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Promotion (Doktor)

Die Promotion (lat. promotio ‚Beförderung‘) ist die Verleihung des akademischen Grades eines Doktor oder einer Doktorin[1] in einem bestimmten Studienfach und in Form einer Promotionsurkunde. Sie gilt als Nachweis der BefĂ€higung zu vertiefter wissenschaftlicher Arbeit und beruht auf einer selbstĂ€ndigen wissenschaftlichen Arbeit, der Dissertation, sowie einer mĂŒndlichen PrĂŒfung (Rigorosum,[2] Disputation oder Kolloquium). Das Promotionsrecht besitzen UniversitĂ€ten und (in Deutschland) ihnen gleichgestellte Hochschulen.

Personen, die eine Promotion anstreben und deren Absicht und Eignung von einer promotionsberechtigten Institution bestĂ€tigt wurde, werden als Doktoranden, Doktorandinnen, Promotions- oder Doktoratsstudenten oder -studierende, Promovenden, Dissertanten/-innen (Schweiz, Österreich), Doktorierende (Schweiz, Liechtenstein) oder englisch als PhD student bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Statistik

Deutschland[3]
Jahr Hochschul-
Absolventen
Promotionen Prozent
1900 01.160
1982 131.126 12.963 09,89
1985 146.920 14.951 10,18
1990 166.101 18.494 11,13
1995 229.920 22.387 09,74
2000 214.473 25.780 12,02
2005 252.482 25.952 10,29
2010 361.697 25.629 07,09
2012 413.300 26.864 06,5

Vom Sommersemester 1891 bis zum Wintersemester 1911/12 wurden in Preußen 23.217 Personen promoviert – je Studienjahr durchschnittlich 1160 Promovierte bei 33.000 Studenten an Hochschulen mit Promotionsrecht.[4] In Deutschland wurden 1999 insgesamt 24.172 Personen promoviert, 2008 waren es 25.190 Personen. Im Vergleich dazu wurden im Jahr 2008 insgesamt 309.364 HochschulabschlĂŒsse abgelegt.[5][6]

Im Abschlussjahr 2009 wurden in Deutschland 25.101 Promotions-PrĂŒfungen abgelegt, davon wurden 25.084 bestanden und 17 nicht bestanden. Von den bestandenen PrĂŒfungen ist bei 24.015 PrĂŒfungen die Note bekannt: 3694, also 15,4 %, erhielten die Note mit Auszeichnung, 12.874 entsprechend 53,6 % die Note sehr gut, 6479 oder 27,0 % die Note gut, 924 (3,8 %) die Note befriedigend und 44, also 0,2 %, die Note ausreichend.[7]

Überblick

Johann Georg Puschner: Der zum Doctorat gelangende Student. UniversitÀt Altdorf 1725
Die erste promovierte Ärztin in Deutschland: Dorothea Christiane Erxleben

Der Doktor ist in den meisten Staaten der höchste akademische Grad. Die Habilitation ist ein darĂŒber hinausgehender Qualifikationsschritt, der in den meisten deutschen BundeslĂ€ndern förmlich mit der Verleihung des Zusatzes habil. (also zum Beispiel Dr. phil. habil.) abgeschlossen wird. Privatdozent und Professor sind akademische Bezeichnungen beziehungsweise Dienstbezeichnungen, also keine Grade. Zweck der Promotion ist es, die FĂ€higkeit zur selbstĂ€ndigen wissenschaftlichen Arbeit im Rahmen der Bearbeitung eines thematisch begrenzten Forschungsbereichs (Spezialgebiet) zu belegen; im Mittelpunkt steht die Anfertigung einer Doktorarbeit (Dissertation), welche neue wissenschaftliche Ergebnisse enthĂ€lt. Die Promotion ist z. B. Voraussetzung dafĂŒr, um bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft eigenstĂ€ndig ProjektantrĂ€ge stellen zu können. Mit der Promotion gilt die wissenschaftliche Ausbildung grundsĂ€tzlich als abgeschlossen. Im Gegensatz zur Promotion weist die Habilitation dann die FĂ€higkeit nach, das gesamte Fachgebiet auf hohem Niveau in Forschung und Lehre zu vertreten.

