strĂ€uben, sie als ‚wirklich‘ wahr hinzunehmen“. Das bekannteste X-RĂ€tsel sei das Paradoxon von Schrödingers Katze: Schrödingers Gedankenspiel von einer in einem verschlossenen Kasten gefangenen Katze, deren Schicksal von der ZufĂ€lligkeit eines radioaktiven Zerfallsprozess abhĂ€ngt. Nach der klassischen Quantenmechanik befĂ€nde sich diese Katze, solange niemand den Kasten öffnet, in einem merkwĂŒrdigen Überlagerungszustand aus "tot" und "lebendig".

Weitere physikalische Paradoxien:

Paradoxien in der Astronomie

Die Paradoxien, die beim Nachdenken ĂŒber das Universum entstehen, haben eine lange Tradition, da sie sich – anders als viele andere wissenschaftlichen Paradoxien – auch schon dem Laien erschließen. Dazu gehört zunĂ€chst die Frage nach der rĂ€umlichen und zeitlichen Endlichkeit bzw. Unendlichkeit des Universums. Der gesunde Menschenverstand kann sich weder das eine noch das andere richtig vorstellen: Wenn das Universum endlich ist – was kommt dahinter? Wenn es einen Anfang hatte – was war vorher? Aber auch ein unendliches Universum kann sich der gesunde Menschenverstand nicht vorstellen, ohne in WidersprĂŒche zu geraten (siehe Antinomien der reinen Vernunft) Dies gilt unabhĂ€ngig davon, wie die Physik diese Fragen löst. Der niederlĂ€ndische KĂŒnstler M. C. Escher hat dieses Paradoxon so formuliert: „Wir können uns nicht vorstellen, dass irgendwo hinter den fernsten Sternen am Nachthimmel der Raum ein Ende haben könnte, eine Grenze, jenseits derer „nichts“ mehr ist. Der Begriff 'leer' sagt uns wohl noch etwas, denn ein Raum kann leer sein, jedenfalls in unserer Vorstellung, aber unsere Einbildungskraft ist unfĂ€hig, den Begriff 'nichts' im Sinne von 'raumlos' zu erfassen.““

Weitere Paradoxien aus der Astronomie:

  • Olberssches Paradoxon: In einem ewigen, unendlichen, unverĂ€nderlichen und gleichmĂ€ĂŸig mit Sternen gefĂŒllten Universum wĂ€re der Himmel so hell wie die OberflĂ€che der Sonne.
  • Fermi-Paradoxon: Möglichkeit auf außerirdische Lebensformen zu treffen.

Paradoxien in der Medizin und Biologie

  • Paradoxon des Plankton: Beim Zusammenleben verschiedener Arten muss eine ökologische Divergenz (ökologische Nische) existieren. Diese ist beim Phytoplankton offensichtlich weitestgehend nicht vorhanden.
  • Graysches Paradoxon: Die Strömungseigenschaften eines schnellen Wales sind besser, als durch die reine Körperform der Tiere möglich ist. Verbesserungen treten durch verschiedene Optimierungen der Hautstruktur auf.
  • Levinthal-Paradox: Problem aus der Molekularbiologie, wie eine AminosĂ€urekette in kurzer Zeit ihren korrekt gefalteten Zustand als Protein findet.
  • Paradoxe Wirkung bei Arzneimitteln und Stimulanzien: Zum beabsichtigten Effekt wird genau die entgegengesetzte Wirkung beobachtet (z. B. Schlafmittel bewirkt Schlaflosigkeit).
  • Adipositas-Paradoxon: Fettleibige Patienten haben bei vielen chronischen Erkrankungen eine höhere Lebenserwartung als normalgewichtige.
  • Peto’s paradox: Mit der Zunahme der Anzahl von Körperzellen sollte die Wahrscheinlichkeit einer malignen Entartung proportional zunehmen, wodurch große SĂ€ugetiere erheblich hĂ€ufiger Krebs entwickeln mĂŒssten als kleine SĂ€uger. TatsĂ€chlich unterscheiden sich die Krebs-HĂ€ufigkeiten bei SĂ€ugetieren nur geringfĂŒgig.

