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Philosophie des Geistes

Die Philosophie des Geistes (engl.: Philosophy of mind) beschÀftigt sich mit der Natur geistiger oder mentaler[1] ZustÀnde, ihren Wirkungen und Ursachen. Zentral ist dabei die Frage nach dem VerhÀltnis von geistigen und körperlichen ZustÀnden. Neben diesen ontologischen Fragen befasst sich die Philosophie des Geistes auch mit den erkenntnistheoretischen Fragen nach der Erkennbarkeit des Geistes. Die Philosophie der Bewegung des Geistes durch die Geschichte (wie sie beispielsweise in Hegels PhÀnomenologie des Geistes einen besonderen Höhepunkt fand) wird thematisch davon getrennt. Geist wird in der Philosophie des Geistes als mind verstanden und nicht als Weltgeist.

Phrenologische Abbildung der geistigen Funktionen auf SchÀdelmerkmale

Inhaltsverzeichnis

Das Leib-Seele-Problem

Der Kern der Philosophie des Geistes ist das Leib-Seele-Problem, das manchmal auch „Körper-Geist-Problem“ genannt wird. Es entsteht durch die Frage, wie sich die mentalen ZustĂ€nde (oder der Geist, das Bewusstsein, das Psychische, die Seele) zu den physischen ZustĂ€nden (oder dem Körper, dem Gehirn, dem Materiellen, dem Leib) verhalten. Handelt es sich hier um zwei verschiedene Substanzen? Oder sind das Mentale und das Physische letztlich eins? Dies sind die zentralen Fragen der Philosophie des Geistes. Jede Antwort wirft jedoch zahlreiche neue Fragen auf. Etwa: Sind wir in unserem Denken und Wollen frei? Könnten Computer auch einen Geist haben? Kann der Geist auch ohne den Körper existieren? Die Philosophie des Geistes ist daher mittlerweile ein enorm differenziertes Projekt. Bereits Platon hat dies in seinem Dialog Philebos (30a) thematisiert: „Sokrates: Unser Leib, wollen wir nicht sagen, der habe eine Seele? Protarchos: Offenbar wollen wir das. Sokrates: Woher aber, o lieber Protarchos, sollte er sie erhalten haben, wenn nicht auch des Ganzen Leib beseelt wĂ€re, dasselbe habend wie er und noch in jeder Hinsicht trefflicher?“

Schematische Übersicht zu grundlegenden Positionen, die hinsichtlich des Leib-Seele-Problems eingenommen werden (Beachte: In der philosophischen Theoriebildung kommt es regelmĂ€ĂŸig zu Überschneidungen und Mischformen!)

Die erste klassische Formulierung des Leib-Seele-Problems stammt von RenĂ© Descartes.[2] Doch das Nachdenken ĂŒber den Zusammenhang zwischen Körper und Geist geht bis in die Antike zurĂŒck. Platon etwa vertritt einen expliziten Dualismus, was sich in seiner Argumentation fĂŒr die Seelenwanderung zeigt: Kann die Seele den Tod des Körpers ĂŒberleben, so muss sie etwas anderes als der Körper sein.[3] Bei Aristoteles sieht dies anders aus. Zwar postuliert Aristoteles ein „Pneuma“, das als Prinzip des Lebens allen Lebewesen eigen sei, doch das Pneuma wird der materiellen und körperlichen Welt nicht entgegengesetzt. Plotin, als Hauptvertreter des Neuplatonismus, geht von der Existenz des Einen aus, aus dem die menschlichen Seelen und alles andere entstĂ€nden. Auch die Körper sind Ausfluss der Seelen, untergeordnet und von diesen weitgehend getrennt. Nach dem Tod trennt sich die Seele gĂ€nzlich vom Körper, und durch die moralische Wahlfreiheit vereinigt sie sich mit dem Göttlichen oder entfernt sich davon.

Im christlichen Mittelalter (Scholastik) ist die Unterscheidung zwischen Körper und immaterieller Seele wiederum Grundlage des Philosophierens. Der Einfluss der mittelalterlichen Philosophie ist in Descartes Formulierung des Dualismus unverkennbar.

Die meisten Menschen empfinden intuitiv eine Kluft zwischen mentalen und physischen PhĂ€nomenen. Dies hat dazu gefĂŒhrt, dass lange Zeit dualistische Standpunkte in der Philosophie des Geistes vorherrschend waren. Heute vertritt die Mehrheit der Philosophen materialistische Positionen. Auf dieser Basis muss jedoch die Frage beantwortet werden, wie das Bewusstsein materialistisch zu erklĂ€ren ist.

Das Leib-Seele-Problem gilt heute als ein spezifisches Problem der europĂ€ischen Geistesgeschichte. Insbesondere die Philosophietraditionen in Asien (siehe Östliche Philosophie) gehen von grundsĂ€tzlich anderen metaphysischen Annahmen aus, wodurch diese Trennung in Geist und Körper als illusionĂ€r oder bedeutungslos erscheint.

Dualistische Antworten auf das Leib-Seele-Problem

→ Hauptartikel: Dualismus

Der Dualismus reagiert auf die intuitive Kluft zwischen dem mentalen Innenleben und der physischen RealitĂ€t wie folgt: Er behauptet, dass hier zwei grundsĂ€tzlich verschiedene PhĂ€nomene im Spiel seien – eben mentale und physische EntitĂ€ten. Je nachdem, wie die EntitĂ€ten weiter spezifiziert werden und wie man sich das VerhĂ€ltnis von mentalen und physischen EntitĂ€ten vorstellt, kann man zu sehr verschiedenen Arten von Dualismen kommen.

Ruht der Dualismus allein auf der intuitiven Kluft zwischen Mentalem und Physischem? Oder gibt es konkrete Argumente fĂŒr den Dualismus? Das wohl bekannteste Argument entwickelte RenĂ© Descartes in seinen Meditationen.[2] Es lĂ€sst sich wie folgt zusammenfassen: Ich kann mir klar und deutlich vorstellen, dass Geist ohne Materie existiert. Was man sich klar und deutlich vorstellen kann, ist zumindest prinzipiell möglich. Also ist es zumindest prinzipiell möglich, dass Geist ohne Materie existiert. Wenn es prinzipiell möglich ist, dass Geist ohne Materie existiert, dann mĂŒssen Geist und Materie verschiedene EntitĂ€ten sein. Da also Geist und Materie verschiedene EntitĂ€ten sein mĂŒssen, ist der Dualismus folglich wahr.

Die PrĂ€missen dieses Argumentes können bezweifelt werden: Warum sollte zum Beispiel etwas möglich sein, nur weil es klar und deutlich vorgestellt werden kann? Trotz derartiger Probleme werden auch heutzutage noch Variationen von Descartes Argument verteidigt – etwa von Saul Kripke.[4] Allgemein lĂ€sst sich sagen, dass dualistische Positionen eher durch die Probleme des Materialismus plausibel werden als durch eigenstĂ€ndige positive Argumente.

Interaktionistischer Substanzdualismus

René Descartes in einem PortrÀt von Frans Hals (1648)

Die klassische Form des Dualismus ist der interaktionistische Substanzdualismus. Er wurde in maßgeblicher Weise von RenĂ© Descartes formuliert und hat auch noch heute AnhĂ€nger.[2] Karl Popper und John Eccles waren die bekanntesten interaktionistischen Dualisten des 20. Jahrhunderts.[5] Die grundlegenden Ideen lauten wie folgt: Geist und Materie sind verschiedene Substanzen und sie wirken aufeinander ein. Wenn ich mir mit der Nadel in den Finger steche, so werden von dort Signale in das Gehirn geleitet und dort muss es eine ‚Stelle‘ geben, wo das Gehirn auf den immateriellen Geist wirkt. Genau so funktioniert es in die andere Richtung: Wenn ich Schmerzen habe, so wirkt der immaterielle Geist auf das Gehirn. Von da werden Signale ausgesendet und ich ziehe – beispielsweise â€“ meine Hand zurĂŒck.

Ein derartiger Dualismus hat mit massiven Problemen zu kĂ€mpfen: Wenn es einen Ort der Interaktion zwischen Geist und Gehirn gibt, so mĂŒsste dieser Ort auffindbar sein. Die Spekulationen von Descartes (er hoffte auf die ZirbeldrĂŒse als Interaktionsort) wurden jedoch bald widerlegt. Auch sonst wurden nirgendwo sichtbare Stellen im Gehirn gefunden, an denen das Verhalten der Neuronen nur durch einen immateriellen Geist zu erklĂ€ren wĂ€re. Abgesehen davon, dass im Gehirn gar kein „Platz“ zu sein scheint fĂŒr eine Interaktion, ist die Art der Wechselwirkung dabei eine offene Frage. Manche neuere Philosophen, zum Beispiel der theoretische Physiker und Relativist Roger Penrose, gehen von einer Interaktion durch Quanteneffekte aus.[6]

Von Karl Popper stammt eine Theorie, die die duale Auffassung der Welt (physikalische Welt und mentale Welt, menschliches Bewusstsein) um eine 3. Welt erweitert. (Drei-Welten-Theorie). Es handelt sich bei der 3. Welt um die Produkte menschlichen Geistes, die unabhĂ€ngig von einem individuellen Bewusstsein (weiter-)existieren und Ursache fĂŒr VerĂ€nderungen der 1. Welt (physikalische Welt) sein können.

