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Der Begriff Person hat mehrere Bedeutungen:
Person darf in diesem Sinn weder mit Persönlichkeit noch mit IndividualitÀt verwechselt werden.
Inhaltsverzeichnis |
Die Herkunft des Wortes Person ist nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rt; es existieren hierzu zwei verschiedene Theorien. Fest steht lediglich, dass es im 13. Jahrhundert als person(e) aus lat. persona âMaske des Schauspielersâ ins Deutsche ĂŒbernommen wurde. Der Ursprung des lateinischen Begriffes ist jedoch umstritten. Am bekanntesten ist die Ableitung von lat. per-sonare (kurzes -o-) fĂŒr âdurchtönenâ (nĂ€mlich die Stimme durch die Maske). Ein vergleichbarer ErklĂ€rungsversuch nimmt die Abstammung von per-sĂŽnare bzw per-zĂŽnare (langes -o-) fĂŒr âverkleidenâ (zu griech. ζÏΜη zĂŽnĂȘ âGĂŒrtelâ) an. Diese Ad-hoc-Herleitungen werden jedoch stark angezweifelt.
Manche Wissenschaftler halten den Begriff fĂŒr eine Entlehnung aus griech. ÏÏÏÏÏÏÎżÎœ prosĂŽpon âMaskeâ, âRolleâ, âMenschâ. Einer anderen und von den meisten Etymologen heute fĂŒr wahrscheinlicher gehaltenen Theorie zufolge stammt er jedoch vom etruskischen Wort phersu âMaskeâ. Die Ableitung aus dem Etruskischen wird bereits seit Jahren als einzige Version von der Duden-Redaktion vertreten.
In der klassischen Philosophie ist die Definition des Boethius der Ausgangspunkt des VerstĂ€ndnisses vom Menschen als Person: Persona est rationalis naturae individua substantia, d. h. Person ist die unteilbare (âindividuelleâ) Substanz rationaler (vernĂŒnftiger) Natur. Dies meint, dass der Erscheinung des Menschen als denkendem Lebewesen ein sinnlich nicht wahrnehmbarer, d. h. metaphysischer Wesenskern zugrunde liegt.
âPersonâ in diesem Sinne wurde in der mittelalterlichen Philosophie dann öfter mit dem Begriff âunsterbliche Seeleâ identifiziert. In der Philosophie der Neuzeit (AufklĂ€rung) wurde der Begriff Person als einer substanziellen RealitĂ€t vielfĂ€ltig kritisiert und seine metaphysische Dimension argumentativ bestritten. Seit dem 20. Jahrhundert ist nicht mehr von einer Substanz die Rede, sondern von PersonalitĂ€t im Sinne eines Existenzials.
Kant unterscheidet deutlich zwischen dem Begriff der Person als Vernunftwesen (Lebewesen, das nach vernĂŒnftigen Prinzipien denken kann und von daher seine WĂŒrde als Person erhĂ€lt, die Tieren nicht zukommt, weil sie ein solches Vermögen nicht besitzen) und der âunsterblichen Seeleâ als reiner Vernunftbegriff (in der Vernunft vorkommende Idee, auf die man zwingend stöĂt, wenn man den Begriff der Vernunft als moralischer Vernunft konsequent durchdenkt; âSeele).
In modernen philosophischen Strömungen sind Personen die Subjekte der Ethik. Manche Ethiker, so Peter Singer, unterscheiden zwischen Mensch und Person. Diskursethisch lasse sich dies so begrĂŒnden, dass nur der Mensch als Person gelten kann, der in der Lage ist, sich im Diskurs zu Ă€uĂern. Kritiker wie Robert Spaemann stellen Singers Unterscheidung zwischen Mensch und Person in Frage, besonders wegen der Graduierungsunmöglichkeit zwischen âetwasâ und âjemandemâ; ihnen gilt die biologische Zugehörigkeit zur Gattung Mensch als alleiniges Kriterium fĂŒr PersonalitĂ€t. Auch Vertreter des Naturrechts argumentieren, dass dem Menschen â durch seinen Geist â von Anfang an und in allen Situationen (also etwa auch im Koma) das Personsein und damit seine besondere WĂŒrde zukomme.
In besonderem MaĂe hat die Philosophie des Personalismus den Begriff Person definiert, nĂ€mlich nicht als Bewusstsein des Individuums von sich selbst, sondern als âaktive SubjektivitĂ€tâ des Einzelnen, durch die er sich selbst hervorbringt. Dieser Status wird prinzipiell jedem Menschen zugesprochen; da es ein ethisch-moralisches Prinzip ist, kann es nicht verĂ€uĂert werden: Der Mensch ist an sich immer Person und soll es zugleich werden, indem er immer mehr von seiner Freiheit Gebrauch macht und sich selbst bestimmt. Die Unterscheidung zwischen Person als Wesensbegriff und Persönlichkeit als Individuation ist unbedingt zu beachten; die Person des Menschen steht in der Hierarchie der Werte ĂŒber allen anderen Werten, sei es die Persönlichkeit, die soziale Rolle, die Gemeinschaft oder das biologische Individuum.
Die Christliche Soziallehre sieht in der PersonalitĂ€t neben der SolidaritĂ€t, SubsidiaritĂ€t sowie dem Gemeinwohl und der Gerechtigkeit eines der Prinzipien fĂŒr ein gelingendes menschliches Zusammenleben in Gesellschaft und Staat.
Der Person-Status des Menschen ist die Grundlage der ErklÀrung der Menschenrechte.
In der Psychologie wird Person synonym zu dem Begriff Individuum verwendet und ist somit Gegenstand jeglicher psychologischer Forschung (Differentielle Psychologie, Persönlichkeit).
In der Rechtswissenschaft gilt neben dem lebenden Menschen als natĂŒrlicher Person auch die juristische als Person. Weder ist der juristische Begriff der Person identisch mit dem der juristischen Person, noch können nur Personen im juristischen Sinn Rechtssubjekte bzw. rechtsfĂ€hig sein.
In der klassischen Studie Ferdinand Tönnies' von 1887 âGemeinschaft und Gesellschaftâ (3. Buch, §§ 2+7) ist âPersonâ der TrĂ€ger sozialer Rollen, insofern dieser die âGesellschaftâ mit anderen zu eigenem Vorteil willentlich sucht; der Begriff nĂ€hert sich damit Marx' âCharaktermaskeâ an. Tönnies (ebda., Darmstadt 2005, S. 151): Zum Begriff der Person kann von keinen anderen empirischen Subjekten abgezogen werden, auĂer von den einzelnen Menschen, welche begriffen werden, insofern als jeder ein [...] in Gedanken wollender ist, folglich gibt es insoweit wirkliche und natĂŒrliche Personen, als Menschen vorhanden sind, welche sich als solche vorstellen, diese âRolleâ ĂŒbernehmen und spielen, oder den âCharakterâ einer Person wie eine Maske vor ihr Antlitz halten.
Der Begriff âPersonâ steht bei Tönnies dem Begriff âSelbstâ gegenĂŒber: Letzteres benennt das Selbstbild des Einzelnen, insofern er die âGemeinschaftâ mit anderen sucht, um sich ihr willentlich einzuordnen.
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