Paradoxien in den Geowissenschaften

Schwanenstein, fĂŒnftgrĂ¶ĂŸter Findling vor der Ostseeinsel RĂŒgen

Eine Vielzahl historischer und aktueller Paradoxien in den Geowissenschaften und resultierende wissenschaftliche Kontroversen gelten als eine wesentliche Triebkraft der wissenschaftlichen Erkenntnis in dem Bereich.[3] Einige Beispiele:

  • Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war die Herkunft und der Transport von Findlingen an ihre Fundorte ein wissenschaftliches Paradox.
  • Paradoxon der schwachen jungen Sonne: Eine vor 3,8 Mrd. Jahren um 25 % geringere Strahlungsleistung der jungen Sonne ist eigentlich unvereinbar mit Hinweisen auf flĂŒssiges Wasser und Leben zu der Zeit.
  • Schneeball Erde: Anscheinend unvereinbare Ablagerungen von eiszeitlichen und tropischen Sedimenten auf vielen Kontinenten lassen eine weitverbreitete und abrupt verschwundene globale Vereisung annehmen.[4]
  • Messinische SalinitĂ€tskrise: Die Herkunft schwer zu deutender Flachwassersedimente am Ozeanboden des Mittelmeeres wurde erst im 20. Jahrhundert geklĂ€rt.
  • MĂŒnchberger Gneismasse Die Herkunft einer hochmetamorphen Gesteinsinsel in völlig andersartiger Umgebung ist nicht abschließend geklĂ€rt.
  • Die Quasikristalle Dan Shechtmans sind insoweit paradox, als sie in einer scheinbar regelmĂ€ĂŸigen, in Wahrheit aber aperiodischen Struktur angeordnet sind. Shechtmans kistallographische Arbeiten wurde von GrĂ¶ĂŸen wie Linus Pauling anfangs fundamental angegriffen und erhielten 2011 den Nobelpreis.

Sprachlich-rhetorische Paradoxien

In der Umgangssprache wird oft die widersprĂŒchliche Wirkung von Paradoxien als rhetorische Stilfigur verwendet.

  • StĂ€rker als der StĂ€rkste
  • DĂŒmmer als der DĂŒmmste
  • Das ist so wahr, dass es nur falsch sein kann.
  • Das Leben ist der Tod, und der Tod ist das Leben.
  • Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei und wĂŒrd er in Ketten geboren!
  • Je mehr es sich verĂ€ndert, desto mehr bleibt es das gleiche.
  • Im RĂŒckschritt liegt der Fortschritt.
  • Nichts ist absolut!
  • Keine Regel ohne Ausnahme (dies ist selbst eine Regel)
  • Wenn jemand den Sinn des Lebens erklĂ€rte, hĂ€tte das Leben seinen Sinn verloren!
  • Die Ewigkeit ist lange, besonders gegen Ende hin!
  • Niemand hat das Recht zu gehorchen. (Hannah Arendt)
  • ... mit ohne Ketchup
  • Das einzig BestĂ€ndige ist die VerĂ€nderung.
  • Wenn man sich klar ausdrĂŒcken will, muss man sich manchmal widersprechen.
  • Umsonst ist der Tod und der kostet das Leben.
  • Das Weizenkorn muss sterben, um zu leben.
  • Je mehr KĂ€se, desto mehr Löcher; je mehr Löcher, desto weniger KĂ€se. → Je mehr KĂ€se, desto weniger KĂ€se
  • Aus der Erfahrung lernen wir, dass der Mensch aus Erfahrungen nicht lernt.
  • Wer will, dass die Welt so bleibt wie sie ist, der will nicht, dass sie (so) bleibt. (Erich Fried)
  • Ich weiß, dass ich nichts weiß. (Sokrates)
  • Wirklichkeitsillusion (Thomas Mann)

Ideologische Paradoxien

Gesellschaftliche Ideologien enthalten in der Praxis oft paradoxe Elemente, vor allem wenn sie mit absolut gesetzten Werten wie Freiheit oder Gleichheit operieren. Beispiele: So werden, um eine „freiheitliche“ Ordnung aufrechtzuerhalten, Maßnahmen eingesetzt, die die Freiheit einschrĂ€nken (z. B. McCarthy-Ära in den USA oder auch die aktuellen Debatten um die EinschrĂ€nkung von BĂŒrgerrechten im Anti-Terror-Kampf). Umgekehrt wurden in kommunistischen Ideologien, um das Ideal der „Gleichheit“ zu erhalten, Systeme etabliert, in denen einige deutlich „gleicher“ waren als andere. Praktisch alle politischen Ideologien, in denen „der Zweck die Mittel heiligt“ beinhalten diese Paradoxie: In der Durchsetzung bestimmter Werte fĂŒr die Zukunft werden die gleichen Werte in der Gegenwart geopfert.

