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Petra (Stadt)

Das Khazne al-Firaun am Ausgang des Siq. Das Schatzhaus des Pharao war in Wirklichkeit ein Grabtempel.

Die verlassene Felsenstadt Petra (arabisch ‏Ű§Ù„ŰšŰȘ۱ۧۥ‎ al-Batrā’) im heutigen Jordanien war in der Antike die Hauptstadt des Reiches der NabatĂ€er. Wegen ihrer Grabtempel, deren Monumentalfassaden direkt aus dem Fels gemeißelt wurden, gilt sie als einzigartiges Kulturdenkmal. Am 6. Dezember 1985 wurde Petra in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Bedeutung

Petras Lage

Östlich der Aravasenke, auf halbem Weg zwischen dem Golf von Akaba und dem Toten Meer, liegt Petra auf einer Höhe zwischen 800 und 1.350 m in einem weiten Talkessel im Bergland von Edom. Dank ihrer strategisch gĂŒnstigen Lage am Kreuzungspunkt mehrerer Karawanenwege, die Ägypten mit Syrien und SĂŒdarabien mit dem Mittelmeer verbanden, war die Stadt vom 5. Jahrhundert vor bis zum 3. Jahrhundert nach Christus ein bedeutender Handelsplatz. Insbesondere kontrollierte Petra einen wichtigen Knotenpunkt der Weihrauchstraße. Diese uralte Handelsroute fĂŒhrte vom Jemen aus an der WestkĂŒste Arabiens entlang und teilte sich bei Petra in einen nordwestlichen Zweig, der nach Gaza fĂŒhrte, und in einen nordöstlichen in Richtung Damaskus.

Zur gĂŒnstigen Geographie kam die versteckte Lage Petras zwischen schroffen FelswĂ€nden sowie eine sichere Wasserversorgung. Der Ort ist nur ĂŒber einen schmalen Gebirgspfad von Nordwesten zugĂ€nglich oder von Osten her durch eine etwa 1,5 Kilometer lange und bis zu 200 Meter tiefe Felsschlucht, den Siq (dt.: „Schacht“), der an seiner engsten Stelle nur 2 Meter breit ist. Brauch- und Trinkwasser wurde ĂŒber in den Fels gemeißelte AquĂ€dukte in die Stadt geleitet sowie durch Terrakottaröhren, die ebenfalls in die FelswĂ€nde eingelassen und mit Gips abgedichtet waren. Das höchst komplexe Wasserversorgungssystem, das zudem mehr als 200 Zisternen umfasste, speiste sich aus allen bekannten Wasserquellen im Umkreis von mehr als 25 Kilometern um die Stadt.

Oberirdische Wasserleitung im Siq

Die enge Verbindung von Fels und Wasser in der Region ließ die Legende entstehen, Petra sei der Ort gewesen, an dem Moses beim Exodus des Volkes Israel aus Ägypten mit dem Schlag seines Stabes eine Quelle aus dem Stein habe sprudeln lassen. Daher auch der heutige Name „Wadi Musa“ (dt.: „Mosestal“), der die Umgebung der Stadt bezeichnet. Tatsache ist, dass die NabatĂ€er mit ihren FĂ€higkeiten in der Wasserbewirtschaftung eine kĂŒnstliche Oase und damit eine wesentliche Voraussetzung fĂŒr BlĂŒte und Wachstum der Stadt schufen.

Das Wasser und die sichere Lage machten Petra zu einer bevorzugten Station fĂŒr Karawanen aus dem SĂŒden Arabiens, die ĂŒberwiegend mit LuxusgĂŒtern fĂŒr Abnehmer aus dem gesamten Mittelmeerraum beladen waren: mit GewĂŒrzen aus Indien und Seide aus China, Elfenbein aus Afrika, Perlen aus dem Roten Meer und eben Weihrauch aus dem SĂŒden Arabiens. Das Harz des Weihrauchbaums war in der gesamten antiken Welt als besonders kostbare, religiöse Opfergabe und als Arzneimittel begehrt. In umgekehrter Richtung gelangten ĂŒber Petra Waren aus der Levante, etwa Goldschmiedearbeiten aus Aleppo zu den MĂ€rkten Jemens und Omans. Zwischenhandel und Zölle warfen fĂŒr die NabatĂ€er hohe Gewinne ab.