Der große Vorteil des interaktionistischen Dualismus besteht darin, dass er mit der Alltagserfahrung der Menschen in Übereinstimmung befindet, da sie sich als geistige Wesen erfahren, getrennt von der physikalischen Welt, aber mit Hilfe ihrer Sinneswahrnehmungen, ihrer Handlungen und ihrer Sprache mit ihr und den Mitmenschen kommunizierend.

Psychophysischer Parallelismus (nichtinteraktionistischer Substanzdualismus)

→ Hauptartikel: Psychophysischer Parallelismus

Der psychophysische Parallelismus ist in seiner substanzdualistischen Spielart von Gottfried Wilhelm Leibniz entwickelt worden.[7] Die zentralen Thesen sind:

  1. Geist und Materie sind zwei verschiedene Substanzen.
  2. Die beiden Substanzen wirken jedoch nicht aufeinander.

Damit wĂ€ren die Probleme des interaktionistischen Dualismus ĂŒberwunden, da man nun nicht mehr nach einem Interaktionsort im Gehirn suchen muss. Doch es stellen sich gleich neue Fragen, so etwa: Wenn ich zum KĂŒhlschrank gehen will (mental), so gehe ich normalerweise auch zum KĂŒhlschrank (physisch). Wie kann das sein, wenn Geist und Materie gar nicht aufeinander wirken? Die Antwort des Parallelismus darauf lautet, dass geistige und materielle Ereignisse parallel zueinander ablaufen, so wie synchron laufende Uhren. Den Grund fĂŒr diese ParallelitĂ€t – es erscheint intuitiv als ein unglaublicher Zufall, wenn bei allen geistigen Wesen die physische Maschinerie exakt parallel zum Geist laufen wĂŒrde â€“ sah Leibniz in dem Wirken Gottes.

Gottfried Wilhelm Leibniz in einem PortrÀt von Bernhard Christoph Francke (um 1700)

In seiner zweiten, monistischen Spielart hat im 19. Jahrhundert Gustav Theodor Fechner den Psychophysischen Parallelismus entwickelt. Seine Theorie wurde auch „IdentitĂ€tsansicht“ genannt und gehört damit – streng genommen â€“ nicht mehr zum Dualismus, der immer von zwei Gegenstandsarten ausgeht. Diese Art des Psychophysischen Parallelismus stellt deshalb keinen Substanz- sondern einen Eigenschaftsdualismus oder eine Zwei-Seiten-Lehre (dual aspect theory) dar. Leib und Seele sind fĂŒr Fechner zwei Perspektiven auf ein und denselben Gegenstand. Von außen betrachtet erscheint der menschliche Leib physisch, von innen betrachtet psychisch. Das Psychische ist eine Eigenschaft der im menschlichen Leib organisierten Materie. Ernst Machs „neutraler Monismus“ geht direkt auf die Auffassung Fechners zurĂŒck.

Okkasionalismus

→ Hauptartikel: Okkasionalismus

Der Okkasionalismus ist unter anderem von Nicolas Malebranche vertreten worden. Die Idee: Wenn ich etwas tun will, so ist das ein immaterielles Ereignis in meinem Geist. Dieser Vorfall wird von Gott registriert und der Körper entsprechend in Gang gesetzt.

EpiphÀnomenalismus

→ Hauptartikel: EpiphĂ€nomenalismus

Der EpiphĂ€nomenalismus ist eine spezielle Form des Eigenschaftsdualismus und ist von Thomas Henry Huxley entwickelt worden. Der Grundgedanke ist, dass das VerhĂ€ltnis von Geist und Materie wie eine Einbahnstraße zu denken ist: Die Materie wirkt auf den immateriellen Geist, aber nicht umgekehrt. Der EpiphĂ€nomenalismus hat jedoch Ă€hnliche Probleme wie der interaktionistische Dualismus: Wo ist der Ort, an dem die Wirkung auf den Geist stattfindet? Wie hat man sich diese Wirkung vorzustellen? Problematisch ist auch, dass der EpiphĂ€nomenalismus dazu zwingt, die Verursachung geistiger ZustĂ€nde durch andere geistige ZustĂ€nde ebenso zu leugnen wie die Verursachung von ZustĂ€nden der Welt durch geistige ZustĂ€nde. Die Vorstellung einer Zitrone (ein geistiger Zustand) kann demnach weder die Vorstellung sĂ€uerlichen Geschmacks (einen anderen geistigen Zustand) noch Speichelfluss (einen Zustand der Welt) verursachen. Der EpiphĂ€nomenalismus liefert jedoch keine starken Argumente dafĂŒr, die ohne weiteres fĂŒr eine Aufgabe dieser Ursache-Wirkungs-Annahme sprechen. Der EpiphĂ€nomenalismus wird heute nur noch von wenigen vertreten, ein bekannter FĂŒrsprecher war bis vor kurzem Frank Cameron Jackson.[8]

Eigenschaftsdualismus

→ Hauptartikel: Eigenschaftsdualismus

Der Eigenschaftsdualismus hat in den letzten Jahren – durch David Chalmers â€“ eine Renaissance erlebt.[9][10] Der Eigenschaftsdualismus gehört nur bedingt in die Reihe der Dualismen: Im Gegensatz zu den anderen Positionen ist er ein Substanzmonismus, ist also sogar mit der These vertrĂ€glich, dass alles aus kleinsten physischen Teilchen zusammengesetzt ist. Er besteht jedoch darauf, dass es nichtmaterielle Eigenschaften gibt. Chalmers nennt die Eigenschaft „auf bestimmte Art erlebt zu werden“ (die Qualia) eine nichtmaterielle Eigenschaft. Seine Überlegungen stĂŒtzen sich auf den Begriff der Supervenienz und die Logik reduktiver ErklĂ€rungen. Eine wichtige Spielart des Eigenschaftsdualismus ist der Panpsychismus, der davon ausgeht, dass allen physikalischen EntitĂ€ten mentale Eigenschaften innewohnen.

Monistische Antworten auf das Leib-Seele-Problem

→ Hauptartikel: Monismus

Baruch (de) Spinoza, in einem PortrÀt ca. 1665

Der Monismus besagt, im Gegensatz zum Dualismus, dass es nur eine Substanz gĂ€be (z. B. nur geistig oder nur materiell), wobei die meisten monistischen Theorien materielle Monismen sind. Ein materieller Monismus besagt also, dass die einzig vorhandene Substanz die (physische) Materie sei. Es sind jedoch auch andere Formulierungen möglich: Man könnte auch behaupten, dass es keine Materie gĂ€be, sondern nur den Geist. Ein solcher Monismus wird heute nur noch selten vertreten. Eine dritte Möglichkeit ist, eine Substanz anzunehmen, die weder physische Materie noch Geist ist. Das Mentale und Physische wĂ€ren Eigenschaften dieser einen Substanz. Eine solche Position wurde von Baruch Spinoza vertreten und im 19. Jahrhundert durch Ernst Haeckel populĂ€r gemacht. Dieser Monismus Ă€hnelt dem Eigenschaftsdualismus (s. o.).

Behaviorismus

→ Hauptartikel: Behaviorismus

Der Behaviorismus hat die Philosophie des Geistes in weiten Teilen der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts beherrscht. In der Psychologie war der Behaviorismus als Reaktion auf Probleme der Introspektion entstanden: Wenn jemand aufgrund von Introspektion ĂŒber sein mentales Innenleben berichtet, so ist (oder war damals) keine ÜberprĂŒfung der Aussagen möglich. Ohne allgemeine ÜberprĂŒfbarkeit ist jedoch, so die Behavioristen, keine Wissenschaft möglich. Der Ausweg fĂŒr die Psychologie: Sie sollte auf mentales Innenleben und Introspektion verzichten und stattdessen das Verhalten beschreiben. Man spricht bei diesem wissenschaftlichen Ansatz auch von methodologischem Behaviorismus. Sein Hauptvertreter war B. F. Skinner.