Eine Sonderrolle nehmen medizinische Promotionen ein. Zum einen kann die Arbeit an der Dissertation schon vor Studienende begonnen werden, zum anderen sind die Promotionen hinsichtlich Anspruch und Umfang teilweise eher mit Diplomarbeiten in naturwissenschaftlichen FĂ€chern vergleichbar. Aus diesem Grund wird der deutsche Dr. med. durch den European Research Council nicht ohne weitere Auflagen (abgeschlossene Facharztweiterbildung; berufliche Position, die einem Ph.D. entspricht) dem Ph.D. gleichwertig erachtet, sondern wie ein Berufsdoktorat mit einer Masterthesis gleichgestellt.[8] An manchen geisteswissenschaftlichen FakultĂ€ten konnten frĂŒher im Haupt- und in den NebenfĂ€chern hervorragende Studenten ohne vorheriges Abschlussexamen ausnahmsweise, nach zweifacher Professorenbegutachtung, zur Promotion zugelassen werden. Diese sogenannte „einzĂŒgige“ Promotion ist nicht mehr möglich. Auch die „grundstĂ€ndige“ Promotion, bei der vom Studienbeginn an nur die Promotion als Abschluss angestrebt wird, ist an den meisten deutschen UniversitĂ€ten spĂ€testens um 1990 fĂŒr die große Mehrheit der FĂ€cher abgeschafft worden.[9][10]

Die Promotion ist in Deutschland grundsĂ€tzlich eine Voraussetzung fĂŒr die Habilitation. Je nach Hochschulgesetz der LĂ€nder ist eine Promotion in aller Regel erforderlich fĂŒr die BeschĂ€ftigung als Professor oder zunĂ€chst als Juniorprofessor.

In Österreich und bei fachlich korrekter Verwendung des Begriffs auch in Deutschland versteht man unter Promotion die Verleihung des Doktorgrades, nicht die dazu erforderliche PrĂŒfung oder gar das vorhergehende Doktorats- beziehungsweise Promotionsstudium. Das Wort Promotion ist aus dem lateinischen promotio, von promovere (‚vorwĂ€rtsbewegen‘, ‚befördern‘), abgeleitet. Der Kandidat wird nach erfolgreich bestandener PrĂŒfung von der FakultĂ€t oder einem Vertreter zum Doktor promoviert, das heißt befördert oder erhoben. Zudem hat es sich allgemein eingebĂŒrgert, das Wort auch intransitiv in der Form „ich promoviere“ zu verwenden, womit dann aus der Sicht des Kandidaten seine Ableistung der PrĂŒfung und der dafĂŒr erforderlichen besonderen Studienleistungen gemeint ist.

Im Mittelalter erforderte das Promotionsverfahren die Leistung verschiedener Eide, unter anderem einen Eid vor dem Rektor auf die Statuten der UniversitĂ€t, sowie ein privates und ein öffentliches Examen. Das examen privatum, in der Regel eine Kommentierung ausgewĂ€hlter PrĂŒfungstexte mit Verteidigung der dabei vertretenen Thesen, fand vor dem Gremium der Professoren (magistri regentes) der FakultĂ€t und zuweilen auch unter Beteiligung von Professoren der ArtistenfakultĂ€t statt. Bei diesem Privatexamen, das oft auf einem öffentlichen Platz unter freiem Himmel abgehalten wurde, war die Öffentlichkeit zugelassen, sie besaß aber kein Fragerecht. Nach Abschluss des Privatexamens stimmte das Gremium darĂŒber ab, ob der Kandidat wĂŒrdig sei, den akademischen Grad eines licentiatus zu fĂŒhren. Der Erwerb des Doktorgrades war jedoch an die Absolvierung des examen publicum gebunden, einer Antrittsvorlesung mit anschließender Disputation, bei der der Kandidat seine Thesen auch gegen EinwĂ€nde der Öffentlichkeit zu verteidigen hatte, und bei der jeder anwesende Student frageberechtigt war. Erst nach Absolvierung des öffentlichen Examens erfolgte die feierliche Inauguration und Verleihung der Insignien, zu denen ein Buch, ein goldener Ring und der Doktorhut in Gestalt eines Baretts gehörte. Das mittelalterliche Verfahren blieb mit vielen Varianten und Modifikationen auch in der frĂŒhen Neuzeit gĂŒltig. Zu den wichtigsten Neuerungen gehörte dabei die allmĂ€hliche EinfĂŒhrung der schriftlichen Inauguraldissertation, die aus der schriftlichen Formulierung und Publizierung von Thesen zum Zweck der Einladung zum öffentlichen Examen entstand und sich zu einem obligatorischen PrĂŒfungsteil entwickelte.

