|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
Als QuĂ€kerzeugnis oder die âZeugnisse der QuĂ€kerâ wird das Verhalten der Mitglieder der QuĂ€ker bezeichnet, welches ihre Ăberzeugungen zum Ausdruck bringt. Es wird also in dem Sinne verwendet, dass âZeugnis von der eigenen Ăberzeugung der AuĂenwelt gegenĂŒber abgelegt wird.â Auch in anderen Religionen und Konfessionen wird der Begriff des Zeugnisses verwendet.
Siehe Hauptartikel: Zeugnis (Religion)
Inhaltsverzeichnis |
Von Anfang an haben QuĂ€ker sich nicht ĂŒber ein Glaubensbekenntnis definiert, sondern ĂŒber ihre Lebensweise. Sie soll Ausdruck ihrer Ăberzeugungen sein und im Einklang stehen mit dem, was sie glauben und lehren. Die frĂŒhen QuĂ€ker verstanden ihre Gemeinschaft als sichtbares Zeichen des Reiches Gottes und glaubten, dass es schon zu Lebzeiten möglich sei, auf vollkommene Weise zu leben.[1] Von daher ist die Ausrichtung der QuĂ€ker auf des Diesseits zu verstehen. Die Vorstellung einer posthumen Vervollkommnung des Menschen â etwa durch ein Fegefeuer â wird ausdrĂŒcklich verneint. So schrieb B. Holme:
âOder, glauben sie, dass es ein Fegefeuer oder einen Ort gebe, wo sie nach dem Tode von ihren SĂŒnden gereinigt werden könnten, was soll man sich dann wundern, wenn sie ein Leben fĂŒhren, das zur ErfĂŒllung und Befriedigung ihrer fleischlichen Begierden und Neigungen gereicht.â[2]
In diesen Auffassungen standen sie dem radikalen Pietismus sehr nahe. Eine Reihe von namhaften deutschen Konvertiten stammten aus diesem Umfeld, so zum Beispiel Johann Georg Ludwig Seebohm,[3] GrĂŒnder der Siedlung Friedensthal. Auch die Eidesleistung und der MilitĂ€rdienst wurden sowohl von radikalen Pietisten als auch von QuĂ€kern abgelehnt.
Zeugnis der IntegritĂ€t wird in der Regel das Zeugnis gegen das Schwören â bzw. â den Eid genannt. Die QuĂ€ker weigerten sich Eide zu leisten und lehnten es ab zu schwören, da sie zu jeder Zeit in ihrem Reden und Verhalten wahrhaftig sein wollten (nach Mt 5,34â37: Schwurverbot und Aufforderung zu klarer Rede: âEure Rede sei ja, ja; nein, nein. Was darĂŒber ist, das ist vom Ăbelâ).
Dieses Zeugnis diente gerade in den ersten Jahren den Gegnern der QuĂ€ker als willkommene AngriffsflĂ€che. Man brauchte einen QuĂ€ker nur wegen einer Lappalie vor Gericht bringen und ihn auffordern seine Aussagen unter Eid zu machen â was er stets verweigerte â um ihn kurz darauf wegen Missachtung des Gerichts ins GefĂ€ngnis werfen zu lassen.
Die Scheinheiligkeit des Gerichtes wird deutlich durch belegte FĂ€lle, in denen Gerichte QuĂ€ker zu Verhandlungen bestellt haben, ohne eine Kaution zu verlangen und sich allein auf das Wort stĂŒtzten, dass die QuĂ€ker versicherten zur Verhandlung zu erscheinen. Dies wird z. B. im Tagebuch (The Journal) von George Fox beschrieben.
Die Verweigerung des Eides hatte auch zur Folge, dass QuĂ€ker lange Zeit von öffentlichen Ămtern ausgeschlossen waren. Anderseits trug es auch zu ihrem wirtschaftlichen Erfolg bei. Denn als GeschĂ€fts- und Handelspartner waren sie aufgrund ihrer Ehrlichkeit sehr angesehen.