Parallel zu derartigen Entwicklungen der Psychologie entwickelte sich ein philosophischer Behaviorismus, gelegentlich auch als „logischer“ oder „analytischer“ Behaviorismus bezeichnet. Der Ansatz des philosophischen Behaviorismus ist physikalistisch: Mentale ZustĂ€nde sind Verhaltensbeschreibungen bzw. -dispositionen. Einer der Hauptvertreter dieser Position innerhalb der Philosophie des Geistes war der britische Philosoph Gilbert Ryle. Dessen 1949 veröffentlichter Klassiker The Concept of Mind entwickelte einen an Ludwig Wittgenstein angelehnten Behaviorismus und prĂ€gte die anknĂŒpfende philosophische Debatte ĂŒber Jahrzehnte hinweg. Ein weiterer „Urvater“ des philosophischen Behaviorismus ist Carl Hempel, der in seinem Werk The Logical Analysis of Psychology stark von den Arbeiten Rudolf Carnaps geprĂ€gt war.

Der Behaviorismus gilt heute sowohl in seiner methodologischen wie auch in seiner philosophischen AusprĂ€gung weitgehend als ĂŒberholt. Es wurden u. a. folgende Argumente gegen ihn vorgebracht:

  • Hilary Putnam entwarf das Gedankenexperiment eines „Superstoikers“, der auf jeglichen denkbaren Schmerzreiz kein erkennbares Schmerzverhalten zeigt. Die Tatsache, dass dies vorstellbar ist, belegt nach Putnam, dass Schmerzen mehr sind als die bloße Disposition zu Schmerzverhalten.[11]
  • Der Behaviorismus kann kein ErklĂ€rungsmodell fĂŒr rationales Denken geben. Glaubt eine Person erstens, heute sei Dienstag, und zweitens, dienstags finde das Training im Sportverein statt, so wird sie daraus folgern, dass heute Training im Sportverein stattfindet. Ein Großteil des menschlichen Alltags und Verhaltens wird durch derartige ZusammenhĂ€nge bestimmt, die durch den philosophischen Behaviorismus nicht erklĂ€rt werden können.
  • Einige mentale ZustĂ€nde hĂ€ngen nur schwerlich mit Verhaltensdispositionen zusammen. So ist es unplausibel zu behaupten, dass eine Person ĂŒber Verhaltensdisposition redet, wenn sie von stechenden Kopfschmerzen berichtet.
  • Der Zusammenhang zwischen bestimmten Verhaltensdispositionen und bestimmten angenommenen mentalen ZustĂ€nden ist keineswegs eindeutig. Wenn eine Person „glaubt“, ein bestimmtes Verhalten könne ihren Schmerz lindern, so wird sie dieses Verhalten zeigen, wenn sie Schmerzen hat. Dabei kann es sich auch um absurde Verhaltensweisen wie das Aufsagen eines „heilenden“ Zauberspruchs handeln.
  • Zu beachten ist auch, dass der mit dem philosophischen Behaviorismus verwandte oben erwĂ€hnte methodologische Behaviorismus auf die Beschreibung mentaler ZustĂ€nde verzichtete, weil sich diese nicht unmittelbar beobachten (und somit verifizieren) lassen. Dieses Argument wĂŒrde jedoch auch fĂŒr andere naturwissenschaftliche ForschungsgegenstĂ€nde zutreffen, so z. B. fĂŒr Atome oder Steinzeitmenschen.

IdentitÀtstheorie

→ Hauptartikel: IdentitĂ€tstheorie

Die von John Smart und Ullin Place entwickelte IdentitĂ€tstheorie[12][13] war die direkte Reaktion auf das Scheitern des Behaviorismus. Wenn mentale ZustĂ€nde etwas Materielles sind, aber kein Verhalten, so sind mentale ZustĂ€nde vermutlich mit materiellen ZustĂ€nden identisch. Die hier nahe liegende Idee: Ein mentaler Zustand M ist nichts anderes als ein Gehirnzustand G. Der mentale Zustand „Wunsch nach einem Kaffee“ wĂ€re also nichts anderes als „das ‚Feuern‘ bestimmter Nervenzellen in bestimmten Hirnregionen“.

Eine beliebte Analogie zur Veranschaulichung dieser Theorie ist die IdentitĂ€t von Wasser und <math>H_2 O</math>: Jedes PhĂ€nomen, das als Wasser bezeichnet werden kann, kann auch als <math>H_2 O</math> bezeichnet werden und umgekehrt. Die Eigenschaften von Wasser sind identisch mit den Eigenschaften von <math>H_2 O</math>. Es bedurfte jedoch eines langandauernden wissenschaftlichen Prozesses, um den Begriff <math>H_2 O</math> zu gewinnen und ihn dem AlltagsverstĂ€ndnis von Wasser zuordnen zu können. In ebensolcher Weise gehen AnhĂ€nger der IdentitĂ€tstheorie davon aus, dass der weitere wissenschaftliche Fortschritt in den Neurowissenschaften zunehmend Klarheit ĂŒber die IdentitĂ€t von mentalen ZustĂ€nden und GehirnzustĂ€nden bringen wird.

Zwei Arten von IdentitĂ€t mĂŒssen unterschieden werden, nĂ€mlich die zwischen Typ- und Token-IdentitĂ€t. Ein Token stellt ein konkretes Exemplar eines Typs dar, wĂ€hrend Typen bestimmte Mengen von Exemplaren umfassen, die alle bestimmte Eigenschaften erfĂŒllen. Ein Token ist identisch mit einem anderen Token, wenn es sich um dasselbe Exemplar handelt. So ist beispielsweise der Eiffelturm, den eine Person A gesehen hat, token-identisch mit dem Eiffelturm, den eine andere Person B gesehen hat. Smart stellt jedoch ursprĂŒnglich auf eine Typ-IdentitĂ€t ab: Wasser ist typ-identisch mit <math>H_2 O</math>. Aufgrund des im nĂ€chsten Absatz beschriebenen Problems der multiplen Realisierung lĂ€sst sich eine Typ-IdentitĂ€t fĂŒr mentale ZustĂ€nde und GehirnzustĂ€nde nur schwer aufrechterhalten.

Das Problem der multiplen Realisierung ist zuerst von Hilary Putnam formuliert worden.[14] Hiernach scheint es klar zu sein, dass nicht nur Menschen, sondern auch z. B. Lurche Schmerzen haben können. Es scheint aber unwahrscheinlich, dass alle Wesen mit Schmerzen den gleichen Gehirnzustand aufweisen, da die Gehirne dieser Wesen sich strukturell stark unterscheiden. Wenn das aber nicht der Fall ist, dann kann der Schmerz auch nicht mit einem bestimmten Gehirnzustand identisch sein. Eine abgewandelte Form der IdentitĂ€tstheorie kann nun einzelne Realisierungen zu eigenstĂ€ndigen Typen zusammenfassen und sagen: Menschenschmerzen sind identisch mit einem bestimmten Gehirnzustand eines Menschengehirns, wĂ€hrend Lurchschmerzen identisch sind mit einem bestimmten Gehirnzustand eines Lurchgehirns. Ian Ravenscroft nennt dies eine eingeschrĂ€nkte Typ-IdentitĂ€tstheorie. FĂŒhrt man diesen Gedankengang weiter, so gelangt man schließlich zu einer Token-IdentitĂ€tstheorie, die lediglich noch die IdentitĂ€t mentaler ZustĂ€nde eines Individuums mit dessen Gehirnzustand postuliert.

Zwischen Smarts beabsichtigter Typ-IdentitĂ€tstheorie und einer Token-IdentitĂ€tstheorie besteht der wesentliche Unterschied, dass erstere reduktionistisch ist: Sie möchte unsere mentalen ZustĂ€nde durch RĂŒckfĂŒhrung auf eine andere Theorie verstĂ€ndlicher machen, so wie die RĂŒckfĂŒhrung von Wasser auf <math>H_2 O</math> den gesamten ErklĂ€rungsapparat von Physik und Chemie auf Wasser anwendbar macht. Wenn mentale ZustĂ€nde typ-identisch mit GehirnzustĂ€nden sind, so lĂ€sst sich die Psychologie schließlich auf die Neurowissenschaft zurĂŒckfĂŒhren. Bei Token-IdentitĂ€t ist dies jedoch nur noch eingeschrĂ€nkt möglich, da jedes Gehirn sich in seiner Realisierung von jedem anderen Gehirn unterscheidet. Eine Token-IdentitĂ€tstheorie ist demnach nicht-reduktionistisch.

Trotz dieser Probleme gibt es heute eine gewisse Renaissance der IdentitÀtstheorie, welche vor allem Jaegwon Kim zu verdanken ist.

Die IdentitĂ€tstheorie erhĂ€lt Auftrieb dadurch, dass das physikalische Konzept der Materie und ihrer Wechselwirkungen erkennbar nicht abgeschlossen ist. Daraus erwĂ€chst die Hoffnung, dass sich aus zukĂŒnftigen Erweiterungen des physikalischen VerstĂ€ndnisses möglicherweise auf direktem Wege die Emergenz der neuen „Dimension“ des Bewusstseins ableiten lĂ€sst.

