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Politisches Spektrum

Politische Parteien und Ideen werden hĂ€ufig vereinfachend anhand der eindimensionalen Systematik des politischen Spektrums klassifiziert. Dabei werden sie auf einer Achse platziert, deren Enden mit den einprĂ€gsamen und in ihrer wörtlichen Bedeutung wertneutralen Attributen links und rechts bezeichnet werden, mit einer dazwischenliegenden Mitte oder dem Zentrum. Diese Sichtweise wird heute von den meisten politischen Parteien und auch von den meisten Medien angewandt, obwohl sie bei differenzierteren Betrachtungen – insbesondere bei politischen Randthemen – versagt und diese UnzulĂ€nglichkeit auch allgemein anerkannt wird.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft

Das Aufkommen der Links-Rechts-Unterscheidung im Sinne politischer Richtungsbegriffe wird auf den Ursprung der Französischen Nationalversammlung in der verfassunggebenden Nationalversammlung (Konstituante) von 1789 zurĂŒckgefĂŒhrt [1]. Dadurch blieb die Sitzordnung nicht lĂ€nger das Spiegelbild festgefĂŒgter gesellschaftlicher Hierarchien wie in der Versammlung der feudalen GeneralstĂ€nde, sondern brachte bald die Dynamik politischer-ideologischer Auseinandersetzungen zum Ausdruck. Es entstand eine AuffĂ€cherung der politischen Orientierungen in der Nationalversammlung in ein Meinungsspektrum zwischen zwei Extremen: Die linke Seite „le cĂŽtĂ© gauche“ kennzeichnete eine revolutionĂ€re, republikanische Stoßrichtung, wĂ€hrend „le cĂŽtĂ© droit“ mehr zurĂŒckhaltende, der Monarchie freundlich gesinnte Vorstellungen vertrat. Bald wurden die rĂ€umlichen Adjektive „links“ und „rechts“ substantiviert und man sprach nun einfach von „la droite“ und „la gauche“. Innerhalb dieser Lager bildeten sich wiederum sehr rasch FlĂŒgelgruppen: „l’extrĂ©mitĂ© gauche“ und „l’extrĂ©mitĂ© droite“. Die mit der Verfassung von 1791 eingerichtete gesetzgebende Versammlung setzte sich dann bereits aus mehreren institutionalisierteren Gruppen zusammen, die allerdings nicht wie heutige Fraktionen parlamentarischer Parteien aufzufassen sind, sondern die Organisation der politischen Landschaft der französischen Revolution in Klubs abbildeten. Auch schwankte die Zahl der sympathisierenden Abgeordneten eines Klubs stark und eine knappe HĂ€lfte der 745 Abgeordneten ordnete sich keinem der Klubs zu. Das Spektrum bewegte sich zwischen dem rechten, monarchistischen Klub der Feuillants und den linken Girondisten und Montagnards, zu denen sich vor allem der Klub der Jakobiner und Cordeliers zĂ€hlten.

Die sich allmĂ€hlich ausbildenden Sprachkonventionen konnten sich jedoch aufgrund der turbulenten Entwicklung der Revolution nicht fest verwurzeln. Die MachtĂŒbernahme der Jakobiner hatte eine rigorose Beschneidung des als legitim geltenden politischen Spektrums zur Folge. Zu Beginn der Restaurationsphase wirkte die Erlahmung noch fort. Nach den Wirren der ersten hundert Tage erneuerte sich das politische Leben im Jahre 1814 rasch. Erst jetzt konnte sich die bereits im ersten Jahr der Großen Revolution entfaltete, an der parlamentarischen Sitzordnung anknĂŒpfende Geographie revitalisieren. Dies geschah aber in etwas verĂ€nderten Formen: Zwischen die Lager der „Rechten“ und der „Linken“ trat eine auf Ausgleich setzende, gemĂ€ĂŸigt-monarchisch orientierte Mitte („centre“). Man sprach nach wie vor von den „extrĂ©mitĂ©s“, nun aber auch von „extrĂȘme gauche“ und „extrĂȘme droite“. Bereits vor 1820 gehörte das Kontinuum extrĂȘme droite - droite modĂ©rĂ©e - centre droite - centre gauche - gauche modĂ©rĂ©e - extrĂȘme gauche (Ultraroyalisten - gemĂ€ĂŸigte Konservative - Liberale - Radikale/Demokraten - Sozialisten) zum festen politischen Sprachgebrauch.

