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| Raps | ||||||||||||
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| Raps (Brassica napus) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Brassica napus | ||||||||||||
| L. |
Raps (Brassica napus), auch Reps genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der KreuzblĂŒtengewĂ€chse (Brassicaceae). Es ist eine wirtschaftlich bedeutende Nutzpflanze. Genutzt werden die Samen vor allem zur Gewinnung von Rapsöl und dem Koppelprodukt Rapskuchen. Die SteckrĂŒbe Brassica napus subsp. rapifera ist eine Unterart von Raps (Brassica napus). In Mitteleuropa werden gelbblĂŒhende Felder im SpĂ€tsommer und Herbst auch oft als Raps bezeichnet, allerdings ist dies fast immer der entfernt verwandte Gelbsenf.
Inhaltsverzeichnis |
Raps ist eine ein- oder zweijÀhrige, krautige Pflanze mit aufrechter, verzweigter Sprossachse. Sie erreicht eine Wuchshöhe von 30 bis 150 Zentimetern. Die Pflanzen sind gelegentlich an der Nervatur und den RÀndern der BlÀtter sehr schwach gewimpert,[1] meist aber vollstÀndig kahl oder am Ansatz schwach behaart. Sie sind von grauer Farbe. Es kann eine fleischige Pfahlwurzel ausgebildet werden.[2]
Die zuunterst am StĂ€ngel stehenden LaubblĂ€tter haben bis zu 15 Zentimeter lange Blattstiele, die Spreite ist im Umriss eiförmig, lĂ€nglich-rund bis lanzettlich, fiederblattartig gelappt (manchmal nicht weiter unterteilt) und 5 bis 25 (selten bis zu 40) Zentimeter lang und 2 bis 7 (10) Zentimeter breit. Die Ă€uĂersten Lappen sind eiförmig, am Rand gezĂ€hnt, gewellt oder ganzrandig. Je Seite der Mittelrippe stehen ein bis sechs seitliche Lappen, deutlich kleiner als die SchluĂlappen, gelegentlich fehlend und ebenfalls am Rand gezĂ€hnt, gewellt oder ganzrandig. Die oben am StĂ€ngel stehenden BlĂ€tter sind ungestielt, lanzettlich, eiförmig oder lĂ€nglich-rund, bis zu 8 Zentimeter lang und 3,5 Zentimeter breit, ihr ohrförmiger Ansatz umschlieĂt den StĂ€ngel, der Rand ist ganz oder gewellt.[2]
20 bis 60 BlĂŒten sitzen in einem endstĂ€ndigen, traubigen BlĂŒtenstand zusammen.[1] Die BlĂŒtenstiele sind gerade, weit gespreizt und 1,2 bis 2,3 (1 bis 3) Zentimeter lang.
Die KelchblĂ€tter sind lĂ€nglich-rund, 5 bis 10 Millimeter lang und 1,5 bis 2,5 Millimeter breit, aufwĂ€rtsweisend oder selten fast aufrecht. Die KronblĂ€tter sind hell- bis blassgelb, breit umgekehrt-eiförmig mit abgerundeter Spitze, 1 bis 1,6 (0,9 bis 1,8) Zentimeter lang und 6 bis 9 (5 bis 10) Millimeter breit und 5 bis 9 Millimeter langem Nagel.[2] Die Rapspflanze blĂŒht witterungsabhĂ€ngig etwa drei bis fĂŒnf Wochen, eine einzelne BlĂŒte ist aber bereits nach ein bis zwei Tagen ausgeblĂŒht [3]. Der Fruchtknoten ist langgestreckt mit kurzem Griffel und kopfförmiger Narbe.[4] Die StaubfĂ€den sind 7 bis 10 (selten 5) Millimeter, die lĂ€nglich-runden Staubbeutel 1,5 bis 2,5 Millimeter lang. Es kommt sowohl Selbstbefruchtung innerhalb der BlĂŒte als auch Fremdbefruchtung durch Bienen vor.[4]
Die ungestielte, aufwÀrtsweisende Schote ist linealisch, zylindrisch bis schwach rechteckig, 5 bis 9,5 (3,5 bis 11) Zentimeter lang und 3,5 bis 5 Millimeter breit. Sie enthÀlt zwölf bis zwanzig, dunkelbraune bis schwÀrzliche, runde Samen mit fein genetzter OberflÀche, die einen Durchmesser von 1,5 bis 2,5 (1,2 bis 3) Millimeter aufweisen.[2]
Brassica napus ist eine allopolyploide Hybride, die aus einer Bastardisierung von RĂŒbsen (Brassica rapa) und GemĂŒsekohl (Brassica oleracea) hervorgegangen ist. Das Genom von Raps besteht aus 38 Chromosomen, davon sind 20 bzw. 18 Chromosomen von den beiden Ausgangsformen.[4]
