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Paul Flora (* 29. Juni 1922 in Glurns, Südtirol; † 15. Mai 2009 in Innsbruck) war ein österreichischer Zeichner, Karikaturist, Grafiker und Illustrator.
Inhaltsverzeichnis |
Paul Flora wurde 1922 in Glurns im Vinschgau in Südtirol geboren. 1927 übersiedelte er mit seiner Familie nach Nordtirol. An der Akademie der Bildenden Künste München studierte er von 1942 bis 1944 bei Adolf Schinnerer und Olaf Gulbransson. Zwei Semester besucht er den Abendakt bei Max von Esterle. 1944 wurde er zum Kriegsdienst in Italien, Ungarn und der Slowakei eingezogen. 1945 kehrte er nach kurzer US-amerikanischer Gefangenschaft wieder nach Tirol zurück und war seitdem als freischaffender Künstler in Innsbruck tätig. Er wohnte auf der Hungerburg, einem nördlichen Stadtteil oberhalb von Innsbruck.
1948 wurde er als Mitglied im Art-Club (Wien) aufgenommen. Seit 1986 war er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Seit 1999 war er Mitglied im P.E.N.-Club Liechtenstein. Von 2003 bis 2006 wirkte er dort als Präsident und wurde aufgrund seiner vielen Verdienste um den Club zum Ehrenpräsidenten gewählt.
Arbeiten aus seiner Hand finden sich in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen.
Darüber hinaus war er Mitbegründer der städtischen Galerie im Taxispalais in Innsbruck im Jahr 1964 und Initiator des „Österreichischen Grafikwettbewerbes“. Von 1964 bis 1992 kuratierte er neben Wilfried Kirschl, Oswald Oberhuber und Peter Weiermair Ausstellungen für die Galerie im Taxispalais in Innsbruck.
Paul Flora starb in der Nacht auf den 15. Mai 2009 in einem Innsbrucker Krankenhaus im Kreise seiner Familie.[1] Auf eigenen Wunsch wurde Paul Flora auf dem Friedhof seiner Geburtsgemeinde Glurns begraben.
Noch vor 1950 brach er mit der dichten Schraffur, wendete sich der feinnervigen, dünnlinigen, zarten Umrisszeichnung zu und entwickelte eine unverkennbare Strichtechnik mit Tuschfeder, mit der er künftig identifiziert wurde. Von den kantigen brüchigen Umrisslinien seiner Karikaturistenzeit entwickelte er sich hin zu größerer Strichdichte, variablem Liniengeflecht und feiner Schraffur. In den sechziger Jahren wurde der Strich fester, die Umrisslinie dicker, die Binnenzeichnung zusehends dominant. Durch ein enges, flächiges Netzwerk entstand eine Vielfalt von Grautönungen. Mit diesen Mitteln schuf er so bewusst durchkomponierte Bilder. Aus seinen „nervösen Strichgewittern“ und Grauwertvarianten ergaben sich vielfältige Stimmungen, vorwiegend düster und melancholisch. Ab den siebziger Jahren begann die Schraffur das Blatt zurückzuerobern, wodurch er Effekte mit fein abgestuften Kontrastierung von hell zu dunkel erzeugte. Zur selben Zeit setzte er auch die Farbe als weiteres malerisches Element seiner zeichnerischen Arbeit ein (Aquarellfarbe, später Buntstift). In den achtziger Jahren ergänzte er sein Oeuvre um die Bleistift-Zeichnung.
1949 begann durch Vermittlung von Werner Scholz seine Mitarbeit an der amerikanischen Tageszeitung für Deutschland, Die Neue Zeitung. Zwischen 1957 und 1971 lieferte er wöchentlich Zeichnungen an die Hamburger Zeitung Die Zeit, insbesondere für Rudolf Walter Leonhardts Kolumne Pro & Contra. In diesen Jahren entstanden rund 3000 politische Karikaturen und Flora machte sich damit als politischer Karikaturist einen Namen. Seine Zeichnungen wurden auch in internationalen Blättern veröffentlicht: The Times, Literary Supplement, Du, Dagens Nyheter und The Observer.
In der Frühzeit seines Schaffens entstabden viele Buch-Illustrationen satirischen Inhalts. Ab 1953 begann eine intensive Zusammenarbeit mit dem Diogenes Verlag in Zürich. Neben Mappen und thematischen Zusammenstellungen eigener Werke waren es Bücher von Peter Hacks, Wolfgang Hildesheimer, Erich Kästner, Josef Müller-Marein und Hans Weigel, die neben vielen anderen von Paul Flora nicht nur bebildert, sondern mit seinem Zeichenstift kongenial ergänzt wurden.
1963 entwarf Flora das Bühnenbild für Amphitryon (Kleist) im Akademietheater in Wien und 1998 das Bühnenbild für Der König stirbt (Ionesco) im deutschen Schauspielhaus in Hamburg
Zwischen 1985 und 1998 erschienen mehrere Briefmarkenserien mit Motiven von Paul Flora in Österreich (1985 und 1993) und im Fürstentum Liechtenstein (1998) sowie ein Satz von sieben Olympiamarken (1988). So schmückt zum Beispiel Paul Floras Bild Fliegender Harlekin eine Sonderpostmarke. Der Fliegende Harlekin spiegelt das bunte Treiben im Karneval von Venedig und gleichzeitig die Atmosphäre dieser Stadt wider.[2] Die Figuren und Masken, die auch heute noch Venedig zur Zeit des Karnevals in eine Stadt des Scheins verwandeln, inspirierten die Phantasie des Künstlers.[3]
Seit 1980 gab die österreichische Post Telefonwertkarten aus. 1994 erschien eine von Paul Flora mit Marionetten gestaltete Serie von vier Telefonwertkarten.
Vereinte Nationen – New York
Für seinen Südtiroler Weinlieferanten entwarf er Weinetiketten. Das Honorar ließ er sich bevorzugt in Form von Naturalien (Wein) „ausbezahlen“. Diversen Vereinen widmete er Logos bzw. Zeichnungen, wie z.B. der „Schmalfilmrunde Kufstein“, dem „Kunstkreis Aichwald“ oder den „Absamer Matschgerern“.
Obwohl sie nur einen geringen Teil seines Werkes ausmachen, wurden die spitzschnabeligen Raben, mit denen er menschliches Verhalten symbolisierte, zu einem Markenzeichen Paul Floras.
Das Werkverzeichnis der illustrierten Bücher erschien 1992 zum 70. Geburtstag Paul Floras. Es umfasst 135 Buchtitel und 10 Mappenwerke aus 45 Jahren und gibt in 67 Illustrationen einen Überblick über das Werk des Künstlers.
und Ausstellungen in vielen hundert Galerien in Europa und den USA. Seine Stammgalerien waren in Innsbruck (Galerie Flora) und Salzburg (Galerie Seywald)
Von 1989 bis 1991 entstanden mehrere Filme über und von Flora für den ORF:
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Flora, Paul |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Zeichner, Karikaturist und Buchillustrator |
| GEBURTSDATUM | 29. Juni 1922 |
| GEBURTSORT | Glurns, Vinschgau, Südtirol |
| STERBEDATUM | 15. Mai 2009 |
| STERBEORT | Innsbruck |