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Plural

Der Plural (von lateinisch (numerus) pluralis ‚in der Mehrzahl stehend‘, abgeleitet von lat. plures ‚mehrere‘; Abk. Pl.) bezeichnet in der Grammatik einen Numerus und reprĂ€sentiert die Mehrzahl. Darunter fallen alle Mengen, die in einer Sprache nicht durch einen niederwertigeren Numerus abgedeckt werden. Dem Plural gegenĂŒbergestellt ist der Singular, die Einzahl. Manche Sprachen kennen zusĂ€tzlich eigene Formen fĂŒr einen sogenannten Dual (= eine Mehrheit, bestehend aus genau zwei Teilen), Trial (drei Teile) oder Paukal (ein paar Teile).

Inhaltsverzeichnis

Der Plural im Deutschen

Im Deutschen gibt es den Plural bei verschiedenen Wortarten, zum Beispiel beim Verb, beim Substantiv (Namenwort oder Hauptwort), beim Artikel (Geschlechtswort) und beim Pronomen (FĂŒrwort).

In der deutschen Sprache kongruieren aufeinander bezogene Phrasen oder einzelne Bestandteile innerhalb einer Phrase hinsichtlich des Numerus miteinander:

  • Sie fahren. (Subjekt und PrĂ€dikat)
  • Ich fahre ĂŒber die großen Seen. (Objekt, zugehörender Artikel)
  • Wir fahren durch die WĂ€lder. (Kombination beider Arten)
  • Mutti und Vati fahren. (Besteht die Nominalphrase aus mehreren im Singular stehenden Nomina, wird am Verb auch der Plural markiert.)
  • Die SchĂŒler und der Lehrer betreten das Klassenzimmer. (Bei gemischten Numeri des Subjekts wird am Verb der Plural angewendet.)

Falsch wĂ€re z. B. „Du fahrt ĂŒber den See.“, da das Verb hier in einem anderen Numerus steht als das zugehörige Subjekt.
Richtig ist z. B. „Du fĂ€hrst ĂŒber den See.“.

Pluralbildung des Artikels

Der bestimmte Artikel, der im Singular die Wortgeschlechter anzeigt (der, die, das), weist im Plural die Einheitsform die auf. FĂŒr Maskulina und Neutra gilt daher in ihrer bestimmten Verwendung bereits ein Numerusunterschied durch die Artikelform als gegeben.

Der unbestimmte Artikel (ein-) zeigt im Deutschen ĂŒblicherweise keine Pluralform: ein Stuhl – StĂŒhle. Lediglich zur besonderen Hervorhebung der Unbestimmtheit kann die Form einige eingesetzt werden: ein Stuhl – einige StĂŒhle.

Pluralbildung bei Substantiven

Zur Pluralbildung in der deutschen Sprache werden folgende sprachliche Mittel verwendet:

  1. additiv-agglutinierende (nÀmlich die Suffixe -e, -er, -(e)n und -s, vgl. Tabelle)
  2. modifikatorische (nĂ€mlich Umlaut: der Magen – die MĂ€gen)
  3. morphosyntaktische (nĂ€mlich die Artikelunterscheidung bei Nullpluralen: der Wagen – die Wagen).

Folgende Tabelle gibt eine Übersicht ĂŒber die Pluralbildung von Erbwörtern und Lehnwörtern:

Pluralmorph
(Endung)
Maskulina Feminina Neutra
ohne Umlaut mit Umlaut ohne Umlaut mit Umlaut ohne Umlaut mit Umlaut
-e Hund – Hunde Turm – TĂŒrme -/- Hand – HĂ€nde Jahr – Jahre Floß – FlĂ¶ĂŸe
-er Geist – Geister Wurm – WĂŒrmer -/- -/- Ei – Eier Amt – Ämter
-(e)n Bauer – Bauern -/- Tafel – Tafeln Werkstatt – WerkstĂ€tten Ohr – Ohren -/-
-s Uhu – Uhus -/- Boa – Boas -/- Deck – Decks -/-
-Ăž BĂŒrger – BĂŒrger Vater – VĂ€ter -/- Mutter – MĂŒtter Messer – Messer -/-

Wie man erkennen kann, sind die Arten der Pluralbildung vielfÀltig und arbitrÀr; weder vom Genus noch von der Lautgestalt des Substantivs sind eindeutige Regeln vorhersagbar. Es gibt dennoch einige ZusammenhÀnge zwischen Genus und Pluralform eines Substantivs (vgl. folgendes Unterkapitel).