Promotionsverfahren

Promotionsurkunde (70 x 51 cm) auf BĂŒttenpapier fĂŒr Friedrich Hopfner, Karls-UniversitĂ€t Prag, 13. Januar 1905

Allgemeines

Die Promotion wird eingeleitet, nachdem der Doktorand eine Doktorarbeit (Dissertation) vorgelegt hat. Diese Arbeit ist eine wissenschaftliche Forschungsarbeit, die eine eigenstĂ€ndig erbrachte, mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen abschließende Forschungsleistung dokumentiert. Nach Annahme der Dissertation durch die FakultĂ€t oder eine von ihr eingesetzte Kommission und der Einholung von Gutachten erfolgt eine mĂŒndliche PrĂŒfung (Rigorosum) oder ein wissenschaftliches StreitgesprĂ€ch (Disputation), das oft (aber keineswegs immer) das Thema der Dissertation zum Gegenstand hat. Diese mĂŒndliche Verteidigung einer Doktorarbeit ist in aller Regel öffentlich und wird vor Hochschullehrern und ggf. Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens abgelegt.

Das Promotionsverfahren ist nach der Gesamtbewertung abgeschlossen; in der Regel ist ein Doktorand in Deutschland allerdings erst dann berechtigt, die Bezeichnung Dr. zu fĂŒhren, nachdem der Promovend die Publikation seiner Dissertation nachgewiesen hat. Einige Promotionsordnungen gestatten denjenigen, die das Verfahren abgeschlossen, aber die Dissertation noch nicht veröffentlicht haben, bis auf weiteres die Bezeichnung Dr. des. (doctor designatus) zu fĂŒhren.

Zum Verfahren muss auf die individuellen Promotionsordnungen der jeweiligen FakultĂ€ten hingewiesen werden. Im Rahmen des laufenden Bologna-Prozesses wurde auch eine Aussage zu den doctoral studies getroffen. Es ist nicht nur mit der Schaffung gemeinsamer Systeme fĂŒr einheitliche StudienabschlĂŒsse (Bachelor-Grad und Master-Grad), sondern darĂŒber hinaus eines einheitlichen Doktorgrades zu rechnen. Auf der Bologna-Nachfolge-Konferenz 2005 in Bergen wurden PromotionsstudiengĂ€nge (Graduiertenschulen) bekrĂ€ftigt, die auch bereits in einigen Landeshochschulgesetzen verankert sind und zum akademischen Grad Doctor of Philosophy (Ph.D.) fĂŒhren können.[11]

Ablauf

Der Ablauf eines Promotionsverfahrens wird in der PrĂŒfungsordnung des zustĂ€ndigen Fachbereiches festgelegt. Das Verfahren kann von Hochschule zu Hochschule und von Fach zu Fach sehr unterschiedlich sein. In der Regel enthĂ€lt es folgende Positionen:

  1. Geeigneter Studienabschluss (in der Regel gutes bis sehr gutes Examen),
  2. Gegebenenfalls weitere Qualifikationsvoraussetzungen, zum Beispiel Seminarscheine, Sprachnachweise (Latinum, Graecum etc.) etc.
  3. Wahl eines Betreuenden (i. d. R. Prof.) (Doktorvater, m/w),
  4. Anmeldung des Promotionsvorhabens beim Promotionsausschuss einer FakultÀt an einer UniversitÀt,
  5. Annahme als Promotionsstudent,
  6. Anfertigung der Dissertation.

Die durchschnittliche Dauer schwankt je nach Fachrichtung und Thema der Arbeit. Nach einer Umfrage der UniversitĂ€t Marburg dauert sie im Schnitt vier bis fĂŒnf Jahre.[12] In den Ingenieurswissenschaften und der Informatik ergab eine Umfrage eine durchschnittliche Dauer von 5,4 Jahren.[13] Mediziner beginnen ihre Dissertation hĂ€ufig gegen Ende ihres Studiums, die Dauer ist dabei jedoch sehr unterschiedlich und reicht von wenigen Semestern (klinisch-theoretische Promotionsarbeit) bis zu mehreren Jahren (medizinhistorische oder experimentelle Promotionsarbeiten). In anderen naturwissenschaftlichen FĂ€chern und in den Geisteswissenschaften sind, insbesondere bei forschungs- und empirielastigen Themen, auch eine Dauer bis zu fĂŒnf Jahren ĂŒblich. Der Doktorand ist hĂ€ufig – vor allem in den Naturwissenschaften – in dieser Zeit beim jeweiligen Institut angestellt. Juristen investieren etwa eineinhalb bis drei Jahre, bei umfangreichen empirischen Arbeiten zweieinhalb bis vier Jahre.