Raps wird schon seit Jahrhunderten wegen des hohen Ălgehaltes seiner Samenkörner kultiviert. Die Rapspflanze war schon den Römern bekannt. UrsprĂŒnglich stammt der Raps aus dem östlichen Mittelmeerraum und wurde zur Gewinnung von Speise- und vor allem Lampenöl verwendet. In Indien gibt es fĂŒr eine Verwendung Hinweise bereits um 2000 v. Chr., in Mitteleuropa wird er erst seit dem 14. Jahrhundert angebaut [5]. Ab dem 17. Jahrhundert findet der Anbau im gröĂeren Stil statt. Im nordwestlichen Deutschland und in den Niederlanden war Raps im 16. und 17. Jahrhundert die wichtigste Ălfrucht. In der Mitte und im Osten Deutschlands dagegen herrschten die eng verwandten RĂŒbsen vor[6]. ZunĂ€chst lieferte Raps vorwiegend Brennstoff fĂŒr Ăllampen. Im frĂŒhen 19. Jahrhundert stieg der Rapsanbau an, weil sich der Gebrauch des Ăls als Beleuchtungs- und Nahrungsmittel zunehmend durchsetzte. Als Speiseöl wurde Rapsöl unter anderem wegen seines bitteren Geschmacks, der auf einen hohen Gehalt an ErucasĂ€ure zurĂŒckzufĂŒhren war, nur eingeschrĂ€nkt verwendet. Allenfalls in Hungerzeiten kam Rapsöl vermehrt auch als Nahrungsmittel auf den Tisch. So brach der Rapsanbau in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts stark ein, als preiswerte Erdölimporte und tropische und subtropische Speiseöle auf den Markt kamen. 1878 wurden noch 188.000 ha Raps im Deutschen Reich angebaut, 36 Jahre spĂ€ter waren es nur noch 87.711 ha[6].
In beiden Weltkriegen wurde in Deutschland der Rapsanbau forciert, um sich aus der AbhĂ€ngigkeit von Fett- und Ăleinfuhren zu lösen. Vor allem Margarine wurde aus heimischem Rapsöl hergestellt. Als Speiseöl nur bedingt tauglich, als Futtermittel ungeeignet, blieb Rapsöl im Wesentlichen auf die Verwertung technischer Ăle beschrĂ€nkt (Brennstoff fĂŒr Ăllampen, Schmiermittel fĂŒr (Dampf)Maschinen, Grundstoff fĂŒr die Seifenherstellung) [4]. Dies Ă€nderte sich ab etwa Mitte der 1970er Jahre. Es kamen NeuzĂŒchtungen mit zwei neuen Merkmalen auf den Markt: Das Ăl aus diesem 00-Raps ("Doppel-Null") enthielt nur noch geringe Mengen der bitter schmeckenden ErucasĂ€ure und war nahezu frei von Senfölglykosiden. Diese giftigen Stoffe hatten bis dahin eine Verwendung als Lebensmittel bzw. als Tierfutter weitgehend ausgeschlossen.
Nachdem durch die NeuzĂŒchtungen zunĂ€chst die Verwertung als ernĂ€hrungsphysiologisch wertvolles Speiseöl sowie als Rohstoff fĂŒr Speisefette in den Mittelpunkt gestellt wurde, ist Rapssaat in der Folge dann zunehmend auch als nachwachsender Rohstoff genutzt worden. 2007 wurden drei Viertel des in Deutschland erzeugten Rapsöls zur Erzeugung von Biokraftstoffen oder zur Verwertung in der Industrie verwendet.[7]
Bis zu den 1970er Jahren konnte man Raps kaum als Lebens- und Futtermittel verwenden, denn er enthielt erhebliche Mengen der einfach ungesĂ€ttigten ErucasĂ€ure und an Glucosinolaten. ErucasĂ€ure macht mehr als die HĂ€lfte der FettsĂ€ure herkömmlicher Rapssorten aus,[8], sie verursacht OrganschĂ€den und Herzprobleme bei Menschen und SĂ€ugetieren. Wegen der Glucosinolate durften Raps-PressrĂŒckstĂ€nde nur zu geringen Anteilen im Tierfutter sein. Wegen des intensiven Kohlgeruchs fraĂen die Tiere weniger, zudem verĂ€ndern Glucosinolate die SchilddrĂŒse. AuĂerdem entstanden im PressrĂŒckstand Senföle, die beim Tier Verdauungsstörungen hervorrufen, HĂŒhnereier erhalten einen Fischgeschmack.