Der Name der Stadt

Wie die NabatĂ€er ihre Hauptstadt selbst genannt haben, ließ sich bis heute nicht zweifelsfrei klĂ€ren. Nach einem nicht völlig gesicherten Zeugnis, den Antiquitates Judaicae des Flavius Josephus, lautete ihr Name Reqem, Reqmu oder Rakmu (dt.: „die Rote“, „die Bunte“), was eine Anspielung auf die rötliche FĂ€rbung des Sandsteins von Petra gewesen sein könnte.

Das Alte Testament erwĂ€hnt im Buch Richter (1,36) und im 2. Buch Könige (14,7) einen Ort in Edom namens Sela (dt.: „Fels“ oder „Stein“). Es ist aber umstritten, ob dieser Ort mit der NabatĂ€ermetropole identisch ist, die bei Strabon und Plinius dem Älteren fĂŒr die Zeit nach 169 v. Chr. unter dem griechischen Namen Petra bezeugt ist, der ebenfalls „Fels“ bedeutet. In der hellenistischen Welt gab es viele weitere Orte gleichen Namens.

Geschichte

Felsinschrift

Die Geschichte der Stadt ist aufs Engste mit der des NabatĂ€erreichs verknĂŒpft. Bis auf eine Reihe von Inschriften haben die NabatĂ€er jedoch kaum eigene Schriftzeugnisse hinterlassen. Ihre Geschichte und die Petras lĂ€sst sich daher nur bruchstĂŒckhaft und indirekt ĂŒber biblische sowie griechische und römische Quellen erschließen.

FrĂŒhe Besiedlung

Nach archĂ€ologischen Befunden war das Hochtal von Petra schon in der Altsteinzeit zeitweilig und seit der Jungsteinzeit – etwa ab 9000 v Chr. – dauerhaft besiedelt. Die Bibel spricht von den Horitern und Edomitern, die das Gebiet ab etwa 1500 v. Chr. bewohnten. Nach der Eroberung des Gebietes durch die Perser im 6. Jahrhundert v. Chr. gelang es dem aus dem Inneren Arabiens stammenden, semitischen Volk der NabatĂ€er etwa um 500 v. Chr., die Edomiter zu verdrĂ€ngen. Sie gingen nun von der Weidewirtschaft zur Kontrolle der Handelswege ĂŒber, die bei Petra zusammenliefen.

Als Halbnomaden scheinen sie anfangs nur Zelte in dem Tal errichtet und vereinzelt Höhlenwohnungen in den Fels geschlagen zu haben. Um die Mitte des 4. Jahrhunderts v. Chr. waren die NabatĂ€er dank des Handels mit GewĂŒrzen, Weihrauch und Silber bereits so wohlhabend geworden, dass sie Begehrlichkeiten ihrer Nachbarn weckten. Im Jahr 312 v. Chr. entgingen sie der Eroberung durch Antigonos I. Monophthalmos, einen der Nachfolger Alexanders des Großen, nur dank der uneinnehmbaren Lage Petras. Erst mit dem Niedergang der Diadochenreiche und dem Aufstieg Petras zur Hauptstadt der NabatĂ€er im 2. Jahrhundert v. Chr. begann dessen eigentliche BlĂŒte.

Das Temenos-Tor im Zentrum von Petra; im Hintergrund der Haupttempel Qasr al-Bint

BlĂŒtezeit

Im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde die Zeltstadt allmĂ€hlich von festen Bauten abgelöst. Gleichzeitig scheint sich auch die politische Macht verfestigt und eine stabile Königsherrschaft herausgebildet zu haben. Deren erster bekannter Vertreter war der fĂŒr das Jahr 168 v. Chr. im 2. Buch MakkabĂ€er erwĂ€hnte Aretas I. Ihm und seinen Nachfolgern gelang es, sich gegen das ptolemĂ€ische Ägypten zu behaupten und den Einflussbereich Petras auf Kosten des Seleukidenreichs immer weiter auszudehnen. Gleichzeitig zeigten sich die NabatĂ€er offen fĂŒr die kulturellen EinflĂŒsse ihrer hellenistisch geprĂ€gten Umgebung.