Das Friedenszeugnis teilt sich in ein so genanntes âhistorisches Friedenszeugnisâ und ein generelles oder praktisches Friedenszeugnis, wo z. B. die Verweigerung des Wehrdienstes dazu gehört. Und auch vom Historischen Friedenszeugnis gibt es zwei. Das erste wurde sofort beim Drucken konfisziert, erst der zweite Anlauf glĂŒckte. âDer Druck wurde am 21. Januar 1661 feierlich, aber ohne den Hut abzunehmen, dem König Charles II. ĂŒberreicht, der jedoch kaum darauf reagierte und die QuĂ€ker weiter verfolgte.â wie Claus Bernet schreibt.[4] Im alten Kalender endete das Jahr im MĂ€rz, so dass Januar 1660 nach unserem Kalender 1661 ist.[5] Dieses historisches Friedenszeugnis wurde zunĂ€chst nicht ernst genommen.[6] Bemerkenswert ist, dass als Verfasserin die QuĂ€kerin Margaret Fell gilt, die selbst aber nicht unterschrieb, sondern zwölf (mĂ€nnliche) QuĂ€ker.
Der âEntwurf zum gegenwĂ€rtigen und zukĂŒnftigen Frieden in Europaâ[7] von William Penn 1693 verfasst, ist nicht nur ein Zeugnis gegen den Krieg, sondern auch ein aktives âFĂŒr den Friedenâ.
Erst 1742 wurde eine allgemeine Verpflichtung der mĂ€nnlichen QuĂ€ker zur Wehrdienstverweigerung eingefĂŒhrt. Seither wurde ohne zu zögern die Mitgliedschaft aberkannt. Auf diese Weise wurden regelmĂ€Ăig ca. 20% der jungen MĂ€nner ausgeschlossen. Sie konnten aber nach dem Waffengang wieder aufgenommen werden.
Im amerikanischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg tĂ€uschte General George Washington eine Loyalisten-Stellung, in dem er aus BaumstĂ€mmen Attrappen von ArtilleriegeschĂŒtzen baute. Die Attrappen waren so ĂŒberzeugend, dass diese Stellung kapitulierte, ohne dass ein einziger Schuss fiel. Solche Attrappen, Quaker Guns genannt, wurden seitdem immer wieder im 18. und 19. Jahrhundert verwendet, so auch wĂ€hrend des Sezessionskriegs. Sie haben nichts mit den QuĂ€kern direkt zu tun, sondern spielen auf ihre pazifistische Haltung an.
WĂ€hrend des UnabhĂ€ngigkeitskriegs beteiligten sich aber auch tatsĂ€chlich einige Quaker direkt oder indirekt am Krieg gegen England und wurden von ihren Versammlungen ausgeschlossenen. SpĂ€ter grĂŒndete einer dieser Quaker (Samuel Wetherill) die Free Quakers und baute mit UnterstĂŒtzung von u. a. Washington und Benjamin Franklin 1783 ein eigenes Versammlungshaus an der 5th und Arch Street in Philadelphia. Aus Prinzip schlossen die Freien Quaker niemanden, weder aus theologischen noch aus moralischen GrĂŒnden, aus ihrer Gemeinschaft aus. 1834, nachdem einige Jahre niemand mehr die Andachten besucht hatte, wurde das Haus geschlossen.[8],[9]
Im 19. Jahrhundert ist das Friedenszeugnis etwas in Vergessenheit geraten, bzw. nicht mehr beachtet worden.[10] Im 20. Jahrhundert entdeckte Rufus Jones das Friedenszeugnis wieder. Er sah darin die Kraft zur Einigung der zersplitterten QuÀker und schaffte damit eine Renaissance des QuÀkertums. Der Religionssoziologe Thomas C. Kennedy geht davon aus, dass das QuÀkertum ohne das zweite Friedenszeugnis untergegangen wÀre.[11]
In jedem Falle ist das Bild der QuĂ€ker in der Ăffentlichkeit heute entscheidend geprĂ€gt von der Friedensarbeit nach und wĂ€hrend der beiden Weltkriege. ErwĂ€hnt sei auch die Verleihung des Friedensnobelpreises an das American Friends Service Committee (AFSC). In der Zwischenkriegszeit waren die QuĂ€ker energische BefĂŒrworter des Völkerbundes und der Erhaltung des Weltfriedens.
In Deutschland, in der NS-Zeit, bemĂŒhte sich das Berliner QuĂ€ker-BĂŒro um die Hilfe von politisch und rassistisch Verfolgten (und rettete einigen das Leben), ab 1941 musste die Arbeit aus dem Untergrund fortgesetzt werden. Am 5. April 2006 wurde zu Ehren der PĂ€dagogin und WiderstandskĂ€mpferin Elisabeth Abegg (1882â1974) in Berlin eine StraĂe benannt. Mit Hilfe vor allem von britischen Freunden wurde das Rest Home Projekt betrieben.
