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Psychologie

Psychologie ist eine empirische Wissenschaft. Sie beschreibt und erklĂ€rt das Erleben und Verhalten des Menschen, seine Entwicklung im Laufe des Lebens und alle dafĂŒr maßgeblichen inneren und Ă€ußeren Ursachen und Bedingungen.

Der Begriff stammt aus dem Altgriechischen (ÏˆÏ…Ï‡Îź psychĂ© „Hauch“, „Seele“, „GemĂŒt“ sowie Î»ÏŒÎłÎżÏ‚ lĂłgos „Lehre“, „Wissenschaft“)[1] und bedeutet ursprĂŒnglich Atemkunde oder Lebenslehre, wird heute ĂŒblicherweise jedoch mit „Seelenkunde“ wiedergegeben (im Englischen dagegen „study of the mind“).

Psychologie ist als Wissenschaft bereichsĂŒbergreifend. Sie lĂ€sst sich weder den Naturwissenschaften noch den Sozialwissenschaften oder Geisteswissenschaften allein zuordnen. Ihre Grundlage wird von einer Anthropologie im weitesten Sinn gebildet. Eine aus dem angelsĂ€chsischen Raum stammende Einteilung untergliedert Psychologie im Sinne der Behavioural sciences nur in Verhaltenswissenschaft, Kognitionswissenschaft und Neurowissenschaft.

Neben der akademischen Psychologie existiert eine Alltagspsychologie. Sie ist nur vereinzelt Gegenstand der akademischen Disziplin, von der hier die Rede ist.[2] Sie bedient sich ursprĂŒnglich akademisch-psychologischer Konzepte und Begriffe, die in die Alltagssprache eingeflossen sind, und beruft sich gerne auf den sog. „gesunden Menschenverstand“. Dessen Erkenntnisse können wissenschaftlichen AnsprĂŒchen – etwa hinsichtlich ihrer ObjektivitĂ€t, ReliabilitĂ€t und ValiditĂ€t − jedoch nicht genĂŒgen.[3]

Psychologen sind Personen, deren Berufsbild durch die Anwendung psychologischen Wissens charakterisiert ist und die ĂŒber eine entsprechende akademische Ausbildung und Graduierung verfĂŒgen.

Inhaltsverzeichnis

Ursprung und Geschichte

→ Hauptartikel: Geschichte der Psychologie

Psychologie wurde als eigenstĂ€ndige akademische Disziplin Anfang des 19. Jahrhunderts in damaligen wissenschaftlichen Zentren Deutschlands wie Leipzig und Königsberg begrĂŒndet.

In Leipzig grĂŒndete Wilhelm Wundt gemeinsam mit Gustav Theodor Fechner 1879 (zunĂ€chst als Privatinstitut) das Institut fĂŒr experimentelle Psychologie. Um diese beiden sammelte sich binnen kurzer Zeit ein Kreis engagierter junger Forscher, zu denen unter anderem Emil Kraepelin, Hugo MĂŒnsterberg, Granville Stanley Hall und James McKeen Cattell gehörten. 1883 wurde das Institut offizielles UniversitĂ€tsinstitut.

Insbesondere Johann Friedrich Herbart, ab 1809 Nachfolger Immanuel Kants auf dessen Königsberger Lehrstuhl, bemĂŒhte sich mit zahlreichen Veröffentlichungen um eine eigene Lehre der Psychologie (s. d. entsprechenden Angaben dazu in dem Namensartikel zu Herbart 1816, 1824, 1839–1840 und 1840). Dies ist deshalb nicht so gelĂ€ufig, da Herbart als BegrĂŒnder der wissenschaftlichen PĂ€dagogik gilt und das Ansehen als Universalgenie der Zeit Wilhelm von Humboldt und vielleicht noch Goethe vorbehalten blieb. Dennoch ist die Bedeutung Herbarts fĂŒr beide Disziplinen nicht zu unterschĂ€tzen. Wissenschaftler heutiger Zeit entdecken bisweilen, dass scheinbare neue Entwicklungen sich schon in AnsĂ€tzen bei Herbart und zeitgenössischen Wissenschaftlern finden.

Ebenfalls ganz wesentlich vom ehemaligen Lehrstuhl Kants ausgehend, sonderte sich im frĂŒhen 20. Jahrhundert unter Konrad Lorenz die Tierpsychologie (heute: Verhaltensforschung) als eigenstĂ€ndiges Fach von der Psychologie ab.

