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Pythagoras

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Pythagoras (BegriffsklĂ€rung) aufgefĂŒhrt.
Herme des Pythagoras (um 120 n. Chr.); Kapitolinische Museen, Rom

Pythagoras von Samos (griechisch Î Ï…ÎžÎ±ÎłÏŒÏÎ±Ï‚) (* um 570 v. Chr.; † nach 510 v. Chr. in Metapont in der Basilicata) war ein antiker griechischer Philosoph (Vorsokratiker) und GrĂŒnder einer einflussreichen religiös-philosophischen Bewegung. Als VierzigjĂ€hriger verließ er seine griechische Heimat und wanderte nach SĂŒditalien aus. Dort grĂŒndete er eine Schule und betĂ€tigte sich auch politisch. Trotz intensiver BemĂŒhungen der Forschung gehört er noch heute zu den rĂ€tselhaftesten Persönlichkeiten der Antike. Manche Historiker zĂ€hlen ihn zu den Pionieren der beginnenden griechischen Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaft, andere meinen, er sei vorwiegend oder ausschließlich ein VerkĂŒnder religiöser Lehren gewesen. Möglicherweise konnte er diese Bereiche verbinden. Die nach ihm benannten Pythagoreer blieben auch nach seinem Tod kulturgeschichtlich bedeutsam.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Wegen des Mangels an verlĂ€sslichen Quellen, der schon frĂŒh wuchernden Legendenbildung und WidersprĂŒchen zwischen den ĂŒberlieferten Berichten sind viele Angaben ĂŒber das Leben des Pythagoras in der wissenschaftlichen Literatur umstritten. Der aktuelle Forschungsstand ergibt folgendes Bild: Pythagoras wurde wohl um 570 v. Chr.[1] als Sohn des Mnesarchos geboren, der auf der Insel Samos lebte. Mnesarchos stammte wahrscheinlich nicht (wie behauptet wurde) aus einer vornehmen samischen Familie, sondern war ein eingewanderter erfolgreicher Kaufmann (nach anderer Überlieferung Steinschneider).[2] Als Lehrer des Pythagoras wird am hĂ€ufigsten der Philosoph Pherekydes von Syros genannt.[3] In seiner Jugend soll sich Pythagoras zu Studienzwecken in Ägypten und Babylonien aufgehalten haben; nach verschiedenen Berichten machte er sich mit dortigen religiösen Anschauungen und naturwissenschaftlichen Kenntnissen vertraut und kehrte dann nach Samos zurĂŒck.[4] Dort hatte um 538 v. Chr. der Tyrann Polykrates die Macht an sich gerissen. Pythagoras stand in Opposition zu diesem Machthaber und verließ die Insel.[5]

FrĂŒhestens 532 v. Chr., spĂ€testens 529 v. Chr. tauchte er im griechisch besiedelten Unteritalien auf und grĂŒndete eine Schule in Kroton (heute Crotone in Kalabrien).[6] Deren Mitglieder (d.h. der innere Kreis) bildeten eine enge Gemeinschaft, legten sich auf eine disziplinierte, bescheidene Lebensweise fest („pythagoreische Art des Lebens“) und verpflichteten sich zur Treue gegeneinander. Pythagoras, der ein vorzĂŒglicher Redner war, erlangte großen Einfluss auf die BĂŒrgerschaft, den er auch politisch geltend machte. Er gewann auch in anderen Gegenden der Region AnhĂ€nger, sogar unter der nichtgriechischen Bevölkerung.[7] Im Konflikt Krotons mit der Stadt Sybaris, der anscheinend von den Sybariten provoziert wurde, trat er fĂŒr eine feste Haltung ein. Weil Kroton sich auf Veranlassung des Pythagoras weigerte, geflĂŒchtete sybaritische Oppositionelle auszuliefern, brach 510 v. Chr. der Krieg aus, der mit der Zerstörung von Sybaris endete.[8]

Nach dem Sieg kam es in Kroton zu inneren Spannungen, unter anderem wegen der Verteilung des eroberten Landes; der Unmut der BĂŒrger richtete sich gegen die Pythagoreer. Daraufhin ĂŒbersiedelte Pythagoras nach Metapontion (heute Metaponto in der Basilikata), wo er den Rest seines Lebens verbrachte. Erst nach seiner Abreise aus Kroton brach dort der Konflikt offen aus, und die Pythagoreer unterlagen. Angaben, wonach damals viele von ihnen getötet wurden, beruhen möglicherweise auf Verwechslung mit spĂ€teren Unruhen. Eine abweichende Überlieferung, der zufolge Pythagoras in Kroton blieb und den dortigen Unruhen zum Opfer fiel, ist nicht glaubwĂŒrdig.[9] Die Metapontier, bei denen Pythagoras in hohem Ansehen stand, wandelten nach seinem Tod sein Haus in ein Demeterheiligtum um.[10]

Pythagoras war verheiratet und hatte Kinder. Als Name seiner Frau (nach anderer Überlieferung seiner Tochter) wird in einigen Quellen Theano angegeben.[11]

Lehre

Da keine Schriften des Pythagoras ĂŒberliefert sind, stĂ¶ĂŸt eine Rekonstruktion seiner Lehre auf große Schwierigkeiten. Die uns bekannte antike Überlieferung besteht grĂ¶ĂŸtenteils aus spĂ€ten Quellen, die erst in der römischen Kaiserzeit – mehr als ein halbes Jahrtausend nach Pythagoras’ Tod – entstanden sind. Die antiken Hinweise und Berichte sind voller WidersprĂŒche und stark von Legenden durchsetzt. Das Ziel vieler Autoren war die Verherrlichung des Pythagoras, einige wollten ihn verunglimpfen. Daher gehen trotz intensiver KlĂ€rungsbemĂŒhungen seit dem 19. Jahrhundert – die Spezialliteratur umfasst Hunderte von Veröffentlichungen – noch heute die Meinungen der Forscher auch ĂŒber Grundlegendes weit auseinander. Eine Hauptschwierigkeit besteht in der Unterscheidung zwischen Auffassungen spĂ€terer Pythagoreer und der ursprĂŒnglichen Lehre.

Im 5. Jahrhundert v. Chr. behauptete der Dichter Ion von Chios, Pythagoras habe Gedichte verfasst, und Autoren der römischen Kaiserzeit nannten Titel von Werken, die er angeblich geschrieben hatte. Zu den Gedichten, die ihm zugeschrieben wurden, gehörte insbesondere eine „Heilige Rede“ (hierĂČs lĂłgos), deren erster Vers ĂŒberliefert ist,[12] sowie die „Goldenen Verse“, ein in der Antike beliebtes und mehrmals kommentiertes Gedicht (71 Hexameter, lateinischer Titel Carmen aureum). Es enthĂ€lt Lebensregeln und religiöse Verheißungen und bietet eine zusammenfassende EinfĂŒhrung in pythagoreisches Gedankengut.[13] Dieses Gedicht wurde als Ganzes sicher nicht von Pythagoras verfasst, enthĂ€lt aber möglicherweise einzelne von ihm stammende Verse aus der „Heiligen Rede“.

Forschungsmeinungen

In der Forschung stehen einander zwei Richtungen gegenĂŒber, die sehr unterschiedliche Pythagoras-Konzepte vertreten. Die eine Richtung (Erich Frank,[14] Karl Ludwig Reinhardt, Isidore LĂ©vy, Walter Burkert, Eric Robertson Dodds) sieht in Pythagoras einen religiösen FĂŒhrer mit geringem oder keinem Interesse an Wissenschaft; nach Burkert gehört er zum Typus des Schamanen („Schamanismusthese“). Zu den Gegnern der Schamanismusthese gehören Werner Jaeger, Antonio Maddalena, Charles H. Kahn und vor allem Leonid Zhmud, der die gegenteilige Pythagorasdeutung detailliert ausgearbeitet hat.[15] Sie besagt, dass Pythagoras in erster Linie Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler gewesen sei („Wissenschaftsthese“). Manche Philosophiehistoriker suchen eine mittlere Position zwischen den beiden Richtungen, und nicht alle, welche die eine These ablehnen, sind Verfechter der anderen.

Die Schamanismusthese ist von Walter Burkert eingehend begrĂŒndet worden.[16] Sie kann folgendermaßen zusammengefasst werden: Pythagoras hat sehr wahrscheinlich keinen einzigen Beitrag zur Arithmetik, Geometrie, Musiktheorie und Astronomie geleistet und dies auch gar nicht beabsichtigt. Sein Anliegen war kein wissenschaftliches, sondern es ging ihm um spekulative Kosmologie, um Zahlensymbolik und besonders um die Anwendung magischer Techniken im Sinne des Schamanismus. FĂŒr seine AnhĂ€nger war er ein ĂŒbermenschliches Wesen und hatte Zugang zu unfehlbarem göttlichem Wissen. Der Legitimierung dieses Anspruchs dienten ihm zugeschriebene Wundertaten. Die Pythagoreer bildeten eine Kultgemeinschaft, die hinsichtlich ihrer Riten den Mitgliedern ein rigoroses Schweigegebot auferlegte, und waren an zahlreiche im Alltag streng zu befolgende Regeln gebunden. Der Zweck der Schule war primĂ€r religiös und schloss auch politische AktivitĂ€ten ein. Wissenschaftliche Bestrebungen traten – wenn ĂŒberhaupt – erst nach dem Tod des Pythagoras hinzu. Von einer pythagoreischen Philosophie kann zu Lebzeiten des Pythagoras nicht gesprochen werden, sondern erst ab der Zeit des Pythagoreers Philolaos. Das WeltverstĂ€ndnis des Pythagoras war insgesamt ein vorwissenschaftlich-mythisches. Burkert illustriert dies durch Parallelen zur altchinesischen Kosmologie (Yin und Yang) und zu archaischen Vorstellungen indigener Völker.

