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Als Pfad der TrĂ€nen, englisch Trail of Tears, wird die Vertreibung von Indianern aus dem fruchtbaren sĂŒdöstlichen Waldland der USA in das eher karge Indianer-Territorium im heutigen Bundesstaat Oklahoma bezeichnet. Die Deportationen indianischer StĂ€mme stellen eine historische ZĂ€sur dar und markieren den Tiefpunkt in den Beziehungen indianischer StĂ€mme zu der Regierung der Vereinigten Staaten.
Die Vertreibung fand vor dem Hintergrund des ab 1800 zunehmenden Landbedarfs der aus Europa stammenden Siedler und der damit verbundenen Ausdehnung des nordamerikanischen Grenzlandes statt. Die von der Indianerpolitik der Vereinigten Staaten getragene und durch den Indian Removal Act von 1830 durch die Gesetzgebung gedeckte Umsiedlung betraf die Völker der Muskogee (Creek), Cherokee, Chickasaw, Choctaw und Seminolen, die wegen ihrer Anpassung an die Lebensweise der Kolonisten auch als die âFĂŒnf zivilisierten Nationenâ beschrieben werden. Durch die von PrĂ€sident Andrew Jackson verhandelten VertrĂ€ge wurden die Völker zwischen 1831 und 1839 zur Abtretung, zum Landtausch oder zum Verkauf ihrer angestammten Gebiete in den SĂŒdstaaten oder durch Einsatz des MilitĂ€rs zur RĂ€umung gezwungen.
Die Umsiedlung wurde in Trecks organisiert und folgte, von amerikanischen Truppen begleitet, verschiedenen Routen nach Westen. Auf dem Weg in die neu eingerichteten Indianerreservate starb ĂŒber ein Viertel der Indianer und der sie begleitenden afroamerikanischen Sklaven durch Krankheiten, Erschöpfung, KĂ€lte und Hunger. Die Folgen fĂŒr die Vertriebenen waren verheerend und reichten bis weit in die zweite HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts. Neben gravierender Dezimierung der Völker kam es fĂŒr diese eng mit ihrer angestammten Heimat verbundenen StĂ€mme zur kulturellen und spirituellen Entwurzelung. Die Nationen wurden in östliche und westliche StĂ€mme zerrissen. In den zugeteilten Gebieten kam es zu weiteren Zersplitterungen der Völker sowie zu Konflikten mit anderen umgesiedelten Nationen, und mit der Expansion der Vereinigten Staaten in den Westen zu weiteren Vertreibungen.
Trotz Forderungen der von der Vertreibung betroffenen indianischen Völker gab die Regierung der Vereinigten Staaten bislang keine Stellungnahme zu der Beteiligung an der Deportation der Nationen und zu den damit im Zusammenhang stehenden Ereignissen ab. Jedoch wurden zwei der Routen des Cherokee Trail of Tears im Jahr 1987 zum Gedenken an die Opfer in das National Trails System aufgenommen.
Inhaltsverzeichnis |
Der Ausdruck Trail of Tears bezog sich ursprĂŒnglich auf die durch die amerikanische Gesetzgebung gedeckte gewaltsame Vertreibung der Cherokee und auf die Umsiedlung der Choctaw. Die Cherokee bezeichneten die Vertreibung als Nunna daul Tsuny (cherokee fĂŒr âDer Weg, auf dem wir weintenâ), das als Trail of Tears ins Englische ĂŒbertragen wurde und so Verbreitung fand.[1] Bei den Choctaw bezieht sich der Ausdruck auf eine im November 1831 in der Arkansas Gazette zitierte Beschreibung ihrer Umsiedlung, die von einem der bedeutenden HĂ€uptlinge, vermutlich Thomas Harkins oder Nitikechi, als â[âŠ] trail of death and tearsâ (engl. fĂŒr âPfad des Todes und der TrĂ€nenâ) bezeichnet wurde.[2] Andere Zeitungen griffen diesen Ausdruck in verkĂŒrzter Form als Trail of Tears auf und verbreiteten ihn.[3] Der Begriff wurde nach und nach fĂŒr die anderen im Rahmen des Indian Removal Act vertriebenen indianischen Nationen des SĂŒdostens ĂŒbernommen und wird heute verwendet, um die GesamtumstĂ€nde der Vertreibung der sĂŒdöstlichen Nationen zu beschreiben. Gelegentlich wird der Ausdruck benutzt, um gewaltsame oder verlustreiche Vertreibungen oder Umsiedlungen anderer indianischer Völker zu charakterisieren, beispielsweise fĂŒr den 1860 durchgefĂŒhrten âLangen Marschâ (engl.: The Long Walk) der im SĂŒdwesten der Vereinigten Staaten beheimateten Navajos.[4]
In der zweiten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts waren die ursprĂŒnglich weite Teile des SĂŒdostens der Vereinigten Staaten umfassenden Siedlungsgebiete der Indianer ĂŒberwiegend durch VertrĂ€ge und militĂ€rische Konflikte mit den aus Europa stammenden Siedlern deutlich geschrumpft. Der Verbleib der Indianer in den eingeschrĂ€nkten Gebieten lag anfangs im Interesse der KolonialmĂ€chte, fĂŒr die die Stammesgebiete auch als Pufferzonen zwischen den verschiedenen EinflusssphĂ€ren von Bedeutung waren. Besonders der Lebensraum der Cherokee und der Muskogee in der Bergregion der Bundesstaaten Georgia, North Carolina, South Carolina und Tennessee trennte die französischen, spanischen und britischen Interessengebiete voneinander.
Die Seminolen waren um 1800 im kaum besiedelten zentralen Florida bereits durch den ersten Seminolenkrieg deutlich dezimiert worden und wurden von den Siedlern der Kolonie Spanisch-Floridas beeinflusst, wĂ€hrend die Choctaw und Chickasaw in Alabama und Mississippi fruchtbares Land sĂŒdlich der Mason-Dixon-Linie bewohnten und das französische Louisiana von den Dreizehn Kolonien der britischen Kolonialmacht trennten.[5] Fehlendes Interesse der weiĂen Siedler bewahrte die Gebiete bis zu diesem Zeitpunkt vor weiteren Verkleinerungen; die Siedlungsgebiete der Indianer wurden weitgehend als autonome Staatsgebiete behandelt.
Mit der Erfindung der cotton gin, einer Entkörnungsmaschine fĂŒr Baumwolle, die den effektiven Einsatz von Sklaven auf Plantagen und damit den Anbau von Baumwolle in groĂem Stil erst ermöglichte, wuchs der Bedarf der weiĂen Siedler nach weiteren und groĂen AnbauflĂ€chen im SĂŒdosten. Der als Black Belt (engl. fĂŒr âSchwarzer GĂŒrtelâ) bezeichnete Landstrich war von besonderem wirtschaftlichem Interesse. Dabei handelt es sich um ein Gebiet mit schwarzen und fĂŒr den Baumwollanbau geeigneten Böden, das sich von North Carolina bis Louisiana erstreckt. Der Aufschwung in den SĂŒdstaaten ermöglichte den in dieser Region lebenden indianischen Nationen zunehmenden Wohlstand. FĂŒr die wirtschaftliche Entwicklung begĂŒnstigend war, dass die fĂŒnf Nationen ĂŒber eine lange Tradition der Sklavenhaltung verfĂŒgten. Die Sklaven waren ĂŒberwiegend Kriegsgefangene oder aus anderen StĂ€mmen geraubte Menschen indigener, afroamerikanischer oder weiĂer Abstammung. Anders als in der Sklavenhaltung der weiĂen Siedler wurden die indianischen Sklaven als Teil des Familienverbandes verstanden und fĂŒhrten ein weitgehend selbstbestimmtes Leben. Ihren Besitzern schuldeten sie jedoch einen Teil ihrer Arbeitskraft, was wesentlichen Einfluss auf den ökonomischen Erfolg der indianischen Agrarwirtschaft hatte. Gleichzeitig bedrohten der einsetzende Landhunger, das Auftreten von Landspekulanten und die Ansiedlung groĂer Plantagen die Siedlungsgebiete der sĂŒdöstlichen Indianervölker. Es kam, teilweise unter Druck der amerikanischen Regierung, zu weiteren AbtretungsvertrĂ€gen[6] und LandkĂ€ufen durch weiĂe Siedler. Dies hatte eine nochmalige Reduzierung der Stammesgebiete zur Folge.[7]
Der Druck, der durch den Landhunger der weiĂen Siedler auf die StĂ€mme ausgeĂŒbt wurde, stieg betrĂ€chtlich und verĂ€nderte deren Lebensweise und Kultur nachhaltig. Mit dem zunehmenden Interesse der weiĂen Siedler an der Region setzte unter anderem die Verbreitung des christlichen Glaubens unter den indianischen Nationen ein, was vor allem durch das Auftreten der Herrnhuter BrĂŒdergemeine um 1800 beschleunigt wurde.[8] Neben der Missionierung verĂ€nderte auch die Reduzierung der Stammesgebiete die Lebensweise der betroffenen Völker, beispielsweise Ă€nderten sich die herkömmlichen Siedlungsmuster der Cherokee zu einer der europĂ€ischen Siedlungsweise Ă€hnelnden Form mit individueller Bewirtschaftung.[1] Der wirtschaftliche Aufschwung des SĂŒdens ermöglichte in den Nationen die Etablierung einer wohlhabenden Schicht von Plantagenbesitzern. Diese hatten, wie der gut dokumentierte Fall des StammesfĂŒhrers der Cherokee John Ross zeigt, eine Vorbildfunktion fĂŒr viele ihrer Stammesmitglieder.[9] Die Nationen entwickelten ein der amerikanisch-europĂ€ischen Regierung und Justiz Ă€hnelndes politisches System, bauten Schulen und passten sich zunehmend der Lebensweise ihrer weiĂen Nachbarn an. Die Cherokee entwickelten in dieser Phase eine eigene Schriftsprache und verlegten die erste Zeitung auf Englisch und Cherokee.[10]
Diese Anpassung geschah einerseits unter Druck der amerikanischen Regierung, nach deren Auffassung die Assimilation und Akkulturation der Indianer als MaĂnahme zum Schutz der indigenen Bevölkerung, zur Vermeidung von militĂ€rischen Konflikten dienen und insbesondere den Handel fördern sollte.[11] Andererseits hofften einige StammesfĂŒhrer, damit Teil der gesellschaftlichen Struktur der Vereinigten Staaten zu werden und sich dadurch vor einer weiteren Vertreibung und Enteignung der Stammesgebiete zu schĂŒtzen. Der aus Sicht der WeiĂen hohe Akkulturationsgrad der indianischen Völker fĂŒhrte zu dem Begriff der âFĂŒnf Zivilisierten Nationenâ, mit dem die Cherokee, Choctaw, Chickasaw, Muskogee und die von der spanischen Mission beeinflussten Seminolen bezeichnet wurden. Eine Anerkennung als gleichrangige Mitglieder in der Gesellschaft der weiĂen Siedler fand jedoch kaum statt. Die Mehrheit der Siedler betrachtete die Indianer nach wie vor ĂŒberwiegend als eine ihrer Kultur und Zivilisation unterlegene Rasse. Teile der indianischen Bevölkerung lehnten diese Anpassung an die fremde Kultur vehement ab und es kam zu massiven internen Konflikten innerhalb der StĂ€mme. Am deutlichsten wurde dies bei den auch als Creek bezeichneten Muskogee, deren groĂe und einflussreiche Konföderation in zwei Teile zerfiel, zwischen denen es schlieĂlich zu einem BĂŒrgerkrieg kam.
