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Pr├╝gelbock

Pr├╝gelbock im KreisMuseum Wewelsburg, Dauerausstellung ÔÇ×Wewelsburg 1933ÔÇô1945ÔÇť

Ein Pr├╝gelbock, auch Strafbock, ist eine Vorrichtung, meist aus Holz, f├╝r den Vollzug einer Pr├╝gelstrafe.

Inhaltsverzeichnis

Aussehen und Form von Pr├╝gelb├Âcken

Die Form eines Pr├╝gelbocks ├Ąhnelt oft einem Pferd, wie es aus dem Sportunterricht bekannt ist, mit einer zum Teil waagerechten, zum Teil vorne (an der Kopfseite) nach unten geneigten schmalen Auflagefl├Ąche. Die vier Beine des Pr├╝gelbocks sind manchmal symmetrisch, h├Ąufiger auf der schmalen Seite paarig unsymmetrisch angeordnet, wenn das Ger├Ąt ausdr├╝cklich als Pr├╝gelbock hergestellt wird. Au├čerdem gibt es Pr├╝gelb├Âcke in Form einer Bank ohne Lehne, deren Oberfl├Ąche partiell nach unten oder oben gew├Âlbt ist. Die meisten Pr├╝gelb├Âcke sind so konstruiert, dass der Verurteilte sich mit dem Oberk├Ârper derart auf den Pr├╝gelbock zu legen hat, dass die Beine und F├╝├če, die Arme und der Kopf herunter h├Ąngen. Damit der K├Ârper w├Ąhrend der Bestrafung nicht ausweichen oder reflexartig wegzucken kann, wird der Verurteilte vorher h├Ąufig mit Lederriemen festgebunden, die oft bereits am Pr├╝gelbock befestigt sind. Bestimmte Pr├╝gelb├Âcke sind anders, zum Beispiel wie ein Fu├čhocker geformt, etwa zur Ausf├╝hrung der Bastonade, oder wie der Pr├╝gelbock im Eton College.

Einige Anwendungen des Pr├╝gelbocks und dabei verwendete Instrumente

Ausgef├╝hrt werden die Strafen ├╝ber einem Pr├╝gelbock in der Regel auf dem (teil)bekleideten oder entbl├Â├čten Ges├Ą├č, gelegentlich aber auch (zus├Ątzlich) auf dem nackten R├╝cken und den Oberschenkeln. Als Werkzeug zur Ausf├╝hrung einer Pr├╝gelstrafe dienten in der Sklaverei und den Armeen Peitschen; ebenfalls in der Marine nahezu aller seefahrenden Nationen. Heute wird gem├Ą├č der Scharia bei K├Ârperstrafen in Staaten mit islamistischem Rechtssystem ein spezieller, schwerer Lederriemen genutzt. In schottischen und irischen Schulen und Internaten kam vorrangig die Tawse zum Einsatz, w├Ąhrend in US-amerikanischen Erziehungsanstalten (z. B. reformatories und youth detention centers) und in US-amerikanischen Gef├Ąngnissen als sogenannter prison strap ein breiter einteiliger Lederriemen in extrem schwerer Ausf├╝hrung zur ÔÇô oft auch willk├╝rlichen ÔÇô Bestrafung der Insassen benutzt wurde. Verschiedene Leder- oder Holzpaddel werden auch heute noch in US-amerikanischen Schulen, insbesondere der S├╝dstaaten, eingesetzt; zurzeit sind sie f├╝r die Pr├╝gelstrafe noch in 23 US-Bundesstaaten gesetzlich vorgesehen, kommen aber auch in youth detention centers zur Anwendung.

Der Pr├╝gelbock wurde bis 1986 in englischen und bis 1986 in irischen (Internats-) Schulen zusammen mit einer speziellen Rute (birch) genutzt. Der Pr├╝gelbock in Eton ist heute noch erhalten. Im britischen Justizwesen bis 1948 und auf der Isle of Man war der Pr├╝gelbock als Justizstrafe bis 1976 ├╝blich. Das sogenannte Caning (engl. cane = Rohrstock) mit Rohrst├Âcken ├╝ber dem Bock war bis Mitte der 1980er- bzw. Anfang der 1990er-Jahre in allen britischen Schulen und Internaten m├Âglich (aber nicht allgemein ├╝blich) und wird zum Teil bis zum heutigen Tag in den Schulen verschiedener Nachfolgestaaten des fr├╝heren britischen Kolonialsystems in Afrika und Asien eingesetzt. Derzeitig ist die Justizstrafe mit besonders schweren Rohrst├Âcken unter anderem in Malaysia und Singapur allt├Ąglich. Der Einsatz erfolgt bei schwereren Ordnungswidrigkeiten, aber auch gegen illegale Immigranten. In deutschen Gef├Ąngnissen und KZs wurden w├Ąhrend der Zeit des Nationalsozialismus Lederriemen, Rohrst├Âcke, Gummikn├╝ppel oder Schlagst├Âcke f├╝r die Pr├╝gelstrafe eingesetzt. W├Ąhrend in den oben genannten Zusammenh├Ąngen K├Ârperstrafen immer oder zumindest regelm├Ą├čig auch ├╝ber einem Pr├╝gelbock vollzogen wurden, kamen in deutschen Schulen bei der k├Ârperlichen Z├╝chtigung von Sch├╝lern in der Regel keine speziellen Pr├╝gelb├Âcke zum Einsatz, sondern es wurde meist eine Schulbank in dieser Funktion benutzt.

