Suche im Lexikon
Lexikon auf Ihrer Homepage Lexikon als Lesezeichen hinzufügen

Polen (Ethnie)

Allegorie des "Polen" (18. Jahrhundert)
Polnische Bauern und eine BĂ€uerin aus der Umgebung von Krakau, sogenannte Krakowiacy, von 1852 (Kleinpolen)

Die Polen sind eine Ethnie, die in der Republik Polen 96,74 % der Gesamtbevölkerung stellen (VolkszĂ€hlung von 2002).[1]

Polen sprechen das westslawische Polnisch und gehören in ihrer Mehrheit der römisch-katholischen Kirche (Katholiken) an. Konfessionelle Minderheiten sind Orthodoxe Christen und Protestanten, außerdem Juden. Die kleine Gruppe polonisierter Lipka-Tataren ist muslimisch.

Die Bezeichnung „Polen“ (polnisch: Polacy) leitet sich vom indogermanischen Wort „pole“[2] (Feld) ab; gleich wie seine semantischen Äquivalente -falen, Champagne, und Kampanien. „Inter Alpes Huniae et Oceanum est Polonia, sic dicta in eorum idiomate quasi Campania“, beschrieb im Jahre 1211 der Rechtsgelehrte Gervasius von Tilbury in seinem Otia Imperalia. Demnach ist der Name Polens von den „Feldbewohnern“ abgeleitet.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Siedlungsgebiet

Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
Polnische Bauern und BĂ€uerinnen aus der Umgebung von Kalisz (Großpolen), Lithografie von 1881

Das ursprĂŒngliche Siedlungsgebiet der Polen befindet sich rund um die Warthe und die Netze in der Region der StĂ€dte Posen (PoznaƄ) und Gnesen (Gniezno). Schon im frĂŒhen Mittelalter vereinigte sich der dort lebende westslawische Stamm der Polanen mit den Wislanen, die um die heutigen StĂ€dte Krakau (KrakĂłw) und Warschau (Warszawa) lebten. Weitere damalige westslawische StĂ€mme waren die Goralen, die Masowier, die Krakaueren und andere.

Mit der GrĂŒndung des jagiellonischen Reiches Polen-Litauen siedelten viele Polen im Gebiet des heutigen sĂŒdöstlichen Litauen, der heutigen WesthĂ€lfte Weißrusslands und dem heutigen westlichen Drittel der Ukraine, außerdem in NordmĂ€hren und der nördlichen Slowakei.

Im 19. Jahrhundert siedelten mit der Industrialisierung viele Polen im Ruhrgebiet und in den industriellen Zentren Österreich-Ungarns. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Polen von der Sowjetunion aus dem Gebiet östlich der heutigen Ostgrenze Polens (Curzon-Linie) aus ihrer Heimat vertrieben und in Hinterpommern, in Ostpreußen mit Ermland und Masuren, in Pommerellen und Danzig, in Ostbrandenburg und in Niederschlesien sowie in Oberschlesien anstelle der zuvor aus diesen Gebieten vertriebenen deutschen Bevölkerung angesiedelt.

Heutige VolksstĂ€mme der Polen sind vor allem die Großpolen, die Kleinpolen, die Kujawier und die Masowier. Dazu werden auch die Goralen sowie die Volksgruppen der Masuren, der Schlonsaken sowie der Kaschuben gezĂ€hlt. Die Volksgruppe der Sorben ist östlich der Oder-Neisse-Linie aus der Ost-Lausitz nach 1945 vertrieben oder umgebracht worden, weil man sie fĂŒr Deutsche hielt.

Polnische Diaspora

→ Hauptartikel: Polonia

In den letzten 200 Jahren wanderten Polen in verschiedene Teile der Welt aus, wo sie sich verschieden stark assimilierten.

SchÀtzungen gehen davon aus, dass es weltweit 44 bis 60 Millionen Polen gibt.

Als historische und anerkannte nationale Minderheiten leben Polen in vielen mittel- und osteuropĂ€ischen LĂ€ndern: Lettland (2,5 % der Bevölkerung), Litauen (6,74 %), Slowakei (0,1 %), Tschechien (0,5 %), Ukraine (0,45 %), Ungarn (3800), Weißrussland (4 %).[3] Viele Polen sind in westeuropĂ€ische LĂ€nder ausgewandert.

Weitere Ziele polnischer Auswanderer waren Brasilien (1 Mio. PolnischstĂ€mmige), Frankreich (1 Mio., eine der bekanntesten Vertreterinnen war Marie Curie), Kasachstan (25.000), den USA (10,6 Mio. Polish Americans) und Kanada (650.000). Ferner leben in Großbritannien etwa 170.000 Menschen mit polnischer Abstammung und in Irland seit dem EU-Beitritt Polens etwa 120.000 Einwanderer. Außerdem wohnen Polen auch in Argentinien, SĂŒdafrika, Australien, Russland, RumĂ€nien, Schweden, Belgien, den Niederlanden, Österreich, Griechenland und Italien. In Island und Norwegen[4] stellen sie die grĂ¶ĂŸte Minderheit dar.[5]

Die Zahl von Polen in Frankreich wird mit 1.050.000, in Kanada mit 800.000 und in den USA mit 10.600.000 angegeben. Laut der amerikanischen VolkszĂ€hlung von 2000 sprechen aber nur 667.414 Personen (0,25 % der Bevölkerung) zu Hause Polnisch.

