|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
| Kichwa, Ketschua (Runa Simi) | ||
|---|---|---|
|
Gesprochen in |
Argentinien, Brasilien, Bolivien, Chile, Kolumbien, Ecuador und Peru | |
| Sprecher | geschÀtzt 10 Millionen | |
| Offizieller Status | ||
| Amtssprache von | Bolivien, Peru, Ecuador | |
| Sprachcodes | ||
| ISO 639-1: |
qu | |
| ISO 639-2: |
que | |
| ISO 639-3: |
que | |
Quechua (auch Ketschua, in Ecuador Kichwa oder Quichua) ist eine Gruppe eng miteinander verwandter indigener SprachvarietĂ€ten, die im Andenraum SĂŒdamerikas gesprochen werden. Es existieren unterschiedliche Ansichten dazu, inwiefern man hier von einer einzigen dialektal stark differenzierten Sprache oder einer Sprachfamilie aus mehreren Sprachen, und wenn ja wie vielen, sprechen sollte; dies ist auch abhĂ€ngig davon, ob man dabei von sprachimmanenten strukturellen oder von soziolinguistischen und im weitesten Sinne identitĂ€ren Kriterien ausgeht.
Inhaltsverzeichnis |
Das Wort Quechua an sich (auf Quechua je nach Dialekt und Schreibweise: Qhichwa, Qichwa, QiÄwa oder Qheswa) bezeichnet im Quechua âTalâ oder eine Höhenlage inklusive ihrer Bewohner. Die Quechua-Sprecher selbst nennen ihre Sprache Runa Simi bzw. Runasimi (von runa âMenschâ und simi âMund, Wort, Spracheâ, also âMenschenwortâ). In manchen Quechua-Texten wird die Bezeichnung Qhichwa Simi oder Qheswa Simi (âQuechua-Spracheâ) verwendet.
Eine genetische Verwandtschaft der Quechua-Sprachen mit Sprachen auĂerhalb dieser Gruppe ist bisher nicht nachgewiesen worden.
Auf Grund des groĂen gemeinsamen Wortschatzes mit dem Aymara wurden Quechua und Aymara (bzw. die Aru-Sprachen) in eine gemeinsame Sprachfamilie (Quechumaran) gestellt. Neuere Untersuchungen (Sprachvergleich) weisen jedoch darauf hin, dass das gemeinsame Vokabular auf gegenseitige Entlehnungen auf Grund des jahrtausendelangen Kontakts zurĂŒckzufĂŒhren ist.
Der Sprachraum des Quechua erstreckt sich vom SĂŒden Kolumbiens ĂŒber groĂe Teile von Ecuador, Peru und Bolivien bis in den Norden von Chile und Argentinien. Den gröĂten Anteil an den Sprechern hat dabei Peru, gefolgt von Bolivien und Ecuador, wĂ€hrend in den anderen LĂ€ndern nur kleine Minderheiten die Sprache beherrschen.
Heute ist Quechua mit wahrscheinlich mehr als 7 Millionen Sprechern (die SchĂ€tzungen variieren allerdings stark) die meistgesprochene indigene Sprache SĂŒdamerikas und nimmt somit in SĂŒdamerika hinsichtlich der Sprecherzahl Rang 3 hinter Spanisch und Portugiesisch ein.
FĂŒr den gröĂten Teil des Sprachgebiets, nĂ€mlich Peru, Ecuador und Bolivien, liegen VolkszĂ€hlungsangaben zur Sprecherzahl vor (Peru: 1993, Bolivien: 2001, Ecuador: 2001). FĂŒr Kolumbien, Argentinien und Chile fehlen solche Daten völlig; es gibt lediglich SchĂ€tzungen, die, wie oben erwĂ€hnt, sehr stark variieren. Zu den VolkszĂ€hlungsergebnissen ist anzumerken, dass Kinder im Vorschulalter nicht erfasst werden. Mindestens in Peru und Ecuador dĂŒrfte die tatsĂ€chliche Sprecherzahl deutlich ĂŒber den durch die VolkszĂ€hlungen ermittelten Zahlen liegen. In Peru wurde 1993 die weitverbreitete Mehrsprachigkeit nicht berĂŒcksichtigt, indem nur nach der Muttersprache gefragt wurde. Zudem ist der RĂŒckgang der Sprecherzahl gegenĂŒber der VolkszĂ€hlung von 1981 so drastisch, dass er unter anderem dadurch erklĂ€rt werden muss, dass Personen, die 1981 angaben, Quechua zu beherrschen, 1993 Spanisch als Muttersprache nannten. In Ecuador wurden 2001 nur rund 500.000 Quechuasprachige (Ein- und Zweisprachige) gezĂ€hlt. Alle in der Literatur genannten SchĂ€tzungen liegen jedoch deutlich höher. Bei VolkszĂ€hlungen und Befragungen wird schon seit langem eine Tendenz beobachtet, die Kenntnis einer als minderwertig empfundenen Sprache nicht anzugeben (underreporting). Allerdings muss auch beachtet werden, dass ein nicht unerheblicher Teil der Sprecher sich aus unterschiedlichen GrĂŒnden im Alltag des Spanischen bedient. Insbesondere die Quechuasprecher in den groĂen StĂ€dten dĂŒrften die Sprache kaum benutzen.
Die Verteilung der Sprecher auf die LĂ€nder:
Quechua ist neben Spanisch und Aymara Amtssprache in Bolivien und in Peru, in letztgenanntem jedoch laut Verfassung nur in den âGebieten, wo sie [Quechua und Aymara] vorherrschenâ. In Ecuador ist Kichwa (wie auch die anderen indigenen Sprachen) Amtssprache âin seinen Gebietenâ.
In den meisten groĂen UniversitĂ€ten des spanischsprachigen SĂŒdamerika wird Quechua als Fremdsprache gelehrt.
