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Die Prozesssoziologie bzw. Figurationssoziologie ist durch Norbert Elias bekannt geworden. Der Begriff Prozess bezieht sich auf soziale wie auf verbundene kognitive Prozesse, juristische Prozesse sind in diesem Zusammenhang allenfalls ein spezieller Fall für mögliche soziologische Analysen.
Inhaltsverzeichnis |
Neben der Kritischen Theorie und der Systemtheorie zählt sie zu den Gesellschaftstheorien. Die Prozesssoziologie erhebt den Anspruch, eine möglichst angemessene Wahrnehmung der Realität in ihrer Dynamik wiederzugeben. Elias' Bestreben war es, eine Wissenschaft weiter zu entwickeln, in der Soziogenese und Psychogenese als nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Diesem Anspruch gerecht zu werden, hat er auch die Psychoanalyse herangezogen, um ein ganzheitliches Menschenbild zu entwickeln. In Deutschland ist die Weiterentwicklung der Prozesssoziologie jüngeren Datums vor allem an der Universität Hannover durch Dawud Gholamasad hervor zu heben.
Die Prozesssoziologie wurde genauso wie die Kritische Theorie stark von der Marxschen Theorie beeinflusst. Jedoch versteht sich die Prozesssoziologie als nicht normativ. Das Weltbild beinhaltet im Gegensatz zur Systemtheorie keine geschlossenen Systeme, sondern Prozesse ohne Anfang und ohne Ende, d.h. auch ohne Ziel. Menschen und ihre immer dynamischen Verflechtungen ("Figurationen"), nicht Kommunikationssysteme stehen im Mittelpunkt der Betrachtung.
Grundbegriffe im eigentlichen Sinne des Wortes gibt es in der Prozesssoziologie nicht. Denn bereits das Wort "Grund" suggeriert so etwas wie ein statisches monokausales Ursache-Wirkungs-Modell. Davon kann bei der Prozesssoziologie keine Rede sein. Da die Sprache die Welt ist, wie sie erfahren wird, spricht man besser von wichtigen Begrifflichkeiten. Hier wäre neben Figuration auch Engagement und Distanzierung zu nennen.