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Popolo della LibertĂ 

Popolo della LibertĂ 
Parteilogo
Partei­vor­stand Silvio Berlusconi
presidente )
Angelino Alfano
segretario )
Ignazio La Russa, Denis Verdini, Sandro Bondi
coordinatore )
Daniele Capezzone
portavoce )
GrĂŒndung 29. MĂ€rz 2009
Ideologie konservativ, christdemokratisch, wirtschaftsliberal
EuropÀische Partei EVP
EP-Fraktion EVP
Abgeordnete 228
Senatoren 131
Europaabgeordnete 25
Parteizeitung Il Giornale della LibertĂ 
Webseite www.ilpopolodellaliberta.it

Popolo della LibertĂ  (kurz PDL, deutsch: Volk der Freiheit) ist eine politische Partei in Italien. Sie ist aus der Fusion von Forza Italia und Alleanza Nazionale sowie kleinerer Parteien entstanden. GrĂŒnder und Vorsitzender ist Italiens ehemaliger MinisterprĂ€sident Silvio Berlusconi.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Nachdem sich die zwei grĂ¶ĂŸten Parteien des Mitte-links-Lagers im Herbst 2007 zum Partito Democratico zusammengeschlossen hatten, schlug Berlusconi vor, die an der bisherigen Casa delle LibertĂ  beteiligten Parteien in einer einzigen politische Kraft der rechten Mitte aufgehen zu lassen. Allerdings sprachen sich alle drei großen BĂŒndnispartner (Alleanza Nazionale, Lega Nord und UDC) gegen die eigene Auflösung aus.

Das Projekt wurde deshalb auf Eis gelegt. Nach dem Fall der Regierung Prodi und im Hinblick auf die vorgezogenen Parlamentswahlen wurde das Vorhaben einer gemeinsamen Partei kurzerhand wiederbelebt. Berlusconi und Fini gaben am 8. Februar 2008 bekannt, dass Forza Italia und Alleanza Nazionale mit der gemeinsamen Liste Popolo della LibertĂ  antreten und die Lega Nord mit einer eigenen Liste eine Koalition mit ihnen eingehen werde. Die UDC bestĂ€tigte Ihre Ablehnung gegenĂŒber Berlusconis Projekt und ging auch keine Koalition ein.[1]

Wahl 2008

Das Wahlprogramm der Partei, Rialzati, Italia! („Erhebe dich wieder, Italien“), wurde in sieben Punkten angelegt (in dieser Reihenfolge): Wachstum beleben; Familien unterstĂŒtzen; mehr Sicherheit; mehr Gerechtigkeit; Dienste an die BĂŒrger; der SĂŒden; Föderalismus; außerordentliche Maßnahmen fĂŒr den öffentlichen Haushalt.[2] Weitere Punkte waren die Abschaffung der Gemeindeimmobiliensteuer auf den Erstwohnsitz und die bevorzugte Besteuerung von Überstunden.

Bei den Parlamentswahlen am 13. und 14. April 2008 konnten PDL und seine verbĂŒndeten Lega Nord und Movimento per l’Autonomia einen Wahlsieg verbuchen. 46,81 % der Stimmen in der Abgeordnetenkammer bzw. 47,32 % im Senat sicherten der Koalition eine deutliche Mehrheit im Parlament. Das Popolo delle LibertĂ  alleine konnte 37,39 % bzw. 38,17 % einsammeln.

Der Weg zur eigenstÀndigen Partei

Nach dem Wahlsieg wurde eine einheitliche Fraktion im Parlament gebildet, die Abgeordnete und Senatoren von Forza Italia, Alleanza Nazionale und weiterer Kleinstparteien umfasste. Das Volk der Freiheit war aber noch keine eigenstĂ€ndige Partei, zumal die GrĂŒnderparteien ihre SelbstĂ€ndigkeit bis auf weiteres behalten hatten.

Am 21. November 2008 gab Silvio Berlusconi schließlich die Auflösung seiner alten Partei Forza Italia bekannt[3]. Die Alleanza Nazionale vollzog ihre Auflösung am 22. MĂ€rz 2009. Eine knappe Woche spĂ€ter wurde die GrĂŒndung der Partei Popolo della LibertĂ  auf dem Kongress in Rom (vom 27. bis 29. MĂ€rz) offiziell besiegelt. Das Volk der Freiheit ist nunmehr eine vollwertige Partei.

Die ursprĂŒngliche Parteihymne des Popolo della LibertĂ  war Berlusconi gewidmet und trug den Titel "Zum GlĂŒck gibt es Silvio".[4] Drei Monate nach Berlusconis Abgang als MinisterprĂ€sident wurde die neue Hymne "Leute der Freiheit" [5] vorgestellt.

