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Die Parteienfinanzierung als Begriff der Politikwissenschaften umfasst Einnahmen, Ausgaben und Vermögensentwicklung der politischen Parteien.
Die Einnahmenseite der Parteien umfasst vier Hauptquellen: Mitgliedsbeiträge, Parteispenden, öffentliche Zuwendungen (staatliche Teilfinanzierung, früher: Wahlkampfkostenerstattung) sowie Mandatsträgerabgaben/Parteisteuern (Abgaben bzw. „Sonderbeiträge“ von Abgeordneten und Ministern). Darüber tragen bei einzelnen Parteien auch Beteiligungen an wirtschaftlichen Unternehmen zur Finanzierung bei.
Die Parteienfinanzierung ist abzugrenzen vom weiter gefassten Begriff der Politikfinanzierung, welche auch die Finanzierung der Fraktionen sowie der politischen Stiftungen mit einbezieht.
Inhaltsverzeichnis |
Die gesetzlichen Regelungen zur Finanzierung der politischen Parteien in Deutschland sind im Parteiengesetz festgehalten. Die Grundlage für die Tatsache, dass Parteien überhaupt in größerem Rahmen wirtschaftlich tätig werden und die Details für Politik und Staat von Interesse sind, bildet Artikel 21, Absatz 1 des Grundgesetzes:
„Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit. (…) Sie müssen über die Herkunft und Verwendung ihrer Mittel sowie über ihr Vermögen öffentlich Rechenschaft geben.“
Hieraus resultieren die jährlich eingereichten Rechenschaftsberichte deutscher politischer Parteien, welche Aufschluss über deren Einnahmen und Ausgaben sowie über ihr Vermögen geben. Diese Berichte werden vom Bundestagspräsidenten geprüft und veröffentlicht.
Ziel der deutschen Gesetzgebung ist es, den Parteien es auch wirtschaftlich zu ermöglichen, an der politischen Willensbildung mitzuwirken. Hierfür soll die Abhängigkeit der Parteien von externen Großspendern reduziert oder zumindest offengelegt werden. Gleichzeitig soll eine finanzielle Abhängigkeit vom Wohlwollen der jeweiligen Regierung vermieden werden; Partei- und Staatsfinanzen sollen sauber getrennt bleiben. Als eine typische Optimierungsaufgabe gelingt beides stets nur teilweise, und es kommt immer wieder zu Finanzierungsskandalen wie der „Flick-Affäre“ und der „Schwarzgeldaffäre“ (siehe auch: Parteispende).
Zu beachten ist hierbei, dass die nicht zu vernachlässigenden „Sonderbeiträge“ (Parteisteuern) der Mandatsträger und Minister nicht explizit ausgewiesen sind, sondern teilweise als „Beiträge“ und teilweise als „Spenden“ verbucht werden. Mit der Neufassung des Parteiengesetzes im Jahr 2002 wurde eine Pflicht zum gesonderten Ausweis von „Mandatsträgerbeiträgen“ im Rechenschaftsbericht eingeführt.
Auf der Ausgabenseite fallen insbesondere Aufwendungen für Personal, für die Geschäftsstellen, für die innerparteiliche Kommunikation sowie für Wahlkämpfe an.
Eine wichtige Einnahmequelle für Parteien bilden die regelmäßigen Beitragszahlungen der Parteimitglieder. Im Wahljahr 2005 trugen die Mitgliedsbeiträge bei den Bundestagsparteien zu über einem Viertel der Gesamteinnahmen bei.
Hauptartikel: Parteispende
In Deutschland finanzieren sich die Parteien zu mehr als 15 Prozent durch Parteispenden. Sowohl natürliche als auch juristische Personen dürfen in unbegrenzter Höhe spenden. Spenden sind in bestimmtem Umfang steuerlich absetzbar, die Parteien bekommen für Spendeneinnahmen zudem noch einen staatlichen Zuschuss ausgezahlt.
Aufgrund des Parteiengesetzes (§ 18) erhalten die Parteien jährlich staatliche Mittel (ehemals Wahlkampfkostenerstattung). Maßgebend für deren Höhe ist ihre „Verwurzelung in der Gesellschaft“, gemessen an den bei Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen erzielten Stimmen, der Summe ihrer Mitglieds- und Mandatsträgerbeiträge sowie der Höhe der durch sie eingeworbenen Spenden.
