|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
Politische Parteien und Ideen werden hĂ€ufig vereinfachend anhand der eindimensionalen Systematik des politischen Spektrums klassifiziert. Dabei werden sie auf einer Achse platziert, deren Enden mit den einprĂ€gsamen und in ihrer wörtlichen Bedeutung wertneutralen Attributen links und rechts bezeichnet werden, mit einer dazwischenliegenden Mitte oder dem Zentrum. Diese Sichtweise wird heute von den meisten politischen Parteien und auch von den meisten Medien angewandt, obwohl sie bei differenzierteren Betrachtungen â insbesondere bei politischen Randthemen â versagt und diese UnzulĂ€nglichkeit auch allgemein anerkannt wird.
Inhaltsverzeichnis
|
Das Aufkommen der Links-Rechts-Unterscheidung im Sinne politischer Richtungsbegriffe wird auf den Ursprung der Französischen Nationalversammlung in der verfassunggebenden Nationalversammlung (Konstituante) von 1789 zurĂŒckgefĂŒhrt [1]. Dadurch blieb die Sitzordnung nicht lĂ€nger das Spiegelbild festgefĂŒgter gesellschaftlicher Hierarchien wie in der Versammlung der feudalen GeneralstĂ€nde, sondern brachte bald die Dynamik politischer-ideologischer Auseinandersetzungen zum Ausdruck. Es entstand eine AuffĂ€cherung der politischen Orientierungen in der Nationalversammlung in ein Meinungsspektrum zwischen zwei Extremen: Die linke Seite âle cĂŽtĂ© gaucheâ kennzeichnete eine revolutionĂ€re, republikanische StoĂrichtung, wĂ€hrend âle cĂŽtĂ© droitâ mehr zurĂŒckhaltende, der Monarchie freundlich gesinnte Vorstellungen vertrat. Bald wurden die rĂ€umlichen Adjektive âlinksâ und ârechtsâ substantiviert und man sprach nun einfach von âla droiteâ und âla gaucheâ. Innerhalb dieser Lager bildeten sich wiederum sehr rasch FlĂŒgelgruppen: âlâextrĂ©mitĂ© gaucheâ und âlâextrĂ©mitĂ© droiteâ. Die mit der Verfassung von 1791 eingerichtete gesetzgebende Versammlung setzte sich dann bereits aus mehreren institutionalisierteren Gruppen zusammen, die allerdings nicht wie heutige Fraktionen parlamentarischer Parteien aufzufassen sind, sondern die Organisation der politischen Landschaft der französischen Revolution in Klubs abbildeten. Auch schwankte die Zahl der sympathisierenden Abgeordneten eines Klubs stark und eine knappe HĂ€lfte der 745 Abgeordneten ordnete sich keinem der Klubs zu. Das Spektrum bewegte sich zwischen dem rechten, monarchistischen Klub der Feuillants und den linken Girondisten und Montagnards, zu denen sich vor allem der Klub der Jakobiner und Cordeliers zĂ€hlten.
Die sich allmĂ€hlich ausbildenden Sprachkonventionen konnten sich jedoch aufgrund der turbulenten Entwicklung der Revolution nicht fest verwurzeln. Die MachtĂŒbernahme der Jakobiner hatte eine rigorose Beschneidung des als legitim geltenden politischen Spektrums zur Folge. Zu Beginn der Restaurationsphase wirkte die Erlahmung noch fort. Nach den Wirren der ersten hundert Tage erneuerte sich das politische Leben im Jahre 1814 rasch. Erst jetzt konnte sich die bereits im ersten Jahr der GroĂen Revolution entfaltete, an der parlamentarischen Sitzordnung anknĂŒpfende Geographie revitalisieren. Dies geschah aber in etwas verĂ€nderten Formen: Zwischen die Lager der âRechtenâ und der âLinkenâ trat eine auf Ausgleich setzende, gemĂ€Ăigt-monarchisch orientierte Mitte (âcentreâ). Man sprach nach wie vor von den âextrĂ©mitĂ©sâ, nun aber auch von âextrĂȘme gaucheâ und âextrĂȘme droiteâ. Bereits vor 1820 gehörte das Kontinuum extrĂȘme droite - droite modĂ©rĂ©e - centre droite - centre gauche - gauche modĂ©rĂ©e - extrĂȘme gauche (Ultraroyalisten - gemĂ€Ăigte Konservative - Liberale - Radikale/Demokraten - Sozialisten) zum festen politischen Sprachgebrauch.