Dieser Auffassung entgegengesetzt ist die Wissenschaftsthese, die insbesondere von Leonid Zhmud vertreten wird. Sie besagt, dass es im griechischsprachigen Kulturraum zur Zeit des Pythagoras die fĂŒr Schamanismus typischen PhĂ€nomene nicht gab. Diese Forschungsrichtung verwirft die These eines weltweit verbreiteten „Panschamanismus“, welche Schamanismus anhand bestimmter phĂ€nomenologischer Merkmale feststellt und dabei die Annahme historischer ZusammenhĂ€nge zwischen den betreffenden Völkern fĂŒr unnötig hĂ€lt. Zhmud argumentiert, es habe bei den Skythen keinen Schamanismus gegeben und eine Beeinflussung Griechenlands oder Unteritaliens durch sibirischen Schamanismus sei ohne skythische Vermittlung nicht vorstellbar. Seiner Auffassung zufolge sind die Berichte ĂŒber den Glauben der SchĂŒler des Pythagoras an ĂŒbermenschliche FĂ€higkeiten und Taten ihres Lehrers und die Beschreibungen der Schule als religiöser Bund mit einer Geheimlehre und seltsamen Tabus unglaubwĂŒrdig. Dieses Bild stammte teils von spottlustigen Komödiendichtern, teils war es Ausdruck entsprechender Neigungen in der römischen Kaiserzeit. Der historische Pythagoras war ein Philosoph, der sich um Mathematik, Musiktheorie und Astronomie bemĂŒhte und dessen SchĂŒler einschlĂ€gige Forschungen durchfĂŒhrten. Unter anderem dĂŒrften manche Theoreme Euklids auf Pythagoras zurĂŒckgehen. Es gab keinen spezifisch pythagoreischen Kult und Ritus, die Schule war keine Kultgemeinschaft, sondern ein lockerer Zusammenschluss (Hetairie) von Forschern. Diese waren nicht auf Dogmen des SchulgrĂŒnders eingeschworen, sondern vertraten unterschiedliche Meinungen.

Beide Richtungen tragen gewichtige Argumente vor. FĂŒr die Schamanismusthese werden die Legenden angefĂŒhrt, die von Wundertaten und spektakulĂ€ren FĂ€higkeiten des Meisters handeln, darunter Wahrsagen, Bilokation und die FĂ€higkeit, mit Tieren zu reden. Die Legende, er habe einen goldenen Schenkel gehabt, diente dazu, ihn mit Apollon zu identifizieren; manche betrachteten ihn als Sohn Apollons.[17] Andererseits schrieb der Zeitgenosse Heraklit, Pythagoras habe mehr Studien (historíē) betrieben als irgendein anderer Mensch.[18] Diese Aussage wird zugunsten der Wissenschaftsthese angefĂŒhrt, gerade weil sie von einem zeitgenössischen Gegner stammt, der Pythagoras keineswegs loben will, sondern ihm „Vielwisserei“ vorwirft. Heraklit beschuldigt Pythagoras des Plagiats, womit er anscheinend Verwertung von naturphilosophischem und naturkundlichem Prosaschrifttum meint.[19]

Einer heute umstrittenen, in der Antike allgemein akzeptierten Überlieferung zufolge war Pythagoras der Erfinder der Begriffe „Philosophie“ und „Philosoph“. Herakleides Pontikos berichtet, Pythagoras habe auf die Unterscheidung zwischen dem „Weisen“ (sophĂłs) und einem nach Weisheit strebenden „Weisheitsfreund“ (philĂłsophos) Wert gelegt, wobei er sich selbst zu den Philosophen zĂ€hlte, da nur Gott wirklich weise sei. Solche Bescheidenheit ist unvereinbar mit Burkerts Schamanismusthese, der zufolge Pythagoras sich von seinen AnhĂ€ngern als unfehlbares ĂŒbermenschliches Wesen verehren ließ. Burkert bestreitet die GlaubwĂŒrdigkeit des Berichts von Herakleides Pontikos,[20] BefĂŒrworter der Wissenschaftsthese vertreten auch diesbezĂŒglich die Gegenposition.[21]

Auch die Verwendung des Begriffs „Kosmos“ zur Bezeichnung des harmonisch geordneten Weltganzen hat nach antiken Angaben Pythagoras eingefĂŒhrt. Burkert und andere Forscher zweifeln an der ZuverlĂ€ssigkeit dieser Überlieferung, Zhmud hĂ€lt sie fĂŒr glaubwĂŒrdig.[22]

Mathematik

Illustration des Satzes des Pythagoras

Schon im 4. Jahrhundert v. Chr. fĂŒhrten Aristoteles und Aristoxenos die AnfĂ€nge der Mathematik bei den Griechen auf die Pythagoreer bzw. Pythagoras zurĂŒck.[23] In der SpĂ€tantike und im Mittelalter war die Überzeugung allgemein verbreitet, Pythagoras sei der BegrĂŒnder der Mathematik gewesen.[24] Damit war auch die Geometrie gemeint, der fĂŒr die antiken Griechen wichtigste Teil der Mathematik. Dazu passte die Überlieferung vom Aufenthalt des Pythagoras in Ägypten, denn schon Herodot war der Überzeugung, die Geometrie stamme ursprĂŒnglich aus Ägypten, sie sei ein Ergebnis der Notwendigkeit stets neuer Landvermessung nach den regelmĂ€ĂŸigen NilĂŒberschwemmungen gewesen.[25] Schon Isokrates nahm an, Pythagoras habe seine Mathematik und Astronomie den Ägyptern verdankt.[26] Ferner galt Pythagoras auch als Vermittler mathematischen Wissens der Babylonier, denn man ging davon aus, dass er sich in seiner Jugend in Babylon aufgehalten hatte.[27]

Im Anschluss an diese Tradition ist bis in die Gegenwart die Ansicht verbreitet, die Mathematik habe von Pythagoras und den Pythagoreern wesentliche Impulse erhalten. Auch ein betrĂ€chtlicher Teil der Wissenschaftshistoriker stimmt dem zu. Seit dem frĂŒhen 20. Jahrhundert wĂŒrdigt die Forschung aber auch die griechische Mathematik, die sich unabhĂ€ngig von der pythagoreischen Tradition entwickelt hat.[28]

Die Einzelheiten sind umstritten, auch die Rolle des Pythagoras als Vermittler Ă€gyptischen und orientalischen Wissens. Zhmud hĂ€lt die Berichte von den Studienreisen nach Ägypten und Babylon fĂŒr unhistorisch. Überdies weist er darauf hin, dass Griechen damals keine Fremdsprachen zu erlernen pflegten und dass es fĂŒr Pythagoras Ă€ußerst schwierig gewesen wĂ€re, sich Kenntnisse der akkadischen und der Ă€gyptischen Sprache sowie der Hieroglyphen bzw. Keilschrift anzueignen und dann auch noch Fachliteratur zu verstehen. Daher betrachtet Zhmud die mathematischen Erkenntnisse des Pythagoras als dessen selbstĂ€ndige Leistungen. Die oft mit dem Pythagoreismus gleichgesetzte spekulative Zahlenlehre oder „Zahlenmystik“ mit dem Grundsatz „Alles ist Zahl“ existierte nach Zhmuds Ansicht in der frĂŒhpythagoreischen Zeit noch nicht, vielmehr gab erst der Platonismus den Anstoß zu ihrer Entstehung.[29]

Auf dem entgegengesetzten Standpunkt steht Burkert mit seiner Schamanismusthese. Seine Argumentation lautet folgendermaßen. Es gibt keinen Beleg dafĂŒr, dass Pythagoras auch nur einen einzigen Beitrag zur Arithmetik oder zur Geometrie geleistet hat. Sein Interesse galt nicht der Mathematik als einer mit QuantitĂ€ten befassten, rechnenden und beweisenden Wissenschaft, sondern er betrachtete Zahlen unter qualitativen Gesichtspunkten. Dabei ging es ihm darum, verschiedenen Zahlen im Sinne einer Zahlensymbolik bestimmte nichtmathematische Eigenschaften wie „mĂ€nnlich“ und „Grenze bildend“ (fĂŒr die ungeraden Zahlen), „weiblich“ und „unbegrenzt“ (fĂŒr die geraden), „gerecht“ oder „jungfrĂ€ulich“ zuzuweisen und so ein Ordnungsprinzip fĂŒr seine Kosmologie zu gewinnen. Diese Herangehensweise, bei der es nicht um QuantitĂ€t geht, sondern um die Ordnung des Kosmos und um qualitative Entsprechungen zwischen dessen Bestandteilen, vergleicht Burkert mit der chinesischen Auffassung von Yin und Yang. Ebenso wie in der pythagoreischen Zahlenlehre ist in der chinesischen der Urgegensatz von geraden und ungeraden Zahlen grundlegend und werden die ungeraden Zahlen als mĂ€nnlich angesehen. Die in diesem spekulativen, kosmologischen Sinn verstandene Aussage „Alles ist Zahl“ war nach der Deutung der Schamanismusthese ein Kernbestandteil von Pythagoras’ Weltbild.