Die vom Staat gezahlte Summe an alle Parteien darf als sogenannte „absolute Obergrenze“ derzeit jährlich maximal 133 Millionen Euro betragen. Der Innenausschuß hat am 6. Juli 2011 den Weg freigemacht, diese Obergrenze auf 141,9 Millionen Euro (2011) und schließlich auf 150,8 Millionen Euro (2012) zu erhöhen. Die staatlichen Mittel an eine Partei sind hierbei maximal so hoch, wie die Einnahmen der Partei aus anderen Quellen wie z. B. Mitgliedsbeiträge oder Parteispenden.[1] Diese „relative Obergrenze“ ist vor allem für Kleinparteien relevant.
Die Mittel der einzelnen Parteien berechnen sich wie folgt:
Um am System der staatlichen Teilfinanzierung teilzunehmen, muss eine Partei bei der letzten Bundestagswahl oder Europawahl mindestens 0,5 % der gültigen Stimmen oder bei einer der jeweils letzten Landtagswahl 1,0 % der gültigen Stimmen erhalten haben. Diese Einschränkung gilt jedoch nicht für Parteien nationaler Minderheiten.
Andere Zuwendungen aus staatlichen Geldquellen werden in den offiziellen Quellen nicht als Parteienfinanzierung aufgeführt, sind aber nach Ansicht von Experten als solche zu zählen:[2].
Durch Unternehmenstätigkeiten und Beteiligungen haben Parteien ebenso die Möglichkeit, Gewinne zu erzielen. Rechnet man die Einnahmen aus Veranstaltungen, Vertrieb und sonstigen Tätigkeiten hinzu, so beträgt der Anteil dieser Einnahmen etwa 7 Prozent.
| Einnahmen | CDU | SPD | FDP | Grüne | Die Linke | CSU |
|---|---|---|---|---|---|---|
| aus Mitgliedsbeiträgen | 41.626 (28,13 %) |
46.651 (27,86 %) |
7.181 (22,49 %) |
5.666 (20,7 %) |
9.873 (39,2 %) |
9.564 (18,93 %) |
| aus Mandatsträgerbeiträgen und sonstigen regelmäßigen Einnahmen |
18.072 (12,21 %) |
22.183 (13,24 %) |
2.332 (7,31 %) |
5.530 (20,21 %) |
2.385 (9,47 %) |
3.314 (6,56 %) |
| aus Spenden von natürlichen Personen |
13.586 (9,18 %) |
10.328 (6,17 %) |
6.442 (20,18 %) |
3.417 (12,48 %) |
2.148 (8,53 %) |
11.120 (22,01 %) |
| aus Spenden von juristischen Personen |
7.526 (5,09 %) |
2.668 (1,59 %) |
2.687 (8,42 %) |
491 (1,80 %) |
109 (0,43 %) |
6.389 (12,65 %) |
| aus Unternehmenstätigkeiten und Beteiligungen |
0 (0,00 %) |
11.906 (7,11 %) |
93 (0,29 %) |
1 (0,01 %) |
0 (0 %) |
234 (0,46 %) |
| aus Veranstaltungen, Vertrieb und sonstigen Tätigkeiten |
15.741 (10,64 %) |
14.228 (8,49 %) |
2.388 (7,48 %) |
713 (2,61 %) |
189 (0,76 %) |
7.392 (14,63 %) |
| aus staatlichen Mitteln | 43.593 (29,46 %) |
43.488 (25,96 %) |
10.138 (31,76 %) |
10.209 (37,3 %) |
9.465 (37,59 %) |
11.280 (22,33 %) |
| aus sonstigem Vermögen | 6.982 (4,72 %) |
10.687 (6,38 %) |
446 (1,40 %) |
481 (1,76 %) |
484 (1,92 %) |
1.007 (1,99 %) |
| aus sonstigen Einnahmen | 849 (0,57 %) |
5.367 (3,20 %) |
215 (0,67 %) |
860 (3,14 %) |
528 (2,10 %) |
217 (0,44 %) |
| Gesamteinnahmen | 147.979 (100 %) |
167.508 (100 %) |
31.925 (100 %) |
27.372 (100 %) |
25.184 (100 %) |
50.522 (100 %) |
| Ausgaben | CDU | SPD | FDP | Grüne | Die Linke | CSU |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Personalausgaben | 41.650 (31,77 %) |
45.751 (29,96 %) |
4.220 (14,45 %) |
8.695 (33,97 %) |
8.579 (37,32 %) |
9.684 (15,23 %) |
| Laufender Geschäftsbetrieb | 29.397 (22,42 %) |
28.860 (18,91 %) |
8.396 (28,76 %) |
4.920 (19,23 %) |
4.164 (18,12 %) |
7.634 (12,00 %) |
| Allgemeine politische Arbeit | 35.716 (27,24 %) |
33.910 (22,22 %) |