Von Frankreich aus breitete sich die Links-Rechts-Unterscheidung in ganz Europa aus. In Deutschland konstituierte sich das Paulskirchenparlament von 1848 nach ihrem Muster. Hier saĂen die republikanischen Abgeordneten, die einen sofortigen Sturz der damaligen Monarchie forderten, links und die BefĂŒrworter einer konstitutionellen Monarchie rechts.
Der Gegensatz links-rechts steht im allgemeinen VerstĂ€ndnis stellvertretend fĂŒr die nachfolgend beschriebenen GegensĂ€tze.
Ausgehend vom Gleichheitspostulat (EgalitĂ©) der französischen Revolution sind egalitĂ€re politische AnsĂ€tze zentral fĂŒr das SelbstverstĂ€ndnis der âLinkenâ. Diese richtete sich gegen Benachteiligungen bestimmter Bevölkerungsgruppen. Dies betraf zunĂ€chst die materiell schlechter gestellten Schichten (Arbeiterklasse), wurde spĂ€ter aber auch auf religiöse oder ethnische Minderheiten, Frauen, Ă€ltere Menschen, Behinderte, Homosexuelle und andere Bevölkerungsgruppen angewandt. Der Kampf fĂŒr politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung galt den Linken als Teil eines fortschrittlichen Strebens nicht nur nach Gleichheit, sondern auch nach Freiheit. Daher ist der Begriff der Emanzipation als Bezeichnung fĂŒr die Befreiung und Selbstbestimmung benachteiligter Gruppen fĂŒr das SelbstverstĂ€ndnis linker Gruppen und Organisationen ein wichtiger Bezugspunkt.
Die âRechteâ rechtfertigt die Notwendigkeit einer mehr oder weniger stark ausgeprĂ€gten Ungleichheit. Die GrĂŒnde dafĂŒr werden entweder in der Natur des Menschen (Begabung, BefĂ€higung) gesehen oder die Ungleichheit wird auf gesellschaftliche NĂŒtzlichkeitserwĂ€gungen (Leistungsanreiz) zurĂŒckgefĂŒhrt. In diesem Zusammenhang wird die Herausbildung von Eliten befĂŒrwortet, aus denen sich das FĂŒhrungspersonal gesellschaftlich bedeutsamer (politischer, kultureller, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher) Einrichtungen rekrutiert. Dagegen gelten linke/egalitĂ€re Konzepte als âGleichmachereiâ und werden als Eingriffe in individuelle Freiheitsrechte und Entfaltungsmöglichkeiten oder in die hergebrachte Gesellschaftsordnung abgelehnt.
Im demokratischen Rechtsstaat steht nach erfolgter politischer Gleichberechtigung die Verteilung gesellschaftlichen Reichtums im Zentrum der Auseinandersetzung ĂŒber egalitĂ€re bzw. antiegalitĂ€re AnsĂ€tze. Differenzierungen beim Verdienst (PrimĂ€rverteilung) werden mit unterschiedlicher âBegabungâ und âLeistungâ des Individuums begrĂŒndet. Die Frage nach einer âangemessenenâ einkommensabhĂ€ngigen Steuerbelastung (SekundĂ€rverteilung) ist ein bedeutenderer Streitpunkt in der politischen Auseinandersetzung, da die Besteuerung im unmittelbaren Zugriff der Gesetzgebung liegt.