Von Frankreich aus breitete sich die Links-Rechts-Unterscheidung in ganz Europa aus. In Deutschland konstituierte sich das Paulskirchenparlament von 1848 nach ihrem Muster. Hier saßen die republikanischen Abgeordneten, die einen sofortigen Sturz der damaligen Monarchie forderten, links und die BefĂŒrworter einer konstitutionellen Monarchie rechts.

Typische Interpretationen

Der Gegensatz links-rechts steht im allgemeinen VerstĂ€ndnis stellvertretend fĂŒr die nachfolgend beschriebenen GegensĂ€tze.

EgalitĂ€r – ElitĂ€r

Ausgehend vom Gleichheitspostulat (EgalitĂ©) der französischen Revolution sind egalitĂ€re politische AnsĂ€tze zentral fĂŒr das SelbstverstĂ€ndnis der „Linken“. Diese richtete sich gegen Benachteiligungen bestimmter Bevölkerungsgruppen. Dies betraf zunĂ€chst die materiell schlechter gestellten Schichten (Arbeiterklasse), wurde spĂ€ter aber auch auf religiöse oder ethnische Minderheiten, Frauen, Ă€ltere Menschen, Behinderte, Homosexuelle und andere Bevölkerungsgruppen angewandt. Der Kampf fĂŒr politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung galt den Linken als Teil eines fortschrittlichen Strebens nicht nur nach Gleichheit, sondern auch nach Freiheit. Daher ist der Begriff der Emanzipation als Bezeichnung fĂŒr die Befreiung und Selbstbestimmung benachteiligter Gruppen fĂŒr das SelbstverstĂ€ndnis linker Gruppen und Organisationen ein wichtiger Bezugspunkt.

Die „Rechte“ rechtfertigt die Notwendigkeit einer mehr oder weniger stark ausgeprĂ€gten Ungleichheit. Die GrĂŒnde dafĂŒr werden entweder in der Natur des Menschen (Begabung, BefĂ€higung) gesehen oder die Ungleichheit wird auf gesellschaftliche NĂŒtzlichkeitserwĂ€gungen (Leistungsanreiz) zurĂŒckgefĂŒhrt. In diesem Zusammenhang wird die Herausbildung von Eliten befĂŒrwortet, aus denen sich das FĂŒhrungspersonal gesellschaftlich bedeutsamer (politischer, kultureller, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher) Einrichtungen rekrutiert. Dagegen gelten linke/egalitĂ€re Konzepte als „Gleichmacherei“ und werden als Eingriffe in individuelle Freiheitsrechte und Entfaltungsmöglichkeiten oder in die hergebrachte Gesellschaftsordnung abgelehnt.

Im demokratischen Rechtsstaat steht nach erfolgter politischer Gleichberechtigung die Verteilung gesellschaftlichen Reichtums im Zentrum der Auseinandersetzung ĂŒber egalitĂ€re bzw. antiegalitĂ€re AnsĂ€tze. Differenzierungen beim Verdienst (PrimĂ€rverteilung) werden mit unterschiedlicher „Begabung“ und „Leistung“ des Individuums begrĂŒndet. Die Frage nach einer „angemessenen“ einkommensabhĂ€ngigen Steuerbelastung (SekundĂ€rverteilung) ist ein bedeutenderer Streitpunkt in der politischen Auseinandersetzung, da die Besteuerung im unmittelbaren Zugriff der Gesetzgebung liegt.

