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Profit (von lat. profectus âFortgang, Zunahme, Vorteilâ / Aussprache: [pÊoËfit]) bezeichnet den Gewinn, d.h. den Ăberschuss, welcher nach Abzug der Kosten der eingesetzten Mittel von einem Unternehmen, bzw. Unternehmer erzielt wird.
Inhaltsverzeichnis |
Im englischsprachigen Raum gibt es nach dem Websterâs Dictionary den aus dem französischen stammenden Begriff, der auf die lateinischen Wörtern profectus und proficere zurĂŒckgehe, seit dem 14. Jahrhundert.[1] Das Grammatisch-kritische Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart von 1798 fĂŒhrt den Begriff Profit dagegen auf den lateinischen Begriff Proficuum zurĂŒck, und definiert Profit als âder Gewinn, besonders der zufĂ€llige Gewinn. Profit bey einer Sache haben, Gewinn. Dabey ist kein Profit, kein Nutzen, kein Gewinn. Das Profitchen, ein kleiner Gewinn, im gemeinen Leben, wo man auch das Zeitwort profitiren hat, Gewinn bey einer Sache haben, und in weiterer Bedeutung, Nutzen von etwas haben.â[2] Das Pierer's Universal-Lexikon von 1861 definiert Profit als âGewinn, Vortheil ...â[3] Ăhnlich das GroĂe Meyers Konversations-Lexikon von 1908: âVorteil, Gewinn; profitieren, Vorteil ziehen; profitabel, vorteilhaftâ;[4] wie auch das Kleine Konversations-Lexikon von Brockhaus 1911: âGewinn, Vorteil; profitieren, Nutzen haben; profitÄbel, gewinnbringend.â[5]
Der Begriff wurde in der Politischen Ăkonomie verwendet und findet sich schon bei James Steuart[6] oder Adam Smith. Er ist bis heute im Englischen, Französischen und international in den Wirtschaftswissenschaften als Synonym zu Gewinn gebrĂ€uchlich. Er wurde auch in modernen Begriffen wie âProfitcenterâ[7] oder âNon-Profit-Organisationâ, ebenso in Buchtiteln wie âProfit fĂŒr alleâ (Norbert Bolz) mit neutraler Konnotation erneut ins Deutsche importiert. Laut Duden wird in der deutschen Sprache der Ausdruck oft abwertend verwendet.[8] Im Sprachgebrauch der Deutschen Demokratischen Republik wurde ab den 1960er Jahren das Wort âProfitâ dem Wort âGewinnâ gegenĂŒbergestellt. Profit wurde dabei mit der Konnotation âgeldgierigâ, âkapitalistischâ verwendet â eine derartige Unterscheidung zwischen Profit und Gewinn findet sich hingegen bei Marx nicht.[9][10] Ebenso wird der Begriff in der Kapitalismuskritik in Form einer maĂlos ĂŒberhöhten Bedeutung bzw. als Motiv fĂŒr Ausbeutung und Raubbau mit negativem Wertakzent belegt.[11]
Die Physiokraten kannten Mehrwert nur als Mehrprodukt in Naturalform, nĂ€mlich als die Lebensmittel, die der Landarbeiter ĂŒber das zu seiner eigenen Existenzsicherung erforderliche MaĂ hinaus produziert.[12] Die Physiokraten gingen also von der Annahme aus, dass die Landwirtschaft die Basis des nationalen Reichtums bildet, und andere Gewerbe den landwirtschaftlichen Reichtum nur umformen und in ihrem Umfang abhĂ€ngig von diesen sind. Der Profit des Kapitalisten war fĂŒr die Physiokraten lediglich eine Art Unternehmerlohn, im Grunde eine Abzweigung aus dem in der Landwirtschaft hergestellten Ăberschuss.[13]
FĂŒr Ronald L. Meek[14] war die Entwicklung einer Profittheorie wie sie bei den Klassikern Smith und Ricardo zu finden ist, mit einigen Problemen verbunden, die mit der noch keimhaften Entwicklung des entstehenden Kapitalismus verbunden waren. Die ersten Theoretiker hĂ€tten Probleme gehabt den Kapitalprofit als eine eigenstĂ€ndige Einkommensquelle von der Rente, dem Zins und dem Lohn zu unterscheiden, sofern sie den Profit nicht einfach als âVerĂ€uĂerungsprofitâ fassten, der durch billigen Kauf und teuren Verkauf zustande kam.