WillkĂŒrliche Ungleichbehandlung (Diskriminierung) aufgrund von Sprache, Geschlecht, âRasseâ, Herkunft, Religion, politischer Anschauungen oder Behinderungen sind in demokratischen Rechtsstaaten geĂ€chtet. Umstritten ist jedoch, ob und in welchem Umfang der Staat MaĂnahmen zum Ausgleich von Benachteiligungen ergreifen soll und inwiefern der Staat Diskriminierung im gesellschaftlichen Bereich entgegentreten soll. Dabei wird zwischen Gleichstellung und Gleichbehandlung unterschieden. So werden von Teilen der heutigen Linken zur Durchsetzung gesellschaftlicher Gleichstellung MaĂnahmen gerechtfertigt, die als Ungleichbehandlung im Sinne einer Besserstellung gesellschaftlich benachteiligter Gruppen konzipiert sind (âumgekehrte Diskriminierungâ).
In der Anfangszeit der westlichen Demokratien, insbesondere im 19. Jahrhundert, bemĂŒhten sich die Linken vor allem um die Verbesserung der Lebensbedingungen der unteren Schichten, insbesondere der Arbeiter, um die Durchsetzung der Menschenrechte und damit um eine kontinuierliche Erneuerung der Gesellschaft. Die Linke propagierte dies als gesellschaftlichen Fortschritt (ProgressivitĂ€t). Die Rechten traten hingegen fĂŒr die Wahrung des Status quo in Bezug auf politische und ökonomische VerhĂ€ltnisse ein und verwiesen auf âhergebrachteâ gesellschaftliche Normen, wodurch sie auch die Bezeichnung âkonservativâ (âbewahrendâ) erwarben.
Mehrere Entwicklungen erschweren heute die Einteilung nach den Begriffen konservativ/progressiv: In den westlichen Demokratien nach 1945 haben auch eher rechts stehende Parteien eigenstĂ€ndige programmatische Fortschrittskonzepte entwickelt und eine eigene Politik der technischen wie auch gesellschaftlichen Modernisierung vertreten. Unterdessen ist es innerhalb und zwischen Organisationen mit linkem SelbstverstĂ€ndnis Ă€uĂerst umstritten, welche Auffassungen und MaĂnahmen als âprogressivâ anzusehen sind. Zudem entwickelte sich die Ideologiefigur der âVerteidigung fortschrittlicher Errungenschaftenâ, die als eine linke Variante konservativer DenkansĂ€tze angesehen werden kann.
Der egalitĂ€ren Grundidee entsprechend verfolgte die Linke lange Zeit einen internationalistischen Ansatz, begriff sich als weltweite Bewegung und organisierte sich international. Nach 1945 begriffen allerdings viele linke Gruppierungen ihre Aufgabe als ânationalen Befreiungskampfâ und stĂŒtzten sich dabei auf antiimperialistische Ideologien. Zur Befriedigung patriotischer Emotionen in der Bevölkerung, zur Durchsetzung territorialer MachtansprĂŒche oder als Ausdruck eines antiimperialistischen Weltbildes wurden auch von Regierungen mit linkem SelbstverstĂ€ndnis nationalistische AnsĂ€tze vertreten. Im Zusammenhang einer globalisierungskritischen Vorstellungswelt wird heute von Teilen der âLinkenâ die SouverĂ€nitĂ€t der Nationalstaaten als Voraussetzung fĂŒr die Absicherungen sozialer Errungenschaften angesehen und gegen eine InternationalitĂ€t des Kapitalismus gedanklich in Stellung gebracht.
Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts verfolgte das rechte Lager eine nationalistische Politik und vertritt eine entsprechende Ideologie noch heute. Zugleich versteht sich das âbĂŒrgerliche Lagerâ in Westeuropa â inklusive der Liberalen â aber als treibende Kraft der wirtschaftlichen Globalisierung und verweist auf seinen Beitrag zur europĂ€ischen Einigung.