Die VarietĂ€ten des Quechua bilden ein Dialektkontinuum. Sie lassen sich in zwei groĂe Gruppen einteilen, die nach dem peruanischen Sprachforscher Alfredo Torero als Quechua I und Quechua II bezeichnet werden. Die Einteilung in die HauptĂ€ste Quechua I (Waywash) und Quechua II (Wampuy) sowie die Unterteilung des Quechua II in drei UnterĂ€ste (Quechua II a, Quechua II b und Quechua II c) geht auf jeweils unabhĂ€ngige Untersuchungen von Alfredo Torero und Gary Parker in den 1960er Jahren zurĂŒck.
Quechua I (Waywash) wird in den meisten quechuasprachigen Gebieten der zentralen und nördlichen peruanischen Anden gesprochen. Die wichtigsten Dialekte sind Ankash (Ancashino) (im Departamento Ancash), Shawsha in der Provinz Jauja (im Departamento JunĂn) sowie Wanka (Huanca) in den Provinzen Huancayo und ConcepciĂłn (ebenfalls im Departamento JunĂn), auĂerdem gibt es diverse Dialekte in den Departamentos HuĂĄnuco (Huallaga-Quechua), Cerro de Pasco, Tarma (Nord-JunĂn) und im Norden des Departements Lima (Dialekt Yaru).
Quechua II (Wampuy) umfasst alle im SĂŒden Perus sowie in Bolivien, Argentinien, Chile, Ecuador und Kolumbien gesprochenen VarietĂ€ten sowie einen kleinen Teil der VarietĂ€ten des ĂŒbrigen Perus. Es gliedert sich in drei Untergruppen. Die Yunkay-Gruppe (Quechua II a) umfasst die relativ wenigen VarietĂ€ten des Quechua II im zentralen und nördlichen Peru (Untergruppe Kashamarka-Kañaris in den Departements Cajamarca und Lambayeque sowie die Dialekte von Yauyos im Departement Lima, die fast ausgestorben sind), die Chinchay-Gruppe (Quechua II b, auch als nördliches Quechua bezeichnet) die VarietĂ€ten Ecuadors und Kolumbiens (Kichwa), die eine ganz eigene Sprachentwicklung genommen haben, wie auch einige Dialekte Nordperus (Kichwa-Sprachinseln in Amazonien). Das sĂŒdliche Quechua (Quechua II c) umfasst alle VarietĂ€ten des sĂŒdlichen Perus (Dialekte Chanka in den Departamentos Ayacucho, Huancavelica und dem nördlichen ApurĂmac sowie Qusqu-Qullaw im sĂŒdlichen ApurĂmac und den Departamentos Cusco und Puno), Boliviens, Argentiniens und Chiles.
Unterschiede zwischen den beiden Hauptgruppen bestehen in vielen Teilen der Grammatik und des Wortschatzes, so dass eine VerstĂ€ndigung zwischen muttersprachlichen Sprechern von VarietĂ€ten des Quechua I und des Quechua II ohne Kenntnis weiterer VarietĂ€ten nur schwer möglich ist. Die VarietĂ€ten des Quechua I unterscheiden sich trotz ihres geringen Verbreitungsgebietes auch erheblich untereinander, wĂ€hrend das Quechua II im Vergleich dazu verhĂ€ltnismĂ€Ăig einheitlich ist. Die Unterschiede zwischen den Dialekten des sĂŒdlichen Quechua II in Peru und Bolivien, die zahlenmĂ€Ăig die gröĂte Gruppe der Quechuasprecher umfassen, sind relativ gering und beschrĂ€nken sich vor allem auf den Bereich der Phonetik.
Die Reichssprache des Inka-Reiches, die Sprache der meisten erhaltenen Ă€lteren Schriftzeugnisse und die Sprache der Mehrzahl der modernen Publikationen auf Quechua aus Peru und Bolivien beruht auf diesen sĂŒdlichen Dialekten des Quechua II. Viele andere VarietĂ€ten des Quechua sind hingegen lediglich in der modernen linguistischen Fachliteratur beschrieben worden.
SIL International listet folgende 46 Sprachen mit entsprechenden Sprachcodes auf[1] (die dritte Gliederungsebene stammt nicht von SIL, sondern Alain Fabre [2005][2]):
| Standard des sĂŒdlichen Quechua |
Ayacucho | Cusco | Bolivien | Ecuador | Cajamarca | San MartĂn | JunĂn | Ancash | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| âzehnâ | chunka | chunka | chunka | chunka | chunga | trunka | chunka | trunka | chunka |
| âsĂŒĂâ | misk'i | miski | misk'i | misk'i | mishki | mishki | mishki | mishki | mishki |
| âer gibtâ | qun | qun | qun | qun | kun | qun | kun | un | qun |
| âeinsâ | huk | huk | huq | uh | shuk | suh | suk | huk | huk |
| âweiĂâ | yuraq | yuraq | yuraq | yuraq | yurak | yuraq | yurak | yulaq | yuraq |
Der Streit, ob es sich beim Quechua um eine Sprache mit vielen unterschiedlichen Dialekten oder um eine Sprachfamilie handelt, und wie viele Sprachen diese Sprachfamilie gegebenenfalls umfasst, ist aufgekommen, als durch die Feldforschungen des 20. Jahrhunderts deutlich wurde, dass sich die VarietÀten des Quechua teilweise sehr stark voneinander unterschieden.
Die Beurteilung dieser Frage ist auch abhĂ€ngig davon, ob man von sprachimmanenten strukturellen oder von soziolinguistischen und im weitesten Sinne identitĂ€ren Kriterien ausgeht und welchen Standpunkt man zur Kodifizierung von StandardvarietĂ€ten des Quechua einnimmt. Es gibt dazu höchst unterschiedliche Standpunkte, die von der Position der Academia Mayor de la Lengua Quechua in Cusco, dass es nur eine Sprache Quechua gebe und alle Sprecher derselben das heutige Quechua der Stadt Cusco (also keine Ausgleichsvariante wie etwa das SĂŒdliche Quechua) mit all seinen regionalen, neu entstandenen Besonderheiten als Schriftsprache akzeptieren sollten, bis zur Position des Summer Institute of Linguistics (SIL International) reichen, das 46 eigenstĂ€ndige Sprachen innerhalb der Quechua-Sprachfamilie unterscheidet.