Der Gegensatz zwischen den beiden Forschungsrichtungen zeigt sich auch in einzelnen umstrittenen Punkten:

  • Pythagoras gilt traditionell als der Entdecker des als Satz des Pythagoras bekannten Lehrsatzes der Euklidischen Geometrie ĂŒber das rechtwinklige Dreieck. Dieser Satz war schon Jahrhunderte vor Pythagoras den Babyloniern bekannt. Ob sie aber einen Beweis fĂŒr den Satz kannten, ist unbekannt. Zhmud meint, Pythagoras habe einen Beweis gefunden, wĂ€hrend Burkert im Sinne der Schamanismusthese argumentiert, dafĂŒr gebe es keinen Beleg und Pythagoras habe sich fĂŒr mathematische BeweisfĂŒhrung gar nicht interessiert.[30]
  • Ein SchĂŒler des Pythagoras, Hippasos von Metapont, soll als erster die Konstruktion des einer Kugel einbeschriebenen Dodekaeders gefunden und auch erkannt haben, dass gewisse geometrische GrĂ¶ĂŸen (wie das VerhĂ€ltnis von Diagonale und Seite eines Quadrats) nicht durch ganzzahlige ZahlverhĂ€ltnisse ausdrĂŒckbar sind (InkommensurabilitĂ€t). Eine spĂ€te Überlieferung behauptet, Hippasos habe diese Entdeckungen veröffentlicht und damit aus der Sicht der Pythagoreer Geheimnisverrat begangen. Daraufhin sei er aus der Gemeinschaft ausgeschlossen worden und bei einem Schiffbruch umgekommen, was als göttliche Strafe zu deuten sei. Die Ă€ltere Forschung interpretierte dies als „Grundlagenkrise“ des Pythagoreismus: Hippasos habe die Grundlage der pythagoreischen Mathematik zerstört, die besagte, alle PhĂ€nomene seien als Erscheinungsformen ganzzahliger ZahlverhĂ€ltnisse erklĂ€rbar. Die Pythagoreer seien durch seine Entdeckung der mathematischen IrrationalitĂ€t in eine schwere Krise gestĂŒrzt worden; aus diesem Grund hĂ€tten sie Hippasos ausgeschlossen und seinen Tod als göttliche Strafe gedeutet. Diese Ansicht wird sowohl von Burkert als auch von Zhmud abgelehnt, aber aus unterschiedlichen GrĂŒnden. Burkert meint, dass die BewĂ€ltigung der IrrationalitĂ€t schrittweise erfolgte und keine ErschĂŒtterung der pythagoreischen Zahlenlehre bewirkte, da diese nicht von dem Axiom ausging, alle GrĂ¶ĂŸen seien kommensurabel. Zhmud sieht in Hippasos den tatsĂ€chlichen Entdecker der IrrationalitĂ€t, meint aber, dass das ZerwĂŒrfnis zwischen Hippasos und Pythagoras damit nichts zu tun hatte und von einem Geheimnisverrat keine Rede sein kann, sondern der Gegensatz der beiden rein politisch war.[31]
  • Zu den Errungenschaften, die man Pythagoras zugeschrieben hat, gehört die BegrĂŒndung der Proportionentheorie; er soll den Begriff lĂłgos im mathematischen Sinn von „Proportion“ eingefĂŒhrt haben. Diese Ă€ltere Forschungsmeinung wird weiterhin von den BefĂŒrwortern der Wissenschaftsthese vertreten.[32] Als spezifisch pythagoreische Neuerung bezeichnen die antiken Quellen insbesondere die Lehre von den drei Mitteln (arithmetisches, geometrisches und harmonisches Mittel). Die Mittel kamen möglicherweise bereits in babylonischen Rechenregeln vor, doch kannten die Babylonier den Begriff der Proportion nicht. Die BeweisfĂŒhrung und Terminologie kann somit eine Errungenschaft des Pythagoras oder der Pythagoreer sein. Dagegen wendet Burkert ein, es sei nicht erwiesen, dass Pythagoras eine Proportionentheorie begrĂŒndete. Er argumentiert, dass das Proportionsrechnen schon Anaximander bekannt war, der die Welt als ihrem Wesen nach geometrisch auffasste und mit mathematischen Proportionen erklĂ€rte. Zwar hĂ€tten die Pythagoreer bei der Entwicklung der Mittellehre anscheinend eine Rolle gespielt, doch sei unklar, wann und durch wen dies geschehen sei.[33]

Ein Hauptelement der frĂŒhen pythagoreischen Zahlenlehre war die Tetraktys („Vierheit“), die Gruppe der Zahlen 1, 2, 3 und 4, deren Summe die 10 ergibt, die bei Griechen und „Barbaren“ (Nichtgriechen) gleichermaßen als Grundzahl des Dezimalsystems diente. Die Vier wurde neben der „vollkommenen“ Zehn im Pythagoreismus als fĂŒr die Weltordnung grundlegende Zahl betrachtet.

Musik

Die Ansicht, dass Pythagoras der BegrĂŒnder der mathematischen Analyse der Musik gewesen sei, war in der Antike allgemein verbreitet und akzeptiert. Schon Platon fĂŒhrte die musikalische Zahlenlehre auf die Pythagoreer zurĂŒck, sein SchĂŒler Xenokrates schrieb die entscheidende Entdeckung Pythagoras selbst zu. Es ging um die Darstellung der harmonischen Intervalle durch einfache ZahlenverhĂ€ltnisse. Veranschaulicht wurde dies durch Streckenmessung (AbhĂ€ngigkeit der Tonhöhe von der LĂ€nge schwingender Saiten). Offenbar gingen manche Pythagoreer empirisch vor, denn Platon, der eine rein spekulative Musiktheorie forderte und der Empirie misstraute, kritisierte sie in dieser Hinsicht.[34]

In der römischen Kaiserzeit wurde die Legende von Pythagoras in der Schmiede erzĂ€hlt. Sie berichtet, Pythagoras sei an einer Schmiede vorbeigekommen und habe in den Tönen der SchmiedehĂ€mmer Harmonie wahrgenommen. Er habe herausgefunden, dass die Konsonanz vom Gewicht der HĂ€mmer abhing. Darauf habe er zu Hause mit gleich langen Saiten experimentiert, die er mit Gewichten belastete, und sei zum Ergebnis gekommen, dass die Klanghöhe dem Gewicht der Metallkörper entspricht und so die reinen Intervalle von Oktave, Quarte und Quinte durch messbare Proportion zustande kommen. Damit soll erstmals musikalische QualitĂ€t quantifizierbar gemacht worden sein.[35] Derartige Experimente können in der tradierten Art und Weise jedoch nicht stattgefunden haben, da die Tonhöhe weder dem Gewicht eines Metallkörpers noch der Spannung einer Saite direkt proportional ist. Diese Legende ist somit eine Erfindung,[36] oder sie beruht auf einer falschen Überlieferung.

Nach der Schamanismusthese war es ebenso wie in der Mathematik auch in der Musik nicht das Anliegen des Pythagoras, musikalische Gegebenheiten durch Messung zu quantifizieren. Vielmehr ging es ihm darum, symbolische Beziehungen zwischen Zahlen und Tönen zu finden und so die Musik ebenso wie die Mathematik in das GebĂ€ude seiner Kosmologie einzuordnen. Die Wissenschaftsthese vertritt auch hier den entgegengesetzten Standpunkt. Ihr zufolge war Pythagoras der Entdecker der musikalischen Harmonielehre; er ging dabei empirisch vor und bediente sich des Monochords. Seine SchĂŒler setzten die Forschungen fort. Burkert hingegen bezweifelt, dass es damals schon ein Monochord mit verstellbarem Steg gab.[37]

Die Überlieferung, wonach Pythagoras Musik gezielt zur Beeinflussung unerwĂŒnschter Affekte einsetzte, also eine Art Musiktherapie betrieb, wird von der Forschung als frĂŒhpythagoreisch eingestuft.[38]

Astronomie

Dass die griechische Astronomie (insbesondere die genaue Kenntnis der Planeten) auf der babylonischen fußt, ist unstrittig. Die griechischen Planetennamen gehen auf die babylonischen zurĂŒck. Ein grundsĂ€tzlicher Unterschied besteht allerdings darin, dass die Babylonier nicht an der ErklĂ€rung, sondern nur an der Berechnung und Vorhersage der VorgĂ€nge am Himmel interessiert waren, wogegen die Griechen ihr Augenmerk auf die astronomische Theorie richteten.

Die Ă€ltere Forschung hat fĂŒr die Astronomie – ebenso wie fĂŒr die Mathematik – Pythagoras wegen seiner Babylonreise in einer Vermittlerrolle gesehen.[39] Auch auf diesem Gebiet fĂŒhren die beiden gegensĂ€tzlichen Pythagorasbilder zu entgegengesetzten Ergebnissen:

Der Schamanismusthese zufolge ĂŒbernahmen die Griechen die babylonische Planetenordnung erst um 430, also lange nach Pythagoras’ Tod. Erst danach entstand das Ă€lteste pythagoreische Modell, dasjenige des Pythagoreers Philolaos.[40] Es lĂ€sst die Erde um ein Zentralfeuer kreisen, wobei die bewohnten Gegenden auf der diesem Feuer stets abgewandten Seite liegen; auf der anderen Seite des Zentralfeuers befindet sich eine ebenfalls fĂŒr uns unsichtbare Gegenerde. Mond, Sonne und fĂŒnf Planeten kreisen ebenfalls um das Zentralfeuer. Dieses System war nach Burkerts Ansicht nicht ein Ergebnis astronomischer Beobachtungen, sondern ein kosmologischer Mythos. Burkert meint, dass Pythagoras keine empirische Astronomie getrieben hat. Er weist darauf hin, dass laut Angaben des Aristoteles manche Pythagoreer einen Kometen zu den Planeten zĂ€hlten, was mit dem System des Philolaos unvereinbar ist; dieses war somit nicht ein ursprĂŒngliches Modell des Pythagoras, das als solches fĂŒr die ganze Schule verbindlich gewesen wĂ€re. Auch ĂŒber die Milchstraße hatten die Pythagoreer keine einheitliche Meinung.[41]

Zhmud kommt zum gegenteiligen Ergebnis. Er hĂ€lt den Bericht ĂŒber eine Orientreise des Pythagoras fĂŒr eine Legende ohne historischen Kern. Aus seiner Sicht war der babylonische Einfluss auf die griechische Astronomie minimal. Nach seiner Auffassung gab es ein ursprĂŒngliches astronomisches Modell der Pythagoreer vor Philolaos, auf dem auch die platonische Astronomie basierte. Es sah eine kugelförmige Erde im Zentrum des Kosmos vor, um die sich die FixsternsphĂ€re von Ost nach West sowie Mond, Sonne und die damals bekannten fĂŒnf Planeten von West nach Ost gleichförmig im Kreis drehten. Dieser Ansicht waren schon Ă€ltere BefĂŒrworter der Wissenschaftsthese.[42]