Seine grĂ¶ĂŸte Machtentfaltung erfuhr das NabatĂ€erreich wĂ€hrend der Regierungszeit des Königs Aretas III. Philhellen (87–62 v. Chr.). Er eroberte Damaskus, mischte sich in die MachtkĂ€mpfe der HasmonĂ€er in JudĂ€a ein und belagerte Jerusalem. Letzteres rief jedoch Rom auf den Plan. Im Auftrag des Pompeius bereitete der römische Feldherr Marcus Aemilius Scaurus der Besetzung Jerusalems ein Ende, besiegte Aretas III. und schloss im Jahr 62 v. Chr. vor Petra einen Vergleich mit ihm.

Nach Aretas' Tod geriet das Reich zwar in ein VasallenverhÀltnis zu Rom, blieb aber im Inneren autonom und konnte seine UnabhÀngigkeit noch fast 200 Jahre lang wahren. Der Wohlstand der Stadt wuchs weiter und die Bauten nahmen seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. immer monumentalere Formen an. Zur Zeit Aretas IV. (8 v. Chr. bis 40 n. Chr.) entstand der Haupttempel als reprÀsentativer Bau im Zentrum der Stadt. SchÀtzungen gehen davon aus, dass Petra damals etwa 30.000 bis 40.000 Einwohner zÀhlte.

Niedergang

Das Römische Theater von Petra
Element aus dem Bodenmosaik der byzantinischen Kirche (ca. 450–550).

Petras allmĂ€hlichen Niedergang hatte jedoch schon einer der VorgĂ€nger Aretas' IV. eingeleitet. Malichus I. (59–30 v. Chr.) hatte sich zeitweise mit den Parthern gegen Rom verbĂŒndet. Die Römer förderten daher in der Folgezeit den Schiffsverkehr auf dem Roten Meer und legten Karawanenwege an, die Petra im Norden umgingen. Der letzte NabatĂ€erkönig, Rabel II. (70–106), trug dem Rechnung, indem er die Hauptstadt in den Norden, nach Bostra im heutigen Syrien, verlegte. Kaiser Trajan besiegte die NabatĂ€er im Jahr 106 endgĂŒltig und gliederte ihr Reich als neugeschaffene römische Provinz Arabia Petraea mit der Hauptstadt Bostra ins Römische Reich ein.

ZunĂ€chst machte Gerasa im Norden des heutigen Jordanien Petra Konkurrenz als Handelsstadt. Im 3. Jahrhundert gelang es schließlich den Sassaniden, den Karawanenhandel nach Palmyra in Syrien umzulenken. Petra verlor damit immer mehr an Bedeutung und Wohlstand, blieb aber noch bis in die byzantinische Zeit hinein besiedelt. Unter Kaiser Diokletian stieg Petra noch einmal zur Hauptstadt einer Provinz auf – Palaestina salutaris – und war in der SpĂ€tantike damit auch Sitz eines Bischofs.

Erst nach zwei schweren Erdbeben 363 und 551 und nach Eroberung der Region durch die Araber 663 verließen die letzten Einwohner die Stadt, die nun immer weiter verfiel. Von ihren gemauerten Bauten blieben nur die Ruinen des Haupttempels Qasr al-Bint, des Temenos-Tors, Reste der Hauptstraße, Bodenmosaike der byzantinischen Kirche und wenige Grundmauern anderer GebĂ€ude ĂŒbrig. Die monumentalen FelsgrĂ€ber und das Theater dagegen, die aus dem roten Sandstein der BergwĂ€nde herausgemeißelt worden waren, ĂŒberstanden die Jahrhunderte.

Anfang des 12. Jahrhundert legten Kreuzfahrer bei Petra vorĂŒbergehend zwei kleine Burgen an: Vaux Moise und Sela' waren Außenposten der wenige Kilometer entfernten großen Kreuzfahrerburg Montreal. Sie alle gehörten zur Herrschaft Oultrejordain des Königreichs Jerusalem, die 1188/1189 von den Ayyubiden unter Sultan Saladin erobert wurde. Zudem bestand damals ein lateinisches Erzbistum Petra, das seinen Sitz in Kerak hatte, dem Lateinischen Patriarchat von Jerusalem unterstellt war und bis heute als Titularerzbistum Petra in Palaestina weitergefĂŒhrt wird. In den Jahrhunderten nach den Kreuzfahrern suchten nur noch durchziehende Beduinen von Zeit zu Zeit Unterschlupf in den leeren Grabbauten der Stadt. Vor etwa 400 Jahren siedelte sich der Stamm der B'doul dauerhaft in Petra und der umliegenden Region an.