Die weiĂen Siedler der sĂŒdöstlichen Bundesstaaten ĂŒbten zu Beginn des 19. Jahrhunderts zunehmend Druck auf ihre jeweiligen Regierungen aus. Sie forderten diese dazu auf, die Stammesgebiete zu rĂ€umen und den WeiĂen das Land und â besonders nach Goldfunden in Georgia im Jahre 1829 â die BodenschĂ€tze zur VerfĂŒgung zu stellen.
Um die dazu nötige Umsiedlung der Indianer auf eine legale Grundlage zu stellen, verabschiedete der Senat der Vereinigten Staaten am 24. April 1830 den Indian Removal Act (engl. fĂŒr âIndianerumsiedlungsgesetzâ),[12] dem das ReprĂ€sentantenhaus am 26. Mai desselben Jahres zustimmte. UnterstĂŒtzt von den SĂŒdstaaten und gegen den Widerstand bedeutender Politiker wie Theodore Frelinghuysen und Davy Crockett unterzeichnete Andrew Jackson am 28. Mai 1830 das Gesetz. Dieses ermĂ€chtigte ihn, Verhandlungen mit den auf dem Bundesgebiet lebenden StĂ€mmen und Völkern zu fĂŒhren, die einen Tausch ihrer LĂ€ndereien gegen Gebiete im Indianer-Territorium (engl. Indian Territory) zum Ziel haben sollten. Diese von den Vereinigten Staaten im Rahmen des Louisiana Purchase erworbenen Gebiete waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht Teil des föderalen Systems der Vereinigten Staaten und lagen im spĂ€teren Bundesstaat Oklahoma.[13][14]
Die indianischen Nationen reagierten unterschiedlich auf die neue Gesetzgebung, beispielsweise verzichteten die Choctaw im September 1830 auf ihr östlich des Mississippi gelegenes Land und erhielten dafĂŒr Land westlich des Flusses.[15] Die Cherokee versuchten, ihre souverĂ€nen Rechte zu stĂ€rken und sich auf juristischem Weg gegen die verschiedenen LandabtretungsvertrĂ€ge zu wehren. Im Rahmen der Indianer-Politik und der Indianerumsiedlung (engl. Indian Removal) wurden die von der Nation vorgebrachten Klagen am Obersten Gerichtshof jedoch abgewehrt.[16] Die Seminolen hingegen verweigerten sich jedem Versuch einer gewaltlosen Umsiedlung und setzten sich im Zweiten Seminolenkrieg militĂ€risch zur Wehr.
Das Siedlungsgebiet der Choctaw-Nation umfasste bis 1800 groĂe Teile der heutigen Bundesstaaten Mississippi, Alabama, Arkansas und Louisiana. Durch eine Serie von VertrĂ€gen wurde die Nation zunĂ€chst in Gebiete nördlich der Mason-Dixon-Linie verdrĂ€ngt, bis sie schlieĂlich nach Erlass des Indian Removal Act mit dem Vertrag von Dancing Rabbit Creek den gröĂten Teil ihrer Siedlungsgebiete gegen neue Gebiete im Indianer-Territorium eintauschte. In dem am 27. September 1830 unter dem Druck der amerikanischen Regierung unterzeichneten und am 24. Februar 1831 in Kraft getretenen Vertrag ĂŒberlieĂen die Choctaw rund 45.000 Quadratkilometer Land (eine FlĂ€che vergleichbar der GröĂe der Schweiz) der Bundesregierung und erhielten dafĂŒr etwa 61.000 Quadratkilometer im heutigen Oklahoma.[17] Der Vertrag, in dem die Nation auf ihre SouverĂ€nitĂ€t verzichtete, hatte nicht die Zustimmung des Volkes, das sich in vorangegangenen Versammlungen und Ratsitzungen gegen eine Umsiedlung ausgesprochen hatte.[18] Jedoch sahen die indianischen VerhandlungsfĂŒhrer Greenwood LeFlore, Musholatubbee und Nittucachee keine andere Möglichkeit, ihrem Volk zumindest einen Rest der ursprĂŒnglichen Stammesgebiete zu erhalten. Auch wurden damit die in Mississippi verbleibenden Indianer zu BĂŒrgern der Vereinigten Staaten, wovon sich die AnfĂŒhrer der Choctaw einen besseren Schutz fĂŒr diejenigen erhofften, die sich der Umsiedlung nicht anschlieĂen wollten.
Die freiwillige Umsiedlung der auf 15.000[19] bis 20.000[20] Angehörige geschĂ€tzten Choctaw und ihrer etwa 1.000 afroamerikanischen Sklaven[19] wurde von der Bundesregierung in drei Gruppen geplant. Die erste und gröĂte Gruppe umfasste 4.000 Menschen, deren Umsiedlung auf dem âwater wayâ (engl. fĂŒr âWasserwegâ) fĂŒr den Oktober 1831 vorgesehen war. Die Aufgaben der hierzu von der Regierung bestellten âRemoval Agentsâ (engl. fĂŒr âUmsiedlungsagentenâ) unter Leitung von George Strother Gaines bestanden in der Planung der Routen in das knapp 650 Kilometer entfernte Indianer-Territorium und der Beschaffung von Wagen, Pferden und Schiffen sowie einer entsprechenden Menge an VorrĂ€ten und Lebensmitteln fĂŒr die Trecks und die erste Zeit nach der Ankunft im neuen Siedlungsgebiet. Unter diesen Agenten herrschte Uneinigkeit ĂŒber die Wahl der Routen und die Organisation der Trecks. Die erste Gruppe Choctaw traf bei ihrer Ankunft an den Sammelpunkten in Vicksburg, Mississippi, und Memphis, Tennessee, auf eine unklare und verwirrende Situation. Beispielsweise mussten sie entgegen der Zusicherung der Regierung ihr Vieh zurĂŒcklassen und sollten erst im Indianer-Territorium Ersatz dafĂŒr erhalten.[20] Aufgrund der sich verschlechternden Witterungsbedingungen entschieden sich die Agenten, die Choctaw aus Memphis entlang einer nördlichen und die in Vicksburg versammelten Stammesmitglieder entlang einer sĂŒdlichen Route ins Indianer-Territorium zu transportieren.[2]
Route Memphis â Little Rock
Die etwa 2.000 in Memphis versammelten Choctaw bestiegen die bereitgestellten Dampfschiffe, mit denen sie zunĂ€chst dem Arkansas River folgen sollten. Die wenige Tage nach dem Aufbruch einsetzenden, heftigen RegenfĂ€lle fĂŒhrten zu Ăberschwemmungen, wegen derer die Schiffe bei Arkansas Post anlanden mussten. An Land gab es fĂŒr eine so groĂe Anzahl an Menschen keine UnterkĂŒnfte. Decken und VorrĂ€te waren fĂŒr einen solchen Fall nicht mitgefĂŒhrt worden. Der kalte Regen und der nachfolgende Blizzard, dem die Choctaw mehrere Tage schutzlos ausgeliefert waren, verursachte einen GroĂteil der gesamten TodesfĂ€lle innerhalb dieser Gruppe. Besonders stark betroffen waren die JĂŒngsten und Ăltesten. Die beiden Schiffe, die âReindeerâ und die âWalter Scottâ, konnten bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt nicht ablegen, ein Transport der Choctaw ĂŒber den Wasserweg war dadurch nicht mehr möglich. Erst acht Tage spĂ€ter wurden aus Little Rock, Arkansas, vierzig mit Decken und VorrĂ€ten beladene Planwagen der Regierung zu der Gruppe entsandt. Sie holten die Ăberlebenden in Arkansas Post ab und brachten sie nach Fort Smith, von wo aus sie nach Little Rock weiter zogen. Nach der Ankunft der ersten Wagen im November 1831 prĂ€gte einer der StammesfĂŒhrer, vermutlich Thomas Harkins oder Nitikechi, bei einem GesprĂ€ch mit einem Reporter der Arkansas Gazette den Begriff âTrail of Tearsâ.[20]
Route Vicksburg â Little Rock