James Steuart wĂŒrde beispielsweise in seiner politischen Ăkonomie dazu tendieren, den Begriff Profit als bloĂes Synonym fĂŒr Gewinn zu begreifen.[15] Der Preis eines Gutes setzt sich fĂŒr ihm aus dem âwirklichen Wertâ und dem âVerĂ€uĂerungsprofitâ zusammen. Der wirkliche Wert bzw. Herstellungspreis wĂ€re bestimmt durch die Arbeit die fĂŒr die Ware aufgewendet werden muss, den Wert zur Erhaltung der Arbeitskraft und den Materialwert. Die Differenz zwischen Herstellungspreis und Verkaufspreis wĂ€re der VerĂ€uĂerungsprofit.[16] Durch die Konkurrenz werde der Profit auf ein âvernĂŒnftigesâ oder âgeeignetesâ MaĂ reduziert. Bei einem ausgewogenen VerhĂ€ltnis zwischen Angebot und Nachfrage eines Gutes âfindet man die Preise in einem adĂ€quaten VerhĂ€ltnis zu den wirklichen Ausgaben, die zur Herstellung erforderlich waren, einschlieĂlich eines kleinen Zuwachses an Profit fĂŒr den Hersteller und HĂ€ndler.â[17]
Im wirklichen Produktionsprozess des FrĂŒhkapitalismus waren die Einkommensquellen oft noch kombiniert und nicht in reiner Form vorzufinden, der Landherr war auch Unternehmer, der zum Unternehmer werdende Handwerksmeister leitete weiter den Produktionsprozess, usw.
So wurde beispielsweise vom Standpunkt des Landherren der Ertrag aus dem vorgeschossenen Kapital genauso wie der zur VerfĂŒgung gestellte Boden betrachtet, fĂŒr welchen eine gewisse Rente zu erbringen wĂ€re. Die Höhe der Rente bemesse sich nach dem vom Landesherren eingesetzten Land und Kapital.
Die Unterscheidung zwischen Profit und Zins wurde erst mit dem Aufkommen einer Klasse von HĂ€ndlern schlagend, durch der die qualitative Differenz zwischen aktiver und passiver Anlage des Geldkapitals immer deutlicher wurde.
Unternehmer die aus dem Kreis der unmittelbaren Produzenten herausgegangen wĂ€ren, hĂ€tten ihren Profit dagegen oftmals als einen höheren Lohn fĂŒr ihre gröĂeren Anstrengungen oder ihre gröĂere Verantwortung begriffen, die sie nun leisten. Selbst wenn sie sich letztlich vom unmittelbaren Produktionsprozess zurĂŒckzogen und nur noch Aufsichtpositionen ĂŒbernahmen, so begriffen sie weiterhin ihren Profit als einen âLohn der Oberaufsichtâ.
Erst ab einer gewissen historischen Entwicklung des Kapitalismus bildeten sich neue, eigenstĂ€ndige und klar voneinander unterscheidbare gesellschaftliche Gruppen im ProduktionsprozeĂ heraus, die von ebenso klar unterscheidbaren Einkommensformen mit eigenen GesetzmĂ€Ăigkeiten lebten, und von Adam Smith fĂŒr Meek mit groĂer historischer Voraussicht in das System der politischen Ăkonomie eingearbeitet wurden:
Adam Smith unterschied erstmals wirkmĂ€chtig die Einkommensquellen Kapitalprofit, Lohnarbeit und Grundrente qualitativ voneinander. Der Kapitalprofit war fĂŒr ihm ein Einkommen, wie Meek schreibt, âdas allein an den Gebrauch von Kapital zur BeschĂ€ftigung von Lohnarbeit gebunden warâ; die Kapitalbesitzer waren fĂŒr Smith die fĂŒhrende ökonomische Klasse und die Triebfeder des Wirtschaftens.[19] FĂŒr ihm stellt der Profit das Einkommen einer bestimmten Klasse dar. Der Wohlstand der Nationen wĂ€re durch das jĂ€hrliche Produkt bestimmt, welches Boden und Arbeit einer Nation hervorbringen. Der Wert dieses jĂ€hrlichen gesellschaftlichen Produkts lĂ€sst sich zurĂŒckfĂŒhren auf die geleistete Arbeit, spaltet sich jedoch in die den gesellschaftlichen Gruppen entsprechenden Revenueformen:[20]
Diese drei gesellschaftlichen Gruppen oder Klassen wĂ€ren die drei groĂen, ursprĂŒnglichen, konstituierenden der zivilisierten Gesellschaft.[21]
