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Der Plural (von lateinisch (numerus) pluralis âin der Mehrzahl stehendâ, abgeleitet von lat. plures âmehrereâ; Abk. Pl.) bezeichnet in der Grammatik einen Numerus und reprĂ€sentiert die Mehrzahl. Darunter fallen alle Mengen, die in einer Sprache nicht durch einen niederwertigeren Numerus abgedeckt werden. Dem Plural gegenĂŒbergestellt ist der Singular, die Einzahl. Manche Sprachen kennen zusĂ€tzlich eigene Formen fĂŒr einen sogenannten Dual (= eine Mehrheit, bestehend aus genau zwei Teilen), Trial (drei Teile) oder Paukal (ein paar Teile).
Im Deutschen gibt es den Plural bei verschiedenen Wortarten, zum Beispiel beim Verb, beim Substantiv (Namenwort oder Hauptwort), beim Artikel (Geschlechtswort) und beim Pronomen (FĂŒrwort).
In der deutschen Sprache kongruieren aufeinander bezogene Phrasen oder einzelne Bestandteile innerhalb einer Phrase hinsichtlich des Numerus miteinander:
Falsch wĂ€re z. B. âDu fahrt ĂŒber den See.â, da das Verb hier in einem anderen Numerus steht als das zugehörige Subjekt.
Richtig ist z. B. âDu fĂ€hrst ĂŒber den See.â.
Der bestimmte Artikel, der im Singular die Wortgeschlechter anzeigt (der, die, das), weist im Plural die Einheitsform die auf. FĂŒr Maskulina und Neutra gilt daher in ihrer bestimmten Verwendung bereits ein Numerusunterschied durch die Artikelform als gegeben.
Der unbestimmte Artikel (ein-) zeigt im Deutschen ĂŒblicherweise keine Pluralform: ein Stuhl â StĂŒhle. Lediglich zur besonderen Hervorhebung der Unbestimmtheit kann die Form einige eingesetzt werden: ein Stuhl â einige StĂŒhle.
Zur Pluralbildung in der deutschen Sprache werden folgende sprachliche Mittel verwendet:
Folgende Tabelle gibt eine Ăbersicht ĂŒber die Pluralbildung von Erbwörtern und Lehnwörtern:
| Pluralmorph (Endung) |
Maskulina | Feminina | Neutra | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| ohne Umlaut | mit Umlaut | ohne Umlaut | mit Umlaut | ohne Umlaut | mit Umlaut | |
| -e | Hund â Hunde | Turm â TĂŒrme | -/- | Hand â HĂ€nde | Jahr â Jahre | FloĂ â FlöĂe |
| -er | Geist â Geister | Wurm â WĂŒrmer | -/- | -/- | Ei â Eier | Amt â Ămter |
| -(e)n | Bauer â Bauern | -/- | Tafel â Tafeln | Werkstatt â WerkstĂ€tten | Ohr â Ohren | -/- |
| -s | Uhu â Uhus | -/- | Boa â Boas | -/- | Deck â Decks | -/- |
| -Ăž | BĂŒrger â BĂŒrger | Vater â VĂ€ter | -/- | Mutter â MĂŒtter | Messer â Messer | -/- |
Wie man erkennen kann, sind die Arten der Pluralbildung vielfÀltig und arbitrÀr; weder vom Genus noch von der Lautgestalt des Substantivs sind eindeutige Regeln vorhersagbar. Es gibt dennoch einige ZusammenhÀnge zwischen Genus und Pluralform eines Substantivs (vgl. folgendes Unterkapitel).
Jacob Grimm stellte fest, dass die Pluralbildung im Allgemeinen vom Genus des Wortes abhÀngig ist und meist
erhalten. Die Distribution der einzelnen Allomorphe ist aber morphologisch bedingt, d. h. es kann keine allgemeingĂŒltige Regel angegeben werden, mit der man aus dem Aussehen des Singulars auf den Plural schlieĂen könnte. Nur die Wahl zwischen -n und -en ist phonetisch bedingt.
Manchmal existieren verschiedene Pluralformen eines Wortes, zum Beispiel
Dabei gibt es einen Bedeutungsunterschied in der hochdeutschen Sprache. "Die Worte" beziehen sich auf das Wort als Aussage, wÀhrend "die Wörter" sich eher auf die grammatische Bedeutung von "Wort" beziehen.