WillkĂŒrliche Ungleichbehandlung (Diskriminierung) aufgrund von Sprache, Geschlecht, „Rasse“, Herkunft, Religion, politischer Anschauungen oder Behinderungen sind in demokratischen Rechtsstaaten geĂ€chtet. Umstritten ist jedoch, ob und in welchem Umfang der Staat Maßnahmen zum Ausgleich von Benachteiligungen ergreifen soll und inwiefern der Staat Diskriminierung im gesellschaftlichen Bereich entgegentreten soll. Dabei wird zwischen Gleichstellung und Gleichbehandlung unterschieden. So werden von Teilen der heutigen Linken zur Durchsetzung gesellschaftlicher Gleichstellung Maßnahmen gerechtfertigt, die als Ungleichbehandlung im Sinne einer Besserstellung gesellschaftlich benachteiligter Gruppen konzipiert sind („umgekehrte Diskriminierung“).

Progressiv – Konservativ

In der Anfangszeit der westlichen Demokratien, insbesondere im 19. Jahrhundert, bemĂŒhten sich die Linken vor allem um die Verbesserung der Lebensbedingungen der unteren Schichten, insbesondere der Arbeiter, um die Durchsetzung der Menschenrechte und damit um eine kontinuierliche Erneuerung der Gesellschaft. Die Linke propagierte dies als gesellschaftlichen Fortschritt (ProgressivitĂ€t). Die Rechten traten hingegen fĂŒr die Wahrung des Status quo in Bezug auf politische und ökonomische VerhĂ€ltnisse ein und verwiesen auf „hergebrachte“ gesellschaftliche Normen, wodurch sie auch die Bezeichnung „konservativ“ („bewahrend“) erwarben.

Mehrere Entwicklungen erschweren heute die Einteilung nach den Begriffen konservativ/progressiv: In den westlichen Demokratien nach 1945 haben auch eher rechts stehende Parteien eigenstĂ€ndige programmatische Fortschrittskonzepte entwickelt und eine eigene Politik der technischen wie auch gesellschaftlichen Modernisierung vertreten. Unterdessen ist es innerhalb und zwischen Organisationen mit linkem SelbstverstĂ€ndnis Ă€ußerst umstritten, welche Auffassungen und Maßnahmen als „progressiv“ anzusehen sind. Zudem entwickelte sich die Ideologiefigur der „Verteidigung fortschrittlicher Errungenschaften“, die als eine linke Variante konservativer DenkansĂ€tze angesehen werden kann.

Internationalistisch – Nationalistisch

Der egalitĂ€ren Grundidee entsprechend verfolgte die Linke lange Zeit einen internationalistischen Ansatz, begriff sich als weltweite Bewegung und organisierte sich international. Nach 1945 begriffen allerdings viele linke Gruppierungen ihre Aufgabe als „nationalen Befreiungskampf“ und stĂŒtzten sich dabei auf antiimperialistische Ideologien. Zur Befriedigung patriotischer Emotionen in der Bevölkerung, zur Durchsetzung territorialer MachtansprĂŒche oder als Ausdruck eines antiimperialistischen Weltbildes wurden auch von Regierungen mit linkem SelbstverstĂ€ndnis nationalistische AnsĂ€tze vertreten. Im Zusammenhang einer globalisierungskritischen Vorstellungswelt wird heute von Teilen der „Linken“ die SouverĂ€nitĂ€t der Nationalstaaten als Voraussetzung fĂŒr die Absicherungen sozialer Errungenschaften angesehen und gegen eine InternationalitĂ€t des Kapitalismus gedanklich in Stellung gebracht.

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts verfolgte das rechte Lager eine nationalistische Politik und vertritt eine entsprechende Ideologie noch heute. Zugleich versteht sich das „bĂŒrgerliche Lager“ in Westeuropa – inklusive der Liberalen – aber als treibende Kraft der wirtschaftlichen Globalisierung und verweist auf seinen Beitrag zur europĂ€ischen Einigung.

Weitere GegensÀtze

WĂ€hrend die oben genannten GegensĂ€tze zumindest ursprĂŒnglich auf das Links-Rechts-Spektrum abgebildet werden konnten, ist dies bei weiteren GegensĂ€tzen nicht oder nur im Einzelfall möglich. Dies ist auch die Basis fĂŒr alternative Modelle.

