|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
Die Protokolle der Weisen von Zion sind ein antisemitisches Pamphlet. Es wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von unbekannten Redakteuren auf der Grundlage mehrerer fiktionaler Texte erstellt und gilt als einflussreiche Programmschrift antisemitischen Verschwörungsdenkens. Die Protokolle geben vor, geheime Dokumente eines Treffens von jĂŒdischen Weltverschwörern zu sein.
Die Schrift erschien erstmals 1903 im Kaiserreich Russland. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie zunehmend auch international verbreitet, obwohl sie bereits 1921 in der Londoner Times als FÀlschung entlarvt worden war. Bekannt wurden insbesondere die Ausgabe aus den 1920er Jahren von Henry Ford in den Vereinigten Staaten und die deutschen Ausgaben von Gottfried zur Beek und Theodor Fritsch. Noch heute glauben Antisemiten und AnhÀnger von Verschwörungstheorien in der ganzen Welt, insbesondere in islamischen LÀndern und in Russland, an die AuthentizitÀt oder Wahrheit der Protokolle. Nach wie vor sind sie in vielen LÀndern im Druck und in elektronischer Form auch im Internet zugÀnglich.
Inhaltsverzeichnis |
Der je nach Ausgabe 40 bis 80 Seiten lange Text ist in 24 Abschnitte unterteilt. Jeder entspricht einer angeblichen Sitzung und enthĂ€lt eine Rede, die ein jĂŒdischer FĂŒhrer vor der Versammlung der âWeisen von Zionâ gehalten haben soll. Mit dem bĂŒrokratischen Begriff âProtokolleâ im Titel soll dem Text Glaubhaftigkeit verliehen werden.[1] Der wenig strukturierte Text kreist unter zahlreichen Wiederholungen um drei Themen: Eine Kritik am Liberalismus, die angeblichen PlĂ€ne des Weltjudentums, die Weltherrschaft zu ĂŒbernehmen, und das kĂŒnftige jĂŒdische Weltreich.[2] Der Sprecher bekennt sich zu einem kruden Machiavellismus und zur Parole âDer Zweck heiligt die Mittelâ, die bislang vor allem den Jesuiten unterstellt wurden.[3] Die Demokratie sei eine schĂ€dliche Regierungsform, da Freiheit und Gleichheit mit der menschlichen Natur nicht zu vereinbaren seien. Gleichwohl mĂŒsse man den Liberalismus und die Volksherrschaft fördern, um die nichtjĂŒdischen Staaten zu zerrĂŒtten. Daher gelte es die Vorrechte und den Landbesitz des Adels zu beseitigen, der âdas einzige Abwehrmittel der nicht jĂŒdischen Völker und Staaten gegen unsâ sei,[4] das Ansehen der Geistlichkeit und die Macht des Papstes zu unterminieren, sich scheinbar widersprechende, zersetzende Lehren wie die von Karl Marx, Charles Darwin und Friedrich Nietzsche zu verbreiten und politische GegensĂ€tze zu schĂŒren. Zu diesem Zweck hĂ€tten sie die unterschiedlichsten politischen Richtungen wie Monarchisten, Liberale, Demokraten und Kommunisten unter ihr Joch gespannt. Auch der Antisemitismus sei ebenfalls von den Juden selbst eingerichtet worden, um, âunsere BrĂŒder aus den unteren Schichten zusammenzuhaltenâ.[5] Absichtlich verursachte Wirtschaftskrisen wĂŒrden zu sozialen Spannungen fĂŒhren, auĂerdem mĂŒssten die Völker durch âNeid und HaĂ, durch Streit und Krieg, ja selbst durch Entbehrungen, Hunger und Verbreitung von Seuchenâ zermĂŒrbt werden.[6]
Als Werkzeuge dazu wĂŒrde eine kĂŒnstliche Verknappung der Zahlungsmittel und eine daraus folgende Staatsverschuldung dienen, durch die die Juden, die angeblich alles Geld der Welt besĂ€Ăen, die Staaten in ihre AbhĂ€ngigkeit brĂ€chten. Daher seien sie auch fĂŒr die EinfĂŒhrung des Goldstandards verantwortlich â hier sehen Kommentatoren eine Anspielung auf die WĂ€hrungspolitik des russischen Finanzministers Sergei Juljewitsch Witte in den Jahren 1896/97.[7] AuĂerdem wĂŒrden sie sich der â angeblich jĂŒdisch gelenkten â Presse bedienen, sowie der Freimaurerlogen, die alle einer jĂŒdischen Oberleitung unterstĂ€nden. Die PrĂ€sidenten der neuen Demokratien mĂŒssten alle persönlich ungeeignet und zudem durch âirgend ein Panamaâ in ihrer Vergangenheit erpressbar sein: Hier spielt der Text auf den Panamaskandal von 1892 an, in den auch Arthur von Mohrenheim, der russische Botschafter in Paris, verwickelt war.[8] WĂŒrden ihre Regierungen den Juden gleichwohl nicht gehorchen, wĂŒrden diese durch Terror und MordanschlĂ€ge Druck auf sie ausĂŒben oder NachbarlĂ€nder zum Krieg gegen sie aufhetzen, gegebenenfalls zum Weltkrieg. Sollten sich die europĂ€ischen Staaten gegen die Juden zusammentun, wĂŒrde dies mit einem Angriff der Vereinigten Staaten, Chinas und Japans auf Europa beantwortet werden. Die ErwĂ€hnung Japans ist nach Ansicht des amerikanischen Literaturwissenschaftlers Jeffrey L. Sammons ein Reflex auf den Russisch-Japanischen Krieg der Jahre 1904â1905.[9] Zudem habe man âein letztes, fĂŒrchterliches Mittel in der Hand, vor dem selbst die tapfersten Herzen erzittern sollenâ: Gemeint ist die Untergrundbahn, die ab 1897 in Paris gebaut wurde:
âBald werden alle HauptstĂ€dte der Welt von Stollen der Untergrundbahnen durchzogen sein. Von diesen Stollen aus werden wir im Falle der Gefahr fĂŒr uns die ganzen StĂ€dte mit Staatsleitungen, Ămtern, Urkundensammlungen und den Nichtjuden mit ihrem Hab und Gut in die Luft sprengen.â[10]
Diese fortgesetzte WĂŒhltĂ€tigkeit sowie die der Demokratie angeblich inhĂ€rente Tendenz zum Despotismus werde dazu fĂŒhren, dass die Völker von sich aus um einen Weltherrscher bitten wĂŒrden. Dieser âKönig aus dem Blute Zionâ â eine Anspielung auf die messianische Tradition im Judentum[10] â werde durch einen Staatsstreich die Macht in allen Staaten gleichzeitig ĂŒbernehmen. In seinem Reich wĂŒrden alle Freiheiten, fĂŒr die sich die âWeisen von Zionâ in den nichtjĂŒdischen Staaten eingesetzt hĂ€tten, wieder rĂŒckgĂ€ngig gemacht: Die Presse wĂŒrde einer scharfen Zensur unterworfen, der Rechtsstaat werde durch Abschaffung des Berufungsrechts und eine staatliche Kontrolle aller RechtsanwĂ€lte eingeschrĂ€nkt, der Herrscher regiere autokratisch. Beim ersten Verdacht eines politischen Vergehens werde der Betroffene verhaftet, öffentliche politische Diskussionen wĂŒrden nicht geduldet, Freimaurerlogen und alle anderen GeheimbĂŒnde wĂŒrden verboten, ĂŒberall gebe es Spitzel der Regierung. Die Lehrfreiheit an den UniversitĂ€ten werde aufgehoben, an den Schulen lehre man die Verehrung des Herrschers. Dieser werde in der Bevölkerung tatsĂ€chlich sehr beliebt sein, da er eine paternalistische Sozialpolitik betreibe. Sie werde durch eine progressive Besitzsteuer und eine WĂ€hrungspolitik finanziert, bei der sich die Geldmenge nach den Lebenshaltungskosten und der Bevölkerungsentwicklung richte. Korruption und Machtmissbrauch werde durch scharfe Kontrollen der Beamten unmöglich. Der Börsenhandel werde abgeschafft, ebenso die Arbeitslosigkeit, indem die Hausindustrie wieder eingefĂŒhrt werde, in der es immer etwas zu tun gebe. Der Nachfolger des Herrschers werde nicht durch das Erbrecht, sondern aufgrund seiner persönlichen Eignung bestimmt, da er charakterlich untadelig zu sein habe.