Seit 1974 wurden unter der Bezeichnung Null-Raps (0-Raps) praktisch erucasĂ€urefreie (weniger als 2 Prozent im Ăl) und damit fĂŒr die menschliche ErnĂ€hrung geeignete Raps-Genotypen entwickelt, deren Saat einen höheren Anteil der besser vertrĂ€glichen Ăl- und LinolensĂ€ure enthĂ€lt. Livio war das erste kommerziell vertriebene Raps-Speiseöl in (West-)Deutschland.
Die BemĂŒhungen, einen Doppelnull-Raps zu etablieren (00-Raps), fĂŒhrten 1981 zur Eintragung der ersten Winterrapssorte mit DoppelqualitĂ€t, LIBRADOR, in die deutsche Sortenliste. Bereits 1982 folgte die Sorte LIGLANDOR, und 1983 wurden die Sorten LINDORA, LIROPA und ELENA in die Sortenliste aufgenommen. Mit jeder neuen Sorteneintragung verringert sich der Abstand in der Ertragsleistung zwischen den 0-Sorten und 00-Sorten. Die Problematik der LeistungsprĂŒfung, bedingt durch Wildverbiss (das Wild frisst naheliegenderweise die glucosinolatarmen Typen), fĂŒhrte dazu, dass die Streuung der Ergebnisse zwischen den 00-Sorten wesentlich gröĂer ist als zwischen den 0-Sorten. Die Zusammensetzung der FettsĂ€uren von 00-Rapsöl ist der von Olivenöl sehr Ă€hnlich. Der Anteil essentieller FettsĂ€uren, insbesondere der α-LinolensĂ€ure ist um ein Mehrfaches höher als bei Olivenöl.[9] Die in Kanada entwickelten und in ganz Nordamerika kultivierten Doppelnull-Rapssorten wurden ursprĂŒnglich aus VermarktungsgrĂŒnden auch als Canola (Canadian oil, low acid) bezeichnet. Mittlerweile wird Canola in weiten Teilen Amerikas und Australiens allgemein als Bezeichnung fĂŒr Raps verwendet, unter anderem wegen der Konnotation des englischen Ausdrucks rape seed (rape bedeutet neben Raps auch Vergewaltigung).
In Deutschland wird heute beinahe die gesamte AnbauflĂ€che mit 00-Raps bestellt.[10] Daneben wurden fĂŒr die Produktion von ErucasĂ€ure als industrieller Rohstoff erucasĂ€urereiche, aber glucosinolatarme Sorten gezĂŒchtet, der PlusNull-Raps (+0-Raps) oder HEAR (engl.: high eruic acid rapeseed). Der PressrĂŒckstand kann auch bei diesen Sorten verfĂŒttert werden. Auf FlĂ€chen, die einmal mit +0-Raps bepflanzt waren, kann allerdings kein 00-Raps fĂŒr die menschliche ErnĂ€hrung mehr angebaut werden, da dieser mit ausgesamtem +0-Raps (Ausfallraps) verunreinigt sein kann.