Ein typisches Beispiel hierfĂŒr ist der Gegensatz Zentralistisch – Separatistisch. Bei einigen Staaten mit starken Autonomie-Bewegungen, z. B. Spanien, gibt es sowohl im linken als auch rechten Teil des politischen Spektrums zentralistische und separatistische Parteien.

Einordnung der politischen Strömungen

Heutige demoskopische Untersuchungen zeigen, dass sich die WĂ€hler der einzelnen parlamentarisch vertretenen Parteien in ihrem SelbstverstĂ€ndnis jeweils ĂŒber weite Bereiche des politischen Spektrums verteilen. So sehen sich in einer 2007 von Emnid durchgefĂŒhrten Umfrage bei den WĂ€hlern von BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen 76 Prozent als „links“, bei denen der SPD 39 Prozent, bei denen der CDU 25 Prozent und bei denen der FDP 23 Prozent. Insgesamt sagten 34 Prozent der BundesbĂŒrger, sie seien im politischen Spektrum „links“ zu verorten, 52 Prozent ordnen sich der „politischen Mitte“ zu und 11 Prozent der politischen Rechten.[2]

Konservatismus

Das „konservativ-bĂŒrgerliche Lager“ betont in der Selbstdarstellung meist den konservativen und seltener den elitĂ€ren Aspekt der eigenen Politik. Gerade aus der Opposition heraus wird hĂ€ufig mit egalitĂ€ren Ideen geworben, zum Teil auch zur Abgrenzung zu liberalen Positionen.

Der Begriff rechts fĂŒr die eigene Position wird von den Konservativen vermieden, der Begriff links – wenn ĂŒberhaupt – meist nur abwertend fĂŒr politische Gegner benutzt. Ebenso wie im sozialdemokratischen und liberalen Lager wird von einigen konservativen Volksparteien zunehmend der Begriff „Politische Mitte“ proklamiert.

Sozialdemokratie

Viele sozialdemokratische Parteien distanzieren sich zunehmend von der Klassifizierung als „linke Partei“, um eine breitere Akzeptanz zu erreichen.

Im Godesberger Programm der deutschen SPD von 1959 wurde der Begriff links nicht explizit verwendet, im Berliner Programm heißt es lediglich rĂŒckblickend: „Die Sozialdemokratische Partei stellte sich in Godesberg als das dar, was sie seit langem war: die linke Volkspartei.“ Im Bundestagswahlkampf 1998 warb die SPD mit dem Schlagwort der „Neuen Mitte“. Im Oktober 2007 verabschiedeten Hamburger Programm definiert sie sich als „linke Volkspartei“[3]. Im vorangegangenen Bremer Entwurf vom Januar 2007 wurde die SPD noch zusĂ€tzlich als „Partei der solidarischen Mitte“ definiert[4].

Liberalismus

Der Liberalismus lĂ€sst sich anhand dieser Sichtweise kaum einer bestimmten politischen Orientierung im rechts-links Schema zuordnen, weil er einerseits sehr stark die rechtliche Gleichstellung propagiert, leistungsbedingte soziale Unterschiede jedoch als Anreiz fĂŒr persönliches Engagement befĂŒrwortet. Eine Einordnung ist mittels Nolan-Diagramm möglich. Oftmals wird von den Liberalen dem Gegensatz elitĂ€r-egalitĂ€r der Gegensatz liberal-regulativ entgegengesetzt. Liberale streben sowohl in Bereichen des persönlichen als auch im Bereich des wirtschaftlichen Lebens nach der grĂ¶ĂŸtmöglichen Selbstbestimmung und Eigenverantwortung des Individuums.

In Deutschland und anderen europĂ€ischen Staaten wird der parlamentarische Liberalismus aufgrund seiner WirtschaftsnĂ€he („Leistungsgerechtigkeit“) teilweise als politisch „rechts“ oder „bĂŒrgerlich“ eingestuft.