Wie bei vielen Paradoxien entsteht der Widerspruch auch hier durch die Anwendung eines Prinzips (Freiheit, Gleichheit) auf sich selbst und auf die Bedingungen, die dieses Prinzip ermöglichen sollen.

Psychologische Paradoxien

Zu den psychologischen Paradoxien gehören FĂ€lle, in denen Menschen sich genau entgegen der „Logik“ verhalten. Dazu gehört die sogenannte „Sei-spontan-Paradoxie“, wie es hĂ€ufig in Beziehungen zum Ausdruck kommt: Die Erwartung, dass mein GegenĂŒber seine Entscheidungen gefĂ€lligst frei und selbstĂ€ndig treffen soll – und genau damit seine UnselbstĂ€ndigkeit unter Beweis stellen wĂŒrde. Der Wunsch „Sag mir doch öfter mal spontan, dass du mich liebst!“ ist, sobald ausgesprochen, nicht mehr erfĂŒllbar. („Ich liebe dich“ – „Das sagst du jetzt nur wegen meiner Bitte neulich!“).

In den sogenannten paradoxen Interventionen werden psychologische Paradoxien wiederum gezielt eingesetzt, insbesondere dann, wenn das GegenĂŒber (ein Kind zum Beispiel) ein trotziges Verhalten zeigt und auf Aufforderungen bewusst mit dem Gegenteil reagiert. Entsprechend wird in der paradoxen Intervention eine Erwartung geĂ€ußert, deren Gegenteil eigentlich erreicht werden soll.

Ein weiteres Beispiel fĂŒr psychologische Paradoxien sind die sogenannten „gemischten Botschaften“, wenn zwischen dem was gesagt wird und der Art wie es gesagt wird, ein Widerspruch besteht. Beispiel: die „angebaggerte“ Frau, die „Nein“ sagt, dabei aber freundlich lĂ€chelt. In langdauernden Beziehungen können so die von Gregory Bateson beschriebenen sogenannten Double-Bind-Kommunikationsstrukturen entstehen, wenn also zum Beispiel einer der Partner (insbesondere in Eltern-Kind-Beziehungen) dem anderen seine Zuneigung immer mit unbewegter Mimik, emotionsloser Stimme und ohne Körperkontakt versichert.

Auch das Ă€sthetische Paradox der HĂ€sslichkeit lĂ€sst sich den psychologischen Paradoxien zuordnen: Das PhĂ€nomen, dass zum Beispiel auch ein Bild mit einem „hĂ€sslichen“ Motiv auf einer höheren Ebene als schön empfunden werden kann.

Interessant fĂŒr die Wirtschaftswissenschaften sind paradoxe, der objektiven Logik widersprechende ökonomische Entscheidungen, wie sie unter anderem von Allais und Ellsberg untersucht wurden.

Paradoxien als Àsthetisches Motiv in der Wissenschaft

Die AufzĂ€hlung der Paradoxien in den verschiedenen Wissenschaften belegt, dass das Erkennen und Lösen von Paradoxien ein bedeutendes Motiv wissenschaftlicher Arbeit sein kann.[5] Der Mathematiker Roger Penrose drĂŒckte es einmal so aus:

„Paradoxien empfinde ich als ausgesprochen reizvoll. Sie sehen so etwas und versuchen zu verstehen, wie um Himmels Willen könnte das einen Sinn ergeben?! Selbst das ist paradox: Ich habe viel fĂŒr Paradoxien ĂŒbrig, und gleichzeitig will ich sie aus der Welt schaffen!“

– GĂĄbor PaĂĄl: Was ist schön? Ästhetik und Erkenntnis.: S. 205.[6]

Der wissenschafts-Ă€sthetische Reiz von Paradoxien zeigt sich auch daran, dass sich KĂŒnstler wie M. C. Escher von den Paradoxien in der Mathematik und Physik inspirieren ließen. So gab es zeitweise einen engen Austausch zwischen Penrose und Escher: So hat Penrose sich als Mathematiker mit geometrisch „unmöglichen“ Formen befasst. Von ihm stammt unter anderem der berĂŒhmte Tribar. Escher wiederum hat diese Gedanken aufgegriffen und in seinen Grafiken umgesetzt. Auch fĂŒr andere Wissenschaftler und Denker wie Bertrand Russell, Gregory Bateson oder Arthur Koestler waren Paradoxien in ihren unterschiedlichen Facetten ein zentrales Thema.

