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Radeberg

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Radeberg
Radeberg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Radeberg hervorgehoben
51.116666666713.9166666667250Koordinaten: 51° 7′ N, 13° 55′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Bautzen
Höhe: 250 m ü. NN
Fläche: 29,74 km²
Einwohner:

18.320 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 616 Einwohner je km²
Postleitzahl: 01454
Vorwahlen: 03528, 0351 (Ullersdorf teilw.)
Kfz-Kennzeichen: BZ
Gemeindeschlüssel: 14 6 25 480
Stadtgliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 19
01454 Radeberg
Webpräsenz: www.radeberg.de
Oberbürgermeister: Gerhard Lemm (SPD)
Lage der Stadt Radeberg im Landkreis Bautzen
PolenTschechienBrandenburgDresdenLandkreis GörlitzLandkreis MeißenLandkreis Sächsische Schweiz-OsterzgebirgeArnsdorfBautzenBernsdorfBischofswerdaBretnig-HauswaldeBurkauCrostwitzCunewaldeDemitz-ThumitzDoberschau-GaußigElsterheideElstraFrankenthal (Sachsen)GödaGroßdubrauGroßharthauGroßnaundorfGroßpostwitzGroßröhrsdorfGuttauHaselbachtalHochkirchHoyerswerdaKamenzKönigsbrückKönigswarthaKubschützLaußnitzLautaLichtenberg (Lausitz)LohsaMalschwitzNebelschützNeschwitzNeukirch (bei Königsbrück)Neukirch/LausitzObergurigOhornOßlingOttendorf-OkrillaPanschwitz-KuckauPulsnitzPuschwitzRadebergRadiborRäckelwitzRalbitz-RosenthalRammenauSchirgiswalde-KirschauSchmölln-PutzkauSchönteichenSchwepnitzSohland an der SpreeSpreetalSteina (Sachsen)SteinigtwolmsdorfWachau (Sachsen)WeißenbergWilthenWittichenauKarte
Über dieses Bild

Radeberg ist eine Große Kreisstadt im Südwesten des sächsischen Landkreises Bautzen am Rande der Dresdner Heide.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Durch Radeberg fließen die Große Röder und die Schwarze Röder, welche in der Nähe der Pestalozzischule in erstere mündet. Am westlichen Stadtrand beginnt die Dresdner Heide, ein flachwelliges, nahezu geschlossenes Waldgebiet von mehr als 50 km² Fläche. Nördlich und östlich von Radeberg zeigen sich die westlichen Ausläufer des Lausitzer Berglandes. Die Stadt liegt im Naturraum des Westlausitzer Hügel- und Berglandes. Die Stadt gibt auch der Region rundum den Namen „Radeberger Land“.

Stadtgliederung

Die Ortsteile Liegau-Augustusbad (1995 eingemeindet), Großerkmannsdorf und Ullersdorf (beide 1999 eingemeindet) umschließen die Stadt. Weitere benannte Orte in Radeberg, wenn auch ohne Ortsteilstatus, sind die Siedlung Rossendorf (nördlich der Bundesstraße 6), Kleinerkmannsdorf, Heinrichsthal, Friedrichstal, die Heidehäuser, die Stadtrandsiedlung sowie Kleinwachau und Lotzdorf.

Geschichte

Radeberg wurde erstmals 1219 erwähnt, als Bauern sich auf dem Land an der Röder ansiedelten. Der Name des Ortes leitet sich vermutlich von diesem Fluss ab. In nicht einmal 150 Jahren entstanden ein Marktplatz, eine Burg und eigene Maßeinheiten wie zum Beispiel der Radeberger Scheffel. Am 16. März 1412 wurde dem Marktflecken das Stadt- und Weichbildrecht verliehen.[2]

Radeberger Marktplatz um 1900

Im 16. Jahrhundert wurde nahe der Stadt Silber gefunden, der Fundort wurde daraufhin in Silberberg umbenannt. Die Mine war jedoch schnell erschöpft. Der Dreißigjährige Krieg und der Nordische Krieg setzten der Stadt schwer zu.

1645 wurde in Radeberg die Salpetersiederei eingeführt, 1713 versuchten der Rittmeister Bruckmeyer und der Arzneilaborant Hausen, eine große Salpeterfabrik auf dem Freudenberg zu bauen, was jedoch durch einen Bürgeraufstand am 20. September 1714 vereitelt wurde.

Im gleichen Jahr, am 13. Juli, brannte fast die ganze Stadt ab. Die Suche nach Kalk zum Wiederaufbau führte zur Entdeckung der Heilquellen im Tannengrund durch den Bürgermeister Seidel (Liegau-Augustusbad).