Sicher pythagoreischen Ursprungs ist die Idee der SphĂ€renharmonie oder – wie die Bezeichnung in den Ă€ltesten Quellen lautet – „Himmelsharmonie“. Laut den – im Detail voneinander abweichenden – antiken Überlieferungen handelt es sich dabei um Töne, die von den Planeten bei ihren streng gleichförmigen Kreisbewegungen hervorgebracht werden und zusammen einen kosmischen Klang ergeben. Dieser ist jedoch fĂŒr uns unhörbar, da er ununterbrochen erklingt und uns nur durch sein Gegenteil, durch einen Gegensatz zwischen Klang und Stille zu Bewusstsein kĂ€me. Einer Legende zufolge war Pythagoras der einzige Mensch, der die Himmelsharmonie hören konnte.[43]

Burkert meint, dass diese Idee ursprĂŒnglich nicht mit der Astronomie zusammenhing, sondern nur mit der FĂ€higkeit zu außersinnlicher Wahrnehmung, die man Pythagoras als einem Schamanen zuschrieb. Ein ausgearbeitetes System habe es zu Lebzeiten des Pythagoras nicht gegeben.[44] Zhmud hingegen ist der Ansicht, dass es ursprĂŒnglich eine physikalische Theorie war, in der astronomische und akustische Beobachtungen und Überlegungen miteinander verbunden wurden. Er weist auch darauf hin, dass die Töne der Himmelskörper nur als gleichzeitig, nicht als nacheinander erklingend gedacht werden konnten. Daher kann man zwar von einem Klang sprechen, aber der populĂ€re Begriff „SphĂ€renmusik“ ist dafĂŒr sicher unpassend.[45]

Politik und Gesellschaft

Pythagoras hatte in einer Anzahl von griechischen StĂ€dten Unteritaliens AnhĂ€nger. Sicher ist, dass die Pythagoreer sich nicht vom gesellschaftlichen Leben absonderten, sondern in der Politik nach Einfluss strebten, und dass Pythagoras selbst politisch aktiv war und daher auch erbitterte Gegner hatte. Die Berichte sind in manchen Einzelheiten widersprĂŒchlich. Diogenes Laertios schreibt, Pythagoras habe mit der Gemeinschaft seiner SchĂŒler in der Stadt Kroton, wo er lange lebte, die politische Macht ausgeĂŒbt. Er soll der Stadt eine aristokratische Verfassung gegeben und nach dieser regiert haben.[46] Diese Angabe wird von der Forschung als unglaubwĂŒrdig eingestuft, doch ist davon auszugehen, dass Pythagoras mit seinen AnhĂ€ngern im Stadtrat und in der Volksversammlung seinen Standpunkt geltend machte und dabei teilweise erfolgreich war.[47] Überliefert sind AuszĂŒge aus vier Reden, in denen er in Kroton sein Tugendideal erlĂ€utert haben soll – eine an den Rat der Stadt, eine an die jungen MĂ€nner, eine an die Knaben und eine an die Frauen. Ob die ĂŒberlieferten Texte authentisches Material enthalten, ist unklar, doch scheint der Inhalt frĂŒhpythagoreisch zu sein.[48] Die Entscheidung der Krotoniaten, FlĂŒchtlinge aus Sybaris nicht an diese Stadt auszuliefern, sondern lieber einen Krieg in Kauf zu nehmen, der dann mit der Eroberung und Zerstörung von Sybaris endete, war auf das Eingreifen des Pythagoras zurĂŒckzufĂŒhren.[8] Sein Einfluss rief aber auch heftige Opposition hervor, die ihn veranlasste, Kroton zu verlassen und nach Metapont zu ĂŒbersiedeln.[49]

Erst Jahrzehnte nach dem Tod des Pythagoras, um die Mitte des 5. Jahrhunderts, kam es in mehreren StĂ€dten zu blutigen Auseinandersetzungen um die Pythagoreer, die fĂŒr diese katastrophal endeten; sie wurden teils getötet, teils vertrieben.[50]

Die HintergrĂŒnde der Feindseligkeit gegen die Gemeinschaft und ihren GrĂŒnder sind schwer durchschaubar; manchen Berichten zufolge spielten persönliche Motive der Gegner wie Neid und Missgunst eine wesentliche Rolle. Soweit dabei grundsĂ€tzliche Fragen in Betracht kamen, standen die Pythagoreer auf der Seite der „Aristokratie“ und ihre Gegner auf derjenigen der „Demokratie“. Die FlĂŒchtlinge aus Sybaris, fĂŒr die Pythagoras eintrat, waren wohlhabende BĂŒrger, die auf Veranlassung eines VolksfĂŒhrers enteignet und verbannt worden waren. Jedenfalls war die Politik der Pythagoreer entsprechend ihrem generellen Harmonie-Ideal konservativ und auf StabilitĂ€t bedacht; dies machte sie zu VerbĂŒndeten der traditionell im Rat dominierenden Geschlechter. Ihre natĂŒrlichen Gegenspieler waren damit die Volksredner, die nur durch Einfluss auf die Massen an die Macht kommen konnten und Unzufriedenheit nutzten, um fĂŒr einen Umsturz zu agitieren.[51]

Religion und Seelenlehre

Die Pythagoreer betrachteten die von ihnen angenommene Harmonie in der Natur und speziell in den gleichmĂ€ĂŸigen Kreisbewegungen der Himmelskörper als Manifestation einer göttlichen Weltlenkung. In der Epoche des Hellenismus gab es bei ihnen einen astrologischen Fatalismus, also die Lehre von der zwangslĂ€ufigen ewigen Wiederkunft aller irdischen VerhĂ€ltnisse entsprechend der zyklischen Natur der Gestirnbewegungen. Wenn alle Planeten nach Ablauf einer langen kosmischen Periode, des „Großen Jahres“, ihre Ausgangsstellung wieder erreicht haben, beginnt nach diesem Mythos die Weltgeschichte von neuem als exakte Wiederholung.[52] Diese Vorstellung, die spĂ€ter auch bei Stoikern verbreitet war und in der Neuzeit von Nietzsche aufgegriffen wurde, fĂŒhrte man in der Antike auf Pythagoras zurĂŒck[53] – ob mit Recht, ist ungewiss.

Sicher ist hingegen, dass Pythagoras von der Seelenwanderung ĂŒberzeugt war und dabei keinen Wesensunterschied zwischen menschlichen und tierischen Seelen annahm. Diese religiöse Idee hatten schon zuvor die Orphiker vertreten. Sie setzte die Überzeugung von der Unsterblichkeit der Seele voraus. Einer Legende zufolge war Pythagoras imstande, sich an seine frĂŒheren Inkarnationen zu erinnern, zu denen der trojanische Held Euphorbos gehörte. Den Schild des Euphorbos, der in Argos im Tempel der Hera als BeutestĂŒck aufbewahrt wurde, soll Pythagoras als den seinigen erkannt haben.[54]

Zum Kernbestand des ursprĂŒnglichen Pythagoreismus gehörte auch der Vegetarismus, der als „Enthaltung vom Beseelten“ bezeichnet wurde.[55] Dieser Vegetarismus war religiös und ethisch motiviert; gemĂ€ĂŸ dem Prinzip der Enthaltung wurden neben der Fleischnahrung auch die Tieropfer verworfen. Pythagoras selbst war Vegetarier; inwieweit seine AnhĂ€nger ihm darin folgten, ist unklar. Ein fĂŒr alle verbindliches Gebot gab es offenbar nicht, doch dĂŒrfte zumindest der engere SchĂŒlerkreis vegetarisch gelebt haben.[56]

BerĂŒhmt war in der Antike ein strenges Tabu der Pythagoreer gegen den Verzehr von Bohnen. Die Forschung nimmt einhellig an, dass das Bohnenverbot auf Pythagoras selbst zurĂŒckzufĂŒhren ist. Ob das Motiv dafĂŒr ausschließlich mythisch-religiös oder auch diĂ€tetisch war und welcher Gedankengang dahinter stand, war schon in der Antike strittig und ist bis heute nicht geklĂ€rt. Die in der Moderne erwogene Hypothese eines Zusammenhangs mit dem Favismus, einer erblichen Enzymkrankheit, bei welcher der Genuss von Ackerbohnen (Vicia faba) gesundheitsgefĂ€hrlich ist, findet in den Quellen keine konkrete StĂŒtze und ist daher spekulativ.[57]

SchĂŒlergemeinschaft

Auch hinsichtlich der Organisation und des Zwecks der von Pythagoras gegrĂŒndeten Gemeinschaft gehen die Ansichten in der Forschung weit auseinander. Der Schamanismusthese entspricht die Vorstellung eines religiösen Bunds, dessen Angehörige zu strenger Verschwiegenheit verpflichtet und von der Göttlichkeit ihres Meisters restlos ĂŒberzeugt waren und unablĂ€ssig eine Vielzahl von archaischen Tabus befolgen mussten.[58] Die gegenteilige Auffassung (Wissenschaftsthese) besagt, dass es sich ursprĂŒnglich um einen lockeren Zusammenschluss von autonom forschenden Individuen handelte, vergleichbar den spĂ€teren Schulen von Platon und Aristoteles.[59] FĂŒr beide Deutungen gibt es Indizien. FĂŒr die Wissenschaftsthese spricht, dass es unter den Pythagoreern offenbar sehr unterschiedliche Auffassungen ĂŒber religiös-philosophische und naturkundliche Fragen gab.[60] FĂŒr die Annahme eines auf verbindliche GrundsĂ€tze verpflichteten, relativ engen Bundes spricht, dass die Pythagoreer grĂ¶ĂŸten Wert auf Freundschaft und gegenseitige unbedingte LoyalitĂ€t legten.[61] Im Unterschied zu den Schulen von Platon und Aristoteles hatten die Pythagoreer nach dem Tod des Pythagoras anscheinend keinen allgemein anerkannten Scholarchen (Schuloberhaupt).[62]

