|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
Peter Lenk (* 6. Juni 1947 in Nürnberg) ist ein deutscher Bildhauer aus Bodman-Ludwigshafen am Bodensee.
Inhaltsverzeichnis |
In den 1980er Jahren machte Lenk vor allem durch ungenehmigte Aktionen auf sich aufmerksam. Dazu gehörten
Zu seinen überregional bekannten Werken gehören die Imperia (1993) in der Konstanzer Hafeneinfahrt, das Triptychon Ludwigs Erbe (2008) am ehemaligen badischen Zollhaus in Ludwigshafen am Bodensee sowie der sogenannte Pimmel über Berlin (2009).
In Konstanz befinden sich darüber hinaus der Konstanzer Triumphbogen (Laubebrunnen) von 1992 und die 14 Meter hohe Betonplastik mit dem Titel „Karriereleiter“ vor dem Bürogebäude Max-Stromeyer-Straße 116 im Businesspark Konstanz.
Einen Eklat provozierte Lenk in Überlingen, wo er nahe der Schiffsanlegestelle den ortsansässigen „Dichterfürsten“ Martin Walser als Figur auf dem Bodenseereiter-Brunnen verewigte, wie er unvorteilhaft als Reiter über den Bodensee auf einem alten Gaul sitzt, mit Schlittschuhen statt Sporen an den Füßen, umgeben von eher älteren nackten Wasserjungfrauen.
Ein weiteres Objekt ist der „Esel“ auf dem Marktplatz in Biberach an der Riß.
In Pfullendorf stellte Lenk Graf Lennart Bernadotte, den ehemaligen Besitzer der Mainau, als nackten Schmetterlingsmann auf eine Säule, mit einem riesigen „Bestäuber“ zwischen den Beinen. Der Graf war als fortpflanzungsfreudig bekannt.
Ein weiteres Werk von Lenk steht seit Sommer 2003 in Lauffen am Neckar in der Mitte eines Verkehrskreisels und nennt sich Hölderlin im Kreisverkehr.
In Ravensburg wurde in der Bachstraße vor dem ehemaligen Gasthaus zur Krone ein Denkmal an das Schicksal der „Schwabenkinder“ aus Tirol, Graubünden und Vorarlberg aufgestellt. Auf den Schultern eines kleinen Schwabenkindes sitzen Knecht und Geistlicher in erdrückender Fülle. Die armen „Schwabenkinder“ wurden während des Winters aus ihrer kargen, notleidenden, bergbäuerlichen Umgebung in das reiche Schwabenland auf die Verdingmärkte geführt.
In Stockach sieht man den Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping vierfach auf einem U-Boot salutierend stehen, zu dem Ensemble gehört auch eine dralle Nackte. Und auf dem Giebel der Unteren Apotheke (in der Oberstadt) sitzt sein Ehrenwortbube.
Am 3. Oktober 2004 wurde in der Markgrafenstadt Schopfheim eine monumentale Skulptur Lenks zum Thema „Badische Revolution 1848/1849“ enthüllt. Es sind Figuren aus grauem Beton auf einem 3,50 Meter hohen und 20 Meter langen Schwebebalken. Man erkennt den damaligen baden-württembergischen Ministerpräsident Erwin Teufel 6-fach als preußischen Soldaten mit Pickelhaube auf dem Kopf und bajonettbewehrtem Gewehr. Die Gruppe stürmt auf den undisziplinierten Haufen badischer Revolutionäre zu. Einen davon verkörpert das Mitglied der 1968er-Bewegung, der Kommunarde Fritz Teufel. Er hat sich eine Teufel-Kasperlefigur mit Pickelhaube auf den Daumen gestülpt und zieht damit den Abzug seiner Pistole. Sein Ziel: Die heranstürmenden Teufel-Klone: „Der Teufel schießt mit dem Teufel auf den Teufel“, witzelt Lenk. Weiter erkennt man die badischen Revolutionäre Friedrich Hecker, Gustav Struve, Emma Herwegh (sie zeigt die nackte Kehrseite) und Heckers Hund, einen bissigen Schopfheimer Mischling, der Hecker zulief und ihn begleitete.
Ebenfalls aus dem Jahr 2004 stammen drei Brückenfiguren in Hirsau, die den Gründer des Klosters, Abt Wilhelm, seinen Zerstörer Melac und eine gleichgültige Zeugin zeigen.