Standortbestimmung

Entgegen ihrem Bild und dem VerstĂ€ndnis in der Öffentlichkeit ist die in den akademischen Institutionen betriebene und gelehrte Psychologie eine streng empirische Wissenschaft. Als empirische Wissenschaft vom Erleben und Verhalten obliegt es der Psychologie, Theorien und daraus abgeleitete Modelle, Hypothesen, Annahmen fĂŒr die Beantwortung einer konkreten Fragestellung usw. mit geeigneten wissenschaftlichen Methoden empirisch zu prĂŒfen. Die Methodik ist ĂŒberwiegend naturwissenschaftlich, mithin quantitativ, in Verbindung mit experimentellem oder quasi-experimentellem Vorgehen. Daher stellt die Mathematik, insbesondere die Deskriptive Statistik, die Stochastik – hier besonders die Induktive Statistik und die statistischen Testverfahren – sowie zunehmend AnsĂ€tze der Systemtheorie – insbesondere die mathematische Systemanalyse – eines der wichtigsten Werkzeuge der Psychologen dar.

Als empirische Humanwissenschaft unterscheidet sich Psychologie von verwandten Forschungsgebieten anderer FĂ€cher, die zum Teil eigene „Psychologien“ inkorporieren, wie beispielsweise Philosophie, Soziologie, PĂ€dagogik, Anthropologie, Ethnologie, Politikwissenschaft, Wirtschaftswissenschaften, Allgemeinen Linguistik, Medizin oder Biologie, durch naturwissenschaftlich-experimentelle Ausrichtung: Mentale Prozesse, konkrete Verhaltensmechanismen sowie Interaktionen von mentalen Prozessen und dem Verhalten von Menschen werden beschrieben und erklĂ€rt, wobei Überschneidungen bis hin zur gegenseitigen InterdisziplinaritĂ€t möglich sind. Diese Abgrenzung kann als eine erweiterte Definition der Psychologie gelesen werden.

Methodisch finden sich heute neben den naturwissenschaftlichen AnsÀtzen auch solche der empirischen Sozialwissenschaften. Eine Schwerpunktsetzung schwankt je nach Ausrichtung eines psychologischen Fachbereiches. Vorherrschend sind hier quantitative Methoden, wiewohl auch qualitative Methoden zum Repertoire gehören, zum Beispiel Grounded Theory oder Inhaltsanalyse. Die Trennung zwischen qualitativer und quantitativer Sozialforschung ist nicht immer eindeutig: Die Psychologie unterscheidet eher zwischen primÀr naturwissenschaftlichen und primÀr sozialwissenschaftlichen methodischen AnsÀtzen, die sehr oft neben den quantitativen in einer gewissen Art und Weise auch qualitative Aspekte beinhalten. Eine Trennung zwischen natur- und sozialwissenschaftlichen AnsÀtzen ist nicht immer eindeutig möglich.

Insbesondere bei mathematischen und statistischen Modellierungen ist, wie sonst in der quantitativ geprÀgten psychologischen Arbeitsweise, das Vorgehen nicht zwingend deduktiv.

Wenig bekannt ist, dass in der Psychologie wie in anderen Naturwissenschaften und der Medizin auch Tierversuche durchgefĂŒhrt werden, sowohl im Rahmen der psychologischen Grundlagenforschung, vornehmlich der Allgemeinen und der Biopsychologie als auch zum Beispiel in der Klinischen Psychologie. Schon in den 1920er Jahren, vor allem im Rahmen der Lernforschung durchgefĂŒhrt, wurden sie grundlegender Bestandteil der Aggressions-, Stress- und Angstforschung, spĂ€ter auch der Depressionsforschung und der Wahrnehmungsforschung. Insbesondere bei neuropsychologischen Fragestellungen wurden sie nochmals, besonders in Form von LĂ€sionsexperimenten, verstĂ€rkt eingesetzt. Heute werden sie vornehmlich in Forschungen zur Psychoneuroendokrinologie und -immunologie, zur Umweltpsychologie, zur ErnĂ€hrungspsychologie und zum Beispiel auch in der Erforschung selbstverletzenden Verhaltens, vor allem aber in der Suchtforschung eingesetzt. Auch psychologische Tierexperimente unterliegen weltweit strengen ethischen Standards.