Der Verzehr von Raps in gröĂeren Mengen ĂŒber lĂ€ngere Zeit kann bei WiederkĂ€uern Blutarmut verursachen.[11][12]
Da beim 00-Raps Ăshemmer wie der Gehalt an Senfglykosiden reduziert ist, kommt es insbesondere in Wintermonaten zu einer erhöhten und teilweise ausschlieĂlichen Aufnahme dieses Rapses beispielsweise beim Reh. Der damit verbundene hohe EiweiĂgehalt und der geringe Rohfaseranteil der Nahrung fĂŒhrt bei Rehen zu schweren Verdauuungsstörungen wie einer schaumigen GĂ€rung des Pansensinhalts und dadurch unter anderem zu einer Zerstörung der Pansenmikroflora und -fauna. Dies allein fĂŒhrt bei vielen Rehen bereits zum Tod, andere Tiere gehen nach einer bis drei Wochen an hĂ€molytischer AnĂ€mie ein, die wahrscheinlich auf das Vorhandensein von S-Methylcysteinsulfoxid im Raps zurĂŒckzufĂŒhren ist. Die ausschlieĂliche Aufnahme nur einer Ăspflanze widerspricht normalerweise der Nahrungsstrategie von Rehen. Bei Untersuchungen, welche und wie viele Rehe gestorben sind, fand man in Ăsterreich heraus, dass es sich dabei um auffallend viele Jungtiere handelt. Der Wildbiologe Fred Kurt vermutet deswegen, dass es sich um Jungtiere handelt, die den Anschluss an ihre SprĂŒnge verloren haben. Im VerhĂ€ltnis zu den hohen RehbestĂ€nden stirbt eine vergleichsweise geringe Anzahl.[13]
HOLLi-Raps (High Oleic, Low Linolenic") ist eine weitere ZĂŒchtung mit verĂ€nderter FettsĂ€urezusammensetzung. Das Ăl ist sehr hitzestabil, bei der Erhitzung entstehen weniger gesundheitsschĂ€dliche "trans-FettsĂ€uren". FĂŒr den Anbau von HOLLi-Raps steht derzeit (Stand: 2008) die neu zugelassene Winterrapssorte âV 140 OLâ zur VerfĂŒgung.[14]
Im Juli 1994 wurde in Frankreich die weltweit erste Hybridsorte bei Raps in die Sortenliste eingetragen. Bei dieser bleibt die âcytoplasmatisch-mĂ€nnliche SterilitĂ€tâ (cms) der Mutterlinie in der Hybride erhalten, die aufwachsende Hybridpflanze bildet also keinen Pollen und ist daher mĂ€nnlich steril. Im Konsumanbau werden "Verbundhybriden" genannte Saatgutmischungen aus der unfruchtbaren Hybridsorte und einer herkömmlichen Sorte als Pollenspender ausgesĂ€t.
Schon Anfang der 1980er Jahre wurden an der Justus Liebig UniversitĂ€t in GieĂen sog. "zusammengesetzte Sorten" entwickelt, die auf dem Markt eine nennenswerte Bedeutung erreichten (z.B. Elvira). Hierbei blĂŒhten gezielt kombinierte Linien miteinander ab. Diese Linien waren zwar verhĂ€ltnismĂ€Ăig reinerbig, aber wiesen dennoch im Gegensatz zur Hybridsorten-Komponenten keinen so hohen Inzuchtanteil auf.
1996 wurden in Deutschland sogenannte "restaurierte Hybriden" zum Anbau zugelassen. Diese blĂŒhen wie herkömmliche Liniensorten ab und bieten daher die gleiche Ertragssicherheit wie diese, jedoch verbunden mit höherer VitalitĂ€t und höherem Ertragspotenzial. 2002 standen Hybridsorten auf etwa der HĂ€lfte der RapsanbauflĂ€che in Deutschland.
Das genetische Potential von Raps ist sehr eng, da Raps eine Artkreuzung ist. Raps-Resynthesen (auch Resynthese-Raps) dienen der Verbreiterung des genetischen Potentials des Rapses. Dabei werden unterschiedlichen Formen der Rapseltern, also RĂŒbsen (Brassica rapa) und Kohl (Brassica oleracea), miteinander gekreuzt. Die Folgegeneration kann dann als weiteres Zuchtmaterial genutzt werden. Die Raps-Resynthesen sind eine wichtige Quelle fĂŒr die ResistenzzĂŒchtung, z.B. gegen StengelfĂ€ule (Phoma lingam), Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) und krankhafte Abreife (Verticillium longisporum).
â Hauptartikel: transgener Raps
Raps zĂ€hlt zu den ersten Nutzpflanzen, bei denen groĂflĂ€chig gentechnisch verĂ€nderte Sorten angebaut wurden. Durch VerĂ€nderung des Rapserbguts wurden Rapspflanzen mit verschiedenen nĂŒtzlichen Eigenschaften entwickelt. Gentechnisch verĂ€nderte Rapssorten werden bisher vor allem in den USA (82% der RapsanbauflĂ€che im Jahr 2007), Kanada (87% der RapsanbauflĂ€che im Jahr 2007) und in Australien (seit 2008) angebaut. In der EU gibt es bisher lediglich Zulassungen der Ernte als Lebens- bzw. Futtermittel, jedoch keine fĂŒr den kommerziellen Anbau.[15]
Die AnsprĂŒche von Raps an den Boden sind denen des Weizens vergleichbar. Raps benötigt tiefgrĂŒndigen Boden, der eine ungehinderte Wurzelentwicklung bis unterhalb des Bearbeitungshorizonts ermöglicht. TiefgrĂŒndige Lehmböden mit pH-Werten um 6,5 sind fĂŒr den Anbau besonders geeignet. Ungeeignete Standorte fĂŒr Raps sind sehr tonige Böden mit starker Neigung zu StaunĂ€sse wegen EinschrĂ€nkungen bei der Bodenbearbeitung sowie extrem leichte oder flachgrĂŒndige Böden, bei denen Trockenperioden die Ertragssicherheit verringern. Bei Moorböden mit SpĂ€tfrostgefahr kann es bei Winterrapsanbau zur SchĂ€digung der BlĂŒte, zum Platzen der PflanzenstĂ€ngel oder auch zum Auffrieren des Bestandes mit TotalschĂ€den kommen.
