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Parapsychologie

Die Parapsychologie (von griech. παρα-, para, „neben“ und ÏˆÏ…Ï‡ÎżÎ»ÎżÎłÎŻÎ±, psychologĂ­a, „Seelenkunde“) versteht sich selbst als wissenschaftlicher Forschungszweig, der angebliche psychische FĂ€higkeiten und ihre Ursachen sowie ein mögliches Leben nach dem Tod untersucht. Die Mehrheit der Wissenschaftler sieht die Existenz solcher PhĂ€nomene als unbewiesen an[1][2] und bezeichnet daher die Parapsychologie als eine Pseudowissenschaft.[3]

Die parapsychologischen Experimente benutzten Zufallsgeneratoren (sogenannte „Schmidtmaschinen“[4]) fĂŒr den Versuch, Psychokinese und PrĂ€kognition nachzuweisen. Mit Sensorischer Deprivation und Ganzfeld-Versuchen wird die Möglichkeit außersinnlicher Wahrnehmung untersucht. In den Vereinigten Staaten spielten diese Tests in der Vergangenheit eine Rolle bei dem BemĂŒhen der Geheimdienste, außersinnliche Wahrnehmung fĂŒr Spionagezwecke einzusetzen.[5] Parapsychologische Experimente werden nur an wenigen Orten auf der Welt systematisch durchgefĂŒhrt, so an einigen UniversitĂ€ten und privat finanzierten Instituten.[6][7]

Inhaltsverzeichnis

Terminologie

Die Bezeichnung „Parapsychologie“ wurde 1889 von dem Psychologen Max Dessoir in einem Beitrag in der theosophischen Zeitschrift Sphinx eingefĂŒhrt. Dessoir erlĂ€uterte die Wortwahl folgendermaßen: „Bezeichnet man ... mit Para – etwas, das ĂŒber das Gewöhnliche hinaus oder neben ihm hergeht, so kann man vielleicht die aus dem normalen Verlauf des Seelenlebens heraustretenden Erscheinungen parapsychische, die von ihnen handelnde Wissenschaft „Parapsychologie“ nennen. 
Das Wort ist nicht schön, aber es hat meines Erachtens den Vorzug, ein bisher noch unbenanntes Grenzgebiet zwischen dem Durchschnitt und den abnormen, pathologischen ZustĂ€nden kurz zu kennzeichnen.“[8] Zu den zwischen den pathologischen ZustĂ€nden und den normalen ZustĂ€nden des Seelenlebens angesiedelten Erscheinungen gehörten zunĂ€chst vor allem die PhĂ€nomene des Mesmerismus wie Hypnose und animalischer Magnetismus.[9] Joseph Banks Rhine griff den Ausdruck „Parapsychologie“ in den 1930ern als Ersatz fĂŒr den Begriff psychical research auf, um die Betonung auf Laborforschung und wissenschaftliche Methodik hervorzuheben.[10] Parapsychologen bezeichnen die parapsychischen PhĂ€nomene, denen sie nachspĂŒren, mit dem griechischen Buchstaben ψ (= Psi), dem ersten Buchstaben des Wortes Psyche.[11]

Geschichte

FrĂŒhe Forschung

Der amerikanische Psychologe und Philosoph William James (1842–1910) gehörte mit zu den frĂŒhen Forschern auf dem Gebiet der Parapsychologie.
Die Geschichte der Parapsychologie begann 1862 mit der GrĂŒndung des Ghost Club in England, der es sich zur Aufgabe machte, Geistererscheinungen zu untersuchen.[12] 20 Jahre spĂ€ter, also 1882, wurde die Society for Psychical Research (SPR) in London gegrĂŒndet. Die SPR war der erste systematische Versuch, Wissenschaftler und Gelehrte in einer Organisation zu versammeln, um eine kritische und nachhaltige Erforschung paranormaler PhĂ€nomene zu gewĂ€hrleisten. Zu den frĂŒhen Mitgliedern der SPR gehörten Philosophen, Gelehrte, Wissenschaftler, PĂ€dagogen und Politiker wie Henry Sidgwick, Arthur Balfour, William Crookes, Rufus Osgood Mason und Charles Richet.[13]

Die SPR teilte ihre ForschungsgegenstĂ€nde in verschiedene Klassen ein: Telepathie, Hypnose, Reichenbachs Lebenskraft Od, Geistererscheinungen und die parapsychologischen BegleitphĂ€nomene des Spiritismus wie das TischerĂŒcken und Materialisationen. Eine der ersten gemeinsam vollbrachten Leistungen war die „Erhebung ĂŒber SinnestĂ€uschungen“ (Census of Hallucinations), die Geistererscheinungen und SinnestĂ€uschungen bei Gesunden untersuchte. Diese Erhebung war der erste Versuch der SPR, mittels statistischer Methoden paranormale PhĂ€nomene zu erfassen, und die daraus 1886 hervorgegangene Publikation „Erscheinungen Lebender“ (Phantasms of the Living) wird immer noch hĂ€ufig in der parapsychologischen Literatur zitiert.

Die SPR wurde zum Vorbild fĂŒr Ă€hnliche Gesellschaften in anderen europĂ€ischen LĂ€ndern und in den Vereinigten Staaten im spĂ€ten 19. Jahrhundert. Vor allem auf Betreiben durch William James wurde die American Society for Psychical Research (ASPR) in New York 1885 gegrĂŒndet.[14]

Carl Freiherr du Prel
In Deutschland grĂŒndeten 1886 Albert Freiherr von Schrenck-Notzing und Carl du Prel die Psychologische Gesellschaft in MĂŒnchen. Sie fĂŒhrte Untersuchungen zur Hypnose und zur Telekinese durch. Vor allem die gut dokumentierten Telekineseversuche in den 1920er und 1930er Jahren an der MĂŒnchener UniversitĂ€t, die Schrenck-Notzing im Beisein von Ärzten und Prominenten vorfĂŒhrte, machten die Parapsychologie in Deutschland bekannt. Bei diesen Versuchen mussten sich die Versuchspersonen vor den Tests im Beisein von Beobachtern entkleiden und umziehen und wurden bei den Versuchen oft in KĂ€fige eingesperrt und an HĂ€nden und FĂŒĂŸen festgehalten.