Auf Grund der Tatsache, dass sich Sprecher zum Beispiel von Wanka und Qusqu-Qullaw nicht in ihren eigenen Sprachen verstĂ€ndigen können, wird der Ein-Sprachen-Standpunkt nur von sehr wenigen vertreten. Mit seiner Auffassung, so nahe miteinander verwandte Dialekte wie zum Beispiel âQuechua, Cuscoâ [quz] und âQuechua, Eastern ApurĂmacâ [qve] als eigenstĂ€ndige Sprachen voneinander zu trennen, steht allerdings auch SIL International praktisch allein da und wird darum von Vertretern indigener Organisationen, insbesondere der ecuadorianischen ECUARUNARI, heftig angegriffen mit dem Vorwurf, es wolle die indigenen Völker spalten.
Das peruanische Erziehungsministerium legte 1975 sechs regionale Varianten fest und lieĂ fĂŒr diese WörterbĂŒcher und Grammatiken anfertigen: Cusqueño bzw. Cusco-Collao (Qusqu-Qullaw), Ayacuchano (Chanka), Huanca (Wanka), Ancashino (Ankash), Cajamarca-Cañaris und San MartĂn (Lamas-Quechua). Man weiĂ heute allerdings, dass die Abweichungen zwischen Qusqu-Qullaw und Chanka geringer sind als die Unterschiede etwa innerhalb des Ancashino, zwischen Waylla Wanka und Shawsha Wanka oder zwischen Cajamarca und Cañaris. JĂŒngste Entwicklungen bei der Verschriftung laufen auf die Entstehung einiger weniger Schriftsprachen hinaus.
Drei Schriftsprachen bzw. orthographische Regionalstandards mit mehr als nur lokaler Bedeutung haben sich schon mehr oder weniger etabliert:
Alle weiteren Quechua-Schriftsprachen betreffen ausschlieĂlich Peru. Einige kleinere, lokale schriftsprachliche Quechua-Varianten werden zumindest ansatzweise bereits im Schulbereich verwendet oder ihre EinfĂŒhrung liegt nahe:
Es könnten sich auch noch weitere Schriftsprachen bzw. Standards entwickeln, zum Beispiel Shawsha Wanka (Jauja; gehört zu Quechua I) oder Huånuco-Quechua (gehört zu Quechua I). Möglich ist aber auch die Integration dieser Varianten in die vorgenannten Standards.
Untersuchungen der Sprachwissenschaftler Torero und Parker in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts zeigten, dass es im Raum Lima den gröĂten Variationsreichtum an Dialekten gibt bzw. gab. Deshalb wird dort, im Gegensatz zu frĂŒheren Annahmen, der Ursprung der Quechua-Sprache vermutet. In mehreren Wellen im Laufe des vergangenen Jahrtausends breitete sie sich aus, in das Gebiet von Cuzco und Bolivien wohl sogar erst im 15. und 16. Jahrhundert. Dabei wurden Sprachen der Aru-Sprachfamilie (wozu Aymara gehört und die ebenfalls ihren Ursprung im Raum Lima haben) verdrĂ€ngt. Bereits vor ĂŒber tausend Jahren spaltete sich das Proto-Quechua zunĂ€chst in zwei Sprachen (s. g. zentrales und peripheres Quechua oder Quechua I und II), spĂ€ter in viele Varianten bzw. verwandte Sprachen auf. Quechua â genauer gesagt vermutlich eine Variante, die dem heutigen Quechua von Ayacucho stark Ă€hnelte â war zumindest in der Zeit vor der Conquista Staatssprache im Inka-Reich (lengua general), bis ins 15. Jahrhundert war dies jedoch wahrscheinlich Aymara gewesen. Seine gröĂte Verbreitung erlangte das Quechua zwischen 1500 und 1700, als es in vielen verschiedenen Varianten zwischen Zentralargentinien und dem sĂŒdlichen Kolumbien mit Unterbrechungen im gesamten Andenraum gesprochen wurde. Es gab allerdings einige Gebiete der Anden, in denen es sich nie durchsetzte: so im noch heute vorhandenen Aymara-Sprachgebiet am Titicaca-See und sĂŒdlich davon sowie in Teilen Nordperus (Nord-Ancash, La Libertad, Teile des Departements Cajamarca, wo bis ins 20. Jahrhundert unter anderem Culli gesprochen wurde). An der KĂŒste wurde Quechua insbesondere im Raum Lima gesprochen, jedoch nie an der nordperuanischen KĂŒste, wo sich Varianten des Mochica bis Anfang des 20. Jahrhunderts hielten. Auch die MissionstĂ€tigkeit begĂŒnstigte die Ausbreitung des Quechua, das in der frĂŒhen Kolonialzeit noch die Rolle der âLengua generalâ innehatte. Erst mit dem Ende der Kolonialzeit, stĂ€rker noch ab der Zeit der unabhĂ€ngigen Republiken, die von Kreolen (WeiĂen) regiert wurden, sank das Prestige der Sprache, die seitdem durch das Spanische immer mehr aus dem öffentlichen Leben verdrĂ€ngt wurde. Heute besteht eine Situation, in der viele Quechua-Dialekte, insbesondere im Norden Perus, vom Aussterben bedroht sind und Quechua, genauer gesagt die âgroĂenâ Varianten Qusqu-Qullaw, Chanka (Ayakuchu) und Ankash, nur noch im lĂ€ndlichen Raum der Anden sĂŒdlich ab Huancavelica bis zur bolivianisch-argentinischen Grenze, in Teilen von Ancash sowie (nördliche Dialektgruppe âKichwaâ) in einigen Sprachinseln in Amazonien und den ecuadorianischen Anden allgemeine Alltagssprache ist.