Die Protokolle der Weisen von Zion vereinen eine Vielzahl von Klischees, die den antisemitischen Diskurs vorher und nachher prĂ€gten.[11] So werden Juden grundsĂ€tzlich als Feinde der Christen dargestellt: Diese seien âhirnlosâ, âeine Hammelherde, wir Juden aber sind die Wölfe. Wissen Sie, meine Herren, was aus den Schafen wird, wenn die Wölfe in ihre Herden einbrechen?â[12] Ziel der Juden sei es, in dem von ihnen beherrschten Universalstaat ihren eigenen Glauben weltweit zu etablieren oder den Glauben an ihre göttliche AuserwĂ€hltheit, ihnen werden Ehrgeiz, Rachsucht und Hass auf die Christen unterstellt. Die Vorstellung, die Juden seien grundsĂ€tzlich feindlich gegen Christen eingestellt, wurzelt im mittelalterlichen Antijudaismus, der ihnen âverstockteâ Verweigerung von Bekehrung und Taufe vorwarf, Gottesmord, HostienschĂ€ndung sowie angebliche BĂŒndnisse mit dem Teufel selbst. Der britische Historiker Norman Cohn sieht die Protokolle als moderne Wiederkehr dieser dĂ€monologischen Tradition.[13] Zum âteuflischen Charakterâ der Juden gehört traditionell das Bild der Schlange, das auch in den Protokollen nicht fehlt: Hier wird die Schlange als âSinnbild unseres Volkesâ bezeichnet, weil sie die Völker Europas zunehmend in ihrem WĂŒrgegriff nehme. In der ersten deutschen Ausgabe der Protokolle wurde diese angebliche Umklammerung sogar mit einer Karte illustriert.[14]
Im Mittelalter wurden die Juden aber nicht nur aus religiösen, sondern zunehmend auch aus weltlichen GrĂŒnden verfolgt. Seit der Pest der Jahre 1347â1350 warf man ihnen vor, durch Brunnenvergiftung die Seuche ausgelöst zu haben. Auch in den Protokollen findet sich dieser Gedanke, wenn der Redner erlĂ€utert, durch Hunger, Seuchen usw. die Nichtjuden dazu zu bewegen, die jĂŒdische Herrschaft zu akzeptieren.[15] Ein weiteres Klischee des Mittelalters und der FrĂŒhen Neuzeit war das des jĂŒdischen Wucherers. Das auf dem Zweiten Laterankonzil von 1139 erlassene Zinsverbot wurde mit der zunehmenden Bedeutung des Kreditwesens fĂŒr die spĂ€tmittelalterliche Wirtschaft gelockert, wodurch Christen plötzlich in Konkurrenz zu den Juden standen, denen der Geldverleih bis dahin allein gestattet war. Der Vorwurf, Wucherzinsen zu nehmen, war ein Mittel, die Juden aus dem BankgeschĂ€ft zu verdrĂ€ngen und zu marginalisieren.[16] In der FrĂŒhen Neuzeit war das Klischee vom âreichen Judenâ weit verbreitet. Bekannte Beispiele sind der wĂŒrttembergische Hoffaktor Joseph SĂŒĂ Oppenheimer (1698-1738) und der Frankfurter Bankier Mayer Amschel Rothschild (1744â1812) mit seinen Nachkommen, deren Reichtum in einem (unrichtigen) induktiven Schluss generalisiert wurde und noch heute Stoff fĂŒr Verschwörungstheorien liefert.[17] Dieser Vorwurf ist in den Protokollen beinahe allgegenwĂ€rtig und gipfelt in der Behauptung, die Juden wĂŒrden bereits zur Abfassungszeit faktisch alles Geld der Welt besitzen.[18]
Der zentrale Gedanke der Protokolle, nĂ€mlich dass sich die Juden schlieĂlich insgeheim verschwören wĂŒrden, um ihre bösen PlĂ€ne gegen die Christenheit in die Tat umzusetzen, findet sich seit dem 13. Jahrhundert in der christlichen Imagination, als der englische Mönch Matthaeus Parisiensis (1200â1259) in seiner Chronica major behauptete, die Juden hĂ€tten sich insgeheim mit den âTartarenâ verbĂŒndet, um sich an den Christen zu rĂ€chen[19] Dieser Gedanke findet sich seit 1869 verstĂ€rkt im antisemitischen Diskurs. In diesem Jahr veröffentlichte der französische Rechtskatholik Henri Roger Gougenot des Mousseaux (1805â1876) sein Werk Le Juif, le judaisme et la judaisation des peuples chrĂ©tiennes, in dem er die beiden Zweige der bis dahin gĂ€ngigen Verschwörungstheorien, den antisemitischen und den antimasonischen, verknĂŒpfte: Die Freimaurerei sei ein von den Juden geschaffener âkĂŒnstlicher Judaismusâ mit dem Ziel, Christen fĂŒr das Judentum zu rekrutieren.[20] Cohn nennt das Buch die âBibel des modernen Antisemitismusâ.[21] In der Folge gerann die angeblich engste Verbindung von Synagogen und Logen zu einem feststehenden Topos der antisemitischen Literatur. Nach dem israelischen Historiker Jacob Katz war es fĂŒr französische Antisemiten nachgerade unmöglich, nicht auch die Freimaurerei zu attackieren.[22]
Ein weiteres konstitutives Element des modernen Antisemitismus kommt in den Protokollen der Weisen von Zion nicht vor: Die Rassentheorie, nach der die Juden anderen Menschen genetisch fremd wĂ€ren. Diese Ăberzeugung hatte nach dem âEssai sur lâinĂ©galitĂ© des races humainesâ von Arthur de Gobineau (1816â1882) aus dem Jahr 1853 und der 1859 erschienenen âEntstehung der Artenâ von Charles Darwin (1809â1882) verstĂ€rkt um sich gegriffen.[23] Völkische Kreise in Deutschland waren in ihrem Denken von diesen Ideen derart durchdrungen, dass sie gar nicht anders konnten, als die Protokolle in diesem rassistischen Sinne zu verstehen, als sie diese nach 1919 lasen. FĂŒr sie waren die dort beschriebenen RĂ€nke typischer Ausdruck der angeborenen jĂŒdischen Rassenseele, die dort phantasievoll ausgemalte Weltverschwörung war fĂŒr sie Folge eines Zerstörungstriebes, der nicht religiös oder kulturell bedingt war, sondern rassisch. Die logische Folge dieses rassistischen VerstĂ€ndnisses der Verschwörungstheorie war die biologische Vernichtung der vermeintlichen HintermĂ€nner der Verschwörung.[24]
Die Protokolle der Weisen von Zion sind eine FĂ€lschung unter Verwendung Ă€lterer, fiktionaler Texte,[25] beziehungsweise, da es kein Original gibt, eine reine âErfindungâ,[26] eine Fiktion ohne Bezug zur Wirklichkeit.[27] Wer der oder die FĂ€lscher waren, ist nicht gesichert. Der französische Historiker Henri Rollin (1885â1955) glaubte in seinem 1939 erschienenen Werk L'apocalypse de notre temps, die Urfassung stamme von Elias von Cyon (1843â1912), einem konservativen russischen Schriftsteller, der seit 1875 in Frankreich lebte. Er habe eine 1864 erschienene französische Satire von Maurice Joly umgeschrieben, um gegen Finanzminister Witte und dessen liberalen Modernisierungskurs zu polemisieren. Diesen Text habe Pjotr Ratschkowski (1853â1910), der von 1885 bis 1902 die in Paris ansĂ€ssige Abteilung fĂŒr Auslandsfragen des russischen Geheimdienstes Ochrana leitete, im Jahr 1897 an sich gebracht und im antisemitischen Sinne umgeschrieben.[28][29][30] Oft wird auch einfach Ratschkowski als Verfasser oder Auftraggeber angegeben.[31][32][33] Seit einer Veröffentlichung des russischen Literaturhistorikers Michail Lepechin aus dem Jahr 1998 wird auch Ratschkowskis Assistent Matwei Golowinski (1865â1920) als Verfasser der Protokolle genannt: Er habe zur Zeit der Dreyfus-AffĂ€re den Text im Auftrag seines Chefs in französischer Sprache verfasst, um damit Zar Nikolaus II. gegen den Liberalismus aufzubringen.[34][35] Der schottische Historiker James Webb sieht dagegen die russische Okkultistin Juliana Glinka, die in Paris in Kontakt mit Ratschkowski stand, als verantwortlich fĂŒr den Text an.[36]
Nach dem deutschen Historiker Michael Hagemeister gehen diese Versionen auf zwei Quellen zurĂŒck: Zum einen auf die polnische FĂŒrstin Catherine Radziwill (1858â1941), die 1921 von ihrem New Yorker Exil aus verbreitete, Golowinski habe ihr 1904/1905 in Paris das französische Original der Protokolle gezeigt, das er in Ratschkowskis Auftrag angefertigt habe.[37] Auf sie stĂŒtzte sich zum anderen der französische Graf Alexandre du Chayla (1885â1945) in seinen ebenfalls 1921 erschienenen Erinnerungen an einen der ersten Herausgeber der Protokolle, Sergei Nilus (1862-1929), mit dem er nach seiner Bekehrung zum orthodoxen Christentum in engem Kontakt gestanden hatte. Chayla trat spĂ€ter auch als Zeuge im Berner Prozess auf.[38] Hagemeister bezweifelt die GlaubwĂŒrdigkeit dieser Quellen und vertritt unter anderem wegen mehrerer Ukrainismen im Text die These, dass die FĂ€lschung von rechtsgerichteten Adligen aus SĂŒdrussland fabriziert oder zumindest redigiert wurde.[39]
Der italienische Literaturwissenschaftler Cesare G. De Michelis kommt bei seinen textkritischen Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass die Ă€lteste gedruckte russische Version, die bereits 1903 erschien, keine Ăbersetzung aus dem Französischen sei, sondern auf eine Urfassung zurĂŒckgehe, die von russischen Rechtsradikalen kurz zuvor in Sankt Petersburg zusammengeschrieben wurde.[40]