Bevor ungewöhnliche Effekte beobachtet werden konnten, gingen oft Stunden des Wartens voraus, in denen die Versuchspersonen in eine tiefe Trance mit lebhaften körperlichen Begleitsymptomen fielen. Die „telekinetischen“ PhĂ€nomene zeigten sich dann in Form einer Spieluhr, die von selbst zu spielen begann und danach auf Zuruf des Versuchsleiters vom Medium wieder angehalten oder neu gestartet werden konnte. Von emporschwebenden TaschentĂŒchern wurde auch berichtet. Nach solchen VorfĂŒhrungen wurden die GegenstĂ€nde von den Zeugen inspiziert. Dem Medium selbst waren phosphoreszierende ArmbĂ€nder und Leuchtpunkte auf die Kleidung befestigt worden, um auch bei geringer Helligkeit mögliche TĂ€uschungsversuche erkennen zu können. Als Besonderheit dieser Trance wird ihre erotische Komponente angemerkt: Es kam mitunter zu SamenergĂŒssen des Mediums wĂ€hrend der Trance, was bei der nachfolgenden Kleiderkontrolle bemerkt wurde.[15] Der Schriftsteller Thomas Mann war als prominenter Zeuge bei den telekinetischen VorfĂŒhrungen Schrenck-Notzings mit dem Medium Rudi Schneider dabei und verarbeitete seine Erfahrungen in dem Roman Der Zauberberg.[16]

Bei der Kriminalpolizei wurden ab 1919 „Telepathen“ zur AufklĂ€rung von Verbrechen eingesetzt, um daraus RĂŒckschlĂŒsse ĂŒber den möglichen Einsatz von Medien bei der Ermittlungsarbeit zu gewinnen: „Landesweite Schlagzeilen machte beispielsweise im Sommer 1921 die Frankfurter WahrtrĂ€umerin Minna Schmidt. Sie hatte im Fall eines Doppelmordes an zwei BĂŒrgermeistern in Heidelberg den spĂ€teren Fundort der Leichen bestimmt ..., was zum Thema fĂŒr große Feuilletons ... wurde.“[17] In der ĂŒberwiegenden Mehrheit der FĂ€lle, in denen Kriminaltelepathen eingesetzt wurden, konnten diese jedoch nichts zur VerbrechensaufklĂ€rung beitragen. Auch der Parapsychologe Hans Bender kam zu der Schlussfolgerung, dass die Angaben von Hellsehern vielleicht „parapsychologisch interessant“ seien, aber „fĂŒr die Ermittlung nutzlos“. Sogar „gemeingefĂ€hrlich“ sei es, wenn selbsternannte „okkulte Detektive“ sich einmischten.[17]

Der französische Arzt Charles R. Richet forschte systematisch auf dem Gebiet der Parapsychologie; vor allem untersuchte er spiritistische Sitzungen, war aber auch der erste, der die statistische Methode 1895 in die Parapsychologie eingefĂŒhrt hat. 1919 wurde in Frankreich das Institut MĂ©tapsychique International gegrĂŒndet.[18] Die ersten Forschungen fanden statt mit dem Medium Franek Kluski, dem nachgesagt wurde, Tiere und menschliche Formen materialisieren zu können.[19] In den Niederlanden wurde 1920 die Studievereiniging voor Psychical Research[20] gegrĂŒndet, die ab 1921 die Zeitschrift Mededeelingen der Studievereiniging voor Psychical Research (MSPR) herausgab. 1928 begrĂŒndeten Paul Dietz, Wilhelm Heinrich Carl Tenhaeff und Emil Wegelin die unabhĂ€ngige Tijdschrift voor Parapsychologie (TP).[21]

Die Ära J. B. Rhine

FrĂŒhe parapsychologische Forschung arbeitete mit Zenerkarten in Laborversuchen, um telepathische FĂ€higkeiten nachzuweisen.

1911 wurde die Stanford-UniversitĂ€t zur ersten akademischen Institution in den Vereinigten Staaten, in der außersinnliche Wahrnehmung und Psychokinese im Labor erforscht wurden. 1930 wurde die Duke-UniversitĂ€t in Durham zur zweiten grĂ¶ĂŸeren akademischen Institution, die sich um die Erforschung von außersinnlicher Wahrnehmung und Psychokinese im Labor bemĂŒhte. Unter der Anleitung des Psychologen William McDougall und mit Hilfe anderer, darunter die Psychologen Karl Zener, Joseph B. Rhine und Louisa E. Rhine, begann die Laborforschung zur außersinnlichen Wahrnehmung. Als Versuchspersonen wurden freiwillige Studenten herangezogen. Im Gegensatz zu den AnsĂ€tzen der SPR und der ASPR, die versuchten, durch qualitative Belege die Existenz paranormaler PhĂ€nomene zu bekrĂ€ftigen, stĂŒtzte man sich an der Duke-UniversitĂ€t auf quantitative Methoden. In Zenerkarten-Tests zum Nachweis außersinnlicher Wahrnehmung und WĂŒrfelversuchen zum Nachweis von Psychokinese wurden Ergebnisdaten erhoben, die dann mit Hilfe standardisierter statistischer Methoden ausgewertet werden konnten. Diese Verfahren wurden spĂ€ter von Forschern in der ganzen Welt ĂŒbernommen.[14]

Durch Rhines Buch Neuland der Seele („New Frontiers of the Mind“) im Jahre 1937 wurde die Laborforschung in Durham in eine breite Öffentlichkeit getragen. Rhine grĂŒndete innerhalb der Duke-UniversitĂ€t ein selbstĂ€ndiges parapsychologisches Labor und rief die Zeitschrift Journal of Parapsychology ins Leben, die er zusammen mit William McDougall herausgab.[14]

Die parapsychologischen Experimente an der Duke-UniversitĂ€t stießen auf viel Kritik von Seiten akademischer Psychologen, welche die Vorgehensweisen angriffen und die Existenz von außersinnlicher Wahrnehmung bestritten. Rhine und seine Mitarbeiter versuchten der Kritik durch neue Verfahren, Experimente und Studien zu entgegnen. Sie stellten sowohl Kritik wie auch ihre Entgegnungen in dem Buch Extra-Sensory Perception After Sixty Years ausfĂŒhrlich dar.[22] Diese Studie enthĂ€lt die erste Meta-Analyse in der Wissenschaftsgeschichte, was ihren besonderen Wert ĂŒber die parapsychologische Thematik hinaus ausmacht.[23][24] Als Rhine 1965 in den Ruhestand ging, wurden die Verbindungen zwischen der UniversitĂ€t und der Parapsychologie aufgekĂŒndigt, spĂ€ter grĂŒndete Rhine aber die Foundation for Research on the Nature of Man (FRNM) und das Institute for Parapsychology als Nachfolgeinstitute des Labors an der Duke-UniversitĂ€t.[14] 1995, zum 100. Geburtstag J. B. Rhines, wurde das FRNM umbenannt in das Rhine Research Center. Heute ist das Rhine Research Center ein parapsychologisches Forschungsinstitut, das sich laut eigenen Angaben bemĂŒht, die „Tiefe, Weite und die Möglichkeiten des menschlichen Bewusstseins“ auszuloten.[25]

Vermehrtes wissenschaftliches Interesse

In Deutschland wurde 1950 das Institut fĂŒr Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg im Breisgau von dem Parapsychologen Hans Bender gegrĂŒndet. Schwerpunkte waren damals die Erforschung von SpukfĂ€llen sowie Laborversuche zu außersinnlicher Wahrnehmung und Psychokinese. Heute beschĂ€ftigt sich das Institut „mit der systematischen und interdisziplinĂ€ren Erforschung von bisher unzureichend verstandenen PhĂ€nomenen und Anomalien an den Grenzen unseres Wissens. Dazu zĂ€hlen verĂ€nderte BewusstseinszustĂ€nde und Erfahrungsbereiche, psychophysische Beziehungen sowie deren soziale, kulturelle und historische Kontexte aus den Perspektiven von Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften.“[26]