SpĂ€testens um die Mitte des 5. Jahrhunderts gab es unter denen, die sich zur Tradition des Pythagoras bekannten, zwei Gruppen, die „Akusmatiker“ und die „Mathematiker“; in spĂ€ten Quellen ist auch von „Exoterikern“ und „Esoterikern“ die Rede, im 4. Jahrhundert v. Chr. unterschied man zwischen „Pythagoreern“ und „Pythagoristen“.[63] Die Akusmatiker orientierten sich an „Akusmata“ (Gehörtes), die „Mathematiker“ an „Mathemata“ (LerngegenstĂ€nde, Erfahrungswissen; nicht nur speziell Mathematik im modernen Wortsinn). Zwischen ihnen kam es nach einem Bericht, den manche Forscher auf Aristoteles zurĂŒckfĂŒhren,[64] zu einem unbekannten Zeitpunkt nach dem Tod des SchulgrĂŒnders zu einer Spaltung, wobei jede Gruppe fĂŒr sich in Anspruch nahm, die ursprĂŒngliche Tradition des Pythagoras fortzusetzen. Unklar ist, ob bzw. inwieweit die zwei Richtungen schon zu Lebzeiten des Pythagoras bestanden und von ihm gewollt waren und gegebenenfalls, welche damals dominierte. Die Mathematiker trieben Studien im Sinne der Wissenschaftsthese, wĂ€hrend die Akusmatiker sich an religiös-philosophischen Lehren orientierten, fĂŒr die sie sich auf mĂŒndliche Unterweisungen des Pythagoras beriefen. Bei den Akusmatikern herrschte offenbar ein religiöser AutoritĂ€tsglaube, die Überzeugung von der ĂŒbermenschlichen Natur und Unfehlbarkeit des Meisters im Sinne der Schamanismusthese. Daher antworteten sie auf EinwĂ€nde einfach mit dem „AutoritĂ€tsbeweis“ („Er selbst [Pythagoras] hat es gesagt“).[65] Das wurde von den Mathematikern kritisiert. Angaben spĂ€ter Quellen, wonach es eine esoterische Geheimlehre des Pythagoras gab, die nur den zu strengem Schweigen verpflichteten Akusmatikern offenbart wurde, hĂ€lt Zhmud fĂŒr unglaubwĂŒrdig, wĂ€hrend Burkert auch hier die Gegenposition vertritt und den ursprĂŒnglichen Pythagoreismus in die NĂ€he der Mysterienkulte rĂŒckt.

Eine wichtige Rolle spielte das in Anekdoten fortlebende pythagoreische Freundschaftskonzept.[66] Pythagoras soll ein Ideal universaler Freundschaft und Harmonie gepredigt und verwirklicht haben, das an den Mythos vom paradiesischen Goldenen Zeitalter erinnert.[67] Wie die Freundschaft in die allgemeine Harmonielehre eingebettet wurde, zeigt eine spĂ€tantike, aber wohl aus einer frĂŒhpythagoreischen Quelle stammende Darstellung:

„In herrlicher Klarheit lehrte Pythagoras die Freundschaft aller mit allen: Freundschaft der Götter mit den Menschen durch Frömmigkeit und wissende Verehrung, Freundschaft der Lehren untereinander und ĂŒberhaupt Freundschaft der Seele mit dem Leibe, Freundschaft des Vernunftbegabten mit den Arten des Vernunftlosen durch Philosophie und die ihr eigene geistige Anschauung. Freundschaft der Menschen untereinander, Freundschaft unter MitbĂŒrgern durch Gesetzestreue, die den Staat gesund erhĂ€lt, Freundschaft VerschiedenstĂ€mmiger durch richtige Naturerkenntnis, Freundschaft zwischen Mann und Frau, Kindern, Geschwistern und Hausgenossen 
 Freundschaft des sterblichen Leibes in sich selbst, Befriedung und Versöhnung der einander entgegenwirkenden KrĂ€fte, die in ihm verborgen sind, 
 Dass in all diesen Dingen der Name „Freundschaft“ ein und derselbe ist und sie beherrschend zusammenfasst, hat 
 Pythagoras entdeckt und festgelegt.[67]“

Nach Angaben antiker Quellen herrschte bei den SchĂŒlern des Pythagoras der Grundsatz, dass der Besitz der Freunde gemeinsam sei (koinĂĄ ta tƍn phĂ­lƍn), also eine „kommunistische“ GĂŒtergemeinschaft. Dieses Konzept scheint aber, falls es tatsĂ€chlich praktiziert wurde, nur von einem kleinen Personenkreis umgesetzt worden zu sein. Daneben gibt es auch Berichte ĂŒber Pythagoreer, die ĂŒber Privateigentum verfĂŒgten und einander in materiellen Notlagen großzĂŒgig unterstĂŒtzten. Auch dies war eine Konsequenz aus der Idee vom gemeinsamen Gut der Freunde.[68] Privatbesitz wurde nicht verworfen, aber Pythagoras wandte sich mit SchĂ€rfe gegen den Luxus und trat – wie zahlreiche spĂ€tere antike Philosophen – fĂŒr eine einfache, frugale Lebensweise ein.[69]

Ikonographie

In der antiken Literatur sind mehrere (mindestens zwei) Statuen des Pythagoras bezeugt. Eine befand sich in Rom, eine andere, die ihn stehend zeigte, in Konstantinopel.[70]

Auf den RĂŒckseiten von BronzemĂŒnzen, die im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. auf Samos geprĂ€gt wurden, ist Pythagoras stehend oder sitzend abgebildet. Der sitzende Pythagoras hĂ€lt in der linken Hand ein Szepter; das Herrschaftssymbol macht ihn als geistigen FĂŒrsten kenntlich. In der Rechten hĂ€lt er – ebenso wie der stehende Pythagoras – einen Stab, mit dem er auf einen Globus zeigt. Diese MĂŒnzbilder sind nach dem Vorbild von Buchillustrationen, Statuen oder Reliefs gestaltet. FĂŒr einen um 400 n. Chr. geprĂ€gten Kontorniaten, der den Philosophen mit langem Spitzbart und Kopfbinde zeigt, in nachdenklicher Haltung auf einem Lehnsessel sitzend, war vermutlich eine Buchillustration das Muster. Zwei SilbermĂŒnzen aus Abdera (um 430–420 v. Chr.) zeigen den Kopf eines Mannes mit kurzem Bart in einem Linienquadrat mit der Inschrift Pythagores; offenbar ist der Philosoph gemeint.[71]

Eine BronzebĂŒste im ArchĂ€ologischen Nationalmuseum in Neapel, die in der Villa dei Papiri in Herculaneum gefunden wurde, sowie eine Marmorherme in den Kapitolinischen Museen in Rom stellen sehr wahrscheinlich Pythagoras dar. DafĂŒr spricht die turbanartige Kopfbedeckung des Philosophen, ein Bestandteil orientalischer Tracht, der offenbar ebenso wie die Kopfbinde auf dem Kontorniaten an die Legende von der Indienreise des Pythagoras erinnern soll. Von der BronzebĂŒste, die um 360–350 v. Chr. entstanden ist, sind sieben Repliken erhalten. Die Herme wird um 120 n. Chr. datiert.[72]

In der zweiten HĂ€lfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. entstanden zwei Reliefs. Eines von ihnen stammt aus Sparta und befindet sich im dortigen Museum. Es zeigt den sitzenden Pythagoras zusammen mit Orpheus in einer Landschaft mit Tieren. Sein Attribut ist ein Adler. In der linken Hand hĂ€lt er eine geschlossene Buchrolle, in der rechten eine geöffnete. Offenbar soll die Verbindung zwischen der orphischen und der pythagoreischen Lehre dargestellt werden. Auf dem anderen Relief, das auf Samos gefunden wurde, ist Pythagoras sitzend mit Musen abgebildet. Eine der Musen bekrĂ€nzt ihn. Ein Zeigestock und ein Kasten fĂŒr Buchrollen kennzeichnen ihn als Philosophen.[73]

Rezeption

In der Antike ebenso wie im Mittelalter und in der FrĂŒhen Neuzeit gehörte Pythagoras zu den bekanntesten antiken Persönlichkeiten, wobei das Pythagoras-Bild stark von Legenden geprĂ€gt war.

Antike

→ FĂŒr die Geschichte der von Pythagoras gegrĂŒndeten Schule siehe Pythagoreer und Liste bekannter Pythagoreer

Nachwirkung der Lehre

Als die Schule des Pythagoras nach der Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. im Verlauf politischer Wirren untergegangen war, kam es zu einem Bruch der KontinuitĂ€t, obwohl sich einzelne versprengte Pythagoreer weiterhin bemĂŒhten, die Tradition fortzusetzen und sie auch in Griechenland heimisch zu machen. Eine Ausnahme bildete die Stadt Tarent, wo der Pythagoreismus noch im 4. Jahrhundert blĂŒhte.

Platon erwĂ€hnt Pythagoras bzw. die Pythagoreer nur zweimal namentlich. Er war aber schon auf seiner ersten Italienreise mit Pythagoreern in Kontakt gekommen und blieb insbesondere mit dem Pythagoreer Archytas von Tarent in Verbindung. Von seinen Dialogen sind zwei der berĂŒhmtesten, der Timaios und der Phaidon, von pythagoreischem Gedankengut beeinflusst. Die Vermutungen der Forscher darĂŒber, wie stark dieser Einfluss war und wie er sich konkret Ă€ußerte, sind allerdings großenteils spekulativ. Platons SchĂŒler und Nachfolger als Scholarch (Leiter) der Akademie, Speusippos, schrieb ein Buch ĂŒber pythagoreische Zahlen, und auch Speusippos' Nachfolger Xenokrates widmete dem Thema Pythagoreismus eine eigene Schrift. Auch Aristoteles interessierte sich stark fĂŒr den Pythagoreismus und setzte sich kritisch damit auseinander, doch gehört das meiste, was er darĂŒber schrieb, zum verlorenen Teil seiner Werke.

Im 1. Jahrhundert v. Chr. kam es im Römischen Reich zu einer Wiederbelebung. Dieser „Neupythagoreismus“, der bis in die SpĂ€tantike fortdauerte, war großenteils von Platonikern bzw. Neuplatonikern getragen, die kaum zwischen Pythagoreismus und Platonismus unterschieden. Im Neupythagoreismus waren frĂŒhpythagoreische Ideen mit Ă€lteren und jĂŒngeren Legenden und (neu)platonischen Lehren verschmolzen.