Heute ist ein Ziel der QuĂ€ker ein internationaler Zivildienst fĂŒr Kriegsdienstverweigerer aus Glaubens- und GewissensgrĂŒnden sowie eine âFriedenssteuerâ, die den Steuerzahlern, die das wĂŒnschen, ermöglicht, zu verhindern, dass ihre Steuern fĂŒr militĂ€rische Auseinandersetzungen verwendet werden. Viele AktivitĂ€ten Einzelner kommen erst in das Bewusstsein der Ăffentlichkeit durch einen tragischen Tod, wie dem von Tom Fox in Irak. Andere AktivitĂ€ten werden auch mit groĂer Skepsis betrachtet, wie das erneute Treffen unter anderem von QuĂ€kern mit Mahmud Ahmadinejad.[12]
Einer scheinbar unausrottbaren[13] Legende nach, soll George Fox einmal zu William Penn gesagt haben âTrage dein Schwert so lange du kannstâ. Die Geschichte ist frei erfunden (siehe dazu William PennâLegenden).
Ein anderer Irrtum ist die Annahme, die QuĂ€ker wĂŒrden Staatsgewalt als ganzes ablehnen und deshalb keine hoheitlichen Aufgaben ĂŒbernehmen. Der Grund warum die frĂŒhe Freunde nicht in den Staatsdienst gingen war, dass dazu der Amtsschwur nötig war, den sie nicht leisten konnten. SpĂ€ter, als die QuĂ€ker beim âHeiligen Experimentâ zum ersten Mal die Regierung stellten, waren sie auch Teil der Staatsmacht. Gleichwohl fĂŒhrten sie nie mit anderen LĂ€ndern oder Indianern Krieg. Im folgenden eine kurze Passage aus einem Brief von George Fox an die Obrigkeit:
âDie Obrigkeit soll das Schwert, das den ĂbeltĂ€ter ein Schrecken sein soll, nicht umsonst tragen; wie die Obrigkeit, die das Schwert umsonst trĂ€gt, denn ĂbeltĂ€tern kein Schrecken ist, so ist auch kein Zeichen des Ruhmes fĂŒr den, der recht tut; Gott hat nun durch seine Macht ein Volk erweckt, welches die Priester, die Obrigkeit und das Volk in ihrem Ărger âQuĂ€kerâ nennen. Dieses schreit gegen die Trunksucht uns das Schwören; die Trunkenbolde aber, denen das Schwert der Obrigkeit ein Schrecken sein sollte, gehen, wie wir sehen, frei umher; von denen jedoch, die gegen dieses Laster eifern, kommen viele ins GefĂ€ngnis, weil sie Zeugnis ablegen gegen den Stolz, die Unreinheit, gegen das betrĂŒgerische Handeln auf MĂ€rkten, gegen Ausschweifung und Leichtfertigkeit, gegen das Spiel mit Kegeln, WĂŒrfeln und Karten und andere eitle und sĂŒndige VergnĂŒgen [âŠ] Das Schwert der Obrigkeit wird, wie wir sehen, vergeblich getragen, wĂ€hrend die ĂbeltĂ€ter frei sind, böses zu tun; die aber, welche gegen das Böse eifern, werden dafĂŒr bestraft von der Obrigkeit, die ihr Schwert gegen den HERRN kehrt [âŠ]â[14]
Die beiden Zeugnisse sind nicht ganz leicht voneinander zu trennen. Dass die Quaker nicht ihren Hut zur BegrĂŒssung zogen, keine Verbeugung, keine Ehrentitel verwendeten, ist zum einen ein Zeugnis fĂŒr Einfachheit und Ablehnung von Dekadenz, anderseits könnte es auch damit begrĂŒndet werden, dass kein Unterschied im Ansehen der Person gemacht wird. Das fĂŒhrte erwartungsgemÀà zu Konflikten, gerade in Umgang mit höher gestellten Persönlichkeiten. William Penn fĂŒr dazu aus:
âWir geben gern zu, dass unsere Art, Ehre zu erweisen, gewissermaĂen so verborgen als unsere Religion ist, und dass beide fĂŒr weltlich gesinnte GemĂŒter, eben sowenig erkennbar als behaglich sind. Unser einfaches und geradliniges Benehmen fĂ€llt ihnen als eigen und sonderbar auf, und geht sozusagen ganz gegen den Strich.â[15]