WĂ€hrend die oben genannten GegensĂ€tze zumindest ursprĂŒnglich auf das Links-Rechts-Spektrum abgebildet werden konnten, ist dies bei weiteren GegensĂ€tzen nicht oder nur im Einzelfall möglich. Dies ist auch die Basis fĂŒr alternative Modelle.
Ein typisches Beispiel hierfĂŒr ist der Gegensatz Zentralistisch â Separatistisch. Bei einigen Staaten mit starken Autonomie-Bewegungen, z. B. Spanien, gibt es sowohl im linken als auch rechten Teil des politischen Spektrums zentralistische und separatistische Parteien.
Heutige demoskopische Untersuchungen zeigen, dass sich die WĂ€hler der einzelnen parlamentarisch vertretenen Parteien in ihrem SelbstverstĂ€ndnis jeweils ĂŒber weite Bereiche des politischen Spektrums verteilen. So sehen sich in einer 2007 von Emnid durchgefĂŒhrten Umfrage bei den WĂ€hlern von BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen 76 Prozent als âlinksâ, bei denen der SPD 39 Prozent, bei denen der CDU 25 Prozent und bei denen der FDP 23 Prozent. Insgesamt sagten 34 Prozent der BundesbĂŒrger, sie seien im politischen Spektrum âlinksâ zu verorten, 52 Prozent ordnen sich der âpolitischen Mitteâ zu und 11 Prozent der politischen Rechten.[2]
Das âkonservativ-bĂŒrgerliche Lagerâ betont in der Selbstdarstellung meist den konservativen und seltener den elitĂ€ren Aspekt der eigenen Politik. Gerade aus der Opposition heraus wird hĂ€ufig mit egalitĂ€ren Ideen geworben, zum Teil auch zur Abgrenzung zu liberalen Positionen.
Der Begriff rechts fĂŒr die eigene Position wird von den Konservativen vermieden, der Begriff links â wenn ĂŒberhaupt â meist nur abwertend fĂŒr politische Gegner benutzt. Ebenso wie im sozialdemokratischen und liberalen Lager wird von einigen konservativen Volksparteien zunehmend der Begriff âPolitische Mitteâ proklamiert.
Viele sozialdemokratische Parteien distanzieren sich zunehmend von der Klassifizierung als âlinke Parteiâ, um eine breitere Akzeptanz zu erreichen.
Im Godesberger Programm der deutschen SPD von 1959 wurde der Begriff links nicht explizit verwendet, im Berliner Programm heiĂt es lediglich rĂŒckblickend: âDie Sozialdemokratische Partei stellte sich in Godesberg als das dar, was sie seit langem war: die linke Volkspartei.â Im Bundestagswahlkampf 1998 warb die SPD mit dem Schlagwort der âNeuen Mitteâ. Im Oktober 2007 verabschiedeten Hamburger Programm definiert sie sich als âlinke Volksparteiâ[3]. Im vorangegangenen Bremer Entwurf vom Januar 2007 wurde die SPD noch zusĂ€tzlich als âPartei der solidarischen Mitteâ definiert[4].
Der Liberalismus lĂ€sst sich anhand dieser Sichtweise kaum einer bestimmten politischen Orientierung im rechts-links Schema zuordnen, weil er einerseits sehr stark die rechtliche Gleichstellung propagiert, leistungsbedingte soziale Unterschiede jedoch als Anreiz fĂŒr persönliches Engagement befĂŒrwortet. Eine Einordnung ist mittels Nolan-Diagramm möglich. Oftmals wird von den Liberalen dem Gegensatz elitĂ€r-egalitĂ€r der Gegensatz liberal-regulativ entgegengesetzt. Liberale streben sowohl in Bereichen des persönlichen als auch im Bereich des wirtschaftlichen Lebens nach der gröĂtmöglichen Selbstbestimmung und Eigenverantwortung des Individuums.