In den Vereinigten Staaten wird „liberalism“ aufgrund der Betonung auf gesellschaftliche Gleichstellung und Individualrechte eher als politisch „links“ angesehen (vergleichbar mit der europĂ€ischen Sozialdemokratie), wĂ€hrend Liberale nach europĂ€ischem VerstĂ€ndnis eher als „fiscal conservative“ oder „libertarian“ (vgl. Libertarian Party) bezeichnet werden.

Sozialismus

Viele EuropĂ€ische Sozialisten definieren sich mittlerweile direkt ĂŒber das Attribut links. Dies kommt am deutlichsten darin zum Ausdruck, dass sich viele Parteien direkt als Linkspartei bezeichnen.

In Deutschland gab sich 2005 die Partei des Demokratischen Sozialismus den neuen Namen Die Linkspartei.PDS, durch Fusion mit der WASG entstand daraus 2007 die Partei Die Linke.

In Österreich wurde 2000 von Trotzkisten die Sozialistische Linkspartei gegrĂŒndet, die neben der Ă€lteren, grĂ¶ĂŸeren und bei Wahlen erfolgreicheren KPÖ (Kommunistische Partei Österreichs) als weitere Partei links der Sozialdemokratie agiert. Im Zuge der Vorbereitungen zur Nationalratswahl 2008 konstituierte sich ein Linksprojekt, das nach dem Vorbild der deutschen Linkspartei linke sozialdemokratische und gewerkschaftliche sowie weitere links der SPÖ stehende KrĂ€fte vereinigen soll.

GrĂŒne

Die GrĂŒnen in den westlichen LĂ€ndern entstanden aus der Friedens- und Umweltbewegung und galten deshalb lange Zeit als links bzw. links-liberal. Allerdings hatte sich die grĂŒne Partei in Deutschland zunĂ€chst mit rechten Strömungen in den eigenen Reihen (z. B. Herbert Gruhl) auseinanderzusetzen, schlug dann jedoch einen durch linke Strömungen (z. B. Ökosozialisten) beeinflussten Kurs ein. Mit den zunehmenden Regierungsbeteiligungen in den 1990er Jahren haben sie sich jedoch in einigen LĂ€ndern von radikal-pazifistischen Positionen verabschiedet und in Wirtschaftsfragen neoliberalen Konzepten angenĂ€hert, was diese Einstufung in Frage stellt. Zuletzt vollzogen sich bei der grĂŒnen Partei in Deutschland innerparteilich ein Prozess der KlĂ€rung von Positionen in wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen, infolgedessen wirtschaftsliberale KrĂ€fte (z. B. Oswald Metzger) die Partei verließen.

Ökologische Positionen sind nicht notwendigerweise mit traditionell „linken“ Positionen verknĂŒpft. So gelten zum Beispiel die GrĂŒnen in Lettland eher als konservativ, ebenso die ÖDP in Deutschland. Die BĂŒrgerrechtler des BĂŒndnis 90, welches 1993 mit den gesamtdeutschen GrĂŒnen fusionierte, sahen sich zwar eher „links“, grenzten sich aber radikal von der PDS ab. Einige Mitglieder vertraten sogar konservative Positionen, wie zum Beispiel Vera Lengsfeld und GĂŒnter Nooke, die sich spĂ€ter in der CDU organisierten. In der Schweiz grenzen sich die GrĂŒnliberalen von den GrĂŒnen durch eine liberale Wirtschaftspolitik und eine eher restriktive Finanz- und Sozialpolitik ab.

Wertung der Randbereiche

Aufgrund der Vielzahl an Parteien erfolgt im deutschsprachigen Raum an den Enden des politischen Spektrums eine zusĂ€tzliche Abstufung mittels der Attribute radikal und extrem, wobei Letzteres als weiter von der Mitte „entfernt“ betrachtet wird.

Hieraus ergibt sich folgende Skala:

linksextrem – linksradikal – links – Mitte – rechts – rechtsradikal – rechtsextrem

Nach Seymour Martin Lipset und Earl Raab bedeutet Extremismus „Antipluralismus“ und die „Schließung des politischen Marktes“.[5] Hiernach ist fĂŒr Lipset auch ein Extremismus der Mitte denkbar.