Die in Vicksburg auf den Abtransport wartenden Choctaw bestiegen ebenfalls zwei Schiffe. Die âTalmaâ und die âCleopatraâ sollten die Gruppe, dem Mississippi stromabwĂ€rts zur EinmĂŒndung des Red River und von dort dem Ouachita River stromaufwĂ€rts folgend, bis nach Camden im damaligen Arkansas Territory bringen. Von dort aus sollten die Choctaw die restlichen 100 Kilometer in ihre neuen Gebiete mit Planwagen zurĂŒcklegen. Der Transport ĂŒber den Wasserweg musste jedoch bereits in Monroe, Louisiana, wegen eines Maschinenschadens der âTalmaâ unterbrochen werden. Die Choctaw sollten dort warten, um nach und nach mit der âCleopatraâ weitertransportiert zu werden. Die RegenfĂ€lle und der Blizzard trafen diese Gruppe aufgrund der schĂŒtzenden WĂ€lder der Umgebung und der groĂzĂŒgig von der weiĂen Bevölkerung mit den Choctaw geteilten VorrĂ€te lange nicht so hart wie die Vertriebenen auf der nördlichen Route. Kurz darauf gelangte die sĂŒdliche Gruppe an ihr Zwischenziel bei Camden. Die Vorbereitungen, die von den Agenten dort getroffen worden waren, entsprachen nicht annĂ€hernd dem Bedarf. Es standen nur zwölf Wagen zur VerfĂŒgung und die Lebensmittelrationen reichten nicht aus. Mit Ausnahme der Kleinkinder und der SchwĂ€chsten waren die Choctaw gezwungen, den Rest des Weges zu FuĂ zurĂŒckzulegen. Der Mangel an Lebensmitteln wurde von den Farmern entlang der Route ausgenutzt. Sie verlangten fĂŒr VorrĂ€te das Drei- bis Vierfache des ĂŒblichen Preises. Verschiedene Epidemien, darunter Typhus und Diphtherie, hielten den Treck zusĂ€tzlich auf. FĂŒr die etwas ĂŒber 100 Kilometer lange Strecke von Camden bis zum Mountain Fork River wurden knapp drei Monate benötigt.[20][2]
Obwohl Gaines bekannt war, dass die Umsiedlung ĂŒber die sĂŒdliche und kĂŒrzere Route reibungsloser und mit weniger Verlusten verlaufen war, entschloss er sich aus unbekannten GrĂŒnden 1832 wieder fĂŒr die nördliche Route. Als die Choctaw in Richtung Vicksburg zogen, um gemeinsam nach Westen abtransportiert zu werden, brach in der Region eine Cholera-Epidemie aus. Die Indianer, die ebenfalls Opfer dieser Krankheit wurden, starben zu Hunderten.[19] Die Stadt war weitgehend verlassen und es gab keine VorrĂ€te zu kaufen. Die Besatzungen der Schiffe, die fĂŒr die Choctaw angemietet waren, hatten ebenfalls die Flucht vor der Epidemie ergriffen. Der Agent Francis W. Armstrong, der eine Gruppe von etwa 1.000 Choctaw nach Vicksburg fĂŒhren sollte, hörte von der Epidemie. Er entschied spontan, seine Gruppe zunĂ€chst nach Memphis zu bringen, um sie von dort aus ĂŒber die sĂŒdliche Route schnellstmöglich nach Westen zu leiten. Seine Schutzbefohlenen erreichten ohne weitere ZwischenfĂ€lle und beinahe vollstĂ€ndig das Indianer-Territorium. Gaines gelang es schlieĂlich, zumindest fĂŒr eines der beiden Schiffe, die âBrandywineâ, eine Mannschaft anzuheuern. Rund 2.000 Menschen wurden auf das Schiff gebracht. Kurz nachdem dieses Vicksburg verlassen hatte, setzen RegenfĂ€lle ein. Auf dem ĂŒberschwemmten Fluss war die Weiterfahrt nicht möglich und die Passagiere wurden rund 110 Kilometer vor ihrem Ziel Little Rock bei Rock Row an Land gesetzt. Dort standen keinerlei VorrĂ€te zur VerfĂŒgung, es gab weder Wagen noch Pferde. Von dem Weg, den die Choctaw zu FuĂ zurĂŒcklegen mussten, standen fast 50 Kilometer unter Wasser. Nach vier Tagen erreichten die Ăberlebenden des Marsches Little Rock. Dort wurden sie mit Medikamenten, Nahrung und Kleidung versorgt und vereinigten sich mit der Armstrong-Gruppe.[20][2]
Die dritte und letzte von der Regierung angeordnete Umsiedlung fand im Folgejahr statt. Gaines entschied sich wieder fĂŒr die Route ĂŒber Vicksburg, aber im Gegensatz zu den Vorjahren erschienen im Oktober nur rund 1.000 Choctaw an den Sammelpunkten. Die starken RegenfĂ€lle blieben in diesem Jahr aus und der Umzug in das Indianer-Territorium verlief wie geplant.[2]
FĂŒr die in Mississippi verbliebenen etwa 6.000 Choctaw verschlechterten sich die Bedingungen zusehends. Die versprochenen BĂŒrgerrechte erwiesen sich als nicht ausreichend, um die Indianer zu schĂŒtzen; sie wurden wiederholt zum Ziel rassistisch motivierter Ăbergriffe, erlitten Verfolgung und Enteignung.[21] Im Jahre 1836 entschloss sich eine weitere Gruppe von etwa 1.000 Choctaw zur Ăbersiedlung in das Indianer-Territorium, 1.600 folgten ein Jahr spĂ€ter und weitere kleinere Gruppen verlieĂen Mississippi wegen der sich verschlechternden Lebensbedingungen in den folgenden Jahren und Jahrzehnten. Um 1910 lebten im ursprĂŒnglichen Stammesgebiet nur noch rund 1.250 Choctaw.[22] Die Nachfahren der verbliebenen Indianer wurden in den 1940er-Jahren nach MaĂgabe des Indian Reorganization Act (engl. fĂŒr Gesetz zur Reorganisation der Indianer) als Mississippi Band of Choctaw Indians zusammengefasst und erhielten eigene Reservate in Mississippi.
Genaue Zahlen zu den vertriebenen Choctaw liegen nicht vor. Ausgehend von rund 15.000 umgesiedelten Menschen kommen verschiedene SchĂ€tzungen zu dem Schluss, dass allein wĂ€hrend der durch die Regierung durchgefĂŒhrten Trecks etwa 2.500 Menschen zu Tode kamen.[19][23] Wie viele der Vertriebenen bereits auf dem Weg zu den Sammelpunkten, nach Ankunft im Indianer-Territorium oder bei spĂ€teren Umsiedlungen verstarben, ist nicht erfasst.
Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Muskogee, die von den Siedlern als Creek bezeichnet wurden, eine der mĂ€chtigsten und einflussreichsten Nationen des SĂŒdens. Die Konföderation verschiedener StĂ€mme, darunter Coushatta, Yamacraw, Shawnee und Alabama, verfĂŒgte ĂŒber mindestens 40 Dörfer in Georgia, Alabama, Tennessee und Florida, sowie eine geschĂ€tzte Streitmacht von 1.250 bis 6.000 Kriegern.[24] Im Zuge der in den StĂ€mmen unterschiedlich akzeptierten und vollzogenen AnnĂ€herung an die Lebensgewohnheiten der weiĂen Siedler zerbrach die Konföderation im Verlauf des Amerikanischen UnabhĂ€ngigkeitskrieges gegen Ende des Jahrhunderts. Die von den Kolonien weiter entfernt lebenden StĂ€mme der âUpper Creekâ (engl. fĂŒr Obere Creek) im Alabama-Tal lehnten die Akkulturation ab. Sie stellten sich sowohl wĂ€hrend der amerikanischen Revolution als auch im Britisch-Amerikanischen Krieg auf die Seite der Briten. Ihre ehemaligen BĂŒndnispartner, die an Chattahoochee, Ocmulgee und Flint River nahe bei den WeiĂen siedelnden âLower Creekâ (engl. fĂŒr Untere Creek), verhielten sich weitgehend neutral oder pro-amerikanisch. Der Konflikt gipfelte 1813 und 1814 im âRed Stick Warâ (engl. fĂŒr Krieg der Rotstöcke), einem BĂŒrgerkrieg zwischen der anti-amerikanischen und der anpassungswilligen Partei innerhalb der Muskogee. Mit dem Sieg der pro-amerikanischen Muskogee und sie unterstĂŒtzender amerikanischer Milizen unter Andrew Jackson in der Schlacht am Horseshoe Bend wurde der Widerstand der Traditionalisten endgĂŒltig gebrochen, und sie ergaben sich im August 1814.
Jackson nutzte die Situation nach dem BĂŒrgerkrieg, um die unterlegenen Upper Creek und die mit ihm verbĂŒndeten Lower Creek, die er der Beteiligung an der Rebellion bezichtigte, im August zur Unterzeichnung des Vertrags von Fort Jackson zu zwingen. In diesem Vertrag gaben die Muskogee die Rechte an ĂŒber der HĂ€lfte ihres Landes, rund 81.000 Quadratkilometer (eine FlĂ€che in der GröĂe Ăsterreichs), an die Vereinigten Staaten ab. Aus diesem Gebiet entstand der Bundesstaat Alabama. Einzelne StĂ€mme der Muskogee verkauften nach und nach weiteres Land, obwohl die Muskogee-Regierung den Verkauf weiterer Stammesgebiete mit der Todesstrafe bedrohte. So unterzeichnete beispielsweise William McIntosh gemeinsam mit anderen FĂŒhrern der Muskogee am 12. Februar 1825 den Vertrag von Indian Springs[25], mit dem groĂe Teile des verbliebenen Territoriums an Georgia abgetreten wurden. Kurz nach Ratifizierung des Vertrages wurde McIntosh im Mai desselben Jahres wegen der als Verrat empfundenen Abtretung von einer Gruppe Muskogee um Menawa getötet.