Die so genannte QuĂ€keruniform, die sich langsam ab dem 18. Jahrhundert etablierte, war als Zeugnis der Einfachheit gedacht und nicht als Zeugnis der UniformitĂ€t. In diesem Zusammenhang sei noch erwĂ€hnt, dass es im Englischen den Begriff Quaker Gray gibt, in Anspielung an die grauen QuĂ€keruniformen des 18. bis 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit waren ĂŒbrigens die Umgangsformen, die noch im 17. Jahrhundert z. T. heftige Reaktionen hervorgerufen hatten, zum respektablen Erkennungszeichen geworden. So ist die folgende Schilderung in der Gemeindechronik von Friedrichstadt aus dem Jahre 1713 zu finden:
âZwey officier des Abends im Sommer Spatzieren Gingen auf der gaĂen und Vor die Thure des HauĂes [âŠ] Vorbey [âŠ], daĂ der Man So in dem HauĂe wohnete Vor die Thur saas mit [âŠ] Claas S.[chnieder] das der eine Officier Zu den Andern Sagte bruder da sitzsen 2 Quaker die danken dich nicht wenn du ihnen guten abend bitest auch Sagen sie nicht guten taag oder abend wenn du ihnen Auch auf der Stelle tod schlĂŒgest, der andere Officier antwortete bruder ich wette mit dich sie sollen guten abend sagen oder mich danken[.] hierauf ging die wette vor sich, Sie kehrten wieder umb, und blieben Vor die beiden stehen, der eine Officier Zoge sein Hut ab und sagte Guten Abend, Niemand aber antwortete ihm, darauf sagte er wolt ihr ein Officier nicht danken wenn er auch ein guten abend bitet, sie aber wahren noch still, darauf Zog der Officier vom Leder setzte den degen dem Quaker auf die Brust, und sagte sprich guten abend oder ich jage dich durch, er aber sas gelassentlich stille, sprach kein wort. Claas Schneider aber sprang auf und lief da von, wurde aber von die Quaker abgethan weil er es nicht vor ein fehler wollte erkennen das er hatte geloffen, wie aber der andere Quaker nichts nach des Officier drĂ€uen fragte, fingen sie beide an Zu lache[n], und der eine steckte den degen wieder auf, und der andere sagte bruder ich habe gewonnen, der eine wahr kein echter Quaker dieser aber ist einer der spricht nicht und lauft auch nicht.â[16]
Auch die VersammlungshĂ€user der QuĂ€ker haben keinerlei Schmuck. Grund ist, dass dies vom Wesentlichen â dem inneren Christus â ablenken könnte und so eine Offenbarung oder âHeimsuchungâ verhindert wird.
Gelegentlich wird in der Neueren Zeit von einem Sozialen Zeugnis gesprochen.[17] Oder das BedĂŒrfnis unter QuĂ€kern, ein solches ausformulieren zu wollen. Was man dazu findet, entspricht aber meist dem, was sich aus dem Zeugnis der Gleichheit (Testimony of Equality) und oder dem Friedenszeugnis schon ableiten lieĂe. In diesen Bereich fallen die folgenden AktivitĂ€ten.
Schon 1813 grĂŒndeten deutsche und englische QuĂ€ker einen Hilfsfonds fĂŒr die Opfer des Napoleonischen Krieges in Sachsen, und ab 1870 begannen QuĂ€ker ihre Hilfe fĂŒr die Bevölkerung in und nach Kriegszeiten zu koordinieren und unter ein Logo zu stellen: den QuĂ€kerstern. Die âQuĂ€kerhilfeâ ist der Ăberbegriff fĂŒr die Arbeit der Hilfswerke, die die QuĂ€ker (als Vereine oder andere Rechtsformen) gegrĂŒndet haben, und die eigenstĂ€ndig arbeiten.
In den USA ist es das American Friends Service Committeeâ(AFSC, gegrĂŒndet 1917), das Canadian Friends Service Committee (CFSC) existiert seit 1931. Aus GroĂbritannien stammt Quaker Peace & Social Witness (QPSW).
1919 bis 1926 wurden in ganz Europa, vor allem aber in Deutschland, Frankreich, Serbien und Russland, Menschen vor dem Verhungern bewahrt, und nach dem Zweiten Weltkrieg war die QuĂ€kerhilfe in Deutschland aktiv. AuĂer der QuĂ€kerspeisung leistete sie auch FlĂŒchtlingshilfe und Versöhnungsarbeit, zum Beispiel mit Nachbarschafts- und Studentenheimen.