8.396 (28,76 %) |
6.222 (24,32 %) |
6.624 (28,82 %) |
14.559 (22,89 %) |
| Wahlkämpfe | 19.655 (14,99 %) |
26.450 (17,33 %) |
6.143 (21,04 %) |
5.157 (20,16 %) |
3.110 (13,53 %) |
31.099 (48,89 %) |
| Ausgaben für die Vermögens- verwaltung einschließlich sich hieraus ergebender Zinsen |
2.455 (1,87 %) |
16.499 (10,81 %) |
237 (0,81 %) |
410 (1,61 %) |
144 (0,63 %) |
0 (0 %) |
| Sonstige Zinsen | 465 (0,36 %) |
913 (0,60 %) |
1.319 (4,52 %) |
4 (0,02 %) |
4 (0,02 %) |
439 (0,69 %) |
| Sonstige Ausgaben | 1.764 (1,35 %) |
257 (0,17 %) |
68 (0,23 %) |
175 (0,69 %) |
359 (1,56 %) |
189 (0,3 %) |
| Gesamtausgaben | 131.106 (100 %) |
152.644 (100 %) |
29.199 (100 %) |
25.587 (100 %) |
22.988 (100 %) |
63.607 (100 %) |
| Überschuss | CDU | SPD | FDP | Grüne | Die Linke | CSU |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Überschuss | 16.872 | 14.864 | 2.726 | 1.784 | 2.196 | minus13.084 |
| Besitzposten | CDU | SPD | FDP | Grüne | Die Linke | CSU |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Haus- und Grundvermögen | 51.188 | 112.384 | 2.948 | 10.631 | 4.847 | 10.053 |
| Geschäftsstellenausstattung | 2.238 | 9.800 | 1.942 | 1.111 | 210 | 487 |
| Beteiligungen an Unternehmen | 1.470 | 10.019 | 7.870 | 10 | 2.211 | 460 |
| Sonstige Finanzanlagen | 11.280 | 27.386 | 2.478 | 342 | 4.214 | 1.405 |
| Forderungen an Gliederungen | 0 | 25.055 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Forderungen aus der staatlichen Teilfinanzierung |
0 | 169 | 173 | 193 | 379 | 972 |
| Geldbestände | 112.428 | 102.312 | 11.252 | 19.983 | 12.722 | 32.018 |
| Sonstige Vermögensgegenstände | 3.268 | 11.458 | 3.484 | 1.205 | 1.680 | 848 |
| Gesamtbesitzposten | 181.875 | 298.586 | 30.150 | 33.478 | 26.265 | 46.246 |
| Schuldposten | CDU | SPD | FDP | Grüne | Die Linke | CSU |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Pensionsverpflichtungen | 996 | 1.446 | 0 | 0 | 0 | 9.582 |
| Sonstige Rückstellungen | 4.084 | 11.360 | 2.726 | 306 | 577 | 1.052 |
| Verbindlichkeiten gegen- über Gliederungen |
0 | 24.827 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Rückzahlungsverpflichtungen aus der staatlichen Teilfinanzierung |
771 | 0 | 3 | 0 | 0 | 14 |
| Verbindlichkeiten gegenüber Banken | 37.260 | 58.618 | 12.403 | 5.352 | 26 | 7.646 |
| Verbindlichkeiten gegenüber sonstigen Darlehensgebern | 1.116 | 7.343 | 6.196 | 41 | 79 | 376 |
| Sonstige Verbindlichkeiten | 6.119 | 5.353 | 1.509 | 945 | 381 | 781 |
| Gesamtschuldposten | 50.348 | 108.949 | 22.838 | 6.645 | 1.065 | 19.453 |
| Reinvermögen | CDU | SPD | FDP | Grüne | Die Linke | CSU |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Vermögen | 131.526 | 189.637 | 7.311 | 26.833 | 25.200 | 26.792 |
| Partei | Mittel 2011 in € | Mittel 2010 in € | Mittel 2009 in € | Mittel 2008 in € | Mittel 2007 in € | Mittel 2006 in € |
|---|---|---|---|---|---|---|
| CDU | 44.641.547,45 | 42.882.008,71 | 41.904.622,21 | 43.593.639,91 | 44.790.190,59 | 44.591.403,49 |
| SPD | 42.407.424,88 | 38.965.287,35 | 39.638.031,82 | 43.488.488,95 | 43.475.249,30 | 42.903.568,04 |
| FDP | 13.588.556,74 | 13.400.199,14 | 12.644.362,39 | 10.138.015,16 | 9.989.233,49 | 9.872.067,82 |
| GRÜNE | 13.814.822,36 | 11.412.381,30 | 11.095.609,86 | 10.209.852,21 | 10.079.693,14 | 9.910.264,48 |