Der Rat der Muskogee protestierte unter Leitung Opothleyaholas erfolgreich gegen den Vertrag. Durch eine neue Vereinbarung, den 1826 geschlossenen Vertrag von Washington, wurde der vorangegangene Vertrag aufgehoben. Damit ist der Vertrag von Indian Springs der einzige ratifizierte Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und einer indianischen Nation, der je annulliert wurde. Die Regierung Georgias weigerte sich jedoch, die 1826 beschlossene Annullierung anzuerkennen und setzte die Vertreibung fort. Ohne weitere Einmischung seitens der Bundesregierung wurden die Lower Creek gewaltsam von ihren Stammesgebieten vertrieben und zogen in kleinen Gruppen ins Indianer-Territorium.[26]
Die noch verbliebenen rund 20.000 Upper Creek in Alabama wurden durch die Gesetze des Bundesstaates weiter eingeschrĂ€nkt, ihnen wurde beispielsweise die Einrichtung souverĂ€ner Stammesregierungen verboten. In einer weiteren Protestnote ersuchten die Upper Creek den inzwischen zum PrĂ€sidenten gewĂ€hlten Jackson um Hilfe. Stattdessen wurden sie jedoch zum Vertrag von Cusseta gezwungen, durch den das Territorium der Muskogee in individuelle Parzellen aufgeteilt wurde. Der Regierung sowie den in das Land der Indianer eindringenden Squattern wurde dadurch der Zugriff auf die Stammesgebiete ermöglicht, ohne sich an die ĂŒbergeordneten VertrĂ€ge der Bundesregierung halten zu mĂŒssen.[27] Auf die indianischen Landbesitzer wurde zunehmend Druck ausgeĂŒbt. Es kam zu PlĂŒnderungen, und Farmen wurden in Brand gesteckt, um die einzelnen Familien von ihrem Land zu vertreiben. Der Konflikt zwischen den Muskogee und den weiĂen Siedlern gipfelte schlieĂlich im Creek-Krieg von 1836. Die Kampfhandlungen zwischen den Parteien wurden mit Hilfe des MilitĂ€rs durch die vom Indian Removal Act gedeckte gewaltsame Umsiedlung der verbliebenen Muskogee beendet.[28]
Nach der Ratifizierung des Vertrags von Indian Springs im Jahre 1825 verlieĂen kleinere, wohlhabende Gruppen, die vor allem aus dem Umfeld der Familie McIntosh stammten, ihr Territorium in Richtung Westen. Insgesamt wanderten etwa 1.000 bis 1.300 Muskogee mit ihren Sklaven ab, um im Arkansas-Tal, dem ihnen zugeteilten Gebiet des Indianer-Territoriums, zu siedeln. Damit sicherten sie sich bevorzugte und landwirtschaftlich attraktive GrundstĂŒcke und schufen sich eine gute Ausgangsbasis fĂŒr ihr individuelles Wohlergehen. Weitere Gruppen und Ăberlebende des Red Stick War schlossen sich den Seminolen oder Verwandten in den noch nicht von der Vertreibung betroffenen Gebieten an.[29]
Im Anschluss an den Creek-Krieg von 1836 wurden in Alabama rund 2.500 Muskogee zusammengetrieben und nach Montgomery, Alabama, gebracht. Darunter befanden sich einige hundert Krieger, die gefesselt und unter schwerer Bewachung abtransportiert wurden. Die Deportation dieser Gruppe erfolgte ĂŒber den Alabama River, auf dem die Muskogee stromabwĂ€rts bis zum Golf von Mexiko und dann ĂŒber den Mississippi und den Arkansas River nach Fort Gibson ins Indianer-Territorium gebracht wurden. Dieser Route folgten in den Jahren 1836 und 1837 weitere 14.000 Muskogee, die kaum mehr mitnehmen durften, als sie am Leib trugen. WĂ€hrend des dreimonatigen Transports in verschiedenen, zeitlich gestaffelten Trecks litten sie unter den sehr heiĂen Sommern, den SchneestĂŒrmen im Winter und verschiedenen Epidemien. Ein Augenzeuge beschrieb, wie wĂ€hrend einer dieser Umsiedlungen etliche Indianer erfroren oder vor Erschöpfung zusammenbrachen, wĂ€hrend es ihren Verwandten nicht erlaubt war, ihre Toten zu beerdigen und die notwendigen Riten durchzufĂŒhren.[30]
Eine weitere Gruppe von rund 4.000 Frauen, Ălteren und Kindern wurde im MĂ€rz 1837 in Lagern zusammengetrieben. Ihren Familien war von der Regierung versprochen worden, sie von der Umsiedlung auszunehmen, wenn ihre MĂ€nner auf Seiten der Vereinigten Staaten im Seminolenkrieg kĂ€mpften. Bis diese im September bei ihren Familien ankamen, starben viele der Internierten angesichts der Bedingungen in den Lagern an grassierenden Krankheiten. Die Ăberlebenden folgten ebenfalls der Route ĂŒber New Orleans und den Golf von Mexiko; allein bei der Havarie eines der nicht seetĂŒchtigen Schiffe, die sie transportierten, kamen 311 Deportierte ums Leben.[31] Die meisten Vertriebenen siedelten in der Region um das heutige Okmulgee, Oklahoma. Nach einer Phase gespannter Beziehungen zwischen den Upper und Lower Creek im neuen Territorium wurde der Bund erneuert, und die souverĂ€ne Muskogee (Creek) Nation of Oklahoma entstand.
Einige wenige Familien verblieben in Alabama, ihre Nachfahren bilden heute den Poarch Band of Creek Indians, der als einziger indianischer Stamm auf dem Gebiet Alabamas die staatliche Anerkennung erhielt. Sie leben ĂŒberwiegend in der Poarch-Creek-Reservation in Escambia County.[32]
Es gibt keine eindeutig belegten Zahlen bezĂŒglich der Vertreibung und der daraus resultierenden Verluste der einzelnen StĂ€mme der Konföderation. Wie viele der ursprĂŒnglich im SĂŒdosten lebenden Muskogee tatsĂ€chlich vertrieben wurden, ist unbekannt, lediglich die im Rahmen der staatlichen Umsiedlung durch die Indianeragenten erfassten Zahlen sind gesichert. Laut einer am 17. Januar 1838 in der Arkansas Gazette veröffentlichten Verlautbarung des verantwortlichen Offiziers der Vereinigten Staaten wurde das gesamte 21.000 Menschen umfassende Volk weitgehend problemlos umgesiedelt.[33] Im direkten Anschluss an die Umsiedlung starben mindestens 3.500 Menschen an als âLungenfieberâ bezeichneten Krankheiten. Unklar ist, wie viele Muskogee sich dem Druck der Siedler beziehungsweise der Bundesstaaten beugten und sich in kleinen Familiengruppen zu Verwandten in den SĂŒmpfen Floridas oder ins Indianer-Territorium durchschlugen. Es ist ebenfalls nicht bekannt, wie viele Indianer bereits vor Beginn der Trecks in den Lagern oder bei den militĂ€rischen Konflikten verstarben. Der Anthropologe Russell Thornton geht aufgrund eingehender Forschungen davon aus, dass durch die direkten und indirekten Folgen der Vertreibung etwa 50 Prozent des Volkes vernichtet wurden.[34]
Die Chickasaw, ein zahlenmĂ€Ăig kleines Volk mit rund 5.000 Stammesangehörigen und 1.200 Sklaven[35], siedelte in den Bundesstaaten Mississippi, Alabama und Tennessee. Sie erkannten nach Erlass des Indian Removal Act frĂŒhzeitig die Ausweglosigkeit der Situation und entschieden sich zur freiwilligen Umsiedlung, um eine bestmögliche Ausgangssituation fĂŒr das Wohlergehen ihrer Nation zu erreichen. Nach einem ersten Landabtretungsvertrag, dem Vertrag von Old Town aus dem Jahre 1818[36], unterschrieb der Rat der Chickasaw 1830 den Vertrag von Franklin.[37] Darin wurde der Austausch von angemessenen Gebieten im Westen gegen das ursprĂŒngliche Land der Chickasaw vereinbart.[38] Die Vereinbarung wurde vom Kongress der Vereinigten Staaten nicht ratifiziert, da dem Stamm kein entsprechendes Gebiet im Indianer-Territorium angeboten werden konnte. Erste Expeditionen der Chickasaw wurden in den Westen geschickt, um die Umsiedlung vorzubereiten.[39]
Mit dem Vertrag von Pontotoc wurde 1832[40] ein weiterer, vorerst nicht ratifizierter Vertrag verhandelt, der einen Verkauf der rund 26.000 Quadratkilometer groĂen Chickasaw-Gebiete gegen drei Millionen Dollar regelte (die FlĂ€che entspricht der GröĂe Siziliens). Im Jahr 1834 folgte im Vertrag von Washington[41] eine weitere Vereinbarung, mit der der vorangegangene Vertrag GĂŒltigkeit erlangte, obwohl noch keine neuen Gebiete im Indianer-Territorium fĂŒr die Chickasaw zur VerfĂŒgung standen.[39]
Nach mehreren Expeditionen in den Jahren zwischen 1832 und 1837 scheiterten wiederholt Verhandlungen mit den Choctaw, in deren von der Regierung zugeteiltem Abschnitt des Indianer-Territoriums das bevorzugte Siedlungsgebiet der Chickasaw lag. Auf Druck der Regierung, die versuchte, die Umsiedlung zu beschleunigen, schlossen die Chickasaw und die Choctaw trotz ihrer gespannten Beziehungen den Vertrag von Doaksville.[42] In der am 17. Januar 1837 unterschriebenen Vereinbarung erhielten die Chickasaw gegen Zahlung von 530.000 Dollar das Recht, im Westen des Choctaw-Gebietes, dem heutigen SĂŒdwesten Oklahomas, zu siedeln.[39] Die ursprĂŒnglichen PlĂ€ne der Chickasaw, das Land zum Aufbau einer souverĂ€nen Nation zu kaufen, wurden dadurch vereitelt. Sie erhielten das Gebiet nur als Leihgabe, zusĂ€tzlich wurde ihnen die Vertretung ihrer Interessen im Rat der Choctaw gestattet.[43]