Die Parapsychologische Vereinigung („Parapsychological Association“, abgekĂŒrzt PA) wurde in Durham, North Carolina am 19. Juni 1957 gegrĂŒndet. Ihre Bildung wurde durch J. B. Rhine bei einer Tagung im Parapsychologischen Labor der Duke-UniversitĂ€t angeregt. Rhine wĂŒnschte sich, dass die Vereinigung zum Keim einer internationalen professionellen Gesellschaft der Parapsychologie werde. Das Ziel der Vereinigung war laut der Satzung, dass „die Parapsychologie zu einer Wissenschaft aufsteigt, neue Erkenntnisse in ihrem Bereich verbreitet und die Entdeckungen mit den Erkenntnissen anderer Wissenschaftsbereiche verknĂŒpft“.[27]

1969 wurde die Parapsychologische Vereinigung in die American Association for the Advancement of Science (AAAS) aufgenommen, der grĂ¶ĂŸten wissenschaftlichen Gesellschaft weltweit.[28] Zehn Jahre spĂ€ter verlangte der Physiker John A. Wheeler, dass die AAAS die weitere Mitgliedschaft der Parapsychologischen Vereinigung ĂŒberprĂŒfen mĂŒsse mit der BegrĂŒndung, die Parapsychologie sei eine Pseudowissenschaft.[29] Wheeler scheiterte jedoch mit seinem Versuch, die Parapsychologische Vereinigung aus der AAAS auszuschließen. Heute besteht die Parapsychologische Vereinigung aus 109 Vollmitgliedern weltweit und ist weiterhin Mitglied in der American Association for the Advancement of Science (AAAS).[30][31]

Die 1970er: Dekade intensiver Forschung

Die Verbindung der Parapsychologischen Gesellschaft mit der American Association for the Advancement of Science zusammen mit einer allgemeinen Offenheit fĂŒr parapsychologische und okkulte PhĂ€nomene in den 1970ern löste eine Dekade intensiver parapsychologischer Forschung aus. Aus dieser Dekade gingen weitere Organisationen wie die Academy of Parapsychology and Medicine (1970), das Institute of Parascience (1971), die Academy of Religion and Psychical Research, das Institute of Noetic Sciences (1973), die International Kirlian Research Association (1975) und das Princeton Engineering Anomalies Research Laboratory (1979) hervor.

Der Bereich der ForschungsgegenstĂ€nde wechselte und erweiterte sich. WĂ€hrend die Hypnose - ursprĂŒnglich ein rein parapsychologischer Forschungsgegenstand - zunehmend wissenschaftlich anerkannt und in das Forschungsfeld der Psychologie integriert wurde, kamen neue Forschungsfelder hinzu. So fĂŒhrte der Psychiater Ian Stevenson seine umstrittenen Untersuchungen zur Reinkarnation durch und die Psychologin Thelma Moss studierte die Kirlianfotografie im parapsychologischen Labor der UniversitĂ€t Los Angeles. Karlis Osis fĂŒhrte Versuche zu außerkörperlichen Erfahrungen durch und der Physiker Russell Targ prĂ€gte den Begriff remote viewing (Fernwahrnehmung) fĂŒr seine Psi-Versuche 1974.

Andreas Resch aus Österreich wurde ab 1969 Professor fĂŒr „Klinische Psychologie und Paranormologie an der Accademia Alfonsiana, PĂ€pstliche LateranuniversitĂ€t Rom“.[32] Resch grĂŒndete 1980 in Innsbruck das Institut fĂŒr Grenzgebiete der Wissenschaft (IGW) und bemĂŒhte sich um eine neue Systematik der Erforschung paranormaler Effekte unter dem Begriff Paranormologie.[33]

Das rege Interesse an parapsychologischen PhĂ€nomenen dauerte in den 1970er fort bis in die 1980er Jahre. Ende der 1980er Jahre meldete die Parapsychologische Vereinigung, dass ihre Mitglieder aus mehr als 30 Nationen kommen. ZusĂ€tzlich wurde parapsychologische Forschung außerhalb der Parapsychologischen Vereinigung im Ostblock und in der frĂŒheren Sowjetunion betrieben. Intensiv wurden hier die angeblichen psychokinetischen FĂ€higkeiten des Medium Nina Kulagina erforscht.[34][35][36]

Die Parapsychologie in der Gegenwart

Im Vergleich zu den 1970ern hat die parapsychologische Forschung in der Gegenwart weltweit betrĂ€chtlich abgenommen.[37] Einerseits konnte die quantitative Forschung nicht die Beweiskraft aufbringen, die von ihr erwartet wurde. Andererseits erwiesen sich einige scheinbar paranormale Effekte wie zum Beispiel die Kirlianfotografie unter strengeren Versuchsbedingungen als naturwissenschaftlich erklĂ€rbar. Viele UniversitĂ€ten schlossen ihre parapsychologischen Abteilungen. So wurde der einzige parapsychologische Lehrstuhl in Deutschland an der UniversitĂ€t Freiburg mit dem Tod von Johannes Mischo 2001 aufgehoben. In den Niederlanden wurde der ursprĂŒnglich weltweit erste Lehrstuhl fĂŒr Parapsychologie an der UniversitĂ€t Utrecht aufgelöst, den Wilhelm Heinrich Carl Tenhaeff, Sybo van Shouten und der Physiker Dick Bierman innehatten. Letzterer lehrt derzeit an der UniversitĂ€t Amsterdam.[38][39] In den Vereinigten Staaten wurde parapsychologische Forschung zunehmend von privaten Institutionen außerhalb der UniversitĂ€ten betrieben, finanziert durch Sponsoren und private Geldgeber. Nach 28 Jahren Forschung schloss auch eines der letzten universitĂ€r angebundenen Laboratorien, das Princeton Engineering Anomalies Research Laboratory (PEAR) 2007 mit der Emeritierung von Robert G. Jahn.[40][37]

Zwei UniversitĂ€ten in den Vereinigten Staaten haben immer noch parapsychologische Forschungseinrichtungen: Die UniversitĂ€t von Virginia mit einer Abteilung fĂŒr Wahrnehmungsstudien in dem Fachbereich Psychiatrie[41] und die UniversitĂ€t von Arizona mit dem Veritas Laboratory.[42] Verschiedene private Einrichtungen wie das Institute of Noetic Sciences[43] betreiben und fördern parapsychologische Forschung.