| Die Linke | 12.130.761,23 | 10.832.836,92 | 10.706.075,48 | 9.465.698,47 | [5] 9.086.679,22 | 8.548.935,61 |
| CSU | 10.411.577,43 | 9.607.367,14 | 11.708.782,45 | 11.280.535,48 | 10.711.703,75 | 10.781.099,75 |
| REP | 1.424.273,83 | 1.337.163,79 | 1.190.574,62 | 1.391.017,93 | 1.394.576,23 | 1.283.921,02 |
| NPD | 1.323.547,81 | 1.176.446,52 | 1.193.653,77 | [6] 1.496.824,39 | 1.448.519,55 | 1.376.678,48 |
| ödp | 732.948,94 | 702.476,22 | 704.192,20 | 589.886,38 | 565.493,29 | 621.226,24 |
| Piratenpartei | 578.219,55 | [7] 585.162,46 | [8] 31.504,68 | -,-- | -,-- | -,-- |
| FAMILIE | 121.083,14 | [7] 175.262,85 | [9]-,-- | [10] 239.874,04 | [11] 198.477,29 | 182.861,67 |
| Bayernpartei | 110.099,80 | 112.122,31 | 102.728,78 | [12] 65.481,20 | -,-- | -,-- |
| DVU | -,-- | 108.612,40 | 155.777,84 | 226.819,35 | 225.763,75 | 231.971,94 |
| Tierschutzpartei | 131.280,19 | [7] 100.417,12 | [8] 79.964,02 | [10] 66.532,34 | [13] 76.924,27 | 78.924,31 |
| pro NRW | 126.728,08 | [7] 88.890,25 | -,-- | -,-- | -,-- | -,-- |
| Freie Wähler | 145.760,72 | [7] 79.850,41 | [14] 79.850,41 | -,-- | -,-- | -,-- |
| SSW | 83.410,20 | 73.686,21 | 74.229,61 | 61.047,01 | 59.934,41 | 60.497,94 |
| Freie Wähler Thüringen | 30.633,14 | 50.666,39 | [15] -,-- | -,-- | -,-- | [16] -,-- |
| Freie Sachsen | -,-- | 26.252,15 | [15] -,-- | -,-- | -,-- | -,-- |
| Eltern | -,-- | -,-- | [9] -,-- | 76.486,94 | 77.708,67 | 7.249,50 |
| DIE FRAUEN | -,-- | -,-- | -,-- | [10] 22.993,90 | [13] 20.827,68 | 28.249,33 |
| 50+ | -,-- | -,-- | -,-- | 17.266,96 | 15.645,22 | 5.937,50 |
| GRAUE | -,-- | -,-- | -,-- | [17] 0,00 | [18] 0,00 | 1.344.248,80 |
| Ab jetzt… | -,-- | -,-- | -,-- | -,-- | [13] 30.324,25 | 34.172,45 |
| Pro DM | -,-- | -,-- | -,-- | -,-- | 24.005,88 | 33.368,09 |
| WASG | -,-- | -,-- | -,-- | -,-- | [19] 0,00 | 543.584,82 |
| Offensive D | -,-- | -,-- | -,-- | -,-- | [20] 0,00 | 74.544,80 |
Freie Wähler Brandenburg: Die Listenvereinigung ist im Jahr 2009 gegründet worden. Von ihr geltend gemachte Ansprüche auf staatliche Teilfinanzierung nach dem PartG wurden von der mittelverwaltenden Stelle abgelehnt. Diese Rechtsauffassung wurde vom Verwaltungsgericht Berlin bestätigt. Das Urteil war zum Zeitpunkt der Festsetzung jedoch noch nicht rechtskräftig.[21]
Rentner Partei Deutschland: Die Partei hat bisher keinen Rechenschaftsbericht für das Jahr 2009 eingereicht, so dass gemäß § 19 Absatz 1 Satz 2 Parteiengesetz zum 15. Februar 2011 für sie keine staatlichen Mittel festgesetzt werden dürfen. Unabhängig hiervon hat die Partei infolge der nicht fristgerechten Einreichung des Rechenschaftsberichtes für das Jahr 2009 gemäß § 19a Absatz 3 Satz 3 Parteiengesetz bereits endgültig den auf Zuwendungen bezogenen Anspruch auf staatliche Mittel für das Jahr 2010 verloren.[21]
Die Regelungen wurden auf Grund von Urteilen des Bundesverfassungsgerichts und von Skandalen um die Parteienfinanzierung mehrfach geändert. Zuletzt klagten ödp und die Grauen gemeinsam erfolgreich vor dem Bundesverfassungsgericht gegen eine Änderung des Parteienfinanzierungsgesetzes, das am 1. Januar 2005 in Kraft getreten wäre. Kernpunkt dieser Klage ist die Festlegung, dass Parteien bei mindestens drei Landtagswahlen ein Prozent der Stimmen haben müssen, um relevante Zuschüsse zu bekommen. Bisher und somit auch weiterhin gilt als Grenze ein Prozent in einem Bundesland.
