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Als Reconstruction bezeichnet man in den USA die Wiedereingliederungsphase der 1860/61 aus den Vereinigten Staaten ausgetretenen Staaten in die USA nach dem Bürgerkrieg (1861–1865). Sie zog sich bis 1877 hin. Den Begriff „reconstruction“ mit „Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes“ zu übersetzen, ist nicht ausreichend. Er umfasst sowohl die Inhalte Wiederaufbau und Umformung als auch den technischen Begriff „Neukonstruktion“.
Inhaltsverzeichnis |
Die Führer im Norden stimmten darin überein, dass das Kriegsende mehr als nur die Beendigung des Kämpfens bedeutete. Es musste die beiden Kriegsziele umfassen: Der konföderierte Nationalismus musste völlig zurückgedrängt, und alle Arten von Sklaverei mussten beseitigt werden. Der Weg dahin war jedoch heftig umstritten. Die Fragen der Intensität der Aufsicht durch die Union, der der Süden unterliegen sollte, und der Prozesse, durch den die Südstaaten wieder in die Union eingegliedert werden sollten, polarisierten die Gesellschaft des Nordens.
Die „reconstruction“ begann schon in einem frühen Stadium des Bürgerkrieges und endete formal 1877. US-Präsident Abraham Lincoln hatte bereits am 8. Dezember 1863 eine Amnestie und den Wiederaufbau für die vom US-Heer besetzten Gebiete ausgerufen. Lincolns Pläne für die „reconstruction“ waren von Milde gegenüber dem ehemaligen Gegner bestimmt. Die radikalen Republikaner wollten den Süden so lange wie möglich von der Beteiligung an der Union heraushalten und besonders wirtschaftlich ausbeuten.
Nach der Beendigung des Krieges standen die USA vor drei grundlegenden Problemen:
Hierzu gab es drei Lösungsansätze:
Der Plan Johnsons wurde von den radikalen Republikanern als zu nachgiebig angesehen und führte zum Amtsenthebungsverfahren.[1]
Zur „reconstruction“ gehörte auch das Ablegen eines Eides, der nach den Forderungen der Radikalen den Passus enthalten sollte, der Eidgeber habe in der Vergangenheit nie die Konföderation unterstützt oder in deren Streitkräften gedient. Damit wäre der gesamten Oberschicht des Südens der Zugang zu irgendwelchen Ämtern der Union versagt geblieben. Die Gemäßigten setzten sich durch, und die Südstaatler mussten schwören, dass sie zukünftig zur Union stehen würden.
Die am längsten anhaltende Wirkung erzielten die drei „Bürgerkriegs“-Verfassungszusätze (manchmal auch reconstruction amendments). Der 13. Zusatzartikel hob die Sklaverei auf, der 14. erweiterte den Schutz der Bürger auf alle Rassen, und der 15. schaffte Rassenbeschränkungen bei den Wahlen ab. Die Republikaner erreichten bei den Kongresswahlen 1866 die absolute Mehrheit, vor allem weil die Südstaaten nicht mitwählen durften. Der Kongress verabschiedete in den Folgejahren vier Rekonstruktionsgesetze, gegen den Präsident Johnson jeweils sein Veto einlegte. Ziel der Gesetze war es, in erster Linie die Südstaaten zur Anerkennung der Zusatzartikel zur Verfassung zu zwingen. Die Gegensätze zwischen Präsident Johnson und radikalen Republikanern führten schließlich zum ersten Impeachment-Verfahren in der Geschichte der Vereinigten Staaten, das Johnson in den entscheidenden Abstimmungen im Senat mit dem knappst möglichen Ausgang überstand.
Am 7. März 1867 erließ der Kongress das die Südstaaten bestrafende Rekonstruktionsgesetz gegen das Veto des Präsidenten. Ziel des Gesetzes war, die Mitglieder der Regierungen der Südstaaten durch Anhänger der Nordstaaten zu ersetzen und die Rechte der befreiten Schwarzen zu bewahren. Die bestehenden Regierungen der Südstaaten wurden abgesetzt und durch Militärgouverneure ersetzt. Niemand, der die ehemalige Regierung der Konföderierten Staaten oder der Einzelstaaten unterstützt hatte, durfte wählen oder ein politischen Amt ausüben. Das Ergebnis war, dass die Militärgouverneure, Scalawags[2] und Carpetbagger (politischer Abenteurer)[3] die Regierungen der besiegten Staaten bestimmten.
Die Südstaaten wurden mit Ausnahme von Tennessee in fünf Wehrbereiche unter der Kommandogewalt eines Militärgouverneurs aufgeteilt und verwaltet. Die militärischen Verwaltungsbezirke waren:[4]
| Militärbezirk | Bundesstaaten | Kommandeur |
|---|---|---|
| Virginia | Generalmajor John Schofield | |
| North Carolina, South Carolina | Generalmajor Daniel E. Sickles | |
| Georgia, Alabama, Florida | Generalmajor John Pope | |
| Mississippi, Arkansas | Generalmajor Edward Ord | |
| Texas, Louisiana | Generalmajor Philip Sheridan |
Die Militärgouverneure hatten absolute Macht. Sie entfernten aus der Verwaltung tausende Beamte, die bereits während der Sezession ihren Staaten gedient hatten. Außerdem bestimmten sie, dass ehemalige Sklaven in hohe Positionen kamen, so dass sie ihre ehemaligen Besitzer beherrschen konnten. Aus ihren Bezirken pressten sie Reparationszahlungen aus dem Wenigen, was diese Staaten überhaupt noch nach der Verwüstung durch den Krieg leisten konnten. Unter strenger Aufsicht des Heeres erarbeiteten sich die Staaten neue Verfassungen und wählten neue Kongresse, Unruhen schlug das Heer nieder. Den Willen zur Durchsetzung ihres Machtanspruches zeigte die Union z. B. bei der Auslöschung des Ku-Klux-Klans 1870.
Die Demokraten in den Südstaaten entschieden sich 1870, dass es für die Südstaaten keinen anderen Weg als den der „reconstruction“ gäbe, wenn man denn überleben und erneut Einfluss gewinnen wolle.
Die „reconstruction“ endete in den verschiedenen Staaten zu unterschiedlichen Zeitpunkten, in den letzten dreien durch den Kompromiss von 1877. Darin stimmten die Südstaaten der aufgrund eines unklaren Wahlausgangs umstrittenen Präsidentschaft von Rutherford B. Hayes zu, wenn gleichzeitig alle US-Truppen diese Staaten verlassen würden.
Die aus der Union ausgetretenen Staaten traten der Union nacheinander wieder bei, nachdem sie die Voraussetzungen erfüllt hatten.
| Bundesstaat | Wiederaufnahme in die Union |
|---|---|
| Tennessee | 24. Juli 1866 |
| Arkansas | 22. Juni 1868 |
| Florida | 25. Juni 1868 |
| North Carolina | 4. Juli 1868 |
| South Carolina | 9. Juli 1868 |
| Louisiana | 9. Juli 1868 |
| Alabama | 13. Juli 1868 |
| Virginia | 26. Jan. 1870 |
| Mississippi | 23. Feb. 1870 |
| Texas | 30. Mär. 1870 |
| Georgia | 15. Juli 1870 |