Bereits zu Beginn der sich abzeichnenden, durch die Regierung veranlassten Umsiedlung zogen kleinere, besonders aus der wohlhabenden Schicht stammende Familiengruppen ins Indianer-Territorium und sicherten sich dadurch frĂŒhzeitig individuell Gebiete in bevorzugten Lagen. Die von der Regierung durchgefĂŒhrte Umsiedlung von 3.001 Stammesmitgliedern und Sklaven begann im Sommer 1837. Unter Leitung von A. M. M. Upshaw und John M. Millard wurden die Chickasaw am 4. Juli 1837 nach Memphis gebracht. Von dort aus sollten sie entlang der bereits von den Choctaw und Muskogee benutzten Routen in den Westen ziehen. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Umsiedlungen wurde die Umsiedlung der Chickasaw deutlich sorgfĂ€ltiger geplant. Entlang der Route standen ausreichend VorrĂ€te und UnterkĂŒnfte zur VerfĂŒgung. Die Chickasaw durften sowohl Vieh als auch eigene Ponys und Karren verwenden, um ihren Besitz zu transportieren. Einige der Clans entschieden sich fĂŒr eigene Gruppen, die ohne Aufsicht durch Regierungsbeamte ins Indianer-Territorium zogen, und bezahlten ihre Umsiedlung aus einem von der Stammesregierung zur VerfĂŒgung gestellten Fond. Diese selbst organisierten und finanzierten Trecks kosteten die Nation rund 100.000 Dollar, wobei die Chickasaw davon ausgingen, dass die Zahlungen der Regierung bald eintreffen wĂŒrden.[44]
Im Gegensatz zu der vom Rat der Chickasaw geplanten Vorgehensweise zur Wiedererrichtung der Nation im Westen wurden viele der umgesiedelten Stammesmitglieder in der NĂ€he bereits vorhandener Choctaw-Dörfer sesshaft. Das Volk verlor in der Folge seine eigenstĂ€ndige IdentitĂ€t und ging in der Nation der Choctaw auf. Erst im Jahre 1854 und nach Zahlung weiterer Summen an die Choctaw gelang es den Chickasaw, sich wieder eine eigene Verfassung zu geben. Die Nachfahren einiger nicht umgesiedelter Chickasaw, ĂŒberwiegend Witwen und Waisen, deren Umsiedlung nicht finanziert wurde, bilden den 2005 von South Carolina anerkannten Stamm der Chaloklowa Chickasaw Indian People of South Carolina.[45]
Die Verluste der Chickasaw wĂ€hrend der verschiedenen Trecks waren aufgrund der guten Vorbereitung und der zur VerfĂŒgung stehenden Gelder verhĂ€ltnismĂ€Ăig gering. Allerdings grassierte zu Beginn der Umsiedlung innerhalb der Bevölkerung eine Pockenepidemie und es kam nach der Wiederansiedlung wiederholt zu Konflikten mit den bereits im Indianer-Territorium lebenden und angestammten Völkern. Insgesamt kamen durch die Umsiedlung und deren Folgen etwa 500 bis 600 Chickasaw zu Tode.[46]
Die Cherokee bemĂŒhten sich, auf juristischem Wege eine Verbesserung ihrer Situation zu erreichen und den Bundesstaaten Eingriffe in das Siedlungsgebiet zu verbieten sowie ihre individuellen Rechte zu schĂŒtzen. Sie wandten sich unter Leitung John Ross', eines hochangesehenen CherokeehĂ€uptlings, im Juni 1830 mit dem Fall Cherokee Nation gegen Georgia an den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten. UnterstĂŒtzt wurden die Cherokee von einigen Kongressabgeordneten, darunter auch Davy Crockett, Daniel Webster und Theodore Frelinghuysen, auf deren Vorschlag hin William Wirt die juristische Vertretung des Falles ĂŒbernahm. Wirt beantragte die Annullierung aller von Georgia erlassenen Gesetze, die das Recht der souverĂ€nen Nation der Cherokee einschrĂ€nkten. Der Oberste Gerichtshof wies die Klage jedoch mit der BegrĂŒndung ab, es handle sich bei den Indianern nicht um einen eigenstĂ€ndigen Staat, sondern um eine âdomestic dependent nationâ (engl. fĂŒr eine einheimische und abhĂ€ngige Nation), die als solche keine Rechte einklagen könne. Der Oberste Gerichtshof deutete jedoch an, weitere FĂ€lle, die von einem bundesstaatlichen Gericht zur Berufung weitergeleitet wĂŒrden, im Sinne der Indianer anzunehmen und zu entscheiden.[48]
Als Folge dieser Ablehnung versuchten die Cherokee, ihre Rechte ĂŒber eine Zivilklage durchzusetzen. Im Fall Worcester gegen Georgia entschied der Oberste Gerichtshof 1832 wie angekĂŒndigt fĂŒr die Cherokee. In der vom Obersten Bundesrichter John Marshall vorgetragenen UrteilsbegrĂŒndung hieĂ es, dass ein Bundesstaat nicht das Recht habe, in die internen Angelegenheiten der Indianer einzugreifen oder ĂŒber ihr Territorium zu verfĂŒgen.[49] Das Urteil kam jedoch zu spĂ€t, der Indian Removal Act hatte bereits GĂŒltigkeit erlangt und wurde von Jackson unter Missachtung der richterlichen Entscheidung umgesetzt. Diese beiden Entscheidungen beeinflussen bis heute die Politik der Regierung der Vereinigten Staaten gegenĂŒber den amerikanischen Ureinwohnern.
Angesichts der Ă€uĂeren Bedrohungen der sich als souverĂ€n verstehenden Nation kam es zu internen politischen Differenzen in der Frage der Umsiedlung. John Ross, hinter dem mit etwa 17.000 Cherokee der weitaus gröĂere Teil des Volkes stand, argumentierte gegen eine Umsiedlung und jedes freiwillig unterschriebene Abkommen, welches eine solche begĂŒnstigte. Seiner Ansicht nach waren die Cherokee spirituell und kulturell untrennbar mit dem Land ihrer Vorfahren verbunden, ein Ăberleben des Volkes nur dort denkbar. Dieser Position stand die von etwa 500 Stammesmitgliedern unterstĂŒtzte âTreaty Partyâ (engl. fĂŒr Vertragspartei) um Major Ridge gegenĂŒber, die fĂŒr eine freiwillige Umsiedlung warb. Ihre Vertreter verstanden die Nation als einen gesellschaftlichen Zusammenschluss von Menschen, deren Ăberleben nicht durch das Land, sondern durch ihre Existenz als Volk gesichert wurde. Diese auch durch ökonomische Faktoren beeinflusste Sicherheit sahen sie in der freiwilligen Umsiedlung ins Indianer-Territorium.[50]
Mitglieder der Treaty Party, darunter Major Ridge und sein Sohn John Ridge, unterschrieben gegen den Widerstand des Volkes am 29. Dezember 1835 den Vertrag von New Echota. In diesem Vertrag wurden die Abtretung aller Cherokee-Gebiete östlich des Mississippi gegen 5 Millionen Dollar und die Zuteilung neuer Siedlungsgebiete im Indianer-Territorium vereinbart.[51] John Ross verfasste eine Protestnote, die er persönlich nach Washington, D.C., brachte, wo er deutlich machte, dass weder die gewĂ€hlten FĂŒhrer der Nation noch die breite Mehrheit des Volkes den Vertrag unterstĂŒtzten.[52] Obwohl prominente FĂŒrsprecher ihn im Kongress unterstĂŒtzten und Ross eine Liste mit 15.000 Unterschriften gegen den Vertrag vorlegte, wurde die Vereinbarung am 23. Mai 1836 mit nur einer Stimme Mehrheit ratifiziert. Die Zwangsumsiedlung der Cherokee wurde dadurch gesetzmĂ€Ăig. Als Datum der Umsiedlung wurde der 23. Mai 1838 beschlossen. Noch wĂ€hrend Ross vor dem Kongress seine Ansichten vortrug und um den Erhalt der östlichen Stammesgebiete fĂŒr die Cherokee kĂ€mpfte, zogen die Mitglieder und AnhĂ€nger der Treaty Party und Major Ridges Familie in den Westen.[53]
Nach Ratifizierung des Vertrags von New Echota begann das MilitĂ€r mit Hilfe Freiwilliger im SĂŒden mit dem Bau mehrerer von Palisaden umgebener Forts. Diese in der Literatur auch als Konzentrationslager bezeichneten GefĂ€ngnisse[54] sollten die Cherokee bis zu ihrem Abtransport ins Indianer-Territorium aufnehmen; mit UnterkĂŒnften und VorrĂ€ten wurden sie nur dĂŒrftig ausgestattet. Viele der Soldaten und auch mehrere Offiziere sympathisierten mit den Cherokee und lehnten die Beteiligung an der Deportation ab. Nach mehreren abgelehnten Berufungen ĂŒbernahm schlieĂlich General Winfield Scott die Aufgabe, die Cherokee mit Hilfe von 7.000 aus dem Norden entsandten Soldaten zusammenzutreiben. Die Cherokee, die keinerlei Anstalten machten, den Umzug vorzubereiten, wurden ab 17. Mai 1838 mit Waffengewalt aufgefordert, die Lager in Gunterâs Landing, Rossâs Landing und Hiwassee Agency oder beispielsweise die Forts Lindsey, Scott, Montgomery, Butler in North Carolina, Gilmer, Coosawatee, Talking-Rock in Georgia, Cass in Tennessee oder Turkeytown in Alabama aufzusuchen.[55] Teilweise blieb den Indianern nur eine Stunde Zeit, um ihren Besitz zu packen. Nach zehn Tagen, die als âCherokee Round-upsâ (engl. fĂŒr [Vieh] zusammentreiben) bezeichnet werden, waren die Cherokee gröĂtenteils in die Lager verbracht worden. Die Pferde und das Vieh der Deportierten wurden enteignet und von den Indianeragenten oder Soldaten verkauft. Manche Familien wurden durch die Round-ups auseinander gerissen und konnten auch nach der Umsiedlung nicht wieder vereint werden. Einem Teil der Cherokee, etwa 1.000 bis 1.100 Personen, gelang es zu fliehen und sich in den unzugĂ€nglichen Bergregionen der Appalachen zu verstecken oder auf dem Land vor allem schottischer Siedler Zuflucht zu finden.[55][53] Ihre Nachfahren bilden heute den Eastern Band of Cherokee Indians.