GrĂŒnderparteien

Folgende Parteien gehörten zum GrĂŒndungskomitee des Popolo della LibertĂ  und sind mittlerweile alle darin aufgegangen:[6]

Die Bewegung Per la Liguria (FĂŒr Ligurien) ging spĂ€ter ebenfalls im PDL auf.

Andere Parteien, wie die Rentnerpartei (Partito Pensionati) und die Republikaner wollten ursprĂŒnglich in der Sammelpartei aufgehen, haben sich dann aber fĂŒr ihre SelbstĂ€ndigkeit entschieden. Die Liberaldemocratici sind ebenfalls eigenstĂ€ndig geblieben, ihr prominentestes Mitglied, Italiens frĂŒherer MinisterprĂ€sident Lamberto Dini, ist jedoch zum PDL ĂŒbergetreten.

Gewichtung innerhalb des PDL

Nach der Entstehung der Einheitspartei Popolo della LibertĂ , bemĂŒhte man sich bei der Besetzung wichtiger Ämter ein ausgewogenes VerhĂ€ltnis zwischen den zwei großen GrĂŒndungsmitgliedern Forza Italia (FI) und Alleanza Nazionale (AN) zu bewahren.

Zum PrĂ€sidenten des Senates, Italiens zweithöchstes Amt nach dem StaatsprĂ€sidenten, wurde Renato Schifani (FI), zum PrĂ€sidenten der Abgeordnetenkammer, dritthöchster WĂŒrdentrĂ€ger, wurde Gianfranco Fini (AN) gewĂ€hlt. Fraktionsvorsitzender des PDL in der Abgeordnetenkammer wurde Fabrizio Cicchitto (FI), wĂ€hrend im Senat Maurizio Gasparri (AN) den Vorsitz fĂŒhrt.

Im Kabinett Berlusconi IV sah das KrÀfteverhÀltnis so aus:

  • ehemalige Forza Italia (FI): MinisterprĂ€sident, 12 Minister und 17 UnterstaatssekretĂ€re
  • ehemalige Alleanza Nazionale (AN): 4 Minister und 8 UnterstaatssekretĂ€re
  • ehemalige Democrazia Cristiana per le Autonomie (DCA): 1 Minister

Politische Herkunft

Viele Mitglieder des Popolo della Libertà waren schon zu Zeiten der sogenannten Ersten Republik politisch aktiv. Nach ihrer Herkunft lassen sie sich in drei große Gruppen einteilen:

Zudem sind Mitglieder des untergegangenen Partito Liberale Italiano wie der ehemalige Verteidigungsminister Antonio Martino und der ehemalige Justizminister Alfredo Biondi im PDL beheimatet, wie auch ehemalige Radicali Italiani, so Benedetto Della Vedova und Daniele Capezzone (derzeit Parteisprecher).

Politische Strömungen

Offiziell gibt es keine Strömungen (correnti) innerhalb des PDL. Dennoch gibt es zur Partei gehörige Vereine und Stiftungen, die zum Teil unterschiedliche Positionen vertreten.[7][8]

  • Rete Italia, ein christdemokratischer Verein, der Comunione e Liberazione nahe Positionen vertritt: Roberto Formigoni, Maurizio Lupi und der Europaparlamentarier Mario Mauro gehören dieser Strömung an.
  • Riformismo e LibertĂ , von Fabrizio Cicchitto, einem ehemaligen Sozialisten.
  • Italia Protagonista, von Maurizio Gasparri.
  • Promotori della LibertĂ , von Sandro Bondi und Michela Vittoria Brambilla.
  • Task Force Italia, von Franco Frattini.
  • ResPublica, von Giulio Tremonti.
  • Nuova Italia, von Roms BĂŒrgermeister Gianni Alemanno.
  • Destra-PDL, von Domenico Nania.
  • Nostra Destra, von Ignazio La Russa.

Bis zum Austritt von Gianfranco Fini konnte man innerhalb der Partei zwei Lager ausmachen:

  • Die große Mehrheit stand geschlossen hinter MinisterprĂ€sident Silvio Berlusconi (Berlusconiani);
  • Eine Minderheit vertrat die Positionen von KammerprĂ€sident Fini (Finiani).