Petra heute

Der 1400 Meter hohe Gipfel des Dschabal HārĆ«n soll dem biblischen Berg Hor entsprechen. Dort wurde in islamischer Zeit eine WallfahrtsstĂ€tte fĂŒr den biblischen Aaron eingerichtet, der im muslimischen Volksglauben als der heilige NabÄ« HārĆ«n verehrt wird. An seinem Grabbau erhoffen sich die Pilger bis heute die Heilung von Krankheiten.

Blick aus dem Inneren des Urnengrabs

Seit der Zeit der KreuzzĂŒge hatte kein EuropĂ€er Petra mehr betreten. Um 1800 wussten nur noch wenige Gelehrte gerĂŒchteweise von einer legendĂ€ren, aus dem Fels herausgeschlagenen Stadt im Nahen Osten. FĂŒr Europa wurde Petra erst 1812 von dem Schweizer Arabienreisenden Jean Louis Burckhardt neu entdeckt. Mehr als 100 Jahre spĂ€ter schrieb Thomas Edward Lawrence (Lawrence von Arabien) in seinem Werk Die sieben SĂ€ulen der Weisheit: „Petra ist der herrlichste Ort der Welt.“ Er war aber der Meinung, jede Beschreibung mĂŒsse vor dem eigenen Erleben der Stadt verblassen.

ArchĂ€ologische Ausgrabungen in Petra erfolgten erst seit den 1920er Jahren. Wenig spĂ€ter begann auch die touristische Erschließung der RuinenstĂ€tte.

Ausgrabungen

Nach Burckhardt haben im 19. Jahrhundert weitere europĂ€ische Reisende Petra besucht und beschrieben. Um 1900 setzte die wissenschaftliche Erforschung des Orts ein. 1907 publizierte der aus MĂ€hren stammende Arabienforscher Alois Musil in seinem Werk Arabia Petraea die Ergebnisse einer ersten wissenschaftlichen Expedition, die eine Bestandsaufnahme der damals sichtbaren AltertĂŒmer vorgenommen hatte. WĂ€hrend des Ersten Weltkriegs wurde Petra vom Deutsch-TĂŒrkischen Denkmalschutzkommando unter der Leitung von Theodor Wiegand aufgenommen. In den 1920er Jahren erfolgte eine genaue Vermessung durch die Altertumsforscher Rudolf Ernst BrĂŒnnow und Alfred von Domaszewski, die eine erste Karte Petras anfertigten. Bereits damals wurden Vermutungen angestellt, die sich durch neue Ausgrabungen zu bestĂ€tigen scheinen: Die in den Fels gemeißelten Monumentalfassaden waren keine SolitĂ€re, sondern Bestandteile grĂ¶ĂŸerer GebĂ€udekomplexe, die zum Teil aus gemauerten Bauten bestanden.

Die ersten archĂ€ologischen Ausgrabungen auf dem GelĂ€nde Petras fanden 1929 statt. Weitere folgten in den Jahren 1935 bis 1937 und 1954. Im Jahr 1958 begann die British School of Archaeology damit, das Stadtzentrum auszugraben. Seither sind stĂ€ndig ArchĂ€ologen vor Ort. Die letzten großen Grabungskampagnen erfolgten in den Jahren 1993 bis 2002. Unter der FederfĂŒhrung der Jordanischen Antikenbehörde legten amerikanische Wissenschaftler von der Brown University aus Providence, Rhode Island, die Überreste des Haupttempels (Qasr al-Bint) im Stadtzentrum und das Areal um das Temenos-Tor frei.