Werden alle Menschen einbezogen, die in den letzten 150 Jahren einen polnischen Vorfahren hatten, ergibt dies eine Gesamtzahl von ĂŒber 100 Millionen Polen.

Polen in Deutschland

→ Hauptartikel: Polen in Deutschland

Die Zahl der derzeit in der Bundesrepublik Deutschland wohnenden Polen lĂ€sst sich nicht exakt beziffern. SchĂ€tzungen reichen von 1,5 Millionen Menschen mit polnischem Migrationshintergrund[6] (Mikrozensus 2009 in Deutschland) bis zu zwei Millionen[7] (SchĂ€tzwerte der Stiftung WspĂłlnota Polska, 2007) Menschen mit einer ganz oder teilweise polnischen ethnischen, kulturellen oder sprachlichen IdentitĂ€t. Die Zahl der Personen mit ausschließlich polnischer StaatsbĂŒrgerschaft liegt bei 398.548 (2009).[8][9] Laut dem Nachbarschaftsvertrag zwischen Polen und Deutschland von 1991 gibt es offiziell keine nationale, polnische Minderheit in Deutschland.[10]

Polen auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion

1992 wurde die Anzahl der Polen hier auf 1.126.000 geschĂ€tzt. Überwiegend leben die Polen in Litauen, Weißrussland und der Ukraine (vergleiche mit den Zahlen oben).

Seit dem 14. Jahrhundert sind Polen in diese zum polnisch-litauischen Reich gehörenden Gebiete eingewandert. Sie bildeten bis ins 20. Jahrhundert die politisch und sozialökonomisch dominierende Schicht. Aufgrund der drei Teilungen von Polen-Litauen zwischen 1772 und 1795 kam der grĂ¶ĂŸte Teil zum russischen Reich, das polnische Kerngebiet wurde zunĂ€chst Kongresspolen, dann Weichselgebiet genannt. Die ab 1918 erstandene Zweite Polnische Republik erlangte in mehreren Kriegen GebietszuwĂ€chse im Osten, verlor diese Gebiete 1939 aber wieder in Folge des Hitler-Stalin-Paktes, und endgĂŒltig 1945 durch den mit der Sowjetunion geschlossenen Grenzvertrag. Die meisten dort lebenden Polen wurden anschließend in die Volksrepublik Polen umgesiedelt. Die verbliebenen Polen haben sich zu fast zwei Dritteln an Litauer, Weißrussen und Ukrainer assimiliert. Inzwischen werden sie aber als nationale Minderheiten anerkannt. In der Sowjetunion war Polnisch keine offiziell anerkannte Sprache.[11]

Polen in Ungarn

Die polnische Minderheit in Ungarn war in der Mitte des 19. Jahrhunderts sehr bevölkerungsreich. Die erste permanente Sonntagsschule wurde 1922 gegrĂŒndet. WĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges gab es in Ungarn 27 polnische Grundschulen und – einzigartig in Europa â€“ eine polnische Hochschule und ein Lyceum in BalatonboglĂĄr. Von offizieller Seite wird die heutige Anzahl der Polen in Ungarn mit 3.800 angegeben, wĂ€hrend Minderheitenorganisationen die Anzahl auf 10.000 schĂ€tzen.[12]

Siehe auch

Weblinks

 Commons: People of Poland â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Dieter Bringen, Krzysztof Ruchniewicz (Hrsg.): LĂ€nderbericht Polen. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung, Bonn 2009, ISBN 978-3-593-38991-2, S. 362
  2. ↑ „A dictionary of the Anglo-Saxon languages. Joseph Bosworth. S. 275.; planus, plain, flat; from Indo- Germanic pele, flat, to spread, also the root of words like plan, floor, and field. [in:] John Hejduk. Soundings. 1993. S. 399“; „the root pele is the source of the English words ‚field‘ and ‚floor‘. The root ‚plak‘ is the source of the English word ‚flake‘“, [in:] Loren Edward Meierding. Ace the Verbal on the SAT. 2005. S. 82.
  3. ↑ Fischer Weltalmanach 2006, ISBN 3-596-72006-0
  4. ↑ ssb.no: Immigration and immigrants 2010
  5. ↑ CIA World Factbook
  6. ↑ Erstmals mehr als 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Statistisches Bundesamt
  7. ↑ Wspólnota Polska – Polonia w liczbach.
  8. ↑ Deutschland: Weniger AuslĂ€nder im Jahr 2008. Migration und Bevölkerung, Mai 2009, Abgerufen am 24. September 2009
  9. ↑ AuslĂ€ndische Bevölkerung geht 2009 um 32 800 Personen zurĂŒck. Pressemitteilung Nr. 076 vom 4. MĂ€rz 2010 (destatis)
  10. ↑ Speerspitze Steinbach. SĂŒddeutsche Zeitung, 7. Januar 2010
  11. ↑ Rudolf A. Mark: Die Völker der ehemaligen Sowjetunion. 1992
  12. ↑ Mailing List von Flags of the world
vep:Pol'ĆĄalaiĆŸed
Impressum AGB Datenschutz KundenserviceMediadatenfreenet AGJobsSitemap
gekennzeichnet mit
JUSPROG e.V. - Jugendschutz
freenet ist Mitglied im JUSPROG e.V.