Ein weiteres Kunstwerk ist die Magische Säule auf der Hafenmole in Meersburg. In dem filigranen Werk werden Begebenheiten und Persönlichkeiten mit Bezug zu Meersburg dargestellt. Auf dem oberen Ende der Säule sitzt Annette von Droste-Hülshoff als freie Möwe; einige Meter unter ihr schwebt der „Meersburger Amor“, der auf den Freiherrn Joseph von Laßberg zielt. Dieser ist als eine Art Don Quichotte der Bodenseegegend dargestellt und erhebt einen Knüppel oder auch eine zusammengerollte Handschrift in Richtung Stadt. Auf einem Ausleger auf der anderen Säulenseite befindet sich ein Käfig, in dem die Wissenschaftler Maximilian Hell, Anton von Störck und Jan Ingenhousz eingeschlossen sind, während auf dem Dach des Käfigs Franz Anton Mesmer mit einem riesigen hufeisenförmigen Magneten in den Händen triumphiert. Rechts unterhalb der Laßberg-Figur befindet sich eine Darstellung der Wendelgard von Halten; am Fuß der Säule treibt der Exorzist Johann Joseph Gaßner vor dem staunenden Publikum diverse Teufel aus, während der Fürstbischof Franz Konrad von Rodt den Blick zum Himmel erhebt und ein Kreuz in der erhobenen Hand hält.
In Herrenberg befindet sich in zentraler Lage das Standbild „Pendelschlag 2000 Jerg Ratgeb, Köche und ein Mops“, welches verschlüsselt die Hinrichtung (Vierteilung) des Malers Jerg Ratgeb im Jahre 1526 aufgrund seiner führenden Teilnahme am Bauernkrieg darstellt. Jerg Ratgeb hat den Herrenberger Altar geschaffen, so dass Lenks Referenz sowohl politisch wie auch künstlerisch begriffen werden kann. In Herrenberg-Gültstein befinden sich zudem mehrere Figuren von Peter Lenk im Außenbereich des Hotel „Römerhof“ (u. a. ein Modell der Imperia und „Perseus“ ohne Schwert).[6]
2008 wurde sein erstes Werk in seiner Heimatgemeinde Bodman-Ludwigshafen enthüllt. Vor dem Rathaus in Ludwigshafen, dem ehemaligen badischen Hauptzollamt am Hafen, befindet sich ein dreiteiliges Relief mit dem Titel „Ludwigs Erbe“. Ausgehend von der Umbenennung Sernatingens in Ludwigshafen in der badischen Zeit werden weitere Ungereimtheiten der Geschichte thematisiert. Unter anderem sind fünf nackte Politiker dargestellt, die sich gegenseitig an die Genitalien fassen.[7] Die auf dem Teilrelief „Global Players“ dargestellten fünf nackten Personen sind Angela Merkel, Gerhard Schröder, Hans Eichel, Edmund Stoiber und Guido Westerwelle.[8][9] Einen Großteil der Materialkosten für das Relief hat der Kunstförderverein des Ortes gestiftet. Das Kunstwerk soll zwei Jahre (bis 2010) vor dem Rathaus aufgestellt bleiben, dann soll die Gemeinde entscheiden, ob sie es dem Künstler abkaufen möchte.
Im November 2009 kommentierte Lenk mit dem in den Medien so genannten[10][11] Pimmel über Berlin, einem Relief an der Fassade des taz-Redaktionsgebäudes, eine langjährige Auseinandersetzung zwischen taz und Bild-Chefredakteur Kai Diekmann.[12]
Lenks jüngstes Werk, eine künstlerische Zusammenarbeit mit seiner Tochter Miriam Lenk, ist Ende November 2011 unter dem Titel „Ausgrabungen“ in der Oberen Vorstadt in Albstadt-Ebingen (Zollernalbkreis) enthüllt worden. Es enthält Anspielungen auf Claudia Roth, Joschka Fischer, Stefan Mappus und Thilo Sarrazin.Die Skulpturen Strauß und Molch sind von Miriam Lenk.[13]
Lenks nächstes Projekt wird eine zwölf Meter hohe Installation in Emmingen-Liptingen sein.[13]
Seine Werke stoßen immer wieder auf heftige Kritik, da er bewusst Tabus verletzt, zum Beispiel durch die Darstellung nackter Prominenter.[14] Peter Lenk über seine Werke in einem Interview: „Der Boden, um meine Werke in meiner Denkweise zu schaffen, ist nur in Deutschland vorhanden. Die Deutschen sind noch am ehesten zur Selbstironie fähig und auch tolerant genug, meine Provokationen zu ertragen und zu verstehen. Doch auch hier stoße ich oft auf starken Widerstand“.[15]
In Bodman am Hang der Kaiserpfalzstraße Richtung Ludwigshafen sind einige seiner Entwürfe und Werke in einer Art Freilichtausstellung zu sehen.[16] Anhand der Objekte lassen sich gewissermaßen die Entwicklungsphasen seiner Kunst begreifen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lenk, Peter |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Bildhauer |
| GEBURTSDATUM | 6. Juni 1947 |
| GEBURTSORT | Nürnberg |