Die Dissertation umfasst je nach Fachrichtung zwischen 25 und mehreren hundert Seiten. WÀhrend der Promotionszeit sind ggf. (je nach Uni, FakultÀt, Fach und Lehrstuhl):

  1. Doktorandenseminare (Oberseminare) zu besuchen,
  2. Fachpublikationen zu veröffentlichen,
  3. beim Lehrangebot des Lehrstuhls oder Instituts mitzuarbeiten (Klausuren stellen und korrigieren, Übungen halten, Skripte ĂŒberarbeiten und Ă€hnliches),
  4. Einreichen der Dissertation beim Promotionsausschuss,
  5. Erstellung von zwei bis drei Gutachten durch die Opponenten,
  6. MĂŒndliche und öffentliche Verteidigung (Disputation) und/oder Rigorosum,
  7. Vorbereitung der Doktorarbeit zur wissenschaftlichen Publikation,
  8. Einholung der Druckgenehmigung (Imprimatur), sofern noch nicht erteilt (bei Arbeiten der katholischen Theologie muss eventuell noch eine kirchliche Billigung eingeholt werden [Nihil obstat, lat. fĂŒr ‚Nichts steht im Weg‘]),
  9. Publikation einschließlich Ablieferung von Pflichtexemplaren bei den Bibliotheken. Einige FakultĂ€ten erlauben inzwischen auch die Veröffentlichung der Dissertation durch Publikation im Internet.

Vor allem in naturwissenschaftlichen FĂ€chern wird des Öfteren eine kumulative Dissertation erstellt. Hierbei werden Teilaspekte der eigenen Forschungsarbeit in eigenstĂ€ndigen Manuskripten zusammengefasst und allein oder mit Koautoren in begutachteten Fachzeitschriften (Reviewed Papers) veröffentlicht. Die einzelnen Publikationen, die natĂŒrlich in einem Sinnzusammenhang stehen sollen, werden anschließend kumuliert, d. h. als einzelne Kapitel zusammengefasst und als Dissertation eingereicht. Die nötige Gesamtzahl der Manuskripte und der Anteil der bereits veröffentlichten Kapitel wird durch die jeweilige Promotionsordnung festgelegt. Der Doktorand gelangt durch das Kumulieren zu einem ĂŒbersichtlicher gegliederten Promotionsablauf, erlernt die Methodik des Publizierens und kann statt eines Einzelwerks mit geringem Verbreitungswert mehrere Veröffentlichungen vorweisen, die von den Fachkollegen weit stĂ€rker wahrgenommen werden.

In der Regel mĂŒssen in Deutschland wĂ€hrend der Promotionsarbeit keine Lehrveranstaltungen besucht werden. Sollte man in einem Fach promovieren, das man zuvor nicht studiert hat, ist das anders. Dann absolviert man parallel zur Dissertation ein „Promotionsstudium“, das Lehrveranstaltungen einschließt.

Eine Promotion bringt fĂŒr außeruniversitĂ€re Karrieren nicht in allen Berufen oder Wirtschaftszweigen Vorteile. In grĂ¶ĂŸeren Unternehmen steigen in der Regel die Chancen eines beruflichen Aufstiegs und höheren Einstiegsgehalts. Dies wird zumeist durch einen spĂ€teren Berufseinstieg und niedrigere Verdienste wĂ€hrend der Arbeit an der Dissertation relativiert.

Die Konkurrenz ist bei manchen Forschungsthemen sehr groß und auch der Druck, als Erster zu bestimmten Themen (Ergebnisse) zu veröffentlichen. In der Praxis bedeuten frĂŒhere Veröffentlichungen durch andere keineswegs eine „Entwertung“ der eigenen Arbeit, sofern auch diese Veröffentlichungen bei der eigenen Arbeit berĂŒcksichtigt werden.

Der Anteil der Frauen unter den Promovenden ist in den meisten FĂ€chern und Regionen geringer als der der MĂ€nner. Der Frauenanteil lag im Jahr 2000 bei 34 %, im Jahr 2008 bei 42 %.[14]