Seit der Einrichtung eines breit angelegten Schulwesens durch die Staaten Lateinamerikas war das erklĂ€rte Ziel der Regierungen, die indigene Bevölkerung zu hispanisieren (castellanizaciĂłn). Spanisch war deshalb die einzige Unterrichtssprache. Quechua diente entweder nur als Hilfssprache zu bloĂen VerstĂ€ndigung, oder es war in manchen Regionen sogar in der Schule verboten. Unter Juan Velasco Alvarado in Peru wurde erstmals Quechua in Schulen eingefĂŒhrt, dies jedoch zunĂ€chst als Zweit- bzw. Fremdsprache fĂŒr Spanischsprachige in Lima, wo es auf starken Widerstand und rassistische Vorbehalte stieĂ. Nach dem Sturz Velascos endeten zunĂ€chst praktisch alle Quechua-Schulversuche. Anfang der 1980er Jahre kam es zu einem regionalen Projekt zur Verwendung von Quechua und Aymara im peruanischen Departement Puno mit UnterstĂŒtzung der deutschen Gesellschaft fĂŒr Technische Zusammenarbeit (GTZ), welches jedoch nur auf Druck der deutschen Seite weitergefĂŒhrt wurde.
Seit den 1990er Jahren gibt es auf internationaler Ebene Vereinbarungen lateinamerikanischer LĂ€nder zur so genannten Interkulturellen zweisprachigen Erziehung (EducaciĂłn Intercultural BilingĂŒe) EIB. In Ecuador und Bolivien, seit wenigen Jahren auch in Peru, ist die EIB in der Primarstufe ein fester Bestandteil des Erziehungswesens geworden, ohne jedoch bisher auch nur die indigene Bevölkerung flĂ€chendeckend zu versorgen. Sie beschrĂ€nkt sich derzeit noch â von Ausnahmen abgesehen â auf die lĂ€ndliche quechua- und aymarasprachige Bevölkerung und bezieht nicht in umgekehrter Weise die Spanischsprachigen bzw. die StĂ€dte mit ein. Dies gilt auch fĂŒr die weitergehende Förderung des Quechua als gleichberechtigte Sprache in der Mittel- und Oberstufe. TatsĂ€chlich kann das Quechua auch in der Schule nur dann erfolgreich sein, wenn seine Verwendung im modernen Berufsleben notwendig und selbstverstĂ€ndlich ist. Vielfach soll es Vorbehalte der Eltern geben, die fĂŒrchten, dass ihre Kinder nicht gut genug Spanisch lernen (welches sie spĂ€ter im Beruf brauchen), wenn sie in ihrer Muttersprache alphabetisiert werden. Wissenschaftliche Untersuchen zeigen, dass das Gegenteil der Fall ist. Dieser tatsĂ€chliche bessere Erfolg der SchĂŒler wie auch das subjektive bessere Empfinden haben derartige Vorbehalte teilweise verstummen lassen.
Bei der EIB wird im ersten Schuljahr Lesen und Schreiben nur in der indigenen Sprache gelehrt. Im zweiten Schuljahr kommt das Erlernen der spanischen Rechtschreibung dazu. Ab dem dritten Schuljahr nimmt der Anteil des spanischsprachigen Unterrichts zu, und die FĂ€cher werden sowohl auf Quechua als auch auf Spanisch unterrichtet. Interkulturell soll der Unterricht in der Hinsicht sein, dass er inhaltlich auf die indigene Kultur ausgerichtet ist und zusĂ€tzlich Aspekte der europĂ€ischen (âweiĂenâ) Kultur gelernt werden, es also keine einfache âĂbersetzungâ des traditionellen eurozentrischen Bildungskonzepts ist.
AnfĂ€ngliche AnsĂ€tze zweisprachigen Unterrichts in Lateinamerika waren in erster Linie auf eine Optimierung des Spanischlernens ausgerichtet. Die EIB soll jedoch zum Ziel haben, die Quechua-Sprache wie die indigene Kultur ĂŒberhaupt aufzuwerten und so ihren Bestand zu sichern. In einigen FĂ€llen geht es auch um das Wiedererlernen des Quechua, so etwa bei den Quechuas Lamistas in Peru oder den Saraguros in Ecuador.
In Ecuador gibt es eine Reihe zweisprachiger Schulen mit Kichwa, die in eigener Verantwortung der indigenen Gemeinden gefĂŒhrt werden.
In Bolivien ist der âBildungsrat der Quechua-Nationâ (Consejo Educativo de la NaciĂłn Quechua, CENAQ) auf nationaler Ebene fĂŒr den Quechua-Unterricht zustĂ€ndig. Die EIB erfasst hier bisher etwa die HĂ€lfte der Quechua-Bevölkerung.
In Peru wurden inzwischen â neben anderen indigenen Sprachen â im Auftrag des Bildungsministeriums Schulmaterialien in der amtlichen Rechtschreibung fĂŒr folgende Varianten des Quechua erarbeitet, die auch in der EIB verwendet werden:
Die EinfĂŒhrung der EIB fĂŒr andere Quechua-Varianten, darunter in ihrem Bestand bedrohte wie Wanka und Cajamarca-Quechua, steht noch aus.
In Argentinien gibt es bisher â trotz vieler Diskussionen darum â keine EIB mit Quechua an öffentlichen Schulen.
Unter den verschiedenen Quechua-Varianten gibt es einige bedeutende Unterschiede in der Phonologie. ZunĂ€chst werden die VerhĂ€ltnisse bei der meist verbreiteten Variante Qusqu-Qullaw (gesprochen in Cusco, Puno, Teilen von ApurĂmac und in Bolivien) beschrieben, im Anschluss Unterschiede bei anderen Varianten.