Im Mai 2011 haben deutsche und englische ArchÀologen auf dem Umm al-Bijara, dem höchsten Berg der Stadt, eine luxuriöse Badeanlage entdeckt, die wahrscheinlich Teil einer königlichen Residenz gewesen war.[1] Bis heute haben Forscher auf einer FlÀche von ungefÀhr 20 Quadratkilometern etwa 1000 GebÀude und GebÀudereste festgestellt. SchÀtzungsweise sind bisher aber erst 20 Prozent des antiken Petra ausgegraben worden.

Fremdenverkehr

Plan des heutigen Petra: Siq (6), Khazneh (7), röm. Theater (9), GrĂ€ber der Königswand (10–15), SĂ€ulenstraße (19), Qasr al-Bint (22), Museum (23), Ed-Deir (26)

Petra gilt heute als eine der grĂ¶ĂŸten SehenswĂŒrdigkeiten des Nahen Ostens. Seine Erschließung fĂŒr den modernen Fremdenverkehr begann in den 1930er Jahren. Damals wurden die ersten Hotels bei Petra gebaut, einige sogar unmittelbar in der Stadt selbst, zum Teil direkt vor dem Römischen Theater. Diese BausĂŒnden wurden mittlerweile wieder beseitigt.

Um Petra touristisch besser nutzen zu können, siedelte die jordanische Regierung zwischen 1968 und 1985 die Beduinen vom Stamm der B'doul zwangsweise um, zu deren Gebiet Petra gehört. Sie hatten die kĂŒhlen, schattenspendenden Grabbauten bis dahin als Wohnungen genutzt. Heute wohnen die B'doul in den umliegenden Dörfern, vor allem in Wadi Musa. Ein Großteil von ihnen lebt vom Petra-Tourismus, zum Beispiel als FremdenfĂŒhrer. Einige ihrer ehemaligen Felswohnungen nutzen sie weiterhin als SouvenirlĂ€den.

Aufgrund des Friedensabkommens von Camp David von 1979 gab Israel die Halbinsel Sinai an Ägypten zurĂŒck. In der Folgezeit erlebte Petra einen stetig wachsenden Zustrom von Tagestouristen aus den Ă€gyptischen Ferienressorts am Golf von Akaba. FĂŒr zusĂ€tzlichen Aufschwung sorgte nach 1989 Steven Spielbergs Spielfilm Indiana Jones und der letzte Kreuzzug, dessen letzte Szenen im Siq und vor dem Khazneh al-Firaun gedreht wurden. Er machte Petra einem grĂ¶ĂŸeren Publikum in Amerika und Europa bekannt.

In den 1980er Jahren wurde außerhalb der Stadt, weit vor dem Eingang zum Siq, ein modernes Besucherzentrum errichtet. 1993 stellte Jordanien ein etwa 100 Quadratmeilen großes Gebiet um Petra als Nationalpark unter Schutz. Nachdem das Land 1994 den Friedensvertrag mit Israel geschlossen hatte, entstand eine Reihe moderner, zum Teil luxuriöser Hotels in der Umgebung von Petra, vor allem in Wadi Musa. Jordanien nutzte einen Kredit der Weltbank ĂŒber 23 Mio. US-Dollar, um die Region touristisch zu erschließen. Die Fremdenverkehrsbranche des Landes hoffte, nun auch mehr Langzeiturlauber fĂŒr die Region interessieren zu können. ZunĂ€chst nahm aber erneut der Tagestourismus zu, diesmal aus Richtung Israel. Vor Beginn der zweiten Intifada im Jahr 2000 stellten Tagesurlauber aus Israel und dem Westjordanland 57 Prozent der Besucher Petras. Im Rekordjahr 2000 wurden insgesamt rund 1 Million Touristen gezĂ€hlt.

Infolge der schweren Unruhen in den israelisch besetzten PalĂ€stinensergebieten und der TerroranschlĂ€ge vom 11. September 2001 gingen die Besucherzahlen jedoch drastisch zurĂŒck, obwohl Jordanien auch nach den SelbstmordanschlĂ€gen in Amman vom 9. November 2005 als relativ sicheres und friedliches Reiseland gilt. Die Friedensdividende, die sich das Land unter anderem vom Petra-Tourismus versprochen hat, konnte es lange Zeit nicht einlösen. Erst nachdem Petra 2007 in einer weltweiten – von der UNESCO allerdings nicht anerkannten – Umfrage zu einem der "Neuen Sieben Weltwunder" gewĂ€hlt wurde, kam es erneut zu einem rapiden Anstieg der Besucherzahlen. 2012 wirbt der jordanische Tourismusverband mit dem 200. Jahrestag der „Wiederentdeckung“ Petras.