Dieser Plural ist typisch fĂŒr die deutsche Sprache, wenn auch ungleich auf die Genera verteilt. So gibt es zwar ĂŒber 200 maskuline Wörter aus dem Erbwortschatz, die einen e-Plural bilden, aber nur etwa 60 Neutra und 40 Feminina. WĂ€hrend letztere stets Umlaut zeigen, wo dieser möglich ist, tritt der Umlaut bei Maskulina und Neutra unregelmĂ€Ăig auf.
Innerhalb der indogermanischen und sogar der germanischen Sprachen ist der e-Plural eher selten; er tritt jedoch auch im DĂ€nischen auf (vermutlich durch deutschen Einfluss mitbedingt).
Einige Feminina sind bereits im Schwange vom e- zum n-Plural zu wechseln, so wie es das Simplex Flucht (Fluchten, aber noch: AusflĂŒchte), ferner die Wörter Saat oder Schlucht bereits getan haben (*SĂ€te, SchlĂŒchte > Saaten, Schluchten).
Vor allem Feminina bilden im Deutschen einen Plural auf -n; dabei enden sie im Singular typischerweise auf -e, -el oder -er:
Feminina auf -er oder -el verhalten sich deshalb anders als gleichförmige Maskulina oder Neutra, weil der Plural bei ihnen nur durch die Endung und nicht, wie bei jenen, durch den Wechsel des Artikels ausgedrĂŒckt werden kann.
AuĂerdem bilden einige Maskulina einen n-Plural; es handelt sich dabei vorwiegend um belebte Substantive auf -e, z. B. der Bube, der Knabe, der Rabe, der Löwe, der Grieche, der Schwede; sowie ferner um einige wenige Substantive auf -er, etwa der Bauer, der Bayer, der Vetter.
Eine weitere Gruppe von vor allem maskulinen Wörtern mit Plural auf -n sind Wörter lateinischer oder griechischer Herkunft mit Endbetonung oder Betonung auf der vorletzten Silbe, die Personen bezeichnen, z. B.:
SchlieĂlich existiert noch eine Gruppe neutraler Lehnwörter, welche ebenfalls zumeist aus dem Lateinischen oder Griechischen stammen und eine endbetonte Stammform im Singular zeigen; diese nehmen einen Plural auf -ien an, z. B.:
sowie als einziges Erbwort:
Die meisten dieser Wörter haben ihr Singularmorph -um abgestoĂen; einige jedoch behalten dieses Suffix weiterhin und zeigen so Suffixwechsel bei der Numerusbildung:
Siehe aber auch das Unterkapitel zum Plural von Fremdwörtern.
Der Plural auf -r betrifft ĂŒbersprĂŒnglich nur eine kleine Klasse von Neutra (nĂ€mlich Begriffe fĂŒr Tierjunge) und wurde von dort ausgehend mittels Analogie auch auf andere Wörter ĂŒbertragen. Heute flektieren etwa ein Dutzend Maskulina und mehrere Dutzend Neutra nach diesem Muster, das nur im Mittelhochdeutschen produktiv war; dabei tritt immer, wo möglich, Umlaut ein.
Feminine r-Plurale sind im Standarddeutschen nicht belegt; im österreichischen Deutsch indes existiert fĂŒr "Tomate" ein Singular die Paradeis mit zugehörigem Plural die Paradeiser. HĂ€ufig wird jedoch die Paradeiser auch als Singular verwendet.
Pluralformen auf -s sind historisch eigentlich untypisch und fĂŒr die deutsche Sprache erst relativ spĂ€t belegt; sie existieren jedoch auch in anderen westgermanischen Sprachen, wie im NiederlĂ€ndischen und vor allem im Englischen.
Heute gehört die s-Endung zum Standard der deutschen Pluralbildung. Sie wird immer verwendet, wenn keine andere Möglichkeit vorhanden ist (unter anderem, wenn man das Wort nicht durch Analogie zu anderen Pluralformen einordnen kann), zum Beispiel bei Akronymen und vielen Fremdwörtern, vor allem solchen englischer oder französischer Herkunft:
Der s-Plural wird zudem fĂŒr die Kennzeichnung von Gruppen gleichen Familiennamens verwendet; man vergleiche:
aber:
Endungslos und formengleich mit dem Singular ist der Plural bei vielen Maskulina und Neutra auf -el, -en oder -er:
Nullplural zeigen ebenfalls Neutra auf -e; dabei handelt es sich zumeist um Kollektivsubstantive mit PrĂ€fix ge- z. B. GebĂ€ude, Gebilde, Gebirge sowie auĂerdem um das Wort KĂ€se.