VerhÀltnis von Genus und Plural

Jacob Grimm stellte fest, dass die Pluralbildung im Allgemeinen vom Genus des Wortes abhÀngig ist und meist

  • Maskulina die Endung -e
  • Neutra die Endung -er
  • Feminina die Endung -(e)n

erhalten. Die Distribution der einzelnen Allomorphe ist aber morphologisch bedingt, d. h. es kann keine allgemeingĂŒltige Regel angegeben werden, mit der man aus dem Aussehen des Singulars auf den Plural schließen könnte. Nur die Wahl zwischen -n und -en ist phonetisch bedingt.

Doppelformen in der Pluralbildung

Manchmal existieren verschiedene Pluralformen eines Wortes, zum Beispiel

  • das Wort – die Wörter oder die Worte

Dabei gibt es einen Bedeutungsunterschied in der hochdeutschen Sprache. "Die Worte" beziehen sich auf das Wort als Aussage, wÀhrend "die Wörter" sich eher auf die grammatische Bedeutung von "Wort" beziehen.

  • der Park – die Parks oder die PĂ€rke (CH)
  • der Tunnel – die Tunnel und die Tunnels
  • der Luftballon – die Luftballone und die Luftballons

Der e-Plural

Dieser Plural ist typisch fĂŒr die deutsche Sprache, wenn auch ungleich auf die Genera verteilt. So gibt es zwar ĂŒber 200 maskuline Wörter aus dem Erbwortschatz, die einen e-Plural bilden, aber nur etwa 60 Neutra und 40 Feminina. WĂ€hrend letztere stets Umlaut zeigen, wo dieser möglich ist, tritt der Umlaut bei Maskulina und Neutra unregelmĂ€ĂŸig auf.

Innerhalb der indogermanischen und sogar der germanischen Sprachen ist der e-Plural eher selten; er tritt jedoch auch im DĂ€nischen auf (vermutlich durch deutschen Einfluss mitbedingt).

  • Feminina ohne Umlaut: sĂ€mtliche Feminina auf -nis (Plural mit Auslautverdoppelung: -nisse)
  • Feminina mit Umlaut: Angst, Axt, Bank, Braut, Brunst, Brust, Faust, -flucht (z. B. Ausflucht), Frucht, Gans, Gruft, Hand, Haut, Kluft (auch n-Plural), Kraft, Kuh, -kunft, Kunst, Laus, Luft, Lust, Macht, Magd, Maus, Nacht, Naht (auch n-Plural), Not, Nuss, Sau (auch n-Plural), Schnur, Stadt, Sucht, Wand, Wurst, Zunft.

Einige Feminina sind bereits im Schwange vom e- zum n-Plural zu wechseln, so wie es das Simplex Flucht (Fluchten, aber noch: AusflĂŒchte), ferner die Wörter Saat oder Schlucht bereits getan haben (*SĂ€te, SchlĂŒchte > Saaten, Schluchten).

Der n-Plural

Vor allem Feminina bilden im Deutschen einen Plural auf -n; dabei enden sie im Singular typischerweise auf -e, -el oder -er:

  • die Erbse – die Erbsen
  • die Leiter – die Leitern
  • die Partikel – die Partikeln

Feminina auf -er oder -el verhalten sich deshalb anders als gleichförmige Maskulina oder Neutra, weil der Plural bei ihnen nur durch die Endung und nicht, wie bei jenen, durch den Wechsel des Artikels ausgedrĂŒckt werden kann.

Außerdem bilden einige Maskulina einen n-Plural; es handelt sich dabei vorwiegend um belebte Substantive auf -e, z. B. der Bube, der Knabe, der Rabe, der Löwe, der Grieche, der Schwede; sowie ferner um einige wenige Substantive auf -er, etwa der Bauer, der Bayer, der Vetter.