Siehe auch: Radikalismus, Extremismus, Rechtsextremismus, Linksextremismus, Linksradikalismus

Alternative und ergÀnzende Attribute

Da das Modell des politischen Spektrums nur bedingt dazu geeignet ist, die Parteienlandschaft umfassend zu beschreiben, werden zusĂ€tzliche Attribute fĂŒr die Einordnung herangezogen. Dabei werden die Parteien und Strömungen allgemein oder in Bezug auf ein bestimmtes Themenfeld Ideologien und politischen Konzepten zugeordnet.

Durch weitere ZusÀtze wird versucht, zusÀtzliche Nuancen zu setzen:

  • Mit dem Zusatz neo wird die Renaissance bereits bestehender Strömungen bezeichnet. Meistens sind die Ableger inhaltlich flexibler oder methodisch radikaler. Die Vorsilbe hat allgemein eine negative Konnotation und wird deswegen selten bei der Selbstbezeichnung verwendet. Siehe Neoliberalismus, Neokonservatismus.
  • Mit dem Zusatz wert wird die Einstellung von Parteien zu Fragen von Moral und Ethik bewertet (meist wertkonservativ, seltener wertliberal).
  • Da gerade das Konzept des Liberalismus auf sehr unterschiedliche Themenfelder bezogen wird, wird es besonders oft mit ZusĂ€tzen versehen (z. B. wirtschaftsliberal, wertliberal). Als sozialliberal bezeichnet sich zum Beispiel die Demokratische Partei der Vereinigte Staaten, in Deutschland bezeichnet „sozialliberal“ meist eine Koalition aus Sozialdemokraten und Liberalen.
  • Mit dem Attribut alternativ haben sich Strömungen und Konzepte der Umwelt- und Friedensbewegung selbst beschrieben. Damit sollte vor allem der radikale Bruch mit dem bestehenden politischen Establishment zum Ausdruck gebracht werden. Da sich die Bewegung mit den GrĂŒnen aber mittlerweile selbst etabliert hat und das Adjektiv keine inhaltliche Abgrenzung darstellt, wird es heute nur noch selten verwendet.
  • Gelegentlich werden bestimmte Parteien als populistisch bezeichnet, weil sie vermeintlich ĂŒberwiegend mit populĂ€ren Forderungen und weniger mit kohĂ€renten Programmen um UnterstĂŒtzung in der Bevölkerung kĂ€mpfen. In Österreich betrifft dies vor allem die als rechtspopulistisch bezeichneten Parteien FPÖ und BZÖ. In der Schweiz gilt die SVP als stark rechtspopulistisch.
  • Das Attribut post dient zur Charakterisierung von Parteien anhand einer Vergangenheit, von der sie sich mehr oder weniger distanziert haben, z. B. beim Übergang von einer Diktatur zu einer Demokratie (Postkommunisten, Postfaschisten).
  • Das PrĂ€fix ultra soll ausdrĂŒcken, dass die Partei den benannten Aspekt in den Mittelpunkt ihrer Politik stellt und hat damit eine Ă€hnliche Bedeutung wie das Suffix extrem. Die hĂ€ufigste Kombination ist ultranational. Aufgrund der negativen Konnotation wird es meist nur als Fremdbezeichnung benutzt (zum Beispiel ultranationalistisch fĂŒr die Serbische Radikale Partei).

Kritik

Starke Vereinfachung

Ein Hauptkritikpunkt ist die extreme Vereinfachung der politischen Landschaft durch die Projektion verschiedener programmatischer Unterschiede auf eine einzige Achse. DarĂŒber hinaus wird kritisiert, dass der Begriff Spektrum eine KontinuitĂ€t suggeriert (wie z. B. bei den Farbschattierungen des Lichtspektrums), obwohl auch ideologisch „benachbarte“ politische Strömungen klare Bruchlinien aufweisen können und die einzelnen politisch-ideologischen Ausrichtungen keineswegs immer bruchlos ineinander ĂŒbergehen.