Urteile ĂŒber Pythagoras

MĂŒnzabbildung des Pythagoras

Zu seinen Lebzeiten war Pythagoras umstritten; seine politischen AktivitĂ€ten schufen ihm Gegner, und sein Zeitgenosse Heraklit kritisierte ihn scharf. Heraklit bezeichnete ihn als „Oberschwindler“ (kopĂ­dƍn archēgĂłs) und warf ihm „Vielwisserei“ vor, die Pythagoras ohne Verstand praktiziere, also bloßes Ansammeln von Wissensstoff ohne wirkliches VerstĂ€ndnis.[74] Heraklit lebte in Ephesos in Kleinasien, also lagen dort damals bereits Nachrichten ĂŒber das Wirken des Pythagoras in Italien vor. Ein anderer Zeitgenosse, der in Italien tĂ€tige Philosoph Xenophanes, gehörte ebenfalls zu den Gegnern.[75] In einigen Quellen findet sich ein Nachhall der politischen Konflikte; da ist davon die Rede, Pythagoras und seine SchĂŒler hĂ€tten eine Tyrannis angestrebt.[76]

Das Urteil der antiken Nachwelt fiel jedoch fast einhellig sehr gĂŒnstig aus. Nur gelegentlich wurden einzelne religiöse Ansichten des Pythagoras ironisch erwĂ€hnt.[77] Empedokles spendete hohes Lob,[78] Herodot und Platon Ă€ußerten sich respektvoll. Auch der einflussreiche Geschichtsschreiber Timaios von Tauromenion hegte offenbar Sympathie fĂŒr Pythagoras.[79]

Um 430–420 wurden in der Stadt Abdera in Thrakien MĂŒnzen mit dem Bildnis und Namen des Pythagoras geprĂ€gt. Das war eine fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse einzigartige Ehrung fĂŒr einen Philosophen, zumal Abdera nicht seine Vaterstadt war.[80] Dies dĂŒrfte damit zusammenhĂ€ngen, dass der Philosoph Demokrit aus Abdera stammte und damals dort lebte. Demokrit war erheblich vom Pythagoreismus beeinflusst.[81]

Die Römer folgten im spĂ€ten 4. Jahrhundert einem Rat des Orakels von Delphi, der besagte, dass sie ein Abbild des tapfersten und eines des weisesten Griechen aufstellen sollten. Sie errichteten auf dem Comitium eine Statue des Feldherrn Alkibiades und eine des Pythagoras. Plinius der Ältere, der dies berichtet, drĂŒckt sein Erstaunen darĂŒber aus, dass sie sich fĂŒr Pythagoras und nicht fĂŒr Sokrates entschieden.[82] In Rom kursierte spĂ€testens im frĂŒhen 2. Jahrhundert v. Chr. ein (allerdings mit der Chronologie unvereinbares) GerĂŒcht, wonach der wegen seiner Weisheit verehrte zweite römische König, der Gesetzgeber Numa Pompilius, Pythagoreer war; diese Vorstellung zeugt vom hohen Ansehen des Pythagoras.[83] Cicero wies auf die gewaltige, lange anhaltende AutoritĂ€t des Pythagoras in Unteritalien hin.[84]

Die Quellen der römischen Kaiserzeit schildern Pythagoras als Reformer, welcher der Sittenverderbnis seiner Zeit kraftvoll entgegentrat und durch sein Vorbild und seine Beredsamkeit die Tugenden erneuerte. Ovid zeichnet im 15. Buch seiner Metamorphosen ein sehr vorteilhaftes Bild von der Weisheit und GĂŒte des Philosophen. Der Pythagoreer Apollonius von Tyana[85] und die Neuplatoniker Porphyrios und Iamblichos verfassten Pythagoras-Biographien. Porphyrios und Iamblichos beschrieben Pythagoras als Urbild eines edlen Weisheitslehrers und WohltĂ€ters. Hochachtung Ă€ußerten auch Christen im 2. Jahrhundert (Clemens von Alexandria, Hippolyt von Rom).[86]

Mittelalter

In der lateinischsprachigen Gelehrtenwelt des Mittelalters wirkte das gewaltige Ansehen, dessen sich Pythagoras im Altertum erfreute, stark nach, obwohl man damals keine der antiken Biographien des Philosophen besaß und nur ĂŒber vereinzelte Informationen verfĂŒgte. Seine mit kirchlichen Lehren unvereinbare Auffassung vom Schicksal der Seele nach dem Tod wurde zwar heftig verdammt,[87] doch schadete dies dem Ruf seiner Weisheit kaum. Neben Ovids Darstellung und derjenigen des Junianus Justinus[88] waren die Hauptquellen damals die spĂ€tantiken und patristischen Autoren Martianus Capella, Hieronymus,[89] Augustinus,[90] Boethius,[91] Cassiodor[92] und Isidor von Sevilla.[93] Die mittelalterlichen Gebildeten sahen in Pythagoras den BegrĂŒnder der Musikwissenschaft und der Mathematik, einen prominenten VerkĂŒnder der Unsterblichkeit der Seele und den Erfinder des Begriffs „Philosophie“.

BerĂŒhmt war die Symbolik des „pythagoreischen Buchstabens“ Y, der mit seiner gegabelten Gestalt als Zeichen fĂŒr den Scheideweg des menschlichen Lebens diente: an der Wegscheide hatte man zwischen dem Pfad der Tugend und dem des Lasters zu wĂ€hlen.[94] Die teils in rĂ€tselhafter VerhĂŒllung formulierten SprĂŒche und Lebensregeln der Pythagoreer und die asketischen Aspekte der pythagoreischen Sittenlehre standen mit mittelalterlichen Vorstellungen und BedĂŒrfnissen in Einklang. Einen Eindruck von dem positiven Pythagorasbild des SpĂ€tmittelalters vermitteln zwei damals sehr populĂ€re Werke, das Speculum historiale des Vinzenz von Beauvais[95] und der Liber de vita et moribus philosophorum (Buch ĂŒber das Leben und die Sitten der Philosophen), der frĂŒher zu Unrecht Walter Burley zugeschrieben wurde.[96] Francesco Petrarca Ă€ußerte seine Bewunderung fĂŒr Pythagoras im Stil des im Mittelalter ĂŒblichen Pythagoras-Lobs.[97]

Zwei antike Kommentare zu den „Goldenen Versen“ waren im Mittelalter in arabischer Übersetzung in der islamischen Welt verbreitet.

Neuzeit

In der FrĂŒhen Neuzeit wurde die Quellenbasis stark verbreitert. Im Jahr 1433 hatte Ambrogio Traversari die Philosophenbiographien des Diogenes Laertios, zu denen eine Lebensbeschreibung des Pythagoras gehörte, ins Lateinische ĂŒbersetzt; durch die 1472 erschienene Erstausgabe der lateinischen Fassung wurde das Werk breiteren Kreisen bekannt. SpĂ€ter kamen die Pythagoras verherrlichenden Biographien hinzu; die von Iamblichos verfasste wurde 1598 erstmals gedruckt, die von Porphyrios stammende 1610. Verbreitet waren eine Reihe von (neu)pythagoreischen Briefen und Schriften aus der Antike, die zu Unrecht Pythagoras bzw. Personen aus seiner Umgebung zugeschrieben wurden (Pseudepigrapha). Die Briefe lagen seit 1499 gedruckt vor.[98] Besonders geschĂ€tzt und auch als SchullektĂŒre verwendet wurden in der Renaissance die „Goldenen Verse“.

Insgesamt dominierte das Pythagorasbild der antiken Neupythagoreer und Neuplatoniker. Giovanni Pico della Mirandola (1463–1494) bezeichnete sich als Pythagoreer.[99] Der Humanist Johannes Reuchlin (1455–1522) machte es sich zur Aufgabe, seinen Zeitgenossen die Gedankenwelt des Pythagoras zu erschließen, dessen Lehren nach Reuchlins Überzeugung mit denjenigen der Kabbala ĂŒbereinstimmten. Giordano Bruno meinte, die Methode des Pythagoras sei „besser und reiner“ als diejenige Platons.[100] Stark von einer pythagoreischen Betrachtungsweise geprĂ€gt war der Astronom und Naturphilosoph Johannes Kepler (1571–1630). Er versuchte die Planetenbewegungen als Ausdruck einer vollkommenen Weltharmonie zu erweisen und astronomische Proportionen mit musikalischen zu verbinden, womit er bewusst ein Kernanliegen der antiken Pythagoreer aufgriff.

Im 18. und 19. Jahrhundert gab es unter italienischen Philosophen und Kulturhistorikern eine nationalistische Richtung, welche die ruhmreiche „italische Weisheit“ (italica sapienza) pries, zu welcher man auch die Lehre des Pythagoras zĂ€hlte, die als Errungenschaft Italiens betrachtet wurde (Hauptvertreter im 18. Jahrhundert: Giambattista Vico, im 19. Jahrhundert: Vincenzo Gioberti). 1873 wurde in Neapel eine „Accademia Pitagorica“ gegrĂŒndet, der u.a. Pasquale Stanislao Mancini und Ruggero Bonghi angehörten. Noch im frĂŒhen 20. Jahrhundert vertrat der Althistoriker und ArchĂ€ologe JĂ©rĂŽme Carcopino die Ansicht, der Pythagoreismus sei eine spezifisch italische Weltanschauung gewesen, die zeitweilig auch auf das politische Geschick SĂŒditaliens maßgeblichen Einfluss genommen habe.[101]

Im 20. Jahrhundert bemĂŒhte sich der Musikwissenschaftler Hans Kayser um eine „harmonikale Grundlagenforschung“, mit der er an das pythagoreische Denken anknĂŒpfte.

Eine noch heute nachwirkende spĂ€te Pythagoraslegende ist die Behauptung, der Philosoph habe den „Pythagorasbecher“ erfunden. Die Konstruktion dieses Bechers verhindert, dass man ihn ganz fĂŒllt und dann austrinkt, denn sie bewirkt, dass er sich vorher schlagartig leert. Solche Becher werden auf Samos als Souvenirs fĂŒr Touristen produziert. Mit dem historischen Pythagoras und seiner Schule hat das nichts zu tun.