Bewertung

Deutschland

Die Gesamtbewertung der Promotionsleistung erfolgt je nach Promotionsordnung mit lateinischen oder deutschen Noten. Die Bedeutungen sind je nach Hochschule und teilweise sogar innerhalb einer UniversitĂ€t in den FakultĂ€ten verschieden. Die Bewertungssysteme unterscheiden sich auch insgesamt erheblich. So gibt es UniversitĂ€ten mit vier, fĂŒnf oder sechs Notenstufen oder verschiedenen Notenstufen fĂŒr die schriftliche und die mĂŒndliche Leistung. Auch die Verleihung einer Auszeichnung ist unterschiedlich. An einigen UniversitĂ€ten folgt die Note mit Auszeichnung einem Automatismus und ergibt sich, wenn aus den schriftlichen und mĂŒndlichen Leistungen ein bestimmter Durchschnitt erreicht wird, an anderen UniversitĂ€ten handelt es sich nicht um eine eigenstĂ€ndige Note, sondern um eine Bemerkung zur Note sehr gut, an wieder anderen UniversitĂ€ten muss eine zusĂ€tzliche Begutachtung vor Erteilung dieser Note erfolgen. Das System lĂ€sst sich auch nicht einfach in Schulnoten ĂŒbertragen. An manchen UniversitĂ€ten wird die Note mit Auszeichnung mit der Note 0 oder 0,5 umschrieben, an anderen mit der Note 1 oder sehr gut. Manche Promotionsordnungen sehen die Noten satis bene nicht vor und umschreiben rite mit befriedigend als niedrigstmögliche Note zum Bestehen. Auch ist unterschiedlich geregelt, welche Note ein Nichtbestehen zur Folge hat. Das kann, je nach System, die 4, die 5 oder die 6 sein. Generell wird aber die folgende Abstufung erkennbar. In Klammern sind Umschreibungen angegeben, die aber die jeweilige Promotionsordnung auch abweichend festlegen kann:

  1. summa cum laude, mit höchstem Lob, mit Auszeichnung, ausgezeichnet (eine hervorragende Leistung),
  2. magna cum laude, mit großem Lob, sehr gut (eine besonders anzuerkennende Leistung),
  3. cum laude, mit Lob, gut (eine den Durchschnitt ĂŒbertreffende Leistung),
  4. satis bene‚ genĂŒgend, befriedigend (eine Leistung, die durchschnittlichen Anforderungen entspricht),
  5. rite, ausreichend (eine Leistung, die trotz ihrer MĂ€ngel noch den Anforderungen genĂŒgt),
  6. non probatum, non sufficit, non rite, insufficienter, ungenĂŒgend, nicht bestanden (eine an erheblichen MĂ€ngeln leidende, insgesamt unbrauchbare Leistung).

Je nach Promotionsordnung kann auch die Dissertation selbst eine Note erhalten. Dieses PrĂ€dikat wird innerhalb der Empfehlung der Gutachter fĂŒr die wissenschaftliche Leistung angegeben. HierfĂŒr werden lateinische oder deutsche Noten vergeben, deren Bedeutungen je nach Hochschule und Fachbereich wieder unterschiedlich sein können (siehe AusfĂŒhrungen oben). Sie können den Gesamtnoten entsprechen. Als Besonderheit kann auch eine der folgenden Formulierungen gewĂ€hlt werden:

  • opus eximium, außerordentliche Arbeit,
  • opus valde laudabile, sehr gute Arbeit,
  • opus laudabile, gute Arbeit,
  • opus idoneum, befriedigende Arbeit.

In der DDR unterschied man entsprechend dem russischen System zwischen A- und B-Promotion. Letztere war der Habilitation gleichgesetzt.

Frankreich

In Frankreich werden, auch schon im Abitur, französische Bezeichnungen verwendet: trĂšs bien avec fĂ©licitations du jury („sehr gut mit GlĂŒckwĂŒnschen der PrĂŒfungskommission“), trĂšs bien („sehr gut“), bien („gut“) und assez bien („recht gut“). Einige Grandes Écoles wie das Institut d’études politiques de Paris und die HEC Paris vergeben hingegen die lateinischen und englischen Notenbezeichnungen summa cum laude / graduated with highest honors fĂŒr die besten 2 % und cum laude / graduated with honors fĂŒr die folgenden 5 % eines Jahrgangs.

FĂŒr den Doktor werden analog die Bezeichnungen trĂšs honorable avec fĂ©licitations du jury, trĂšs honorable und honorable verwendet. Die Ehrung fĂ©licitations du jury ist an den meisten UniversitĂ€ten nicht mehr offiziell.