In den Niederlanden gibt es seit 1999 ein Gesetz zur Unterstützung von Parteien. Eine so begünstigte Partei erhält einen Grundbetrag und zusätzlich Geld pro Parlamentsmitglied und pro Mitglied (ab tausend Mitgliedern, die mindestens je 12 Euro im Jahr zahlen). Dazu kommen:
Dazu kommen private Spenden. Ab 4537,80 Euro muss der Spender veröffentlicht werden. Allerdings gilt dies nur für Parteien, die tatsächlich Unterstützung durch das besagte Gesetz erhalten. Die Partij voor de Vrijheid hat streng genommen nur ein einziges Mitglied und profitiert daher nicht von staatlicher Unterstützung, muss aber nicht die Namen ihrer Spender bekannt geben. Sie wehrt sich besonders gegen Pläne, die Veröffentlichungspflicht für alle Parteien einzuführen.
Skandale mit Bezug zur Parteienfinanzierung gibt es kaum.
Die Finanzierung der Parteien in Polen ist im Parteiengesetz (ustawa o partiach politycznych) geregelt. Im Jahr 2001 wurde eine Finanzierung der Parteien aus Staatsmitteln eingeführt. Diese Umstellung der Finanzierung sollte mehreren Anforderungen gerecht werden. So sollten die Möglichkeiten der Korruption verringert werden, der finanzielle Druck der Parteien gemindert und jüngeren Parteien bessere Chancen gegeben werden. Seit 2001 dürfen sich die Parteien nur durch die staatlichen Mittel, Mitgliedsbeiträge und Erbschaften finanzieren. Spenden sind nur von natürlichen Personen und hier auch nur in begrenzter Höhe erlaubt. Recht auf eine Unterstützung hat jede Partei die bei einer landesweiten Parlamentswahl mindestens drei Prozent der Stimmen erringt, die Höhe der Unterstützung hängt von dem Wahlergebnis ab.[22] 2008 flossen insgesamt 107 Millionen Złoty aus dem Staatshaushalt an die Parteien, 2002 waren es 37 Millionen.[23] Als Schwäche des Systems wurden festgestellt, dass die Parteienlandschaft dadurch die Passivität der Parteien fördert und neue Parteien weniger Chancen haben in den Sejm zu gelangen. Die Mehrheit der Polen ist weiterhin gegen eine staatliche Finanzierung der Parteien. Anfang 2009 wurde von der Partei Lewica i Demokraci (Linke und Demokraten) ein Änderungsvorschlag eingebracht welcher nach einigen Änderungen im April 2009 vom Sejm verabschiedet wurde. Da der polnische Präsident Lech Kaczyński Zweifel an der Verfassungskonformität des Gesetzes hatte, legte er es dem polnischen Verfassungsgericht vor.[22]
In den USA gibt es keine staatlich geregelte Finanzierung der dortigen Parteien. Stärker als in Deutschland geht daher dort der Wahlkampf mit der Suche nach finanzieller Unterstützung durch Privatpersonen einher, die aber auf einen Höchstbeitrag pro Individuum begrenzt ist. Dies führt zu einer größeren Abhängigkeit der Parteien von privaten Geldgebern, andererseits werden diese Verbindungen auch eher offengelegt als das z. B. in Deutschland der Fall ist.