Eine weitere Gruppe von vor allem maskulinen Wörtern mit Plural auf -n sind Wörter lateinischer oder griechischer Herkunft mit Endbetonung oder Betonung auf der vorletzten Silbe, die Personen bezeichnen, z. B.:

  • auf -at: der Advokat, der Pirat, der Soldat
  • auf -et: der Poet, der Prophet, der Prolet
  • auf -or: der Doktor, der Juror, der Professor

Schließlich existiert noch eine Gruppe neutraler Lehnwörter, welche ebenfalls zumeist aus dem Lateinischen oder Griechischen stammen und eine endbetonte Stammform im Singular zeigen; diese nehmen einen Plural auf -ien an, z. B.:

  • das Fossil – die Fossilien (neben: die Fossile)
  • das Indiz – die Indizien
  • das Utensil – die Utensilien

sowie als einziges Erbwort:

  • das Kleinod – die Kleinodien

Die meisten dieser Wörter haben ihr Singularmorph -um abgestoßen; einige jedoch behalten dieses Suffix weiterhin und zeigen so Suffixwechsel bei der Numerusbildung:

  • das Museum – die Museen
  • das Sanatorium – die Sanatorien

Siehe aber auch das Unterkapitel zum Plural von Fremdwörtern.

Der r-Plural

Der Plural auf -r betrifft ĂŒbersprĂŒnglich nur eine kleine Klasse von Neutra (nĂ€mlich Begriffe fĂŒr Tierjunge) und wurde von dort ausgehend mittels Analogie auch auf andere Wörter ĂŒbertragen. Heute flektieren etwa ein Dutzend Maskulina und mehrere Dutzend Neutra nach diesem Muster, das nur im Mittelhochdeutschen produktiv war; dabei tritt immer, wo möglich, Umlaut ein.

  • Maskulina ohne Umlaut: Geist, Leib, Ski/Schi.
  • Maskulina mit Umlaut: Gott, Mann, Mund, Rand, Schlund, Strauch, -tum (z. B. Reichtum), Wald, Wurm.
  • Neutra ohne Umlaut: Biest, Bild, Brett, Ei, Feld, Geld, GemĂŒt, Geschlecht, Gesicht, Gespenst, Kind, Kleid, Lid, Lied, Nest, Regiment, Rind, Schild, Schwert, Viech.
  • Neutra mit Umlaut: Aas, Amt, Bad, Blatt, Buch, Dach, Dorf, Fach, Gehalt, Gemach, Geschmack, Gewand, Glas, Grab, Gras, Gut, Haupt, Haus, Holz, Horn, Huhn, Kaff, Kalb, Korn, Kraut, Lamm, Land, Mahl (auch e-Plural), -mal (auch e-Plural, z. B. Denkmal), Maul, Rad, Ross (auch e-Plural), Schloss, Spital, Tal, Trumm, Tuch, Volk, Wort.

Feminine r-Plurale sind im Standarddeutschen nicht belegt; im österreichischen Deutsch indes existiert fĂŒr "Tomate" ein Singular die Paradeis mit zugehörigem Plural die Paradeiser. HĂ€ufig wird jedoch die Paradeiser auch als Singular verwendet.

Der s-Plural

Pluralformen auf -s sind historisch eigentlich untypisch und fĂŒr die deutsche Sprache erst relativ spĂ€t belegt; sie existieren jedoch auch in anderen westgermanischen Sprachen, wie im NiederlĂ€ndischen und vor allem im Englischen.

Heute gehört die s-Endung zum Standard der deutschen Pluralbildung. Sie wird immer verwendet, wenn keine andere Möglichkeit vorhanden ist (unter anderem, wenn man das Wort nicht durch Analogie zu anderen Pluralformen einordnen kann), zum Beispiel bei Akronymen und vielen Fremdwörtern, vor allem solchen englischer oder französischer Herkunft:

  • die CD – die CDs
  • die GmbH – die GmbHs
  • der Akku – die Akkus
  • der Cousin – die Cousins
  • der Job – die Jobs
  • das Handy – die Handys

Der s-Plural wird zudem fĂŒr die Kennzeichnung von Gruppen gleichen Familiennamens verwendet; man vergleiche:

  • die MĂŒllers (mehrere Mitglieder der Familie MĂŒller)

aber:

  • der MĂŒller – die MĂŒller (Beruf)

Der Nullplural

Endungslos und formengleich mit dem Singular ist der Plural bei vielen Maskulina und Neutra auf -el, -en oder -er:

  • der GĂŒrtel – die GĂŒrtel
  • der Kuchen – die Kuchen
  • der Laster – die Laster (im Sinne von 'Lastwagen')
  • das Laster – die Laster (im Sinne von 'Untugend')
  • das MĂŒndel – die MĂŒndel
  • das Lebewesen – die Lebewesen

Nullplural zeigen ebenfalls Neutra auf -e; dabei handelt es sich zumeist um Kollektivsubstantive mit PrĂ€fix ge- z. B. GebĂ€ude, Gebilde, Gebirge sowie außerdem um das Wort KĂ€se.

Der (reine) Umlautplural

Zweisilbige Maskulina auf -el, -en oder -er unterscheiden die Singular- von der Pluralform oft durch Umlautung des Stammvokals:

  • der Apfel – die Äpfel
  • der Boden – die Böden
  • der Vater – die VĂ€ter

Sowohl mit als auch ohne Umlaut erscheint der Plural etwa von Wagen: die Wagen / die WĂ€gen.

Der kombinierte Umlautplural

Umlaut tritt jedoch auch bei der Pluralbildung von Substantiven auf, welche sich eines Pluralmorphs bedienen; typischerweise handelt es sich dabei um Maskulina mit e-Plural oder Neutra mit r-Plural; fĂŒr einsilbige Feminina mit e-Plural ist Umlaut obligatorisch. Andere Feminina zeigen keine Umlautung im Plural, ausgenommen Komposita auf -statt (Plural: -stĂ€tten).

In Verbindung mit dem n-Plural tritt, von diesem Fall abgesehen, kein Umlaut auf; selbiges gilt ausnahmslos fĂŒr den s-Plural.

Spezielle Fremdwortplurale

Bei Wörtern aus Fachsprachen kommt es mitunter zu ungewöhnlichen Pluralformen, welche der fremden Herkunft dieser Wörter geschuldet sind:

  • das Visum – die Visa
  • die Sphinx – die Sphingen oder die Sphinxe
  • der Pharao – die Pharaonen
  • der Embryo – die Embryonen oder die Embryos

Originalpluralformen von Fremdwörtern

Bei Fremdwörtern werden im Deutschen auch Plurale gebildet, welche sich in der Morphologie (nicht aber unbedingt in der Aussprache) an der Pluralform der Herkunftssprache des betreffenden Wortes orientieren:

  • der Espresso – die Espressi (Originalplural) neben die Espressos (eingedeutschter Plural)
  • die Pizza – die Pizze (Originalplural) neben die Pizzen oder die Pizzas (beides eingedeutschte Plurale)
  • der Kasus – die Kasus (Gelehrtenplural nach lateinischem Vorbild: Singular mit kurzem, Plural mit langem u)
  • der Tenuis – die Tenues

Ungewöhnliche und ĂŒbermarkierte Pluralformen

Folgende Wörter bilden im Deutschen einen Plural mittels Einschub eines Dentallautes -d- oder -t- zwischen Wortstamm und Plural:

  • der Bau – die Bauten (neben die Baue)
  • der Zeitlauf – die ZeitlĂ€ufte
  • die Unbill – die Unbilden

In einem Aufforderungssatz wird umgangssprachlich manchmal ein zusĂ€tzliches -s an den bereits markierten Plural angefĂŒgt:

  • Kind – Kinders
  • Weib – Weibers
  • als Pluraletantum: Leuts, auch geschrieben Leutz

Eine parallele Übermarkierung zeigt sich beim Äquivalent zu deutsch "Kind" im NiederlĂ€ndischen (het kind – de kinderen) und im Englisch (child – children).

Entstanden ist Letzterer, nachdem die Ă€ltere, der deutschen Form Ă€quivalente Pluralform childer mit der Pluralendung -er nicht mehr klar war; deshalb wurde die neue Pluralendung -en angefĂŒgt, die damals noch produktiv war (vgl. die Reliktform ox – oxen). Manchmal hört man heute bereits die (grammatisch falsche) Form childrens, bei der noch eine dritte Endung, nĂ€mlich die heutige Standardendung -s angefĂŒgt wird.