Funktionalismus

→ Hauptartikel: Funktionalismus

Der Funktionalismus wurde unter anderem von Hilary Putnam als Reaktion auf die Probleme der IdentitÀtstheorie entwickelt.[14] Die Idee lautet wie folgt: Wenn Wesen mit verschiedenen GehirnzustÀnden den gleichen mentalen Zustand haben können (die IdentitÀtstheorie also falsch ist), so muss dennoch etwas existieren, das die GehirnzustÀnde gemeinsam haben. Der Vorschlag der Funktionalisten ist es, den verschiedenen GehirnzustÀnden den gleichen funktionalen Zustand zuzuordnen. Die mentalen ZustÀnde wÀren dann funktionale ZustÀnde.

Doch was sind funktionale ZustĂ€nde? Dies wird oft am Beispiel von einfachen Automaten erklĂ€rt: Stellen wir uns einen SĂŒĂŸigkeitenautomaten vor. Dieser wirft bei einem Euro eine SĂŒĂŸigkeit aus. Nun kann man den Automaten mit verschiedenen ZustĂ€nden beschreiben: Es muss einen Zustand geben, in dem der Automat die SĂŒĂŸigkeit auswirft, ohne weiteres Geld zu fordern. Es muss aber auch ZustĂ€nde geben, in denen der Automat noch einen Euro oder 50 Cent fordert, um etwas auszuspucken. Im Sinne der Automatentheorie lĂ€sst sich der SĂŒĂŸigkeitenautomat so durch abstrakte funktionale ZustĂ€nde komplett beschreiben. Der Kern des Beispiels ist nun, dass die Beschreibung gilt, ganz egal, woraus der Automat konkret gemacht ist. Die Analogie ist klar: Mentale ZustĂ€nde sollen funktionale ZustĂ€nde sein, gleichgĂŒltig, von welchen GehirnzustĂ€nden sie konkret realisiert werden.

Zentrales Problem des Funktionalismus ist das Bewusstsein. Als Beispiel dient ein als „China-Gehirn“ bezeichnetes Gedankenexperiment: Jeder Chinese besitze ein Handy und habe klare Anweisungen, welche Nummer er anrufen soll, wenn er von bestimmten anderen Nummern angerufen wird. Man stelle sich nun zusĂ€tzlich vor, dass die Zahl der Chinesen und die Zahl der Gehirnzellen eines menschlichen Gehirns gleich sei, und dass man eine Situation herstellen könne, in welcher der aktuelle Verbindungszustand im chinesischen Handynetz identisch mit dem Aktivierungszustand der Neuronen eines menschlichen Gehirns bei der Vorstellung des Eiffelturms sei. Dann ist es intuitiv kaum vorstellbar, dass die durch die Chinesen und deren Handynetz gebildete Gesamtheit tatsĂ€chlich allein auf Grund des aktuellen Verbindungszustands und der daraufhin gewĂ€hlten Nummernfolgen eine Vorstellung des Eiffelturms entwickelt, noch irgendeine andere Vorstellung oder einen anderen mentalen Zustand. GleichgĂŒltig welche Funktion der Verbindungszustand des chinesischen Handynetzes haben mag, ein irgendwie gearteter kollektiver mentaler Zustand ist keine plausible Annahme. Der Funktionalismus erklĂ€rt somit auch nicht das PhĂ€nomen des Bewusstseins des menschlichen Gehirns, denn inwiefern das Feuern bestimmter Neuronen zu einem bewussten mentalen Erleben fĂŒhren sollte, bleibt selbst dann unerklĂ€rt, wenn dies eine bestimmte Funktion erfĂŒllt.

Nichtreduktiver Materialismus und Emergenz

Bei vielen Philosophen kommen zwei Überzeugungen zusammen:

  1. Der Materialismus ist wahr, mentale ZustĂ€nde mĂŒssen materielle ZustĂ€nde sein.
  2. Die einzelnen reduktiven VorschlĂ€ge sind alle unbefriedigend: Mentale ZustĂ€nde lassen sich nicht auf Verhalten, GehirnzustĂ€nde oder funktionale ZustĂ€nde zurĂŒckfĂŒhren.

Daraus ergibt sich die Frage, ob es einen nichtreduktiven Materialismus geben kann. Donald Davidsons anomaler Monismus ist ein Versuch, einen solchen Materialismus zu formulieren.[15] Oft wird die Idee mit dem Begriff der Supervenienz formuliert: Mentale ZustĂ€nde supervenieren ĂŒber physischen ZustĂ€nden, sind aber nicht auf sie zurĂŒckfĂŒhrbar. „Supervenieren“ beschreibt dabei eine AbhĂ€ngigkeitsbeziehung: Das Mentale kann sich nicht verĂ€ndern, ohne dass sich das Physische verĂ€ndert.

Auch der Emergenzbegriff spielt in den Debatten um den nichtreduktiven Materialismus eine zentrale Rolle.[16] Ein PhĂ€nomen wird genau dann als „emergent“ bezeichnet, wenn es auf der Makroebene eines Systems erscheint, jedoch nicht auf der Mikroebene der Systemkomponenten. In diesem Sinne wird etwa davon ausgegangen, dass das Bewusstsein emergent ist, da Personen Bewusstsein haben, man aber nicht den einzelnen Teilen des Menschen Bewusstsein zusprechen kann. Dabei wird das Emergenzkonzept hĂ€ufig mit einer antireduktionistischen These kombiniert: Das PhĂ€nomen auf der Makroebene (in diesem Fall: Das Bewusstsein) lĂ€sst sich prinzipiell nicht auf die Mikroebene (also etwa GehirnaktivitĂ€ten) zurĂŒckfĂŒhren. In der Philosophie des Geistes ist umstritten, ob eine solche Position wieder zum Dualismus zurĂŒckfĂŒhrt. Kritiker des Emergenzbegriffes erklĂ€ren, dass die IrreduzibilitĂ€t der Makroebene im Rahmen einer materialistischen Theorie nicht verstĂ€ndlich sei.

Eliminativer Materialismus

→ Hauptartikel: Eliminativer Materialismus

Wenn man Materialist ist, die reduktiven BemĂŒhungen fĂŒr gescheitert hĂ€lt und einen nichtreduktiven Materialismus fĂŒr inkohĂ€rent hĂ€lt, so kann man zu einem letzten Mittel greifen und behaupten: „Es gibt keine mentalen ZustĂ€nde.“[17][18] Eliminative Materialisten behaupten, dass mentale ZustĂ€nde von unserer Alltagspsychologie eingefĂŒhrt worden sind. Wenn sich nun die Alltagspsychologie im Laufe der wissenschaftlichen Entwicklung als falsch herausstellt, so mĂŒssen wir auch die von ihr postulierten EntitĂ€ten abschaffen. Eliminativisten wie beispielsweise Patricia und Paul Churchland verweisen an dieser Stelle oft auf das Schicksal anderer, falscher Theorien im Laufe der Geschichte. Beispielsweise hat sich das System des Hexenglaubens als falsch herausgestellt. Die Konsequenz besteht in der Anerkennung der Nichtexistenz von Hexen.

Philosophie des Geistes im Buddhismus

"Was aber ist nun, Herr, Alter und Tod, und wem wieder wird dieses Alter und dieser Tod zu eigen?" "Die Frage ist nicht richtig," erwiderte der Erhabene. "Wenn man sagte: 'was ist Alter und Tod, und wem wieder wird dieses Alter und dieser Tod zu eigen?' - oder wenn man sagte: 'ein anderes ist Alter und Tod, und ein anderes ist der, dem dieses Alter und dieser Tod zu eigen wird,' so wĂ€re beides ein und dasselbe, nur der Ausdruck wĂ€re verschieden. Wenn die Anschauung besteht, Leben und Körper seien dasselbe, so gibt es keinen heiligen Wandel; oder wenn die Anschauung besteht, ein anderes sei das Leben, und ein anderes sei der Körper, so gibt es keinen heiligen Wandel. Diese beiden Enden vermeidend verkĂŒndet in der Mitte der Tathāgata (d.h. der "So-Gegangene", also Buddha) die wahre Lehre: aus der Geburt als Ursache entsteht Alter und Tod."[19]