Was Psychologie als moderne Wissenschaftsdisziplin nicht ist

Die Auffassung ĂŒber Psychologie als Wissenschaft unterliegt einem historischen Wandlungsprozess, immer im Spannungsfeld zwischen Geistes- und Naturwissenschaften liegend. Eine rein „geisteswissenschaftlich“ verstandene Psychologie lĂ€sst sich am ehesten aus der deutschen Philosophie als „verstehenden Psychologie“ (Wilhelm Dilthey) ableiten. Die Psychologie ist nach moderner Auffassung nur insoweit eine „Geisteswissenschaft“, zumindest bezogen auf die englische Bedeutung der „Humanities“, als sie sich mit dem Menschen, genauer gesagt mit den ausgewĂ€hlten Aspekten des Menschseins, eben dem zu beobachtenden Erleben und Verhalten, befasst.

Dabei darf nicht ĂŒbersehen werden, dass bis weit ins 19. Jahrhundert hinein die Psychologie ein Teil der Philosophie war und als „spekulative“ oder „rationale“, also nicht-empirische, Psychologie meist der Metaphysik zugeordnet wurde. Der deutsche AufklĂ€rungsphilosoph Christian Wolff setzte dieser „rationalen“ Psychologie bereits eine „empirische“ entgegen, meinte damit aber eine introspektive, also nach heutigem Sprachgebrauch gerade nicht empirische Psychologie.[4] Wiewohl anfangs die Introspektion anerkannte Methode in den frĂŒhen psychologischen Experimenten war und erst spĂ€ter wegen erkannter methodischer Probleme und besserer indirekter Beobachtungsmethoden – besonders durch die Gestaltpsychologie der WĂŒrzburger Schule – aus dem Repertoire der Psychologie weitgehend verschwand. Die Seele oder der Geist im metaphysischen oder theologischen Sinn ist nach der gegenwĂ€rtigen Auffassung nicht Gegenstand der Psychologie. Bei ihrer BegrĂŒndung im 19. Jahrhundert wurden metaphysische Elemente explizit ausgeklammert, jedoch deren GegenstĂ€nde – natĂŒrlich mit BeschrĂ€nkung auf im gewĂ€hlten methodischen Zugang auch untersuchbare Bereiche – in Kombination damals neuer Methoden der Biologie und Physik, spĂ€ter auch der Mathematik und Statistik, erforscht.

Die Ausgestaltung der Psychologie als eine eigene akademische Disziplin geht nĂ€mlich einher mit der durchaus kompromisshaften Lösung methodologischer Probleme, die schon innerhalb der Philosophie lange Zeit heftig diskutiert wurden, wie beispielsweise auch von Immanuel Kant. Möglich wurde dies durch neue Erkenntnisse der Experimentalphysik und Neuerungen insbesondere der Biologie, genauer: der Sinnesphysiologie des 19. Jahrhunderts. Dadurch bedingt, beschrĂ€nkt sich die Psychologie in ihrer Arbeitsweise wie auch in ihrem Anspruch (Psychologie ist keine Universalwissenschaft der „menschlichen Seele“ oder „des Menschlichen“); wesentlich ist also auch ein vornehmlich der Physik und besonders der Biologie entlehnter Reduktionismus. Außerhalb dieses Vorgehens bleiben die methodologischen Probleme bestehen, sodass auch nach heute gĂŒltigen mehrheitlich vertretenen wissenschaftstheoretischen Ansichten Psychologie als eine eigene Wissenschaftsdisziplin nur unter diesen PrĂ€missen, analog insbesondere zu den Naturwissenschaften, möglich ist.

Insofern bestehen Gebiete mit stĂ€rker „spekulativen“ oder „metaphysisch“ geprĂ€gten „psychologischen AnsĂ€tzen“ oder Seelenlehren, zum Beispiel eingebettet innerhalb der Philosophie und Theologie, teilweise auch in den Kulturwissenschaften und vereinzelt in der Soziologie weitgehend unabhĂ€ngig von der akademischen Psychologie fort.

Psychologie ist auch nicht – insbesondere im Hinblick auf die Darstellung ihrer Geschichte – mit dem Gebiet der Philosophie des Geistes zu verwechseln. Nach einem weiteren populĂ€ren Irrtum beschĂ€ftigt sich die Psychologie hauptsĂ€chlich mit gestörtem Verhalten und „psychischen Problemen“. TatsĂ€chlich stellt die Klinische Psychologie aber nur einen Teilbereich der Angewandten Psychologie dar.