Zweisilbige Maskulina auf -el, -en oder -er unterscheiden die Singular- von der Pluralform oft durch Umlautung des Stammvokals:
Sowohl mit als auch ohne Umlaut erscheint der Plural etwa von Wagen: die Wagen / die WĂ€gen.
Umlaut tritt jedoch auch bei der Pluralbildung von Substantiven auf, welche sich eines Pluralmorphs bedienen; typischerweise handelt es sich dabei um Maskulina mit e-Plural oder Neutra mit r-Plural; fĂŒr einsilbige Feminina mit e-Plural ist Umlaut obligatorisch. Andere Feminina zeigen keine Umlautung im Plural, ausgenommen Komposita auf -statt (Plural: -stĂ€tten).
In Verbindung mit dem n-Plural tritt, von diesem Fall abgesehen, kein Umlaut auf; selbiges gilt ausnahmslos fĂŒr den s-Plural.
Bei Wörtern aus Fachsprachen kommt es mitunter zu ungewöhnlichen Pluralformen, welche der fremden Herkunft dieser Wörter geschuldet sind:
Bei Fremdwörtern werden im Deutschen auch Plurale gebildet, welche sich in der Morphologie (nicht aber unbedingt in der Aussprache) an der Pluralform der Herkunftssprache des betreffenden Wortes orientieren:
Folgende Wörter bilden im Deutschen einen Plural mittels Einschub eines Dentallautes -d- oder -t- zwischen Wortstamm und Plural:
In einem Aufforderungssatz wird umgangssprachlich manchmal ein zusĂ€tzliches -s an den bereits markierten Plural angefĂŒgt:
Eine parallele Ăbermarkierung zeigt sich beim Ăquivalent zu deutsch "Kind" im NiederlĂ€ndischen (het kind â de kinderen) und im Englisch (child â children).
Entstanden ist Letzterer, nachdem die Ă€ltere, der deutschen Form Ă€quivalente Pluralform childer mit der Pluralendung -er nicht mehr klar war; deshalb wurde die neue Pluralendung -en angefĂŒgt, die damals noch produktiv war (vgl. die Reliktform ox â oxen). Manchmal hört man heute bereits die (grammatisch falsche) Form childrens, bei der noch eine dritte Endung, nĂ€mlich die heutige Standardendung -s angefĂŒgt wird.
FĂŒr Komposita, also zusammengesetzte Substantive, gilt im Deutschen die Regel, dass nur das jeweilige Hinterglied einen Plural bildet:
Dies gilt nicht in manchen deutschen Dialekten, etwa im Bairischen, wo manchmal auch das Vorderglied einen Plural bilden kann:
Manche Wörter haben keinen Plural, man spricht hier von Singulariatantum.
Ein Substantiv, das nur im Plural gebrÀuchlich ist, nennt man Pluraletantum.
Bei manchen nur im Plural vorhandenen Wörtern ist der Singular in der hochdeutschen Sprache verschwunden, kann aber in Dialekten noch vorhanden sein.
Falls man diese Form mit einem weiteren Suffix in eine Einzahl verwandeln kann, spricht man von einem Singulativ (im Deutschen selten).
Bei einigen Wörtern kommt im Plural eine Bedeutungsverschiebung zum Ausdruck:
FrĂŒher wurde auch der Begriff innerer Plural verwendet, um ein Wort zu beschreiben, das rein formal im Singular auftritt, das semantisch aber eine Mehrzahl bezeichnet. Dabei ist meist eine unbestimmte Menge gemeint (Plural der unbestimmten Menge), die keine grammatische Mehrzahl hat. Die heute ĂŒbliche Bezeichnung ist Kollektivum:
Vergleichbare Formen werden aber auch von Verben gebildet: rauschen â GerĂ€usch, brauen â GebrĂ€u.
Beim attributiven Adjektiv (Eigenschaftswort) tritt der Plural in Ăbereinklang mit dem entsprechenden Substantiv auf und wird entsprechend dekliniert:
Nicht dagegen beim prÀdikativen Adjektiv:
Dabei kann das Substantiv auch ausgelassen werden, wenn es sich aus dem Kontext ergibt:
Bei Personalpronomen haben Singular und Plural unterschiedliche Bezeichnungen. Auch die Deklinationsformen sind unregelmĂ€Ăig.
