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Petra Schmidt-Schaller (* 28. August 1980 in Magdeburg[1]) ist eine deutsche Schauspielerin, die vor allem durch ihre Rollen in Kino- und Fernsehfilmen bekannt ist. Die Berlinerin stammt aus einer Schauspielerfamilie und ist nach ihrem Schauspielstudium und ersten Arbeiten am Theater seit 2006 freischaffend tätig. Für ihren Auftritt im Film Ein fliehendes Pferd (2007) erhielt sie die Auszeichnung als beste Nachwuchsdarstellerin des Bayerischen Filmpreises. 2011 machte sie mit der Hauptrolle im Fernsehfilm Das geteilte Glück auf sich aufmerksam, war im Kinoerfolg Almanya – Willkommen in Deutschland zu sehen und war eine Hauptdarstellerin in Marcus H. Rosenmüllers Kinofilm Sommer in Orange.
Inhaltsverzeichnis |
Petra Schmidt-Schaller ist die Tochter des als ostdeutscher Fernsehkrimi-Ermittler bekannt gewordenen Schauspielers Andreas Schmidt-Schaller und der Schauspielerin, Regisseurin und Schauspielprofessorin Christine Krüger. Sie wuchs im Ost-Berliner Bezirk Prenzlauer Berg auf. Schon früh lernte sie auch sehr prominente Kollegen ihrer Eltern kennen und stellte fest, „dass alle nur mit Wasser kochen“.[2] Als Schauspielerkind zunächst vom rauen Ton der häuslichen Diskussionen über den Berufsalltag abgeschreckt, entdeckte sie ihre Liebe zur Schauspielerei erst während eines Jahres als Austauschschülerin in den USA 1997–1998, als sie sich zur Teilnahme am Theaterkurs ihrer High School überreden ließ.[3][4] Im Jahr 2000 legte sie am Heinrich-Schliemann-Gymnasium Berlin ihr Abitur ab.
Von 2001 bis 2005 studierte Petra Schmidt-Schaller Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig, an deren Vorgängerinstitution bereits ihre Eltern gemeinsam studiert hatten. Im Rahmen des dort üblichen Hauptstudiums in ausgewählten Theatern angegliederten Schauspielstudios erhielt sie von 2003 bis 2005 bedeutende Rollen in Aufführungen des Deutschen Nationaltheaters Weimar. So spielte sie im dritten Studienjahr die Hermia in Ein Sommernachtstraum und die weibliche Titelrolle neben Romeo-Darsteller Patrick Güldenberg in Georg Schmiedleitners Inszenierung von Romeo und Julia.[5] Gemeinsam mit ihren Weimarer Studienkollegen wurde sie beim Schauspielschultreffen 2004 in Hannover mit einem Ensemblepreis der Bundesbildungsministerin für die Aufführung von Fritz Katers Zeit zu lieben, Zeit zu sterben ausgezeichnet. In Thomas Thiemes Inszenierung von drei Teilen der modernen Shakespeare-Adaption Schlachten![6] verkörperte sie 2005 die zentrale Figur Margaretha di Napoli. Weitere Rollen in Weimar waren die Desirée in Werner Schwabs Volksvernichtung oder meine Leber ist sinnlos und die Clarice in Goldonis Der Diener zweier Herren.
Nach dem Studienabschluss als Diplom-Schauspielerin folgte 2005 ein Gastengagement an den Städtischen Bühnen Osnabrück, wo sie die Carol in Tennessee Williams' Orpheus steigt herab und die Neasa bei der deutschsprachigen Erstaufführung von Conor McPhersons Shining City spielte.
Bereits 2003 war die damalige Schauspielstudentin in der Folge Tödliche Falle aus der Fernsehserie SOKO Leipzig zu sehen. Als Freundin eines Kriminellen wurde sie von Kriminalhauptkommissar Trautzschke verhört, dargestellt von ihrem Vater. Ihre erste Rolle in einem abendfüllenden Kinospielfilm hatte Petra Schmidt-Schaller im Sommer 2005 als liebeshungrige, exaltierte Schauspielerin Ada in der prominent besetzten, aber wenig erfolgreichen Beziehungskomödie Reine Formsache. Es folgte ein Kurzauftritt als Rosa Teuber in Jo Baiers Fernsehfilm Nicht alle waren Mörder. Im Frühjahr 2006 spielte sie ihre erste Kino-Hauptrolle als ehrgeizige Nachwuchspolizistin Ulla im Roadmovie Balkan Traffic – Übermorgen Nirgendwo, das erst Ende 2008 in wenigen Kinos lief.