Plural von Komposita

FĂŒr Komposita, also zusammengesetzte Substantive, gilt im Deutschen die Regel, dass nur das jeweilige Hinterglied einen Plural bildet:

  • der Apfelbaum – die ApfelbĂ€ume (nicht: *die ÄpfelbĂ€ume)
  • die Wurstsemmel – die Wurstsemmeln (nicht: *die WĂŒrstesemmeln)
  • der Semmelknödel – die Semmelknödel (man vergleiche aber den Valentinschen Scherzplural Semmelnknödeln)

Dies gilt nicht in manchen deutschen Dialekten, etwa im Bairischen, wo manchmal auch das Vorderglied einen Plural bilden kann:

  • ÅpfibĂ m – ÄpfibĂ m (neben OpfibĂ ma und ÄpfibĂ ma)

PluralbeschrÀnkungen

Singulariatantum

Manche Wörter haben keinen Plural, man spricht hier von Singulariatantum.

Pluraliatantum

Ein Substantiv, das nur im Plural gebrÀuchlich ist, nennt man Pluraletantum.

  • Ferien, Kosten

Bei manchen nur im Plural vorhandenen Wörtern ist der Singular in der hochdeutschen Sprache verschwunden, kann aber in Dialekten noch vorhanden sein.

  • TrĂŒmmer (Singular war Trumm)

Falls man diese Form mit einem weiteren Suffix in eine Einzahl verwandeln kann, spricht man von einem Singulativ (im Deutschen selten).

  • Besonderheit: der Kaufmann – die Kaufleute oder der Oberst – die Obersten (veraltet: Obrist – Obristen)

Bedeutungsverschiebung

Bei einigen Wörtern kommt im Plural eine Bedeutungsverschiebung zum Ausdruck:

  • das Wasser (Bezeichnung einer unbestimmten Menge an Wasser)
  • die Wasser (verschiedene Sorten Wasser, FlĂŒsse, Seen, etc.)
  • die WĂ€sser (verschiedene Sorten Trinkwasser)

FrĂŒher wurde auch der Begriff innerer Plural verwendet, um ein Wort zu beschreiben, das rein formal im Singular auftritt, das semantisch aber eine Mehrzahl bezeichnet. Dabei ist meist eine unbestimmte Menge gemeint (Plural der unbestimmten Menge), die keine grammatische Mehrzahl hat. Die heute ĂŒbliche Bezeichnung ist Kollektivum:

  • der Ast – die Äste – das GeĂ€st
  • der Strauch – die StrĂ€ucher – das GestrĂ€uch
  • der Wurm – die WĂŒrmer – das GewĂŒrm

Vergleichbare Formen werden aber auch von Verben gebildet: rauschen – GerĂ€usch, brauen – GebrĂ€u.

Plural bei Adjektiven

Beim attributiven Adjektiv (Eigenschaftswort) tritt der Plural in Übereinklang mit dem entsprechenden Substantiv auf und wird entsprechend dekliniert:

Nicht dagegen beim prÀdikativen Adjektiv:

  • Die StĂŒhle sind rot.

Dabei kann das Substantiv auch ausgelassen werden, wenn es sich aus dem Kontext ergibt:

  • Wo sind die StĂŒhle? Die gelben stehen vor der TĂŒr.

Plural von Personalpronomen

Bei Personalpronomen haben Singular und Plural unterschiedliche Bezeichnungen. Auch die Deklinationsformen sind unregelmĂ€ĂŸig.

  • ich → wir
  • du → ihr
  • er, sie, es → sie

Der Plural in anderen Sprachen

Viele Sprachen der Welt haben eine morphologische Numerusunterscheidung und kennen deshalb auch die Kategorie Plural. Es gibt jedoch auch Sprachen, z. B. das Chinesische, die die Kategorie Numerus nicht kennen und die deshalb auch ĂŒber keinen Plural verfĂŒgen. Ausdruck der Mehrzahl erfolgt dann ĂŒber unabhĂ€ngige ZĂ€hlwörter. Von der Sprache der PirahĂŁ wird gesagt, dass sie ĂŒber keine Möglichkeit zur Unterscheidung des Plurals verfĂŒge.

