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Aluminiumchlorid

Kristallstruktur
Kristallgitter des Aluminiumchlorids
__ Al3+     __ Cl−
Allgemeines
Name Aluminiumchlorid
Andere Namen
  • Aluminiumtrichlorid
  • Aluminium(III)-chlorid
VerhÀltnisformel AlCl3
CAS-Nummer 7446-70-0
PubChem 24012
Kurzbeschreibung

weißer bis gelblicher Feststoff[1] mit stechendem Geruch

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Adstringens

Verschreibungspflichtig: Nein
Eigenschaften
Molare Masse 133,34 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

2,44 g·cm−3[2]

Sublimationspunkt

180 °C (262 Â°C Zersetzung)[2]

Dampfdruck

1 hPa[2] (20 °C)

Löslichkeit

450 g·l−1 in Wasser (Zersetzung[2])

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [3]
05 – Ätzend

Gefahr

H- und P-SĂ€tze H: 314
EUH: keine EUH-SĂ€tze
P: 260-​280-​301+330+331-​305+351+338-​309-​310Vorlage:P-SĂ€tze/Wartung/mehr als 5 SĂ€tze [2]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung aus RL 67/548/EWG, Anh. I [3]
Ätzend
Ätzend
(C)
R- und S-SĂ€tze R: 34
S: (1/2)-7/8-28-45
LD50

3450 mg·kg−1[2]

Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−704 kJ·mol−1[4]

Soweit möglich und gebrÀuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche nicht möglich

Aluminiumchlorid ist eine anorganische chemische Verbindung; es ist das Chlorid des Aluminiums mit der Summenformel AlCl3.

Inhaltsverzeichnis

Synthese

Wasserhaltiges Aluminiumchlorid (in rhombischen Kristallen auftretendes Hexahydrat AlCl3 · 6 H2O) entsteht durch Auflösen von Aluminium in SalzsÀure:

<math>\mathrm{2 \ Al + 6 \ HCl + 6 \ H_2O \longrightarrow 2 \ AlCl_3 \cdot 6 \ H_2O + 3 \ H_2}</math>

Dieses Hexahydrat kann jedoch nicht entwÀssert werden, da es sich beim Erhitzen zu Aluminiumhydroxid bzw. Aluminiummetahydroxid und Chlorwasserstoffgas zersetzt:

<math>\mathrm{AlCl_3 \cdot 6 \ H_2O \longrightarrow AlO(OH) + 3 \ HCl + 4 \ H_2O}</math>

So muss die Herstellung von wasserfreiem Aluminiumchlorid durch Überleiten von Chlor ĂŒber Kohlenstoff und Aluminiumoxid bei etwa 800 Â°C oder direkt aus den Elementen erfolgen:

<math>\mathrm{Al_2O_3 + 3 \ C + 3 \ Cl_2 \longrightarrow 2 \ AlCl_3 + 3 \ CO}</math>

beziehungsweise:

<math>\mathrm{2 \ Al + 3 \ Cl_2 \longrightarrow 2 \ AlCl_3}</math>

FĂŒr die großtechnische Herstellung von Aluminiumchlorid werden aufgrund der hohen AggressivitĂ€t des Prozesses emaillierte RĂŒhrbehĂ€lter verwendet.

Eigenschaften

Kristallstruktur von AlCl3 in Polyederansicht
Strukturformel des Dimeren des Aluminiumchlorids (Gasphase)

Aluminiumchlorid bildet farblose, hexagonale Kristalle. Es ist in vielen organischen Lösungsmitteln löslich. Das meist auf Grund von Verunreinigungen mit Eisenchloriden hellgelbe Pulver wirkt stark hygroskopisch. In feuchter Luft raucht es wegen teilweiser Hydrolyse zu Chlorwasserstoff und Aluminiumoxid-chlorid. In Wasser löst es sich unter starker ErwĂ€rmung unter Bildung des Hexahydrats. In unpolaren Lösungsmitteln, flĂŒssiger Phase sowie im Dampfzustand tritt Aluminiumchlorid in einer dimeren Form als Cl2AlCl2AlCl2 auf, in dem das Aluminiumatom tetraedrisch koordiniert ist (analog zum Aluminiumbromid). Im festen Zustand liegt ein Ionengitter vor, in dem das Aluminiumion 6-fach durch Cl− koordiniert ist. Beim Schmelzen bricht das Ionengitter unter Bildung des Dimeren zusammen. Da dieses kovalent aufgebaut ist, leitet flĂŒssiges Aluminiumchlorid den elektrischen Strom nur schlecht.[5]

Aluminiumchlorid wird als der Grenzfall zwischen MolekĂŒl und Ion angesehen, es hat eine delta-EN von 1,55 (nach Pauling). Damit sollte es sich eigentlich um eine polare Atombindung handeln.

