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Pavia

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Pavia (BegriffsklĂ€rung) aufgefĂŒhrt.
Pavia
Wappen
Pavia (Italien)
Pavia
Staat: Italien
Region: Lombardei
Provinz: Pavia (PV)
Lokale Bezeichnung: Pavia
Koordinaten: 45° 11â€Č N, 9° 9â€Č O45.18333333339.1577Koordinaten: 45° 11â€Č 0″ N, 9° 9â€Č 0″ O
Höhe: 77 m s.l.m.
FlĂ€che: 62 kmÂČ
Einwohner: 71.142 (31. Dez. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte: 1147 Einw./kmÂČ
Postleitzahl: 27100
Vorwahl: 0382
ISTAT-Nummer: 018110
Demonym: Pavesi
Schutzpatron: San Siro di Pavia
Website: Pavia

Pavia (deutsch Ă€lter auch: Pawei) ist eine Stadt mit 71.142 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2010) in der sĂŒdwestlichen Lombardei, im Norden Italiens, etwa 35 Kilometer sĂŒdlich von Mailand am Fluss Ticino gelegen.

Pavia ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, bekannt fĂŒr ihre landwirtschaftlichen Produkte wie Weine, Reis, Getreide und Molkereiprodukte. Mehrere Industriegebiete liegen in den Vororten Pavias. Die Stadt beherbergt eine der Ă€ltesten UniversitĂ€ten Europas, die UniversitĂ€t Pavia. Seit dem 1. Jahrhundert ist der Ort Sitz eines Bistums.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bereits in der vorrömischen Zeit war die damalige Stadt Ticinum Papiae eine grĂ¶ĂŸere Siedlung und spĂ€ter im Römischen Reich befestigte Garnison.

Schließlich wurde die Garnison zur Zitadelle umgebaut und war das letzte Bollwerk der Ostgoten, die Italien Ende des 5. Jahrhunderts erobert hatten, gegen die Oströmer. Nach der Eroberung durch die Langobarden, die 568 in Italien einfielen (Pavia fiel aber erst nach einer dreijĂ€hrigen Belagerung) wurde Pavia Hauptstadt des Langobardenreichs. Die Stadt wurde dann spĂ€ter von Karl dem Großen erfolgreich belagert. Bis ins SpĂ€tmittelalter hinein behielt Pavia, nun Teil des Heiligen Römischen Reiches, allerdings eine große symbolische Bedeutung.

In den folgenden Jahrhunderten gehörte Pavia zu den wichtigsten StÀdten Italiens. Im Jahr 1359 wurde es von der Familie der Visconti, den Herrschern Mailands erobert und wurde ein Zentrum der norditalienischen Kunst und Wissenschaft; 1361 wurde der erste Lehrstuhl an der UniversitÀt eingerichtet. Studenten der christlichen LÀnder Europas strömten nach Norditalien.

WĂ€hrend der bourbonisch-habsburgischen Kriege um Italien kam es ab dem 28. Oktober 1524 zur mehrmonatigen Belagerung der Stadt durch ein französisches Heer mit König Franz I. an der Spitze.[2] Die Niederlage und Gefangennahme des Königs von Frankreich in der Schlacht bei Pavia 1525 fĂŒhrte zu einer spanischen Besetzung, die bis 1713 andauerte. Pavia wurde durch österreichische Potentaten bis 1796 regiert, als es schließlich in die HĂ€nde der französischen Armee unter Napoleon Bonaparte geriet.

1815 wurde die österreichische Verwaltung wieder hergestellt, bis der zweite italienische UnabhÀngigkeitskrieg 1859 und die im Jahr darauf folgende Vereinigung Italiens folgte. Von 1859 bis 1927 existierte der Kreis Pavia.