1935 wurde von der IAU der Mondkrater Pythagoras nach ihm benannt.

Siehe auch

Ausgaben und Übersetzungen von Quellen

  • Otto Apelt (Übers.): Diogenes Laertius: Leben und Meinungen berĂŒhmter Philosophen. 3. Auflage, Hamburg 1998, ISBN 3-7873-1361-3, S. 111–134 (Diogenes Laertios, Vitae philosophorum 8.1–50)
  • Édouard des Places (Hrsg.): Porphyre: Vie de Pythagore, Lettre Ă  Marcella. Paris 1982 (griechischer Text und französische Übersetzung von Porphyrios, Vita Pythagorae)
  • Michael von Albrecht (Hrsg.): Jamblich: Pythagoras. Legende – Lehre – Lebensgestaltung. Darmstadt 2002, ISBN 3-534-14945-9 (griechischer Text und deutsche Übersetzung von Iamblichos, De vita Pythagorica)
  • Rita Cuccioli Melloni: Ricerche sul Pitagorismo, 1: Biografia di Pitagora. Bologna 1969 (Zusammenstellung der antiken Quellenzeugnisse ĂŒber das Leben des Pythagoras; griechische und lateinische Texte mit italienischer Übersetzung)
  • Maurizio Giangiulio: Pitagora. Le opere e le testimonianze. 2 BĂ€nde, Milano 2000, ISBN 88-04-47349-5 (Quellensammlung; griechische Texte mit italienischer Übersetzung)
  • Jaap Mansfeld: Die Vorsokratiker I. Stuttgart 1999, ISBN 3-15-007965-9 (S. 122–203 griechische Quellen mit deutscher Übersetzung; die Einleitung entspricht teilweise nicht dem aktuellen Forschungsstand)

Literatur

Wichtigste Standardwerke

  • Walter Burkert: Weisheit und Wissenschaft. Studien zu Pythagoras, Philolaos und Platon. Verlag Hans Carl, NĂŒrnberg 1962
  • Walter Burkert: Lore and Science in Ancient Pythagoreanism. Harvard University Press, Cambridge (Mass.) 1972, ISBN 0-674-53918-4 (ĂŒberarbeitete Fassung von Burkerts „Weisheit und Wissenschaft“)
  • Kurt von Fritz: Pythagoras. In: Pauly-Wissowa RE 47, 1963, Sp. 172−209
  • Peter Gorman: Pythagoras. A Life. London 1979, ISBN 0-7100-0006-5
  • James A. Philip: Pythagoras and Early Pythagoreanism. Toronto 1966
  • Bartel Leendert van der Waerden: Die Pythagoreer. ZĂŒrich – MĂŒnchen 1979, ISBN 3-7608-3650-X
  • Cornelia J. de Vogel: Pythagoras and Early Pythagoreanism. Assen 1966
  • Leonid Zhmud: Wissenschaft, Philosophie und Religion im frĂŒhen Pythagoreismus. Akademie Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-05-003090-9

