|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
| Philologische Bibliothek der Freien UniversitÀt Berlin | |
|---|---|
| GebÀudeeingang der Philologischen Bibliothek | |
| GrĂŒndung | 2005 |
| Bibliothekstyp | Spezialbibliothek |
| Ort | Berlin |
| Bibliothekssigel | 188/920 |
| Betreiber | Freie UniversitÀt Berlin |
| Website | fu-berlin.de/bibliothek/philbib |
Die Philologische Bibliothek ist eine wissenschaftliche Bibliothek der Freien UniversitÀt Berlin (FU Berlin). Der Sammlungsschwerpunkt liegt auf den Philologien, also auf den Sprach- und Literaturwissenschaften. Das BibliotheksgebÀude im Berliner Ortsteil Dahlem wurde von Norman Foster entworfen und 2005 eröffnet.
Inhaltsverzeichnis |
Die Bibliothek umfasst die BestĂ€nde der vormals eigenstĂ€ndigen philologischen Institutsbibliotheken und der ehemaligen Bibliothek des Instituts fĂŒr Philosophie am Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften sowie weiterer Institute der Freien UniversitĂ€t Berlin. Bis zum Jahr 2005 befanden sich diese an mehreren voneinander getrennten Standorten. Durch die Philologische Bibliothek wurden sie erstmals miteinander vereint. Der Bestand der Bibliothek umfasste 2005 in den Bereichen der Sprachwissenschaft und der Literaturwissenschaft insgesamt 700.000 BĂŒcher sowie Abonnements von ĂŒber 800 Zeitungen und Zeitschriften. Er gliedert sich den ehemaligen Fachbibliotheken entsprechend in folgende Abteilungen:
Mit 175.000 BĂ€nden ist der Bestand der germanistischen Teilbibliothek der gröĂte Deutschlands, der niederlĂ€ndische mit 40.000 BĂ€nden die zweitgröĂte Sammlung. GroĂe Abteilungen bilden auch die Anglistik und die Romanistik, letztere mit ĂŒber 145.000 BĂ€nden. Weitere bedeutende Spezialsammlungen finden sich unter anderem auch zur katalanischen Sprach- und Literaturwissenschaft und zur französischsprachigen Literatur Kanadas. Aber auch kleinere Philologien wie die Galicische Sprache weisen umfangreiche BestĂ€nde auf; und auch der neugriechische Bestand ist mit 24.000 BĂ€nden der gröĂte Deutschlands.
Nicht in der Bibliothek vertreten ist dagegen der Bereich der Amerikanistik. Er befindet sich auch weiterhin am in der NĂ€he gelegenen John-F.-Kennedy-Institut fĂŒr Nordamerikastudien.
Die Bibliothek ist eine PrĂ€senzbibliothek mit eingeschrĂ€nkter Ausleihe. 98% der BĂŒcher sind frei zugĂ€nglich und mĂŒssen nicht vorbestellt werden. Lediglich besonders seltene oder wertvolle Exemplare, z. B. Inkunabeln, können nur auf Anfrage eingesehen werden. Die Philologische Bibliothek verfĂŒgt ĂŒber 633 LeseplĂ€tze auf fĂŒnf Ebenen und ist komplett mit Wireless LAN ausgestattet. 94 Internet-Rechercheterminals sowie 14 PC-Pool-ArbeitsplĂ€tze ergĂ€nzen das Angebot. Alle Terminals sind an das digitale Druck- und Scansystem der Bibliothek angeschlossen, das es dem Benutzer gegen GebĂŒhr ermöglicht, Buchseiten nicht nur wie bisher zu kopieren, sondern einzuscannen und multimedial weiterzubearbeiten. Die Bibliothek ist wochentags von 9.00 bis 22.00 und samstags und sonntags von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet, aufgrund der groĂen Beliebtheit wĂ€hrend den PrĂŒfungsphasen jedoch nur denjenigen Studenten zugĂ€nglich, die zu diesem Zeitpunkt in einem der dort vertretenen FĂ€cher eingeschrieben sind.
Die Philologische Bibliothek ist Teil des Bibliothekssystems der FU Berlin, welches mit einem Medienbestand von rund 8,5 Millionen BĂ€nden sowie 20.000 laufenden Zeitschriften das gröĂte aller deutschen UniversitĂ€ten ist.
