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Planimeter

Polarplanimeter sind am hÀufigsten verbreitet

Ein Planimeter (wegen seiner Form in Fachkreisen auch „Mogelkutsche“ genannt) ist ein mathematisches Instrument und Analogrechner, also ein mechanisches MessgerĂ€t, zur Ermittlung beliebiger FlĂ€cheninhalte in Landkarten oder Zeichnungen. Man fĂ€hrt den Rand der zu messenden FlĂ€che mit einem Fahrstift oder einer Lupe mit Fadenkreuz o. Ă€. entlang, wobei ein Messrad die FlĂ€che integriert. Der Rand ist eine geschlossene Kurve, Anfangs- und Endpunkt der Messfahrt ist derselbe. Das Vorzeichen der Messung wird dadurch bestimmt, ob der Rand im Uhrzeiger- oder Gegenuhrzeigersinn abgefahren wird.

Die zu messenden FlĂ€chen können fast beliebige Form haben (unregelmĂ€ĂŸige Polygone, andere unregelmĂ€ĂŸige FlĂ€chen, Höhenlinien oder GrundstĂŒcke), mĂŒssen aber stetige und stĂŒckweise glatte RĂ€nder haben. Die ganze FlĂ€che muss in der Reichweite des Fahrarmes liegen, d. h. einen Durchmesser haben, der kleiner ist als das Doppelte der FahrarmlĂ€nge (meist 20–30 cm). Die Genauigkeit liegt bei typischerweise ca. 1 Promille, bei speziellen GerĂ€ten auch höher.

Bauprinzip des Polarplanimeters mit Pol, Polarm, Messrolle am Fahrarm und Messlupe
Amsler Polarplanimeter

Inhaltsverzeichnis

Das Polarplanimeter

Es gibt verschiedene Arten von Planimetern wie Polarplanimeter, Scheiben- und Rollenplanimeter, von denen das erstere am meisten verbreitet ist.

Das Polarplanimeter wurde 1854 vom Schaffhauser 'Mechaniker' und Unternehmer Jakob Amsler-Laffon erfunden.

Das GerĂ€t hat einen festen Pol, der in die NĂ€he der zu messenden FlĂ€che gesetzt wird. Dann fĂ€hrt man den Rand der FlĂ€che möglichst genau ab, was zum Beispiel auf Landkarten oder KatasterplĂ€nen mit Ungenauigkeiten von etwa 0,1 bis 0,3 mm möglich ist.

Funktionsprinzip

Die mechanische Konstruktion von Planimetern beruht auf einem Prinzip von Leonhard Euler, das der bekannte Mathematiker fĂŒr die Berechnung infinitesimaler FlĂ€chen entwickelt hat, sowie auf dem Satz von Green.

Eulers Prinzip besagt, dass eine infinitesimale FlÀche aus einem infinitesimalen Parallelogramm plus einer infinitesimalen DreiecksflÀche zusammensetzbar ist. Die DreiecksflÀche wiederum besteht aus einem (endlichen) Radius sowie einem infinitesimalen Winkel.

Im Planimeter werden nun wĂ€hrend der Umfahrung der FlĂ€che mit dem Messstift oder einer Messlupe mit Fadenkreuz die kleinen Winkel fortlaufend aufsummiert (integriert). Entscheidend bei diesem Vorgang ist, dass axiale Verschiebungen der Rolle (d. h. Verschiebungen in Richtung der Drehachse) auf der Planunterlage idealerweise keinen Einfluss auf die Drehung der Rolle haben (sozusagen perfekter Schlupf in axialer Richtung).

An einer Skala, die mit einem Nonius oder einer anderen optischen Einrichtung zur Erhöhung der Ablesegenauigkeit versehen ist, kann der FlÀcheninhalt direkt abgelesen werden.

Amsler Rollenplanimeter
Rollenplanimeter zur Messung langgestreckter FlÀchen

Anpassungen und Genauigkeit

Die an der Rolle abgelesene Maßzahl der FlĂ€che ist insbesondere auch proportional zur LĂ€nge des Fahrarms. Durch Verstellung der FahrarmlĂ€nge kann ein Planimeter also an verschiedene Maßeinheiten (Quadratzentimeter, square inch, ...) oder an verschiedene Zeichnungs-MaßstĂ€be angepasst werden. Die Ungenauigkeit bei dieser Einstellung geht aber direkt ins Endergebnis ein. Manche Planimeter sind mit einem Fahrarm verstellbarer LĂ€nge mit entsprechender Einstellskala versehen, manche mit einem Fahrarm fixer LĂ€nge.

Die Genauigkeit der FlĂ€chenbestimmung kann innerhalb gewisser Grenzen noch gesteigert werden, indem man die zu bestimmende FlĂ€che vergrĂ¶ĂŸert und nach der Planimetrierung das Resultat durch das Quadrat des linearen VergrĂ¶ĂŸerungsfaktors dividiert.

Anwendung

Die Anwendung des Verfahrens ist nur durch die BaugrĂ¶ĂŸe des Planimeters beschrĂ€nkt. Bei sehr großen FlĂ€chen kann man jedoch den Pol in deren Mitte setzen (Verfahren „Pol innen“), womit sie fast 4 mal so groß sein kann wie beim normalen Modus „Pol außen“.

Es gibt auch Spezialplanimeter zur Bestimmung des statischen Moments, des TrĂ€gheitsmoments oder höherer Momente beliebiger FlĂ€chen (sogenannte Momentenplanimeter). Diese wurden z. B. im Schiffbau bei der Auslegung von Dampfmaschinen und Dieselmotoren eingesetzt, um die maschinenbedingten Schlingerbewegungen des Schiffes zu minimieren.

Literatur

  • Jakob Amsler: Über die mechanische Bestimmung des FlĂ€cheninhaltes, der statischen Momente und der TrĂ€gheitsmomente ebener Figuren. Schaffhausen 1856
  • Robert Amsler, Theodor H. Erismann: Jakob Amsler-Laffon 1823–1912, Alfred Amsler 1857–1940. Pioniere der PrĂŒfung und PrĂ€zision. Verein fĂŒr wirtschaftshistorische Studien, Meilen 1993, ISBN 3-909059-04-X
  • Andreas Galle: Mathematische Instrumente. Teubner, Leipzig 1912
  • Felix Klein: Elementarmathematik vom Höheren Standpunkte aus, Teil II: Geometrie. Vorlesung gehalten im Sommersemester 1908. Ausgearbeitet von E. Hellinger. Teubner, Leipzig 1909, S. 22–31
  • Hermann Pieper: Der Oldenburgsche Planimeter. Herold und Wahlstab, LĂŒneburg 1825 (Digitalisat)
  • Henry Selby Hele-Shaw: The Theory of Continuous Calculating Machines. In: Philosophical Transactions of the Royal Society, Part II, Bd. 176 (1885), S. 367–402
  • Simon Stampfer: Über das neue Planimeter des Caspar Wetli. In: Zeitschrift des österreichischen Ingenieur-Vereins, Band 11, Nr. 7, Wien 1850
  • William Thomson (Lord Kelvin): Mechanical Integration of the General Linear Differential Equation of any Order with Variable Coefficients (Paper VI). In: Proceedings of the Royal Society, Bd. 24 (1876), S. 271–275
  • Friedrich Adolf Willers: Mathematische Maschinen und Instrumente. Akademie-Verlag, Berlin 1951

Weblinks

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