Raps besitzt nur eine begrenzte FrosthĂ€rte bis zu etwa â15 °C bis â20 °C bei schneefreiem Boden. VerĂ€ndert sich die Bodenstruktur durch Frosteinwirkung (Auffrieren), so können zudem Wurzeln abreiĂen. Warme Mittagstemperaturen bei beginnender Atmung der Pflanzen gegen Winterende können zum Vertrocknen fĂŒhren, da die Wurzeln bei noch gefrorenem Boden nicht genĂŒgend Wasser aufnehmen können.
Raps ist nicht selbstvertrĂ€glich, das heiĂt, dass man nach dem Anbau das Feld zwei bis drei Jahre nicht mehr mit Raps bepflanzen soll, um ein vermehrtes Auftreten spezifischer Pflanzenkrankheiten und -schĂ€dlinge zu vermeiden. Raps kann daher einen Anteil von höchstens 25 bis 33 Prozent in der Fruchtfolge einnehmen, um MinderertrĂ€ge beziehungsweise verstĂ€rkten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu vermeiden. Auch vor dem Anbau verwandter Kulturpflanzen nach Raps sind Anbaupausen nötig, so bei Beta-RĂŒben wegen RĂŒbennematoden sowie bei Kohl- und StoppelrĂŒben wegen Kohlhernie.
Raps ist bei der Fruchtfolge mit Getreide wichtig, da er Struktur und biologische AktivitĂ€t des Bodens fördert sowie mit dem Verbleib von Pflanzenteilen (Wurzeln, Stroh) auf dem Feld der Humusbildung dient. Vor allem Sommerraps sorgt mit einer guten Durchwurzelung des Bodens fĂŒr dessen gute DurchlĂŒftung. Winterraps kann von VorfrĂŒchten freigesetzte Stickstoffmengen noch im Herbst aufnehmen. Bleibt Rapssaat im Boden, ist sie auch nach langer Zeit (bis zu 10 Jahre[16]) noch keimfĂ€hig und kann bei Auswuchs NachfrĂŒchte stören.
In Mitteleuropa wird ĂŒberwiegend Winterraps angebaut. Die Aussaat erfolgt im Herbst, die Ernte im darauf folgenden FrĂŒhsommer. In Kanada, dem weltweit gröĂten Raps-Erzeugerland, ĂŒberwiegt dagegen Sommerraps.
In Deutschland wird bei Winterraps ein Saattermin in der zweiten AugusthÀlfte angestrebt. Eine Aussaat bis in die erste Septemberwoche ist möglich. Angestrebt wird, dass die Pflanzen in einem krÀftigen Rosettenstadium in den Winter gehen, jedoch noch keine verlÀngerte Sprossachse bilden.
Raps erfordert ein optimales Saatbett mit leicht verfestigtem Saatablagehorizont (die Bodentiefe, in der das Saatgut abgelegt wird) und flacher, lockerer OberflĂ€che. 35â70 Körner Winterraps pro Quadratmeter werden mit zwei bis drei Zentimetern Ablagetiefe flach gesĂ€t. Bei Hybriden liegt die Aussaatmenge etwas niedriger als bei Liniensorten. Ăblich sind ReihenabstĂ€nde von etwa 13 bis 26 cm. Zur Anwendung kommt sowohl die Drillsaat als auch die exaktere, aber aufwĂ€ndigere Einzelkornsaat.