VerhÀltnis zur Psychotherapie und Psychoanalyse

Bei der in der Öffentlichkeit hĂ€ufig anzutreffenden Gleichsetzung von Psychologie und Psychoanalyse handelt es sich um einen populĂ€ren Irrtum. Das Spezifische der Psychoanalyse ist ihre Ausrichtung auf die Erforschung des unbewussten Anteils am seelischen Geschehen, wobei im Unbewussten die allgemeine Eigenschaft des Psychischen erkannt wird. Psychoanalytische Konzepte spielen in der Entwicklungspsychologie, PĂ€dagogischen Psychologie sowie der Klinischen Psychologie eine Rolle. Die Trennung von Psychologie und Psychoanalyse schließt nicht aus, dass Psychologen nach dem Psychologiestudium zusĂ€tzlich eine psychoanalytische und tiefenpsychologische Ausbildung absolvieren können. Entsprechende berufliche „ZwĂ€nge“ existieren zudem aufgrund der tiefenpsychologischen Ausrichtung der psychosomatischen Medizin und vielfach noch der Psychiatrie und damit auch entsprechender Kliniken.

Die Psychoanalyse nach Sigmund Freud sowie die Theorien anderer Vertreter einer Tiefenpsychologie wie Carl Gustav Jung oder Alfred Adler spielen in der heutigen Psychologie nur eine Nebenrolle, an vielen psychologischen FakultĂ€ten wird Psychoanalyse (im Gegensatz zu kultur- und geisteswissenschaftlichen FakultĂ€ten) praktisch ausgeklammert und hĂ€ufig wissenschaftshistorisch nur als Unterrichtsstunde in der „Geschichte der Psychologie“ vermittelt und wissenschaftstheoretisch kritisiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg avancierten tiefenpsychologische AnsĂ€tze innerhalb der Psychologie kurzzeitig zum Forschungsparadigma. Insbesondere in den Bereichen Motivation und Kognition gab es Versuche, tiefenpsychologische Annahmen in der Modellbildung zu berĂŒcksichtigen. Einiges konnte nach den vorherrschenden wissenschaftstheoretischen Vorstellungen in weiterfĂŒhrende Modelle integriert und weiter differenziert werden und einiges konnte anders oder zumindest sparsamer erklĂ€rt werden (siehe Ockhams Rasiermesser). In der Regel entfernen sich AnsĂ€tze dieser Art jedoch sehr weit von den theoretischen und praktischen Konzepten der Psychoanalyse.

„Die“ Psychoanalyse wird oft als unwissenschaftlich abgelehnt, z. B. durch Karl Popper, der sie als Pseudowissenschaft klassifizierte. Gleichwohl gibt es heutzutage auch Bestrebungen seitens der Psychoanalyse, sich der Forderung nach wissenschaftlicher ÜberprĂŒfbarkeit zu stellen. Der Mediziner Otto F. Kernberg, der zurzeit wohl bedeutendste Vertreter der Objektbeziehungstheorie, propagiert die Integration von Erkenntnissen und Vorstellungen verschiedener neurowissenschaftlicher Disziplinen mit psychoanalytischen ErklĂ€rungsmodellen. Auch in erkenntnistheoretischer Hinsicht wird der kritisch-rationalistische Standpunkt Poppers nicht unwidersprochen rezipiert.[5]

Auf der Anwendungsseite konkurrieren aus der psychologischen Forschung stammende AnsĂ€tze, wie die GesprĂ€chspsychotherapie und die Verhaltenstherapie mit psychoanalytischen Konzepten als Grundlage fĂŒr psychotherapeutische Interventionen in der Klinischen Psychologie. Die Kombination von klientenzentrierten und verhaltensanalytischen AnsĂ€tzen, ergĂ€nzt durch moderne kognitive Strategien, bildet heute darĂŒber hinaus im Rahmen der Diagnostik und Intervention und nahezu in jedem Anwendungsfach – auch jenseits eines klinischen Ansatzes, z. B. durch Verhaltensanalysen in der Organisations- oder Kognitiv-Behaviorale Trainings in der Arbeitspsychologie usw. – einen grundlegenden praktischen Methoden- und Kompetenzbereich von Psychologen.