1858 wurde die erste Glasfabrik gebaut.

Die Volkszählung am 17. Mai 1939 ergab 15.993 Einwohner, davon 7.474 Männer und 8.519 Frauen.[3]


Radeberg, Möbelfabrik

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges bestand von Oktober 1944 bis Mai 1945 am Robert-Blum-Weg/Ecke Adolph-Kolping-Straße ein Arbeitserziehungslager (AEL), in dem mindestens 422 Insassen aus zahlreichen Ländern unter grausamen Bedingungen, durch Genickschuss, Gift oder Unterernährung den Tod fanden. Sie mussten für das Sachsenwerk in der Rüstungsproduktion Zwangsarbeit verrichten.

Die 1872 gegründete Exportbierbrauerei sowie die Entwicklung und Produktion von Fernsehgeräten ab 1952 im VEB Rafena und später von Tisch- und Großrechnern (Kombinat Robotron) prägten über Jahrzehnte die städtische Wirtschaft.

Am 1. April 1995 wurde Liegau-Augustusbad eingemeindet.[4] Am 1. Januar 1999 kamen Großerkmannsdorf und Ullersdorf bei Radeberg hinzu.[5]

Zum 1. Januar 2009 erfolgte die Erhebung zur Großen Kreisstadt.

Wappen

Das Wappen und Wappenbrief der Stadt kam 1507 durch Herzog Georg von Sachsen hinzu, es zeigt Löwen über einem halben Holzrad, weshalb auch der Ursprung des slawischen Städtenamens von Rade-brech (auch: Radberch) angenommen wird. Aus den früheren Wappen wurde dafür nur die Farbe und das halbe Rad übernommen. Der schreitende Löwe ist als Wappentier der damaligen Mark Meißen von schwarz auf blau gewechselt[6]. Auf der Albrechtsburg in Meißen befindet sich allerdings ein Raum, in dem zahlreiche Wappen des Umlandes dargestellt sind, so auch das Wappen von Radeberg, welches dort aber drei Drittel eines zerbrochenen Rades auf hellblauem Grund zeigt. Ursprünglich ist das Rad auf das Mainzer Rad zurückzuführen. Schon 1233 gibt es im Siegel des Thimo von Radeberc drei gegeneinander gekehrte goldene Wagenfelgen[7].

Gedenkstätten

  • Ehrenhain an der Pulsnitzer Straße zur Erinnerung an ermordete Häftlinge des AEL mit Gedenksteinen für Angehörige verschiedener Nationen
  • Gedenkstein am Standort des AEL, 1965 von dem ehemaligen Häftling Herbert Gute eingeweiht
  • Gedenktafel auf dem Gelände des ehemaligen VEB Robotron-Elektronik für die Insassen des AEL
  • Ehrenhain der FIR auf dem Ortsfriedhof für die Opfer des Faschismus und Widerstandskämpfer von Stadt und Kreis Radeberg
  • Ehrenhain und Gräber auf dem gleichen Friedhof für 59 sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter
  • Gedenkstein in der Siedlung an der Gartenstraße zur Erinnerung an den sozialdemokratischen Stadtrat Ernst Braune, der von den Nazis verfolgt wurde
  • Gedenkstein für Ernst Thälmann an der Lotzdorfer Straße, welcher bis zur Wendezeit von den Schülern der Ludwig-Richter-Schule gepflegt wurde.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Schloss Klippenstein
  • Das Rathaus am Markt wurde im Rokokostil von Samuel Locke 1767-69 errichtet, nachdem der Vorgängerbau 1714 abbrandte.
  • Die Kursächsische Postmeilensäule von 1728 vorm Rathaus ist eine 2012 angefertigte Nachbildung. Das Original stand 1729-1852 auf dem Markt.
  • Neben dem aus der Burg hervorgegangenen Schloss Klippenstein und dem als Gefängnis genutzten Hungerturm (Eulenturm) besteht auch ein Schlossmuseum.
  • Das Seifersdorfer Tal, das Hüttertal und die Dresdner Heide bieten sich für Ausflugstouren an.
  • Die Grundmühle in Liegau-Augustusbad am Beginn des Seifersdorfer Tals
  • Radeberg hat seit 1927 einen Posaunenchor der evangelischen Kirchgemeinde.
  • Der 1968 gegründete Radeberger Spielmannszug ist heute eine Sektion des Radeberger Sportvereins.
  • Obwohl die Radeberger Stadtkirche zur Zeit der Gotik errichtet wurde, kann man sie nicht kunstgeschichtlich einordnen.