Ihren ersten großen Erfolg konnte Petra Schmidt-Schaller mit der im September 2007 angelaufenen Literaturverfilmung Ein fliehendes Pferd verzeichnen. Über ein Casting kam die Newcomerin ins Darsteller-Quartett mit den etablierten Größen Ulrich Noethen, Katja Riemann und Ulrich Tukur. Sie spielte die verführerische Helene, die jüngere Geliebte des in der Midlife Crisis steckenden, von Tukur dargestellten Klaus Buch. Für ihre Leistung wurde sie mit dem Bayerischen Filmpreis 2007 als beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet. Die Laudatio feierte sie als „überraschendste Neuentdeckung im hervorragenden Schauspielerensemble“, die „mit überzeugender Leichtigkeit Naivität und Unbedarftheit mit Anmut und Erotik“ verbinde und „mit ihrem harmonischen Spiel im Kreis der vier Protagonisten ganz wesentlich zum Erfolg dieser fesselnden Literaturverfilmung“ beitrage.[7] Der Film brachte ihr Nominierungen für weitere Preise ein, zudem die Aufnahme in die Vorauswahl für den 58. Deutschen Filmpreis in der Kategorie Beste darstellerische Leistung – weibliche Nebenrolle.[8]
2007 war Schmidt-Schaller an drei Produktionen fürs ZDF beteiligt: In der Folge Bernie von SOKO Leipzig (Erstausstrahlung Oktober 2008) spielte sie eine depressive Patientin einer psychiatrischen Klinik, die schließlich als Mörderin überführt wird. In der Familienkomödie Das Beste kommt erst mit Friedrich von Thun und Sophie von Kessel arbeitete sie wie in Ein fliehendes Pferd mit dem Regisseur Rainer Kaufmann zusammen. Im zweiten Teil des Dokudramas Die Wölfe erhielt sie eine Nebenrolle.
In Nacht vor Augen, dem im Forum der Berlinale 2008 uraufgeführten, mehrfach preisgekrönten Debütfilm der Regisseurin Brigitte Maria Bertele, ist Petra Schmidt-Schaller in einer Hauptrolle als die Freundin eines von Hanno Koffler dargestellten, aus Afghanistan traumatisiert zurückgekehrten Bundeswehrsoldaten zu sehen.
Die im Jahr 2008 auf den Bahamas und in Berlin entstandene ProSieben-Neuverfilmung von Der Seewolf zeigt Petra Schmidt-Schaller an der Seite von Thomas Kretschmann und Florian Stetter als die von den männlichen Hauptfiguren umkämpfte schiffbrüchige Schriftstellerin Maud Brewster. Die Erstausstrahlung des aufwändigen Zweiteilers im November 2008 erbrachte ihr größere Medienaufmerksamkeit.[9] Ebenfalls 2008 fanden die Dreharbeiten für den Bodensee-Tatort Bluthochzeit des SWR mit Schmidt-Schaller in einer Hauptrolle statt. Sie spielte eine Braut, die auf dem Hochzeitsfest entführt wird und aufgrund der Verwicklung in kriminelle Machenschaften in Gefahr gerät.