Italien

In Italien wurde der Doktorgrad (dottore) traditionell mit dem ersten Studienabschluss (laurea, vergleichbar mit dem deutschen Diplom, Magister und Master) verliehen. Die eigentliche darauf aufbauende in der Regel dreijĂ€hrige Promotion (es sind VerlĂ€ngerungen, aber nicht VerkĂŒrzungen möglich) verleiht den Grad dottore di ricerca und wurde in der derzeitigen Form als höchster in Italien erreichbarer Studienabschluss 1980 eingefĂŒhrt (gleichzeitig wurde die Habilitation abgeschafft); 1997 bis 1999 wurden Einzelheiten u. a. im Zulassungs- und PrĂŒfungsverfahren geĂ€ndert. Die Promotion wird nach angelsĂ€chsischem, insbesondere US-Vorbild nicht benotet mit der BegrĂŒndung, dass die GĂŒte der Promotion objektiv durch die daraus hervorgegangenen Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften resultiere. Allerdings wird das gesamte Verfahren von zahlreichen Gutachten begleitet: zur Fortsetzung des Promotionsvorhabens ist jedes Jahr ein Beschluss des Promotionsausschusses auf Grund eines befĂŒrwortenden Gutachten des Betreuers erforderlich, zur Zulassung zur Disputation durch den Promotionsausschuss werden ein befĂŒrwortendes Gutachten des Betreuers und ein weiteres von einem Zweitgutachter vorausgesetzt, und nach der Disputation verfasst die in der Regel dreiköpfige PrĂŒfungskommission eine kurze oft nur halbseitige Beurteilung, aus der meist hinreichend klar hervorgeht, ob die Arbeit als außergewöhnlich hervorragend, durchschnittlich gut oder gerade ausreichend eingestuft wurde. Jedoch wird keines dieser Gutachten und Beurteilungen der Promotionsurkunde angehĂ€ngt; sie werden lediglich in den Akten verwahrt.

Die traditionelle Benotung der laurea erfolgt auf der Grundlage einer Zehnerskala mit 10/10 als bester Note und 6/10 als „ausreichend“ in der Weise, dass von den elf Mitgliedern der PrĂŒfungskommission theoretisch jedes eine Note vergibt, die zu den anderen addiert wird. TatsĂ€chlich wird zum Notendurchschnitt aus den LeistungsprĂŒfungen, umgerechnet in 110tel, ein von der PrĂŒfungskommission festgelegter Bonus fĂŒr die schriftliche Abschlussarbeit (tesi di laurea) hinzuaddiert. Die Note 100/110 besagt also, dass der Kandidat 100 von 110 möglichen Punkten erreichte. Die Mindestnote ist 66/110. Bei besonders guten Leistungen wird die Note 110/110 e lode vergeben. Eine Ausnahme bildete das Politecnico di Milano (Technische Hochschule Mailand), wo die PrĂŒfungskommission aus zehn Mitgliedern bestand, und die Bestnote demzufolge 100/100 war, eventuell zusĂ€tzlich mit lode. Bereits in den 1990er Jahren wurde die Bologna-Reform vorweggenommen und die alte laurea mit vier oder fĂŒnf Jahren Regelstudienzeit in zwei modular aufeinanderbauende StudienabschlĂŒsse aufgeteilt, ein erstes nach drei Jahren (laurea di primo livello, dem Bachelor vergleichbar) und ein zweites nach weiteren zwei Jahren (laurea di secondo livello, dem Master vergleichbar). Die Promotion (dottorato di ricerca) bleibt der höchste in Italien erreichbare Abschluss und kommt als dritte Stufe, allerdings ist ihr weiterhin nicht der dottore-Titel reserviert, was z. B. vom Verein der Italienischen Doktoranden kritisiert wurde, weil dies MissverstĂ€ndnisse im Ausland verursacht.

Niederlande

In den Niederlanden besteht ausschließlich die Bezeichnung cum laude. Sie entspricht der Auszeichnung summa cum laude im deutschen System.

Österreich

In Österreich werden studienbeschließende PrĂŒfungen als bestanden oder mit Auszeichnung bestanden beurteilt (letzteres, wenn alle TeilprĂŒfungen nicht schlechter als mit gut und mindestens die HĂ€lfte mit sehr gut beurteilt wurden). Außerdem kann die Verleihung des Doktorates noch zusĂ€tzlich als Promotio sub auspiciis Praesidentis rei publicae (dt. „Promotion unter den Auspizien des BundesprĂ€sidenten“) erfolgen, was der höchsten Auszeichnung zur Erlangung des Doktorgrades gleichkommt.

Schweiz

In der Schweiz liegt das Notensystem an UniversitÀten in der Verantwortung der betreffenden UniversitÀt, womit unterschiedliche Notenskalen möglich sind. Die Rektorenkonferenz der Schweizer UniversitÀten empfiehlt folgendes Notensystem:

  • summa cum laude, hervorragend (Note 6),
  • insigni cum laude, sehr gut (Note 5,5),
  • magna cum laude, gut (Note 5),
  • cum laude, befriedigend (Note 4,5),
  • rite, ausreichend (Note 4),
  • ungenĂŒgend (Noten 1 bis 3,5).[15]

Russland

Im russischen System entspricht die Promotion dem Kandidat der Wissenschaften, verliehen nach einer Aspirantur. Der russische Doktorgrad entspricht dagegen einer westeuropÀischen Habilitation.