Paradoxien in der PopulÀrkultur

Großvater-Paradoxon – (Zeitreise): Ein Zeitreisender, der in der Vergangenheit seinen Großvater umbringt, wĂŒrde nicht geboren werden, und könnte daher nie seinen Großvater umgebracht haben.

Im Monty-Python-Film Das Leben des Brian findet sich folgendes Paradoxon: Brian wird, zu seinem Unwillen, von einer wachsenden Menschenmenge fĂŒr den Messias gehalten. Um sie von diesem Glauben abzubringen, hĂ€lt er eine kleine Ansprache:

Brian: Ihr habt das ganz falsch verstanden. Ihr braucht mir nicht zu folgen. Ihr braucht niemandem zu folgen! Ihr mĂŒsst selber denken! Ihr seid lauter Individuen.
Die Menge (einstimmig): Ja, wir sind lauter Individuen!
Brian: Ihr seid alle verschieden.
Die Menge (einstimmig): Ja, wir sind alle verschieden!
Worauf aus der Menge eine einzelne Stimme sagt: Ich nicht.

In dem Roman 'Per Anhalter durch die Galaxis' von Douglas Adams wird der Babelfisch, mit dessen Hilfe man alle Sprachen des Universums verstehen kann, als Beweis fĂŒr die Nichtexistenz Gottes angefĂŒhrt. Auf die Unwahrscheinlichkeit der Entstehung des Babelfischs durch pure Evolution wurden kluge Denker aufmerksam und bewiesen mit Hilfe dieses Fisches, dass es Gott nicht geben kann:

„Ich weigere mich zu beweisen, dass ich existiere“ sagt Gott, „Denn ein Beweis ist gegen den Glauben, und ohne Glauben bin ich nichts.“
„Aber,“ sagt der Mensch, „der Babelfisch ist doch eine unbewusste Offenbarung, nicht wahr? Er hĂ€tte sich nicht zufĂ€llig entwickeln können. Er beweist, dass es dich gibt, und darum gibt es dich, deiner eigenen Argumente zufolge, nicht. Quod erat demonstrandum.“
„Ach du lieber Gott“ sagt Gott, „daran habe ich nicht gedacht“ und löste sich prompt in ein Logikwölkchen auf.
„Na, das war ja einfach“ sagt der Mensch, und beweist, weil's gerade so schön war, dass Schwarz gleich Weiß ist und kommt wenig spĂ€ter auf einem Zebrastreifen ums Leben.

Siehe auch

Quellen

  1. ↑ Duden: Die Rechtschreibung. 19. Auflage 1986
  2. ↑ Roger Penrose (1995): Schatten des Geistes, S. 297 f.
  3. ↑ Ueli Briegel, Wenjiao Xiao: Paradoxes in Geology. Elsevier 2001, ISBN 978-0-444-50560-6.
  4. ↑ Evans D.A.D.: Stratigraphic, geochronological, and paleomagnetic constraints upon the Neoproterozoic climatic paradox. Tectonics 16 (1), 1997, S. 161–171, Abstract (PDF, 60 KB)
  5. ↑ GĂĄbor PaĂĄl: Was ist schön? Ästhetik und Erkenntnis. WĂŒrzburg 2003, S. 194–206. ISBN 3-8260-2425-7.
  6. ↑ GĂĄbor PaĂĄl: Was ist schön? Ästhetik und Erkenntnis. WĂŒrzburg 2003, ISBN 3-8260-2425-7.

Literatur

  • Michael Clark: Paradoxes from A to Z. Routledge, London 2. Aufl. 2007, ISBN 0-415-42082-2.
  • Paul Geyer (Hrsg.): Das Paradox, Stauffenburg-Colloquium, 21, Stauffenburg-Verl., TĂŒbingen 1992, ISBN 3-923721-78-1, bes. Heinrich Plett: Das Paradoxon als rhetorische Kategorie. S. 89–104.
  • Roland HagenbĂŒchle, Paul Geyer (Hrsg.): Das Paradox. Eine Herausforderung des abendlĂ€ndischen Denkens. WĂŒrzburg: Königshausen & Neumann, 2002, ISBN 3-8260-2345-5.
  • Richard M. Sainsbury: Paradoxien. Reclam, Stuttgart, 1993. Erw. Ausgabe 2001, ISBN 3-15-018135-6.
  • Raymond M. Smullyan: Das Buch ohne Titel – Eine Sammlung von Paradoxien und LebensrĂ€tseln. Vieweg, Wiesbaden, 1983, ISBN 3-528-08485-5.

Weblinks

 Commons: Paradox â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Paradoxon â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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