Die Rapspflanze stellt hohe AnsprĂŒche an die NĂ€hrstoffversorgung. Verglichen mit Getreide ist bei Raps unter den HauptnĂ€hrstoffen vor allem der Bedarf an Stickstoff, Kalium und Schwefel hoch. Unter den MikronĂ€hrstoffversorgung benötigt Raps besonders viel Bor, Mangan und MolybdĂ€n.[17]
Bis in die 1970er Jahre wurde Raps als Hackfrucht angebaut - im ökologischen Landbau erfolgt die Unkrautregulierung auch heute per Maschinenhacke. Im konventionellen und integrierten Anbau wird das Unkraut neben allgemeinen ackerbaulichen MaĂnahmen fast ausschlieĂlich durch Herbizide bekĂ€mpft. Gentechnisch verĂ€nderte herbizidresistente Rapssaat ermöglicht den Einsatz nichtselektiver Herbizide, ist jedoch in Europa nicht zum Anbau zugelassen. Pflanzenschutzmittel (Insektizide, Fungizide und Wachstumsregler) werden in Deutschland wĂ€hrend der Kulturdauer im Durchschnitt rund dreimal ausgebracht.
Bei dem verbreiteten Anbau nach Getreide tritt regelmĂ€Ăig Ausfallgetreide (Aufwuchs aus Samen, die bei der Getreideernte auf dem Acker verblieben sind) auf. Zu den hĂ€ufigsten UngrĂ€sern zĂ€hlt der Acker-Fuchsschwanz. An UnkrĂ€utern treten hĂ€ufig Klettenlabkraut und Vogelmiere auf sowie, vor allem auf schlecht durchlĂŒfteten Böden, Kamillen. Einseitiger Herbizideinsatz fördert zudem dem Raps verwandte kreuzblĂŒtige UnkrĂ€uter sowie AckerstiefmĂŒtterchen und Storchenschnabel.
Geerntet wird der stehende Rapsbestand in Deutschland meist in einem Arbeitsgang im sogenannten Direktdrusch, in den KĂŒstenregionen wird aufgrund des erhöhten Windeinfalls aber auch zur Vermeidung vorzeitigen Samenausfalls aus den Schoten das mehrteilige Schwaddrusch-Verfahren angewandt.
Beim Direktdrusch wird der Raps geerntet, sobald die Körner schwarz geworden sind und beim SchĂŒtteln in der Schote rascheln. Das Stroh kann zu diesem Zeitpunkt noch teilweise grĂŒn sein. In Deutschland ist dies in der Regel in der zweiten JulihĂ€lfte der Fall. Als Erntemaschine dient beim Direktdrusch der herkömmliche MĂ€hdrescher, der allerdings verbreitet mit Zusatzeinrichtungen wie einer VerlĂ€ngerung des Tisches hinter dem Schneidwerk wegen des langen Rapsstrohs sowie Seitenmessern am Schneidwerk zum Trennen der ineinander verworrenen Rapspflanzen versehen ist. Wegen der im Vergleich zum Getreidekorn feinen Rapsaat muss das Dreschwerk des MĂ€hdrescher mit anderen, auf das Rapskorn angepassten Sieben und Blechen ausgerĂŒstet sein. Teils wird der Rapsbestand bei der Sikkation chemisch abgetötet, um einen einfacheren Direktdrusch zu ermöglichen.
Beim Schwaddrusch werden die Pflanzen in der Regel bereits ein bis zwei Wochen frĂŒher, nĂ€mlich sobald die Körner beidseitig zu brĂ€unen beginnen, mit einem SchwadmĂ€her gemĂ€ht und auf Schwad gelegt. Nach erfolgter Feldtrocknung wird der Schwad durch einen hierzu mit einer Pickup anstelle des Schneidwerks ausgerĂŒsteten MĂ€hdrescher aufgenommen und ausgedroschen.[19][20]
Die HektarertrĂ€ge fĂŒr Winterraps in Deutschland betrugen 1992 durchschnittlich 2,6 Tonnen pro Hektar, zur Ernte 2009 dagegen die bisherige Rekordmenge von 4,2 Tonnen pro Hektar. Der mittlere Ălgehalt der Rapssaat betrĂ€gt 45 bis 50 Prozent, der Proteingehalt reicht von 17 bis 25 Prozent.