Plural in indogermanischen Sprachen

Die meisten indogermanischen Sprachen bilden Pluralformen fĂŒr gewöhnlich durch flexionsmorphologische VorgĂ€nge, in erster Linie durch Suffigierung. Ein typisches Suffix zum Beispiel fĂŒr die westromanischen Sprachen; man vergleiche zum Beispiel das jeweilige Wort fĂŒr "Zunge" in folgenden Sprachen:

  • Französisch: langue – langues
  • Katalanisch: llengua – llengĂŒes
  • Spanisch: lengua – lenguas
  • Portugiesisch: lĂ­ngua – lĂ­nguas
  • RĂ€toromanisch: lingua – linguas
  • Sardisch: limba – limbas

Anders verhalten sich die ostromanischen; hier zeigt sich ein Suffixwechsel, ebenso wie im Lateinischen:

  • Lateinisch: lingua – linguae
  • Italienisch: lingua – lingue
  • RumĂ€nisch: limbă – limbi

Auch die slawischen Sprachen kennen einen vergleichbaren Suffixwechsel, zumindest bei femininen und neutralen Substantiven; man vergleiche das Wort fĂŒr "Kopf":

  • Bulgarisch: glava – glavi (gilt auch fĂŒr Makedonisch)
  • Slowenisch: glava – glave (gilt auch fĂŒr Serbokroatisch)
  • Slowakisch: hlava – hlavy (gilt auch fĂŒr Tschechisch)
  • Polnisch: gƂowa – gƂowy (gilt auch fĂŒr Niedersorbisch)
  • Obersorbisch: hƂowa - hƂowy
  • Russisch: golova – golovy (gilt auch fĂŒr Ukrainisch)

In den germanischen Sprachen haben sich dagegen andere Suffixe als Pluralmarker etabliert, die mit den deutschen vergleichbar sind. So ist im NiederlĂ€ndischen, im Niederdeutschen und im Friesischen der Plural auf -(e)n sehr verbreitet, in den skandinavischen Sprachen dagegen jener auf -(e)r. Der englische Plural auf -(e)s ist eine Weiterentwicklung dieses skandinavischen Plurals. Vergleiche hierzu das Wort fĂŒr "Arm":

  • NiederlĂ€ndisch: arm – armen
  • Friesisch: earm – earmen
  • Schwedisch: arm – armar
  • Norwegisch: arm – armer
  • Englisch: arm – arms

Eine Vielzahl an Möglichkeiten der Pluralbildung findet sich außer im Deutschen vor allem im Albanischen und in den keltischen Sprachen. Das Kymrische etwa zeigt sogar die Besonderheit eines sogenannten subtraktiven Plurals, bei dem ein eventuell vorhandenes Singularsuffix getilgt wird:

  • mochyn "Schwein" – moch
  • pysen "Erbse" – pys
  • psygodyn "Fisch" – pysgod
  • blodyn "Blume" – blodau

Aber auch eine Vielzahl von Umlautpluralen sind im Kymrischen belegt:

  • arth "BĂ€r" – eirth
  • carreg "Stein" – cerrig
  • troed "Fuß" – traed

Beziehungsweise eine Kombination von beiden (Tilgung des Singularsuffixes und der dadurch bedingte Wegfall des Umlauts):

  • plentyn "Kind" – plant
  • aderyn "Vogel" – adar

Ähnlich komplexe Umlautformen zeigt ansonsten noch das IslĂ€ndische:

  • fjörður "Fjord" – firðir
  • mörður "Marder" – merðir
  • bróður "Bruder" – brÊður

Plural in anderen Sprachfamilien

Auch in anderen Sprachfamilien findet Pluralbildung mittels Suffigierung statt; man nehme zum Beispiel den Plural von "Zahn":

  • TĂŒrkisch: diß – dißler (Suffix -lar/-ler)
  • Ungarisch: fog – fogak (Suffix -ak/-ok/-ek/-ök)

Die Verteilung der Suffixe erfolgt in beiden Sprachen weitgehend nach den GrundsÀtzen der Vokalharmonie.