Tschechien

Die Promotion besteht in Tschechien aus einer AufnahmeprĂŒfung, Doktorandenstudium mit Lehrveranstaltungen (Blockwochen; zumeist berufsbegleitend), der staatlichen DoktorprĂŒfung (öffentlich) und der Dissertationsarbeit mit Disputation (öffentlich). FĂŒr das Doktorandenstudium wird ein Studienabschluss der zweiten Bologna-Stufe (Master-Ebene) vorausgesetzt.

Die PrĂŒfungen sind mit bestanden oder nicht bestanden klassifiziert und können einmal wiederholt werden. Das Promotionsverfahren dauert je nach UniversitĂ€t und Promotionsfach zwischen drei (Vollzeitstudium) und sechs (berufsbegleitendes Studium) Jahren. Der Wortlaut des in Tschechien erworbenen akademisch-wissenschaftlichen Doktorgrads ist seit 1998: Doktor, AbkĂŒrzung Ph.D., aufgefĂŒhrt nach dem Familiennamen.

Ungarn

In Ungarn wird die erfolgreiche Promotion seit 1996 mit den drei Bezeichnungen: summa cum laude, cum laude und rite ausgezeichnet. Mit insufficienter wird eine nicht bestandene Promotion bezeichnet.

Vereinigtes Königreich und Australien

UniversitĂ€ten im Vereinigten Königreich und in Australien vergeben keine Bewertung fĂŒr den PhD oder die Dissertation. Stattdessen durchlĂ€uft der Promovierende bzw. dessen Dissertation einen Peer-Review mit externen und anonymen Reviewern. Dieser Prozess Ă€hnelt dem Peer-Review-Prozess von wissenschaftlichen Publikationen fĂŒr Konferenzen oder Journals. Es gibt mindestens drei Reviewer der Dissertation. Die Reviewer haben die Möglichkeit die Arbeit folgendermaßen zu bewerten:

  • accept as is, keine weiteren Beanstandungen
  • accept with minor revisions, kleinere Beanstandungen (z. B. Formfehler, kleinere inhaltliche Verbesserungen). Die Dissertation muss nicht noch einmal durch einen full review. Die Änderungen können vom Dean of Research, Dean of Faculty oder dem Head of School abgezeichnet werden. Änderungen mĂŒssen innerhalb von drei Monaten erfolgen.
  • major revisions needed, grĂ¶ĂŸere Beanstandungen. Die Arbeit hat Potenzial, aber die QualitĂ€t von Methodik, Daten oder Ergebnissen ist ungenĂŒgend. Ein erneuter full review ist nötig. Änderungen mĂŒssen innerhalb von sechs bis neun Monaten erfolgen.
  • fail, die Arbeit ist ungenĂŒgend und hat auch kein Potenzial. Dies hat ein sofortige Beendigung des Review-Prozess und auch der PhD Candidature zur Folge.

Der Review-Prozess besteht aus höchstens zwei full review-Zyklen und kann die PhD candidature um maximal ein Jahr verlĂ€ngern. Ein major revisions needed im zweiten full review fĂŒhrt zum endgĂŒltigen Nicht-Bestehen der Arbeit. Wurde die Arbeit mit einem accept with minor revisions abgezeichnet oder erhielt direkt die Bewertung accept as is, so wird der PhD oder Doktorgrad verliehen.

Es gibt die Möglichkeit, eine nichtbestandene Dissertationsschrift als Master-Thesis einzureichen und dafĂŒr den akademischen Grad Master of Philosophy (M. Phil.) zu erhalten.

Aberkennung der Promotion

Eine Aberkennung der Promotion kann in Deutschland grundsĂ€tzlich nur durch die Hochschule bzw. FakultĂ€t erfolgen, die den Grad verliehen hat. GrĂŒnde fĂŒr eine Aberkennung können die rechtskrĂ€ftige Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr[16] sowie nachgewiesene TĂ€uschung ĂŒber die Zulassungsvoraussetzungen oder die Promotionsleistungen sein. Mehrere deutsche Promotionsordnungen sehen ĂŒberdies die Möglichkeit vor, auch einen auf korrekte Weise erlangten Doktorgrad abzuerkennen, wenn dem Kandidat bzw. die Kandidaten nach der Promotion schweres wissenschaftliches Fehlverhalten (insbesondere FĂ€lschungen oder Plagiate) nachgewiesen wird.