In Großbritannien wurde durch Robert L. Morris[44] an der Koestler Parapsychology Unit der UniversitĂ€t Edinburgh[45] viele Forschungsprojekte an verschiedenen britischen UniversitĂ€ten[37] angeregt. So existiert die parapsychologische Forschungsgruppe an der Hope-UniversitĂ€t in Liverpool,[46] die Abteilung „Bewusstsein und Transpersonale Psychologie“ an der John-Moores UniversitĂ€t Liverpool[47] das „Zentrum fĂŒr das Studium anomaler psychologischer Prozesse“ an der UniversitĂ€t Northampton[48] und die Anomalistische Psychologie-Forschungseinheit an der Goldsmiths-UniversitĂ€t in London.[49]

In Deutschland wird parapsychologische Forschung heute neben dem Institut fĂŒr Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) noch unter der Leitung von Walter von Lucadou an der auch durch das Land Baden-WĂŒrttemberg geförderten Parapsychologischen Beratungsstelle in Freiburg betrieben, die ein Beratungsangebot fĂŒr Menschen anbietet, die behaupten, ungewöhnliche, paranormale, okkulte oder unerklĂ€rliche Erfahrungen gemacht zu haben.[50]

Parapsychologische Forschung ist zu einem kleinen Teil auch in andere Unterdisziplinen der Psychologie aufgegangen. Das betrifft nicht nur die bereits angefĂŒhrte Hypnose, sondern auch die Transpersonale Psychologie, die sich mit spirituellen Aspekten des menschlichen Bewusstseins befasst, und die anomalistische Psychologie, die paranormalen Überzeugungen und subjektiven anomalistischen Erfahrungen mit traditionell psychologischen Methoden nachgeht.[51]

Forschung

Untersuchungsgebiet

Parapsychologen untersuchen eine Anzahl scheinbar paranormaler PhĂ€nomene, einschließlich, aber nicht begrenzt auf:

  • Telepathie: Übertragung von Informationen durch Gedanken oder GefĂŒhle zwischen Menschen ohne dabei irgendwelche Hilfsmittel der klassischen fĂŒnf Sinne zu verwenden.
  • PrĂ€kognition: Empfangen oder wahrnehmen von Informationen zukĂŒnftiger Ereignisse, bevor diese eintreten und ohne dass sie aus den Möglichkeiten der Vergangenheit oder Gegenwart extrapoliert werden können.
  • Hellsehen: Das Erhalten von Informationen ĂŒber Begebenheiten oder Ereignisse an entfernten Orten mithilfe bisher unbekannten Mitteln.
  • Psychokinese und Spuk: Die FĂ€higkeit, materielle oder physikalische Prozesse mithilfe bisher unbekannten Mitteln zu beeinflussen.
  • Reinkarnation: Die Wiedergeburt der Seele oder eines anderen nichtkörperlichen Aspekts des menschlichen Bewusstseins in einem neuen Körper nach dem Tod.
  • Geistererscheinungen: PhĂ€nomene, die oft in Verbindung gebracht werden mit Gespenstern und an Orten geschehen, die ein Verstorbener hĂ€ufig aufgesucht hat oder an Orten, an denen ein Verstorbener zuvor gelebt hat.

Diese Bestimmungen mĂŒssen nicht exakt ihren tatsĂ€chlichen Gebrauch in den normalen Wissenschaften, noch die Meinungen aller Parapsychologen und ihrer Kritiker wiedergeben. Viele Kritiker zum Beispiel meinen, dass Parapsychologen sich um die Untersuchung von scheinbar paranormalen PhĂ€nomenen bemĂŒhen, die unter strengen Experimentalbedingungen sich von selbst auflösen und daher ganz normale Erscheinungen sind.

Die Parapsychologische Vereinigung betont, dass Parapsychologen nicht alle angeblich paranormalen PhÀnomene untersuchen, so beschÀftigen sie sich nicht mit Astrologie, Ufos, Yetis, Heidentum, Vampiren, Alchemie oder Hexerei.[52]

Methoden

Parapsychologen benutzen qualitative Methoden wie sie auch in der traditionellen Psychologie und der Feldforschung angewendet werden (zum Beispiel das Platz-Experiment), aber auch quantitativ-statistische, empirische Methoden, die vor allem auf der Wahrscheinlichkeitsrechnung aufbauen. Zu den eher umstrittenen Methoden gehören die Metaanalysen zum Nachweis von Psi.[37]

Feldforschung

Spuk

Die parapsychologische Beratungsstelle in Freiburg richtet ihr besonderes Augenmerk auf ungewöhnliche Erfahrungen mit Spuk und Poltergeist-PhĂ€nomenen. Sie wird von Menschen konsultiert, die scheinbar unerklĂ€rliche VorgĂ€nge erleben. Durch Untersuchungen vor Ort soll festgestellt werden, ob eine ErklĂ€rung fĂŒr die beobachteten PhĂ€nomene zu finden ist. So wurde beispielsweise ein „sprechender Wasserkessel“ untersucht, mit der Schlussfolgerung, dass ein stark einstrahlender Radiosender das Metall zum Vibrieren und damit zum Sprechen brachte, Ă€hnlich wie eine Lautsprechermembran.[53]

Reinkarnationsforschung

Der Chef-Psychiater der UniversitĂ€tsklinik University of Virginia in Charlottesville Ian Stevenson beschĂ€ftigte sich seit den 1950er Jahren mit Kindern, die sich scheinbar an frĂŒhere Leben erinnern. WĂ€hrend eines Zeitraumes von ca. 15 Jahren ging er 600 solchen FĂ€llen nach: Nahezu ausnahmslos handelt es sich um Kinder, die im Alter zwischen anderthalb und vier Jahren spontan beginnen, von Personen und Orten zu sprechen, die in der eigenen Familie unbekannt sind. Stevenson spricht zwar nicht davon, dass solche FĂ€lle Reinkarnation beweisen, sieht aber in ihnen Hinweise auf solche Möglichkeiten der menschlichen Existenz.[54] Stevenson verstarb 2007, der islĂ€ndische Soziologe Erlendur Haraldsson fĂŒhrt die Untersuchungen fort.[55]

Experimentelle Forschung

Ganzfeldversuche

Teilnehmer eines Ganzfeld-Versuchs, um Telepathie nachzuweisen.

Der Ganzfeld-Versuch ist ein Experiment, mit dem die Telepathie nachgewiesen werden soll. In einem typischen Ganzfeld-Versuch gibt es zwei Versuchspersonen, A und B, die beide voneinander rĂ€umlich getrennt und voneinander abgeschirmt sind.[56] Person A wird von Umweltreizen abgeschirmt, wĂ€hrend der Person B Bilder oder kurze Videos gezeigt werden. Person B soll dann diese Information an Person A „senden“, welche dabei ihre Gedanken laut vortrĂ€gt. Zur Auswertung werden A vier Bilder oder Videos gezeigt, von denen eines das der Person B gezeigte Bild oder Video ist, die anderen drei dienen der Kontrolle. A versucht nun, das richtige vorher „gesendete“ Bild oder Video allein aufgrund der EindrĂŒcke und Empfindungen der Ganzfeld-Sitzung zu identifizieren.