Den Wert den der Arbeiter produziert, teilt sich in zwei Teile: Den Lohn den er fĂŒr seine Arbeit bekommt, und den Profit den der Unternehmer bekommt, der Material, Maschinen, usw. zur VerfĂŒgung stellt.[22] Obwohl der Kapitalbesitzer fast frei von jeglicher Arbeit ist oder sein kann, erwartet er trotzdem einen Profit entsprechend der eingesetzten KapitalgröĂe proportioniert. Der Kapitalprofit ist nach Smith daher von gĂ€nzlich anderen Prinzipien reguliert als der Arbeitslohn.[23]
Das Kapital wird in Erwartung und zum Zwecke des Profits eingesetzt und in Zuge dessen einen GroĂteil der nĂŒtzlichen Arbeit einer Gesellschaft in Kraft gesetzt. Die Profitmaximierung und damit verbundene Kapitalakkumulation stellt fĂŒr Smith ein wesentliches Element des Wohlstands der Nationen dar.[24] Entgegen der Grundrente und der Löhne wĂŒrde die Profitrate mit der Entwicklung des Wohlstands nicht steigen sondern fallen.[25]
Auch fĂŒr David Ricardo wird das gesellschaftliche Produkt, welches durch gemeinschaftliche Anwendung von Arbeit, Maschinerie und Kapital entsteht, zwischen den drei gesellschaftlichen Klassen - den Landherren, den Kapitalisten und den Arbeitern[26] - in Form von Rente, Profit und Lohn aufgeteilt.[27]
Adam Smith wie David Ricardo werden von Marx mangelnde theoretische Stringenz bei der Erfassung der unterschiedlichen Wertformen vorgeworfen. Denn sie verwechseln besondere Formen wie Profit oder Rente mit der Form des Mehrwerts, welcher nach Marx auf einer höheren Abstraktionsebene der theoretischen Betrachtung liegt.[28] Ricardo betrachtet laut Marx nirgendwo den Mehrwert gesondert und begrifflich getrennt von seinen besonderen Formen Profit (Zins) und Rente.[29]
siehe Hauptartikel Profit und Profitarten
Karl Marx arbeitete seine Arbeitswerttheorie sowie seinen besonderen Profitbegriff in Auseinandersetzung aus mit der klassischen Nationalökonomie, wie insbesondere in seinen Theorien ĂŒber den Mehrwert deutlich dargestellt ist.
Das âeigentliche Produkt des Kapitalsâ[30], Ziel und Ergebnis des kapitalistischen Produktionsprozesses, sei der Profit. FĂŒr Marx ist er âdie kapitalistische Produktionsweise spezifisch charakterisierende Form des Mehrwerts.â[31] âOhne Erkenntnis des Mehrwertsâ wĂ€re daher âkeine Theorie des Profits möglich.â[32] Der Kapitalist, der den Mehrwert aus unbezahlter Arbeit exploitiert, sei âzwar der erste Aneigner, aber keineswegs der letzte EigentĂŒmer dieses Mehrwerts. Er hat ihn hinterher zu teilen mit Kapitalisten, die andere Funktionen im GroĂen und Ganzen der gesellschaftlichen Produktion vollziehen, mit dem GrundeigentĂŒmer usw. Der Mehrwert spaltet sich daher in verschiedene Teile. Seine BruchstĂŒcke fallen verschiedenen Kategorien von Personen zu und erhalten verschiedene, gegeneinander selbstĂ€ndige Formen, wie Profit, Zins, Handelsgewinn, Grundrente usw.â[33]
Marxens Theorie von Profit und Mehrwert findet sein grenznutzentheoretisches GegenstĂŒck bei Eugen von Böhm-Bawerk in dessen "Theorie des Kapitalzinses".[34]
Joseph A. Schumpeters Vision des Kapitalismus ist dynamisch und krisenhaft. Das traditionelle Bild des Preiswettbewerbs hĂ€lt er fĂŒr unrealistisch. Typisch hingegen fĂŒr die Entwicklung des Kapitalismus ist die âschöpferische Zerstörungâ durch EinfĂŒhrung von Innovationen in den Wirtschaftsprozess.[35]
Dabei ist zu unterscheiden zwischen der Rolle und Funktion des Kapitalisten einerseits und des Unternehmers andererseits. Der Unternehmer fĂŒhrt die Innovationen ein, wofĂŒr er im Begriffsgebrauch von Schumpeter einen âUnternehmerprofitâ einstreicht.[36]
âEin Kapitalist verfĂŒgt ĂŒber eine Summe von ökonomischen Werten (Kapital), die er planmĂ€Ăig dazu einsetzt, um eine gröĂere Summe als zuvor eingesetzt zurĂŒckzuerhalten. FĂŒr den entsprechenden Investitionsprozess trĂ€gt er selbst das wirtschaftliche Risiko. Ein âUnternehmerâ hingegen ist die Funktion, neuartige Kombinationen von Produktionsfaktoren in den Wirtschaftsprozess einzufĂŒhren.â[37]