Östliche Traditionen wie der Buddhismus gehen nicht von einem dualistischen Leib-Seele-Modell aus, aber stellen fest, dass Körper und Geist zwei unterschiedliche Einheiten sind. Speziell im Buddhismus wird die Idee einer unabhĂ€ngigen Seele (Atman) des Hinduismus nicht akzeptiert. Einige Schulen des Buddhismus gehen von einer sehr subtilen Ebene des Bewusstseins aus, das den Körper zum Zeitpunkt des Todes verlĂ€sst und zu einem neuen Leben ĂŒbergeht. Laut dem buddhistischen Gelehrten Dharmakirti ist die Definition des Geistes das, was Klarheit und Erkennen ist. In dieser Definition bezieht sich "Klarheit" auf die Natur des Geistes und "Erkennen" auf die Funktion des Geistes. Geist ist Klarheit, weil er stets formlos ist und weil er die eigentliche FĂ€higkeit besitzt, Dinge wahrzunehmen. Geist ist erkennend, weil es seine Funktion ist, zu wissen oder Objekte wahrzunehmen. In Ornament of the Seven Sets sagt der buddhistische Gelehrte Khedrup Gelek Pelzang, dass Denken, Bewusstheit, Geist und "Erkenner" Synonyme sind. Buddha erlĂ€uterte, dass der Geist, obwohl er formlos ist, trotzdem zur Form dazu gehört. Demnach gehört unser Geist zu unserem Körper und ist ĂŒber den ganzen Körper verteilt "ansĂ€ssig". Dies ist im Kontext dessen zu verstehen, wie das Bewusstsein der fĂŒnf Sinne und das geistige Bewusstsein entstehen. Es gibt viele verschiedene Arten der Geistes-Sinnes-Bewusstheit, geistige Bewusstheit, grobe Bewusstseine, feine Bewusstseine, sehr subtiles Bewusstsein, und sie alle sind formlos (d.h. ohne Gestalt, Farbe, Klang, Geruch, Geschmack oder haptische Eigenschaften) und sie alle haben die Funktion zu erkennen oder zu wissen. Es gibt keinen Geist ohne ein Objekt, das vom Geist erkannt wird. Auch wenn keins dieser Bewusstseine eine Form hat, können sie zur Form dazu gehören.[20]

Sprachphilosophische Kritik am Leib-Seele-Problem

Jeder Versuch, das Leib-Seele-Problem zu beantworten, stĂ¶ĂŸt auf massive, insbesondere auch begriffliche Probleme. Es kann daher auch eine Option sein, das Leib-Seele-Problem als Scheinproblem zurĂŒckzuweisen. Eine solche Position wird heute insbesondere in der analytischen Philosophie in der Nachfolge Ludwig Wittgensteins vertreten.[21] Die Vertreter einer solchen Position erklĂ€ren, dass es ein Fehler sei, zu fragen, wie mentale und biologische ZustĂ€nde zusammen passen. Vielmehr sollte akzeptiert werden, dass Menschen in verschiedenen Weisen – etwa in mentalem und biologischem Vokabular â€“ beschrieben werden können. Scheinprobleme entstehen nach Meinung der wittgensteinschen Tradition, wenn versucht wird, die Beschreibungsweisen aufeinander zu reduzieren oder auch, wenn das mentale Vokabular in falschen Kontexten verwendet wird. Dies sei etwa der Fall, wenn im Gehirn nach mentalen ZustĂ€nden gesucht wird. Das Gehirn sei einfach der falsche Kontext fĂŒr die Anwendung von mentalem Vokabular – die Suche nach mentalen ZustĂ€nden im Gehirn darum ein Kategorienfehler oder pure begriffliche Verwirrung.

Heute wird eine solche Position oft von Wittgenstein-Interpreten wie Peter Hacker vertreten.[22] Auch Hilary Putnam, der BegrĂŒnder des Funktionalismus, hĂ€lt mittlerweile das Leib-Seele-Problem fĂŒr ein Scheinproblem, welches mit Wittgenstein aufzulösen sei.[23] In Deutschland findet sich eine entsprechende Auffassung bei Dirk Hartmann als Vertreter des methodischen Kulturalismus.[24]

Der Naturalismus und seine Probleme

Die These des Materialismus ist, dass der Geist etwas Materielles sei. Eine solche Position hat das grundsĂ€tzliche Problem, dass der Geist Eigenschaften hat, die kein materieller Gegenstand besitzt. Der Materialismus muss deshalb erklĂ€ren, wie es sein kann, dass einem materiellen Gegenstand doch diese Eigenschaften zukommen. Oft wird das Projekt der diesbezĂŒglichen ErklĂ€rung die „Naturalisierung des Geistes“ genannt. Was sind nun die kritischen Eigenschaften? Am bekanntesten sind wohl die beiden folgenden:

Qualia

→ Hauptartikel: Qualia

Viele mentale ZustÀnde haben die Eigenschaft, in bestimmter Weise erlebt zu werden.[25] Das Wesentliche des mentalen Zustandes Schmerz ist etwa ganz offensichtlich, dass es weh tut. Doch woher kommt dieses Erleben (das Quale)? Nichts an einem neuronalen oder funktionalen Zustand deutet darauf hin, dass er von einem Schmerzerleben begleitet ist. Oft wird das Argument auch wie folgt formuliert: Die VorgÀnge im Gehirn können (noch) nicht verstÀndlich machen, warum sie mit entsprechendem Erlebnisgehalt ablaufen. Warum gehen viele Prozesse im Gehirn nicht ohne einen Funken Bewusstsein vonstatten?[26] Dies scheint nicht erklÀrbar zu sein.

Es scheint aber dennoch so zu sein, dass die Wissenschaften diesen Erlebnisgehalt erklĂ€ren mĂŒssten. Dies ergibt sich aus der Logik reduktiver ErklĂ€rungen: Wenn ich ein PhĂ€nomen (z. B. Wasser) reduktiv erklĂ€ren will, so muss ich auch erklĂ€ren, warum das PhĂ€nomen all die Eigenschaften hat, die es hat (z. B. FlĂŒssigkeit, Durchsichtigkeit). Im Fall der mentalen ZustĂ€nde mĂŒsste man erklĂ€ren, warum sie die Eigenschaft haben, in bestimmter Weise erlebt zu werden.

John Searle – einer der einflussreichsten Vertreter der Philosophie des Geistes (Berkeley 2002)

IntentionalitÀt

IntentionalitĂ€t bezeichnet die „Gerichtetheit“ der mentalen ZustĂ€nde, die sie auch „wahrheitswertfĂ€hig“ macht.[27][28][29] Das heißt, dass Gedanken richtig oder falsch sein können. Dies mag zunĂ€chst noch nicht rĂ€tselhaft erscheinen, doch wenn Gedanken auf Naturprozesse reduziert werden sollen, so entsteht ein RĂ€tsel: Naturprozesse sind nicht richtig oder falsch – sie geschehen einfach. Es wĂ€re sinnlos, von einem Gehirnprozess zu sagen, er sei richtig bzw. falsch. Gedanken bzw. geistige Urteile sind aber richtig oder falsch, wie können Gedanken da Naturprozesse sein?

Die WahrheitswertfĂ€higkeit der Gedanken kommt daher, dass Gedanken auf Sachverhalte gerichtet sind: Der Gedanke etwa, dass Herodot Historiker war, bezieht sich auf Herodot und den Sachverhalt, dass er Historiker war. Besteht der Sachverhalt, so ist der Gedanke richtig – sonst eben falsch. Doch woher kommt dieser Bezug? Im Gehirn laufen nur elektrochemische Prozesse ab und die scheinen mit Herodot rein gar nichts zu tun zu haben.

Philosophie des Geistes und die Naturwissenschaften

Physik

Der Mensch ist ein körperliches Wesen, das als solches von den Naturwissenschaften beschrieben werden kann. Erwin Schrödinger geht von einer Absolutheit des Geistes aus und umreißt das Problem (1943) wie folgt:

„Unmittelbare Erfahrungen, so verschieden und ungleichartig sie auch sein mögen, können sich logischerweise nicht widersprechen. Wir wollen daher versuchen, ob wir nicht aus den folgenden beiden PrĂ€missen den richtigen, widerspruchsfreien Schluß ziehen können:
  1. Mein Körper funktioniert als reiner Mechanismus in Übereinstimmung mit den Naturgesetzen.
  2. Doch weiß ich auf Grund meiner unmittelbaren Erfahrung, daß ich seine Bewegungen leite und deren Folgen voraussehe, die entscheidend und in höchstem Maße bedeutsam sein können; in diesem Falle ĂŒbernehme ich die volle Verantwortung fĂŒr sie.
Die einzig mögliche Folgerung aus diesen zwei Tatsachen ist die folgende: Ich – ich im weitesten Sinne des Wortes, d. h. jedes bewusst denkende geistige Wesen, das sich als ‚Ich‘ bezeichnet oder empfunden hat â€“ ist die Person, sofern es ĂŒberhaupt eine gibt, welche die ‚Bewegung der Atome‘ in Übereinstimmung mit den Naturgesetzen leitet.“[30]

