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Prolin

Dieser Artikel befasst sich mit der chemischen Verbindung Prolin. FĂŒr die Ortschaft Prolin in der Gemeinde HĂ©rĂ©mence, Kanton Wallis, Schweiz, siehe Prolin VS.
Strukturformel
L-Prolin  D-Prolin
L-Prolin (links) bzw. D-Prolin (rechts)
Allgemeines
Name Prolin
Andere Namen
  • L-Prolin
  • (S)-Prolin
  • D-Prolin
  • (R)-Prolin
  • (2S)-Pyrrolidin-2-carbonsĂ€ure
  • (2S)-1,3,4,5-Tetrahydro-2H-pyrrol- 2-carbonsĂ€ure
  • (2S)-Azacyclopentan-2-carbonsĂ€ure
  • (2S)-Azolidin-2-carbonsĂ€ure
  • AbkĂŒrzungen:
Summenformel C5H9NO2
CAS-Nummer
  • 147-85-3 (L-Prolin)
  • 344-25-2 (D-Prolin)
  • 609-36-9 {Racemat [Synonyme: DL-Prolin und (RS)-Prolin]}
PubChem 8988
ATC-Code

V06[1]

DrugBank NUTR00047
Kurzbeschreibung

farbloser Feststoff mit aminartigem Geruch[1]

Eigenschaften
Molare Masse 115,13 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,35–1,38 g·cm−3 (25 Â°C)[1]

Schmelzpunkt

Zersetzung: 220–222 °C (D- und L-Form)[1]
210 Â°C (Racemat)

pKs-Wert
  • pKCOOH: 1,99[2]
  • pKNH2: 10,60 (je bei 25 Â°C)[2]
Löslichkeit
  • sehr gut in Wasser (1500 g·l−1 bei 20 Â°C)[1]
Sicherheitshinweise
Bitte beachten Sie die eingeschrĂ€nkte GĂŒltigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine Gefahrensymbole
R- und S-SĂ€tze R: keine R-SĂ€tze
S: keine S-SĂ€tze
LD50

> 5110 mg·kg−1 (Ratte, oral) [1]

Soweit möglich und gebrÀuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

L-Prolin, abgekĂŒrzt Pro oder P, [systematischer Name: (S)-Pyrrolidin-2-carbonsĂ€ure] ist eine nichtessentielle proteinogene heterocyclische sekundĂ€re α-AminosĂ€ure und wird wegen seiner Biosynthese aus Pyrrolin-2-carbonsĂ€ure (genauer: (S)- 3,4-Dihydro- 2H-pyrrol- 2-carbonsĂ€ure) manchmal fĂ€lschlich als IminosĂ€ure (eine heute obsolete Klassifizierung) bezeichnet.

Innerhalb von Proteinen kommt es sowohl in cis- als auch in trans-gebundener Konfiguration vor. L-Prolin hat erheblichen Einfluss auf die Faltung von Proteinen, da es wie Glycin aufgrund der hĂ€ufig vorkommenden cis-Amidbindung α-Helices und ÎČ-FaltblĂ€tter unterbrechen kann. Es kann auch eigene Motive bilden, die hĂ€ufig als Signalsequenz fĂŒr andere Proteine wirken.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Name Prolin stammt von Emil Fischer und leitet sich vom Pyrrolidin ab.

Biosynthese

FĂŒr die Biosynthese inklusive Strukturformeln siehe Abschnitt Weblinks

L-Prolin wird biochemisch aus L-Glutamat hergestellt. HierfĂŒr werden insgesamt ein MolekĂŒl ATP sowie zwei MolekĂŒle ReduktionsĂ€quivalente in Form von NADPH benötigt.

L-Prolin ist die Vorstufe des L-Hydroxyprolins, das unter Beteiligung des Vitamins C nach Einbau in Kollagen entsteht und dessen mechanischen Eigenschaften bestimmt (Mangelerkrankung: Skorbut). Katalysiert durch eine Hydroxylase werden Prolylreste, je nach ihrer Position im Protein, entweder am ÎČ- oder am Îł-Atom des Tetrahydropyrrolringes modifiziert.