Korrelation zwischen Zielen und Methoden

Die Verwendung dieser Attribute stellt indirekt eine positive Korrelation zwischen der RadikalitĂ€t von Ideen (d. h. wie sehr sie vom Status Quo abweichen) und der Vehemenz, mit der sie vertreten werden (latente oder offene Gewalt gegen Andersdenkende oder den Staat), her. Obwohl diese Korrelation naturgemĂ€ĂŸ in gewissem Maße gegeben ist (die Parteien der Mitte haben in der Regel die UnterstĂŒtzung von Exekutive, Justiz und Medien und bedĂŒrfen selbst keiner extremen Maßnahmen), ist sie jedoch keineswegs zwingend. So gibt es moderate Gruppierungen mit radikalen Ideen und aggressive Verfechter allgemein akzeptierter Ansichten. Diesen Umstand versuchen linke und rechte Gruppierungen in jĂŒngster Vergangenheit durch den Begriff Mitt-Extremismus (Extremismus der Mitte) zu verdeutlichen.

Alternative Modelle

Hufeisenschema

Das Hufeisenschema

Ein alternativer, aber ebenfalls stark vereinfachender Ansatz besteht darin, die politische Landschaft nicht als horizontale Gerade, sondern als offenen Kreis („Hufeisenschema“) zu sehen [6]. Durch diese Darstellung soll zum Ausdruck gebracht werden, dass sich die beiden RĂ€nder in manchen Punkten nĂ€her sind als es der Rand zur Mitte ist. Hierbei werden jedoch partielle Übereinstimmungen in den Methoden ĂŒber grundsĂ€tzliche Unterschiede bei den Zielen sowie beim Welt- und Menschenbild gestellt.

Politisches Wertedreieck

Politisches Wertedreieck

Speziell von den Liberalen wird das sogenannte „politische Wertedreieck“ als Modell angewandt. Hier gibt es nicht wie beim linearen Spektrum ein links und rechts, sondern ein Dreieck mit folgenden Werten als Eckpunkte:

  • Sicherung/Konservatismus – BewĂ€hrtes bewahren, Sicherung des Status Quo
  • Gleichheit/Sozialismus – auf wirtschaftliche Umverteilung von reich nach arm beziehungsweise auf Ausgleich innerhalb der Gesellschaft setzen
  • Freiheit/Liberalismus – mögliche Chancen nutzen und persönliche Freiheiten stĂ€rken

Der Vorteil dieses Modells liegt darin, dass man die Parteien innerhalb dieses Dreiecks genauer platzieren kann. Das Extreme ist hierbei nicht nur auf die drei Spitzen beschrÀnkt, sondern auch auf den gesamten Rand der drei Dreiecksseiten.

Politischer Kompass

Politischer Kompass

Ein Ă€hnliches Konzept ist der politische Kompass, der durch die Webseite politicalcompass.org populĂ€r geworden ist. Er besitzt ebenfalls zwei Achsen, nĂ€mlich Links – Rechts in Bezug auf die Wirtschaft und die Achse AutoritĂ€r – Liberal, die sich auf das soziale Zusammenleben bezieht. Dabei steht Links fĂŒr eine Kontrolle oder gar Steuerung der Wirtschaft durch den Staat oder internationale Instanzen, Rechts fĂŒr Wirtschaftsliberalismus. AutoritĂ€r steht fĂŒr den Autoritarismus, Liberal fĂŒr Liberalismus, allerdings nur auf soziale und nicht auf ökonomische Fragen bezogen (d.h. ohne Wirtschaftsliberalismus). Der politische Kompass ordnet zum Beispiel den im politischen Spektrum als links eingeordneten Stalin als linken AutoritĂ€ren (im Bild links oben), den rechts eingeordneten Hitler als AutoritĂ€ren ohne einen besonderen Hang zu links/rechts (im Bild oben, in der Mitte) ein. Die tatsĂ€chlichen Parallelen zwischen Stalin und Hitler sind also nach Ansicht der Ersteller auch im politischen Kompass vorhanden.[7]

Ein weiterer Ansatz, politische Orientierungen zweidimensional ĂŒber das Maß an ökonomischer und gesellschaftlicher Freiheit darzustellen, ist das Nolan-Diagramm.

