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Petra Karin Kelly (* 29. November 1947 als Petra Karin Lehmann in Günzburg; †vermutlich 1. Oktober 1992 in Bonn) war eine deutsche Politikerin, Friedensaktivistin und Gründungsmitglied der Partei Die Grünen.
Inhaltsverzeichnis |
Petra Karin Lehmann wurde als Tochter deutscher Eltern in Günzburg geboren. Der Vater verließ die Familie, als sie sieben Jahre alt war. Die Mutter arbeitete ganztags, so dass die Tochter von der Großmutter aufgezogen wurde. Nach der Heirat der Mutter mit dem amerikanischen Offizier John E. Kelly änderte sich der Familienname in Kelly. Die Familie zog 1960 in die USA um. Von 1966 bis 1970 studierte sie Politologie und Weltpolitik bei der American University in Washington D.C. und war dort auch hochschulpolitisch aktiv.
Von 1972 bis 1982 war sie für die Europäische Kommission in Brüssel tätig. 1979 war sie Gründungsmitglied der „Grünen“ und ab 1980 mehrere Jahre eine ihrer Vorsitzenden. Im Jahr 1983 zog sie als Abgeordnete in den Deutschen Bundestag ein, dem sie bis 1990 angehörte.
Unter nicht völlig geklärten Umständen wurde Kelly von ihrem Lebensgefährten Gert Bastian mit dessen Pistole im Schlaf getötet.[1] Bastian erschoss sich anschließend selbst. Die Leichen wurden am 19. Oktober 1992 aufgefunden – erst mehrere Wochen nach der Tat. Der genaue Zeitpunkt konnte nicht mit Sicherheit festgestellt werden; als Todeszeitpunkt angenommen wird die Nacht zum 1. Oktober 1992.
Petra Kelly wurde auf dem Würzburger Waldfriedhof beigesetzt.
Im Jahr 1968 war Petra Kelly im Präsidentschaftswahlkampf für Senator Robert F. Kennedy und den Vizepräsidenten Hubert H. Humphrey engagiert. Sie war Geschäftsführerin der JEF (Junge Europäische Föderalisten Deutschland) und von 1972 bis 1982 für die Europäische Kommission in Brüssel tätig. 1979 erklärte sie in einem Offenen Brief an Helmut Schmidt ihren Austritt aus der SPD und kündigte eine „neue Form der politischen Vertretung“ an, „wo nicht nur der Lebensschutz und der Frieden endlich Priorität erhalten werden, wo aber auch der Grundsatz von der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen echt praktiziert wird.“[2]
Nach ihrem Austritt aus der SPD 1979 wurde sie zunächst bei der Sonstigen Politischen Vereinigung/Die Grünen als Spitzenkandidatin für die Europawahlen im selben Jahr aktiv - sie teilte sich diese Position gemäß Rotationsprinzip mit Herbert Gruhl.[3] 1980 wurde Kelly Gründungsmitglied der Partei Die Grünen, deren Bundesvorstandssprecherin sie wurde. Im Jahr 1982 wurde sie mit dem Right Livelihood Award ausgezeichnet. Ein Jahr später folgte ihr Einzug in den Deutschen Bundestag für die Grünen.
1981 war Petra Kelly an der Demonstration der 400.000 gegen atomare Aufrüstung in Bonn beteiligt. Gerhard Schröder schrieb 1982 einen Beitrag in Die Zeit für das von Kelly mit Jo Leinen bei Olle & Wolter herausgegebene Buch Prinzip Leben, in dem ökologische Probleme und ein potentieller Atomkrieg diskutiert werden.
Schwerpunkte ihrer Arbeit im Bundestag und in der Fraktion Die Grünen waren Friedenspolitik, Menschenrechte und Minderheiten. Ab 1985 setzte sich Petra Kelly für Tibet ein. Mit einer Kleinen Anfrage, die sie zusammen mit ihrem Fraktionskollegen Herbert Rusche einbrachte, sorgte sie dafür, dass Tibet zum ersten Mal im Deutschen Bundestag Erwähnung fand. Eine Reihe weiterer Anfragen, mehrere Anhörungen, Dialoge und Schriftwechsel mit chinesischen und deutschen Regierungsvertretern sowie Kontakte zur tibetischen Exilregierung und dem Dalai Lama folgten auf diese Anfrage.