Die FĂ€lscher nutzten ĂŒber weite Strecken als Vorlage die satirische Schrift Dialogue aux enfers entre Machiavel et Montesquieu (âGesprĂ€che in der Unterwelt zwischen Machiavelli und Montesquieuâ) des Franzosen Maurice Joly, die 1864 anonym in BrĂŒssel erschienen war.[41] In der literarischen Tradition der TotengesprĂ€che lĂ€sst der Verfasser den französischen AufklĂ€rer mit dem italienischen Renaissance-Philosophen streiten. Dabei wird letzterem die zynische Verteidigung einer moralfreien politischen Tyrannei in den Mund gelegt. In dem fiktiven Dialog spielen Juden keinerlei Rolle, vielmehr attackiert Joly ĂŒber die Figur des Machiavelli den französischen Kaiser NapolĂ©on III., der nach seinem Staatsstreich 1851 die BĂŒrgerrechte und den Rechtsstaat in Frankreich zunehmend aushöhlte. 40 Prozent des Texts der Protokolle sind wörtlich aus Jolys Satire entnommen. Allerdings sind die Gedanken bei Joly deutlich kohĂ€renter. Die Protokolle erwecken den Eindruck einer hastigen Abschrift.[42] Joly nahm, wie der Medienwissenschaftler Umberto Eco zeigt, seinerseits Anleihen bei populĂ€ren französischen Unterhaltungsromanen des 19. Jahrhunderts, namentlich bei Alexandre Dumasâ Joseph Balsamo von 1846 sowie bei EugĂšne Sues Le Juif errant (âDer ewige Judeâ) aus dem Jahr 1845 und Les MystĂšres du Peuple (âDie Geheimnisse des Volkesâ) aus dem Jahr 1856 â hier waren die WelteroberungsplĂ€ne den Jesuiten in den Mund gelegt worden.[43]
Bei der Ausformung des Textes der Protokolle spielte auch der 1868 erschienene Sensationsroman Biarritz des deutschen Schriftstellers Hermann Goedsche eine Rolle. Darin wird eine geheime Versammlung auf dem Friedhof von Prag im Jahr 1860 geschildert, die vom Helden des Romans, einem âDoktor Faustâ, und seinem Begleiter, einem konvertierten Juden, belauscht werden.[44] Angeblich wĂŒrden sich die Vertreter der zwölf StĂ€mme Israels alle hundert Jahre treffen, um die Fortschritte bei dem Plan zur Eroberung der Welt zu besprechen: Alles Gold der Welt solle in jĂŒdische HĂ€nde gebracht werden. Als Mittel zu diesem Zweck werden von den einzelnen Sprechern das Programm des Liberalismus und die negativen Folgen der gesellschaftlichen Modernisierung, verklammert mit Schreckbildern jĂŒdischer Bosheit, ausgebreitet, darunter die Verschuldung des Staates und des Adels, die Judenemanzipation einschlieĂlich jĂŒdischen Grundbesitzes, Mischehen christlicher Frauen mit jĂŒdischen MĂ€nnern, die Proletarisierung der Handwerker, Trennung von Kirche und Staat, Förderung von Revolutionen sowie die Eroberung der Presse, des Handels, des öffentlichen Dienstes und des Kulturlebens. Dies sei der wahre Gehalt des jĂŒdischen Geheimwissens, der Kabbala. Goedsche selbst bediente sich bei dieser Szene bei Wilhelm Raabes ErzĂ€hlung âHolunderblĂŒteâ, die fĂŒnf Jahre zuvor erschienen war.[45] Goedsches Friedhofsszene erschien 1876 erneut in einer russischen Schrift, die die bei Goedsche noch fiktive Geschichte nun als Tatsachenbericht darstellt. Ein Jahr spĂ€ter tauchten die Reden in Deutschland, Frankreich und Ăsterreich auf. Teilweise wurden die Reden einer einzigen Person zugeschrieben und als âDie Rede des Rabbinersâ wiederveröffentlicht. 1881 druckte die rechtskatholische Zeitung Le Contemporain in Frankreich die Geschichte etwas verĂ€ndert ab, indem die zwölf Reden zu einer einzigen zusammengefasst wurden. Le Contemporain gab an, den âBerichtâ aus einem bald erscheinenden Buch des englischen Diplomaten âSir John Readcliffâ ĂŒbernommen zu haben; dieser Name war aber nur das Pseudonym, unter dem Goedsche seinen Roman veröffentlicht hatte. Die Vorstellung, es gebe einen Rat der Vertreter aller Juden der Welt, geht dabei auf den von Napoleon 1806 einberufenen Sanhedrin zurĂŒck, der bereits im 19. Jahrhundert ein AnknĂŒpfungspunkt fĂŒr antisemitische Verschwörungstheorien war.[46][47]
Die Ă€lteste Fassung der Protokolle erschien vom 26. August bis zum 7. September 1903 in neun Folgen in der rechtsextremen St. Petersburger Zeitung Znamia (russisch: âBannerâ) unter dem Titel âDas jĂŒdische Programm zur Welteroberungâ. Der Herausgeber Pavel Alexandrowitsch Kruschewan (1860-1909) war ein den Schwarzen Hundert nahestender Antisemit, der im selben Jahr in ChiÈinÄu ein Pogrom organisiert hatte. Er behauptete, es handele sich um authentische âSitzungsprotokolle der Weltallianz der Freimaurer und der Weisen von Zionâ, die in Frankreich angefertigt worden seien. Dort befĂ€nden sich auch die âGeheimarchive der Zentralkanzlei von Zionâ, dessen Vertreter indes nicht mit der zionistischen Bewegung verwechselt werden dĂŒrften.[48] 1904 druckte der polnische Antisemit Hipolit LutostaĆski einen Teil des russischen Textes ebenfalls als angebliche Ăbersetzung aus dem Französischen im zweiten Band seines Werks Talmud i evrei (âDer Talmud und die Judenâ) ab.[49]
1905, im Jahr der ersten Russischen Revolution, folgten weitere Editionen in Moskau und in St. Petersburg, die die Ereignisse zu erklĂ€ren versuchten. Der Journalist Georgi Wassilewitsch Butmi (1856-1919) vom orthodox-nationalistischen Bund des russischen Volkes folgte in seiner Edition, die er unter wechselnden Titeln mehrfach herausgab, weitgehend der Herkunftslegende der Znamia, nur gab er nun auch ein Datum an: Am 9. Dezember 1901 sei der Text aus dem Französischen ĂŒbersetzt worden. In der Ausgabe von 1907 gab er zudem an, er entstamme den Akten einer âFreimaurerloge des Ă€gyptischen Ritusâ Mizraim (gemeint ist wohl der Memphis-MisraĂŻm-Ritus), die vor allem von Juden besucht wĂŒrde, und rĂŒckte ihn in die geistige NĂ€he zum Zionismus.[50]
Die Version, die schlieĂlich weltweit verbreitet wurde, erschien gleichfalls 1905 in der zweiten Ausgabe eines apokalyptischen Werkes des religiösen Schriftstellers Sergei Nilus (1862â1929), Das GroĂe im Kleinen, oder die Ankunft des Antichrist und die herannahende Herrschaft des Teufels auf der Erde. Darin malte er in Anlehnung an den 2. Thessalonicherbrief eine endzeitliche Verschwörung der âKirche des Satansâ gegen das Christentum aus, die im Wesentlichen aus der âjĂŒdischen Freimaurereiâ bestehen wĂŒrde. Angeblich mehrten sich schon die Vorzeichen, weswegen bald der falsche Messias der Juden erscheinen wĂŒrde, der Antichrist, der wiederum der Wiederkunft Jesu Christi vorangehe. Den Juden war in dieser dualistischen Sicht die Rolle der Widersacher Gottes zugewiesen, die â ganz gegen ihre Absicht â den heilsgeschichtlichen Prozess vorantreiben und sich kurz vor dem Ende der Zeit doch noch zum Christentum bekehren wĂŒrden. Das von Pseudo-Paulus in 2 Thess 2,7 LUTH erwĂ€hnte âGeheimnis der Bosheitâ sei die jahrtausendealte Verschwörung der Juden, von der Nilus in einem spĂ€teren Werk behauptete, sie gehe auf den König Salomo zurĂŒck.[51] Als zwölftes Kapitel hatte er daher einen erweiterten Text der Protokolle in sein Buch eingefĂŒgt. Nilus hatte den Text umgearbeitet, um auf die aktuelle Politik des Jahres 1905 eingehen zu können, behauptete aber, sie seien 1902 oder 1903 vorgetragen worden.[52] Nilus fĂŒgte auch ZwischenĂŒberschriften ein, die besonders die Rolle der Freimaurer in der imaginierten Weltverschwörung herausstrichen, die im eigentlichen Text nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die angebliche Zusammenarbeit von Juden und Freimaurern war völlig fiktiv, da die Logen alles andere als revolutionĂ€r waren und viele sich bis weit ins 20. Jahrhundert hinein weigerten, Juden aufzunehmen.[53]
Das Werk erlebte bis 1917 unter verĂ€nderten Titeln mehrere Neuauflagen und wurde 15.000 Mal gedruckt. In der vierten Auflage 1917 behauptete Nilus, es sei ihm zugetragen worden, dass der Verfasser der Protokolle Theodor Herzl, der GrĂŒnder der zionistischen Bewegung, sei. Er habe die protokollierte Rede auf dem Ersten zionistischen Weltkongress gehalten, der im August 1897 in Basel stattfand.[54]
Wie groĂ das Aufsehen war, das die Protokolle bei ihrem Erscheinen erregten, ist unklar: Einerseits wurden sie in Moskau von den Kanzeln verlesen,[55] andererseits lassen sich keine Reaktionen nachweisen, weder in der ĂŒbrigen antisemitischen Publizistik noch etwa in Pogromen.[56] In den folgenden Jahren interessierten sich nur wenige Menschen fĂŒr den Text, der zunehmend als Verschwörungstheorie durchschaut wurde. Das Ă€nderte sich mit der russischen Oktoberrevolution 1917 und dem anschlieĂenden BĂŒrgerkrieg, als die konterrevolutionĂ€ren âWeiĂenâ die Protokolle zum VerstĂ€ndnis des ihnen sonst unbegreiflichen Geschehens heranzogen.[57] Es wurde das GerĂŒcht verbreitet, die Zarin Alexandra Fjodorowna habe vor ihrer Ermordung die Protokolle der Weisen von Zion bei sich gehabt. Von radikal antibolschewistischen Emigranten wie Fjodor Winberg (1868 â1927) oder dem Baltendeutschen Alfred Rosenberg wurden sie nach West- und Mitteleuropa gebracht, weil man hoffte, mit ihnen UnterstĂŒtzung gegen den angeblich jĂŒdischen Bolschewismus organisieren zu können.[58] In der Folge erschienen in vielen LĂ€ndern Editionen der Protokolle. Auch wenn sie in den Formulierungen zum Teil deutlich voneinander abweichen, fuĂen sie im Kern doch alle auf Nilus' Ausgabe von 1911. Unterschiede lassen sich vor allem in der Kommentierung feststellen: Dass es der geheime Zweck des Baus der U-Bahnen wĂ€re, von ihnen aus ganze StĂ€dte in die Luft sprengen zu können, erschien mehreren Herausgebern zu phantastisch; sie meinten, man mĂŒsse diese Passage metaphorisch verstehen.[59] Von nun an wurden die Protokolle nicht mehr als religiöse Warnung vor dem Bösen der Endzeit, sondern als politische Analyse der jeweiligen Gegenwart gelesen.