SehenswĂŒrdigkeiten

San Michele Maggiore

San Michele
San Michele, Innenraum

Die im lombardisch-romanischen Stil erbaute Basilika San Michele Maggiore ist das bekannteste und wichtigste religiöse Bauwerk der Stadt. In ihrer wĂ€hrend der langobardischen Periode errichteten VorgĂ€ngerkirche wurde im Jahre 774 Karl der Große zum König der Langobarden gekrönt. Das GebĂ€ude wurde im Jahre 1004 durch einen Brand zerstört. Von ihr stammt noch der untere Teil des Glockenturms. Die Arbeiten am heutigen Bau begannen gegen Ende des 11. Jahrhunderts und dauerten bis zum Jahre 1155 an. San Michele wird als der Prototyp zahlreicher mittelalterlicher Kirchenbauten der Region angesehen. Trotzdem unterscheidet sie sich von den anderen Kirchen der Stadt durch den Verbau des empfindlichen Sandsteins anstelle des ĂŒblichen Ziegelsteins sowohl bei den Kernmauern als auch den Verzierungen. Die architektonische Gestaltung der auf einem kreuzförmigen Grundriss erbauten Kirche wird vor allem durch das außergewöhnlich stark entwickelte Querschiff geprĂ€gt, welches auf der Nordseite mit einer eigenen Fassade und auf der gegenĂŒberliegenden SĂŒdseite mit einer eigenen Apsis ausgestattet ist und aus einem Tonnengewölbe besteht, das sich von den Kreuzgewölben der anderen Kirchenteile grundlgegend unterscheidet. Man könnte den Eindruck gewinnen, es handele sich um eine zweite Kirche, die den ursprĂŒnglichen Bau im rechten Winkel durchdringt.

Der heutige Zustand der Fassade und besonders ihrer bedeutenden Reliefs ist desolat. Ihr Verfall ist sehr weit fortgeschritten, obwohl man hier schon in den 60er Jahren versucht hatte, ihn zu stoppen. S. Michele wurde als einzige Kirche der Stadt mit Kalkstein verkleidet, der jedoch schnell verwittert.

Zur Baugestalt:

Norditalien ĂŒbernahm in seiner Architektur in dieser Zeit viele Anleihen aus Nordeuropa. Aber das gilt in erster Linie fĂŒr die Gestaltung des Baukörpers, also der Kirche als plastische Gesamtgestalt. Bei den Fassaden hat man aber einen eigenen Weg eingeschlagen. Man blieb bei den vergleichsweise glatten Außenmauern und setzte hier die Traditionen aus dem altchristlichen und byzantinischen Bereich fort. Und diese glatte FassadenflĂ€che wurde gestaltet mit den Mitteln der reifen romanischen Baukunst, von denen allerdings zwei doch wieder aus dem Norden stammen: die Dreiportalanlage aus Frankreich und die Zwerggalerie aus Deutschland.

Die Zwerggalerie:

Pavia, Chiesa di San Michele, Fassade mit Zwerggalerie
Chiesa di San Michele, Detail vom Hauptportal

Diese sog. Zwerggalerie verlÀuft hier direkt unter der Dachlinie. Die Zwerggalerie ist ein ganz entscheidendes Element in der romanischen Architektur. Sie trat zum ersten Mal um 1050 an der Westfassade des Trierer Domes auf[3] und um 1100 am Speyerer Dom als ein Element, das das gesamte GebÀude umlÀuft [4].

Die Zwerggalerie ist in der mitteleuropĂ€ischen Architektur sehr schnell als Gestaltungsmittel einer Außenwand aufgegriffen worden, vor allem in Deutschland (Rheinland) und hier in Nord- und Mittelitalien – nicht aber in Frankreich. Es gibt Kirchen, deren Fassade fast ausschließlich aus ĂŒbereinander gelagerten SĂ€ulengalerien besteht (Arezzo). Auch der berĂŒhmte schiefe Turm von Pisa hat dieses Prinzip aufgegriffen und in besonders dekorativer Form fortgefĂŒhrt.

Ein weiteres starkes Gestaltungselement dieser Fassade sind die mĂ€chtigen senkrechten Dienste. Hier fließen noch zwei weitere EinflĂŒsse zusammen – erstens die bereits erwĂ€hnte langobardische Schmuckfreudigkeit. Diese alte Tradition der Flechtornamente tritt hier in den mĂ€chtigen Diensten wieder auf, besonders in ihren OberflĂ€chen, und auch in den waagerechten ReliefbĂ€ndern.