Theater

Über die Region hinaus bekannt ist das Radeberger Biertheater, das als Erstes sächsisches Mundarttheater firmiert. Das Privattheater befindet sich im Kaiserhof an der Hauptstraße und bietet Platz für 264 Besucher. Darsteller sind u.a. Peter Flache, Die Bierhähne sowie Angela Zschaler, Thomas Rauch und Jens Albrecht.

Kulinarische Spezialitäten

Radeberger Exportbierbrauerei

Die bekannteste Spezialität ist das Radeberger Bier. Es ist das erste Bier, welches seit 1872 außerhalb Böhmens nach Pilsner Brauart gebraut wurde und damit gleichzeitig das älteste Pils in Deutschland. In der DDR war es als Exportbier relativ schwer im Handel zu erwerben (zum Beispiel nur in ausgewählten Restaurants). Nach einem Produktions- und Absatzeinbruch direkt nach der Wende, sowie dem zeitweiligen Wegfall der Exportmärkte, wurde in den letzten Jahren die Brau-Kapazität enorm gesteigert. 2002 benannte sich der Mehrheitseigner der Brauerei, die damalige Binding-Gruppe, in „Radeberger Gruppe“ um.

Eine weitere kulinarischen Spezialität Radebergs ist der Radeberger Bitterlikör, der ursprünglich von der Firma Richter hergestellt wurde.

Die Meierei Heinrichsthal wurde 1880 in dem gleichnamigen Ortsteil (heute zu Radeberg) gegründet. Bereits 1884 erwarb die Gründerin Agathe Zeis das Patent zur Herstellung des Camembert-Käses und war damit die erste in Deutschland, die die französische Käsespezialität herstellen durfte.

Medien

Über das Lokalgeschehen in und um Radeberg berichtet die Sächsische Zeitung in der Lokalausgabe Rödertal Zeitung, der WochenKurier, die Heimatzeitung Die Radeberger sowie der Radeberger Reporter.

Regelmäßige Veranstaltungen

In regelmäßigen Abständen finden als größte Veranstaltungen in der Stadt das Radeberger Bierstadtfest, das Brauereifest und das Korchfest statt. Weitere bekannte Events sind das Kohlrabiinselfest, das Ullersdorfer Dorfteichfest, die Sommersonnenwendfeier in Liegau-Augustusbad, das Sommerfest des Epilepsiezentrums Radeberg, das Feuerwehrfest und der Radeberger Weihnachtsmarkt. Zum Tag der offenen Tür laden unter anderem das Schloss, die Sternwarte, das Epilepsiezentrum und die Freiwillige Feuerwehren ein. Seit der Eingemeindung von Großerkmannsdorf im Jahre 1999 wird ab 11.11. eines jeden Jahres der Karneval durch den Karnevalsklub Großerkmannsdorf 1967 eingeläutet. Es finden auch Karnevalsveranstaltungen in anderen Radeberger Ortsteilen wie zum Beispiel in Ullersdorf statt.

Radeberger Bierstadtfest

Im August findet das Radeberger Bierstadtfest statt. Dabei wird die Innenstadt für den Fahrzeugverkehr gesperrt, um Platz für Händler, Schausteller und Bühnen zu schaffen. Künstler und DJs sorgen für musikalische Unterhaltung. Mittelalterliche Modenschauen, Showkochen, das Radeberger Bierfassrollen und der Radeberger Funkenflug werden an dem drei Tage dauernden Fest durchgeführt.

Freizeit- und Sportanlagen

Das Stadtbad Radeberg ist ein Freibad mit Schwimm- und Planschbecken, großen Liegeflächen, einem Kinderspielplatz und einem Volleyballplatz. Jährlich findet hier das Badfest und die Radeberger Highlandgames statt.

Der Radeberger SV betreibt mehrere Sportstätten in Radeberg, so das Stadion an der Schillerstraße mit mehreren Fußballplätzen und einer Sporthalle, sowie im Hüttertal einen große Bogenschießanlage. Aufgeteilt in verschiedene Abteilungen bietet der RSV u.a. Handball, Fußball, Tennis, Spielmannszug, Federball, Kegeln, Leichtathletik, Tanzen, Tischtennis, Turnen, Volleyball, Faustball und Bogenschießen an.