Die erste nichtrussische Fassung basierte auf Nilus' zweiter Auflage von 1911. Sie wurde im Januar 1920 von Ludwig MĂŒller von Hausen, dem GrĂŒnder und Vorsitzenden des Verbandes gegen die Ăberhebung des Judentums, unter dem Pseudonym Gottfried zur Beek vorgelegt, der in Berlin intensive Kontakte zu rechtsextremen russischen Emigranten pflegte.[60] In seiner Einleitung schmĂŒckte MĂŒller von Hausen/zur Beek die Legende, wonach die Protokolle 1897 auf dem Basler Zionistenkongress entstanden wĂ€ren, aus: Angeblich habe ein âSpĂ€herâ der russischen Regierung einen jĂŒdischen Gesandten bestochen, der die Protokolle zur angeblich jĂŒdischen Freimaurerloge âZur aufgehenden Morgenröteâ nach Frankfurt am Main bringen sollte, und so Gelegenheit erhalten, sie in einer Nacht abzuschreiben â daher ihr fragmentarischer Charakter. Dieser Text sei dann an Nilus gesandt worden, der sie 1901 ins Russische ĂŒbersetzt und ihm, zur Beek, die alleinigen Rechte ĂŒbertragen haben soll.[61][62] Die Ausgabe von MĂŒller von Hausen / zur Beek brachte es allein bis 1938 auf 22 Auflagen: Der Historiker Jacob Katz betont, dass die Protokolle nur eine von vielen antisemitischen Veröffentlichungen waren, die das Land damals ĂŒberschwemmten. Dennoch zeigt ihr publizistischer Erfolg, dass in der Weimarer Republik das BedĂŒrfnis nach einem SĂŒndenbock fĂŒr den Sturz der Monarchie und fĂŒr die Niederlage im Weltkrieg angesichts der eigenen rassischen Ăberlegenheit, die die völkische Bewegung immer verkĂŒndet hatte, groĂ war.[63] Seit 1929 erschien das Werk im Parteiverlag der NSDAP. Im Vorwort wurde gedroht, ein nationalsozialistisches Deutschland werden dem Judentum âdie Rechnung prĂ€sentieren, die dann nicht mehr mit Gold zu bezahlen istâ. AuĂerdem bereicherte zur Beek in seiner Kommentierung das Spektrum der vermeintlichen Verschwörer um die Ernsten Bibelforscher, deren Millenarismus er als Eintreten fĂŒr ein jĂŒdisches Weltreich missdeutete.[64]
Der spĂ€tere NSDAP-Parteiideologe Alfred Rosenberg legte 1923 einen ausfĂŒhrlichen Kommentar vor, in dem er die Nachkriegsentwicklung als BestĂ€tigung der in den Protokollen geschilderten PlĂ€ne ausdeutete.[65] Sie wurde ein publizistischer Erfolg und erlebte 1924, 1933, 1938 und 1941 Neuauflagen. 1927 erschien seine Schrift âDer WeltverschwörerkongreĂ zu Baselâ, in dem er sich Nilusâ These zu eigen machte, wonach die Protokolle die geheimen BeschlĂŒsse des Zionistenkongresses des Jahres 1897 enthielten.[66]
1924 brachte Theodor Fritsch unter dem Titel Die Zionistischen Protokolle. Das Programm der internationalen Geheimregierung eine dritte deutsche Version auf den Markt, diesmal als angebliche Ăbersetzung âaus dem Englischen nach dem im Britischen Museum befindlichen Originalâ.[67] Fritsch fĂŒhrte im Vorwort als Argument fĂŒr die Echtheit an, ein arischer Kopf könne sich ein solches System spitzbĂŒbischer Niedertracht gar nicht ausdenken, und verlangte, man mĂŒsse nun das Judentum âals die allein Schuldigen zur Rechenschaft ziehen: den geschworenen Feind der ehrenhaften Menschheitâ.[68]
Die englische Ăbersetzung der Protokolle unter dem Titel The Jewish Peril kam Anfang 1920 auf den britischen Markt. Die konservative Morning Post veröffentlichte im selben Jahr unter dem Titel The Cause of World Unrest eine Textsammlung zu den Protokollen, lieĂ aber deren Echtheit als offene Frage erscheinen. In den Vereinigten Staaten gab der Industrielle Henry Ford eine Zusammenfassung mehrerer Artikel aus seiner Zeitung The Dearborn Independent unter dem Titel The International Jew: The Worldâs Foremost Problem (deutsch: Der internationale Jude) heraus, die den Text der Protokolle mit einer ausfĂŒhrlichen Kommentierung bot. Die Publikation erreichte eine Auflage von 500.000 StĂŒck, Ăbersetzungen erschienen in Frankreich, Norwegen, DĂ€nemark, Polen, Bulgarien, Italien, Griechenland und erreichten schlieĂlich auch Japan und China. Damit trug Ford, der sich seit einem Rechtstreit 1927 von den Protokollen distanzierte, zu ihrer weltweiten Verbreitung bei.[69]
In Frankreich erschienen drei verschiedene Ăbersetzungen. Am weitesten verbreitet wurde die von Monsignore Ernest Jouin (1844-1932), einem katholischen Priester, die 1920 in der Revue Internationale des SociĂ©tĂ©s SecrĂštes erschien.[70] Zur Verbreitung der Protokolle in Frankreich trug die amerikanische Antisemitin Leslie Fry (alias Paquita Louise de Shishmareff, 1872-1970) bei. In einem Zeitungsartikel stellte sie 1921 die Behauptung auf, Verfasser der Protokolle wĂ€re in Wahrheit der kulturzionistische Publizist Ascher Ginzberg. Er habe sie um 1890 in Odessa in hebrĂ€ischer Sprache fĂŒr seinen Geheimbund Bnei Moshe (Söhne des Mose) verfasst. Eine französische Ăbersetzung des Textes sei an die Alliance IsraĂ©lite Universelle, eine international tĂ€tige jĂŒdische Kulturorganisation, und von dort 1897 zum Basler Kongress gegangen, von wo Nilusâ Abschrift stamme.[71]
Zweifel an der Echtheit der Protokolle kamen schon sehr frĂŒh auf. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg lieĂ das russische Innenministerium eine Untersuchung anstellen, die zu dem Ergebnis kam, dass sie gefĂ€lscht seien.[72] Die Londoner Tageszeitung The Times rezensierte das Buch zunĂ€chst zustimmend. Im August 1921 veröffentlichte ihr Korrespondent in Istanbul Philip Graves dann eine Serie von Artikeln, in denen er erstmals nachwies, dass die Protokolle ein Plagiat darstellten: Sie waren ĂŒber weite Strecken von Jolys Buch aus dem Jahre 1864 abgeschrieben, und das auch noch auf eine ungeschickte und leicht zu durchschauende Weise. Damit war bewiesen, dass es sich um eine FĂ€lschung handelte â FĂ€lschung nicht in dem Sinne, dass ein real existierendes Dokument verfĂ€lscht worden wĂ€re, denn ein solches Dokument hatte es ja nie gegeben. Graves wies vielmehr nach, dass der gesamte Text ein böswilliges Phantasieprodukt war, mit dem die Juden und namentlich die Bundisten fĂŒr die Rolle, die sie in der Russischen Revolution von 1905 gespielt hatten, schlechtgemacht werden sollten.[73] Der deutsche Journalist Binjamin Segel veröffentlichte 1924 eine âErledigungâ des Glaubens an die Echtheit der Protokolle. Er warnte im Vorwort davor, die Dummheit und LeichtglĂ€ubigkeit auch gebildeter Menschen zu unterschĂ€tzen, und trug alle Argumente zusammen, die auf eine FĂ€lschung hindeuteten. Auch weil sein Buch in einem jĂŒdischen Verlag erschien, hatte es kaum Wirkung, da es von Antisemiten als interessegeleitete Schadensbegrenzung abgetan wurde.[74][75]
GröĂere PublizitĂ€t erlangte der Charakter der Protokolle als FĂ€lschung im Berner Prozess, der von November 1933 bis Oktober 1934 und von April bis Mai 1935 vor dem Obergericht des Kantons Bern gefĂŒhrt wurde. Darin ging es um eine Strafanzeige des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds und der Israelitischen Kultusgemeinde Bern gegen fĂŒnf Mitglieder der Nationalsozialistischen Eidgenössischen Arbeiterpartei bzw. der Nationalen Front, die antisemitisches Propagandamaterial verbreitet hatten, darunter auch die Protokolle der Weisen von Zion in der fritschschen Ausgabe. Das Verfahren zog sich hin, unter anderem weil beide Seiten Gutachter aus dem Ausland hinzuzogen. Mehrere Teilnehmer und Beobachter des Ersten Zionistischen Weltkongresses 1897 sagten aus, dass es dort einzig um die Schaffung einer gesicherten HeimstĂ€tte fĂŒr Juden in PalĂ€stina gegangen war und alle Beratungen öffentlich stattgefunden hatten. Irgendwelche Geheimprotokolle konnte es daher nicht geben. Der deutsche SachverstĂ€ndige, der Nationalsozialist Ulrich Fleischhauer (1876-1960), erklĂ€rte daraufhin Nilus' Herkunftslegende kurzerhand fĂŒr irrig und behauptete, parallel zum Zionistenkongress habe im August 1897 ein âKongress des Ordens Bânai Bârith und jĂŒdischer Hochgradlogenâ stattgefunden, auf dem die Protokolle beschlossen worden seien.[76] Das Gericht lieĂ sich von dieser unbewiesenen Behauptung nicht tĂ€uschen und stellte am 14. Mai 1935 in seiner UrteilsbegrĂŒndung fest:
âIrgend ein Beweis dafĂŒr, dass die sog. Protokolle, wie sie in der BroschĂŒre Fritsch enthalten sind, irgendwo und irgendwann von einem oder mehreren Juden im Auftrag einer geheimen jĂŒdischen Weltregierung ausgearbeitet, vorgetragen, beraten worden sind, ist nicht erbracht worden.â
Die Protokolle seien ein Plagiat von Joly und zudem Schundliteratur. Daher verurteilte es zwei der Angeklagten in erster Instanz wegen VerstoĂes gegen Artikel 14 des Gesetzes ĂŒber das Lichtspielwesen und Massnahmen gegen die Schundliteratur[77] zu symbolischen Geldstrafen und einer teilweisen Ăbernahme der Gerichtskosten.[78] In einem Berufungsverfahren wurde das Urteil im November 1937 vom Berner Obergericht aufgehoben, weil der Begriff Schundliteratur auf politische Literatur nicht anwendbar sei, der die Komponente der Unzucht fehle. Die Tatsache, dass die Protokolle ein Phantasieprodukt sind, zog das Gericht aber nicht in Zweifel, die Zahlung von Schadenersatz wurde den Beklagten mit der BegrĂŒndung verweigert: âWer aber solche Hetzartikel gemeinster Sorte in Verkehr bringt, muss die ihm daraus entstehenden Kosten selber tragen.â[79] Die Aufdeckung der FĂ€lschung blieb weitgehend folgenlos. Zur Beek, Rosenberg und andere AnhĂ€nger der Protokolle behaupteten nun einfach, Joly wĂ€re ein Jude gewesen und hĂ€tte in Wahrheit âMoĂŻse JoĂ«lâ geheiĂen. Insofern widerlege seine Satire aus dem Jahr 1864 die AuthentizitĂ€t der Protokolle nicht, sondern bestĂ€rke sie. Dass im Dialogue aux enfers ⊠von den Juden ĂŒberhaupt keine Rede war, sondern es einzig um Napoleon III. ging, focht sie dabei nicht an.[80] Fleischhauers Gutachten, dem das Gericht keinen Glauben geschenkt hatte, wurde publiziert und diente fortan als weiterer Beleg fĂŒr die Echtheit der Protokolle.[81] In der Folgezeit fanden seine Mitarbeiter in der nationalsozialistischen Zeitschrift Welt-Dienst immer neue Parallelen zwischen den Werken Jolys und Herzls und fĂŒhrten sie als BestĂ€tigung ihrer ursprĂŒnglichen Ăberzeugungen an.[82]
Konstantin von Gebsattel, der geheime Oberleiter des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes, dem die Protokolle bereits Anfang MĂ€rz 1919 vorlagen, Ă€uĂerte sich zu ihnen in einem Brief an Heinrich ClaĂ: âOb es eine FĂ€lschung ist oder nicht â jedenfalls entspricht es der Wirklichkeit.â[83] Mit der Wirkung der Protokolle werden Morde und MordanschlĂ€ge in der Weimarer Republik in Zusammenhang gebracht. So wurde 1922 in Berlin ein Attentat auf den wichtigsten FĂŒhrer der russischen Emigranten, den Historiker Pawel Nikolajewitsch Miljukow, ausgeĂŒbt. Einer der Mörder, Fjodor Winberg, hatte die Protokolle 1918 nach Deutschland gebracht und in seiner in Berlin erscheinenden Zeitschrift ĐŃŃ ŃĐČĐ”Ńа (Lutsch Sweta ââLichtstrahlâ) in AuszĂŒgen veröffentlicht.[84] SpektakulĂ€rer war am 24. Juni 1922 der Mord am deutschen AuĂenminister Walther Rathenau, der sich zuvor wegen seiner jĂŒdischen Abstammung einer beispiellosen antisemitischen Hetzkampagne ausgesetzt gesehen hatte. Seine Aussage, wonach die Geschicke der Welt von etwa 300 mĂ€chtigen MĂ€nnern geleitet wĂŒrden â Rathenau dachte dabei an Unternehmer, Bankiers, usw. â war von MĂŒller von Hausen/zur Beek aufgegriffen und zu der Denunziation umgedeutet worden, Rathenau selber wĂ€re einer der â300 Weisen von Zionâ, die mit ihm an die Macht gelangt seien.[85] Auf diese Annahme berief sich der rechtsradikale Student Ernst Werner Techow (1901 - ca. 1945), der den Wagen der AttentĂ€ter gesteuert hatte, bei seiner Verteidigung vor Gericht.[86]
Der nationalsozialistische Theoretiker Gottfried Feder verfasste seine 1923 erschienene Schrift Der Deutsche Staat auf nationaler und sozialer Grundlage, zu der Adolf Hitler ein Geleitwort beisteuerte, ausdrĂŒcklich als Gegenschrift gegen die Protokolle der Weisen von Zion.[87] Hitler selbst nahm bereits in einer seiner ersten veröffentlichten ĂuĂerungen Bezug auf die Protokolle der Weisen von Zion: In den von seinem Freund Dietrich Eckart herausgegebenen âZwiegesprĂ€ch zwischen Adolf Hitler und mirâ beschreibt er eine âjĂŒdische prophetische Landkarteâ â offensichtlich die in der Ausgabe zur Beeks, die die jĂŒdische Umklammerung Deutschlands illustrieren sollte.[88] Auch in Mein Kampf zieht Hitler die Protokolle als Beweis fĂŒr seine antisemitischen Thesen heran:
âWie sehr das ganze Dasein dieses Volkes auf einer fortlaufenden LĂŒge beruht, wird in unvergleichlicher Art in den von den Juden so unendlich gehaĂten âProtokollen der Weisen von Zionâ gezeigt. Sie sollen auf einer FĂ€lschung beruhen, stöhnt immer wieder die âFrankfurter Zeitungâ in die Welt hinaus: der beste Beweis dafĂŒr, daĂ sie echt sind. Was viele Juden unbewuĂt tun mögen, ist hier bewuĂt klargelegt. Darauf aber kommt es an. Es ist ganz gleich, aus wessen Judenkopf diese EnthĂŒllungen stammen, maĂgebend aber ist, daĂ sie mit geradezu grauenerregender Sicherheit das Wesen und die TĂ€tigkeit des Judenvolkes aufdecken und in ihren inneren ZusammenhĂ€ngen sowie den letzten SchluĂzielen darlegen.â[89]
1927 veröffentlichte Hitlers Freund Hermann Esser seine Schrift Die jĂŒdische Weltpest, die in der Zeit des Nationalsozialismus mehrere Neuauflagen erlebte. Darin zitierte er ausfĂŒhrlich aus den Protokollen, die wie der Talmud angeblich Menschenhass, Verworfenheit, Raubgier, Despotismus, Enteignungskoller und zahlreiche andere negative Eigenschaften der Juden beweisen wĂŒrden. Es gebe daher ânur eine angemessene Strafe fĂŒr das Judentum: massenhafte Ausrottungâ.[90]
In seinen spĂ€teren Reden kam Hitler nur selten explizit auf die Protokolle zurĂŒck. Am 13. Mai 1943 unterhielt er sich mit Joseph Goebbels, der sie fĂŒr weiterhin aktuell und sehr brauchbar fĂŒr die Propaganda erklĂ€rte, aber die Frage offen lieĂ, ob sie echt oder âvon einem genialen Zeitkritiker erfundenâ seien.[91] Hitler Ă€uĂerte sich von ihrer âabsoluten Echtheitâ ĂŒberzeugt und meinte, dass sie das immer gleiche Wesen der Juden zeigen wĂŒrden: âEs bleibt also den modernen Völkern nichts anderes ĂŒbrig, als die Juden auszurotten.â[92]
Am 13. Oktober 1934 ordnete Erziehungsminister Bernhard Rust an, die Protokolle hĂ€tten als Lehrstoff an allen Schulen des Reiches behandelt zu werden.[93] 1936 veröffentlichte Eugen Freiherr Engelhardt das Werk JĂŒdische WeltmachtplĂ€ne, das mehrere Auflagen erlebte.[94] Darin verband er die Protokolle wieder stĂ€rker mit dem antimasonischen Diskurs und konstruierte Verbindungen zum Illuminatenorden, einer deutschen radikalaufklĂ€rerischen Geheimgesellschaft, die 1785 aufgelöst worden war. Seit den Veröffentlichungen Augustin Barruels 1797/1798 wurden sie von Verschwörungstheoretikern fĂŒr die Französische Revolution und allen anderen Revolutionen weltweit verantwortlich gemacht. Engelhardt behauptete nun, dass die Illuminaten ihrerseits nur Werkzeuge der âWeisen von Zionâ gewesen seien, und fĂŒhrte alle möglichen AutoritĂ€ten an, um die Echtheit der Protokolle zu beweisen.[95] Auch Julius Streicher pries sie in seinem Propagandablatt Der StĂŒrmer. Bis Ende der 1930er Jahre wurden die Protokolle im nationalsozialistischen Deutschland in groĂen Auflagenzahlen immer wieder aufgelegt.[96]