In Deutschland und anderen europĂ€ischen Staaten wird der parlamentarische Liberalismus aufgrund seiner WirtschaftsnĂ€he (âLeistungsgerechtigkeitâ) teilweise als politisch ârechtsâ oder âbĂŒrgerlichâ eingestuft.
In den Vereinigten Staaten wird âliberalismâ aufgrund der Betonung auf gesellschaftliche Gleichstellung und Individualrechte eher als politisch âlinksâ angesehen (vergleichbar mit der europĂ€ischen Sozialdemokratie), wĂ€hrend Liberale nach europĂ€ischem VerstĂ€ndnis eher als âfiscal conservativeâ oder âlibertarianâ (vgl. Libertarian Party) bezeichnet werden.
Viele EuropĂ€ische Sozialisten definieren sich mittlerweile direkt ĂŒber das Attribut links. Dies kommt am deutlichsten darin zum Ausdruck, dass sich viele Parteien direkt als Linkspartei bezeichnen.
In Deutschland gab sich 2005 die Partei des Demokratischen Sozialismus den neuen Namen Die Linkspartei.PDS, durch Fusion mit der WASG entstand daraus 2007 die Partei Die Linke.
In Ăsterreich wurde 2000 von Trotzkisten die Sozialistische Linkspartei gegrĂŒndet, die neben der Ă€lteren, gröĂeren und bei Wahlen erfolgreicheren KPĂ (Kommunistische Partei Ăsterreichs) als weitere Partei links der Sozialdemokratie agiert. Im Zuge der Vorbereitungen zur Nationalratswahl 2008 konstituierte sich ein Linksprojekt, das nach dem Vorbild der deutschen Linkspartei linke sozialdemokratische und gewerkschaftliche sowie weitere links der SPĂ stehende KrĂ€fte vereinigen soll.
Die GrĂŒnen in den westlichen LĂ€ndern entstanden aus der Friedens- und Umweltbewegung und galten deshalb lange Zeit als links bzw. links-liberal. Allerdings hatte sich die grĂŒne Partei in Deutschland zunĂ€chst mit rechten Strömungen in den eigenen Reihen (z. B. Herbert Gruhl) auseinanderzusetzen, schlug dann jedoch einen durch linke Strömungen (z. B. Ăkosozialisten) beeinflussten Kurs ein. Mit den zunehmenden Regierungsbeteiligungen in den 1990er Jahren haben sie sich jedoch in einigen LĂ€ndern von radikal-pazifistischen Positionen verabschiedet und in Wirtschaftsfragen neoliberalen Konzepten angenĂ€hert, was diese Einstufung in Frage stellt. Zuletzt vollzogen sich bei der grĂŒnen Partei in Deutschland innerparteilich ein Prozess der KlĂ€rung von Positionen in wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen, infolgedessen wirtschaftsliberale KrĂ€fte (z. B. Oswald Metzger) die Partei verlieĂen.
Ăkologische Positionen sind nicht notwendigerweise mit traditionell âlinkenâ Positionen verknĂŒpft. So gelten zum Beispiel die GrĂŒnen in Lettland eher als konservativ, ebenso die ĂDP in Deutschland. Die BĂŒrgerrechtler des BĂŒndnis 90, welches 1993 mit den gesamtdeutschen GrĂŒnen fusionierte, sahen sich zwar eher âlinksâ, grenzten sich aber radikal von der PDS ab. Einige Mitglieder vertraten sogar konservative Positionen, wie zum Beispiel Vera Lengsfeld und GĂŒnter Nooke, die sich spĂ€ter in der CDU organisierten. In der Schweiz grenzen sich die GrĂŒnliberalen von den GrĂŒnen durch eine liberale Wirtschaftspolitik und eine eher restriktive Finanz- und Sozialpolitik ab.
Aufgrund der Vielzahl an Parteien erfolgt im deutschsprachigen Raum an den Enden des politischen Spektrums eine zusĂ€tzliche Abstufung mittels der Attribute radikal und extrem, wobei Letzteres als weiter von der Mitte âentferntâ betrachtet wird.