Quechua hat nur drei Vokale im Sinne von Phonemen: [a], [i] und [u] (Ă€hnlich wie klassisches Arabisch). Einsprachige sprechen diese in der Regel aus als [ĂŠ ÉȘ Ê], obwohl sie auch wie die spanischen Vokale [a i u] ausgesprochen werden können. In Nachbarschaft zu den uvularen Konsonanten [q], [q'] und [qh] werden sie mehr wie [É], [É] und [É] gesprochen. Diese nur von den Uvularen bedingten Allophone wurden in der inzwischen nicht mehr offiziellen 5-Vokal-Orthographie mit âeâ und âoâ wiedergegeben, was in GrenzfĂ€llen zu erheblicher Verwirrung fĂŒhrte. Heute wird darum (auĂer in Lehnwörtern) nur noch âa, i, uâ geschrieben.
| Labial | Alveolar | Palatal | Velar | Uvular | Glottal | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Plosiv | p | t | tÊ | k | q | |
| Frikativ | s | h | ||||
| Nasal | m | n | ÉČ | |||
| Lateral | l | Ê | ||||
| Vibrant | ÉŸ | |||||
| Halbvokal | w | j |
Die Buchstaben des nunmehr in Peru offiziellen Alphabets entsprechen dem Internationalen Phonetischen Alphabet, abgesehen von den Palatalen [tÊ ÉČ Ê j], die als âch ñ ll yâ geschrieben werden.
Die Plosive und Frikative sind immer stimmlos; Stimmhaftigkeit ist im Stammvokabular des Quechua nicht phonemisch. In der Variante Qusqu-Qullaw â anders als in allen anderen Quechua-Varianten, jedoch so wie in Aymara, von woher diese Besonderheit wahrscheinlich stammt â hat jeder Plosiv drei Formen: einfach, ejektiv und aspiriert (gehaucht), zum Beispiel:
| einfach | ejektiv | aspiriert |
|---|---|---|
| p | pâČ | ph |
| t | tâČ | th |
| tÊ | tÊâČ | tÊh |
| k | kâČ | kh |
| q | qâČ | qh |
In sĂ€mtlichen zentralen und nördlichen Varianten des Quechua (vom Departement JunĂn an nördlich) gibt es zudem den postalveolaren Frikativ [Ê] (geschrieben âshâ, von Linguisten auch [ĆĄ], entspricht deutschem sch), der in den sĂŒdlichen Varianten mit [s] zusammengefallen ist. Der Laut [Ê] taucht auch in manchen Gegenden des Qusqu-Qullaw wieder auf, hat sich dort jedoch aus [tÊk] (âchkâ) bzw. [sj] (âsyâ) entwickelt (so wird er auch im offiziellen Alphabet wiedergegeben) und hat somit etymologisch nichts mit dem ursprĂŒnglichen Quechua-Laut [Ê] zu tun.
In den Dialekten von JunĂn, Cajamarca und Lambayeque gibt es auĂerdem noch das retroflexe [Ä] (gesprochen Ă€hnlich wie ein englisches âtrâ), ein ursprĂŒnglicher Quechua-Laut, der in den anderen Varianten mit [tÊ] (âchâ) zusammengefallen ist.
Etwa 30% des modernen Quechua-Wortschatzes stammen aus dem Spanischen, und einige spanische Laute (zum Beispiel f, b, d, g) dĂŒrften phonemischen Charakter bekommen haben, auch bei einsprachigen Quechua-Sprechern. Dasselbe gilt zunehmend fĂŒr die Unterscheidung der Vokale o-u und e-i bei spanischen Lehnwörtern (so zum Beispiel: karo aus dem Spanischen caro = âteuerâ, Quechua karu = âweitâ).
Vor der Ankunft der EuropĂ€er existierte keine Buchstabenschrift fĂŒr das Quechua. Inwieweit die zur Zeit des Inkareiches gebrĂ€uchlichen Quipu (Khipu, KnotenschnĂŒre), die in erster Linie Inventarlisten von Vorratslagern oder Ă€hnliches darstellten, als eine Vorform einer Ganz-Wort-Schrift aufgefasst werden können, ist umstritten.
Seit der spanischen Kolonialzeit wurde das lateinische Alphabet zur Wiedergabe des Quechua verwendet, wobei sich der Lautwert der Buchstaben zunĂ€chst meist am spanischen Vorbild orientierte. 1560 schrieb Domingo de Santo TomĂĄs die erste Grammatik fĂŒr eine Quechua-Variante an der KĂŒste bei Lima, auf deren Grundlage lange Zeit an der UniversitĂ€t von Lima gelehrt wurde. 1607 und 1608 veröffentlichte Diego GonzĂĄlez HolguĂn Wörterbuch und Grammatik fĂŒr das Quechua (von ihm âQuichuaâ genannt) von Cuzco, die fĂŒr die nachfolgenden kolonialen Quechua-Texte maĂgeblich waren.
Eine einheitliche Rechtschreibung gab es bis ins 20. Jahrhundert nicht. Geschrieben wurde nach spanischer Orthographie, die die Lautwerte des Quechua nur sehr unvollkommen wiedergab. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden mehrere konkurrierende EntwĂŒrfe fĂŒr eine Rechtschreibung des Quechua in lateinischen Buchstaben vorgelegt.
In Peru legte 1975 die Regierung von Juan Velasco Alvarado ein amtliches Alphabet (Alfabeto Oficial) mit sechs regionalen Varianten fest, welches als neue Buchstaben unter anderen w, k und q enthielt, so dass die Laute des Quechua [w], [k] und [q] erstmals exakt wiedergegeben werden konnten. Gehauchte Plosive wurden durch AnhĂ€ngen von h, ejektive Plosive durch AnhĂ€ngen von Apostroph ausgedrĂŒckt. Im Wesentlichen gilt dieses Alphabet bis heute. In Anlehnung an die spanische Schreibweise wurden jedoch noch die fĂŒnf Vokale a, e, i, o, u verwendet. Diese Form des Alphabets wird bis heute von der Academia Mayor de la Lengua Quechua (AMLQ) in Cusco propagiert. In Bolivien wurde parallel ein sehr Ă€hnlicher offizieller Standard entwickelt, bei dem jedoch âjâ an Stelle von âhâ sowie von âkâ und âqâ am Silbenende verwendet wurde. In Argentinien etablierten sich gleich zwei verschiedene Schreibweisen: die von TucumĂĄn / Jujuy und die von Santiago del Estero.