Parapsychologen wie Dean Radin, Charles Honorton und Daryl Bem berichten, dass in den Ganzfeld-Versuchen, - weltweit wurden ca. 3000 Sitzungen von ca. zwei Dutzend Versuchsleitern durchgefĂŒhrt -, ĂŒberdurchschnittlich oft vom „EmpfĂ€nger“ das Bild oder Video ausgewĂ€hlt wurde, das vorher auch „gesendet“ wurde.[57] Da Metaanalysen, die viele Ganzfeld-Studien berĂŒcksichtigen, eine hohe Signifikanz fĂŒr diese Versuchsreihen feststellen, gab es wiederholt Debatten in wissenschaftlichen Fachzeitschriften, wie diese Ergebnisse angemessen interpretiert werden können.[58]

Fernwahrnehmung

Fernwahrnehmungsversuche (Remote viewing) testen die FĂ€higkeit, an Informationen ĂŒber ein entferntes Objekt zu gelangen, das der körperlichen Wahrnehmung der Versuchsperson nicht zugĂ€nglich ist. Dabei versucht die Versuchsperson beispielsweise ein an einem entfernten Ort platziertes Foto zu beschreiben; es existieren aber verschiedene Methoden der analytischen Auswertung solcher Versuche. Ein Verfahren besteht darin, sieben Zielfotos und sieben „Antworten“ der Versuchsperson einem unabhĂ€ngigen Dritten vorzugeben, der dann das richtige Foto und die richtige Antwort der Versuchsperson dazu bestimmen soll.[59]

Mehrere hundert solcher Versuche wurden von Forschern in mehr als zwei Dekaden am Princeton Engineering Anomalies Research Laboratory (PEAR) und von Wissenschaftlern der US-Regierung durchgefĂŒhrt. Robert G. Jahn und Brenda Dunne vom Princeton Engineering Anomalies Research Laboratory sehen in den gesammelten und ausgewerteten Ergebnissen dieser Versuche einen Hinweis darauf, dass Informationen von entfernten Fotos, wirklichen Landschaften und Ereignissen ĂŒberdurchschnittlich oft „empfangen“ wurden.[59]

Psychokinese mit Zufallsgeneratoren

Die Entwicklung leistungsfĂ€higer und kostengĂŒnstiger Elektronik und Computertechnologien ermöglichte vollautomatische Experimente, um die möglichen Interaktionen zwischen Bewusstsein und physikalischen Prozessen zu untersuchen. In der ĂŒblichen Form dieser Versuche wird ein echter Zufallsgenerator (RNG, abgeleitet von engl. Random Number Generator), basierend auf elektronischem Rauschen oder auf radioaktivem Zerfall, verwendet. Die erzeugten Daten werden aufgezeichnet und durch einen Computer ausgewertet. Eine Testperson soll wĂ€hrend einer vorher festgelegten Versuchsdauer versuchen, allein durch Gedankenanstrengung die Verteilung der Zufallsdaten zu verĂ€ndern. Solch ein Experiment entspricht dem Versuch, beim MĂŒnzwerfen mehr „Zahlen“ als „Köpfe“ zu werfen oder umgekehrt.[60]

GrĂ¶ĂŸere Metaanalysen solcher Psychokineseversuche mit Zufallsgeneratoren werden in mehrjĂ€hrigen AbstĂ€nden seit 1986 veröffentlicht.[60] PEAR-GrĂŒnder Robert G. Jahn und seine Mitarbeiterin Brenda Dunne behaupten, dass die EffektstĂ€rke in allen Versuchen sehr gering sei, aber unabhĂ€ngig vom verwendeten Versuchsdesign statistische Signifikanz erreiche. Die Metaanalyse[61] wurde im Psychological Bulletin 2006 zusammen mit kritischen Kommentaren[62] veröffentlicht. Diese Metaanalyse umfasste 380 Studien und zog die zuvor behauptete statistische Signifikanz in Zweifel.

Direkte mentale Beeinflussung von lebenden Wesen

Parapsychologen halten seit langem den mentalen Einfluss einer Person auf die Gedanken, Empfindungen oder das Nervensystem einer entfernten anderen Person fĂŒr möglich. Sie benutzen dafĂŒr Begriffe wie Psychokinese, "bio-PK" oder AbkĂŒrzungen wie "DMILS" (engl. „direct mental interactions with living systems“, zu deutsch Direkte mentale Beeinflussung von lebenden Wesen).[63] Die ersten Untersuchungen gehen auf Charles Tart zurĂŒck, Seite 84 in.[64] Tart fĂŒgte sich 1963 selbst Schocks zu, wĂ€hrend bei Person B in einem anderen Raum Reaktionen des Sympathikus ĂŒberwacht wurden. Tart berichtete ĂŒber "erstaunliche Korrelationen".[65] Elisabeth Targ versuchte spĂ€ter, die Ergebnisse zu reproduzieren.[66] Bei vielen DMILS-Experimenten wird versucht, aus dem direkten Vergleich der Hirnströme (EEG) oder HirnaktivitĂ€ten (fMRT) der Probanden SchlĂŒsse zu ziehen. Man hat durch viele verschiedene Maßnahmen versucht, statistisch signifikante Ergebnisse zu erzielen. So setzte man die Probanden z.B. starken Reizen wie Lichtblitzen aus, weil man hoffte, dass diese sich im Hirn klarer darstellten als Bilder, Filme oder Gedanken. Parapsychologen bemĂŒhten sich, bevorzugt Probanden einzusetzen, die sie fĂŒr motiviert hielten oder die sich sehr nahe standen. Positive Ergebnisse erhoffte man sich z.B. von guten Freunden oder sogar von eineiigen Zwillingen. Es wurde auch versucht, die Probanden durch Meditation aufeinander einzustimmen. Daher prĂ€gten Schlitz, Radin, Targ, Stone u.a. den scherzhaften Namen „Love studies“, Seite 81 in.[67]

Duane und Behrendt schilderten 1965 einen DMILS-Versuch mit eineiigen Zwillingen in Science,[68] Grindberg-Zylberbaum wiederholte sie 1993 mit Lichtblitzen als Reiz[69] und Harald Walach, Freiburg, 2003 mit schwarz-weißen Schachbrettmustern.[70] Grindberg-Zylberbaum berichtete ĂŒber "zeitgleich-spezifische Muster" in den EEGs von Paaren, die sich zuvor durch gemeinsame Meditation innerlich einander zugewandt hatten.[69] Bei Ă€hnlichen Versuchen 2004 von M. Kittenis sollen die einzigen Personen, die keinerlei Synchronisierung ihm EEG zeigten, diejenigen ohne Partnerbindung gewesen sein.[71] Weitere DMILS-Versuche fĂŒhrten 2004 D.I. Radin[72] durch, sowie M.Yamamoto 1996 mit Qigong-Meistern.[73][74]