Wissenschaftliche Paradigmen

Es gab und gibt innerhalb der Psychologie viele AnsÀtze (Paradigmen). Die wichtigsten sind das Behavioristische Paradigma, das Informationsverarbeitende Paradigma und eben (historisch) auch das psychoanalytische/psychodynamische Paradigma. Ebenfalls wichtig sind das PhÀnomenologische/Humanistische Paradigma, das Eigenschaftsparadigma, das dynamisch-interaktionistische Paradigma und das Soziobiologische Paradigma, die EvolutionÀre Psychologie.

Diese Paradigmen sind keine Teildisziplinen der Psychologie (wie etwa die Allgemeine Psychologie), sondern jedes ist ein theoretisches Konzept fĂŒr die verschiedenen Teildisziplinen und Forschungsprogramme der Psychologie. Diese AnsĂ€tze, die sich in Grundannahmen und in der Methodologie unterscheiden, werden in der Regel nicht explizit erwĂ€hnt, bilden aber eine sehr wichtige Grundlage fĂŒr das (korrekte) VerstĂ€ndnis der Psychologie, ihrer Theorien und v. a. der psychologischen Forschungsergebnisse. Heute sind innerhalb eines psychologischen Faches (einer Disziplin) in der Regel verschiedene Paradigmen gleichberechtigt (so z. B. in der aktuellen persönlichkeitspsychologischen Forschung das Informationsverarbeitende Paradigma, das Eigenschaftsparadigma und das dynamisch-interaktionistische Paradigma). Diese KomplexitĂ€t der Psychologie sollte man vor allem auch in Bezug auf die einzelnen Disziplinen berĂŒcksichtigen: Es gibt eben innerhalb einer Disziplin immer verschiedene AnsĂ€tze, unter denen ein Gegenstandsbereich betrachtet werden muss, bzw. eben eine hohe methodologische FlexibilitĂ€t, unter der eine Fragestellung bestmöglich wissenschaftlich-methodisch beantwortet werden kann.

Zuordnung zu den unterschiedlichen FakultÀten

Die Anbindung eines psychologischen Fachbereichs an eine FakultĂ€t (in der Regel naturwissenschaftliche, sozialwissenschaftliche oder philosophische) sagt nicht immer etwas ĂŒber dessen Ausrichtung (eher naturwissenschaftlich oder eher sozialwissenschaftlich) aus. Diese Anbindungen sind in der Regel historisch und/oder verwaltungstechnisch begrĂŒndet. Insofern kann man z. B. auch keine analogen RĂŒckschlĂŒsse ĂŒber den Doktorgrad eines promovierten Psychologen ziehen; anders ausgedrĂŒckt: Man kann als Psychologe im Extrem einen Dr. phil. mit einer Dissertation in Mathematischer Psychologie erlangen und genauso im Extrem einen Dr. rer. nat. mit einer qualitativ-sozialwissenschaftlichen Arbeit.

Disziplinen

Vielfach wird innerhalb der Psychologie zwischen Grundlagen-, Anwendungs- und MethodenfÀchern unterschieden.

GrundlagenfÀcher

Innerhalb dieser Disziplinen kann man noch zwischen solchen unterscheiden, die auch Bestandteil anderer GrundlagenfĂ€cher sind, und solchen, die grundlegende Erkenntnisse in spezifischen Kontexten liefern. Zu den ersteren gehören die Psychologische Methodenlehre, sowie die Allgemeine Psychologie und die Biopsychologie (die wiederum untereinander stark vernetzt sind), zu den letztgenannten die Sozialpsychologie, die Entwicklungspsychologie sowie die Persönlichkeits- und Differenzielle Psychologie. Die neuere Einteilung (z. B. fĂŒr die Bachelor-of-Science-StudiengĂ€nge) fasst die Allgemeine und die Biologische Psychologie unter „Kognitive und biologische Grundlagen des Verhaltens und Erlebens“ zusammen, die Persönlichkeits-, Differenzielle, Sozial- und Entwicklungspsychologie unter „Grundlagen intra- und interpersoneller Prozesse“.