Eigenschaften

Prolin liegt ĂŒberwiegend als „inneres Salz“ bzw. Zwitterion vor, dessen Bildung dadurch zu erklĂ€ren ist, dass das Proton der Carboxygruppe an das einsame Elektronenpaar des Stickstoffatoms der Aminogruppe wandert.

Zwitterionen von L-Prolin (links) bzw. D-Prolin (rechts)

Im elektrischen Feld wandert das Zwitterion nicht, da es als Ganzes ungeladen ist. Genaugenommen ist dies am isoelektrischen Punkt (einem bestimmten pH-Wert) der Fall, bei dem das Prolin auch seine geringste Löslichkeit in Wasser hat.

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Dadurch, dass das Stickstoffatom des Prolins in der Peptidgruppe nicht mit einem H-Atom verbunden ist, kann keine WasserstoffbrĂŒckenbindung ausgebildet werden. An solchen Stellen einer Polypeptidkette tritt eine Störung der SekundĂ€rstruktur (Knick oder KrĂŒmmung) auf. Weitere Eigenschaften:

Funktionen

L-Prolin wird im menschlichen Körper z.B. fĂŒr die Bildung von Kollagen, dem Protein, aus dem Bindegewebe und Knochen bestehen, benötigt. Ferner wird es als „Helixbrecher“ bezeichnet und findet sich oft am Übergang einer Alpha-Helix zu einer anderen SekundĂ€rstruktur (hĂ€ufig Random Coil) wieder. L-Prolin wird in der Ökotoxikologie als Biomarker verwendet, z. B. fĂŒr Trockenstress, Salzstress, da es von Pflanzen vermehrt produziert wird, wenn der Wasserhaushalt unter Stress gerĂ€t. L-Prolin als zyklische AminosĂ€ure wirkt als Puffer gegen manche Ionen, die ansonsten die EnzymtĂ€tigkeiten im Cytoplasma einschrĂ€nken könnten.

Chemische Verwendung

Enantiomerenreines Prolin ist als Element des chiralen Pools Ausgangssubstanz fĂŒr die Synthese des Evans-Auxiliars, des CBS-Reagenz, des Enders-Reagenzes (RAMP/SAMP) und ist ein vielbenutzter Katalysator in der Organokatalyse. Die Literatur ĂŒber die Verwendung von (S)- oder (R)-Prolin und deren Derivate in der stereoselektiven Synthese ist umfangreich.[4] Ein L-Prolin-Derivat dient als chiraler Selektor in der enantioselektiven DĂŒnnschichtchromatographie[5]. Der therapeutisch und wirtschaftlich bedeutende Arzneistoff Captopril wird aus L-Prolin synthetisiert.

Literatur

  • Hans Beyer und Wolfgang Walter: Lehrbuch der Organischen Chemie, 20. Auflage, S. Hirzel Verlag, Stuttgart 1984, ISBN 3-7776-0406-2.
  • Hans-Dieter Jakubke und Hans Jeschkeit: AminosĂ€uren, Peptide, Proteine, Verlag Chemie, Weinheim 1982, ISBN 3-527-25892-2.
  • Jesse Philip Greenstein und Milton Winitz: Chemistry of Amino Acids, John Wiley & Sons, 1962, BĂ€nde 1 bis 3, ISBN 0-471-32637-2.
  • Yoshiharu Izumi, Ichiro Chibata und Tamio Itoh: "Production and Utilization of Amino Acids", Angewandte Chemie International Edition in English, 17 (1978), S. 176–183.
  • Karlheinz Drauz, Axel Kleemann und JĂŒrgen Martens: Induktion von Asymmetrie durch AminosĂ€uren, Angewandte Chemie 94 (1982), S. 590–613; Angewandte Chemie – International Edition English 21 (1982), S. 584–608.
  • JĂŒrgen Martens: Asymmetric Syntheses with Amino Acids, Topics in Current Chemistry / Fortschritte der Chemischen Forschung 125 (1984), S. 165–246.
  • JĂŒrgen Martens: Induktion von Asymmetrie durch IminosĂ€uren, Chemiker-Zeitung 110 (1986), S. 169–183.
  • Gary M. Coppola und Herbert F. Schuster: Asymmetric Synthesis − Construction of chiral Molecules using Amino Acids, Wiley, New York 1987, S. 267–345.
  • Peter I. Dalko: Do We Need Asymmetric Organocatalysis?, Chimia 61 (2007), S. 213–218.
  • Kurt GĂŒnther, JĂŒrgen Martens und Maren Schickedanz: DĂŒnnschichtchromatographische Enantiomerentrennung mittels Ligandenaustausch, Angewandte Chemie 96 (1984), S. 514–515; Angewandte Chemie – International Edition English 23 (1984), S. 506.
  • Kurt GĂŒnther, Maren Schickedanz und JĂŒrgen Martens: Thin-Layer Chromatographic Enantiomeric Resolution, Naturwissenschaften 72 (1985), S. 149–150.
  • Kurt GĂŒnther, JĂŒrgen Martens und Maren Schickedanz: Resolution of Optical Isomers by Thin-Layer Chromatography (TLC). Enantiomeric Purity of L-DOPA, Fresenius Zeitschrift fĂŒr Analytische Chemie 322 (1985), S. 513–514.

