|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
Die Psychohistorie untersucht historische Vorgänge der ferneren und unmittelbaren Vergangenheit mit Mitteln der Psychologie und Psychoanalyse. Ihre Position in der Systematik der Gesellschaftswissenschaften ist recht umstritten.
Gibt die herkömmliche Geschichtswissenschaft Antworten auf die Frage, "wie?" bestimmte Vorgänge abliefen, so befasst sich die psychohistorische Wissenschaft mit dem "warum?" und dem "warum so?".
Während sich die Psychologie und Soziologie mit dem kurzfristigen Verhalten einzelner Menschen und Gesellschaften auseinandersetzt, betrachtet die Psychohistorie generationsübergreifende Zeitspannen. Sie ist nicht mit der in einigen Romanen von Isaac Asimov beschriebenen fiktiven Psychohistorik identisch.
Inhaltsverzeichnis |
Es gibt drei miteinander verbundene Bereiche psychohistorischer Studien:
Man könnte Sigmund Freud wohl als Vater der Psychohistorie bezeichnen, insbesondere seine Betrachtungen der Gesellschaft betreffend. Freud selbst arbeitete mit Woodrow Bullitt an einer Studie zu dem amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson.
Die erste akademische Ausarbeitung der Psychohistorie nach Freud findet sich bei Erik Erikson's Buch "Young Man Luther", in welchem der Verfasser nach einer Wissenschaft sucht, mit der man die Folgen des Lebens Einzelner auf die Geschichte untersuchen kann. Dem waren zahlreiche biographisch orientierte Studien von Freud selbst und anderen Psychoanalytikern (z.B. Marie Bonaparte) vorausgegangen. Während der 1960er, bildete Erikson zusammen mit Robert Lifton und Bruce Mazlish die Wellfleet Group, ein von der American Academy of Arts and Sciences gesponsertes Projekt, um Psychohistorie als Forschungsfeld zu definieren. Lifton hat später bedeutende Arbeiten zu den Ursachen und Auswirkungen von Kriegsverbrechen vorgelegt.
Lloyd deMause ist ein Pionier der Psychohistorie und hat auf diesem Gebiet immer noch großen Einfluss. Andere erwähnenswerte Psychohistoriker sind Alice Miller und Julian Jaynes, obwohl sie selten als solche bezeichnet werden.
In der deutschen Gesellschaft für Psychohistorie hat Uta Ottmüller wiederholt auf den wichtigen Aspekt des Geschlechterverhältnisses für die Gestaltung der Kindheit hingewiesen. In ihrem Ansatz für eine psychohistorische Friedensforschung spielt auch die transgenerationale Traumatisierung eine wesentliche Rolle.
Die Bücher von Klaus Theweleit werden zwar üblicherweise nicht zur Psychohistorie gezählt, setzen sich aber auch mit dem Verhältnis von Psychoanalyse und Geschichte auseinander.