Das formale Vorbild fĂŒr diese Dienste ist der nordeuropĂ€ischen BĂŒndelpfeiler, der aber eigentlich in den Innenraum gehört, wo er den Druck des Gewölbes aufnimmt. Hier an dieser Fassade in Pavia sind die BĂŒndelpfeiler als Dekorationsmittel verwandt worden, die nur nebenbei auch stĂŒtzende Funktion haben fĂŒr die gewaltige Fassadenmauer, die ja deutlich höher ist als das Kirchenschiff dahinter [sog. Blend- oder Schirmfassade [5]].

Entscheidend ist bei diesen lombardischen Fassaden, dass sie turmlos sind und eine mit Skulpturen geschmĂŒckte Schaufront haben[6]. Im Norden Europas wurde im 11. Jahrhundert dagegen die Doppelturmfassade entwickelt, die bei fast allen grĂ¶ĂŸeren Kirchen am Außenbau einen starken Akzent setzt und die in der Gotik noch gesteigert werden konnte - s. Kölner Dom. In Italien hat man das immer anders gesehen. Die einzigen TĂŒrme waren hier die Campanile, und die waren in der Regel nicht mit dem GebĂ€ude verbunden. DafĂŒr wurde die reich gestaltete Schaufassade geschaffen, von denen Sie hier eine der frĂŒhesten Versionen sehen.

San Pietro in Ciel d’Oro

Die Basilica minor San Pietro in Ciel d’Oro[7] (‚Sankt Peter im goldenen Himmel‘) hat eine lange und bedeutende Geschichte, die bis zum Beginn des 5. Jahrhunderts zurĂŒckverfolgbar ist. Der 604 erstmals erwĂ€hnte VorgĂ€nger des heutigen Kirchenbaus ist an der Stelle errichtet worden, an der Severinus BoĂ«thius, römischer Berater des Ostgotenkönigs Theoderich, hingerichtet worden war. Der zu Lebzeiten hoch geschĂ€tzte Gelehrte war aus politischen und religiösen GrĂŒnden zum Tode verurteilt worden und wird daher als MĂ€rtyrer verehrt. Seine Gebeine befinden sich noch heute in der Krypta unter dem Altarraum. Dieser Zusammenhang wird von Dante Alighieri in seiner Göttlichen Komödie erwĂ€hnt. Im zehnten Gesang des Paradieses stehen folgende Zeilen, die sich auf BoĂ«thius' Seele beziehen:

Der Leib, von dem sie durch Gewalt geschieden
Liegt in Ciel d’Oro, und sie kam aus Gefahr
Und Bann und MĂ€rtyrtum zu diesem Frieden.

Ihre heutige Form erhielt die Kirche im Jahre 1132, nachdem das alte GebĂ€ude 924 von den Awaren zerstört worden war. Im Gegensatz zu San Michele wurde hier Ziegelstein verwendet, in anderen Dingen, wie der Fassade, der Kuppel und dem Mosaikfußboden, Ă€hneln sich die Kirchen jedoch. In den hintersten Pfeiler des rechten Seitenschiffes ist das Grab des Langobardenkönigs Liutprand († 744) eingelassen.

Die Kirche ist darĂŒber hinaus die letzte RuhestĂ€tte des Heiligen Augustinus von Hippo, dessen Gebeine von Liutprand im Jahre 720 von Sardinien hierher gebracht wurden. Sie sind in dem bekannten Sarkophag des hl. Augustinus bestattet, einem von Gian Galeazzo Visconti finanzierten, mit 95 Figuren und 50 Marmorreliefs verzierten Altar, der in der Mitte des Presbyteriums steht. Des Weiteren befindet sich in dieser Kirche eine Darstellung der Vier Gekrönten, auch Quattuor Coronati, genannt.