Die wichtigsten BaudenkmÀler

Etwa 800 historische BaudenkmĂ€ler und OpferplĂ€tze sind in und um Petra erhalten geblieben. Die Monumente sind geprĂ€gt von nabatĂ€ischen, griechisch-hellenistischen und römischen EinflĂŒssen. Oft vermischen sich Stilelemente aller drei Kulturen in ein und demselben Bau.

Das „Schatzhaus“

Das Khazne al-Firaun
→ Hauptartikel: Khazne al-Firaun

An der EinmĂŒndung des Siq in den Talkessel steht das wohl berĂŒhmteste Bauwerk Petras, das fast 40 Meter hohe und 25 m breite, im hellenistischen Stil erbaute Khazne al-Firaun. Das „Schatzhaus des Pharao“, wie es von den Beduinen genannt wurde, war in Wirklichkeit eines von zahlreichen FelsgrĂ€bern. Es wurde möglicherweise fĂŒr den NabatĂ€erkönig Aretas IV. angelegt, der im 1. Jahrhundert v. Chr. regierte. Andere Forscher datieren das Khazne dagegen erst ins 2. Jahrhundert n. Chr., in die Zeit des Kaisers Hadrian. Über einem Portikus aus sechs korinthischen SĂ€ulen erhebt sich eine kleine, von zwei Halbgiebeln flankierte Tholos, ein Rundtempel. Zwischen den SĂ€ulen befinden sich verwitterte Reste von Relieffiguren. An der Urne, auf der Spitze des Rundtempels, sind Einschusslöcher zu erkennen. Sie gehen auf FlintenschĂŒsse von Beduinen zurĂŒck, die einst versucht hatten, den vermeintlichen SchatzbehĂ€lter aufzubrechen. Die Urne besteht aber, wie der gesamte Bau und die anderen KönigsgrĂ€ber Petras, ĂŒberwiegend aus massivem Fels.

Das Römische Theater

Auf dem Weg vom Khazne al-Firaun ins Zentrum Petras liegt linker Hand das Römische Theater aus dem 1. Jahrhundert. Es bot auf 45 Sitzreihen je nach Quelle zwischen 5000 und 10.000 Zuschauern Platz und ist ebenfalls direkt aus dem anstehenden Fels gemeißelt worden. Seine typisch römische Struktur zeigt sich beispielsweise an der erhöhten, in römischem Stil gehaltenen BĂŒhne. Die mit SĂ€ulen versehene BĂŒhnenrĂŒckwand war zweigeschossig und mit Fresken, Statuen und Marmorfriesen geschmĂŒckt. Eine 25 m hohe Außenmauer verbarg das Theater vor neugierigen Blicken. Damit sich bei RegenfĂ€llen kein Wasser in der Arena sammeln konnte, wurde ein ausgeklĂŒgeltes Abfluss-System installiert. Bei seinem Bau wurden einige Grabkammern freigelegt, die frĂŒher in das rĂŒckwĂ€rtige Felsmassiv getrieben worden waren. In solchen SchachtgrĂ€bern hatte man in der Antike die einfachen Bewohner der Stadt beigesetzt. Vermutlich wurde das Theater durch ein Erdbeben im Jahr 363 nach Christus zerstört. 1961 wurde es von amerikanischen ArchĂ€ologen wiederentdeckt und ausgegraben [2].