Rund 13.000 internierte Cherokee verbrachten den Sommer in den Lagern. Krankheiten grassierten, und weiĂe HĂ€ndler schmuggelten Alkohol in die Forts, der die desolate Situation zusĂ€tzlich verschlechterte. Einige Historiker gehen davon aus, dass in dieser Phase der Umsiedlung bereits mehr Cherokee starben als auf dem Weg in die neuen Siedlungsgebiete.[53] Nach Rossâ RĂŒckkehr aus Washington ĂŒberzeugte er die Verantwortlichen, die Umsiedlung der Cherokee in die HĂ€nde der Stammesregierung zu legen. Er plante die Umsiedlung in 13 Gruppen zu je 1.000 Personen. Mit dieser Entscheidung vermied Ross den Abtransport der Cherokee in einem einzelnen groĂen Treck, der kaum zu versorgen gewesen wĂ€re. Er verhinderte dadurch zusĂ€tzliche Verluste, die durch Unterversorgung und Krankheiten zu erwarten gewesen wĂ€ren. Die Gruppen verlieĂen die Lager im Lauf des Herbstes 1838, der letzte Treck unter Leitung von John Drew verlieĂ den Osten am 5. Dezember 1838.[56]
Die Bedingungen, unter denen die von den Cherokee auch als âMarsch der tausend Meilenâ bezeichnete Umsiedlung begann, waren katastrophal. Die Cherokee weigerten sich die Lager und damit ihre Heimat zu verlassen. Sie wurden mit Waffengewalt und SchlĂ€gen gezwungen, sich in Bewegung zu setzen. Sie traten die Umsiedlung aufgrund der Round-ups sehr schlecht vorbereitet und wegen des langen Lageraufenthalts in einem schlechten Gesundheitszustand an. Durch die Verladung eines kleinen Teils der Cherokee auf Schiffe und den Abmarsch anderer zu FuĂ kam es zu weiteren Trennungen von Familien. Die beiden Hauptrouten der Cherokee stellen insgesamt die nördlichsten Umsiedlungsstrecken der indianischen Umsiedlungsrouten dar. Auf beiden Routen, zum einen auf dem Marsch ĂŒber Tennessee, Kentucky, durch das sĂŒdliche Illinois und Missouri, zum anderen auf dem Wasserweg ĂŒber die FlĂŒsse Tennessee, Ohio, Arkansas und Mississippi, litten die Cherokee unter WinterstĂŒrmen mit Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Neben den TodesfĂ€llen durch Erfrieren, aufgrund sehr knapper Rationen verursachter UnterernĂ€hrung, durch UnfĂ€lle und Erschöpfung starben weitere Stammesmitglieder an Krankheiten wie Masern, Cholera, Keuchhusten und Ruhr. Dies betraf besonders die Kinder und die Ăltesten des Volkes, fĂŒr die der bis zu sechsmonatige FuĂmarsch in das knapp 2.000 Kilometer entfernte Indianer-Territorium kaum zu bewĂ€ltigen war.[57] Begleitende Soldaten waren von der BrutalitĂ€t des Marsches erschĂŒttert, beispielsweise beschrieb ein Freiwilliger aus der Georgia-Miliz die Deportation trotz seiner spĂ€teren Erfahrungen im amerikanischen BĂŒrgerkrieg rĂŒckblickend als ââŠdas grausamste Werk, dass ich je gesehen habe.â[58] Die Cherokee bezeichnen die Umsiedlung als âNunna daul Tsunyâ (Cherokee fĂŒr Der Weg auf dem wir weinten). Als verlustreichste der Deportationen wurde sie zum Inbegriff der Vertreibung indianischer Nationen aus dem SĂŒdosten.[1]
Die Cherokee bemĂŒhten sich, ihre Verluste wĂ€hrend der gesamten Umsiedlung selbst zu dokumentieren. Allerdings gelang es ihnen in vielen FĂ€llen nicht, mit der Entwicklung Schritt zu halten, rituelle BegrĂ€bnisse und Abschiedszeremonien waren nur in wenigen FĂ€llen möglich. SpĂ€tere Untersuchungen und die Auswertung der verschiedenen Transportlisten der Regierung lassen auf Opferzahlen von mindestens 4.000 Menschen schlieĂen[53], wobei sich die Zahl nach neueren Forschungen um die 8.000 bewegen dĂŒrfte.[59] In dieser SchĂ€tzung werden auch die in den Lagern verstorbenen Cherokee berĂŒcksichtigt. Weitere TodesfĂ€lle ereigneten sich nach Ankunft im Indianer-Territorium. Dazu zĂ€hlen die durch Konflikte mit anderen Völkern oder frĂŒher umgesiedelten Cherokee verursachten Tode sowie die durch den Rat beschlossene Hinrichtung der mĂ€nnlichen Mitglieder der Familie Ridge und anderer Unterzeichner des Vertrags von New Echota.[60]
Die heterogene Gruppe der Seminolen lebte nach dem Verkauf Spanisch-Floridas an die Vereinigten Staaten ab 1823 in einer Reservation im Zentrum Floridas. Sie setzte sich neben Ă€lteren StĂ€mmen der Region wie den Apalachicola oder den Timucua auch aus verschiedenen Familienclans und FlĂŒchtlingen der Muskogee zusammen. Ein groĂer Teil der Nation bestand aus afroamerikanischen oder Sklaven gemischter Abkunft, beziehungsweise freigelassenen oder geflohenen ehemaligen Sklaven aus dem Norden. Das sumpfige Binnenland Floridas war nicht dazu geeignet, die in der Reservation lebenden Menschen zu ernĂ€hren[61], weswegen diese vor allem im Norden ihres Siedlungsgebietes jagten und VorrĂ€te beschafften. Die dort lebenden Siedler betrachteten die eindringenden Seminolen mit groĂem Misstrauen. Das lag besonders an der engen Verbindung zwischen den Indianern und den bei ihnen lebenden Afroamerikanern. Obwohl von Seiten der weiĂen Siedler keinerlei wirtschaftliches Interesse an dem Reservationsgebiet bestand, drĂ€ngten diese um 1830 auf eine Umsiedlung der Seminolen.[62]
Hunger, Missernten und die fehlende wirtschaftliche Perspektive ĂŒberzeugten die FĂŒhrung der Seminolen, Vertragsverhandlungen mit der Regierung aufzunehmen. Nach dem Willen der Vereinigten Staaten sollten die Seminolen sich im Indianer-Territorium den Muskogee anschlieĂen und alle entlaufenen Sklaven ihren Besitzern zurĂŒckgeben. Im Vertrag von Payneâs Landing vom 9. Mai 1832 wurde schlieĂlich die Aufgabe der Reservation gegen neue Gebiete im Indianer-Territorium festgelegt. Als Voraussetzung zur Ratifizierung wurde festgelegt, dass im Indianer-Territorium geeignete Gebiete fĂŒr die Seminolen gefunden werden konnten. Um solche Gebiete zu finden, reiste eine Delegation der Indianer in den Westen. Nach Beendigung der Expedition im FrĂŒhjahr 1833 wurden die sieben Teilnehmer noch im Indianer-Territorium zur Unterschrift des Vertrages von Fort Gibson gezwungen. Dieser bestĂ€tigte, dass die Seminolen geeignetes Land im Westen gefunden hatten, und ermöglichte dem Kongress die Ratifizierung des Vertrages von Payneâs Landing im April 1834. Dies geschah ohne weitere Information und Anhörung der Seminolen in Florida. Die Deportation sollte bis 1835 durchgefĂŒhrt werden.[62][63]
Die verschiedenen Gruppierungen innerhalb der Seminolen weigerten sich, der Aufforderung zur Umsiedlung zu folgen. Ihrer Auffassung nach wurden sie nicht angemessen an der Entscheidung beteiligt. Hinzu kamen die Bedenken, sich einem ihnen fremden Volk anschlieĂen zu mĂŒssen. Die Angst der einflussreichen afroamerikanischen Gruppen und der Schwarzen Seminolen hatte ebenfalls Einfluss auf diese Weigerung. Die einen integralen Bestandteil der StĂ€mme bildenden Afroamerikaner[64] befĂŒrchteten, erstmals oder wieder versklavt zu werden. Der Widerstand der Seminolen gipfelte zum Zeitpunkt der geplanten Umsiedlung im Januar 1836 im Zweiten Seminolenkrieg. Der Krieg zog sich bis zum Tod Osceolas, des wichtigsten AnfĂŒhrers der Seminolen, im Jahre 1842 hin. Dieser Krieg gilt als der lĂ€ngste und teuerste Indianerkrieg in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Er kostete 1.500 amerikanischen Soldaten und einer unbekannten Anzahl weiĂer und indianischer Zivilisten das Leben und verschlang ĂŒber 30 Millionen Dollar. WĂ€hrend des Krieges gefangen genommene Seminolen wurden in das Indianer-Territorium deportiert.[65]
Nach Beendigung des Zweiten Seminolenkrieges wurden rund 4.000 Seminolen und ihre Alliierten afroamerikanischer Abstammung unter Zuhilfenahme des MilitĂ€rs in den SĂŒmpfen aufgespĂŒrt, gejagt und zusammengetrieben. Sie wurden in zwei Lagern in der Umgebung von Tampa, Florida, interniert. Dort litten die Frauen und Kinder besonders, fĂŒr sie waren kaum Rationen oder Kleidung vorhanden. WeiĂe verschafften sich mit Hilfe der militĂ€rischen Befehlshaber Zutritt zu den Lagern und versuchten, entlaufene Sklaven und Indianer afroamerikanischer Abstammung aus ihren FamilienverbĂ€nden herauszulösen und sie in die weiĂe Sklaverei zu ĂŒberfĂŒhren, was in etlichen FĂ€llen auch gelang. Die Seminolen wurden in kleineren Gruppen nach und nach mit Dampfschiffen ĂŒber den Golf von Mexiko nach New Orleans verschifft. Dort folgten sie dem Wasserweg ĂŒber den Mississippi und den Arkansas River nach Fort Gibson ins Gebiet der Muskogee im Indianer-Territorium.[66] Sie gingen jedoch nicht in der Nation der Muskogee auf, sondern bildeten die Seminole Nation of Oklahoma. Zu dieser Nation gehören auch zwei StĂ€mme der Schwarzen Seminolen, die sich heute als âFreedmenâ (engl. fĂŒr befreite Menschen) bezeichnen. Einige Hundert Seminolen versteckten sich in den Everglades, um der Deportation zu entgehen. Diese unterwarfen sich auch im Dritten Seminolenkrieg nicht der amerikanischen Regierung. Infolge dieses Krieges kam es zur Deportation von nochmals etwa 200 Gefangenen.[67] Die Nachfahren der in Florida verbliebenen Seminolen bilden heute sowohl den Seminole Tribe of Florida wie auch den Miccosukee Tribe of Indians of Florida.