Politische Milieus

Statt der zweidimensionalen Polarisation eines politischen Spektrums bemĂŒht sich die Erforschung von (politischen) Milieus um die Einteilung gesellschaftlicher Gruppen gemĂ€ĂŸ Ă€hnlicher Werteorientierungen, Alltagseinstellungen und dem sozialen Status. Die bedeutendsten Studien zu (politischen) Milieus erstellt das Sinus-Institut (Sinus-Milieu). An die Stelle der links/rechts-Achse tritt die Orientierung an traditionellen Werten (Ordnung, PflichterfĂŒllung), Modernisierung (Individualisierung, Selbstverwirklichung) sowie Neuorientierung (Experimentierfreude, Leben in Paradoxien). Obwohl manche Milieus ihrer Bezeichnung nach mit bestimmten politischen Einstellungen in Verbindung zu bringen sind (z. B. „Konservative“), zielt die Sinus-Milieukartierung nicht vorrangig auf die Abgrenzung von in ihren politischen Haltungen möglichst homogenen Gruppen. [8]

Sitzordnung in einigen Parlamenten

Deutscher Bundestag

Beim Deutschen Bundestag wird die Sitzordnung vom Vor-Ältestenrat auf der Basis von VorschlĂ€gen der Bundestagsverwaltung festgelegt. Der Vor-Ältestenrat besteht aus dem noch amtierenden BundestagsprĂ€sidenten und den parlamentarischen GeschĂ€ftsfĂŒhrern der Fraktionen des scheidenden Bundestages und Vertretern aller Fraktionen des neuen Bundestages.

Bei der Sitzordnung orientiert man sich traditionell grob am politischen Spektrum.

Aktuelle Sitzordnung des Deutschen Bundestages:

Die Linke – SPD – BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen – CDU/CSU – FDP

Die FDP wurde 1949 rechts von den Unionsparteien platziert, da sie damals allgemein als rechtsliberal galt. SpĂ€ter wollte keine der beiden Seiten tauschen.[9] Bis 1983 bestand die SPD darauf, dass links von ihr keine Fraktion sitzen darf. Daher sitzt die GrĂŒnen-Fraktion rechts von ihr, obwohl sie in ihrer Anfangszeit als deutlich „linker“ betrachtet wurde. Beim Einzug der damaligen PDS 1990 bestand die SPD nicht weiter auf ihren Ă€ußeren Platz.

Nationalrat (Österreich)

In Österreich hat die Sitzordnung des Parlamentes nichts mit der politischen Richtung der Parteien zu tun.

SPÖ – FPÖ – GrĂŒne - BZÖ – ÖVP

Nationalrat (Schweiz)

Bei der Sitzordnung orientiert man sich traditionell grob am politischen Spektrum.

SP – GPS vorn, CVP hinten – diverse Kleinparteien vorn, FDP.Die Liberalen hinten – SVP

Quellen

  1. ↑ Jean A. Laponce: Left and Right, The Topography of Political Perceptions, Toronto Buffalo London 1981
  2. ↑ Netzeitung: Jeder dritte Deutsche fĂŒhlt „links“
  3. ↑ Hamburger Programm. Grundsatzprogramm der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (PDF)
  4. ↑ „Bremer Entwurf“ fĂŒr ein neues Grundsatzprogramm der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Januar 2007 (PDF)
  5. ↑ Seymour Martin Lipset, Earl Raab: The Politics of Unreason: Right Wing Extremism in America, Chicago (Chicago University Press) 1978. ISBN 0-226-48457-2
  6. ↑ Uwe Backes: Politischer Extremismus in demokratischen Verfassungsstaaten. Elemente einer normativen Rahmentheorie. 1989
  7. ↑ Analyse historischer Personen bei politicalcompass.org
  8. ↑ Milieukartierung des Sinus-Instituts 2010
  9. ↑ JĂŒrgen W. Falter in der SĂŒddeutschen Zeitung vom 17. August 2006

Weblinks

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