Abspaltung von Futuro e LibertĂ 

Zwischen den GrĂŒndervĂ€tern des PDL Berlusconi und Fini kam es mehrmals zu heftigen politischen und persönlichen Querelen. Gianfranco Fini vertrat in ethischen und Einwanderungsfragen einen liberalen Kurs und distanzierte sich offen vom BĂŒndnispartner Lega Nord. Zudem kritisierte er wiederholt Berlusconis "cĂ€saristischen" FĂŒhrungsstil und seine "Attacken" gegen die Institutionen.[9]

Die ZerwĂŒrfnisse fĂŒhrten im Juli/August 2010 zu einer Abspaltung der AnhĂ€nger Finis (u.a. Italo Bocchino, Benedetto Della Vedova, Adolfo Urso). Diese grĂŒndeten im Parlament eigene Fraktionen mit dem Namen Futuro e LibertĂ  per l’Italia (Zukunft und Freiheit fĂŒr Italien). In der Abgeordnetenkammer schlossen sich vorerst 34 Abgeordnete (und Fini) der neuen Fraktion an, im Senat 10.[10] Futuro e LibertĂ  per l’Italia ist nunmehr eine eigenstĂ€ndige Partei, die in der Zwischenzeit aber an Zulauf verloren hat. Einige Parlamentarier haben die Mitgliedschaft gekĂŒndigt und sind wieder dem PDL oder anderen Parteien beigetreten.

PDL in Regionen, Provinzen, Gemeinden

Seit den Regionalwahlen im MÀrz 2010 stellt das Volk der Freiheit den RegionalprÀsidenten in acht Regionen: Lombardei, Friaul-Julisch Venetien, Latium, Abruzzen, Molise, Kampanien, Kalabrien und Sardinien. Zudem ist die Partei an den Regionalregierungen von Piemont und Venetien beteiligt, in denen die Lega Nord den PrÀsidenten stellt.

Bei den Lokalwahlen im FrĂŒhjahr 2009, als in 62 Provinzen und zahlreichen Gemeinden gewĂ€hlt wurde, konnten sich PDL und seine BĂŒndnispartner behaupten. Vor der Wahl waren nur 12 Provinzen von Mitte-rechts-Koalitionen regiert, seitdem sind es 34.[11]

Das Volk der Freiheit stellt zudem die BĂŒrgermeister einiger GroßstĂ€dte: so in Rom mit Gianni Alemanno und in Palermo mit Diego Cammarata.

In SĂŒdtirol ist das PDL stĂ€rkste Kraft unter den italienischsprachigen WĂ€hlern und tritt betont nationalistisch auf.

PDL im EU-Parlament

In der Legislaturperiode 2004-09 waren Forza Italia und Alleanza Nazionale mit insgesamt 27 Abgeordneten in unterschiedlichen Fraktionen vertreten, namentlich EuropĂ€ische Volkspartei bzw. Allianz fĂŒr ein Europa der Nationen.

Bei der Europawahl in Italien 2009 konnte das Volk der Freiheit 35,26% der Stimmen erreichen und war mit 29 Abgeordneten nach der deutschen CDU zwischenzeitlich das zweitstÀrkste Mitglied der EuropÀischen Volkspartei, gleichauf mit der französischen Union pour un mouvement populaire. Vier Europaparlamentarier haben das PDL inzwischen verlassen.

Einzelnachweise

  1. ↑ La lista unica spacca il centrodestra, [Die vereinigte Liste spaltet Mitte-Rechts], Corriere della Sera, 8. Februar 2008
  2. ↑ Parteiprogramm PDL
  3. ↑ Forza Italia si scioglie, ora Ăš PDL, [Forza Italia löst sich auf, nun ist sie PDL], Corriere della Sera, 21. November 2008
  4. ↑ Meno male che Silvio c'ù, http://www.youtube.com/watch?v=WXf-YbsSh0Y&feature=related
  5. ↑ Gente della libertà, http://www.video.mediaset.it/video/tgcom24/ultimi_arrivi/287909/gente-della-liberta-nuovo-inno-pdl.html
  6. ↑ GrĂŒndungskomitee PDL
  7. ↑ Venti PDL in uno, [Zwanzig PDL in einem], Il Riformista, 4. August 2009
  8. ↑ La balena azzurra [Der hellblaue Wal], Milano Finanza, 14. November 2009
  9. ↑ z.B. Consulta, scontro Berlusconi-Fini, [Verfassungsgerichtshof, Streit zwischen Berlusconi und Fini], La Stampa, 10. Dezember 2009
  10. ↑ L'Espresso, abgerufen am 6. August 2010
  11. ↑ Provinciali, il Pdl strappa Milano e Venezia, [Provinzwahlen, PDL erobert Mailand und Venedig], Il Messaggero, 22. Juni 2009

Weblinks

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