Hieraus ergibt sich folgende Skala:
Nach Seymour Martin Lipset und Earl Raab bedeutet Extremismus âAntipluralismusâ und die âSchlieĂung des politischen Marktesâ.[5] Hiernach ist fĂŒr Lipset auch ein Extremismus der Mitte denkbar.
Siehe auch: Radikalismus, Extremismus, Rechtsextremismus, Linksextremismus, Linksradikalismus
Da das Modell des politischen Spektrums nur bedingt dazu geeignet ist, die Parteienlandschaft umfassend zu beschreiben, werden zusĂ€tzliche Attribute fĂŒr die Einordnung herangezogen. Dabei werden die Parteien und Strömungen allgemein oder in Bezug auf ein bestimmtes Themenfeld Ideologien und politischen Konzepten zugeordnet.
Durch weitere ZusÀtze wird versucht, zusÀtzliche Nuancen zu setzen:
Ein Hauptkritikpunkt ist die extreme Vereinfachung der politischen Landschaft durch die Projektion verschiedener programmatischer Unterschiede auf eine einzige Achse. DarĂŒber hinaus wird kritisiert, dass der Begriff Spektrum eine KontinuitĂ€t suggeriert (wie z. B. bei den Farbschattierungen des Lichtspektrums), obwohl auch ideologisch âbenachbarteâ politische Strömungen klare Bruchlinien aufweisen können und die einzelnen politisch-ideologischen Ausrichtungen keineswegs immer bruchlos ineinander ĂŒbergehen.
Die Verwendung dieser Attribute stellt indirekt eine positive Korrelation zwischen der RadikalitĂ€t von Ideen (d. h. wie sehr sie vom Status Quo abweichen) und der Vehemenz, mit der sie vertreten werden (latente oder offene Gewalt gegen Andersdenkende oder den Staat), her. Obwohl diese Korrelation naturgemÀà in gewissem MaĂe gegeben ist (die Parteien der Mitte haben in der Regel die UnterstĂŒtzung von Exekutive, Justiz und Medien und bedĂŒrfen selbst keiner extremen MaĂnahmen), ist sie jedoch keineswegs zwingend. So gibt es moderate Gruppierungen mit radikalen Ideen und aggressive Verfechter allgemein akzeptierter Ansichten. Diesen Umstand versuchen linke und rechte Gruppierungen in jĂŒngster Vergangenheit durch den Begriff Mitt-Extremismus (Extremismus der Mitte) zu verdeutlichen.
Ein alternativer, aber ebenfalls stark vereinfachender Ansatz besteht darin, die politische Landschaft nicht als horizontale Gerade, sondern als offenen Kreis (âHufeisenschemaâ) zu sehen [6]. Durch diese Darstellung soll zum Ausdruck gebracht werden, dass sich die beiden RĂ€nder in manchen Punkten nĂ€her sind als es der Rand zur Mitte ist. Hierbei werden jedoch partielle Ăbereinstimmungen in den Methoden ĂŒber grundsĂ€tzliche Unterschiede bei den Zielen sowie beim Welt- und Menschenbild gestellt.
Speziell von den Liberalen wird das sogenannte âpolitische Wertedreieckâ als Modell angewandt. Hier gibt es nicht wie beim linearen Spektrum ein links und rechts, sondern ein Dreieck mit folgenden Werten als Eckpunkte:
Der Vorteil dieses Modells liegt darin, dass man die Parteien innerhalb dieses Dreiecks genauer platzieren kann. Das Extreme ist hierbei nicht nur auf die drei Spitzen beschrÀnkt, sondern auch auf den gesamten Rand der drei Dreiecksseiten.