Ăber die Verluste der Seminolen, deren Umsiedlung und Vertreibung sich von 1820 bis etwa 1850 hinzog, ist nur wenig bekannt. Insgesamt wurden von den knapp 5.000 in Florida siedelnden Indianern geschĂ€tzte 2.833[68] umgesiedelt, das bedeutet, sie kamen im Indianer-Territorium an. Wie viele in den Lagern oder auf dem Weg nach Westen starben oder in die Sklaverei der WeiĂen gerieten, ist unbekannt. Die Zahl der im Zweiten Seminolenkrieg getöteten Seminolen ist ebenfalls nicht dokumentiert; die ĂŒberlebende Gruppe, die sich in den SĂŒmpfen Floridas festsetzte und dauerhaft der Umsiedlung entzog, umfasste 250 bis 500 Menschen.[67]
Die durch die Zwangsumsiedlung und die zahlreichen Verluste traumatisierten StĂ€mme trafen im Indianer-Territorium auf eine ihnen gröĂtenteils fremde Welt. Die Umweltbedingungen im eher kargen Indianer-Territorium unterschieden sich deutlich von den sehr fruchtbaren und infrastrukturell gut erschlossenen Siedlungsgebieten, aus denen die Völker stammten. Die stark an die Lebensweise der WeiĂen angepassten âzivilisierten Nationenâ lebten in Angst vor den ihrer Ansicht nach âwilden StĂ€mmenâ, wie sie die ursprĂŒnglichen Bewohner des Landes bezeichneten. Es kam wiederholt zu Konflikten und KĂ€mpfen mit den nomadisch lebenden PrĂ€rie-Indianern, zu denen beispielsweise die Sioux, Cheyenne, Comanche und Blackfoot gehörten. Deren Siedlungsgebiete und Lebensraum wurden durch die Ankunft von rund 100.000 Indianern aus dem SĂŒdosten eingeschrĂ€nkt. Dies fĂŒhrte zunĂ€chst zu einer gedrĂ€ngten Ansiedlung der Deportierten rund um die gröĂeren StĂ€dte und Forts, durch die sich die Neuankömmlinge Schutz vor den PrĂ€rie-Indianern versprachen, aber auch zu zunehmenden Problemen unter den verschiedenen StĂ€mmen.[69] Das Ausbleiben von Waffenlieferungen, die den neu angesiedelten StĂ€mmen zur Selbstverteidigung von den Vereinigten Staaten zugesichert worden waren, verschĂ€rfte die Situation.[70]
Neben Verlusten durch diese Feindseligkeiten und Auseinandersetzungen unter den umgesiedelten und teilweise verfeindeten Völkern kam es zu weiteren, in die Hunderte gehenden TodesfÀllen in der ersten Phase der Wiederansiedlung. Verursacht wurde dies zum einen durch Krankheiten, die sich unter den erschöpften Menschen zu Epidemien auswuchsen, zum anderen durch die schlechte zeitliche Planung der Umsiedlung. Durch die verspÀtete Ankunft wurde eine rechtzeitige Aussaat verhindert, die Folge waren Hunger und Missernten. Die Lebensmittellieferungen durch die Regierung, die diese AusfÀlle auffangen sollten, blieben aus oder reichten nicht, um die Indianer zu ernÀhren.[71]
Die durch die Regierung geforderte Vereinigung der Seminolen mit den Muskogee und der Chickasaw mit den Choctaw wurde von diesen Völkern vehement abgelehnt. Die Zusammenlegung der Siedlungsgebiete erwies sich als nicht haltbar und fĂŒhrte zu weiteren VertrĂ€gen, die eine deutliche gegenseitige Abgrenzung und Trennung der Nationen ermöglichten. Weitere Umsiedlungen innerhalb des Indianer-Territoriums, die besonders die Seminolen betrafen, fĂŒhrten zur Befriedung der Konflikte. In der darauf folgenden friedlichen Phase nach 1856 erholten sich die Völker wirtschaftlich, wenn auch teilweise sehr langsam. Obwohl die wirtschaftliche Lage der Indianer deutlich schlechter blieb als vor der Umsiedlung, diente dies den BefĂŒrwortern des Indian Removal Act als BestĂ€tigung, dass die erlittenen Verluste der Indianer letztlich zu einem guten Ende gefĂŒhrt hĂ€tten und die Vertreibungen im Sinne der Indianer positiv verlaufen seien.[72]
Die persönlichen Verluste, die im wortwörtlichen Sinne jede der deportierten Familien erlitten hatte, und die kulturelle und spirituelle Entwurzelung fĂŒhrten zu einer Haltung, die allgemein als Apathie beschrieben wurde. Diese hinderte viele der Umgesiedelten in der Anfangsphase FuĂ zu fassen und dauerte in manchen StammesverbĂ€nden bis zu dreiĂig Jahre an. Erst danach begannen die Betroffenen, sich von der AbhĂ€ngigkeit von Lebensmittellieferungen und Zahlungen durch die Regierung zu lösen und ihre Nationen im Westen neu zu errichten.[72]
In einigen Völkern kam es zwischen bereits in der FrĂŒhphase der Vertreibung freiwillig Umgesiedelten, den âOld Settlersâ, und den spĂ€ter Deportierten zu Spannungen hinsichtlich der Frage des Regierungs- und Justizsystems. Entgegen der Prognosen der weiĂen Gegner des Indian Removal Act kam es jedoch nicht zu Auflösung und Verfall, vielmehr gelang es allen Völkern, bis Mitte des 19. Jahrhunderts ihre SouverĂ€nitĂ€t wieder zu erlangen und ein politisches System zu etablieren. Dieses wurde, Ă€hnlich wie die individuellen Rechtssysteme, am Vorbild der bereits im Osten verwendeten und amerikanisch-europĂ€isch beeinflussten Staatsformen ausgerichtet.[73] Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Teile des den Indianern âauf ewigâ zugesicherten Gebietes wĂ€hrend des âOklahoma Land Runâ zur Besiedlung durch weiĂe Siedler freigegeben. Um die weitere EinschrĂ€nkung ihrer SiedlungsrĂ€ume und eine neue Vertreibung zu verhindern, versuchten die fĂŒnf zivilisierten Nationen einen Bundesstaat zu bilden. Der Staat sollte zu Ehren des Erfinders der Schriftsprache der Cherokee als Sequoyah bezeichnet werden. Nach Ablehnung des Gesuches zur Anerkennung des Staates vereinigte sich das Indianer-Territorium mit dem benachbarten Oklahoma-Territorium. Gemeinsam grĂŒndeten sie den Bundesstaat Oklahoma.[74]
Zum Zeitpunkt der Umsiedlung hatten die Völker das europĂ€ische VerstĂ€ndnis von Land als Wirtschaftsgut ĂŒbernommen, eine grundlegende Ănderung ihrer Haltung gegenĂŒber der traditionell religiös-spirituell geprĂ€gten Achtung vor dem Land. In diesem Zwiespalt lebten sie ĂŒberwiegend auf Farmen in Familienbesitz, bauten verschiedene Getreide- und GemĂŒsearten an und gaben die Jagd zugunsten der Haltung domestizierter Tiere weitgehend auf. Die wirtschaftlichen Fortschritte der einzelnen Familien wurden dabei vor allem durch die Lage und QualitĂ€t der Siedlungsgebiete bestimmt. FĂŒr einige von ihnen brachte beispielsweise der Bau der Eisenbahn durch Oklahoma zusĂ€tzliche Einnahmen durch den Verkauf von Holz, wĂ€hrend andere durch den Abbau von Kohle und Eisenerz zu Wohlstand kamen. Weitere Einflussfaktoren waren die Einstellung gegenĂŒber der Sklaverei, die fĂŒr die effektive Bewirtschaftung der Farmen genutzt wurde, und die AbhĂ€ngigkeit gegenĂŒber den Vereinigten Staaten, sowie die Höhe von deren Unterhaltszahlungen an die Indianer.[75] Die Mehrzahl der Indianer traf jedoch wegen der UmstĂ€nde ihrer Deportation völlig mittellos im Indianer-Territorium ein. Es dauerte bis weit in die Mitte des 20. Jahrhunderts bis sie sich wirtschaftlich erholten und sich ohne UnterstĂŒtzung der Vereinigten Staaten in ihren Reservaten, beispielsweise durch Tourismus und Kasinos, selbst unterhalten konnten.
Die Völker des SĂŒdostens sahen sich in enger Verbindung zu dem Land, auf dem sie lebten. Es war ein elementarer Bestandteil ihrer spirituellen und kulturellen IdentitĂ€t. Mit der Vertreibung verloren sie zunĂ€chst diese Verbindung zu ihrer Umwelt. VerstĂ€rkt wurde dies beispielsweise durch das Verbot, die Gebeine ihrer Ahnen bei der Umsiedlung umzubetten. Heimlich mitgefĂŒhrte Steine wurden zum gröĂten Besitz der Umgesiedelten und stellten die ideelle Verbindung zur verlorenen Heimat dar. In der Phase der Umsiedlung und der Wiederansiedlung im Indianer-Territorium wurden die Völker sehr intensiv von christlichen Missionaren begleitet. TĂ€gliche Bibellesungen, Gottesdienste und christliches Liedgut verdrĂ€ngten teilweise die indianischen Zeremonien und wurden zu einem Teil der indigenen Kultur.[76] Bei den Cherokee wird das zum Beispiel an der inoffiziellen Nationalhymne des Volkes, âAmazing Graceâ, deutlich, die nicht aus ihrer ursprĂŒnglichen Kultur stammt, sondern von den Missionaren wĂ€hrend des Pfades der TrĂ€nen eingefĂŒhrt wurde. Obwohl fast vollstĂ€ndig christianisiert, gelang es den Völkern, zentrale Riten und Zeremonien, beispielsweise den âGreen Corn Danceâ der Choctaw und Muskogee, zu erhalten und neue Zeremonie- und BegrĂ€bnisstĂ€tten einzurichten, die in ihre neuerworbene christliche IdentitĂ€t integriert wurden.[75]
Um die weitere Akkulturation im Sinne der WeiĂen zu fördern, wurde den Indianern durch verschiedene staatliche Regelungen untersagt, ihre Kultur zu pflegen. Dazu gehörte das Verbot, ihre Sprachen zu sprechen, und die Kinder wurden in staatliche Schulen gezwungen, um die Kultur der WeiĂen bereits frĂŒh zu assimilieren. Traditionell verankerte Konzepte wie die Weitergabe des indianischen Wissens ĂŒber die Nutzung von Heilpflanzen, herkömmliche Handwerkskunst, aber auch die matrilineare Struktur vieler StĂ€mme und die mĂŒndliche Weitergabe der indianischen Geschichte wurden erschwert, in einigen FĂ€llen auch teilweise oder vollstĂ€ndig unterdrĂŒckt.[72] Trotz dieser MaĂnahmen konnte die indianische Kultur nicht dauerhaft verdrĂ€ngt werden. Die StĂ€mme bewahrten ihre kulturellen und spirituellen UrsprĂŒnge und unternahmen vielfĂ€ltige Anstrengungen, um beispielsweise ihre Sprachen und Zeremonien zu erhalten oder zu einem spĂ€teren Zeitpunkt wieder zu etablieren.