Bibliographie

Weblinks

 Wikisource: Pythagoras von Samos â€“ Quellen und Volltexte
 Commons: Pythagoras von Samos â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. ↑ Zur Datierung Zhmud (1997) S. 51f.
  2. ↑ Philip S. 185f.; Nancy Demand: Pythagoras, Son of Mnesarchos. In: Phronesis 18, 1973, S. 91–96.
  3. ↑ Zhmud (1997) S. 50f. beurteilt diese Überlieferung skeptisch; Gorman S. 25–31 hingegen schenkt ihr Vertrauen.
  4. ↑ Kurt von Fritz, Pythagoras. In: Pauly-Wissowa RE Bd. 47, 1963, S. 179–186; Philip S. 189–191; van der Waerden S. 44–48; Gorman S. 43–68; ablehnend Zhmud (1997) S. 57–64.
  5. ↑ Zhmud (1997) S. 51.
  6. ↑ Zur Datierung Burkert (1962) S. 176, de Vogel S. 21–23, Zhmud (1997) S. 51f.; zum antiken Kenntnisstand ĂŒber die Datierung siehe Cicero: De re publica 2.28–30 und dazu Karl BĂŒchner: M. Tullius Cicero, De re publica. Kommentar, Heidelberg 1984, S. 197–199.
  7. ↑ De Vogel S. 148–150.
  8. ↑ a b Van der Waerden S. 203–206.
  9. ↑ Eduard Zeller / Rodolfo Mondolfo, La filosofia dei Greci nel suo sviluppo storico, Bd. 1(2), 5. Auflage, Firenze 1938, S. 423–425, bes. S. 425 Anm. 2; Burkert (1962) S. 178 u. Anm. 20, 182f.; Rita Cuccioli Melloni: Ricerche sul Pitagorismo, 1: Biografia di Pitagora, Bologna 1969, S. 35–38.
  10. ↑ Pierre BoyancĂ©: Le culte des Muses chez les philosophes grecs, Paris 1937, S. 234–236; Burkert (1962) S. 178 Anm. 20; Georges Vallet: Le „stenopos“ des Muses Ă  MĂ©taponte. In: MĂ©langes de philosophie, de littĂ©rature et d’histoire ancienne offerts Ă  Pierre BoyancĂ©, Rom 1974, S. 749–759.
  11. ↑ Burkert (1962) S. 180; Zhmud (1997) S. 55f.
  12. ↑ Diogenes Laertios 8.7.
  13. ↑ Johan C. Thom: The Pythagorean Golden Verses, Leiden 1995 (Textausgabe mit englischer Übersetzung, EinfĂŒhrung und Kommentar).
  14. ↑ Erich Frank vertrat diesen Standpunkt in seiner Untersuchung Plato und die sogenannten Pythagoreer, Halle 1923 radikal; in einer spĂ€teren Arbeit (Wissen, Wollen, Glauben, ZĂŒrich 1955, S. 81f.) rĂŒckte er von der extremen Position ab.
  15. ↑ Zhmud hat seine Position in der 1997 veröffentlichten Monographie Wissenschaft, Philosophie und Religion im frĂŒhen Pythagoreismus ausfĂŒhrlich dargelegt und 2005, auf seither erschienene Literatur eingehend, seine Argumentation zusammengefasst: Leonid Zhmud: Überlegungen zur pythagoreischen Frage. In: Georg Rechenauer (Hrsg.): FrĂŒhgriechisches Denken, Göttingen 2005, S. 135–151.
  16. ↑ In der Monographie Weisheit und Wissenschaft (1962); in der ĂŒberarbeiteten englischen Übersetzung Lore and Science in Ancient Pythagoreanism (1972) hat Burkert, auf Kritik reagierend, einige seiner Annahmen geĂ€ndert.
  17. ↑ Van der Waerden S. 51–60, Gorman S. 19f.
  18. ↑ Heraklit, Fragment B 129.
  19. ↑ Zur Deutung des Heraklit-Fragments siehe Zhmud (1997) S. 34–38.
  20. ↑ Walter Burkert, Platon oder Pythagoras? In: Hermes 88, 1960, S. 159–177.
  21. ↑ De Vogel S. 96–102; Robert Joly, Platon ou Pythagore? In: Hommages à Marie Delcourt, Bruxelles 1970, S. 136–148; Zhmud (1997) S. 290–292.
  22. ↑ Burkert (1962) S. 68–70, Zhmud (1997) S. 292–295.
  23. ↑ Aristoxenos, Fragment 23; Aristoteles, Metaphysik 985b23ff.
  24. ↑ Burkert (1962) S. 383f.
  25. ↑ Zhmud (1997) S. 59, 143–145.
  26. ↑ Zhmud (1997) S. 156, van der Waerden S. 32.
  27. ↑ Burkert (1962) S. 418.
  28. ↑ Burkert (1962) S. 381ff.
  29. ↑ Zhmud (1997) S. 60–64, 142–151, 261–279; ebenso Carl A. Huffman: Philolaus of Croton, Cambridge 1993, S. 57–64. Anderer Meinung ist Hermann S. Schibli: On ‚The One’ in Philolaus, Fragment 7. In: Classical Quarterly 46, 1996, S. 114–130. Vgl. auch Charles H. Kahn: Pythagoras and the Pythagoreans. A Brief History, Indianapolis 2001, S. 28.
  30. ↑ Burkert S. 405f., 441ff.; Zhmud (1997) S. 160–163.
  31. ↑ Burkert S. 431–440, Zhmud (1997) S. 170–175.
  32. ↑ Kurt von Fritz: Die áŒ€ÏÏ‡Î±ÎŻ in der griechischen Mathematik. In: Archiv fĂŒr Begriffsgeschichte 1, 1955, S. 81ff.; Zhmud (1997) S. 162.
  33. ↑ Burkert (1962) S. 395, 414–419.
  34. ↑ Burkert (1962) S. 348–353.
  35. ↑ Zur antiken Überlieferung dieser Legende siehe Flora R. Levin: The Harmonics of Nicomachus and the Pythagorean Tradition, University Park (PA) 1975, S. 69–74; zur Nachwirkung im Mittelalter Hans Oppermann: Eine Pythagoraslegende. In: Bonner JahrbĂŒcher 130, 1925, S. 284–301 und Barbara MĂŒnxelhaus: Pythagoras musicus, Bonn 1976, S. 36–55.
  36. ↑ MĂŒnxelhaus S. 37f., 50–53.
  37. ↑ Zhmud (1997) S. 192ff., Burkert (1962) S. 350–357, van der Waerden S. 365–372, MĂŒnxelhaus S. 28f.
  38. ↑ De Vogel S. 162–166, van der Waerden S. 364f., Burkert (1962) S. 355, Zhmud (1997) S. 181–183, 233.
  39. ↑ So Ă€ußerte sich noch van der Waerden S. 256f.
  40. ↑ Burkert (1962) S. 293–295.
  41. ↑ Burkert (1962) S. 295–301, 315–328.
  42. ↑ Zhmud (1997) S. 57–64, 202–225, van der Waerden S. 427–438.
  43. ↑ Van der Waerden S. 100–103, 110–115, 434f.
  44. ↑ Burkert (1962) S. 328–335.
  45. ↑ Zhmud (1997) S. 219–225.
  46. ↑ Diogenes Laertios 8.3; vgl. Porphyrios, Vita Pythagorae 21; Iamblichos, De vita Pythagorica 33.
  47. ↑ Kurt von Fritz: Pythagorean Politics in Southern Italy, New York 1940 (Nachdruck New York 1977), S. 94–97, de Vogel S. 189–191, Zhmud (1997) S. 84.
  48. ↑ Iamblichos, De vita Pythagorica 37–57; zur Frage des Quellenwerts siehe de Vogel S. 70–147, van der Waerden S. 186–201.
  49. ↑ Van der Waerden S. 207–217.
  50. ↑ Van der Waerden S. 217–222.
  51. ↑ Von Fritz (1940) S. 29–32, 97–99.
  52. ↑ Van der Waerden S. 252–268.
  53. ↑ Porphyrios, Vita Pythagorae 19.
  54. ↑ Van der Waerden S. 55f.
  55. ↑ Griechisch áŒ€Ï€ÎżÏ‡áœŽ ጐΌψύχωΜ, Iamblichos, De vita Pythagorica 107; 168; 225; Porphyrios, Vita Pythagorae 7 (mit Berufung auf Eudoxos von Knidos).
  56. ↑ Johannes Haußleiter: Der Vegetarismus in der Antike, Berlin 1935, S. 97−157; Carmelo Fucarino: Pitagora e il vegetarianismo, Palermo 1982, S. 21−31.
  57. ↑ Zum Forschungsstand siehe Giovanni Sole: Il tabĂč delle fave, Soveria Mannelli 2004. Vgl. van der Waerden S. 169–171, Burkert (1962) S. 164–166, Zhmud (1997) S. 127f.
  58. ↑ Burkert (1962) S. 161–175.
  59. ↑ Zhmud (1997) S. 75–90.
  60. ↑ Zhmud (1997) S. 71, 79–81, 90, 268ff., 281f.
  61. ↑ Van der Waerden S. 175–181.
  62. ↑ Diogenes Laertios 8.43 nennt als Nachfolger des Pythagoras einen seiner Söhne namens Telauges, von dessen angeblicher TĂ€tigkeit als Schulleiter sich jedoch keine Spuren erhalten haben. Iamblichos, De vita Pythagorica 265 schreibt, der Name von Pythagoras' Nachfolger sei Aristaios gewesen.
  63. ↑ Van der Waerden S. 64ff.; Burkert S. 187–202; Zhmud (1997) S. 93–104.
  64. ↑ Burkert (1962) S. 190f.; van der Waerden (1979) S. 69–73; anders jedoch Zhmud (1997) S. 100–104.
  65. ↑ Antike Belege sind zusammengestellt von Arthur S. Pease (Hrsg.): M Tulli Ciceronis de natura deorum liber primus, Cambridge (Mass.) 1955, S. 149f.
  66. ↑ De Vogel S. 150–159 und 219, van der Waerden S. 177–180.
  67. ↑ a b Iamblichos, De vita Pythagorica 229–230.
  68. ↑ Edwin L. Minar: Pythagorean Communism. In: Transactions and Proceedings of the American Philological Association 75, 1944, S. 34–46; Manfred Wacht: GĂŒtergemeinschaft. In: Reallexikon fĂŒr Antike und Christentum Bd. 13, 1986, Sp. 2–4.
  69. ↑ De Vogel S. 233f.; Clara Talamo: Pitagora e la ΀Υ΄ΊΗ. In: Rivista di filologia e di istruzione classica 115, 1987, S. 385–404.
  70. ↑ Gisela M. A. Richter: The Portraits of the Greeks, Band 1, London 1965, S. 79.
  71. ↑ Karl Schefold: Die Bildnisse der antiken Dichter, Redner und Denker, Basel 1997, S. 106f., 412f., 424f. (mit Abbildungen); Gisela M. A. Richter: The Portraits of the Greeks, Band 1, London 1965, S. 79 und Supplement, London 1972, S. 5; Brigitte Freyer-Schauenburg: Pythagoras und die Musen? In: Heide Froning u. a. (Hrsg.): Kotinos. Festschrift fĂŒr Erika Simon, Mainz 1992, S. 323–329, hier: 327.
  72. ↑ Karl Schefold: Die Bildnisse der antiken Dichter, Redner und Denker, Basel 1997, S. 152–155, 344f.; Gisela M. A. Richter: The Portraits of the Greeks, Band 1, London 1965, S. 79.
  73. ↑ Karl Schefold: Die Bildnisse der antiken Dichter, Redner und Denker, Basel 1997, S. 124. Zum spartanischen Relief siehe Volker Michael Strocka: Orpheus und Pythagoras in Sparta. In: Heide Froning u. a. (Hrsg.): Kotinos. Festschrift fĂŒr Erika Simon, Mainz 1992, S. 276–283 und Tafeln 60 und 61. Zum samischen Relief siehe Brigitte Freyer-Schauenburg: Pythagoras und die Musen? In: Heide Froning u. a. (Hrsg.): Kotinos. Festschrift fĂŒr Erika Simon, Mainz 1992, S. 323–329 und Tafel 71.
  74. ↑ Heraklit, Fragmente B 40, B 81, B 129. Zweifel an der Echtheit von B 129 sind unbegrĂŒndet, siehe Zhmud (1997) S. 35−37.
  75. ↑ Zhmud (1997) S. 29f.
  76. ↑ Dieser Ansicht war beispielsweise Theopompos; Belege bei Burkert (1962) S. 184; siehe auch Bruno Centrone: Introduzione a i pitagorici, Roma 1996, S. 45.
  77. ↑ Burkert (1962) S. 115f., 136f.
  78. ↑ Fragment B 129. Er nennt dabei Pythagoras allerdings nicht namentlich; der Bezug ist daher nicht zweifelsfrei gesichert, aber vom Inhalt her höchst wahrscheinlich.
  79. ↑ Burkert (1962) S. 92.
  80. ↑ Abbildungen bei Christiane Joost-Gaugier: Measuring Heaven. Pythagoras and His Influence on Thought and Art in Antiquity and the Middle Ages, Ithaca 2006, S. 139, 141.
  81. ↑ Zhmud (1997) S. 39−41.
  82. ↑ Plinius, Naturalis historia 34.26. Zum Vorgang und seiner Datierung siehe Michel Humm: Les origines du pythagorisme romain. In: Les Études classiques 64, 1996, S. 345−350.
  83. ↑ Humm S. 340−345; Peter Panitschek: Numa Pompilius als SchĂŒler des Pythagoras. In: Grazer BeitrĂ€ge 17, 1990, S. 49−65.
  84. ↑ Cicero, Tusculanae disputationes 1.38; 4.2.
  85. ↑ Die von Apollonios verfasste Vita ist verloren. Nach herkömmlicher Auffassung war der Verfasser Apollonios von Tyana; anderer Meinung ist Peter Gorman, The „Apollonios“ of the Neoplatonic Biographies of Pythagoras. In: Mnemosyne 38, 1985, S. 130−144.
  86. ↑ Christiane Joost-Gaugier: Measuring Heaven. Pythagoras and His Influence on Thought and Art in Antiquity and the Middle Ages, Ithaca 2006, S. 41f.
  87. ↑ Zusammenstellung der zahlreichen Belege (auch zur literarischen Verwertung des Motivs) bei Wolfgang Maaz: Metempsychotica mediaevalia. In: ÏˆÏ…Ï‡Îź – Seele – anima. Festschrift fĂŒr Karin Alt zum 7. Mai 1998, Stuttgart 1998, S. 385−416.
  88. ↑ Junianus Justinus: Epitoma 20.4.
  89. ↑ Hieronymus: Epistula adversus Rufinum 39f. und Adversus Iovinianum 1.42.
  90. ↑ Augustinus: De civitate dei 8.2, 8.4, 18.37.
  91. ↑ Boethius: De institutione musica 1.1, 1.10−11, 1.33, 2.2−3.
  92. ↑ Cassiodor: Institutiones 2.4.1, 2.5.1−2.
  93. ↑ Isidor: Etymologiae 1.3.7, 3.2, 3.16.1, 8.6.2−3, 8.6.19−20.
  94. ↑ Wolfgang Harms: Homo viator in bivio. Studien zur Bildlichkeit des Weges, MĂŒnchen 1970; Hubert Silvestre: Nouveaux tĂ©moignages mĂ©diĂ©vaux de la Littera Pythagorae. In: Le Moyen Age 79, 1973, S. 201−207; Hubert Silvestre: Pour le dossier de l’Y pythagoricien. In: Le Moyen Age 84, 1978, S. 201−209.
  95. ↑ Vinzenz von Beauvais: Speculum historiale 3.23−26 (nach der Ausgabe Douai 1624; korrekt wĂ€re 4.23−26).
  96. ↑ Die dortige Pythagoras-Biographie ist herausgegeben von Jan Prelog, De Pictagora phylosopho. In: Medioevo 16, 1990, S. 191−251.
  97. ↑ Joost-Gaugier S. 74f.; Paolo Casini: L’antica sapienza italica. Cronistoria di un mito, Bologna 1998, S. 35f.
  98. ↑ Zu diesen Schriften siehe Gregor Staab, Pythagoras in der SpĂ€tantike, MĂŒnchen 2002, S. 69–72; Alfons StĂ€dele: Die Briefe des Pythagoras und der Pythagoreer, Meisenheim 1980 (Ausgabe der griechischen Texte mit deutscher Übersetzung und Kommentar).
  99. ↑ Casini S. 57–61.
  100. ↑ Vincenzo Capparelli: La sapienza di Pitagora, Bd. 1: Problemi e fonti d’informazione, Padova 1941, S. 1.
  101. ↑ JĂ©rĂŽme Carcopino: La basilique pythagoricienne de la Porte Majeure, Paris 1927, S. 163.
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Dieser Artikel wurde am 6. Januar 2008 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.
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