In weiteren Fernsehfilm-Hauptrollen verkörperte sie sehr unterschiedliche Charaktere. Im ZDF-Sonntagsfilm Ein Sommer in Long Island, der Anfang 2009 in Südafrika gedreht wurde, war Schmidt-Schaller als „personifizierter Sonnenschein“[10] neben Marc Hosemann und Max von Thun zu sehen. Die Rolle in Thomas Freundners ARD-Sozialdrama Das geteilte Glück brachte ihr den erstmals verliehenen Deutschen Schauspielerpreis und eine Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis 2011 in der Kategorie Beste Schauspielerin ein. Als Freiburger Mutter, die in ärmlichen Verhältnissen das kurz nach der Geburt vertauschte Kind eines Anwalts aufzieht, spricht die Berliner Schauspielerin breiten badischen Dialekt. Kritiker bescheinigten ihr anlässlich der Fernseh-Erstausstrahlung im Februar 2011 überzeugendes, sehr berührendes Spiel,[2] eine herausragende, emphatische, glaubwürdige, wahrhaftige Darstellung[11] und „große Klasse“.[12] Auch ihre ergreifende,[13] fein nuancierte[14] Darstellung einer trauernden Mutter an der Seite von Christian Berkel im ZDF-Krimi Das dunkle Nest wurde von der Kritik positiv hervorgehoben. Der Ende 2010 unter der Regie von Christine Hartmann gedrehte Film wurde 2011, wie ein Jahr zuvor Das geteilte Glück, beim Filmfest München uraufgeführt.[15]
In Yasemin Şamderelis Ende 2009 parallel zu Das geteilte Glück entstandener Tragikomödie Almanya – Willkommen in Deutschland gehört Petra Schmidt-Schaller als Schwiegertochter einer türkischen Familie und Filmpartnerin von Denis Moschitto zum Hauptensemble.[16] Almanya war der Auftakt zu einer Reihe von Kinofilmen, in denen die Schauspielerin meist größere Rollen erhielt. Zunächst nahm sie jedoch mit einem Kurzauftritt in dem Anfang 2010 in Berlin gedrehten Thriller Unknown Identity erstmals an einer internationalen Kino-Großproduktion teil: Als Grenzbeamtin fertigt sie dort Liam Neeson ab.[17][2] Beide Filme liefen außer Konkurrenz im Wettbewerbsprogramm der Berlinale 2011 und waren im Kino Publikumserfolge.
Eine komödiantische Hauptrolle erhielt Petra Schmidt-Schaller in Marcus H. Rosenmüllers von Mai bis Juli 2010 gedrehtem Kinofilm Sommer in Orange als Berliner Baghwan-Anhängerin Amrita in der oberbayerischen Provinz der frühen 1980er-Jahre. Mehr als eine halbe Million Besucher sahen den Film nach seinem Kinostart im August 2011. In Löwenzahn – Das Kinoabenteuer, dem Film zur ZDF-Kinderserie Löwenzahn, übernahm sie als intriganter Vamp Cora neben Dominique Horwitz den Bösewicht-Part. In dem Psychodrama Unter Nachbarn spielte sie die weibliche Hauptrolle neben Maxim Mehmet und Charly Hübner.[18] Der Film wurde im Hauptwettbewerb des Internationalen Filmfestivals Shanghai 2011 uraufgeführt.[19]
Neben der Filmschauspielerei ist Petra Schmidt-Schaller als Sprecherin tätig. So wirkte sie an szenischen Lesungen beispielsweise von Texten Kurt Tucholskys mit.[20] Gemeinsam mit ihrem Vater und dem Gitarristen Frank Fröhlich hielt sie, auch als Hörbuch erschienene, literarisch-musikalische Lesungen über Das alte Weimar. Als Hörbuchsprecherin nahm sie unter anderem auch Werke der DDR-Kinderliteratur auf. Ebenfalls an den Nachwuchs richten sich ihre Illustrationen für ein 2010 im Theater Erfurt aufgeführtes Kindermusical, mit denen sie auch bildnerisch gestaltend in Erscheinung trat.[21]
Schmidt-Schaller lebt in Berlin. Seit Anfang August 2011 ist sie Mutter einer Tochter.[22]
Martin Walser, der Autor der Buchvorlage zu Ein fliehendes Pferd, der auch das Drehbuch bearbeitet und die Schauspieler 2006 am Rande der Dreharbeiten kennengelernt hatte, zeigte sich von der Begegnung „gerührt“ und bescheinigte Petra Schmidt-Schaller, sie sei „eine große Entdeckung. Die muss nichts machen, sie hat alles.“[23] In dem auf die Dreharbeiten folgenden Sommer schrieb er seinen Bestseller-Roman Ein liebender Mann über die unglückliche Liebe des alternden Johann Wolfgang von Goethe zur 55 Jahre jüngeren Ulrike von Levetzow. Walser stellte ihm die rätselhafte Widmung „Für Ulrike von Egloff-Colombier“ voran.[24] An die 53 Jahre jüngere, wie Goethe an einem 28. August geborene Schmidt-Schaller schrieb er: „Sie sind meine Ulrike“.[2]
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schmidt-Schaller, Petra |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Schauspielerin |
| GEBURTSDATUM | 28. August 1980 |
| GEBURTSORT | Magdeburg |