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d e f Datenblatt Prolin bei Merck, abgerufen am 19. Januar 2008.
  2. ↑ a b F.A. Carey: Organic Chemistry, 5th edition, The McGraw Companies 2001, S. 1059, Link
  3. ↑ P. M. Hardy: The Protein Amino Acids in G. C. Barrett (Herausgeber): Chemistry and Biochemistry of the Amino Acids, Chapman and Hall, 1985, ISBN 0-412-23410-6, S. 9.
  4. ↑ AusgewĂ€hlte Übersichtsartikel:
    (a) Dieter Seebach, Albert K. Beck, D. Michael Badine, Michael Limbach, Albert Eschenmoser, Adi M. Treasurywala, Reinhard Hobi, Walter Prikoszovich und Bernhard Linder: Are Oxazolidinones really unproductive, parasitic species in proline catalysis? Thoughts and experiments pointing to an alternative view, Helvetica Chimica Acta 90 (2007), S. 425–471.
    (b) Santanu Mukherjee, Jung Woon Yang, Sebastian Hoffmann und Benjamin List: Asymmetric enamine catalysis, Chemical Reviews 107 (2007), S. 5471–5569.
    (c) Peter Diner, Anne Kjaersgaard, Mette Alstrup Lie und Karl Anker JĂžrgensen: On the origin of the stereoselectivity in organocatalysed reactions with trimethylsilyl-protected diarylprolinol, Chemistry - A European Journal 14, (2008), S. 122–127.
    (d) Yujiro Hayashi, Hiroaki Gotoh, Ryouhei Masui und Hayato Ishikawa: Diphenylprolinol silyl ether as a catalyst in an enantioselective, catalytic, formal aza [3+3] cycloaddition reaction for the formation of enantioenriched piperidines, Angewandte Chemie-International Edition 47 (2008), S. 4012–4015.
    (e) Hiyoshizo Kotsuki, Hideaki Ikishima und Atsushi Okuyama: Organocatalytic asymmetric synthesis using proline and related molecules. Part 1, Heterocycles 75 (2008), S. 493–529.
    (f) Antonia Mielgo und Claudio Palomo: α,α-Diarylprolinol ethers: New tools for functionalization of carbonyl compounds, Chemistry-An Asian Journal 3 (2008), S. 922–948.
  5. ↑ Kurt GĂŒnther, Peter Richter und Klaus Möller: Separation of Enantiomers by Thin-Layer Chromatography, Seiten 29-59 in Methods in Molecular Biologyℱ– Chiral Separations, 243 (2004), Springer Verlag, ISBN 978-1-58829-150-9.

Weblinks

Wikibooks Wikibooks: Biosynthese von L-Prolin â€“ Lern- und Lehrmaterialien
 Commons: Proline â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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