Die GrÀber der Königswand

Die Königswand

Nördlich des Theaters erhebt sich rechter Hand die so genannte „Königswand“. Auf halber Höhe reihen sich hier gleich 13 monumentale Grabtempel aneinander, die aufgrund ihrer GrĂ¶ĂŸe und AusschmĂŒckung als KönigsgrĂ€ber gedeutet werden. Dazu gehören etwa das „Palastgrab“, die grĂ¶ĂŸte Anlage in Petra ĂŒberhaupt, das „Korinthische Grab“, das „Soldatengrab“ und das „ Urnengrab“ aus dem 2. oder 3. Jahrhundert n. Chr. Dessen Felsenhalle birgt drei Grabnischen. Zudem verfĂŒgt es ĂŒber einen von SĂ€ulen umstandenen Vorhof, der ĂŒber einen gemauerten Unterbau erreichbar ist. Nördlich der sogenannten KönigsgrĂ€ber liegt das etwas kleinere „Grab des Sextius Florentinus“. Die Baustile der GrĂ€ber lassen nabatĂ€ische, griechische und römische EinflĂŒsse erkennen.

Das einstige Stadtzentrum

Senkrecht zur Königswand verlĂ€uft in Richtung Westen die „SĂ€ulenstraße“, die einstige Hauptverkehrsachse Petras. WĂ€hrend die in den Fels gehauenen Grabtempel die Jahrtausende ĂŒberdauert haben, sind die WohnhĂ€user der NabatĂ€er lĂ€ngst zerfallen. Links und rechts der SĂ€ulenstraße haben sich aber noch Reste des Marktes, des „Temenos-Tors“, einer byzantinischen Basilika und mehrerer Tempel erhalten. Der grĂ¶ĂŸte davon, Qasr al-Bint Fara'un aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. war möglicherweise den nabatĂ€ischen Hauptgöttern Dushara und Al-Uzza geweiht. Der heutige arabische Name bedeutet „Palast der Pharaonentochter“ und geht auf eine spĂ€tere Deutung durch die Beduinen zurĂŒck.

Das Felsgrab Ed-Deir

Der Felsentempel ad-Deir

→ Hauptartikel: Ad Deir

Am modernen Museum im Westen des Talkessels vorbei fĂŒhrt ein Bergpfad durch das Wadi Kharareeb zum außerhalb der eigentlichen Stadt gelegenen Felsentempel ad-Deir. Sein Name, auf Deutsch „Kloster“, geht darauf zurĂŒck, dass sich im Mittelalter Mönche darin niederließen. Anders als das Khazne Firaun liegt das ad-Deir nicht versteckt, sondern hoch am Berg und beeindruckt nicht zuletzt durch seine GrĂ¶ĂŸe. Es ist 39 Meter hoch und 47 Meter breit; allein die Urne auf der Spitze des Rundtempels misst 9 Meter in der Höhe. Wegen seines schlichten, aber monumentalen Stils und seiner einsamen Lage zĂ€hlt das ad-Deir zu den beeindruckendsten Werken nabatĂ€ischer Baukunst.

Weitere Bauwerke und KultstÀtten

Auf den Gipfeln der umliegenden Berge befinden sich Überreste frĂŒherer OpferplĂ€tze der NabatĂ€er. Der Hohe Opferplatz beispielsweise befindet sich auf dem Gipfel des Jebel Attuf. Der Fels wurde hier zu einem rechteckigen Hof geebnet, der von flachen BĂ€nken umgeben ist. In der Mitte erhebt sich eine kleine rechteckige Opferplattform. Auf diesem Opfertisch wurden von den NabatĂ€ern Opfergaben dargebracht. Außerhalb des Stadtgebietes von Petra gibt es weitere nabatĂ€ische Siedlungen mit Sehenswertem - beispielsweise den Siq el-Barid, den ursprĂŒnglichen Warenumschlagsplatz der Metropole. Auch im Wadi Musa selbst – dort, wo sich heute die TouristenunterkĂŒnfte befinden – gibt es zahlreiche archĂ€ologische FundplĂ€tze wie das Obeliskengrab am Eingang zum Siq. In der NĂ€he Petras befindet sich auch ein Heiligtum, das als Grab des biblischen Aaron, dem Ă€lteren Bruder von Mose, gilt.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,763981,00.html ArchĂ€ologen finden Badehaus in der WĂŒste]
  2. ↑ Fabio Bourbon: Petra, die geheimnisvolle Felsenstadt. MĂŒller, Köln 2004, ISBN 3-89893-564-7, S. 56-57

Weblinks

 Commons: Petra â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
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Dieser Artikel wurde am 24. Februar 2005 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen.

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