Roger Penrose stellt dem eine andere Sichtweise gegenĂŒber. Wenn die geistigen Prozesse nicht absolut oder unabhĂ€ngig sind, sondern von den körperlichen Prozessen abhĂ€ngen, spielt die rein naturwissenschaftliche Beschreibung des Menschen in der Philosophie des Geistes eine große Rolle:

„Begriffe wie Geist und Psyche wĂ€ren wenig nĂŒtzlich, wenn der Geist keinen Einfluß auf den Körper hĂ€tte und auch von ihm nicht beeinflußt werden könnte. WĂ€re der Geist lediglich ein „EpiphĂ€nomen“ – eine zwar spezifische, aber völlig passive Eigenschaft des Gehirnzustandes -, dann könnte dieser Zustand als bloßes Nebenprodukt des Körpers nicht auf ihn zurĂŒckwirken, und dem Geist kĂ€me offensichtlich nur eine ohnmĂ€chtige und unbedeutende Nebenrolle zu. Wenn der Geist den Körper dazu bringen könnte, die Naturgesetze zu verletzen, wĂŒrde er die Exaktheit dieser rein physikalisch begrĂŒndeten Naturgesetze stören. Deshalb ist eine rein dualistische Sicht kaum aufrecht zu erhalten. Selbst wenn die physikalischen Naturgesetze, denen der Körper unterworfen ist, dem Geist einen Freiraum zur Beeinflussung des Körpers lassen, dann muss diese Art von Freiheit selbst ein wichtiger Inhalt dieser Naturgesetze sein.“[31]

In letzterem Fall sind prinzipiell alle Disziplinen von Bedeutung, die Prozesse beschreiben, welche mit dem Mentalen in Zusammenhang stehen. Entsprechend lang ist die Liste der wichtigen Wissenschaften: Biologie, Informatik, Kognitionswissenschaft, Kybernetik, Linguistik, Medizin, Pharmakologie, Psychologie usw.

(Neuro-)Biologie

Theoretischer Hintergrund der Biologie, wie in den modernen Naturwissenschaften allgemein, ist meist ein materialistischer Ansatz. Als Studienobjekt fungieren zunĂ€chst physische VorgĂ€nge, die als Grundlage von mentaler TĂ€tigkeit und Verhalten angesehen werden. Der zunehmende Erfolg der Biologie als ErklĂ€rungsansatz mentaler PhĂ€nomene lĂ€sst sich vor allem durch das Ausbleiben einer Widerlegung der Grundannahme: „Keine VerĂ€nderung der mentalen ZustĂ€nde eines Menschen ohne eine VerĂ€nderung seines Gehirns“ verstehen.

Mehrere Disziplinen innerhalb der Neurobiologie beschÀftigen sich mit dem Zusammenhang von mentalen und physischen Prozessen:

Der methodische Fortschritt der Neurowissenschaften, insbesondere der Einzug bildgebender Verfahren, fĂŒhrte in vergangenen Jahren vermehrt zur Formulierung von anspruchsvollen Forschungsprogrammen: Als Agenda gilt die neuronalen Prozesse geistiger Funktionen aufzudecken und zu verstehen (siehe auch: neuronales Korrelat des Bewusstseins). Einige wenige Neurobiologen, wie Emil Du Bois-Reymond und John Carew Eccles haben die prinzipielle Möglichkeit einer „Reduktion“ mentaler PhĂ€nomene auf GehirnvorgĂ€nge aus teils religiösen GrĂŒnden verneint. Heute vertritt etwa der im deutschen Sprachraum bekannte Neurobiologe und Philosoph Gerhard Roth eine Form des nichtreduktiven Materialismus[32]. Mit populĂ€rwissenschaftlichen Veröffentlichungen ĂŒber Experimente zur Gehirnforschung brachte insbesondere der Psychiater, Psychologe und Hochschullehrer Manfred Spitzer das Thema der Selbstbestimmtheit[33] in die Öffentlichkeit.

Informatik

Die Informatik beschĂ€ftigt sich mit der automatischen Verarbeitung von Informationen (oder zumindest physikalischen Symbolsystemen, denen man Information beimisst), wie sie von Computern geleistet wird. Computer waren seit Beginn ihrer Entwicklung zu Aktionen fĂ€hig, fĂŒr die ein Mensch seinen Geist benötigt. Ein Beispiel ist die Multiplikation. Doch offenbar haben Computer beim Multiplizieren keinen Geist. Könnten sie jedoch irgendwann einen Geist bekommen? Diese Frage hat mit der Forschung zur kĂŒnstlichen Intelligenz (KI) erheblich an Bedeutung gewonnen.

Auch in der KI kann man zwischen einem bescheidenen und einem anspruchsvollen Forschungsprogramm unterscheiden – es handelt sich um John Searles Unterscheidung zwischen schwacher und starker KI. Die schwache KI hat lediglich das Ziel, mentale ZustĂ€nde zu simulieren, ohne dabei den Anspruch zu erheben, dass die Computer wirklich Bewusstsein etc. haben. Ziel der starken KI ist hingegen ein Computer mit Bewusstsein. Die starke KI reicht bis zu dem Computerpionier Alan Turing zurĂŒck.[34] Er formulierte als Antwort auf die Frage „Können Computer denken?“ den legendĂ€ren Turing-Test. Turing meinte, dass ein Computer dann denken könne, wenn er in einem „Chat“ nicht von einem Menschen unterscheidbar sei. Am Turing-Test ist viel Kritik geĂŒbt worden, unter anderem von John Searle, mit seinem Gedankenexperiment vom „chinesischen Zimmer“.[35] Zudem bleibt die Frage nach einer möglichen EmpfindungsfĂ€higkeit (Qualia) von Computern bzw. Robotern noch vollkommen unbeantwortet. Hier sind wohl auch die meisten Informatiker weniger optimistisch.

Psychologie

Die Psychologie ist die Wissenschaft, die am direktesten mentale ZustĂ€nde untersucht. Konkret untersucht sie mentale ZustĂ€nde wie etwa Freude, Furcht oder Zwangsvorstellungen. Dabei forscht die Psychologie nach GesetzmĂ€ĂŸigkeiten, die mentale ZustĂ€nde untereinander oder mit dem Input und Output des Menschen verbinden.

Beispiele hierfĂŒr liefert etwa die Wahrnehmungspsychologie. So lassen sich allgemeine Prinzipien der Gestaltwahrnehmung entdecken. Eine gestaltpsychologische GesetzmĂ€ĂŸigkeit lautet: GegenstĂ€nde, die sich in dieselbe Richtung bewegen, werden als zusammengehörig wahrgenommen. Diese GesetzmĂ€ĂŸigkeit beschreibt eine Relation zwischen dem visuellen Input und den mentalen WahrnehmungszustĂ€nden. Dieses Ergebnis sagt jedoch noch nichts ĂŒber die Natur der WahrnehmungszustĂ€nde aus. Die von der Psychologie entdeckten GesetzmĂ€ĂŸigkeiten sind mit allen beschriebenen Antworten auf das Leib-Seele-Problem kompatibel.

Systemtheorie

Gregory Bateson kommt in seiner „Ökologie des Geistes“ zu dem Ergebnis, dass das Geistige nicht die Eigenschaft eines Organs – etwa des Gehirns – oder eines Individuums – z. B. des Menschen – ist, sondern die Eigenschaft eines Systems, das Informationen transportieren kann. So gelangt Information von den Ă€ußeren Objekten in Form elektromagnetischer Wellen ĂŒber das Sinnesorgan Auge ĂŒber das Nervensystem ins Gehirn und geht von dort mittels effektorischer Nerven ĂŒber die Sprachmotorik und das Transportmedium Luft in sprachlicher Form ĂŒber das Sinnesorgan Ohr zum Mitmenschen, wird kommuniziert. Geist ist also diesem interagierenden System von Menschen, einer Gesellschaft bzw. einer Sprachgemeinschaft, immanent. Bateson: „In keinem System, das geistige Charakteristika aufweist, kann also irgendein Teil einseitige Kontrolle ĂŒber das Ganze haben. Mit anderen Worten, die geistigen Charakteristika des Systems sind nicht einem Teil immanent, sondern dem System als ganzem.“ (Bateson 1985, S. 409). Die Philosophie lebender Systeme folgt dieser kybernetischen Auffassung des Begriffs des Geistigen und untersucht die Frage nach der Speicherung des Geistigen, der Ideen, BauplĂ€ne, Hypothesen und Theorien. Das durch Interaktion gewonnene geistige Ergebnis benötigt zu seiner Konservierung einen materiellen DatentrĂ€ger. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die Evolution die mittels Selektion erworbenen Erfahrungen im genetischen Code speichert (intracellulĂ€re Speicherung), der Mensch vermag seine Ideen, Erkenntnisse und Erfahrungen wĂ€hrend seiner Lebenszeit wie alle Hirntiere körperintern zu speichern, aber er hat auch verschiedene körperexterne Datenspeichermöglichkeiten, wie BĂŒcher und Computer, entwickelt, die nun das Geistige nicht nur in die Zukunft transportieren können, wie die Gene, sondern es auch nahezu zeitgleich im Raum verbreiten. Damit hat der Mensch einen neuen Erbweg geschaffen und setzt eine „Evolution des Geistes“ in Gang.