Reaktionsverhalten

In stark exothermer Reaktion kommt Aluminiumchlorid in Wasser in Lösung, wobei eine Hydrolyse in Chloridionen und Hexaaquaaluminiumkomplexe erfolgt:

<math>\mathrm{AlCl_3 + 6 \, H_{2}O \longrightarrow [Al(H_{2}O)_{6}]^{3+} + 3\ Cl^-}</math>

Diese Hexaaquaionen gehen schließlich in stark saurer Reaktion in eine Hydroxyverbindung ĂŒber:

<math>\mathrm{[Al(H_{2}O)_{6}]^{3+} + H_{2}O \longrightarrow [Al(H_{2}O)_{5}OH]^{2+} + H_{3}O^+}</math>

Verwendung

Probe von Aluminium-
Trichlorid-Hexahydrat

Das Hexahydrat des Aluminiumchlorids findet auf Grund seiner stark adstringierenden Wirkung in der Textil- und Seifenindustrie Verwendung, wo es unter anderem der Herstellung von antiseptischen Mitteln oder Deodorants dient. Weiterhin wirkt es als starke Lewis-SĂ€ure sowie in der organischen Synthese (hier meist wasserfrei) als Katalysator bei Dehydrierungen, Polymerisationen und Friedel-Crafts-Reaktionen (Friedel-Crafts-Alkylierung, Friedel-Crafts-Acylierung). Außerdem wird es als HalogenĂŒbertrĂ€ger und Kondensationsmittel verwendet.

Gegen leichte EntzĂŒndungen im Rachenraum werden aluminiumchloridhaltige Lösungen zum Gurgeln angeboten. Es ist in Apotheken erhĂ€ltlich.

Wasserhaltiges Aluminiumchlorid bildet polymere Strukturen, die als Polyaluminiumchlorid (PAC) bekannt sind. Es gilt als effektives kombiniertes Flockungsmittel und FĂ€llungsmittel, mit dem eine Reihe gelöster Stoffe in den ungelösten Zustand ĂŒberfĂŒhrt und sehr unterschiedliche Arten von Schwebstoffen aus wĂ€ssrigen Lösungen entfernt werden können.

Polymere Aluminiumchloride werden seit den 1970er Jahren u.a. im Rahmen der Aufbereitung von Betriebswasser, Trinkwasser, Abwasser und Schwimmbeckenwasser als Flockungsmittel und FĂ€llungsmittel eingesetzt. In Europa haben PAC aufgrund technischer und wirtschaftlicher Merkmale das damals ĂŒbliche Aluminiumsulfat im Bereich der Trinkwasseraufbereitung ersetzt. Außerhalb Europas hingegen ist die Verbreitung gering.

Verwendung als Antitranspirant (Schweißhemmer)

Aluminiumchlorid-Hexahydrat kann in bestimmten Konzentrationen durch lokales Auftragen gegen ĂŒbermĂ€ĂŸiges Schwitzen benutzt werden und dient daher auch als Wirkstoff in vielen Deos bzw. Antitranspirants. In diversen Foren finden sich Rezepte zum Herstellen eines Antitranspirants mit Aluminiumchlorid. Aluminiumchlorid ist Ă€tzend, laut Erfahrungsberichten kann bei richtiger Dosierung jedoch lediglich eine leichte Reizung der Haut auftreten. Um diese zu lindern sind den meisten Antitranspirants Glycerin (bzw. Glycerol) oder Pflanzenextrakte beigesetzt.

Gefahren

Aluminiumchlorid in Deodorants und Antitranspirants kann aufgrund der adstringierenden Wirkung der pH-sauren Lösung die Haut reizen. Es können lokale Rötungen, Jucken und Brennen auftreten. Die Bildung eines Ekzems ("Deo-Ekzem") und die Entwicklung einer dauerhaft allergischen Reaktion sind möglich.

Aluminiumchlorhydrate in Deodorants standen zeitweise im Verdacht, mit Brustkrebs in Verbindung zu stehen, da in Tumorgewebe akkumuliertes Aluminium gefunden worden war. Jedoch war der Zusammenhang mit der Entstehung von Brusttumoren unklar und die Aufnahme in die Zellen ungeklĂ€rt.[6] Eine Metastudie aus dem Jahr 2008, bei der die bisherigen Untersuchungen zu diesem Thema zusammengefasst wurden, kommt zu dem Schluss, dass es keine wissenschaftlichen Nachweise fĂŒr diese Theorie gibt.[7] Das Deutsche Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung BfR und der Krebsinformationsdienst KID (öffentliches Organ des Deutschen Krebsforschungszentrums DKFZ) sowie internationale BrustkrebsverbĂ€nde geben offiziell Entwarnung.

HandelsprÀparate

MonoprÀparate

AHC20 (CH), AHC30 (CH), Everdry (D), Gargarisma zum Gurgeln (D), Mallebrin (D), Never-Sweat (D), Odaban (GB), Seven days (D), Sweat Protect (D), Yerka (D)

Einzelnachweise

  1. ↑  Thieme Chemistry (Hrsg.): RÖMPP Online - Version 3.5. Georg Thieme Verlag KG, Stuttgart 2009.</span>
  2. ↑ a b c d e f Datenblatt Aluminiumchlorid bei Merck, abgerufen am 24. April 2010.
  3. ↑ a b Eintrag zu CAS-Nr. 7446-70-0 im European chemical Substances Information System ESIS (ergĂ€nzender Eintrag)
  4. ↑ PAETEC Formelsammlung Ausgabe 2003, S. 116.
  5. ↑ Greenwood, Earnshaw, Die Chemie der Elemente, 1990, Wiley-VCH. ISBN 978-3-527-26169-7.
  6. ↑ P. D. Darbre: Aluminium, antiperspirants and breast cancer. J. Inorg. Biochem. (2005) 99(9): S. 1912-1919; PMID 16045991.
  7. ↑ Namer M, Luporsi E, Gligorov J, Lokiec F, Spielmann M.: The use of deodorants/antiperspirants does not constitute a risk factor for breast cancer. Centre Antoine-Lacassagne, Nice, France. (2008); PMID 18829420.
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