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Pelosol

Profil eines Pelosols

Der Pelosol oder Tonboden (von griech.: pelos = Ton und lat.: solum = Boden) ist ein sehr tonreicher Bodentyp, der die Endstufe der Bodenentwicklung auf Tonstein ist. Der Boden weist drei Horizonte auf und wird von der Deutschen Bodensystematik in die Klasse D (Pelosole) eingeteilt. Seine Abkürzung lautet DD.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Auf freiliegendem Tonstein bildet sich schnell eine Pflanzendecke, wodurch ein dünner, humoser Oberboden entsteht (Bodentyp Syrosem). Sobald der humose Oberboden mächtiger als 2 cm ist, wird das nächste Stadium der Bodenentwicklung erreicht: Meist ist dies der Ranker (silikatischer Tonstein; ≤ 2 Gew.% Kalk); seltener die Pararendzina (mergeliger Tonstein; > 2 bis < 75 Gew.% Kalk).

Unter dem Oberbodenhorizont beginnt auch der Tonstein allmählich zu verwittern. Wenn dadurch im Unterboden ein weiterer Horizont entstanden ist, wird der Boden als Pelosol angesprochen. Mit der Zeit wird dieser Horizont immer mächtiger, er ändert aber nicht mehr wesentlich seine Eigenschaften. Von daher entwickelt sich der Boden nicht mehr zu anderen Bodentypen weiter und das Endstadium der Bodenbildung ist erreicht (Klimaxboden).

Verbreitung

Da Pelosole für ihre Entstehung Tonstein benötigen, ist ihre Verbreitung weitgehend an Vorkommen dieses Materials gebunden. Es ist nicht sehr verbreitet, wobei es verstreute Vorkommen überall in den mitteleuropäischen Mittelgebirgen gibt. Besonders große Bedeutung haben Tonsteine im Allgäu, dem Ostwestfälischem Bergland, dem Thüringer Becken oder der Schwäbischen Alb.

Eigenschaften

Die Tonminerale der Tonsteine sind in der Regel hochwertige 3-Schicht-Tonminerale. Durch diese sind die Böden nährstoffreich und haben eine hohe Nährstoffhaltefähigkeiten (KAK) um 20 cmol+. Außerdem können diese Tonminerale in Abhängigkeit vom aktuellen Wassergehalt Wasser aufnehmen und wieder abgeben, weshalb sie quellen und schrumpfen. Bei Trockenheit entstehen so zu tiefen Rissen, die sich bei Nässe wieder schließen. Im Boden kommt es dadurch zu ständigen Scherbewegungen, wodurch sich ein stark ausgeprägtes Gefüge aus groben, scharfkantigen Bodenaggregaten bildet (Polyeder oder Prismen). Außerdem entstehen an den Aggregatgrenzen glatte, glänzende Scherflächen (slicken sides), die im Bodenprofil deutlich sichtbar sind.

Der Wasserhaushalt des Bodens weist einige Besonderheiten auf: Durch die Trockenrisse können Niederschläge direkt nach unten sickern, ohne den Boden im ganzen zu durchfeuchten (vertikale Entwässerung). Außerdem weist Ton nur wenig Bodenluft auf (Tendenz zur Staunässe) und kann kaum pflanzenverfügbares Wasser speichern. Das meiste Wasser wird so stark im Boden gebunden, dass es für Wurzeln nicht erreichbar ist. Dies macht den Standort problematisch für Pflanzen.

Eine Besonderheit ist die Selbstmulchung (pedogene Durchmischung): Über die Risse rieselt humoser Oberboden tief in den Boden und wird über die Scherbewegungen selbständig homogen eingearbeitet. Deshalb weisen Pelosole bis in große Tiefen relativ hohe Humusgehalte auf.

Horizontierung

Der Pelosol ist meist relativ flachgründig und weist drei Horizonte auf: Ah/P/C.

  • Ah: An der Oberfläche ist der humose (h) Oberbodenhorizont (A). Er ist sehr tonreich. Wird der Standort als Acker genutzt, trägt er die Bezeichnung Ap (p für gepflügt).
  • P: Unter dem Ah-Horizont beginnt der Pelosol-Horizont (P), der nur bei diesem Bodentyp zu finden ist. Es handelt sich um das verwitterte, tonreiche Ausgangsmaterial. Der Tongehalt ist sehr hoch (≥ 45 Gew.%), wobei quellfähige 3-Schicht-Tonmineralien überwiegen. Der Horizont muss in den obersten 30 cm beginnen. Unter trockenen Bedingungen weist er tiefe Risse auf. Darüber hinaus hat er ein ausgeprägtes Gefüge.
  • i,eC: Das Ausgangsmaterial ist Tonstein. Es kann silikatisch (i) oder mergelig (e) sein.

Verwandte Bodentypen

In der internationalen Bodenansprache WRB wird für quellende und schrumpfende Tonböden die Bezeichnung Vertisol verwendet. Bei vielen mitteleuropäischen Pelosolen reichen diese besonderen Eigenschaften (Mächtigkeit des verwitterten Tons, Tongehalt, Quellung/Schrumpfung...) aber nicht aus, um als Vertisol eingestuft zu werden. Bei tropischen und subtropischen Vertisolen sind diese oft noch wesentlich stärker ausgeprägt. Alle Vertisole wären nach Deutscher Bodensystematik als Pelosol anzusprechen. Viele mitteleuropäische Pelosole gehören aber nicht zu den Vertisolen. Sie werden zu den Leptosolen, vertic Luvisolen oder vertic Cambisolen (vertic = tonreich) gezählt.

Die Terra fusca weist ähnlich hohe Tongehalte auf. Allerdings bildet sie sich auf Kalkstein und weist geringwertigere 2-Schicht-Tonmineralien auf. Von daher kommt es in ihr nicht zum Quellen und Schrumpfen. Außerdem ist die Nährstoffhaltefähigkeit etwas geringer.

Auch Marschböden wie die Kleimarsch haben hohe Tongehalte, allerdings ganz andere Eigenschaften.

Nutzung

Pelosole sind zwar fruchtbar aber wegen ihrer extrem hohen Tongehalte nur schwer zu bearbeiten (Minutenboden). Vor allem das Pflügen ist nur bei bestimmten Wassergehalten möglich und verlangt schwere Technik. Darüber hinaus kommt es schnell zu Trockenstress, da der Boden nur wenig pflanzenverfügbares Wasser speichern kann. Deshalb ist die Ackernutzung bei Pelosolen in Mitteleuropa die Ausnahme. Es überwiegen die Grünlandnutzung und die Forstwirtschaft.

Siehe auch

Literatur

  •  Fritz Scheffer: Lehrbuch der Bodenkunde / Scheffer/Schachtschabel. neubearb. und erw. von Hans-Peter Blume u.a.,. 15. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg – Berlin 2002, ISBN 3-8274-1324-9, S. 492f.</span>
  • AD-HOC-Arbeitsgruppe Boden: Bodenkundliche Kartieranleitung, Hrsg.: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Geologischen Dienstern, 5. Aufl., 438 S.; 41 Abb., 103 Tab., 31 Listen, Hannover 2005, ISBN 3-510-95920-5
  • Mückenhausen, E. (1993): Die Bodenkunde und ihre geologischen, geomorphologischen, mineralogischen und petrologischen Grundlagen. DLG-Verlag, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-7690-0511-0.
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