Insbesondere die so genannten CARE-Pakete (Cooperative for American Relief to Europe), von denen acht Millionen von August 1946 bis Juni 1960 nach Deutschland geschickt wurden, machten die QuÀker nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland wieder bekannt. CARE war ein Zusammenschluss von 22 Organisationen (QuÀker, Mennoniten, Heilsarmee, Gewerkschaften).
1947 erhielten die beiden Hauptorganisationen der Hilfe nach dem Zweiten Weltkrieg, der Friends Service Council (FSC) in London und das American Friends Service Committee (AFSC) Washington, D.C. den Friedensnobelpreis.
In Deutschland wurde 1963 die QuĂ€ker-Hilfe e. V. gegrĂŒndet. Seit einigen Jahren ist die durch die deutsche und die amerikanische (AFSC) QuĂ€kerhilfe gegrĂŒndete, gemeinnĂŒtzig-mildtĂ€tige QuĂ€ker-Hilfe Stiftung fĂŒr die Finanzierung der durch die Hilfswerke durchgefĂŒhrten Projekte zustĂ€ndig.
Allen Hilfswerken gemeinsam ist die Ausrichtung: die Projekte sind partnerschaftlich orientiert, fördern Eigeninitiative und helfen möglichst nachhaltig. Zudem sollen die Ursachen angegangen werden, indem demokratische Strukturen gestĂ€rkt und Vorurteile abgebaut werden. Den QuĂ€kern stehen dabei hĂ€ufig vergleichsweise geringe finanzielle Mittel zur VerfĂŒgung.
Siehe auch Artikel: Quaker Peace and Social Witness
Seit Beginn ihrer Existenz setzen sich die QuĂ€ker fĂŒr Toleranz und Religionsfreiheit ein, obwohl oder gerade weil sie ihrerseits lange Zeit unter der Verfolgung anderer religiöser (und politischer) Machthaber zu leiden hatten. Der US-Bundesstaat Pennsylvania, der von dem QuĂ€ker William Penn gegrĂŒndet wurde, gewĂ€hrte schon im 17. Jahrhundert allen BĂŒrgern jedweden Bekenntnisses absolute Religionsfreiheit. Diese praktizierte Toleranz schloss auch das Zusammenleben mit den Indianern ein.
Ebenso waren einige QuĂ€ker bereits im 17. Jahrhundert VorkĂ€mpfer fĂŒr die Abschaffung der Sklaverei. Nordamerikanische QuĂ€ker (Benjamin Lay, John Woolman, Anthony Benezet, Levi Coffin und viele andere) engagierten sich seit 1688 (âGermantown protestâ, Franz Daniel Pastorius) in der Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei, dem Abolitionismus, obwohl es lange Zeit auch QuĂ€ker gab, die selbst Sklaven hatten. QuĂ€ker waren maĂgeblich an der Organisation der sogenannten âUnderground Railroadâ beteiligt, einem Netzwerk von UnterstĂŒtzern, die geflohenen Sklaven aus den SĂŒdstaaten auf ihrer Flucht nach Norden und nach Kanada Unterschlupf und Hilfe gewĂ€hrten.
Bei der BegrĂŒndung der amerikanischen Frauenrechtsbewegung 1848 in Seneca Falls (The Seneca Falls Declaration), waren die QuĂ€kerinnen Lucretia Mott und Susan B. Anthony die Hauptbeteiligten.
Die QuĂ€kerin Elizabeth Fry (1780â1845) war eine der ersten, die sich fĂŒr die Rechte und die WĂŒrde von Gefangenen einsetzte und in der Folge eine Reform im englischen GefĂ€ngniswesen in Gang setzte.
1975 baten Insassen des New Yorker StaatsgefÀngnis die QuÀker um Hilfe, Möglichkeiten zu finden, die Gewaltbereitschaft der Inhaftierten innerhalb des GefÀngnisses zu mindern. Das entstandene Projekt PAG (Projekt Alternativen zur Gewalt) arbeitet seit 1994 auch in Deutschland.[18]
Die Zeugnisse der QuĂ€ker verstehen sich im Sinne von âAn ihren FrĂŒchten sollt ihr sie erkennen.â (Matthaeus 7,16) Die QuĂ€ker sehen somit ihren Lebenswandel als Zeugnis ihres Glaubens und â zumindest in den AnfĂ€ngen â auch als Zeugnis ihrer RechtglĂ€ubigkeit. Das brachte ihnen seitens der Lutheraner den Vorwurf der âWerkgerechtigkeitâ ein.
FĂŒr die im Artikel verwendeten Fachbegriffe siehe auch Artikel Glossar QuĂ€kertum.