Ob die Nationalsozialisten wirklich an die AuthentizitĂ€t der Protokolle glaubten oder sie nur wider besseres Wissen als Propaganda benutzten, ist in der Forschung umstritten. Der amerikanische Publizist Walter Laqueur glaubt, dass die nationalsozialistische FĂŒhrung von Hass und Verachtung gegenĂŒber dem Judentum motiviert war, nicht aber durch Furcht vor einer Verschwörung, wie sie die Protokolle ausmalen.[97] Der deutsche Historiker Johannes Rogalla von Bieberstein belegt, dass Zweifel an der Echtheit der Protokolle im Judenreferat des Reichssicherheitshauptamts verbreitet waren.[98] Norman Cohn sieht dagegen in Hitler sowohl einen zynischen Taktiker der Macht, der jedwede Ăberzeugung in seine Propaganda einband, wenn sie nur seiner Macht diente, als auch den âGetriebenen, der besessen war von Fantasien ĂŒber die jĂŒdische Weltverschwörungâ. Was von beiden in Hitler gerade aktiv prĂ€sent gewesen sei, lasse sich nicht unterscheiden.[99] Der amerikanische Politikwissenschaftler Daniel Pipes ist ĂŒberzeugt, dass Hitler, wenn auch nicht in allen Einzelheiten, so doch in groĂen ZĂŒgen von den Verschwörungstheorien ĂŒberzeugt war, ânach denen [er] politisch handelte und unter deren entsetzlicher Konsequenz die Welt zu leiden hatte.â[100]
Die englische Publizistin Nesta Webster zog in ihrem 1921 erschienenen Werk World Revolution. The Plot against Civilization (zu dt. etwa: âWeltrevolution. Die Verschwörung gegen die Zivilisationâ) Parallelen zwischen den Komplotten der âWeisen von Zionâ und denen der Illuminaten, die seit jeher hinter allen Verschwörungen stecken wĂŒrden. Diese Deutungstradition ist bis in die Gegenwart unter Verschwörungstheoretikern verbreitet: Der kanadische Autor William Guy Carr spann den Gedanken 1957 in seinem Buch The Red Fog Over America (ĂŒbersetzt etwa: âDer rote Nebel ĂŒber Amerikaâ) fort und behauptete, Nilus habe, indem er die Juden als Weltverschwörer bezeichnete und so den Verdacht von den Illuminaten ablenkte, diesen direkt in die HĂ€nde gespielt. Ăhnliches behauptet Milton William Cooper in seinem 1991 erschienenen Buch Behold a Pale Horse, in dem er den vollstĂ€ndigen Text der Protokolle wiedergibt, aber darauf hinweist, man mĂŒsse das Wort âJudenâ jedesmal durch âIlluminatenâ ersetzen.[101]
In dem 1982 erschienenen Bestseller Der Heilige Gral und seine Erben deuten die Autoren Henry Lincoln, Michael Baigent und Richard Leigh die Protokolle esoterisch um: Ihrer Ansicht nach geht es um eine jahrhundertealte Verschwörung mit dem Ziel, die Merowinger zurĂŒck an die Macht zu bringen, fĂŒr die sie eine direkter Abstammung von Jesus von Nazareth konstruieren. Auch sei gar nicht Zion gemeint, sondern die 1956 gegrĂŒndete, angeblich aber viel Ă€ltere PrieurĂ© de Sion.[102]
In dem 1995 erschienenen Werk Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert verbreitete der deutsche Autor Jan Udo Holey unter seinem Pseudonym Jan van Helsing ebenfalls die Protokolle in esoterisch-okkultistischer Interpretation. Daneben listete er nahezu alle vermeintlichen ĂbeltĂ€ter aus rechtsextremistischen Verschwörungstheorien wieder auf: die Illuminaten, Freimaurer, AuĂerirdische u.v.m. In dieser geschichtsrevisionistischen Darstellung erscheint Hitler als Marionette der âWeisen von Zionâ. Juden seien somit am Holocaust selbst schuld. Das Werk wurde 1996 staatsanwaltlich beschlagnahmt. Ebenso fĂŒhrt der esoterische Autor Stefan Erdmann die Protokolle als Beleg fĂŒr eine angestrebte âNeue Weltordnungâ an und behauptet in seinem 2005 in Holeys Verlag erschienenen Buch Geheimakte Bundeslade. Das gröĂte Geheimnis der Menschheit, sie seien âunzweifelhaftâ âbereits zu groĂen Teilen umgesetztâ. In GroĂbritannien vertritt der ehemalige Sportreporter David Icke Ă€hnliche esoterische Verschwörungstheorien, die in der Annahme kulminieren, hinter den âWeisen von Zionâ steckten reptiloide AuĂerirdische, die sich von Menschenfleisch ernĂ€hren wĂŒrden. Ob die Protokolle von jĂŒdischen Mitgliedern dieser Weltverschwörung oder zu dem Zweck verfasst worden seien, die Juden zu Unrecht zu beschuldigen, spiele keine Rolle.[103]
Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind die Protokolle in West- und Mitteleuropa weitgehend aus dem öffentlichen Blickfeld verschwunden. Nur noch wenige Verschwörungstheoretiker und Antisemiten berufen sich auf die Protokolle, wie etwa Horst Mahler. In Deutschland wird ihre Verbreitung als Volksverhetzung strafrechtlich verfolgt. Zuletzt wurde im Jahr 2001 eine Ausgabe auf Beschluss des Amtsgerichts Hamburg beschlagnahmt.[104] Die BundesprĂŒfstelle schĂ€tzt sie als jugendgefĂ€hrdend ein und indiziert Medien wie Webseiten oder CDs, die sich positiv auf sie beziehen.[105] Gleichwohl ist der Text in einer 1998 im Wallstein Verlag erschienenen wissenschaftlichen Ausgabe sowie auf zahlreichen Webseiten des Internet leicht greifbar.[106]
Der wegen seiner Holocaustleugnung berĂŒchtigte Bischof der Piusbruderschaft, Richard Williamson, beruft sich in seinen Predigten und Rundschreiben seit Jahrzehnten auf die Protokolle, die er als âgottgesandtâ bezeichnet. Auch andere Vertreter der Piusbruderschaft, darunter ihr GrĂŒnder, der verstorbene Erzbischof Marcel Lefebvre, benutzten gerne das Konzept einer âjĂŒdisch-freimaurerisch-atheistischenâ Weltverschwörung.[107] Ăhnliches vertritt der rechtsextreme sedisvakantistisch-katholische Theologe Johannes Rothkranz in seinem Buch Die Protokolle der Weisen von Zion â erfĂŒllt!.[108][109]
In den Vereinigten Staaten sorgten in den 1970er Jahren die rechtsextremen Gruppierungen National Statesâ Rights Party und California Noontide Press fĂŒr den Vertrieb der Verschwörungstheorie. Von Vertretern der rechtsextremen Milizen werden sie heute ebenso propagiert wie von AnhĂ€ngern der Nation of Islam.[110] Wal-Mart, das umsatzstĂ€rkste Unternehmen der Welt, vertrieb die Protokolle in den Vereinigten Staaten bis ins Jahr 2004.[111]
Bereits zu Zeiten der Sowjetunion wurden GerĂŒchte einer jĂŒdischen Weltverschwörung verbreitet. Nach dem Sechstagekrieg 1967 wurde eine Propagandakampagne gestartet, die den Zionismus als weltweite Bedrohung beschrieb und sich in verschwörungstheoretischen Diskursbahnen bewegte. Der Zionismusforscher Juri Iwanow veröffentlichte 1969 ein Werk ĐŃŃĐŸŃĐŸĐ¶ĐœĐŸ: ŃĐžĐŸĐœĐžĐ·ĐŒ! (âVorsicht: Zionismus!â), das im Wesentlichen den Grundlinien der Protokolle folgte.[112][113] In den siebziger Jahren warnte die SowjetfĂŒhrung wiederholt vor einer jĂŒdisch-freimaurerischen Verschwörung, als deren AnfĂŒhrer die Dissidenten Alexander Solschenizyn und Andrej Sacharow sowie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hingestellt wurden.[114]
Im postsowjetischen Russland verbreitete die radikalnationalistische Organisation Pamjat in den 1990er Jahren Text und Ideen der Protokolle der Weisen von Zion.[115] Noch heute wird das Andenken an Sergej Nilus gepflegt, er gilt in kirchlichen und patriotischen Kreisen als Kultfigur. Seine BĂŒcher, vor allem jene, die die Protokolle enthalten, finden breite KĂ€uferschichten. In einer Anthologie apokalyptischer und antisemitischer Schriften mit dem Titel Đ ĐŸŃŃĐžŃ ĐżĐ”ŃДЎ ĐČŃĐŸŃŃĐŒ ĐżŃĐžŃĐ”ŃŃĐČĐžĐ”ĐŒ (dt.: âRussland vor der zweiten Ankunftâ), die von Auflage zu Auflage erweitert wird und mittlerweile zweibĂ€ndig erscheint, sind auch die Protokolle der Weisen von Zion zu finden. Die Startauflage betrug 1993 100.000 StĂŒck, das Buch ist ein Bestseller und wird auch in Raubdrucken verbreitet. Auch in der bildenden Kunst werden die Protokolle und ihre Symbolsprache verwendet und als bekannt vorausgesetzt: Der populĂ€re Maler Ilja Glasunow stellt in seinem 1990 entstandenen MonumentalgemĂ€lde âDas groĂe Experimentâ die blutige Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert dar; exakt in den Mittelpunkt des Bildes, zwischen die Köpfe von Marx, Lenin und Stalin, platziert er das mit kabbalistischen Zeichen geschmĂŒckte Pentagramm, wie es auch auf Nilus' Ausgabe aus dem Jahr 1911 zu sehen ist. Damit deutet er an, dass Marx und die Bolschewiki Agenten einer jĂŒdischen Verschwörung seien.[116][117]