Der Neubau der Philologischen Bibliothek ging einher mit der Sanierung und dem Umbau eines bereits vorhandenen GebĂ€udekomplexes, der so genannten Rost- und Silberlaube. Dieser von der Architektengruppe Team 10 entworfene Bau besteht aus einer weitlĂ€ufigen polyzentrischen Struktur, die sich aus verschiedenen modularen TeilgebĂ€uden zusammensetzt. Dabei gruppieren sich zwei- bis dreigeschossige Baukörper um eine Vielzahl begrĂŒnter Innenhöfe. In dieses vorhandene GebĂ€udeensemble wurde die neue Bibliothek als fast vollkommen frei stehender SolitĂ€r eingebaut. Um hierfĂŒr Raum zu schaffen, war die Zusammenlegung von sechs Innenhöfen der Rostlaube erforderlich.
Der britische Architekt und Designer Norman Foster gewann 1997 den Gutachterwettbewerb des gemeinsam vom Land Berlin und der Freien UniversitĂ€t Berlin öffentlich ausgeschriebenen Bauprojekts. Start der Asbestsanierung der Rost- und Silberlaube war 1999, Baubeginn der Bibliothek 2001. Sie wurde 2005 nach vier Jahren Bauzeit fertig gestellt, wĂ€hrend die Sanierung einzelner Altbau-Bereiche noch bis in das Jahr 2007 andauerte. UrsprĂŒnglich sah Fosters Entwurf fĂŒr den Einbau der Philologischen Bibliothek eine Ăberbauung des neu geschaffenen Innenhofs vor, welche sich in ihrer Struktur an dem bisherigen Bestand orientieren sollte. Geplant waren geschwungene GlasflĂ€chen, die sich dabei mittels einer transparent-leichten und filigraneren Dachkonstruktion aus Stahl und Glas vor allem in der Höhe möglichst eng an die angrenzenden Altbauteile der Rostlaube anpassen sollten. Ăhnlich wie beim Berliner ReichstagsgebĂ€ude musste der renommierte Architekt seinen Ursprungsentwurf jedoch aus KostengrĂŒnden mehrfach ĂŒberarbeiten, was zu einem völlig verĂ€nderten Konzept und zum Baukörper in seiner heutigen Form fĂŒhrte, der stilistisch der Strömung der Blob-Architektur angehört.
Die Bibliothek besteht nunmehr aus einem kompakten, mehrgeschossigen Stahlbetonbau mit zwei Versorgungskernen. Diese âinnere Baukonstruktionâ wird von einer freitragenden kuppelartigen GebĂ€udehĂŒlle weit umspannt, ohne von ihr berĂŒhrt zu werden: Die Ă€uĂere HĂŒlle der doppelschaligen Konstruktion setzt sich aus geschlossenen und transparenten Paneelen zusammen. Dieser Wechsel von Aluminiumsegmenten, BelĂŒftungselementen und doppelt verglasten Scheiben wird mittels einer verborgenen Stahlrahmenkonstruktion gestĂŒtzt. Sie liegt kaum sichtbar als tragendes Fachwerk zwischen Ă€uĂerer und innerer HĂŒlle.
Auf Luftbildern und aus der Vogelperspektive erinnert die Ă€uĂere Form an einen voluminösen, sanft gewölbten silbrig-glĂ€nzenden Tropfen, der in den Innenhof gefallen und lediglich an zwei kleinen Stellen mit der Rostlaube verbunden ist. Insgesamt misst das GebĂ€ude eine LĂ€nge von 64 Metern, eine Höhe von 19 Metern und eine Breite von 55 Metern. Die HauptnutzflĂ€che betrĂ€gt 6.290 mÂČ, die StellkapazitĂ€t 800.000 BĂŒcher.