Die amtlichen Rechtschreibungen Perus und Boliviens wurden einander in den achtziger Jahren angeglichen, auĂerdem wurde offiziell in beiden LĂ€ndern die 5-Vokal-Schreibweise 1985 durch die 3-Vokal-Schreibweise abgelöst, da diese der Phonologie des Quechua nĂ€her kommt. Statt âeâ und âoâ, welche immer nur in Nachbarschaft von âqâ vorkamen, wird nunmehr âiâ bzw. âuâ geschrieben. Als Unterschied zwischen beiden LĂ€ndern bleibt noch das Zeichen fĂŒr den Lautwert [h], der in Peru mit âhâ und Bolivien mit âjâ wiedergegeben wird. In Ecuador wurde die am Spanischen orientierte Rechtschreibung gleichfalls durch eine an Peru und Bolivien angelehnte Schreibweise ersetzt, wobei die Phonetik des ecuadorianischen Kichwa deutlich von Peru und Bolivien abweicht. In Argentinien steht allerdings eine Ăbernahme des neuen Quechua-Alphabets noch aus.
Die moderne Quechua-Rechtschreibung wird bis heute von einigen Einrichtungen, darunter der AMLQ und Vertretern von SIL International, mit dem Argument kritisiert, dass das offizielle Alphabet fĂŒr Personen, die auf Spanisch lesen und schreiben lernten, schwerer zu begreifen sei. Dem wird allerdings entgegengehalten, dass die moderne Schreibung die Quechua-Phonologie perfekt wiedergibt, und es wird auf Studien verwiesen, die zeigen, dass Alphabetisierung in Quechua mit dem 5-Vokal-System spĂ€ter sogar zu stĂ€rkeren Leseschwierigkeiten im Spanischen fĂŒhrt als bei Alphabetisierung mit dem 3-Vokal-System.
Zu beachten ist, dass in der Ăffentlichkeit, besonders bei geographischen Namen auch Ă€ltere, an der spanischen Orthographie orientierte Schreibweisen noch bis heute ĂŒblich sind. So werden bekanntere Namen wie Wayna Pikchu, Saksaywaman und Qurikancha auch als Huayna Picchu, Sacsayhuaman und Coricancha bzw. Qorikancha geschrieben.
Der peruanische Linguist Rodolfo CerrĂłn Palomino, der Wanka-Quechua als Muttersprache spricht, schlĂ€gt einen einheitlichen Rechtschreibstandard vor fĂŒr alle sĂŒdlichen Quechua-Dialekte (d. h. ganz SĂŒdperu ab Huancavelica sĂŒdwĂ€rts, Bolivien und Argentinien), den er SĂŒdliches Quechua (Quechua sureño) nennt. Dieser Standard wird inzwischen von vielen Einrichtungen Perus akzeptiert. Er beinhaltet ursprĂŒngliche Strukturen der beiden meist gebrauchten Dialekte: Chanka (Ayakuchu, Quechua ayacuchano) und Qusqu-Qullaw (gesprochen ab Cusco sĂŒdlich, in Bolivien und Argentinien). Beispiele:
| Ayacucho | Cuzco | Quechua sureño | Ăbersetzung |
|---|---|---|---|
| upyay | uhyay | upyay | âtrinkenâ |
| utqa | usqha | utqha | âschnellâ |
| llamkay | llank'ay | llamk'ay | âarbeitenâ |
| ñuqanchik | nuqanchis | ñuqanchik | âwir (inklusiv)â |
| -chka- | -sha- | -chka- | (Suffix: unvollendete Handlung) |
| punchaw | p'unchay | p'unchaw | âTagâ |
Im seit 1985 offiziellen Quechua-Alphabet in Peru kommen allgemein folgende 18 Buchstaben fĂŒr den ererbten Quechua-Wortschatz sowie fĂŒr Entlehnungen aus dem Aymara zur Anwendung:
a, ch, h, i, k, l, ll, m, n, ñ, p, q, r, s, t, u, w, y.
Im Qusqu-Qullaw werden zusĂ€tzlich folgende Buchstaben (auch fĂŒr Aymara-Lehnwörter) verwendet, was insgesamt 28 Zeichen ergibt:
chh, ch', kh, k', ph, p', qh, q', th, t'.
In Bolivien steht âjâ an Stelle von âhâ.
In den nördlichen und zentralen Varianten gibt es auĂerdem das sh [ĆĄ] (IPA: [Ê]). In den Varianten von JunĂn, Cajamarca und Lambayeque gibt es auch noch das Ä (inoffiziell âtrâ geschrieben), was 20 Zeichen ergibt.
Die Buchstaben e und o werden nicht fĂŒr ererbte Quechua-Wörter verwendet, da es sich bei den entsprechenden Lauten um Allophone von i und u handelt, die in Nachbarschaft zu q, qh, q' auftreten.
Folgende Buchstaben werden nur in Lehnwörtern aus dem Spanischen und anderen Sprachen (nicht aus dem Aymara) verwendet:
b, d, e, f, g, o.
Nur in Eigennamen oder direkt ĂŒbernommenen spanischen AusdrĂŒcken treten auf:
c, v, x, z;
j (in Peru; in Bolivien steht es an Stelle von h).