  • Die Differentielle- bzw. Persönlichkeitspsychologie beschĂ€ftigt sich im Gegensatz dazu mit den individuellen Unterschieden in den o. g. Bereichen. Solche Unterschiede werden in Konzepten wie Persönlichkeitsmodellen, der Intelligenz u. a. erarbeitet. Diese Differenzen können interindividuell (Unterschiede zwischen Menschen) oder intraindividuell (Unterschiede, die bei einem Individuum ĂŒber die Zeit auftreten) sein. Die Operationalisierung und Messung solcher Unterschiede wird der Differentiellen Psychologie zugerechnet. Damit ist sie wichtige Grundlage fĂŒr die Psychologische Diagnostik.
  • Die Entwicklungspsychologie untersucht die psychische Wandlung des Menschen von der EmpfĂ€ngnis bis zum Tod (intraindividuelle VerĂ€nderungen, Ontogenese). Gegenstandsbereiche sind z. B. Faktoren der Entwicklung (Anlage, Umwelt), Entwicklungsstufen, Entwicklung der Wahrnehmung, der Psychomotorik, der kognitiven Kompetenzen, des GedĂ€chtnisses, der Sprache, der Persönlichkeit etc.; eine weitergehende moderne Variante ist die Herausbildung der Entwicklungswissenschaft/(en) als integrierter Ansatz, mit Soziologie, Medizin, Psychologie und PĂ€dagogik (Vertreter: Petermann).
  • Die Sozialpsychologie erforscht im weitesten Sinne die Auswirkungen sozialer Interaktionen auf Gedanken, GefĂŒhle und Verhalten des Individuums („an attempt to understand and explain how the thought, feeling and behavior of individuals are influenced by the actual, imagined, or implied presence of others“, Allport 1968). Gegenstandsbereiche sind z. B. soziale Aspekte der Wahrnehmung (wie die Wahrnehmung von Personen und Situationen, Vorurteile, Stereotype, Annahmen und Schlussfolgerungen ĂŒber das Verhalten von Menschen u. a.), soziale Aspekte der Emotion (z. B. Aggression), interpersonale Attraktion, pro-soziales Verhalten, Einstellungen, Kommunikation oder auch Gruppenprozesse (MinoritĂ€teneinfluss, Entscheidungsprozesse in Gruppen, Gruppendenken, Gehorsam (vgl. dazu z. B. das Milgram-Experiment oder das Stanford Prison Experiment), Gruppenleistung, Intergruppenbeziehungen etc.).

AnwendungsfÀcher

→ Hauptartikel Angewandte Psychologie

Weitere Anwendungsbereiche der Psychologie bilden u. a. die Verkehrs-, Personalpsychologie, Medien-, Rechts-, Kultur-, Geronto-, Sport-, Umwelt-, politische Psychologie, FĂŒhrungspsychologie, Gesundheitspsychologie, Behavioral Finance, Werbepsychologie, SuchtprĂ€vention, etc.

MethodenfÀcher

  • Die Psychologische Methodenlehre befasst sich mit der gesamten Bandbreite des Instrumentariums („Handwerkszeug“) psychologischen Erkenntnisgewinns. Sie stellt den existierenden Verfahrensfundus fĂŒr andere Disziplinen der Psychologie bereit und ist gleichermaßen ein eigenstĂ€ndiges Forschungsgebiet mit dem Ziel, den Methodenbestand zu verbessern und zu ergĂ€nzen, etwa durch Eigenentwicklungen (wie z. B. der Metaanalyse) oder auch durch Adaption von Verfahren aus den Katalogen anderer Wissenschaften. Dabei reicht ihr inhaltliches Spektrum von Wissenschaftstheorie und Ethik ĂŒber Experimentalmethodik, Evaluationsforschung bis hin zu Hilfswissenschaften mit hohem Stellenwert, v. a. Mathematik (hauptsĂ€chlich Stochastik) sowie Informatik oder SpezialfĂ€llen der Psychologischen Methodenlehre wie der Mathematischen Psychologie.
  • Ein weiteres Methodenfach ist die Psychologische Diagnostik (diagnostische Entscheidungsfindung) mit Verbindungen zur Methodik (z. B. Testtheorie, -konstruktion und -analyse). Die Diagnostik ist die Grundlage jeglicher Intervention und somit fĂŒr alle Bereiche der Psychologie relevant.