Bildung

Grundschule Stadtmitte

Das Humboldt-Gymnasium Radeberg auf dem Freudenberg geht auf die höhere Knabenschule zurück, die 1899 gegründet wurde. Seit 1912 existiert der Schulbau auf dem Freudenberg und 1925 durften das erste Mal Schüler in die Abiturstufe aufgenommen werden. Drei Mädchen besuchten erstmals 1914 gemeinsam mit den Knaben die Schule. Nach der Schließung im Jahr 1982 wurde das Gymnasium 1992 neu gegründet und konnte im Frühjahr 2000 nach einer Sanierung des alten Gymnasialgebäudes und der Fertigstellung des Ergänzungsanbaus aus dem bis dahin mitbenutzten Gebäude der ehemaligen „Hans-Beimler-POS“ an der Waldstraße wieder auf den Freudenberg ziehen.

Des Weiteren gibt es in Radeberg zwei Mittelschulen, die Pestalozzi-Mittelschule im Stadtzentrum und die Ludwig-Richter-Mittelschule im Stadtteil Lotzdorf. In Radeberg gibt es die Grundschule Süd, die Grundschule Stadtmitte sowie die Grundschulen in den Ortsteilen Ullersdorf und Liegau-Augustusbad. Die Grundschule im Ortsteil Ullersdorf hat seit 2008 im Ortsteil Großerkmannsdorf noch eine Außenstelle. Diese ehemalige Außenstelle der Pestalozzi-Mittelschule stand vorher leer und konnte mit einer Sondergenehmigung reaktiviert werden, da für eine Zweigleisigkeit in Ullersdorf nicht genügend Klassenräume zur Verfügung standen.

Nachbarorte

Ottendorf-Okrilla Königsbrück

Wachau (Sachsen)

Pulsnitz und Großröhrsdorf
Dresdner Heide Nachbargemeinden Arnsdorf und Bischofswerda
Dresden Eschdorf

Pirna

Stolpen

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Karl Otto Uhlig (1872–1950), sächsischer Innenminister (1919–1920), Erster Bürgermeister (1920–1933), Ehrenbürger (1948)

Söhne und Töchter der Stadt

Mit Radeberg verbunden

Quellen

  1. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen – Bevölkerung des Freistaates Sachsen jeweils am Monatsende ausgewählter Berichtsmonate nach Gemeinden (Hilfe dazu)
  2. Zeittafel 1219 bis 1994
  3. Die Bevölkerung des Reichs nach der Volkszählung 1939, Heft 2; Berlin 1941
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1995
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999
  6. Lexikon Städte und Wappen der Deutschen Demokratischen Republik, VEB Verlag Enzyklopädie Leipzig 1979, Dr. habil. Karlheinz Blaschke, Prof. Dr. sc. Gerhard Kehrer, Heinz Machatscheck
  7. Lexikon Heraldik, Gert Oswald, VEB Bibliographische Institut Leipzig, 1984
  8. a b Mit großer Freude greif ich zur Feder
  9. Die Apels – eine Dresdner Puppenspielerfamilie zwischen Kaiserreich und DDR
  10. Kasper, warum hast du so goldene Fäden?
  11. Staatliche Kunstsammlungen Dresden
  12. SLUB Dresden

Literatur

  • Hans-Werner Gebauer, Klaus Kaulfuß, Wolfgang Seifert: Radeberger Alltagsimpressionen. Sutton Verlag, Erfurt 2009; 128 S.; ISBN 3-86680-542-X
  • Hans-Werner Gebauer, Bernd Lichtenberger: Radeberg. Sutton Verlag, Erfurt 2003; 128 S.; ISBN 3-89702-607-4
  • Hans-Werner Gebauer, Katja Altmann: Radeberg. Sutton Verlag, Erfurt 1999; 128 S.; ISBN 3-89702-110-2
  • Friedrich Bernhard Störzner: Was die Heimat erzählt, Verlag Arwed Strauch, Leipzig 1904
  • Rat der Stadt Radeberg: Radeberg - die 750jährige Stadt an der Röder, VEB polydruck, Radeberg 1969, (III-9-157) J 1516/69
  • Rat der Stadt Radeberg: Radeberger Marktgeschichten, Grafischer Großbetrieb Völkerfreundschaft, Radeberg 1989, (III-9-157)
  • Rat der Stadt Radeberg: Visitenkarte einer Stadt, Grafischer Großbetrieb Völkerfreundschaft Dresden, PA Radeberg, (III-9-157) J 928-80-D 83-80
  • Rat des Kreises Dresden: Ausflugsziele im Kreis Dresden. polydruck, PA Radeberg, 1980, (III-9-157) J 1311/80-D 44/80

Weblinks

 Wikisource: Radeberg – Quellen und Volltexte
 Commons: Radeberg – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
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