Seit den 1990er Jahren ist Raps nach Soja weltweit die Ălsaat mit dem zweithöchsten Anteil am Weltmarkt. 2007 betrug der Anteil von Raps an der weltweiten Ălsaatenproduktion 12,9 %. Weltweit wurden 2008/09 rund 54,1 Mio. t Rapssaat erzeugt, das ist mehr als das Vierfache der jĂ€hrlichen Produktion Anfang der 1980er-Jahre (12,7 Mio. Tonnen im Durchschnitt der Jahre 1980-1982). Auch die Rapsölproduktion steigt stark an, der Anteil an der gesamten Pflanzenölproduktion fĂŒr das Wirtschaftsjahr 2008/09 wird auf 14,5 Prozent geschĂ€tzt.[21]
In Europa wird fast ausschlieĂlich 00-Rapssorten als Winterraps angebaut. Der Anbau als Sommerung hat an Bedeutung verloren (372.000 Hektar im Jahr 2007). Knapp 60 Prozent der SommerrapsflĂ€chen in der EU liegen in den baltischen Staaten. In Deutschland ist der Sommerrapsanbau seit Mitte der 1990er Jahre um fast 90 Prozent auf 12.800 Hektar zurĂŒckgegangen.[22]
Die in Deutschland meist angebauten 00-Rapssorten eignen sich fĂŒr die Verwendung im Lebensmittelsektor ebenso wie fĂŒr die Verwendung als nachwachsender Rohstoff. Auf FlĂ€chen, die als StilllegungsflĂ€chen ausgewiesen sind, dĂŒrfen keine Lebens- und Futtermittel angebaut werden. Auf diesen FlĂ€chen kultivierter Raps wird also ausschlieĂlich als nachwachsender Rohstoff verwendet. Da die obligatorische FlĂ€chenstillegung 2008 abgeschafft wurde und die EnergiepflanzenprĂ€mie der EU fĂŒr Raps auf Nicht-StilllegungsflĂ€chen 2009 letztmalig ausgezahlt wird, konkurrieren die verschiedenen Verwendungsarten fĂŒr Rapsprodukte nun ohne Einfluss der Agrarförderung.[21]
Raps als nachwachsender Rohstoff wurde 2008 in Deutschland auf rund 1,0 Mio. Hektar angebaut, das sind erstmals nach jahrelangen ZuwÀchsen fast 20 Prozent weniger als im Vorjahr. Fast 64 Prozent der bundesweiten AnbauflÀche in 2007 lag in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt.[21][23]
91 % der Welt-Rapsproduktion erfolgt in der EuropĂ€ische Union, China, Kanada und Indien. Kanada fĂŒhrt die Liste der ExportlĂ€nder an, bis 2006 gefolgt von Australien. DĂŒrrebedingte ErnteausfĂ€lle in Australien und ein steigendes Rapsangebot aus den GUS-Staaten, insbesondere der Ukraine, erhöhen die Bedeutung Osteuropas fĂŒr den internationalen Rapsmarkt.[21]
Innerhalb der EuropĂ€ischen Union dominiert die Rapserzeugung in Deutschland mit 5,2 Millionen Tonnen und Frankreich mit 5,0 Millionen Tonnen (Ernte 2008/09). GroĂbritannien und Polen sind weitere wichtige ErzeugerlĂ€nder in der EU. Die AnbauflĂ€chen wurden in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet, vor allem von einigen LĂ€ndern der neuen EU-Staaten (RumĂ€nien, Polen, Tschechien).[21]
Die AnbauflĂ€che in Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen: Von weniger als 20.000 Hektar zu Beginn der 80er Jahre ĂŒber eine Million Hektar im Jahr 1992 bis zu 1,5 Millionen Hektar zur Ernte 2009.[24]
Hauptartikel: Rapsöl, Rapsstroh, Rapsextraktionsschrot und Rapskuchen
Aus der Rapssaat, dem wirtschaftlich genutzten Pflanzenteil, wird in erster Linie Rapsöl gewonnen, das als Speiseöl und Futtermittel, aber auch als Biokraftstoff genutzt wird. Weiter wird Rapsöl in der chemischen und pharmazeutischen Industrie verwendet und dient als Grundstoff fĂŒr Materialien wie Farben, Bio-Kunststoffe, Kaltschaum, Weichmacher, Tenside und biologene Schmierstoffe.[25]
Als Koppelprodukte der Rapsölgewinnung in ĂlmĂŒhlen fallen je nach Verarbeitungsmethode rund zwei Drittel der Rapssaatmasse in Form von Rapskuchen, Rapsexpeller oder Rapsextraktionsschrot an. Diese Produkte finden vor allem als eiweiĂreiches Tierfutter Verwendung und können Importe von Soja teilweise ersetzten. Glycerin, das als Nebenprodukt der Weiterverarbeitung von Rapsöl zu Biodiesel anfĂ€llt, findet ebenfalls Verwendung in der Futtermittelindustrie, zunehmend aber auch in der chemischen Industrie sowie als BioenergietrĂ€ger.
Das bei der Ernte anfallende Rapsstroh verbleibt in der Regel als Humus- und NĂ€hrstofflieferant auf dem Acker, kann aber auch energetisch genutzt werden.