GrundsĂ€tzlich sind auch andere Klassifikationen psychologischer Teildisziplinen möglich, z. B. solche, die einen Forschungsgegenstand benennen und als Untergebiet oder Arbeitsschwerpunkt ausweisen oder diesen ĂŒber alle ihn betreffende Disziplinen hinweg und zusammenfassend beschreiben (z. B. Wahrnehmungspsychologie, Emotionspsychologie u. a.), oder auch solche, die zugrunde liegende AnsĂ€tze oder besondere Aspekte von Paradigmen betonen (z. B. Verhaltenspsychologie, EvolutionĂ€re Psychologie u. a.). Diese eher bereichsspezifischen Bezeichnungen (mit entsprechender thematischer BĂŒndelung von verschiedenen Inhalten) finden sich auch hĂ€ufig dann, wenn es um eine umfassende Vermittlung von spezifischen Inhalten und weniger um Forschung und methodische ZusammenhĂ€nge geht, also insbesondere wenn psychologisches Wissen im Rahmen von Neben- oder HilfsfĂ€chern (z. B. an nicht-psychologischen Fachbereichen, in FachhochschulstudiengĂ€ngen usw.) vermittelt wird. Hier werden auch zum Teil Bezeichnungen o. g. Grundlagendisziplinen anders inhaltlich ausgefĂŒllt, wie z. B. Allgemeine Psychologie als eine den allgemeinen (ersten) Überblick gebende EinfĂŒhrung in die Psychologie (wie in den sprichwörtlichen 101 Kursen in den USA) oder PĂ€dagogische Psychologie als Psychologie fĂŒr PĂ€dagogen.

Siehe auch

 Portal:Psychologie – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Psychologie

Literatur der letzten 10 Jahre

Grundlagen

EinfĂŒhrungen und LehrbĂŒcher zur Psychologie (Auswahl)

  • Lyle E. Bourne, Bruce R. Ekstrand: EinfĂŒhrung in die Psychologie. 4. Auflage (Nachdruck). Verlag Dietmar Klotz, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-88074-500-5.
  • Stefan Lautenbacher, Astrid SchĂŒtz, Herbert Selg (Hrsg.): Psychologie – Eine EinfĂŒhrung in ihre Grundlagen und Anwendungsfelder. 3. Auflage. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, Berlin, Köln 2005, ISBN 978-3-17-018373-5.
  • Hilgards EinfĂŒhrung in die Psychologie, Frontcover, Rita L. Atkinson, Richard C. Atkinson, Edward E. Smith, Joachim Grabowski, Susan Nolen-Hoeksema, Daryl J. Bem, Akademie Verlag 2001
  • Norbert Groeben (Hrsg.): Zur Programmatik einer sozialwissenschaftlichen Psychologie. Aschendorff, MĂŒnster 1997/1999.
  • Joachim Grabowski, Elke van der Meer (Hrsg.): Hilgards EinfĂŒhrung in die Psychologie. Von Rita L. Atkinson, Richard C. Atkinson, Edward E. Smith u. a. Spektrum Lehrbuch, 2001, ISBN 3-8274-0489-4.
  • Richard J. Gerrig, Philip Zimbardo: Psychologie. 18. Auflage. Pearson Studium, MĂŒnchen 2008, ISBN 3-8273-7275-5.
  • Wolfgang Metzger: Psychologie – Die Entwicklung ihrer Grundannahmen seit EinfĂŒhrung des Experiments. 6. Auflage. Krammer, Wien 2001 (Erstauflage 1941).
  • Jochen MĂŒsseler (Hrsg.): Allgemeine Psychologie. 2. Auflage. Spektrum, Heidelberg 2008, ISBN 3-8274-1780-5.
  • David G. Myers: Psychologie. 2. Auflage. Springer, Heidelberg, Berlin 2008, ISBN 978-3-540-79032-7, 1064 S.
  • Kurt Pawlik (Hrsg.): Handbuch Psychologie. Wissenschaft – Anwendung – Berufsfelder. Springer, Heidelberg 2006, ISBN 3-540-22178-6.