Grindberg-Zylberbaum versuchte, durch den Nachweis lokaler HirnaktivitĂ€ten eine Synchronisation zwischen den Probanden nachzuweisen.[75][76] Ähnlich experimentierten L. J. Standish 2003 und T. Richards 2005 an der Bastyr-UniversitĂ€t. Sie arbeiteten mit 30 sich nahestehenden Paaren, die ĂŒber Meditationserfahrung verfĂŒgten.[77][78][79] Auch M. Kittenis wertete ihre Versuche von 2004 als erfolgreich.[71] GrundsĂ€tzlich stellen die Parapsychologen bei diesen qualitativen DMILS-Experimenten nicht die Anforderung, dass eine statistisch signifikante Anzahl der Probanden messbare Übereinstimmungen zeigen; fĂŒr die Wertung als Erfolg genĂŒgt ein einziger Proband, der mehrmals zeitgleiche Effekte zeigt, die sich die Parapsychologen nicht anders erklĂ€ren können. Es gibt deshalb auch keine Metastudien, aber dafĂŒr vielfĂ€ltige Wiederholungen nach den oben beschriebenen Randbedingungen (Standish, Kittenis, Walach u.a.m.)

Eine weitere Abwandlung von DMILS-Tests untersucht das GefĂŒhl, von hinten angestarrt zu werden. Person A und Person B befinden sich in getrennten RĂ€umen, und Person A wird in unregelmĂ€ĂŸigen ZeitabstĂ€nden gebeten, Person B auf einem Bildschirm „anzustarren“. WĂ€hrenddessen werden die Reaktionen des vegetativen Nervensystems bei Person B gemessen und aufgezeichnet.

Eine Metaanalyse, die im British Journal of Psychology 2004 veröffentlicht wurde, wies einen kleinen, aber insgesamt signifikanten DMILS-Effekt aus. Allerdings wurde auch kritisch festgestellt, dass die EffektstÀrke unter die Signifikanzgrenze sinkt, wenn nur eine kleine Zahl der qualitativ besten Studien eines einzigen Labors ausgewertet werden. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass zwar die Möglichkeit einer Anomalie im Hinblick auf fernwirkende Bewusstseinsakte nicht ausgeschlossen werden kann, aber die Anzahl unabhÀngiger Wiederholungsstudien und theoretischer Modelle zur ErklÀrung dieser Effekte zu gering ist.[63]

Vorausahnungen

Bei Versuchen zu Vorausahnungen (engl. Presentiment) werden einer Testperson auf einem Bildschirm per Zufallsprinzip und in unregelmĂ€ĂŸigem Abstand beruhigende oder erregende Bilder gezeigt. Eine Sonde an der HautoberflĂ€che misst den Hautwiderstand, der sich bei Erregung verĂ€ndert. Sowohl die Bilder in ihrer Reihenfolge als auch die VerĂ€nderungen des Hautwiderstandes werden aufgezeichnet und hinterher ausgewertet. Dabei wurde beobachtet, dass es bereits zu VerĂ€nderungen im Hautwiderstand wenige Sekunden vorher kommt, bevor die entsprechenden Bilder angezeigt werden.[80]

Nahtod-Erfahrungen

Der Flug zum Himmel (Hieronymus Bosch, nach 1490.) Das GemĂ€lde zeigt einen Tunnel, in dem die Verstorbenen, umgeben von himmlischen Wesen, dem Licht entgegengefĂŒhrt werden, Ă€hnlich den heutigen Berichten von Menschen, die eine Nahtod-Erfahrung hatten.

Eine Nahtod-Erfahrung ist ein Erlebnis, von dem Menschen berichten, die beinahe gestorben wĂ€ren oder klinisch tot waren und wiederbelebt wurden.[81] Das Interesse an den VorgĂ€ngen um den Tod herum wurde durch die Forschungen der Sterbeforscherin Elisabeth KĂŒbler-Ross, des Psychiaters George Ritchie[82] und des Psychiaters und Philosophen Raymond A. Moody Jr geweckt.

1978 wurde die International Association for Near-death Studies (IANDS)[83] gegrĂŒndet, um Begegnungen von Wissenschaftlern und Menschen mit Nahtoderfahrungen zu ermöglichen und zu koordinieren. SpĂ€tere Forscher wie der Psychiater Bruce Greyson, der Psychologe Kenneth Ring und der Herzspezialist Michael Sabom brachten die Untersuchungen von Nahtod-Erfahrungen in die akademische Diskussion ein.[81]

Theorien und Modelle

Ein besonderes Problem stellt in der Parapsychologie die Theorie von Psi-Effekten dar. Die behaupteten Effekte passen in kein bekanntes theoretisches Konzept und widersprechen teilweise jahrhundertealter wissenschaftlicher Erkenntnis. Nichtsdestoweniger gibt es jedoch Theorien und Modelle, die Psi-PhÀnomene im Rahmen bereits bekannter und erweiterter Theorien erklÀren wollen.

Walter von Lucadou hat fĂŒr die ErklĂ€rung von Spuk- und PoltergeistphĂ€nomenen das Modell der Pragmatischen Information vorgeschlagen, das eine „organisierte Geschlossenheit“ des menschlichen Bewusstseins mit GegenstĂ€nden seiner Umwelt annimmt, in der sich dann die bestehenden Spannungen auf unbewusste Weise in Form von Spuk „entladen“.[84] Harald Atmanspacher, Hartmann Römer und Harald Walach haben dieses Modell weiterentwickelt zur Generalisierten Quantentheorie (Weak Quantum Theory), die mithilfe der aus der Quantenphysik bekannten Raum- und Zeitlosigkeit von Quanteneffekten (NichtlokalitĂ€t) auch transpersonale PhĂ€nomene und Psi-Effekte erklĂ€ren will.[85][86]

Der Biologe Volker Guiard kritisierte das Modell der Pragmatischen Information von Walter von Lucadou zur ErklĂ€rung von SpukfĂ€llen vor allem wegen seiner Ungenauigkeit.[87][88] Es macht zwar Aussagen ĂŒber das Auftreten und das Verschwinden paranormaler PhĂ€nomene, aber damit ist immer noch der Umstand verbunden, dass sich diese PhĂ€nomene dem forschenden Zugriff entziehen. Und unter diesen Bedingungen ist es schwer, ĂŒberhaupt einen Nachweis fĂŒr die Existenz solcher PhĂ€nomene zu erbringen.

Weitergehende Theorien beschreiben eine supra-physikalische RealitĂ€t, in die unsere raum-zeitliche RealitĂ€t mit ihren physikalischen Energiearten eingebettet ist. Beispiele sind die 12-dimensionalen Theorien von Burkhard Heim und Klaus Volkamer.[89] In diesen Theorien enthaltene FragwĂŒrdigkeiten oder Fehler fĂŒhren dazu, dass sie von den Wissenschaften nicht beachtet werden. Ähnlich ergeht es der supra-physikalischen Theorie von J. H. Matthaei,[90] die 12 zusĂ€tzliche Energiearten mit ihren supra-physikalischen Eigenschaften beschreibt. In keine dieser Theorien gibt es „Psi“, aber sie liefern nach Ansicht ihrer Autoren tragfĂ€higere ErklĂ€rungsrahmen fĂŒr die nichtlokalen und nichtzeitlichen parapsychologischen Effekte als die physikalische Standardtheorie.