Instruktiv ist hier der Fall Jan Hendrik Schön. Im Juni 2004 entzog die UniversitĂ€t Konstanz Schön den Doktorgrad wegen „unwĂŒrdigen Verhaltens“.[17] An diesem Schritt war ungewöhnlich, dass die Redlichkeit der Promotion selbst nicht in Frage gestellt, sondern vielmehr ein bis dahin selten beachteter Passus im baden-wĂŒrttembergischen UniversitĂ€tsgesetz herangezogen wurde, nach dem der Doktorgrad auch entzogen werden kann, „wenn sich der Inhaber durch sein spĂ€teres Verhalten der FĂŒhrung des Grades als unwĂŒrdig erwiesen hat“. Als BegrĂŒndung fĂŒhrte die UniversitĂ€t Schöns erwiesenes Fehlverhalten als Forscher in den USA an, als der Physiker in großem Umfang Forschungsergebnisse gefĂ€lscht hatte. Schön ging zwar gerichtlich gegen diese Entscheidung vor, unterlag jedoch letztlich vor dem Bundesverwaltungsgericht, das die Klage am 31. Juli 2013 endgĂŒltig abwies und den Entzug des Doktorgrades durch die Uni fĂŒr zulĂ€ssig erklĂ€rte.[18]

Siehe auch

Literatur

  • Alexander Lenger: Die Promotion. Ein Reproduktionsmechanismus sozialer Ungleichheit. UVK, Konstanz 2008, ISBN 978-3-86764-130-2.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ Vgl. z. B. § 51 Abs. 2 Z 14 UniversitĂ€tsgesetz 2002 i. d. g. F. [1]
  2. ↑ Vgl. z. B. Landeshochschulgesetz Baden-WĂŒrttemberg i. d. F. vom 1. Januar 2005, § 38 (2) oder Bayerisches Hochschulgesetz i. d. F. vom 23. Mai 2006, Art. 64 (1) oder § 87 des österreichischen UniversitĂ€tsgesetzes 2002.
  3. ↑ Statistisches Bundesamt – Fachserie 11 Reihe 4.2 – PrĂŒfungen an Hochschulen, Verschiedene Jahre, Angaben bis 1992 fĂŒr Westdeutschland, ab 1993 fĂŒr Gesamtdeutschland
  4. ↑  Siegfried Wollgast: Zur Geschichte des Promotionswesens in Deutschland. Graetz Dr. Frank Verlag, 2001, ISBN 978-3-890-74012-6., S. 133
  5. ↑ Statistisches Bundesamt – Fachserie 11 Reihe 4.2 – 2008 – PrĂŒfungen an Hochschulen
  6. ↑ Statistisches Bundesamt – Fachserie 11 Reihe 4.2 – PrĂŒfungen an Hochschulen – 2003, Übersicht fĂŒr 1982 bis 2003
  7. ↑ Statistisches Bundesamt – Fachserie 11 Reihe 4.2 – 2009 – PrĂŒfungen an Hochschulen
  8. ↑ http://www.eubuero.de/erc-gewusst.htm#DrMed
  9. ↑ http://www.wiwo.de/politik/deutschland/plagiatsaffaere-ohne-doktor-haette-schavan-nur-noch-abitur/7255390.html
  10. ↑ http://www.uni-heidelberg.de/md/zo/iko/medien/studium/merkblatt_promotionsordnung.pdf
  11. ↑ Vgl. z. B. Landeshochschulgesetz Baden-WĂŒrttemberg i. d. F. vom 1. Januar 2005, § 38 (2) oder Bayerisches Hochschulgesetz i. d. F. vom 23. Mai 2006, Art. 64 (2) und Art. 66 (2).
  12. ↑ „Doktorarbeit dauert meistens lĂ€nger.“ SĂŒddeutsche Zeitung vom 2./3. Februar 2002, Seite V1/22[2]
  13. ↑ Forschung & Lehre: Erfolgreich zum Dr.-Ing., PDF, Juli 2011, Ausgabe 7/11, S. 534
  14. ↑ Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 266 vom 16. Juli 2009
  15. ↑ http://www.crus.ch/information-programme/anerkennung-swiss-enic/merkblaetter/notensystem.html
  16. ↑ Hermann Horstkotte:Nach der Haftentlassung ohne Doktortitel. In:Zeit-Online, 31. Oktober 2011.
  17. ↑ UniversitĂ€t Konstanz entzieht Jan Hendrik Schön den Doktortitel Pressemitteilung 85 vom 11. Juni 2004
  18. ↑ http://www.aktuelles.uni-konstanz.de/presseinformationen/2013/98/
nl:Wetenschappelijke promotie
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