Konsequenzen der Philosophie des Geistes

Es gibt zahllose Themen, die nicht unberĂŒhrt von den Ergebnissen der Philosophie des Geistes sein können. Offensichtliche Beispiele sind etwa die Natur und EndgĂŒltigkeit des Todes, die Natur der Emotionen, der Wahrnehmung und des GedĂ€chtnisses. Auch die Frage, was eine Person ist und was ihre IdentitĂ€t ausmacht, hat viele Schnittstellen mit der Philosophie des Geistes. Zwei Themen, die im Zusammenhang mit der Philosophie des Geistes besondere Aufmerksamkeit erlangt haben, sind die Freiheit und das Selbst.

Freiheit

Im Kontext der Philosophie des Geistes stellt sich die Frage nach der Freiheit des Willens in neuer SchĂ€rfe. Dies gilt zumindest, wenn man sich von Materialismus und Determinismus hat ĂŒberzeugen lassen: Alle mentalen ZustĂ€nde – also auch das menschliche Wollen â€“ wĂ€ren demnach materielle ZustĂ€nde. Und die Naturgesetze legten demnach den Lauf der materiellen Welt komplett fest. Auch mentale ZustĂ€nde wie Wollen und Handeln werden dann komplett durch die Naturgesetze festgelegt. Manche argumentieren nun weiter: Also können Menschen gar nicht selbst bestimmen, was sie wollen und tun. Oder zumindest stehen ihnen keine Handlungsalternativen offen. Folglich seien sie nicht frei.

Dieser Argumentation widersprechen zum einen die Kompatibilisten. Sie argumentieren, „Freiheit“ meine nicht Indeterminiertheit, sondern Wollen und Handeln nach bestem Wissen und Gewissen. In diesem Sinne können Menschen auch frei sein, wenn der Determinismus wahr ist. Der vielleicht bekannteste Kompatibilist der Philosophiegeschichte ist David Hume. Heute werden kompatibilistische Positionen etwa von John M. Fischer oder Daniel Dennett vertreten.[36]

Immanuel Kant bestritt die Determiniertheit des Willens und vertrat die Willensfreiheit

Entgegen solchen kompatibilistischen Positionen vertreten Inkompatibilisten, dass sich freier Wille und Determinismus durchaus widersprechen. Falls daher Determinismus gilt, könne es keinen freien Willen geben. Doch es gibt auch Inkompatibilisten, die der Meinung sind, dass Menschen einen freien Willen haben. Diese Philosophen behaupten, dass der Lauf der Welt nicht vollstĂ€ndig durch die Naturgesetze festgelegt ist: Zumindest der Wille soll nicht determiniert und daher potentiell frei sein. Der bekannteste Philosoph, der ĂŒblicherweise dem Inkompatibilismus zugeordnet wird, ist Immanuel Kant.[37] Ob nichtdeterministische physikalische Theorien dies stĂŒtzen, wird sehr kontrovers beurteilt. UnabhĂ€ngig davon werfen einige der Kritiker dem Inkompatibilismus vor, einen inkohĂ€renten Begriff von Freiheit zu verwenden. Sie argumentieren wie folgt: Wenn unser Willen durch nichts determiniert ist, so ist es purer Zufall, was wir wollen. Wenn es purer Zufall ist, was wir wollen, so sind wir nicht frei. Also sind wir nicht frei, wenn unser Willen durch nichts determiniert ist. Verteidiger des Inkompatibilismus wĂŒrden teils einwenden: Dieser Argumentation liegt die Annahme zugrunde, dass es in diesem Fall nur zwei Alternativen gibt: entweder mein Handeln ist fremdbestimmt oder vom Zufall bestimmt. Die Voraussetzung schließt bereits aus, dass es eine dritte Möglichkeit gibt: selbstbestimmten Willen. Per Definitionem setze das Konzept des Willens die Selbstbestimmtheit jedoch voraus.

Selbst

Zudem hat die Philosophie des Geistes beachtliche Auswirkungen auf den Begriff des Selbst. Versteht man unter „Selbst“ den unverĂ€nderlichen Wesenskern einer Person, so werden die meisten Vertreter der Philosophie des Geistes wohl behaupten, dass es nichts Derartiges gibt.

Die Idee von einem Selbst als einem unverĂ€nderlichen Wesenskern entspringt der christlichen Vorstellung einer immateriellen Seele. Eine solche Vorstellung ist fĂŒr die meisten heutigen Philosophen aufgrund ihrer materialistischen GrundĂŒberzeugung nicht akzeptabel. Doch auch die Idee eines konstanten materiellen Wesenskerns – etwa realisiert in einem unverĂ€nderlichen Hirnareal â€“ scheint aufgrund der empirischen Ergebnisse von Entwicklungspsychologie, Entwicklungsbiologie und Neurowissenschaft unplausibel.

Einige Philosophen erklĂ€ren aufgrund dieser Probleme, dass wir aufhören sollten von einem Selbst zu sprechen. Dies ist allerdings eine Minderheitenposition, verbreiteter ist die folgende Meinung: Man sollte unter dem „Selbst“ keinen unverĂ€nderlichen Wesenskern verstehen, sondern etwas, das sich in permanenter VerĂ€nderung befindet. Ein bekannter FĂŒrsprecher einer solchen Position ist Daniel Dennett. Es ist zudem erstaunlich, wie sich einige Überlegungen der modernen Philosophie des Geistes auf diesem Gebiet mit altĂŒberlieferten Erkenntnissen außereuropĂ€ischer Kulturen – etwa dem Buddhismus â€“ ĂŒberschneiden.

Siehe auch

Literatur

Philosophiebibliographie: Philosophie des Geistes – ZusĂ€tzliche Literaturhinweise zum Thema

Literatur zu Einzelthemen und -positionen in den Quellen.

  •  Ansgar Beckermann: Das Leib-Seele-Problem. Eine EinfĂŒhrung in die Philosophie des Geistes. UTB: Wilhelm Fink, MĂŒnchen 2008, ISBN 978-3-8252-2983-2 (Systematische und anspruchsvolle EinfĂŒhrung).</span>
  •  Godehard BrĂŒntrup: Das Leib-Seele-Problem. Eine EinfĂŒhrung. Kohlhammer, Stuttgart 3. durchgesehene und erweiterte Auflage, 2008, ISBN 978-3170188907 (Systematische EinfĂŒhrung mit besonderer BerĂŒcksichtigung aktueller Entwicklungen (3. Auflage)).</span>
  •  Friedrich Hermanni, Thomas Buchheim (Hrsg.): Das Leib-Seele-Problem. Antwortversuche aus medizinisch-naturwissenschaftlicher, philosophischer und theologischer Sicht. Wilhelm Fink, MĂŒnchen 2006, ISBN 978-3-7705-4279-6 (Mit BeitrĂ€gen u. a. von Michael Pauen, Robert Spaemann, Vittorio Hösle und Christian Link).</span>
  •  Jaegwon Kim: Philosophie des Geistes. Springer, Wien u. a. 1998, ISBN 3-211-83043-X.</span>
  •  Carsten Könneker (Hrsg.): Wer erklĂ€rt den Menschen? Hirnforscher, Psychologen und Philosophen im Dialog. Fischer TB, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-596-17331-0 (Mit BeitrĂ€gen u. a. von Ansgar Beckermann, Michael Pauen, Thomas Metzinger, Albert Newen, Wolf Singer und Gerhard Roth).</span>
  • Brian McLaughlin / Ansgar Beckermann / Sven Walter (Hrsg.): Oxford Handbook in the Philosophy of Mind, Oxford University Press 2009, ISBN 0-19-926261-6. Review von K. Godelek.
  •  Thomas Metzinger: Bewusstsein. Grundkurs Philosophie des Geistes Band 1.. mentis, Paderborn 2006, ISBN 3-897-85551-8 (Sammelband mit BeitrĂ€gen u. a. von Frank Jackson, Daniel Dennett, Joseph Levine, David Chalmers, Fred Dretske).</span>
  •  Thomas Metzinger: Das Leib-Seele-Problem. Grundkurs Philosophie des Geistes Band 2.. mentis, Paderborn 2007, ISBN 3-897-85552-6.</span>
  •  Michael Pauen: Grundprobleme der Philosophie des Geistes. Eine EinfĂŒhrung. 4. Auflage. Fischer, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-596-14568-3.</span>
  •  Arno Ros: Materie und Geist: Eine philosophische Untersuchung. mentis, Paderborn 2005, ISBN 3-89785-397-3.</span>
  •  JĂŒrgen Schröder: EinfĂŒhrung in die Philosophie des Geistes. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-518-29271-4.</span>
  •  Erwin Schrödinger: Geist und Materie. Zsolnay, Wien 1986, ISBN 3-552-03810-8.</span>
  •  John Searle: Geist. Eine EinfĂŒhrung. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-518-58472-3.</span>
  •  Patrick SpĂ€t (Hrsg.): Zur Zukunft der Philosophie des Geistes. mentis, Paderborn 2008, ISBN 978-3-89785-611-0 (Mit BeitrĂ€gen u. a. von Michael Esfeld, Albert Newen und Kai Vogeley, Klaus Mainzer, Thomas Metzinger, Wolfgang Prinz und Ansgar Beckermann).</span>
  •  Dieter Sturma: Philosophie des Geistes. Reclam, Leipzig 2005, ISBN 3-379-20122-7.</span>
  •  Dieter Teichert: EinfĂŒhrung in die Philosophie des Geistes. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006, ISBN 3-534-15463-0.</span>
  •  Gregory Bateson: Ökologie des Geistes. Anthropologische, biologische, und epistemologische Perspektiven. suhrkamp, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-518-28171-2.</span>
  •  Ewald Richter: Wohin fĂŒhrt uns die moderne Hirnforschung. Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 978-3-428-11786-4.</span>