Die InnenhĂŒlle konzipierte Foster aus Glasfasergewebe mit transparenten TeilflĂ€chen. Letztere ermöglichen kurze Blicke nach AuĂen und in den Himmel. Ansonsten filtern diese weiĂen in Segmente unterteilten Stoffmembranen gemÀà der Lichtplanung das Sonnenlicht und sorgen fĂŒr eine helle ArbeitsatmosphĂ€re im Inneren. Dort nehmen die beiden Versorgungskerne die TreppenhĂ€user, Aufzugsanlagen, SanitĂ€ranlagen und technischen Einrichtungen auf. Um dieses Zentrum gruppieren sich ĂŒbereinander die einzelnen rundum begehbaren GebĂ€udeebenen und verjĂŒngen sich nach oben hin, einer frei stehenden Etagere Ă€hnlich. Allerdings sind GrundflĂ€chen der Ebenen nicht gleichmĂ€Ăig kreisförmig: Die RĂ€nder verlaufen geschwungen und beschreiben die Form von Wellen oder Serpentinen. Hiermit erreichte der Architekt eine erhebliche VergröĂerung der KantenlĂ€ngen und vermehrte gleichzeitig auch die Zahl der LeseplĂ€tze, denn sie sind an den Randzonen angeordnet: Ein langes âArbeitstisch-Bandâ zieht sich der BrĂŒstung folgend an der Kante einer jeden Ebene entlang. Der einzelne Arbeitsplatz ist mit einer Leselampe, Steckdosen und einem Stuhl ausgestattet, dessen Modell der Architekt und Möbeldesigner Egon Eiermann entwarf. Die BĂŒcher werden in anthrazitfarbigen Stahlregalen verwahrt, die im Zentrum der Bibliothek stehen - gruppiert um die Versorgungskerne und bis an die Randzonen heranreichend. Auf der obersten Ebene befindet sich eine Leselounge mit groĂen roten Sesseln. Ansonsten wurde alles, was eine konzentrierte ArbeitsatmosphĂ€re stören könnte aus der Bibliothek verbannt: Die Bibliotheksverwaltung, Seminar- und GruppenarbeitsrĂ€ume befinden sich im Altbau, der ĂŒber einen unterirdischen Tunnel zu erreichen ist, sogar auf den Einbau von WĂ€nden wurde verzichtet, so dass auf die Einhaltung der fĂŒr die ArbeitsathmosphĂ€re wichtigen Ruhe selbst beim Auf- und ZuschlieĂen der im VerhĂ€ltnis zur GröĂe der Bibliothek sparsam bemessenen SchlieĂfĂ€cher im ebenfalls offenen Eingangsbereich stets strengstens geachtet wird.
Alle Etagen sind in der Mitte eingeschnitten, wodurch eine symmetrische Mittelachse mit Atrium entsteht, an deren Endpunkt der Eingangsbereich, bzw. ihm gegenĂŒber eine offene Treppenanlage liegt. WĂ€hrend der Bau durch seine Form- und Farbgebung insgesamt futuristisch anmutet, entsteht an einigen Stellen ein skurriler Gegensatz: So sind sowohl die Paneele am Eingang, wie auch das nur an einigen Stellen sichtbare Raumfachwerk der GebĂ€udehĂŒlle in den Farben gelb-orange gehalten. Damit wollte Norman Foster eine Verbindung zur Rost- und Silberlaube herstellen, die an bestimmten Stellen (Sonnenmarkisen und Teppichböden) ebenfalls eine Farbigkeit aufweist.Bereits vor seiner Eröffnung trug das GebĂ€ude den Beinamen âBerlin Brainâ (engl.): Wegen der charakteristischen, rund-gewölbten Form seiner Ă€uĂeren HĂŒlle, sowie den gefalteten, in zwei HemisphĂ€ren angeordneten GebĂ€udeebenen im Inneren Ă€hnelt die Architektur der Anatomie eines menschlichen Gehirns, das von seiner SchĂ€deldecke umgeben und geschĂŒtzt wird. In Berlin ist die Philologische Bibliothek neben dem ReichstagsgebĂ€ude das zweite von Norman Foster realisierte Bauprojekt. Er hat mit dessen Umsetzung eine weitere SehenswĂŒrdigkeit geschaffen, deren ungewöhnliche Architektur viele Besucher anzieht.
Im November 2006 wurde die Philologische Bibliothek mit dem âArchitekturpreis Berlinâ des Berliner Landesverbandes im Bund Deutscher Architekten ausgezeichnet. Der im Dreijahresturnus verliehene Preis ging gemeinsam an das Londoner ArchitekturbĂŒro Foster und Partners sowie an die Freie UniversitĂ€t Berlin und das Land Berlin als Bauherren. Ferner hat die Bibliothek im August 2007 eine der Auszeichnungen zum Deutschen Architekturpreis 2007 erhalten. Dieser Preis gilt als die renommierteste Auszeichnung ihrer Art.
Zur FuĂball-Weltmeisterschaft 2006 wurde die Philologische Bibliothek von der FC Deutschland GmbH ausgewĂ€hlt, um an der Initiative âDeutschland â Land der Ideenâ teilzunehmen. Unter dem Titel âErkunde The Berlin Brainâ wurden am 11. April 2006 in der Bibliothek FĂŒhrungen, Lesungen und wissenschaftliche VortrĂ€ge veranstaltet, Wissenschaftler trugen Gedichte vor. Die Themenvielfalt umfasste dabei alle Fachgebiete der Bibliothek und fĂŒhrte von der Weltliteratur im Zeitalter der Globalisierung ĂŒber die Bibliothek von Alexandria als Mutter aller wissenschaftlichen Bibliotheken bis hin zum FuĂball in Lateinamerika.[1] Am Abend hatte das TheaterstĂŒck Der Aufstand von CJ Hopkins seine UrauffĂŒhrung.[2]
52.451944444413.2883333333Koordinaten: 52° 27âČ 7âł N, 13° 17âČ 18âł O