Ein Ă€hnliches Konzept ist der politische Kompass, der durch die Webseite politicalcompass.org populĂ€r geworden ist. Er besitzt ebenfalls zwei Achsen, nĂ€mlich Links â Rechts in Bezug auf die Wirtschaft und die Achse AutoritĂ€r â Liberal, die sich auf das soziale Zusammenleben bezieht. Dabei steht Links fĂŒr eine Kontrolle oder gar Steuerung der Wirtschaft durch den Staat oder internationale Instanzen, Rechts fĂŒr Wirtschaftsliberalismus. AutoritĂ€r steht fĂŒr den Autoritarismus, Liberal fĂŒr Liberalismus, allerdings nur auf soziale und nicht auf ökonomische Fragen bezogen (d.h. ohne Wirtschaftsliberalismus). Der politische Kompass ordnet zum Beispiel den im politischen Spektrum als links eingeordneten Stalin als linken AutoritĂ€ren (im Bild links oben), den rechts eingeordneten Hitler als AutoritĂ€ren ohne einen besonderen Hang zu links/rechts (im Bild oben, in der Mitte) ein. Die tatsĂ€chlichen Parallelen zwischen Stalin und Hitler sind also nach Ansicht der Ersteller auch im politischen Kompass vorhanden.[7]
Ein weiterer Ansatz, politische Orientierungen zweidimensional ĂŒber das MaĂ an ökonomischer und gesellschaftlicher Freiheit darzustellen, ist das Nolan-Diagramm.
Statt der zweidimensionalen Polarisation eines politischen Spektrums bemĂŒht sich die Erforschung von (politischen) Milieus um die Einteilung gesellschaftlicher Gruppen gemÀà Àhnlicher Werteorientierungen, Alltagseinstellungen und dem sozialen Status. Die bedeutendsten Studien zu (politischen) Milieus erstellt das Sinus-Institut (Sinus-Milieu). An die Stelle der links/rechts-Achse tritt die Orientierung an traditionellen Werten (Ordnung, PflichterfĂŒllung), Modernisierung (Individualisierung, Selbstverwirklichung) sowie Neuorientierung (Experimentierfreude, Leben in Paradoxien). Obwohl manche Milieus ihrer Bezeichnung nach mit bestimmten politischen Einstellungen in Verbindung zu bringen sind (z. B. âKonservativeâ), zielt die Sinus-Milieukartierung nicht vorrangig auf die Abgrenzung von in ihren politischen Haltungen möglichst homogenen Gruppen. [8]
Beim Deutschen Bundestag wird die Sitzordnung vom Vor-Ăltestenrat auf der Basis von VorschlĂ€gen der Bundestagsverwaltung festgelegt. Der Vor-Ăltestenrat besteht aus dem noch amtierenden BundestagsprĂ€sidenten und den parlamentarischen GeschĂ€ftsfĂŒhrern der Fraktionen des scheidenden Bundestages und Vertretern aller Fraktionen des neuen Bundestages.
Bei der Sitzordnung orientiert man sich traditionell grob am politischen Spektrum.
Aktuelle Sitzordnung des Deutschen Bundestages:
Die Linke â SPD â BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen â CDU/CSU â FDP
Die FDP wurde 1949 rechts von den Unionsparteien platziert, da sie damals allgemein als rechtsliberal galt. SpĂ€ter wollte keine der beiden Seiten tauschen.[9] Bis 1983 bestand die SPD darauf, dass links von ihr keine Fraktion sitzen darf. Daher sitzt die GrĂŒnen-Fraktion rechts von ihr, obwohl sie in ihrer Anfangszeit als deutlich âlinkerâ betrachtet wurde. Beim Einzug der damaligen PDS 1990 bestand die SPD nicht weiter auf ihren Ă€uĂeren Platz.
In Ăsterreich hat die Sitzordnung des Parlamentes nichts mit der politischen Richtung der Parteien zu tun.
SPĂ â FPĂ â GrĂŒne - BZĂ â ĂVP
Bei der Sitzordnung orientiert man sich traditionell grob am politischen Spektrum.
SP â GPS vorn, CVP hinten â diverse Kleinparteien vorn, FDP.Die Liberalen hinten â SVP