Quechua ist eine agglutinierende Sprache wie TĂŒrkisch und Finnisch, d.h. die Bedeutung eines Wortes wird durch das AnhĂ€ngen von Silben (Suffixe) an einen unverĂ€nderlichen Wortstamm angepasst, nicht durch Beugung (VerĂ€nderung des ganzen Wortes je nach Zeit, Person, Geschlecht und Fall) wie beispielsweise im Deutschen.
Die Reihenfolge der Suffixe ist streng geregelt, wie das Beispiel des Wortes chakra (Feld) illustriert:
Wie die meisten agglutinierenden Sprachen ist das Quechua eine Sprache vom Typ SOP (Subjekt-Objekt-PrÀdikat), d. h. im Normalfall gilt eine Wortfolge wie in diesem Satz:
Das Substantiv im Quechua kennt zwei Numeri: Singular und Plural. Letzterer wird durch AnhĂ€ngen von -kuna ausgedrĂŒckt. Seine Verwendung ist nicht zwingend und wird in eindeutigen FĂ€llen oft weggelassen.
Das Substantiv wird durch eine Reihe von Suffixen âdekliniertâ, die an Stelle von PrĂ€positionen verwendet werden. Hierzu gehören -p(a) (Genitiv), -ta (Akkusativ), -nta (âdurchâ), -man (âzuâ), -manta [Quechua I: -piqta] (âvon, ausâ), -paq (âfĂŒrâ), -pi [Quechua I: -Äaw] (âinâ), -wan (âmitâ). Diese Suffixe sind zum Beispiel auch dadurch sehr produktiv, dass sie Adverbien bilden (chaypi, dort; kunanmanta, ab jetzt, âŠ).
Die Funktion des bestimmten Artikels wird teilweise vom s.g. âTopic Markerâ -qa ĂŒbernommen: runaqa = der Mann.
Durch Aneinanderreihen von Substantiven werden sehr einfach und hĂ€ufig zusammengesetzte Wörter gebildet, wobei das vorangestellte Nomen das Attribut ist: hatun = groĂ, yachay = wissen, lernen, wasi = Haus, hatun yachay wasi = Hochschule, UniversitĂ€t.
Das Quechua kennt kein grammatisches Geschlecht, jedoch spielt in manchen FĂ€llen das natĂŒrliche Geschlecht eine Rolle: so ist zum Beispiel churi immer das Kind eines Mannes, wawa das Kind einer Frau. Ăhnlich ist es auch bei Geschwisterbezeichnungen.
| Numerus | |||
| Singular | Plural | ||
| Person | Erste | Ăuqa | Ăuqanchik (inklusiv)
Ăuqayku (exklusiv) |
| Zweite | Qam | Qamkuna | |
| Dritte | Pay | Paykuna | |
In Quechua gibt es sieben Personalpronomina. FĂŒr die erste Person Plural (âwirâ) hat Quechua zwei unterschiedliche Pronomina. Eines, das inklusive, wird benutzt, wenn der Sprecher den Angesprochenen mit einschlieĂt (âwir und duâ, âich und duâ). Das exklusive Pronomen wird benutzt, wenn der Angesprochene nicht einbezogen wird (âwir ohne dichâ).
Besitz oder Zugehörigkeit wird im Quechua durch Possessivsuffixe ausgedrĂŒckt:
wasi = Haus; wasiy = mein Haus; wasiyki = dein Haus; wasin = sein/ihr Haus; wasinchik = unser (auch dein) Haus; wasiyku = unser (nicht dein) Haus; wasiykichik = euer Haus; wasinku = ihr Haus.
Der Genitiv -p(a) fordert im zugehörigen Nomen, das den Besitz ausdrĂŒckt, eine Possessivendung: intip churin = Sohn der Sonne.
Die wichtigsten Demonstrativpronomen (auch mit Adjektivfunktion) im Quechua sind kay (dies), chay (das) und wak (jenes).
Die Adjektive stehen im Quechua vor den Substantiven. Es gibt kein grammatisches Geschlecht, und sie werden nicht mit den Substantiven mitdekliniert.
Adverbien werden zum einen durch AnhĂ€ngen von -ta, manchmal auch -lla an ein Adjektiv gebildet: allin â allinta (âgutâ), utqay â utqaylla (âschnell, raschâ). Zum anderen bildet man sie durch Suffixe an Demonstrativpronomen: chay (âdasâ) â chaypi (âdortâ), kay (âdiesâ) â kayman (âhierherâ). DarĂŒber hinaus gibt es zahlreiche selbstĂ€ndige Adverbien. AuffĂ€llig ist hierbei, dass das Adverb qhipa sowohl âhintenâ als auch âzukĂŒnftigâ, ñawpa dagegen âvornâ und âvergangenâ bedeutet. RĂ€umliche und zeitliche Konzepte der Adverbien im Quechua sind somit â Ă€hnlich wie im Aymara â genau umgekehrt verknĂŒpft wie in den europĂ€ischen Sprachen.
Der Infinitiv wird gebildet durch das Suffix -y (much'a= âKussâ; much'a-y = âkĂŒssenâ). Der Imperativ Singular lautet gleich; im Plural wird -ychik angehĂ€ngt. Das Infix -wa- drĂŒckt âmir/michâ aus (Much'ay! = âKĂŒsse!, Much'away! = âKĂŒsse mich!â).
Die Endungen des Verbs im Indikativ sind:
| Gegenwart | Einfache Vergangenheit | Zukunft | Narrative Vergangenheit | |
|---|---|---|---|---|
| Ăuqa | -ni | -rqa-ni | -saq | -sqa-ni |
| Qam | -nki | -rqa-nki | -nki | -sqa-nki |
| Pay | -n | -rqa-n | -nqa | -sqa |
| Ăuqanchik | -nchik | -rqa-nchik | -sun | -sqa-nchik |
| Ăuqayku | -yku | -rqa-yku | -saq-ku | -sqa-yku |
| Qamkuna | -nki-chik | -rqa-nki-chik | -nki-chik | -sqa-nki-chik |
| Paykuna | -n-ku | -rqa-nku | -nqa-ku | -sqa-ku |
Wenn das Subjekt in der Mehrzahl steht, darf das Verb in der Einzahl stehen: Runakunaqa llaqtakunapim kawsan. = Die Menschen leben in Dörfern/StÀdten.