Deutschsprachige LehrbĂŒcher zu Teilbereichen der Psychologie

  • M. Amelang, D. Bartussek: Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung. Kohlhammer, 2001, ISBN 3-17-016641-7.
  • J. R. Anderson: Kognitive Psychologie. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1996, ISBN 3-86025-354-9.
  • E. Aronson et al.: Sozialpsychologie. Pearson Studium, 2003, ISBN 3-8273-7084-1.
  • Bernad Batinic, Markus Appel (Hrsg.): Medienpsychologie. 2008, Heidelberg: Springer. ISBN 978-3-540-46894-3.
  • Niels Birbaumer, R. F. Schmidt: Biologische Psychologie. Springer, Berlin 2005, ISBN 3-540-25460-9.
  • JĂŒrgen Bortz, Christof Schuster: Statistik fĂŒr Human- und Sozialwissenschaftler. 7. Aufl. Springer, 2010, ISBN 978-3-642-12769-4.
  • JĂŒrgen Bortz, Nicola Döring: Forschungsmethoden und Evaluation. 4. Auflage. Springer, 2006, ISBN 978-3-540-33305-0.
  • G. C. Davison, J. M. Neale: Klinische Psychologie. PVU, Weinheim 2002, ISBN 3-621-27458-8.
  • Walter Hussy, Margrit Schreier, Gerald Echterhoff: Forschungsmethoden in Psychologie und Sozialwissenschaften - fĂŒr Bachelor. Springer, 2009, ISBN 978-3-540-95935-9.
  • G. Felser: Werbe- und Konsumentenpsychologie. 2. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2001, ISBN 3-7910-1944-9.
  • K. D. Kubinger: Psychologische Diagnostik – Theorie und Praxis psychologischen Diagnostizierens. Hogrefe, Göttingen 2006, ISBN 3-8017-1693-7.
  • G. Lienert, U. Raatz: Testaufbau und Testanalyse. PVU, Weinheim 1998, ISBN 3-621-27424-3.
  • R. Oerter, L. Montada: Entwicklungspsychologie. PVU, Weinheim 2002, ISBN 3-621-27479-0.
  • Lawrence A. Pervin, Daniel Cervone, Oliver P. John: Persönlichkeitstheorien. Mit 33 Tabellen (Originaltitel: Personality, ĂŒbersetzt von Elfriede Peschel). 5., vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete und erweitert Auflage, UTB 8035 / Reinhardt, MĂŒnchen / Basel 2005, ISBN 978-3-497-01792-8 (E. Reinhardt) / ISBN 3-8252-8035-7 (UTB).
  • Hans-Otto Schenk: Psychologie im Handel. Entscheidungsgrundlagen fĂŒr das Handelsmarketing. 2., vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete Auflage. Oldenbourg, MĂŒnchen / Wien 2007, ISBN 978-3-486-58379-3 (1. Auflage 1995 unter dem Titel: Handelspsychologie).
  • Heinz Schuler, Hermann BrandstĂ€tter (Hrsg.): Lehrbuch Organisationspsychologie. 4., aktualisierte Auflage, Huber, Bern 2003, ISBN 978-3-456-84458-9.

Fachzeitschriften

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Psychologie â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikibooks Wikibooks: Regal Psychologie â€“ Lern- und Lehrmaterialien
 Wikiquote: Psychologie â€“ Zitate
Wikiversity Wikiversity: Psychologie â€“ Kursmaterialien, Forschungsprojekte und wissenschaftlicher Austausch

Einzelnachweise

  1. ↑ Wilhelm Gemoll: Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch, MĂŒnchen/ Wien 1965
  2. ↑ Uwe Laucken, Naive Verhaltenstheorie. Klett, Stuttgart 1974, ISBN 3-12-925260-6
  3. ↑ Die akademische Psychologie hat sich von der Alltagspsychologie her entwickelt. Die Philosophie hat Jahrhunderte lang Einzelthemen aus ihr reflektiert, aber keine zusammenhĂ€ngende Theorie der Psychologie formuliert und eine empirische psychologische Forschung angeregt. AnstĂ¶ĂŸe zu einer wissenschaftlichen Erforschung psychischer TatbestĂ€nde datieren aus dem 19. Jahrhundert und kamen damals einerseits aus der sinnesphysiologischen Forschung in der Medizin („Psychophysik“), wĂ€hrend andererseits die damals langsam wichtiger werdende junge psychische Heilkunde oder Psychiatrie immer mehr Bedarf an KlĂ€rung psychologischer ZusammenhĂ€nge zumindest im Bereich der Psychopathologie entwickelte (s. Geschichte der Psychiatrie).
  4. ↑ Vgl. zu diesem (historischen) PsychologieverstĂ€ndnis den Artikel Psychologie in Friedrich Kirchners Wörterbuch der philosophischen Grundbegriffe (1907).
  5. ↑ Eberhard Döring: Immanuel Kant. EinfĂŒhrung in sein Werk. Marix Verlag, Wiesbaden 2004, ISBN 3-937715-00-2, Seite 122 zur Falsifikation; Seite 236 ff. zum Kritischen Rationalismus.
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