In der islamischen Welt, insbesondere in den arabischen Staaten, entfalten die Protokolle der Weisen von Zion derzeit ihre gröĂte Wirkung. Verbreitet ist der Eindruck, vom Westen kulturell, technisch, wirtschaftlich und politisch gedemĂŒtigt und unterdrĂŒckt zu werden: Die KreuzzĂŒge werden hier als Beginn einer Tradition gesehen, die ĂŒber den Imperialismus und Kolonialismus des 19. und 20. Jahrhunderts bis zur GrĂŒndung des Staates Israel im Jahr 1948 und dem seitdem schwelenden Nahostkonflikt reicht. Die zahlreichen Niederlagen, die die arabische Welt gegenĂŒber dem Westen und dem westlich geprĂ€gten Israel hat hinnehmen mĂŒssen, fĂŒhren zu GefĂŒhlen der Ohnmacht und der Wut, die wiederum in Verschwörungsphantasien einen Ausdruck finden: Als Ursache erscheinen nicht etwa RĂŒckstĂ€nde in der Modernisierung der arabischen LĂ€nder oder mangelnde Einigkeit zwischen ihnen, sondern das böse, konspirative Wirken eines einzigen ĂŒbermĂ€chtigen Gegners: das Judentum. Die idealtypische Ausformulierung dieses Verschwörungsdiskurses stellen die Protokolle dar.[118]
Bereits 1938 wurden auf einer Islamischen Parlamentarierkonferenz zugunsten PalĂ€stinas der MuslimbrĂŒder arabische Ăbersetzungen der Protokolle und von Hitlers Mein Kampf verteilt, womit die Karriere dieser Schriften im islamisch geprĂ€gten Raum begann. Seitdem hat sich der Glaube an das jĂŒdische Welteroberungsprogramm in den arabischen und islamischen LĂ€ndern verbreitet, wo die Entlarvung der Protokolle bisher kaum bekannt ist.[119] Bis 1970 wurden mindestens neun Ausgaben der Protokolle in der arabischen Welt gedruckt. Heute schĂ€tzt man ihre Zahl auf mindestens sechzig, wobei eine Auflage im Verlag Tlass Books des ehemaligen syrischen Verteidigungsministers Mustafa Tlass herausgegeben wurde. Sie kursieren auch im Internet.
Das Ă€gyptische Ministerium fĂŒr nationale FĂŒhrung gab 1956 eine Ăbersetzung ins Arabische heraus. In der Einleitung wird angegeben, dass die Protokolle nicht vom Basler Zionistenkongress von 1897 stammen wĂŒrden, die angebliche Ăbereinstimmung mit verschiedenen jĂŒdischen Dokumenten wie dem Talmud und mit der aktuellen jĂŒdischen Politik beweise aber ihre Echtheit. FĂŒr diese Behauptung stĂŒtzte sich der anonyme Herausgeber auf Rosenbergs Kommentierung. Der Ă€gyptische PrĂ€sident Gamal Abdel Nasser (1918-1970) berief sich in einem Interview auf Protokolle, sein Bruder gab 1967 eine weitere arabische Ausgabe heraus.[120] König Faisal von Saudi-Arabien (1906-1975) verschenkte die Protokolle verschiedentlich an StaatsgĂ€ste.[121] Die islamistische Webseite Radio Islam nutzt seit 1996 die Protokolle als Waffe in ihrem Kampf gegen Juden und Zionisten.[122] Die Hamas beruft sich ihrer 1988 entstandenen Charta auf die Protokolle. Danach hĂ€tten die Juden sowohl die Französische als auch die Oktoberrevolution ausgelöst, ebenso den Ersten Weltkrieg, dessen Zweck die Zerstörung des Kalifats gewesen sei, und den Zweiten Weltkrieg, an dem sie als WaffenhĂ€ndler gut verdient und den sie benutzt hĂ€tten, um die GrĂŒndung ihres eigenen Staates vorzubereiten. Die GrĂŒndung der UNO und des Sicherheitsrats gehe ebenso auf sie zurĂŒck, denn mit diesen Institutionen könnten sie die Welt unmittelbar regieren:
âToday it is Palestine, tomorrow it will be one country or another. The Zionist plan is limitless. After Palestine, the Zionists aspire to expand from the Nile to the Euphrates. When they will have digested the region they overtook, they will aspire to further expansion, and so on. Their plan is embodied in the âProtocols of the Elders of Zionâ, and their present conduct is the best proof of what we are saying. â
âHeute ist es PalĂ€stina, morgen wird das irgendein anderes Land sein. Der zionistische Plan kennt keine Grenzen. Nach PalĂ€stina werden die Zionisten ihr Gebiet vom Nil bis an den Euphrat ausdehnen. Wenn sie die ganze Region verdaut haben, die sie ĂŒbernommen haben, werden sie sich weiterer Expansion zuwenden, und so fort. Ihr Plan ist in den âProtokollen der Weisen von Zionâ verkörpert, und ihr gegenwĂ€rtiges Verhalten ist der beste Beweis fĂŒr das, was wir sagen.â[123]
In Ăgypten wurde 2002 in 41 Folgen die Fernsehserie âEin Reiter ohne Pferdâ ausgestrahlt, die auf den Protokollen beruhte; 2004 folgte ein libanesischer, Hisbollah-naher Sender. Aus arabischen LĂ€ndern stammende fremdsprachige Ausgaben wurden fĂŒr das Ausland gedruckt, unter anderem fĂŒr Schwarzafrika und LĂ€nder, in denen israelische Entwicklungshelfer tĂ€tig waren. Sie erlebten dabei zahlreiche Bearbeitungen: Ein arabischer Publizist beschrieb sie als Protokolle einer âzionistischen Geheimversammlungâ, die 1954 in Budapest stattgefunden habe; ein anderer als Protokolle des Zionistischen Weltkongresses 1897 in Basel.[124]
Ebenfalls als BeschlĂŒsse des ersten Zionistenkongresses in Basel wurden die Protokolle in einem 2004 neu von der PalĂ€stinensische Autonomiebehörde herausgegebenen Geschichtsbuch fĂŒr das zehnte Schuljahr dargestellt.[125] Nach internationalen Protesten musste eine Neuauflage ohne den Hinweis auf die Protokolle aufgelegt werden.[126]
Auf der Frankfurter Buchmesse wurden 2005 an StĂ€nden iranischer Verlage neben anderen englischsprachigen Ausgaben antisemitischer BĂŒcher wie Fords The International Jew auch die Protokolle in einer von der staatlichen Islamic Propaganda Organisation herausgegebenen Fassung unter dem Titel âJewish Conspiracyâ zum Verkauf angeboten.[127][128][129] Die Messeleitung wurde darauf erst nach Ende der Veranstaltung infolge von Presseberichten aufmerksam und erstattete Anzeige. Auch auf der im Februar 2006 in Casablanca durchgefĂŒhrten Buchmesse wurden mehrere antisemitische BĂŒcher von Ă€gyptischen, syrischen und marokkanischen Verlagen ausgestellt, darunter aktualisierte Ausgaben von Hitlers Mein Kampf und der Protokolle.[130]
Von dem PalĂ€stinenser Muhsen al-Antabawi stammt die Schrift Warum wir jeden Frieden mit den Juden ablehnen; sie ist im arabischen Raum weit verbreitet. Darin ist die Rede vom âJudenâ (jahud) schlechthin, es wird nicht zwischen Juden und Israelis differenziert. Al-Antabawi propagiert zur Lösung des PalĂ€stinaproblems eine âKombination von Koran und Gewehrâ; Frieden mit Israel widerspreche der Scharia. Er bedient sich ausfĂŒhrlich antisemitischer Klischees, um nachzuweisen, warum es mit den Juden weder Frieden noch Versöhnung geben könne. Dabei bezieht er sich explizit auch auf die Protokolle der Weisen von Zion: âDie Juden planen die Beherrschung der Welt und deshalb zerstören sie die Moral und bemĂ€chtigen sich der Wirtschaft der einflussreichen LĂ€nder und der Medien.â[131]
Die Protokolle der Weisen von Zion tauchten Mitte der 1990er Jahre auch in Osteuropa wieder auf und wurden zuvor in Afrika, SĂŒdamerika und Japan veröffentlicht. Dort war die erste Auflage bereits 1924 erschienen. In den 1930er Jahren zur Zeit des Antikominternpakts und des Krieges gegen China waren die Protokolle Staatsdoktrin gewesen. FĂŒr eine Neuauflage unter dem Titel: Greift euch Japan, den letzten Feind! Die jĂŒdischen Protokolle zur Beherrschung der Welt wurde 1993 intensiv Werbung gemacht, das Buch wurde ein Bestseller â fĂŒr Daniel Pipes ein Indiz, dass Antisemitismus auch in LĂ€ndern ohne jĂŒdische Minderheit erfolgreich sein kann (vergleiche Antisemitismus ohne Juden).[132][133]
In der wissenschaftlichen Forschung herrscht Konsens, dass es sich bei den Protokollen der Weisen von Zion um einen fiktionalen Text handelt, der in keiner Weise reale VerhÀltnisse beschreibt.