In der spĂ€t einsetzenden Forschung wurde in den 1970er-Jahren in den Arbeiten von Grant Foreman anfĂ€nglich ein Schwerpunkt auf die Faktensammlung gelegt. Hierbei wurden beispielsweise die entsprechenden Dokumente der Regierung ausgewertet, darunter Lade- und Transportdaten; erste gesicherte Zahlen zu den TodesfĂ€llen stammen aus diesen Forschungen. Wichtige Erkenntnisse zu den politischen und sozialen Faktoren, sowohl innerhalb der Völker und im Zuge der Indianerpolitik der Bundesregierung, schlossen sich daran an. Diese Faktoren sind weiterhin Gegenstand der Forschungen zum Pfad der TrĂ€nen.[77] Gegen Ende der 1980er-Jahre fand durch Russell Thornton eine Neubewertung der Ereignisse hinsichtlich der Opferzahlen und der indianischen Verfolgung statt[78], danach konzentrierte er seine Untersuchungen insbesondere auf die Cherokee und deren Bevölkerungsentwicklung. Inzwischen werden zunehmend die kulturellen Konsequenzen der Umsiedlung untersucht, darunter Anpassung, Wiederentdeckung der spirituellen IdentitĂ€t und das Erreichen einer Balance zwischen indianischer Herkunft und weiĂen EinflĂŒssen. Die Historikerin Clara Sue Kidwell bewertet die Forschung zu diesem Themenbereich als nicht abgeschlossen.[75] Ein Teil der archĂ€ologischen Forschungen, die in vielen FĂ€llen durch Angehörige der StĂ€mme mitfinanziert werden, beschĂ€ftigt sich mit der Suche nach den ungekennzeichneten GrĂ€bern entlang des Pfades der TrĂ€nen. Hierbei arbeiten UniversitĂ€ten, darunter die Southern Illinois University Carbondale, sowohl mit den indianischen Nationen wie auch dem National Park Service zusammen.[79] Weitere durch den National Park Service unterstĂŒtzte Projekte beschĂ€ftigen sich mit der Untersuchung und dem Erhalt einzelner historischer StĂ€tten, bestimmter Streckenabschnitte oder der Dokumentation der ZusammenhĂ€nge sowie deren Aufbereitung fĂŒr Museen, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen. Umfassende Archive werden als Forschungsgrundlage und zu Dokumentationszwecken unterhalten, so beispielsweise das Native American Press Archive des Sequoyah Research Center an der University of Arkansas at Little Rock.[80]
Die vertriebenen Völker haben die Geschichte der Umsiedlung und der Wanderungen ins Indianer-Territorium zunĂ€chst mĂŒndlich bewahrt und als Teil ihrer individuellen Stammesgeschichte an ihre Nachfahren weitergegeben. In einzelnen FĂ€llen wurden die ErzĂ€hlungen noch von Zeitzeugen schriftlich festgehalten, allerdings lehnten viele Indianer die Verwendung der Schriftsprache ab. Die meisten Romane, Lieder[81] und ErzĂ€hlungen, die sich mit der Umsiedlung und der Aufarbeitung der persönlichen Schicksale beschĂ€ftigen, stammen daher von Nachfahren der Ăberlebenden. Eine der bekanntesten mĂŒndlichen Ăberlieferungen ist die von der Cherokee-Rose, einer Rosenart, die im SĂŒdosten verbreitet wĂ€chst und zur Staatsblume Georgias ernannt wurde. Nach der Legende wurde aus jeder geweinten TrĂ€ne wĂ€hrend der Vertreibung eine solche Rose; ihre weiĂe Farbe verweist auf die Trauer der MĂŒtter, die sieben BlĂ€tter am Stiel erinnern an die sieben vertriebenen StĂ€mme der Cherokee und der gelbe BlĂŒtenstand symbolisiert das Gold, das die Cherokee ihre Heimat kostete.[82]
WĂ€hrend die Aufarbeitung des Pfades der TrĂ€nen innerhalb der weiĂen Kultur und Kunst im Vergleich zum Mythos des âWilden Westensâ keine Rolle spielt, ist die kĂŒnstlerische Auseinandersetzung mit dem Verlust der ursprĂŒnglichen Siedlungsgebiete innerhalb der indigenen Kunst von groĂer Bedeutung. Neben Bildern und Zeichnungen werden auch neue Medien wie Filme, Videos und das Internet von den als âSurvivorsâ (engl. fĂŒr Ăberlebende) bezeichneten Nachfahren der umgesiedelten Indianer zur Aufarbeitung eingesetzt.[83] Die persönliche Auseinandersetzung mit der individuellen familiĂ€ren Vergangenheit findet hĂ€ufig auch durch Wanderungen oder Reisen, Ă€hnlich Pilgerreisen, entlang der Umsiedlungsrouten statt.
Die Regierung der Vereinigten Staaten hat bis heute (Stand MĂ€rz 2009) keine offizielle Stellungnahme zur Vertreibung und Deportation der sĂŒdöstlichen Nationen und zu deren Verlusten abgegeben. Im Jahre 2000 drĂŒckte der scheidende Direktor des Bureau of Indian Affairs (engl. fĂŒr Amt fĂŒr indianische Angelegenheiten) sein Bedauern aus und stellte die Verantwortung seiner Behörde fĂŒr das erlittene Unrecht dar[84], jedoch distanzierte sich die amerikanische Regierung von diesen Aussagen. Einen weiteren VorstoĂ, eine offizielle Stellungnahme der Vereinigten Staaten zu veranlassen, unternahm im Jahre 2004 Senator Sam Brownback. Er legte dem Senat die Joint Resolution 37 vor, die die Abgabe einer offiziellen Entschuldigung fĂŒr die vergangene Indianerpolitik vorsieht.[85] Eine Reaktion des Senats zu dieser Vorlage ist bislang nicht erfolgt. Eine Entschuldigung, wie sie von Australien im Februar 2008 den Aborigines[86] und von Kanada im Juni 2008 den First Nations[87] gegenĂŒber ausgesprochen wurde, steht trotz Forderungen der indianischen Bevölkerung aus. Abgesehen von der Deklarierung verschiedener fĂŒr die Umsiedlung relevanter StĂ€tten als National Historic Sites (Nationale DenkmĂ€ler) und der Aufnahme zweier Routen des Trail of Tears in das National Trails System (Routen mit nationaler Bedeutung), hat die Bundesregierung bislang keine Stellung zu den Ereignissen bezogen.
Um der Ereignisse und Verluste im Rahmen der Vertreibungen und Umsiedlungen der sĂŒdöstlichen Völker zu gedenken, beschloss der Kongress der Vereinigten Staaten im Jahre 1987 die Einrichtung des âTrail Of Tears National Historic Trailâ im Rahmen des National Trails System und dessen Verwaltung durch den National Park Service. Der Trail erstreckt sich ĂŒber rund 3.540 Kilometer und fĂŒhrt durch neun Bundesstaaten. AusgewĂ€hlt wurden zwei Umsiedlungsrouten der Cherokee, eine folgt dem Wasserweg, die andere dem auf dem Land zurĂŒckgelegten Weg in den Westen. Entlang dieser beiden Routen befinden sich verschiedene GedenkstĂ€tten, State Parks und Orte von besonderem historischen Interesse.[88] Darunter sind beispielsweise das âJunaluska Memorial and Museumâ, eine bedeutende BegrĂ€bnisstĂ€tte und Denkmal der sieben vertriebenen StĂ€mme der Cherokee in Robbinsville (North Carolina), âThe Hermitageâ unweit Nashville (Tennessee), das ehemalige Wohnhaus Andrew Jacksons, in dem Ausstellungen zu Indianerpolitik gezeigt werden, und der âNorth Little Rock Riverfront Parkâ in North Little Rock (Arkansas), in dem sich etliche Umsiedlungsrouten kreuzten. Weitere SehenswĂŒrdigkeiten entlang des Trails sind beispielsweise die âNew Echota State Historic Siteâ in Calhoun (Georgia), der âTrail of Tears State Parkâ bei Jackson (Missouri) und die âFort Gibson Military Siteâ in Fort Gibson (Oklahoma). Neben den von staatlichen Organisationen unterhaltenen Parks und GedenkstĂ€tten existieren entlang des Trails verschiedene Museen, DenkmĂ€ler und historische GebĂ€ude in privatem Besitz, die sich mit der Geschichte der indianischen Vertreibung und der umgesiedelten Nationen beschĂ€ftigen. Die Aufnahme weiterer Streckenabschnitte in den offiziellen Verlauf des âTrail Of Tears National Historic Trailâ ist geplant.[89]
Ein weiteres Denkmal soll ab 2009 an den Pfad der TrĂ€nen erinnern. Die Skulptur, bronzene Flammen, die aus einer FeuerstĂ€tte schlagen, soll in Tulsa in Oklahoma, nahe der 18. StraĂe/South Cheyenne Avenue aufgestellt werden.[90]
Grundlagen
Soziale, kulturelle und politische HintergrĂŒnde
Choctaw
Muskogee
Chickasaw
Cherokee
Seminolen
National Historic Trails
Oregon Trail |
Mormon Trail |
Lewis and Clark Trail |
Iditarod Trail |
Overmountain Victory Trail |
Nez Perce Trail |
Santa Fe Trail |
Trail of Tears |
Juan Bautista de Anza Trail |
California Trail |
Pony Express Trail |
Selma to Montgomery Trail |
El Camino Real de Tierra Adentro Trail |
Ala Kahakai Trail |
Old Spanish Trail |
El Camino Real de los Tejas Trail |
Captain John Smith Chesapeake Trail |
Star-Spangled Banner Trail |
Washington-Rochambeau Revolutionary Trail
National Geologic Trails
Ice Age Floods Trail
National Scenic Trails
Appalachian Trail |
Pacific Crest Trail |
Continental Divide Trail |
North Country Trail |
Ice Age Trail |
Florida Trail |
Potomac Heritage Trail |
Natchez Trace Trail |
Arizona Trail |
New England Trail |
Pacific Northwest Trail
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Dieser Artikel wurde am 29. April 2009 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen. |