Castello Visconteo

Castello Visconteo

Das Castello Visconteo wurde 1360 von Galeazzo II. Visconti errichtet. Heute ist im Schloss das StĂ€dtische Museum untergebracht. Der das Schloss umgebende Park erstreckte sich einstmals ĂŒber zehn Kilometer bis zur Certosa di Pavia. Heute noch sind Teile davon unter dem Namen Parco della Vernavola erhalten.

Dom von Pavia

Piazza Vittoria mit Blick auf die Kuppel des Doms

Pavias Dom ist ein imposantes Bauwerk mit dem Grundriss in der Form eines griechischen Kreuzes. Mit dem Bau der Kathedrale wurde bereits 1488 begonnen, sie blieb allerdings bis 1898 unvollendet. In diesem Jahr wurde die Fassade und die Kuppel nach OriginalplĂ€nen von Giovanni Antonio Amadeo ergĂ€nzt. Die achteckige Kuppel ist mit einer Höhe von 97Metern, einem Gewicht von ca. 20000 Tonnen und einer Anzahl von 34 Fenstern die drittgrĂ¶ĂŸte Kuppel Italiens nur ĂŒberboten vom Petersdom in Rom und Santa Maria del Fiore in Florenz. Neben dem Dom stand der mittelalterliche Glockenturm (Campanile), dessen Einsturz am 17. MĂ€rz 1989 vier Todesopfer forderte.

Ponte Coperto

Das historische Zentrum der Stadt befindet sich nördlich des Flusses Ticino, direkt gegenĂŒber liegt der Stadtteil Borgo Ticino, der ursprĂŒnglich außerhalb der Stadtbefestigung lag. Beide Seiten wurden von der 1351 bis 1354 errichteten Ponte Coperto verbunden, welche wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges zerstört wurde. Die heutige BrĂŒcke ist eine Rekonstruktion aus den 50er-Jahren, welche einige Meter weiter östlich des ursprĂŒnglichen Standortes errichtet wurde. Die Lage der alten BrĂŒcke ist aus dem Straßenverlauf und den bei Niedrigwasser sichtbaren Pfeilerfundamenten im Flussbett ersichtlich.

Certosa di Pavia

Die Kartause von Pavia ist ein beeindruckender Klosterkomplex acht Kilometer nördlich von Pavia. Die Anlage wurde von Gian Galeazzo Visconti gestiftet und im Jahre 1396 wurde mit dem Bau begonnen. Bis ins 18. Jahrhundert wurde sie mehrmals erweitert und umgestaltet. Das Kloster wird heute von Zisterziensermönchen bewirtschaftet und kann tĂ€glich (außer montags) besichtigt werden.

Verkehr

Pavia besitzt mit den Autobahnen A53 und A54 zwei Stadtumfahrungen, die an die Autobahn A7 (Mailand–Genua) angeschlossen sind. Die Benutzung der beiden Umfahrungen ist kostenfrei.

Der Bahnhof Pavia ist der wichtigste Bahnhof von Pavia.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter

StÀdtepartnerschaften

Galerie

Einzelnachweise

  1. ↑ Statistiche demografiche ISTAT. Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica vom 31. Dezember 2010.
  2. ↑ Ferdinand Gregorovius: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter: vom V. bis zum XVI. Jahrhundert, Band 2, Seite 559. ISBN 978-3-406-07107-2, abgefragt am 25. Oktober 2011
  3. ↑ Koch, Wilfried: Baustilkunde. Das große Standardwerk zur europĂ€ischen Baukunst von der Antike bis zur Gegenwart. MĂŒnchen 1994, S. 92
  4. ↑ Binding, GĂŒnther: Architektonische Formenlehre. Darmstadt 1980, S. 133 ff
  5. ↑ Toman, Rolf (Hrsg.): Die Kunst der Romanik. Architektur - Skulptur - Malerei. Köln 1996, S. 22
  6. ↑ Adam, Ernst: Vorromanik und Romanik. Frankfurt 1968, S. 163
  7. ↑ La tomba di sant'Agostino – Pavia, Offizielle Website

Weblinks

 Commons: Pavia â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
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