Folgen der Pr├╝gelstrafe

Der Vollzug der Pr├╝gelstrafe ├╝ber einem Pr├╝gelbock ist ├Ąu├čerst schmerzhaft. Oft kommt es schon nach den ersten Schl├Ągen zu Verletzungen der Haut und des Unterhautgewebes; au├čerdem kann es bei der Applizierung von Schl├Ągen oberhalb der Ges├Ą├čbacken zu schweren Verletzungen insbesondere der Nieren kommen. Alte, geschw├Ąchte oder kranke Menschen k├Ânnen an den Folgen der Pr├╝gelstrafe sterben.

Zeit des Nationalsozialismus

Der Pr├╝gelbock des KZ Dachau

Traurige Ber├╝hmtheit hat der Pr├╝gelbock in deutschen Zusammenh├Ąngen besonders w├Ąhrend der Zeit des Nationalsozialismus erlangt. In Folterkellern der SS in Berlin und anderswo existierten Pr├╝gelb├Âcke, und in vielen nationalsozialistischen Konzentrationslagern geh├Ârte die Strafe ÔÇ×auf dem BockÔÇť beinahe zum Alltag. Der Lagerausdruck f├╝r diese Form der Bestrafung war ÔÇ×jemanden auf den Bock legenÔÇť oder auch ÔÇ×er ging ├╝ber den BockÔÇť.

Offiziell musste der Vollzug der Pr├╝gelstrafe von Berlin aus genehmigt werden. Auch die Gesundheit des H├Ąftlings musste offiziell durch einen SS-Arzt best├Ątigt werden. Tats├Ąchlich verfuhr man aber so, dass der H├Ąftling zuerst eine unbestimmte Anzahl von Schl├Ągen erhielt. Dann fragte man in Berlin an. Hinterher wurde die Prozedur noch mal ÔÇ×offiziellÔÇť vollzogen. Wenn die Anzahl der verabreichten Schl├Ąge ÔÇ×geringÔÇť war, wurde die Pr├╝gelstrafe oft auch ohne Anfrage durchgef├╝hrt.

War der Vollzug der Pr├╝gelstrafe vorher angek├╝ndigt, so hatten die H├Ąftlinge die M├Âglichkeit, sich heimlich etwas Papier oder Stoff unter die Kleidung zu stopfen. Auf Entdeckung standen schwere Strafen. In besonderen F├Ąllen wurden die Schl├Ąge aber auf das nackte Ges├Ą├č verabreicht, so dass sich der H├Ąftling nicht sch├╝tzen und es zu besonders schweren Verletzungen kommen konnte.

Verbot der Pr├╝gelstrafe als Folter und derzeitige Anwendung

Heutzutage wird die Pr├╝gelstrafe der Folter zugerechnet und ist durch die Allgemeine Erkl├Ąrung der Menschenrechte von 1948 international verboten. Dort hei├čt es:

ÔÇ×Niemand darf der Folter oder grausamer oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.ÔÇť

Die UN-Antifolterkonvention wurde bis heute von etwa 150 UN-Mitgliedsstaaten ratifiziert. Trotzdem gibt es noch immer Staaten, in denen die Pr├╝gelstrafe angewandt wird, zum Beispiel in Malaysia, Singapur sowie in islamistisch gepr├Ągten Staaten, wie dem Iran.

Der Pr├╝gelbock als BDSM-Utensil

Im Rahmen einvernehmlich ausgelebter sadomasochistischer Sexualpraktiken (BDSM, Spanking) kommen ebenfalls Pr├╝gelb├Âcke zum Einsatz. Diese sind zum Teil an ihren historischen Vorbildern orientiert, zum Teil auch bequemer gebaut, zum Beispiel gepolstert und mit abwaschbarem Kunstleder ├╝berzogen.

Siehe auch

Literatur

  • Eugen Kogon: Der SS-Staat. Das System der Konzentrationslager. S. 124ff.
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