Kritik

KĂŒnstlich hergestellte Bilder von Geistern wie dieses waren sehr populĂ€r im 19. Jahrhundert.
Wissenschaftler, die der Parapsychologie kritisch gegenĂŒber stehen, stellen sich auf den Standpunkt, dass außergewöhnliche Behauptungen auch außergewöhnliche Beweise verlangen. BefĂŒrworter von Hypothesen, die jahrhundertelange wissenschaftliche Forschung in Frage stellen, mĂŒssen dafĂŒr auch sehr stichhaltige Beweise vorlegen, wenn sie wollen, dass ihre Hypothesen ernst genommen werden.[91] Viele Beobachter der Parapsychologie bemĂ€ngeln an den parapsychologischen Ergebnissen ihre schlechte QualitĂ€t und die unzureichenden Kontrollbedingungen. In ihrer Sicht hat das ganze Forschungsfeld der Parapsychologie keine schlĂŒssigen Ergebnisse hervorgebracht. Sie fĂŒhren zur Untermauerung ihrer EinschĂ€tzung Belege fĂŒr Betrug, fehlerhafte Studien, magisches Denken und eine einseitige Sichtweise zur ErklĂ€rung parapsychologischer Ergebnisse an.[92]

Die Existenz der parapsychologischen PhĂ€nomene ist bis heute Gegenstand regelmĂ€ĂŸiger Auseinandersetzungen.[93] Insbesondere wird kritisiert, dass die Parapsychologie kein klar definiertes Sachgebiet hat, keine reproduzierbaren Experimente vorweisen kann, mittels derer sich die postulierten Psi-Effekte jederzeit demonstrieren lassen könnten, noch einen theoretischen Unterbau entwickelt hat, der die Effekte erklĂ€ren könnte.[94] Der Psychologe James E. Alcock schreibt, dass nur wenige parapsychologische Ergebnisse interdisziplinĂ€re Forschung mit Physik oder Biologie angeregt hĂ€tten. Alcock stellt fest, dass die Parapsychologie unter den Wissenschaften in einem Ausmaß isoliert dasteht, dass ihre LegitimitĂ€t fraglich ist[95] und als ganze nicht „wissenschaftlich“ genannt werden darf.[96]

Betrug

Der französische Fotograf Édouard Isidore Buguet demonstriert vorgetĂ€uschte Telekinese, fotografiert 1875

Wie in anderen Forschungsgebieten auch, gibt es Belege fĂŒr Betrug und FĂ€lschung in der Geschichte der Parapsychologie. Aber speziell die Verbindung von Psi und Betrug ist weit verbreitet im wissenschaftlichen Bewusstsein.[97] Der Direktor des Rhine Research Centers, John Palmer, schrieb: „Betrug bei parapsychologischen Versuchen ist der entscheidendste und wichtigste Faktor, der das Ansehen der Parapsychologie beschĂ€digt und ihre Entwicklung verzögert.“[98]

Das Soal-Goldney Experiment von 1941 bis 1943, das vorgab, prĂ€kognitive FĂ€higkeiten in Testpersonen bewiesen zu haben, wurde lange Zeit fĂŒr eine der besten Studien in diesem Feld gehalten, weil es auf unabhĂ€ngige Kontrolle und auf unabhĂ€ngige Zeugen setzte. Allerdings wurden viele Jahre spĂ€ter VerdĂ€chtigungen im Hinblick auf Betrug bestĂ€tigt, als bekannt wurde, dass Soal die Rohdaten des Versuchs gefĂ€lscht hatte.[95][99][100]

Der Direktor des Institute for Parapsychology in den Vereinigten Staaten, Walter J. Levy, berichtete von einer Reihe erfolgreicher Versuche zur außersinnlichen Wahrnehmung unter Einbindung von computerkontrollierten nichtmenschlichen Wesen, darunter Eier und Ratten. Seine Versuchsergebnisse waren aus statistischer Sicht hochsignifikant. Da die „Versuchsobjekte“ keine Menschen waren und da die Versuchsumgebung hauptsĂ€chlich automatisiert war, konnten seine Versuche dem Verdacht eines Experimentatoren-Effekts standhalten und mögliche Bedenken bezĂŒglich einer Beeinflussung durch den Glauben des Versuchsleiters zurĂŒckweisen. Allerdings wurden seine Mitforscher misstrauisch gegenĂŒber seinen Methoden. Sie fanden heraus, dass Levy in die Datenaufzeichnung eingriff und manuell betrĂŒgerische Datenströme unterschob, die die positiven Ergebnisse erzeugten. J. B. Rhine kĂŒndigte Levy und berichtete ĂŒber den Betrug in einer Reihe von FachbeitrĂ€gen.[101][102]

Viele Medien benutzten betrĂŒgerische Elemente und konnten schon frĂŒh durch Skeptiker wie z.B. Richard Hodgson[103] und Harry Price enttarnt werden.[104] In den 1920ern kommentierte der BĂŒhnenzauberer und EntfesselungskĂŒnstler Harry Houdini, dass die verwendeten Versuchsanordnungen nicht absolut betrugsicher wĂ€ren.[105] 1979 initiierte der BĂŒhnenzauberer James Randi eine Entlarvungsaktion, die als Project Alpha spĂ€ter bekannt wurde. Randi bildete zwei junge ZauberkĂŒnstler aus und schickte sie inkognito zum McDonnell-Labor der UniversitĂ€t von Washington mit dem Ziel, schlechte Versuchsmethoden und die unbekĂŒmmerte Vertrauensseligkeit in der Parapsychologie zu entlarven. Obwohl das McDonnell-Labor keine öffentliche Aussage darĂŒber machte, dass die von den beiden getarnten ZauberkĂŒnstlern demonstrierten Effekte authentisch seien, hintergingen sie die Versuchsleiter mit vermeintlich telekinetischer Löffelbiegerei vier Jahre lang.[106][107] Dieses Experiment wurde als Argument dafĂŒr angefĂŒhrt, dass die meisten, wenn nicht sogar alle ungewöhnlichen Versuchsergebnisse in der Parapsychologie auf Fehlern oder Betrug beruhen.