Viele Sprachen der Welt haben eine morphologische Numerusunterscheidung und kennen deshalb auch die Kategorie Plural. Es gibt jedoch auch Sprachen, z. B. das Chinesische, die die Kategorie Numerus nicht kennen und die deshalb auch ĂŒber keinen Plural verfĂŒgen. Ausdruck der Mehrzahl erfolgt dann ĂŒber unabhĂ€ngige ZĂ€hlwörter. Von der Sprache der PirahĂŁ wird gesagt, dass sie ĂŒber keine Möglichkeit zur Unterscheidung des Plurals verfĂŒge.
Die meisten indogermanischen Sprachen bilden Pluralformen fĂŒr gewöhnlich durch flexionsmorphologische VorgĂ€nge, in erster Linie durch Suffigierung. Ein typisches Suffix zum Beispiel fĂŒr die westromanischen Sprachen; man vergleiche zum Beispiel das jeweilige Wort fĂŒr "Zunge" in folgenden Sprachen:
Anders verhalten sich die ostromanischen; hier zeigt sich ein Suffixwechsel, ebenso wie im Lateinischen:
Auch die slawischen Sprachen kennen einen vergleichbaren Suffixwechsel, zumindest bei femininen und neutralen Substantiven; man vergleiche das Wort fĂŒr "Kopf":
In den germanischen Sprachen haben sich dagegen andere Suffixe als Pluralmarker etabliert, die mit den deutschen vergleichbar sind. So ist im NiederlĂ€ndischen, im Niederdeutschen und im Friesischen der Plural auf -(e)n sehr verbreitet, in den skandinavischen Sprachen dagegen jener auf -(e)r. Der englische Plural auf -(e)s ist eine Weiterentwicklung dieses skandinavischen Plurals. Vergleiche hierzu das Wort fĂŒr "Arm":
Eine Vielzahl an Möglichkeiten der Pluralbildung findet sich auĂer im Deutschen vor allem im Albanischen und in den keltischen Sprachen. Das Kymrische etwa zeigt sogar die Besonderheit eines sogenannten subtraktiven Plurals, bei dem ein eventuell vorhandenes Singularsuffix getilgt wird:
Aber auch eine Vielzahl von Umlautpluralen sind im Kymrischen belegt:
Beziehungsweise eine Kombination von beiden (Tilgung des Singularsuffixes und der dadurch bedingte Wegfall des Umlauts):
Ăhnlich komplexe Umlautformen zeigt ansonsten noch das IslĂ€ndische:
Auch in anderen Sprachfamilien findet Pluralbildung mittels Suffigierung statt; man nehme zum Beispiel den Plural von "Zahn":
Die Verteilung der Suffixe erfolgt in beiden Sprachen weitgehend nach den GrundsÀtzen der Vokalharmonie.
Im Arabischen werden interne und externe Plurale unterschieden. Externe Plurale werden durch Suffigierung gebildet, interne durch Umstrukturierung der Wortbasis:
In malayo-polynesischen Sprachen ist die Pluralbildung durch Reduplikation charakteristisch.
In Plansprachen wie Esperanto bildet man den Plural oft durch ein allgemeines Prinzip, etwa durch AnhĂ€ngen eines -j an das Substantiv: domo "Haus" â domoj. Davon abweichende oder unregelmĂ€Ăige Pluralformen finden sich nicht.
In manchen Sprachen (z. B. den Drawidischen Sprachen, den Tupi-Guarani-Sprachen und den Algonkin-Sprachen ist die Kategorie Plural semantisch feinkörniger differenziert als etwa im Deutschen: Es gibt ein Pluralmorphem, das verwendet wird, wenn der Sprecher und seine Gruppe, nicht aber die Zuhörer gemeint sind (exklusiv) und ein Pluralmorphem, das verwendet wird, wenn der Sprecher, seine Gruppe und die Zuhörer gemeint sind, siehe inklusives und exklusives Wir.
Es gibt einige FĂ€lle der Verwendung des Plurals, die sich dadurch auszeichnen, dass eigentlich nur eine einzelne Person gemeint ist, dennoch aber der Plural verwendet wird. FĂŒr diese FĂ€lle haben sich in der Sprachwissenschaft folgende Unterscheidungen und Begriffe eingebĂŒrgert:[1]
Kasus: Nominativ | Genitiv | Dativ | Akkusativ
Numerus: Singular | Plural | Singularetantum | Pluraletantum