Im Arabischen werden interne und externe Plurale unterschieden. Externe Plurale werden durch Suffigierung gebildet, interne durch Umstrukturierung der Wortbasis:

  • externer Plural: ‏مŰčلم‎ / muÊżallim(un) – ‏مŰčلمون‎ / muÊżallimĆ«n(a) (Suffix -Ć«n(a)/āt(un))
  • interner Plural: ‏قلم‎ / qalam(un) – ‏ŰŁÙ‚Ù„Ű§Ù…‎ / aqlām(un) (Basis q-l-m)

In malayo-polynesischen Sprachen ist die Pluralbildung durch Reduplikation charakteristisch.

Plural in Plansprachen

In Plansprachen wie Esperanto bildet man den Plural oft durch ein allgemeines Prinzip, etwa durch AnhĂ€ngen eines -j an das Substantiv: domo "Haus" – domoj. Davon abweichende oder unregelmĂ€ĂŸige Pluralformen finden sich nicht.

Unterscheidung zwischen inklusivem und exklusivem Plural

In manchen Sprachen (z. B. den Drawidischen Sprachen, den Tupi-Guarani-Sprachen und den Algonkin-Sprachen ist die Kategorie Plural semantisch feinkörniger differenziert als etwa im Deutschen: Es gibt ein Pluralmorphem, das verwendet wird, wenn der Sprecher und seine Gruppe, nicht aber die Zuhörer gemeint sind (exklusiv) und ein Pluralmorphem, das verwendet wird, wenn der Sprecher, seine Gruppe und die Zuhörer gemeint sind, siehe inklusives und exklusives Wir.

Besondere Funktionen des Plurals

Es gibt einige FĂ€lle der Verwendung des Plurals, die sich dadurch auszeichnen, dass eigentlich nur eine einzelne Person gemeint ist, dennoch aber der Plural verwendet wird. FĂŒr diese FĂ€lle haben sich in der Sprachwissenschaft folgende Unterscheidungen und Begriffe eingebĂŒrgert:[1]

  • Pluralis auctoris (= Autorenplural: Hier spricht der Verfasser eines Textes in der „Wir“-Form, um den Leser stĂ€rker einzubeziehen; typisches Beispiel, etwa in der Einleitung einer wissenschaftlichen Arbeit: „Wir werden uns in dieser Arbeit mit den besonderen Problemen der ... befassen“.
  • Pluralis benevolentiae (auch: Pluralis sanitatis oder Krankenschwesternplural): In diesem Fall dient die „Wir“-Form einer mit FĂŒrsorgeaufgaben betrauten Person (Arzt, Krankenpflegepersonal, Eltern...) dazu, dem Angesprochenen, BetreuungsbedĂŒrftigen sein MitgefĂŒhl anzudeuten; typisches Beispiel: „Wie geht es uns denn heute?“
  • Pluralis majestatis (auch: Pluralis Maiestatis): Es handelt sich dabei um die Verwendung der „Wir“-Form durch Personen mit Hoheitsrechten, um anzuzeigen, dass ihnen eine besondere, eben hoheitliche Stellung zukommt; typisches Beispiel: „Wir, von Gottes Gnaden ..., haben geruht, ...“
  • Pluralis modestiae (= Plural der Bescheidenheit; entspricht inhaltlich dem „Pluralis Auctoris“).
  • Neben anderen Höflichkeitsformen wird in vielen Sprachen in der Anrede der Plural verwendet, um Respekt oder Ehrerbietung oder auch nur Distanz zum Angesprochenen auszudrĂŒcken. Im Englischen hat die Anrede im Plural die im Singular sogar vollstĂ€ndig verdrĂ€ngt.

Literatur zum Plural

  • Heide Wegener: Die Nominalflexion des Deutschen - verstanden als Lerngegenstand. Niemeyer, TĂŒbingen 1995. ISBN 3-484-31151-7

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Plural â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Helmut GlĂŒck (Hrsg.): Metzler-Lexikon Sprache. 4. Auflage; Verlag J.B. Metzler, Stuttgart und Weimar, 2010, ISBN 3-476-02335-4
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