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Geist â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Geist â€“ Zitate

Bibliographien:

Einzelnachweise

  1. ↑ von lat. mens fĂŒr Denkkraft (oder -vermögen), Verstand, Vernunft, Einsicht und Geist, Denkart sowie Sinnesart, aber auch GemĂŒt mit allen GemĂŒtsaffekten (wie Zorn, Leidenschaft oder Mut) sowie davon abgeleitet fĂŒr: das Gedachte, die Gedanken, die Erinnerung, Meinung und Absicht
  2. ↑ a b c RenĂ© Descartes: Meditationes de prima philosophia. 1641.
  3. ↑ Platon: Phaidon.
  4. ↑ Saul A. Kripke: Naming and Necessity. Blackwell Pub., Oxford 1981, ISBN 0-631-12801-8.
  5. ↑ Karl Popper, John Carew Eccles: Das Ich und sein Gehirn. 8. Auflage Piper, MĂŒnchen u. a. 2002, ISBN 3-492-21096-1.
  6. ↑ Roger Penrose: Schatten des Geistes: Wege zu einer neuen Physik des Bewusstseins; aus dem Englischen ĂŒbersetzt von Anita Ehlers. Heidelberg etc., Spektrum Akademischer Verlag, cop. 1995, ISBN 3-86025-260-7 – siehe insbesondere Kapitel 7: „Quantentheorie und Gehirn“.
  7. ↑ Gottfried Wilhelm Leibniz: Monadologie. 1714.
  8. ↑ Frank Cameron Jackson: What Mary didn’t know. In: Journal of Philosophy 1986, Seiten 291–295
  9. ↑ David J. Chalmers: The Conscious Mind. Oxford University Press, Oxford 1996, ISBN 0-19-511789-1.
  10. ↑ David J. Chalmers: Philosophy of Mind – Classical and Contemporary Readings. (Hrsg.) Oxford University Press, Oxford 2002, ISBN 0-19-514581-X.
  11. ↑ Hilary Putnam, Brains and Behaviour, 1965
  12. ↑ Ullin Place: Is Consciousness a Brain Process? In: British Journal of Psychology 1956
  13. ↑ John Smart: Sensations and Brain Processes In: Philosophical Review 1956
  14. ↑ a b Hilary Putnam: Psychological Predicates, in: W. H. Captain (Hrsg.): Art, Mind and Religion, Pittsburgh 1967, Seiten 37–48
  15. ↑ Donald Davidson: Essays on Actions and Events Oxford University Press, Oxford 1980, ISBN 0-19-924627-0.
  16. ↑ Die ausfĂŒhrlichste Erörterung des Themas in deutscher Sprache findet sich in: Achim Stephan: Emergenz: Von der Unvorhersagbarkeit zur Selbstorganisation, Mentis, 3. Auflage 2007, ISBN 3-89785-439-2.
  17. ↑ Paul Churchland: Eliminative Materialism and the Propositional Attitudes. In: Journal of Philosophy 1981, Seiten 67–90
  18. ↑ Patricia Churchland: Neurophilosophy: Toward a Unified Science of the Mind-Brain. MIT Press, Cambridge MA 1986, ISBN 0-262-03116-7.
  19. ↑ Avijjapaccaya Sutta :http://www.palikanon.com/samyutta/sam12_40.html#s12_35
  20. ↑ Understanding the Mind: The Nature and Power of the Mind, Tharpa Publications (2nd. ed., 1997) ISBN 978-0-948006-78-4
  21. ↑ Ludwig Wittgenstein: Philosophische Untersuchungen. 1954.
  22. ↑ Max Bennett, Peter Hacker: Philosophical Foundations of Neuroscience. Blackwel Pub, Oxford 2003, ISBN 1-4051-0838-X.
  23. ↑ Hilary Putnam: The Threefold Cord: Mind, Body, and World. John Dewey Essays in Philosophy. Columbia University Press, New York 2000, ISBN 0-231-10286-0.
  24. ↑ Dirk Hartmann: Physis und Psyche – Das Leib-Seele-Problem als Resultat der Hypostasierung theoretischer Konstrukte. In: Dieter Sturma (Hrsg.): Philosophie und Neurowissenschaften. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006 (stw 1770) Seiten 97–123, insbesondere Kapitel 3 Das Leib-Seele-Problem als Folge naturalistischer FehlschlĂŒsse Seiten 105–111
  25. ↑ Heinz-Dieter Heckmann, Sven Walter (Hrsg.): Qualia. AusgewĂ€hlte BeitrĂ€ge. Mentis, Paderborn 2001, ISBN 3-89785-184-9 (Ein Sammelband mit vielen klassischen Texten)
  26. ↑ Erwin Schrödinger erkennt in der Frage: „Welche materiellen VorgĂ€nge sind direkt mit Bewußtsein verknĂŒpft?“ das Grundproblem aller Überlegungen ĂŒber „Geist und Materie“ (siehe 1. Kapitel seines gleichnamigen Buchs).
  27. ↑ Daniel C. Dennett: The intentional stance. 7. printing. MIT Press, Cambridge Mass. 1998, ISBN 0-262-54053-3 (Diese und die folgenden beiden Quellen sind klassische Texte der IntentionalitĂ€tsdebatte.)
  28. ↑ Jerry Fodor: Psychosemantics. The problem of meaning in the philosophy of mind. 3. print. MIT Press, Cambridge 1993, ISBN 0-262-06106-6.
  29. ↑ John Searle: IntentionalitĂ€t. Eine Abhandlung zur Philosophie des Geistes. Nachdruck Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-518-28556-4.
  30. ↑ Erwin Schrödinger: Was ist Leben? Die lebende Zelle mit den Augen des Physikers betrachtet / EinfĂŒhrung von Ernst Peter Fischer. MĂŒnchen, Piper, 1987, ISBN 3-492-03122-6. – Epilog: „Über Determinismus und Willensfreiheit“, Seite 148
  31. ↑ Roger Penrose: Schatten des Geistes, Spektrum Akademischer Verlag, 1995, Kapitel 4.1: Der Geist und die Naturgesetze
  32. ↑ Gerhard Roth: Das Gehirn und seine Wirklichkeit. Kognitive Neurobiologie und ihre philosophischen Konsequenzen. 6. Auflage Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-518-58183-X.
  33. ↑ Manfred Spitzer: Selbstbestimmen. Gehirnforschung und die Frage: Was sollen wir tun?, 2003 (Das Buch wiederholt auch einige Teile des fĂŒr Didaktiker etwas tiefergehenden Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens, 2002)
  34. ↑ Alan Turing: Computing Machinery and Intelligence. In: Mind. Nr. 59, 1950, Seiten 433–460.
  35. ↑ John Searle: Minds, Brains and Programs. In: The Behavioral and Brain Sciences 3, 1980, Seiten 417–424
  36. ↑ Daniel C. Dennett: Elbow Room: The Varieties of Free Will Worth Wanting. Bradford Books-MIT Press, Cambridge MA 1984, ISBN 0-262-54042-8.
  37. ↑ Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft.
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Teil 1: Das Leib-Seele-Problem, Dualistische Antworten auf das Leib-Seele-Problem, Monistische Antworten auf das Leib-Seele-Problem, Sprachphilosophische Kritik am Leib-Seele-Problem, Der Naturalismus und seine Probleme Datei:De-Philosophie des Geistes 01-article.ogg Speichern | Informationen 
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