Verschiedene Interfixe und Suffixe dienen der VerĂ€nderung der Bedeutung, so zum Beispiel das kausative -chi- (Beispiel: wañuy = âsterbenâ; wañuchiy = âtötenâ); das reflexive -ku- (Beispiel: sipiy = âmorden, schlachtenâ; sipikuy = âSelbstmord begehenâ); das reziproke -naku- (Beispiel: marq'ay= âumarmenâ; marq'anakuy= âeinander umarmenâ), das progressive -chka- (e.g., mikhuy = âessenâ; mikhuchkay = âbeim Essen seinâ).
Im Quechua gibt es die objektivische Konjugation, was bedeutet, dass es nicht nur fĂŒr verschiedene Subjekte, sondern auch fĂŒr verschiedene Objekte unterschiedliche Verb-Endungen gibt (Transition). Beispiel:
| Rikuni. | Ich sehe. |
| Rikuyki. | Ich sehe dich. |
| Rikunki. | Du siehst. |
| Rikuwanki. | Du siehst mich. |
| Rikun. | Er/Sie sieht. |
| Rikuwan. | Er/Sie sieht mich. |
| Rikusunki. | Er/Sie sieht dich. |
FĂŒr das Futur gibt es eigene Verb-Endungen der Transition.
Partikeln, also Worte, an die niemals Suffixe angehĂ€ngt werden, gibt es nur wenige. Hierzu gehören zum Beispiel das Wort arĂ (âjaâ), yaw (âhallo!â, âhe!â) und bestimmte Lehnwörter aus dem Spanischen, wie piru (von Spanisch pero âaberâ) und sinuqa (von sino âsondernâ). Das Verneinungswort mana (âneinâ) ist keine Partikel, da auch Suffixe angehĂ€ngt werden (manam, ânein, nichtâ; manas, ânein, sagen die Leuteâ, manapunim, keineswegs; manaraq, ânoch nichtâ; manaña, ânicht mehrâ).
Die meisten SĂ€tze im Quechua werden durch ein EvidentialitĂ€ts-Suffix markiert, welches anzeigt, wie sicher sich der Sprecher ĂŒber seine Aussage ist bzw. woher er die Information hat. -mi drĂŒckt Wissen aus eigener Erfahrung aus (Tayta Wayllaqawaqa chufirmi, âHerr Huayllacahua ist Chauffeur, ich weiĂ es, ich habe es gesehenâ); -si gibt Wissen vom Hörensagen wieder (Tayta Wayllaqawaqa chufirsi, âHerr Huayllacahua ist Chauffeur, hat man mir gesagtâ); -cha drĂŒckt Wahrscheinlichkeit aus (Tayta Wayllaqawaqa chufircha, âHerr Huayllacahua ist wahrscheinlich â oder: vielleicht â Chauffeurâ). Nach einem Vokal wird -m, -s, -ch angehĂ€ngt.
Im Quechua gibt es sehr viele Fragewörter, die aus den Wurzeln ima (was), pi (wer) und may (wo) durch AnhÀngen von Nominalsuffixen gebildet werden. Meist wird noch ein Evidentialsuffix oder -taq angehÀngt:
Entscheidungsfragen werden immer mit -chu gebildet.
Das Suffix -chu dient auch der Verneinung, und zwar mit mana bei Aussagen und ama bei Befehlen:
Als agglutinierende Sprache verwendet Quechua an Stelle von NebensĂ€tzen mit Konjunktionen VerbalausdrĂŒcke mit entsprechenden Suffixen:
An Stelle der deutschen Bindewörter wenn, als, wĂ€hrend, weil und obwohl werden die Infixe / Suffixe -pti- (bei unterschiedlichen Subjekten) und -spa- oder -stin (bei gleichem Subjekt) verwendet, wobei zusĂ€tzliche Suffixe (zum Beispiel -qa, -m(i), -s(i) und -pas) fĂŒr Bedeutungsnuancen dazukommen können:
Einen Sonderfall hinsichtlich NebensÀtzen bildet das Quechua in Bolivien, da es auch Bindewörter (gebildet aus Fragewörtern und -chus) aufweist, mit denen es neben den hier genannten Ausdrucksmöglichkeiten auch echte NebensÀtze bilden kann.
Die deutsche Sprache hat eine Reihe von Lehnwörtern aus dem Quechua ĂŒbernommen, in der Regel ĂŒber Vermittlung durch das Spanische. Hier einige Beispiele:
Siehe Hauptartikel: Quechua-Literatur
Quechuasprachige Lieder sind das Medium, durch welches man auĂerhalb des Quechua-Sprachgebiets die gröĂte Chance hat, Quechua zu hören. Es gibt eine Reihe von peruanischen, bolivianischen und ecuadorianischen Musikern und Bands, die teilweise oder auch ĂŒberwiegend auf Quechua singen. Zu diesen Musikern gehörte etwa die peruanische SĂ€ngerin Yma Sumac. Die bolivianische SĂ€ngerin Luzmila Carpio singt sogar fast ausschlieĂlich auf Quechua. Kennzeichen der meisten dieser Musiker bzw. Musikgruppen ist, dass sie auf traditionelle andine Musikformen zurĂŒckgreifen. Neue Wege beschreitet dagegen die 1991 gegrĂŒndete peruanische Rock-, Blues- und Grunge-Band Uchpa, die traditionelle Elemente mit modernen Ausdrucksformen und Musikinstrumenten verbindet und auf Ayacucho-Quechua singt. Auch die peruanische Meditationsmusik- und Folklore-Band Alborada singt ĂŒberwiegend auf Quechua.
| |
Dieser Artikel wurde am 5. September 2006 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen. |