FĂŒr die Imkerei haben Rapskulturen groĂe Bedeutung. RapsblĂŒten sind unter anderem in Deutschland eine der wichtigsten und ergiebigsten Nektarquellen fĂŒr Honigbienen, eine RapsblĂŒte produziert in 24 Stunden Nektar mit einem Gesamtzuckergehalt von 0,4 bis 2,1 mg. Ein Hektar Raps kann in einer BlĂŒhsaison eine Honigernte von bis zu 494 kg einbringen. Aufgrund des groĂflĂ€chigen Anbaues ist der fein und schmalzartig kandierende Rapshonig zugleich leicht als sortenreiner Honig zu ernten.[26]
Hauptartikel: Rapsmethylester, Biodiesel
Rapssaat hat sich etwa seit dem Jahrtausendwechsel zu einem wichtigen BioenergietrĂ€ger entwickelt. Rapsöl wird dabei vor allem fĂŒr die Biokraftstoffe Pflanzenöl-Kraftstoff und Biodiesel (Rapsölmethylester) verwendet. Daneben dient das Ăl als Treibstoff in Pflanzenöl-Blockheizkraftwerken (BHKW) und als Brennstoff - pur oder in Beimischung - in Ălheizungen, die fĂŒr den Pflanzenölbetrieb angepasst sind (Pflanzenölbrenner). Rapskuchen wird derzeit fast ausschlieĂlich in der TierfĂŒtterung genutzt, möglich ist jedoch auch die Verbrennung oder die Nutzung als Substrat in Biogasanlagen zur WĂ€rme- und Stromerzeugung.
Neben den allgemeinen Vorteilen der BioenergietrĂ€ger wie Erneuerbarkeit, weitgehende CO2-NeutralitĂ€t und der FĂ€higkeit, Sonnenenergie zu speichern spricht fĂŒr die energetische Nutzung von Pflanzenölen, dass sie in groĂen Mengen verfĂŒgbar sind und die Nutzung mit relativ geringem technischem Aufwand möglich ist. Ein wichtiger Faktor aus Sicht der RessourceverfĂŒgbarkeit ist bei weltweit steigendem Proteinbedarf die Nutzung der Koppelprodukte als proteinreiche Futtermittel[27]. In Deutschland ist Rapsöl derzeit das einzige einheimische Pflanzenöl, das in groĂen Mengen fĂŒr eine energetische Nutzung zur VerfĂŒgung steht.
Kritisiert werden an der Nutzung von Raps als Energiepflanze der FlĂ€chenbedarf bei zunehmender FlĂ€chenkonkurrenz zu Nahrungs- und Futtermitteln. Teilweise in Zusammenhang damit werden die Auswirkungen der Biokraftstoffproduktion auf die Weltmarktpreise von Nahrungsmitteln diskutiert.[28] Zudem ist der Ressourcenverbrauch von Raps als BioenergietrĂ€ger zu berĂŒcksichtigen: Die DĂŒngung der Pflanze und, in geringerem MaĂe, die Verarbeitung der Rapssaat zu Pflanzenöl und Biodiesel verbrauchen Energie und Rohstoffe, der Wasserverbrauch der Rapspflanze beim Aufwuchs ist ebenfalls erheblich.
Diskutiert wird, wie sich die StickstoffdĂŒngung auf die Klimabilanz von Raps auswirkt. Ein Teil des Stickstoffs kann zu Distickstoffoxid (N2O, âLachgasâ) umgesetzt werden, ein bis zu 320-fach stĂ€rker wirkendes Treibhausgas als Kohlenstoffdioxid (CO2).[29] Die tatsĂ€chlich freigesetzte Menge hĂ€ngt unter anderem von dem Anteil des Stickstoff im DĂŒnger ab, der tatsĂ€chlich zu Lachgas umgesetzt wird und in die AtmosphĂ€re gelangt. FĂŒr die Berechnung sind auch Faktoren wichtig, wie z. B. die von der Pflanze aufgenommene Stickstoffmenge, die tatsĂ€chlich eingesetzte Menge an DĂŒnger und die Einbeziehung von Nebenprodukten (Rapsschrot) in die Bilanzierung.[30] Verschiedene Studien nennen eine positive Klimabilanz. GroĂe Presseresonanz fand 2008 eine Studie, die eine negative Klimabilanz fĂŒr Treibstoff aus Raps berechnete, deren EinschĂ€tzung der oben genannten Faktoren von vielen Seiten jedoch als veraltet und wissenschaftlich nicht haltbar kritisiert wurde.[31][32][33][34]