1986 setzte sie sich mit Antje Vollmer und Christa Nickels besonders für den Lebensschutz von ungeborenen Menschen ein und ließ in das Wahlprogramm der Grünen folgenden Satz einfügen: „Wir erkennen an, dass ungeborenes Leben schützenswert ist.“[4]
1989 gründete sie unter anderem mit Theodor Ebert in Minden den Bund für Soziale Verteidigung und war zugleich Gründungsvorsitzende.
Anfang der 1990er Jahre moderierte Kelly die Umweltsendereihe Fünf vor Zwölf bei SAT.1. Zusammen mit ihrem Lebenspartner, politischen Freund und Fraktionskollegen Gert Bastian unterhielt sie internationale Kontakte zu Friedens- und Emanzipationsbewegungen.
Nachdem ihre Halbschwester Grace P. Kelly 1970 im Alter von 10 Jahren an Krebs gestorben war, gründete Petra Kelly 1973 zusammen mit Bekannten, Freunden, betroffenen Eltern und engagierten Ärzten die „Grace P. Kelly Vereinigung e.V.“[5] Die Vereinigung entwirft in Form einer Bürgerinitiative ein psychosoziales Betreuungsmodell für krebs- und chronisch kranke Kinder und fördert aus Spendenaufkommen weitere Projekte dieser Art.
«No hi ha un camà vers la pau / La pau és l’únic camà / Petra Kelly / Dia de la Terra 1993»
„Es gibt keinen Weg zum Frieden / Der Friede ist der einzige Weg / Petra Kelly / Tag der Erde 1993“
1980–1993: Die Grünen
August Haußleiter | Petra Kelly | Norbert Mann | Dieter Burgmann | Manon Maren-Grisebach | Wilhelm Knabe | Rainer Trampert | Rebekka Schmidt | Jutta Ditfurth | Lukas Beckmann | Christian Schmidt | Regina Michalik | Verena Krieger | Ralf Fücks | Ruth Hammerbacher | Renate Damus | Hans-Christian Ströbele | Heide Rühle | Ludger Volmer | Christine Weiske
ab 1993: Bündnis 90/Die Grünen
Marianne Birthler | Ludger Volmer | Krista Sager | Jürgen Trittin | Gunda Röstel | Antje Radcke | Renate Künast | Fritz Kuhn | Claudia Roth | Angelika Beer | Reinhard Bütikofer | Cem Özdemir
Fraktionssprecher Die Grünen (1983–90):
Marieluise Beck-Oberdorf |
Petra Kelly |
Otto Schily |
Annemarie Borgmann |
Waltraud Schoppe |
Antje Vollmer |
Sabine Bard |
Hannegret Hönes |
Christian Schmidt |
Ludger Volmer |
Willi Hoss |
Thomas Ebermann |
Bärbel Rust |
Helmut Lippelt |
Regula Schmidt-Bott |
Christa Vennegerts |
Marianne Birthler
Gruppensprecher Bündnis 90/Die Grünen (1990–94):
Werner Schulz
Fraktionsvorstände Bündnis 90/Die Grünen (seit 1994):
Joschka Fischer |
Kerstin Müller |
Rezzo Schlauch |
Krista Sager |
Katrin Göring-Eckardt |
Fritz Kuhn |
Renate Künast |
Jürgen Trittin
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kelly, Petra |
| ALTERNATIVNAMEN | Kelly, Petra Karin (vollständiger Name); Lehmann, Petra Karin (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Politikerin (Die Grünen), MdB, Friedensaktivistin und Gründungsmitglied der Partei Die Grünen |
| GEBURTSDATUM | 29. November 1947 |
| GEBURTSORT | Günzburg |
| STERBEDATUM | unsicher: 1. Oktober 1992 |
| STERBEORT | Bonn |