Kritik der experimentellen Ergebnisse

Einige Kritiker erkennen an, dass die parapsychologischen Studien wissenschaftlichen Standards entsprechen, kritisieren aber die Tatsache, dass das Feld auf dem Glauben an mögliche Resultate und nicht auf wissenschaftlicher Erkenntnis selbst begrĂŒndet sei.[108][94] Skeptische Gutachter kritisieren, dass scheinbar erfolgreiche Versuchsergebnisse in der Psiforschung eher auf ungenauen VersuchsdurchfĂŒhrungen, schlecht ausgebildeten Forschern und methodischen Fehlern beruhen als auf echten Psi-Effekten.[109][110][111][112] So wurden die Ergebnisdaten des PEAR-Labors von der Statistik-Professorin Jessica Utts und dem Psychologen Ray Hyman in Frage gestellt. Utts hat festgestellt, dass diese Versuche an einer Vielzahl von Problemen leiden, was die Randomisierung, die statistischen Kontrolldaten und die Anwendung statistischer Modelle betrifft. Wegen der Defizite in den Versuchsanordnungen und der statistischen Auswertungsverfahren seien die publizierten Signifikanzwerte wertlos.[113]

Die Reinkarnationsforschung geriet vor allem methodisch in die Kritik, weil es bei den Befragungen von Kindern, Angehörigen und Bekannten sehr schwer ist, eigene unbewusste Suggestionen durch die Fragetechnik zu erkennen und zu vermeiden. Der kanadische Philosoph Leonard Angel gehört zu den schÀrfsten Kritikern der Arbeiten Stevensons in der Reinkarnationsforschung.[114][115][116]

Psi ist ein negativ bestimmter Begriff, das heißt, die ĂŒbliche Vorgehensweise, Belege fĂŒr parapsychologische PhĂ€nomene zu gewinnen, geht ĂŒber die statistische Abweichung vom mittleren Zufallswert. Der kritische Punkt ist jedoch: statistische Abweichung vom mittleren Zufallswert ist, streng genommen, nur ein Beleg fĂŒr eine statistische Anomalie, oder ein Indiz, dass irgendeine unbekannte Variable die beobachtete Mittelwertabweichung bewirkt hat. Damit aber kann keine positive Aussage ĂŒber Psi gemacht werden. So stellt Psi eine LeerhĂŒlse dar, die eigentlich nur beschreibt, dass die Daten eines Experimentes mit den bekannten Variablen nicht zu 100 Prozent erklĂ€rt werden können. Hyman geht noch weiter und schlussfolgert, dass selbst, wenn eine parapsychologische Forschung in der Lage ist, einen signifikanten, reproduzierbaren Effekt zu erzeugen, so wĂ€re das noch weit entfernt von der Schlussfolgerung, dass Psi-Wirkungen endlich bewiesen seien.[117] Auch die positive Annahme, dass Psi existiert, wirft Probleme auf: 1. Wenn jemand Psi-FĂ€higkeiten hat, muss er in den Versuchen erfolgreicher abschneiden. 2. Daher tut er das auch. 3. Also muss er Psi-FĂ€higkeiten haben. Das ist ein Trugschluss, der auf einer Rekursion beruht und in die RĂŒckbezĂŒglichkeit hineinfĂŒhrt. Gewonnen ist damit jedoch nichts, solange keine positive Aussage gemacht werden kann, was nun Psi eigentlich ist.[118] Einige Wissenschaftler bezeichnen aus diesen GrĂŒnden die Parapsychologie als Pseudowissenschaft.[3][119][120]

Voreingenommenheit und Metaanalysen

AusgewĂ€hltes Berichten (engl. „selection bias“ oder „selective reporting“) wird von Kritikern als eine ErklĂ€rung fĂŒr die positiven Ergebnisse der Parapsychologie angegeben. Selektives Publizieren bedeutet, dass nur positive Studien publiziert werden, wĂ€hrend negative Studien oder unbedeutende Ergebnisse nicht öffentlich gemacht werden.[62] Selektives Publizieren hat einen erheblichen Einfluss auf Metaanalysen, die eine statistische Methode darstellen, um die Ergebnisse vieler Studien zusammen zu fassen und daraus eine Gesamtsignifikanz zu bestimmen, die grĂ¶ĂŸer als diejenige von einzelnen Studien sein kann. Wenn aber die negativen und unbedeutenden Studien in solch einer Metaanalyse nicht vorkommen, wird das Gesamtergebnis am Ende positiv verzerrt und fĂŒhrt dann zu falschen SchlĂŒssen. Als Beispiel: Die Metaanalyse zu Psychokineseversuchen vereinte die Ergebnisse von 380 Studien[61] einschließlich der Daten des Princeton Engineering Anomalies Research-Labors. Durch eine andere Methode der EffektstĂ€rkenberechnung stellte sich heraus, dass die positive Gesamtsignifikanz dieser gesamten Studien sich durch nur wenige zusĂ€tzliche negative Studien aufhebt, was den Verdacht von selektivem Publizieren als Ursache des positiven Gesamtergebnisses schĂŒrt.[37]

Die PopularitĂ€t von Metaanalysen wurde schon von zahlreichen Wissenschaftlern kritisiert und stellt die Resultate der Parapsychologie in Frage.[121] Kritiker werfen der Parapsychologie vor, sie missbrauche Metaanalysen um den falschen Eindruck zu erwecken, als sei ĂŒber die statistische Signifikanz bereits der Nachweis von Psi-PhĂ€nomenen gelungen.[122] Ähnliche Probleme mit Metaanalysen wurden auch schon in der Medizin beobachtet. Jim E. Kennedy hat geschrieben, dass die Bedenken zum Gebrauch der Metaanalysen in Wissenschaft und Medizin auch die Probleme in der Parapsychologie mit ausmachen. Auch Post-hoc-Analysen, d.h. Auswertungen, bei denen nach Abschluss der Versuche die Auswertungsverfahren festgelegt werden, können einen falschen Eindruck erwecken, wenn sie nicht zur Hypothesenfindung dienen, sondern Psi-Effekte nachtrĂ€glich ausweisen sollen.[123]

Weitere Literatur

BefĂŒrwortend

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  • Werner F. Bonin: Lexikon der Parapsychologie und ihrer Grenzgebiete. Fischer, Frankfurt am Main 1981.
  • Arthur Koestler: Die Wurzeln des Zufalls. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1972/2002, ISBN 3-518-36681-5.
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  • Dean Radin: Entangled Minds: Extrasensory Experiences in a Quantum Reality. Herausgeber: Paraview Pocket Books, 2006. ISBN 978-1-4165-1677-4 (Englisch)

Kritisch

  • Andreas Hergovich: Der Glaube an Psi - Die Psychologie paranormaler PhĂ€nomene. Huber, Bern 2001, ISBN 3-456-83643-0
  • Martin Lambeck: Irrt die Physik? Über alternative Medizin und Esoterik. 2. Auflage. Beck, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-406-49469-2
  • James Randi und Arthur C. Clarke: An Encyclopedia of Claims, Frauds, and Hoaxes of the Occult and Supernatural. St. Martin's Griffin, 1997. ISBN 0-312-15119-5. deutsch als: Lexikon der ĂŒbersinnlichen PhĂ€nomene. Die Wahrheit ĂŒber die paranormale Welt. Heyne, MĂŒnchen 2001, ISBN 3-453-18848-9

Weblinks

Verschiedene Texte

Zum BGH-Grundsatzurteil ĂŒber die Parapsychologie

Einzelnachweise

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