Der Politikwissenschaftlerin Hannah Arendt fiel in ihrer 1951 erschienenen Studie Elemente und UrsprĂŒnge totaler Herrschaft auf, dass die in den Protokollen beschriebene Utopie eines totalen Staates den real existierenden totalitĂ€ren Regimen Ă€hnlich sehe. Auch Ă€hnele die in den Protokollen beschriebene Arbeit einer konspirativen Geheimgesellschaft stark der einer Geheimpolizei. Daher kam sie zu der These, dass die Protokolle nicht nur das Motiv, sondern auch ein Modell fĂŒr Hitlers Praxis der Machteroberung und HerrschaftsausĂŒbung geliefert hĂ€tten:
âDie Nazis begannen mit ihrer ideologischen Fiktion einer Weltverschwörung und organisierten sich mehr oder weniger bewuĂt nach dem Modell der fiktiven Geheimgesellschaft der Weisen von Zion.â[134]
Damit griff Arendt die Analyse des jĂŒdischen Journalisten Alexander RubinĆĄtejn auf, die dieser 1936 im tschechoslowakischen Karlsbad veröffentlicht hatte.[135][136]
Eine erste Monographie zu den Protokollen legte Norman Cohn 1967 unter dem Titel Warrant for Genocide (ĂŒbersetzt etwa âErmĂ€chtigung zum Völkermordâ) vor. Er sah in ihnen eine RĂŒckkehr des dĂ€monologischen Antijudaismus des Mittelalters. Die in den Protokollen verbreitete Verschwörungstheorie habe eine bedeutende Motivation fĂŒr den Holocaust dargestellt.[137]
Der italienische Medienwissenschaftler Umberto Eco glaubt, dass die Spuren weit verbreiter Erfolgsromane, die er in den Protokollen nachweisen kann, wirkungsgeschichtlich dazu beitrugen, dass diese glaubwĂŒrdig erschienen: Der Leser habe in ihnen Vorstellungen und Klischees wiedergefunden, die ihm lĂ€ngst vertraut gewesen seien.[138] Eine Ă€hnliche These vertritt Jeffrey Sammons: Eben dadurch, dass die Protokolle erkennbar fiktiv seien und ihre Wurzel in Romanen hĂ€tten, seien sie der Kontrolle des logischen Diskurses entzogen und âvon der ĂberprĂŒfung anhand der belegbaren Wahrheit befreitâ.[139]
Der amerikanische Politikwissenschaftler Daniel Pipes sieht den SchlĂŒssel fĂŒr die Breitenwirkung des Buches in der WidersprĂŒchlichkeit und der mangelnden Konkretheit des Inhalts. Namen, Daten oder bestimmbare einzelne Fakten wĂŒrden nicht genannt, so widersprĂŒchliche PhĂ€nomene wie Philo- und Antisemitismus, wie Kapitalismus und Sozialismus, wie Demokratie und Tyrannei wĂŒrden als Werkzeuge der jĂŒdischen Verschwörung hingestellt, sodass jeder sich in seinen jeweiligen Interessen davon bedroht fĂŒhlen mĂŒsse.[140]
Der Berliner Antisemitismusforscher Wolfgang Benz erklĂ€rt die Wirkungsmacht der Protokolle in ihrer Funktion als politischer Mythos. Zwar stehe im Kern dieses Mythos hier nicht ein reales Ereignis, sondern eine reine Fiktion, durch stĂ€ndige Wiederholungen, Assoziationen und Konnotationen gewinne die sinnstiftende ErzĂ€hlung so scheinbar RealitĂ€t und Ăberzeugungskraft. Das Stereotyp vom jĂŒdischen Streben nach Weltdominanz sei beliebig verwendbar, vom zaristischen Russland ĂŒber NS-Deutschland bis in den Nahen Osten. Weil es in bestimmten emotionalen BedĂŒrfnissen wurzele, sei es aufklĂ€renden Gegenargumenten nicht zugĂ€nglich und dadurch besonders wirksam.[141]
Der österreichische Historiker Helmut Reinalter sieht die Wirkung der Protokolle weniger in ihrem Inhalt, der krude zusammengestĂŒckelt, schlecht strukturiert und zum Teil in sich widersprĂŒchlich sei. Bedeutsamer sei vielmehr ihre schiere Existenz: Sie allein scheine, unabhĂ€ngig vom konkreten Inhalt, die angebliche Tatsache einer allumfassenden Verschwörung zu beweisen. Damit seien die Protokolle, deren Inhalt immer schon von Ausgabe zu Ausgabe variiert habe, vielfĂ€ltig einsetzbar: Statt der Juden könne man ohne inhaltliche Schwierigkeiten auch andere imaginierte Subjekte von Verschwörungstheorien einsetzen, etwa Jesuiten, Freimaurer oder Illuminaten.[142]
1934 veröffentlichte der deutsche Schriftsteller Stefan Heym in der in Prag erscheinenden Exilzeitschrift Simpl die Satire âInterview mit den Weisen von Zionâ, die bei der Alltagspraxis des Weltverschwörens karikiert werden. Der deutsche Vertreter kommt zu spĂ€t â es ist Joseph Goebbels, ĂŒber dessen wenig arische Erscheinung Gegner der Nationalsozialisten schon frĂŒher ihre Witze gemacht hatten.[143]
Der amerikanische Comic-KĂŒnstler Will Eisner schuf kurz vor seinem Tod 2005 einen Graphic Novel mit dem Titel The Plot. The Secret Story of The Protocols of the Elders of Zion. Im gleichen Jahr erschien auch eine deutsche Ausgabe. Eisner erzĂ€hlt mit den Mitteln des Comics die Entstehung der Protokolle, wie sie in der Ă€lteren Forschung dargestellt wird. AuĂerdem enthĂ€lt der Band eine EinfĂŒhrung von Umberto Eco, einen Nachweis des Plagiats durch spaltenweise GegenĂŒberstellung von Textpassagen aus Jolys Buch und den Protokollen sowie ein Literaturverzeichnis.[144] Der Comic enthĂ€lt zwar mehrere historische Fehler â so lĂ€sst Eisner den Zaren in Moskau residieren statt in St. Petersburg, er macht Nilus zum Rivalen Rasputins am Hof und verlegt den Reichstagsbrand zeitlich vor die Machtergreifung Hitlers.[145] Dennoch wurde er in den Feuilletons der QualitĂ€tszeitungen ausgesprochen positiv rezensiert.[146] Wolfgang Benz urteilt
âDer ebenso sympathische wie unbeholfene Versuch [âŠ], mit einer Comic-Serie einen Beitrag zur AufklĂ€rung zu leisten, bleibt aber unbefriedigend, weil er ĂŒber die Illustration eines Faszinosums nicht hinauskommt und â den Gesetzen des Mediums folgend â neuer Stereotypenbildung Vorschub leistet.â[147]
2010 veröffentlichte Umberto Eco, der sich bereits 1988 in seinem Roman Das Foucaultsche Pendel mit den Protokollen beschĂ€ftigt hatte, den Roman Der Friedhof in Prag.[148] Darin erzĂ€hlt er die Vor- und Entstehungsgeschichte der Protokolle von 1855 bis 1900 nach, wobei alle handelnden Personen historische Figuren sind mit Ausnahme des Protagonisten Simonini, einer Figur, die Eco erfunden hat und als die âvielleicht zynischste und unsympathischste Figur der gesamten Literaturgeschichteâ bezeichnet.[149] Er soll ein Nachkomme des obskuren Jean-Baptiste Simonini sein, der den Urvater der anti-illuminatischen Verschwörungstheorie, den AbbĂ© Barruel, 1806 auf angebliche jĂŒdische Verschwörungen hingewiesen haben soll. Der Roman fand ein geteiltes Echo. Der Oberrabbiner von Rom Riccardo Di Segni, lobte die âwunderbare Weiseâ, in der Eco die Geschichte der FĂ€lschung aufgezeichnet hatte, befĂŒrchtete aber, dass die ausfĂŒhrlich ausgebreiteten antisemitischen LĂŒgen von unbedarften Lesern geglaubt werden könnten.[150] Der Rezensent der SĂŒddeutschen Zeitung befand, der Roman vermöge als Literatur nicht zu ĂŒberzeugen, âweil seine besten Pointen aus den Quellen stammenâ.[151]
| |
Dieser Artikel wurde am 9. Februar 2012 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen. |