Siehe auch: Politisches System der USA, Modern election campaigns in the US, Canadian and American politics compared: Size of constituencies and campaign financing
In Frankreich sahen sich alle Parteien lange Zeit berechtigt, ihren politischen Einfluss auf Bau- und Rüstungsvorhaben in Parteispenden umzuwandeln. Auch kam es zu großen Parteispenden, speziell vor Wahlen, aus ehemaligen Kolonien Frankreichs an Parteien oder einzelne Politiker.
Der Journalist Jean Montaldo veröffentlichte 1994 ein Buch unter dem Titel „Mitterrand und die 40 Räuber“. Darin warf er Mitterrand vor, Korruption sozialistischer Parteifreunde um sich geduldet zu haben und sich mit fragwürdigen Freunden wie Bernard Tapie zu umgeben. Montaldo stützte sich dabei überwiegend auf angebliche Informationen von François de Grossouvre. Dieser war über 35 Jahre einer der engsten Vertrauten Mitterrands und beging 1994 im Élysée-Palast Suizid.
Im Sommer 2010 gab es zwei Spendenaffären: eine um den Ministerpräsidenten Sarkozy, eine um seinen Arbeitsminister Eric Woerth.[24]
Das Wahlrecht wurde in Frankreich mit dem Paritée-Gesetz 2000 geändert. Seitdem erhalten Parteien weniger Geld, wenn sie die gesetzlichen Vorgaben nach einer Frauenquote innerhalb ihrer Fraktionen nicht einhalten.
Seit dem Vertrag von Amsterdam 1997 ist für politische Parteien auf europäischer Ebene eine Finanzierung aus dem Haushalt der Europäischen Union vorgesehen. Die Voraussetzungen für eine Parteienfinanzierung sind in der EU-Verordnung 2004/2003 festgelegt.[25] Derzeit sind 11 Europaparteien vom Europaparlament anerkannt und erhalten Finanzmittel der EU.
Liste der Parteienfinanzierung in Euro pro Jahr:
| 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010* | 2011* | |
| Allianz für das Europa der Nationen | 83.964 | 114.330 | 144.809 | 159.138 | 206.376 | 384.558 | - | - |
| Allianz der Europäischen Konservativen und Reformisten | - | - | - | - | - | - | 1.1016.275 | 1.140.478 |
| Allianz der Unabhängigen Demokraten in Europa | - | - | 170.064 | 239.410 | 303.051 | - | - | - |
| Europäische Allianz für Freiheit | - | - | - | - | - | - | - | 372.753 |
| EUDemokraten | - | - | 57.763 | 226.280 | 153.821 | 217.167 | 211.125 | 259.852 |
| Europäische Christliche Politische Bewegung | - | - | - | - | - | - | 209.500 | 259.852 |
| Europäische Demokratische Partei | 69.862 | 253.933 | 163.571 | 152.611 | 407.693 | 249.084 | 505.617 | 598.555 |
| Europäische Freie Allianz | 163.222 | 217.906 | 220.914 | 215.198 | 226.600 | 226.600 | 339.965 | 395.333 |
| Europäische Grüne Partei | 171.461 | 568.261 | 581.000 | 631.750 | 641.534 | 643.562 | 1.054.999 | 1.298.539 |
| Europäische Liberale, Demokratische und Reformpartei | 462.661 | 819.563 | 883.500 | 1.022.344 | 1.115.665 | 1.179.191 | 1.553.984 | 1.815.770 |
| Europäische Volkspartei | 1.051.469 | 2.398.941 | 2.914.060 | 3.156.414 | 3.354.754 | 3.485.708 | 4.959.462 | 6.183.988 |
| Sozialdemokratische Partei Europas | 1.257.000 | 1.093.853 | 2.489.175 | 2.580.000 | 2.992.218 | 3.027.647 | 3.100.000 | 4.117.825 |
| Europäische Linke | 120.895 | 365.868 | 439.019 | 524.251 | 536.539 | 562.405 | 708.080 | 846.936 |
| Libertas | - | - | - | - | - | 0** | - | - |
| Summe | 3.380.535 | 5.832.655 | 8.063.875 | 8.907.396 | 9.938.251 | 9.959.922 | 13.749.007 | 17.289.881 |
* Für 2010 und 2011 vorläufige Festsetzung
** Libertas erhielt 2009 eine vorläufige Finanzierung von € 202.823 zugesprochen, die Entscheidung wurde aber später zurückgenommen.